Ausgabe 
18.4.1910 Erstes Blatt
 
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fahren wollte.

= Frankfurt, 17. April. Der große Wcltzirkus S a r r a s a n i, der seit vorgestern hier Vorstellungen gibt, findet außerordentlichen Anklang. Ter Zirkus verfügt namentlich über ein erstaunlich reiches Tiermaterial: Wohlgepflegte Pferde, Lunde, Löwen, Elesanten, Kamelen, toeelotoen, Gan,e usw. Tabei find die Dressuren ungemein anziehend und sehenswert. Aber auch der sehr zahlreiche künstlerische Personalbestand leistet das Höchste. So war namentlich eine Truppe junger Chinesen bewunderswett, die ihre großen Schirme mit den Füßen balancierten und die erstaunlichsten .Akrobaten-Äunststücke mit größer Leichtigkeit aus­führten.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Johannes Keipp 1. von Wallcnrod wurde zum Beigeordneten wiedergewählt und bestätigt. S)er bei der Carbid explosion aus dem im Braunkohlenbergwerk Gustav" bei Dittingen Verwundeten, verunglückte Baggermeister Eichstädt aus Kahl ist am Krankenhausc zu Hanau v c r st o r b c n.

Gerieht-jaaU

fc. Darmstadt, 16. April. Der Zünmermeister Philipp Schäfer von Hühnlein hatte, wie wir seinerzeit berichteten, eine Schadenersatzklage gegen den hessischen Fiskus angestrengt. Er hatte in irgendeiner am Landgericht Darmstadt airhängigen Prozeßsache sein GejäKstsbuch zu den Gerichtsakten gegeben und das Buch war nach Beendigung des Prozesses spurlos ver­schwunden. In ihm waren nach Angabe des Klägers seine Ge- schäftsausständc verzeichnet, und er behauptete, daß es ihm nun­mehr unnröglich sei, seinen Kiuiden genauere Rechnungen Luszu- stellen. Für den ihm dadurch erwachsenen Schaden machte Schäfer den FiskuS verantwortlich. Das Gericht erkannte die Klage dem Grunde nach für begründet und wegen der ,Höhe des schadens soll der Kläger einen Eid leisten. Diesen leistete Schäfer, worauf die Sache außergerichtlich erledigt wurde.

w. Erfurt, 16. April. Das Reichsgerich t^hatte zwei­mal das Todesurteil gegen den Glasbläser Lutz aus Friederedors aufgehoben. Gestern abend wurde der Angeklagte zum dritten Male zum Tode verurteilt; er wurde für schuldig befunden, den Forstausseher Walther erschossen und einen

Aus Staöt itnO Land.

Gießen, 18. April 1910.

Die S traßenbahn beförderte im ganzen vom 1.15. April 45 737 Fahrgäste (täglich im Durchschnitt 3048), darunter 553 städtische und 353 Postbeamte im Dienst. Die rote Linie (BahnhofSchützenhaus) benutzten 26 964, die grüne Linie (BahnhofMarburger Straße) 18 773 Personen. Interessant dürfte sein, daß am 6. April, dem Tage des Pferdemarktes, die grüne Linie die rote über­holte. Während damals in der Richtung Schützenhaus 1534 Personen die Bahn benutzten, fuhren auf der anderen Strecke 1627 Fahrgäste.

In dem Befinden des Landtagsabg. Dr. Gutfleisch ist eine erhebliche Besserung eingetreten. Die in auswärtigen Blättern verbreiteten ungünstigen Nach­richten sind durchweg arge Uebertreibungen und beruhen sämtlich auf Hörensagen.

Die Gießener Regatta findet, wie uns von der

Gießener Ruder-Gesellschaft nutgeteilt wird, am 17. Juli statt.

** Der milde Regen der vorletzten Nacht hat das Erwachen der Natur einen großen Schritt vorwärts ge­bracht. Hafer und Gerste, Gemüse- und Runkelpflanzen sind vollends herausgelommen, Pflaumen, Pfirsiche, Apri­kosen blühen, und die Schlehenhecken prangen in weißem Blüten schmuck. Die Landwirte sind fleißig am Kartoffel­stecken. Winter- und Sommerfrüchte stehen gut. Die Obst­bäume zeigen einen reichen Blütenanjatz, und wenn die Blütezeit gut verläuft, ist ein gutes Obstjahr zu erwarten. Iw Wald tommt bei Buchen und Erlen das Laub.

