Ausgabe 
18.4.1910 Erstes Blatt
 
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Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen.

Allgemeine Wetterlage leit gestern früh: Tie Zyklone über Deutschland ist rasch ostwärts gezogen und hat in Nord- und Süd­deutschland strichweise Gewitter gebracht. An ihrer stelle ist heule morgen von Westen her ent Hochdruckgebiet herangezogen, das trockenes unb langsam auiheiterndeS Wetter bringt. Dabei luhb morgen wieder Erwärmung eintreten. Ein über bcn britischen Inseln lagerndes Tiesdruckgcdict wird vorderhand unsere Witterung nicht beeinflussen.

Wetterausstchten in Hessen am Dienstag dem 19. April 1910; Vorwiegend heiter, trocken, wärlner, schwacher Südwcst.

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Berlin, 16. April. Von zuständiger Leite wird mitgeteilt, daß bei dem Vorsitzenden des Aussichtsrales der Bochumer Bergwerksaktiengesellschalt l-eutc seitens der Ge­werkschaft Constantin der Große das Angebot ein gegangen ist, das Geiellschastsvermögen der Bochumer Bergwerks- akticngescllschast mit allen Aktiven und Passiven auf der Basis des Aktienkurses von 80 Prozent, ferner mit Zinsen, zahlbar in vierprozentigen Obligationen der Gewerksdfaft Coiistantin der Große, mit Zinsen ab 1. April d. I., zu erwerben. Das Angebot steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der beiderseitigen Haupt' Versammlungen. In der außerordentlichen Hauptversammlung des Bochumer Vereins für Bergbau und Guststahlsabrikation wurde heute der Antrag dec VerwUtung, das Aktienkapital nm 48 Mill. Mark zu erhöhen, genehmigt. ____

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Ems, 18. April. In Berg bei Nastätten wurde der 35 Jahre alte Gemeinderechner Thomas im Feld vom Blitz getroffen und fchiver verletzt.

Warschau, 18. April. In der Nähe des Dorfes Nicmirow sind neun" Arbeiterinnen der dortigen Zuckerfabrik auf' dem Heimwege von der Arbeit von bewasfiieten Ban i>iten ermordet und ihrer Barschast beraubt worden. Einer, Arbeiterin gelang es, zu entkommen. Sie begab sich in die' Wohnung ihrer Schwester unb legte sich sofort zur Ruhe. Aus einem Gespräch ihrer Süßester mit ihrem Schwager horte )ic, daß der Mann zu den Mördern gehörte und daß auch sie ermordet werden wlle. Sie fluchtete und benadjrid)tigte den Dorfvorsteher von dem Geschehenen. ,

Toulon, 18. April. Dec Torpedobootsmaat L e M e v e l ha! seine Schwägerin entführt und ist ms Ausland geflüchtet. Er hat die Pläne mehrerer Unterseeboote mitgenommen.

London, 18. April. Der Postdampfer ,Minnehaha* ist bei den Scillyinseln gestrandet.

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Luftschiffahrt.

Parseval 4."

Bitterfeld, 17. April. Das LuftschiffP. 4" ist um .7 Uhr 28 Min. zu einer Fahrt nach Altenburg aufgestiegen. Die Führung haben foauvtmann Dinglinger und Ober- mgenieur Kiefer; ferner sind in der Gondel ein Steuermann kjnb zwei Monteure. .

Altenburg, 17. April Das LustichrstP. 4 ist gegen 11V* Uhr auf dem als Landungsplatz vorgesehenen, Exerzier- ylaßc in Gegenwart des Herzogs unb einer großen Menschenmenge .j e I a n b e t. Am nachmittag soll die Rückfahrt nach Bitter - s.ld erfolgen. Rach der Landung nahm der Herzog und die Herzogin in der Gondel Platz mit) das Luftschiff führte bann einen Flug von etwa 20 Dtinuten Dauer Über der Stadt aus, worauf eine abermalige Landung erfolgte.

Reue Maßregeln.

Berlin, 17. April. Mit Rücksicht auf die letzten Bal- !l o n u n f ä l l e beschloß der kaiserliche Aeroklub, bereits in einiger Zeit Maßregeln zu treffen, um die Wiederholung! i-stcher Unfälle nach Möglichkeit auszuschließen. Die diesbezug- hchen Bestimmungen werden in allernäcyster Zeit veröffentlicht. , Diese Maßregeln könnten unseres Erachteiis nur in einer >a>ar- u-ren Durchführung der Prüfungsbestimmiingen bestehen unb gt bcnbci in einer größeren Beachtung der Wetterooraussagei'. Ge- toLc darin wird aber, wie oben bargetan, von den Sporlleulen noch sehr viel gesündigt. Die Red.)

Tas Recht in der Luft.

Paris, 17. April. Das Präsidium des internatio­nalen juristischen Ausschusses für Luftschifs- ij a t) r t hielt heute eine Sitzung ab, in der als Vertreter der Rutschen Mitglieder Assessor Dr. Meyer aus Dornburg ö.b. £>. icilnahm. X)auotgegenftanb der Beratungen bildete die tfrage dcr rechtlichen Natur des Luftraumes im öffentlichen Recht. ?Jtan war sich einig darüber, daß der Lustraum über offenem Meer unb staatenlosen Gebieten die gleiche rechtliche Natur besitze, also als frei zu erachten sei. Bezüglich des Luftraumes 4ber Staatsgebiete wurde beschlossen, eine vermittelnde Formel ni finden zwischen dem Strnidpunkte der deutschen Mitglieder, die die Ausdehnung der Staatsherrschaft auch ans den Luftraum als Grundsatz wünschen uni) dem Standpunkte der anderen Mtt- qlieder, die die Freiheit der ganzen Atmosphäre anerkannt felfen

Leipzig, 17. April. Das Luftschiff ,,P- 4" das um ,2 Uhr 40 Min. nachmittags in Alteiibnrg zur Rückfahrt nach Bitterfeld aufgeftiegen war und um 3 Uhr 30 Min. Borna passierte, mußte gegen 5 Uhr wegen eines Schadens an der Schraubenwelle bei & a m m e r f e I i), östlich von Leipzig, landen. Die Laiidung erfolgte glatt, ohne das Jemand verletzt wurde. Die Hülle, die durch die Reißvorrichtung entleert wurde, wird mit der Bahn irnd) Bitterfeld weiterbefördert.