** Die Fünfziger von 1859 1909 tagten gestern nn Cafe Ebel, um ihren fernerenArbeitsplan" festzuieeen, nach­dem ihr Jubiläumsjahr abgclaufen ist. Aus Vorschlag des ersten Vorsitzenden, Kommerzienrat Mueller, wurde beschlossen, alle fünf Jahre ein Hauptfest aüzuhalten, ähnlich dem vorjährigen Vbilosophenwald-Fest. Außerdem sollen im Laufe jedes Jahres einige Zusammenkünfte in beschränkten Rahmen stattfindcn. So ist für das laufende Jahr geplant cm Juni oder Juli ein Familien­fest im Hardtwäldchen, im Herbst ein Kommers und im Dezember eine Familien-Weihnachtsfeicr vorgesehen. Mit der Führung der Geschäfte für die nächsten fünf Jahre wurde dec seitherige Vor­stand nach einigen Ergänzungen wieder betraut

* Ein Kursus für lirchlichc Jtun|t und D enk- walZPflege wird am Predigerseminar zu Friedberg von

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Berlin, VL lonunfälle lM ui einiger Zeit Ä solcher Unfälle nact lieben Bestiininungc Tick Maßregeln 1 vien Dnrchsnhrun nebenbei in einer gi rate darin wird abe sehr viel gesündigt.

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Paris, 17. malen jiiriftil fahrt hielt falte bcutfifai yiitglicbei teilnafa. frauotgei i'tr rechtlichen Watu Mm war sich einig Meer und ftoatenloiei besitze, also als frei über Staatsgebiete ui finden zwischen die die Ausdehnung als Grundsatz wünji glieder, die die Fre möchten.

Leipzig, 17 >2Nhr, 10 Miu. iu Zittcrseld aufgesliec vassicrte, mutzte ge> 2chraubenwclle bei ~ic Landung erfol, ~ie Hülle, die dur mit der Bahn n .. Berlin, 18. Sonnabend in $erl Witters in der 0

Fahrt, koi landen. 2je Ins

,n 'Berlin ei

Altenburg, iiii . Uhr Ml dem 1,/ape in Gegenwart c gelandet. Am m seid erfolgen. M Herzogin m der einen Flug von etiu- rooraui eine abcnual

Reichsgerichtsbrief.

(Nachdruck verboten.) Js. Le ip z ig, /April 1910.

Befreiung von der S ch e n k u n g s st e n e r.

Das Reichsgericht erklärt in einer Entscheidung, die letzthin zufolge eines Rechtsstreits der Berliner H a ndelsg e s e l l - ch a f t in Berlin mit dem Preußischen F i s k us erging, daß eine Schenkungssteuer n i di t z u e r h e b c nj H , wenn die Schenkung einer sittlichen Pflicht entspricht. Tie Prozeß­grundlage ist durch eine Zuwendung geschaffen worden, die die Handelsgesellschaft der für ihre Angestellten und deren Witwen und Waisen seit dem Jahre 1867 bestehenden Pens ionska s s e gemacht ist. Bisher hat die Handelsgesellschaft regelmäßig einen gewißen Teil ihres Reingewinns der Kasse zugewendet. Als sie im Jahre 1907 auf Grund eines Generalversammlungsbeschlusfes 100000 Mark an die Kasse überwies, behauptete die Steuer- bewerbe, daß diese Zuwendung nach den §§ 55 ff. des Reichs­erbschaftssteuergesetzes vom 3. Juni 1906 als Schenkung mit 5 Prozent zu versteuern sei, und zog den Betrag von 5000 Mark ein. Auf die Klage der Handelsgesellschaft erkannte das Land­gericht zunächst auf Abweisung der Klage; das K a m m e r g e r i ch t z u Berlin gab dagegen der Klage statt.

Nunmehr hat das Reichsgericht das auf Rückzahlung der Steuer lautende Urteil bestätigt. Es erklärt unter Zurückweisung der vom beklagten Fiskus eingelegten R c - Vision:Es kann dahingestellt bleiben, ob die Statuten, deren wesentlicher Inhalt im Tatbestände mitgeteilt ist, die Annahme des Berufungsrichters ohne weiteres rechtfertigen. Tie Be­freiungsvorschrift ist anzuwenden, wenn durch die Schenkung einer sitkliichen Pflicht oder einer auf den A n ft and zu nehmenden R ü ck f i ch t ent­sprochen wird. Der Berufungsrichter geht in erster Linie davon aus, daß die Klägerin, indem sie von dem erzielten Reingewinn der Pensionskasse mittels Beschlusses dcr General- versammlunci vom 23. März 1907 den Betrag von 100 000 Mk. zugehen ließ, eine sittliche Pflicht erfüllt habe . . . Der erkennende Senat hat in dem oben angeführten Urteil bereits eine besondere sittliche Pflicht gegenüber der allgemeinen Pflicht zur Wohltätigkeit - auch des vermögenden Arbeitgebers zur Gründung und Ausstattung von Unterftntznngstassen für die Witwen und Waisen der Angestellten nach den geltenden Anschau­ungen des praktischen Lebens abgelehnt und nach diesen^Anfchaii- uiigcii wird sich ebensowenig ein in den Geboten der Sittlichkeit wurzelnder Anspruch der Ängestellten auf Ruhegehalt und darüber hinaus auf Hihterbliebenen-Fürsorge begründen lassen, dessen Nichterfüllung als Verstoß gegen jene Gebote empfunden würde. Namentlich ist ein solcher 'Anspruch in den Fällen nicht anzu- erkennen, in denen das Entgelt für die zu leistenden Dienste so reichlich bemessen ist, daß dem Angestellten Ersparnisse ermöglicht werden, die ihm die Pension für »ich und seine Familie ersetzen. Eine sittliche Pflicht im Sinne des Gesetzes wäre nur durch be; sondere Umstände, nicht durch die allgemeine Aufstellung, daß der Arbeitgeber für seine Angestellten über die Tauer des Dienst Verhältnisses hinaus zu sorgen habe, zu rechtfertigen. Allein int gegenwärtigen Falle steht nicht die Gründung einer Pensions­kasse in Frage. Vielmehr handelt es sich um die Zuwendung an eine schon im Jahre 1867 ins Leben gerufene Kasse, die vor allem die Versorgung der Angestellten selbst bei Eintritt der Dienstunfähig kett bezweckt. Beiträge loerben nicht mehr erhoben. Die Kasse ist, solange nicht ihr Vermögen die zur Befriedigung der statutenmäßigen Ansprüche erforderliche Höhe erreicht ho!, auf Zuschüsse der Klägerin angewiesen. Damit rechnen ihre Angestellten und sie dürfen es unter den obwaltenden Verhält­nissen. Dazu kommt, daß die Bewidmnng einer wichen Pennons- kasse mit regelmäßigen, nach der Hohe des Reingenrinns bemessenen Zuschüssen den Amchauungen der Berliner Großbanken durchaus entspricht und geübt wird, wie der Bernsungsrichter auf Grund des Gutachtens der Handelskammer feftftcllt. Darum läßt sich sagen, daß die Klägerin, wenn anch nicht einer sittlichen Pflicht, so doch einer auf den Anstand zn nehmenden Rücksicht entsprochen hat. Wie dieser Anstand Weihnachtsgeschenke, Gratifikationen uiw. an Angestellte fordern kann und eine Verletzung der hiernach ge botcncit Pflicht den Ruf der Gesellschaft gefährdet, so kann auch die Nichtgewährung von Zuschüssen an die Pensionskasse der An­gestellten wider den Anstand verstoßen."

Ein schweres Sallonungiück.

Noch sind nicht alle Opfer beftattet, die bei den letzten Ballon- Unfällen ums Leben gekommen sind, und schon wieder meldet uns der Draht von einem neuen Unfall, bei dem vier Menschen) zerschmettert nmrden. Die Ursache des Unglückes läßt sich nod) nicht klar übersehen, aber nach den vorliegenden 'Nachrichten muß man annehmen, daß das Luftschiff in einen Gewitter sturm geraten ist und von einem Blitz getroffen wurde. Folgende Nack»- richten find uns feither zugegangen:

Eschwege, 17. April. Die Hülle des gestern in Bitter-, seid ausgesttegenen BallonsDelitzsch" wurde bei; Reichensachsen aufgefunden. Der Ballon wurde an|d)i?tnenb| während eines Gewitters vom Blitz getroffen. Alle vier Insassen sind tot.

lieber die Ursache.

Reiche usachs en, 17. April. Die Polizeibehörde in 9ieichen- achsen teilte dem Bitterfelder Werk Elektron 2 mit, daß der BallonDelitzsch" aus b e t r ä ch t l i ch e r H ö h e h e r a b st ü r z t e: die Insassen sind sämtlich tot. Ter Korb wurde schwer be- chädigt und die Hülle in zerfetztem Zustande aufgefnnden. Uebcr )ie Ursache läßt sich selpoer etwas sagen. Man neigt zu der Au sicht hin, daß der Ballon in ein Gewitter geraten ist und von, entern Blitzschlag getroffen wurde.

Bitterfeld, 17. April. Die lnesige Luftfchifi Halle hat von der Polizeibehörde in Reichensachsen d,e Ntttteilmig erhalten, daß die Insassen des verunglückten BallonsTelitzich", Ivie die Leichenschau ergab, vom Blitz erschlagen moröen sind.

Eschwege, 17. April. Der Befund der Leichen läßt er«, kennen, daß die Luftschiffer einen schrecklichen Tod gefunden haben. Auf dem Antlitz des Eilten ist die deutliche Todesangst ausgeprägt. Alle hielten die Hände krampfhaft geballt. Ein Orts­bewohner von Reichensachsen wurde nachts gegen 1 Uhr durch Krachen aus dem Schlafe geweckt und glaubte, der Blitz habe etngeschlagen. Als er jedoch nichts bemerkte, begab er sich wieder zur Ruhe. Heute früh um 6 Ulyr, als er nach den Ställen ging, fand er den Ballon in den Zweigen des Kirschbaums hängen und die Gondel zerschmettert am Boden liegen. Die Leichen wurden nach Eschwege gebracht.

Die Personalien.

Bitterfeld/ 17. April. Die Insassen des BallonsDc - litzsch" sind der Kaufntann Karl Luft- Bitterfeld als Führer, der seine 25. Fahrt unternahm, Herr Leuchsenring von der Luftfahrzeuggesellschaft, der den Münchener Ballon der Gesell" schäft führen sollte, und die Herren Höcker und Grau pner, beide aus Leipzig.

Die Fahrt.

Der Ballon ist gestern abend am Werk Elektron ausgestiegen und gehört dem Bitterfelder Verein. Der Aufstteg ging sehr glatt von statten: es herrschte fast völlige Windstille. Der Ballon zog in langsamer Fahtt in westlicher Richtung davon.

Eschwege, 17. April. Die Fahrt des verunglückten Ballons ging über Halle, Delitzsch, Niederreichstädt, Köllede uni) Sömmerda. Um 12 Uhr nachts passierte der Ballon bei 440 Meter Hohe Eisenach. Um diese Zeit scheint er in einen Gewittersturm geraten und nach Westen getrieben morden zu sein. Uebcr dem

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Wilddiebstahl im Forste Gehren ausgeführt zu haben. DaS Schwurgericht verurteilte den Angeklagten zum Tode und zu bret Jahren Zuchthaus. _

^.Allenstein, 16. April. Die Beichlutziammer des Atten- teiner Landgerichts hat gegen die frühere Frau von S ch ö n ebeck das Haupt v erfahren wegen A n ft i f t u n g z n m M o r b c und tätlichen Angriffs aus einen Vorgesetzten vor dem Schwur­gericht Allenstein eröffnet. Die Genchtskafie des Amts­gerichts Allenstein beschlagnahmte 15 000 Mark des Vermögens der Frau v. Schönebeck als Sick)erhett für die Kosten eines Straf­prozesses.

Geh. Baurat Pros. Walbe gehalten Am 26. April, 3. und 10. Mai je 51/** Uhr nachmittags wird der Genannte in Friedberg im Phpsiksaal der Auguftinerichule, 3 Vorträge über protestan­tischen Äirchbau, besonders auf dem Lande, halten. Später folgen 4 bis 5 noch näher festzusetzende Exkursionen.

* 3ur Launs b acher Fischereiverpachtung wird uns mitgeteilt, es sei ganz ausgeschlossen, daß da§ Wasier auSgebeütet ist, denn dafür habe e§ dem seitherigen Pächter an Zeit gefehlt, weshalb er die Fischerei aufgegeben habe.

X A l s f e l d , 17. April. Unser Rathaus, ein mittelalterlicher Fachwerkbau, wird nunmehr erneuert. Die Wiederherstellungs­arbeiten vollziehen sich unter Leitung des Regterungsbaumersters Kuhlmann. Tie Arbeiten werden im Mai begonnen. Die Kosten belaufen sich auf 60 000 Mk. .

G Ober-Rosbach v. d. H., 17. April Aus dem Wald- chlößchen am Taunusabhang wurde heute das Rosbacher Früh­lings- oder K i r s ch b l ü t e n f e ft abgehalten unter zahlreicher Beteiligung der ganzen Umgegend. Besonders von Friedberg und Bad-Nauheim waren zahlreiche Ausflügler. Der Kirschberg teht jetzt in voller Blütenpracht. In einer Ausdehnung von etwa einer Stunde zieht sich der dichte Kirschwald, der zu den bekanntesten und größten Kirschbaumpflaiizungen in Deutschland gehört., in geschützter Lage am Taunusrande hin. Herrlich ist der Anblick, der sich aus der Ferne, z. B. von der Friedberg-Homburger Bahn, dem Beschauer bietet, der seine Blicke nach dem unendlichen schnee­weißen Blütenmeer richtet. Tie warme Witterung der letzten Tage hat die Kirschblüte so frühzeitig entfaltet, tote selten. Die hiesige Bevölkerung sieht daher mit bangen Sorgen dem Wetter der nächsten Tage entgegen, von dem ihre Haupteinnahme voll- tändig abhängt. _

? Butzbach, 17. April. Anfangs Dezember vor. Js. entwich ein Gefangener auS der hiesigen Zell en - trafanstalt und blieb bis vor kurzem unermittelt. Wie ich jetzt herauSstellt, hat er die Freiheit nur zwei Tage ge­nossen. Nachdem er nämlich bis nach Neuwied gelangt war, wurde er dort wegen Bettelns verhaftet und auf einen falschen Namen zu 4 Wochen Hast und Ueberweisung an die Landespolizei­behörde verurteilt. Er hatte nämlich mit der falschen Namens­angabe Unglück gehabt, denn der Mann, dessen Namen er sich beilegte, hatte erhebliche Vorstrafen wegen Bettelns, die die Verurteilung zu Arbeitshaus nach sich zogen. Als sein Berufung gegen daS erstinstanzliche Urteil verworfen worden war, bequemte er sich endlich zur richtigen Angabe seiner Personalien, und hierdurch entpuppte er sich als der ent­wichene Sträfling Georg Wagner. Nachdem er nun wegen intellektueller Urkundenfälschung zu zwei Monaten Gefängnis abgeurteilt worden war, wurde er dieser Tage zur Verbüßung deS Restes der gegen ihn erkannten GesängniSstrafe in die hiesige Strafanstalt eingeliefert. Hier hat er zunächst eine verschärfte Arreststrafe zu erwarten. Der vor zwei Jahren entwichene Trauntschnig soll im Oktober v. Js. wieder einmal bei seiner Frau in Fauerbach bei Butzbach vor­gesprochen haben. Trauntschnig ist auS Oesterreich gebürtig und ein äußerst geriebener Verbrecher. In dem benach­barten Marien schloß schlug vor kurzem ein Gefangener einem Aufseher mit einem Hammer dermaßen aus den köpf, daß der Stiel des Hammers abbrach. Durch die Mütze wurde der mit aller Wucht geführte Schlag etwas abgeschwächt. Der Verbrecher wird sich wegen Mordversuchs vor dem nächsten Schwurgericht zu verantworten haben. Ter Aufseher ist von der erlittenen argen Verletzung wieder hergestellt.

n. Offenbach, 17. April. Der Aufforderung des Gesamt­vorstandes vom Vogelsberger Höhenllub, die Ztoeigvcrcinc möchten hilfebringend für die unverschuldet in Not geratenen Obermock- st a d t e r Landsleute eintreten, ist der hiesige Zweigverein dadurch nachgekommen, daß er sich in einem Aufruf an die wohltätige Bevölkerung unserer Stadt gewandt hat. Vor allem ist dabei die eine Tatsache hervorgehobcn, daß eine verhältnismäßig nur fleine Anzahl von Dorfhandwcrkern und Kleinbauern die ungeheure Summe von 800 000 Mark aufbringen muß. Der Aufruf ist von einer Anzahl namhafter Mitglieder unterschrieben und von Bürger­meister Dr. D u l l o und vom Kreisrat Bockmann, Büdingen, warm empfohlen.

rb. Bensheim, 18. April. In der Anlage hat gestern mittag der Schüler Hans Wahlig, der nach Tauben schießen wollte, ein vierjähriges Mädchen durch einen Schuß schwer verletzt.

x Krofdorf, 17. April. In einer Frauenversammlung hat sich beute ein VereinKinderhort" gebildet, der eine Kleinkinderschule" ins Leben zu rufen gedenkt. Gerade hier, wo so viele Mütter in Fabriken beschäftigt sind, ist oute solche Einrichtung sehr zu begrüßen. . m t

X Atzbach , 16. April. Uni er Gemeindevorsteher Veite will mit Rücksicht auf sein bohes Alter sein Amt nieder­legen. Er hat nahezu 23 Jahre an der Spitze der Gemeinde gestanden. Gestern hat die Gemeindevertretung den Schultheißen T a f ch zum Ortsoberhaupt gewählt. Vorsteher- und Schultheißen- amt sind mithin auch hier für die Folge wieder in einer Perlon vereinigt.

w. Frankfurt a. M., 16. April. Honte abend wurde an der Ecke der Mosel- und Karserstraße eine Frau von einem Automobil überfahren und schwer verletzt. Tie Schuld soll den Chauffeur des Automobils treffen, der ohne Signal in raschein Tempo die Sdraßenkreuzung über»

Im Stän behaus zu Rostock trat eine von Stände­mitgliedern zahlreich besuchte Versammlung zusammen zur Beratung weiterer Schritte, die zu einer Einigung über die V er f a s su n g s fr aa c führen soll. Tie Verhand­lungen nahmen mehrere Stunden in Anspruch. Schließlich wurde einstimmig folgende Entscküieftung angenommen:

Wir idie Stände) erklären uns bereit, wenn die Regierungen den Ständen eine neue Vorlage bringen sollten, in welcher unter Beibehaltung der beftehenden ständischen Ver­tretung weiteren Kreisen die Mitwirkung an der Gesetzgebung und an der Bewilligung des Etats gewährt wird Oedoch unter Ablehnung von allgemeinen Wahlen), auf dieser Grundlage in weitere Verhandlungen einzutreten. Trabet geht die Versammlung von der Voraussetzung aus, daß die bisherige Vorlage zurückgezogen wird." , c ,

Dieser Beschluß wurde gefotzt mit Ruchtcht auf das Güsttower Protokoll vom 18. Januar, in dem voraeschlagen wird, den beiden jetzt bestehenden Ständen einen dritten Stand anzugliedern und für jeden Stand 50 Ab­geordnete zu wählen. Die Rostocker Versammlung wählte nun eine Abordnung aus der Ritterschaft und der Land­schaft; diese soll eine Audienz bei den beiden Großherzögen erbitten und eine Resolution überreichen, sowie über den Verlauf der Versammlung berichten.

Für die durck) den Tod des freisinnigen Abgeordneten Delbrück nötige Reichstagsersatzwahl in Swine- münde-Usedom-Wollin wollen die Nationallibe­ralen einen eigenen Kandidaten aufstellen, und zwar Amts­richter Grunwald. Tie Freisinnigen erklären es für aus­geschlossen, daß die Nationalltberctten in der gegenwärtigen politischen Lage ein freisinniges Mandat durch eine national- liberale Kandidatur den Konservativen in die Hände spielen könnten. Bei den letzten Wahlen wurden im ersten Wahl­gang 8156 konservative, 6353 freisinnige und 6113 sozial­demokratische Stimmen abgegeben.

Für die Reichstagsersatzwahl in Landes- Hut-J auer-Bo lcken Hain wollen die Natwnallibe- ralen gleichfalls eine eigene Kandidatur aufstellen. In Aussicht genommen ist Pastor Kröpelin in Kroitsch. 1907 sind in Landeshut-Jauer-Bolckenhain 5728 freisinnige, 5050 konservative, 5019 sozialdemokratische und 4307 Zen­trumsstimmen abgegeben worden.

Die Reichs tag sstichwahl in Posen zwischen dem Oberbürgermeister Dr. Wilms und dem polnischen Arbeiter­sekretär findet am 21. April statt. Das polnische Provrn- zialwahltomitee l)at folgende Entschließung angenommen und in Form eines Aufrufs an die Kreiswahltomttees und die Wähler befanntgegeben:

Bei der Stichwahl am 21. d. M sind die polnnchen Wählu verpftickstet, chrc Stimme für Herrn Stanislaus 5Jtoroicti aus Posen abzugeben. Herr Nowicki ist jedoch nicht unser legaler Kandidat und verpflichtet, im Falle feiner Wahl unverzüglich fein Mandat niederzulegen oder fick) dem Befchluffe eurer neuen Versammlung des Provinzialwahlkomitees zu unterwerfen/

DerKurl)er" fügt dieser Meldung hinzu, daß die in Aussicht gestellte Versammlung am 27. April stattfinden wird. Es heißt nach derVoss. Ztg.", Nowicki werde das Mandat nicht niederlegen wollen.

rlurland.

Am Samstag abend war beim Kaiser Franz Josef in Schönbrunn Tafel, zu der n. a. R o o s c v e l t mll feinem Sohne, der amerikanische Botfck>after in Wien K e r e n s , der österreichifch- ungarische Botschafter in Washington, Hengelmüller, Minister­präsident von Bienerth und Graf von Aehrenthal geloben waren.

DieAgenzia Stefani" veröffentlicht die folgende ^^^ic dies unter entsprechenden Verhältnissen schon mehrmals geschehen, fand auch aus Anlaß der Ernennung des Marchese San Giuliane zum italienischen Minister des Aeußern ein herzlicher Gedankenaustausch zwischen ihm und dem Grafen von Aehrenthal statt. Aus dem Gedanken­austausch ergab sich die gemeinsame feste Absicht der beiden Minister, in voller Uebereinftimmung vorzugehen und »ich die immer herzliche und innigere Gestaltung der ausgezeichneten Fr eunds chafts- und B ün d n i s b e z ie h u n g e n ange­legen sein zu lassen, welche die beiden Regierungen einigen.

Der Sonderberichterstatter desTemps" in ft a t r o hatte eine Unterredung mit dem Khed ive, welcher u. a. sagte, er hoffe, daß der Plan betreffend die Erneuerung der Konzes sion des Suezkanals zustande kommen werde, und daß wir mit den 100 Millionen, welche Aegypten dafür erhalten wird, nützliche Arbeit werden leisten können.

Aus Teheran wird gemeldet: Nach einer am Sonntag hier eingetroffene Nachricht ist der frühere britische Konsul, Bill, in Schiras am 15. d. M., auf der Reife nach Jfvahan, von Eingeborenen angegriffen worden; zwei Sepeys feiner Begleitung wurden getötet, während Bill selbst seine Reise sortfetzen konnte. _________