Berlin, 18. April. Der BallonM e w a l bz, der am Sonnabend in Berlin aufgeftiegen war, hatte infolge des Ge­witters in der 9iad)t 3um Somttag eine ziemlich bedroh­liche Fahrt, konnte aber in der Sb or in er Heide glatt laude ii. Die Insassen, ein Herr ein zwei Damen, such bereits oieher in Berlin eingetroffen.

*VomWetLer. Die gestrigen Gewitter haben mehr- ach großen Sck>aden angeriastet. In Echternachbrück wurden während des Gewitters zwei Mädchen im Alter von 18 und 19 Jahren aus freiem.Felde vom Blitz getroffen und lebensgefährlich verletzt. In Wahl­hausen wurde der Winzer Knoty im Weinberg vom Blitz erschlagen. Auch über der Nordsee tobte dus Wetter.

* Der erste regelmäßige Autverkehr in Per­sien ist nun eröffnet; zwischen Julfa an der rustischen Grenze unb der besonders während der letzten Wirren vielgenannten Hauptstadt von Azerbayan, Täbris, ist ein Dienst von Aut- omnibussen erreicht worden. Die Strecke hat eine Lange von 83 englischen Meilen; der erste Test der Reise von Julfa ist sclpvie- rig und führt durch sehr gebirgiges Geläiide; etwa 40 Meilen nad) Julia muß ein hoher Berg überwunden werden. Die letzten 24 Meilen vor Täbris führen über eine ausgezeichnete neue Chaussee, die von bcn tlhificn gebaut worden ist. Der neue Aut- vcrkehr bringt eine wesentliche Erleichterung für die russischen Garnisonen, die an verschiedenen Orten zwischen Täbris unb Julfa liegen. Wie man sich erinnern wird, hielten im April vorigen Jahres russische Truppen ihren Einzug in Täbris, nach- oem sie das von Rahim Khan belagerte Täbris entsetzt und damit die dem Sungcrtobc nahe Bevölkerung errettet hatten.

* Das Fahrrad eine chinesische Erfindung. Tie Chinesen, die sich rühmen, schon viele Jahrhunderte vor den Europäern daS Pulver, b,e Buchdruckerkunst unb den Kompaß ent­deckt zu haben, beanspruchen jetzt auch den Ruhm, als erstes Volk oer Erde das Fahrrad ersonnen zu haben. In alten chinesischen Chroniken wird von einem klugen Sohn des Himmels berichtet, der um 2300 v. Chr. ein Verkehrsmittel ersonnen hat, das damals den Namen .glücklicher Drache" erhielt. Der Vizekönig von Petschili hat einem englischen Fabrikanten, der ihm em ^Zweirad angeboten hatte, eine genaue Schilderung jenesglücklichen Drachen" gegeben, die zeigt, daß jene altchinesische Maschine in den wesent- ttchen Teilen mit unserem Fahrrad fast völlig übereinstimmte. Tie Chronik berichtet, daß bamalö derglückliche Drache" Awsehen er­regte ; alle Chinesen begannen Rad zu fahren und msbesondere die Damenwelt ergriff mit Leidenschaft das neue Verkehrsmittel. Die Begeisterung ging so weit, daß die radelnden Chinesinnen ihre häuslichen Pflichten vernachlässigten. Dies erregte großes Aerger- ,ns, am Naiserhos wurde Klage geführt und schließlich erließ der Kaiser einen Befehl, der bei strenger Strafe jede Benutzung des glüdlidfen Drachens'' verbot. Damit war die Laufbahn des Fahr­rades in China besiegelt auf 4000 Jahre.

Kleine Tagcschronik.

Dem in Studeittenkreisen wett bekannten verstorbeiieii Jenenser Original unb GastwirtKämmer-Karl" soll ein Denkmal gesetzt werden. Für dieses Denkmal ist jetzt unter vielen Vorschlägen die emgegangen sind, folgende Inschrift emslimung angenommen worden:Wanderer, neige dein Haupt, Kämmer-Karl ruht hier. Richt was sterblich von ihm. Rein, der Studenten Gedeiiken, die er jo oft gelabt, Kommilitone und Wirt, Machte unsterblich ihn hier."

Rach einem Telegramm aus San Jose wurde die Republik Costariea von einer Reihe von Erdstößen heimgesucht, die m e h re r eM i 11 i o n e n D o 11 a r S ch a d e n annchteten. Jniier- halb 24 Stunden fanden 30 Erschütterungen statt. In den Städten und Dörfern flohen bic Einwohner in wilder Angst aufs freie Land. Hunderte von Gebäuden sind eingestürzt, doch ohne Verluste an Menschenleben.

*t.- . Reichensachsen wurde er vermutlich vom Blitz getrod'n und bann mit großer Geschwindigkeit zur Erde g^törzt. Die Gondel ist iebenfalls mit furchtbarer Geir r aus bcn Boden aufgestotzen, denn die Leichen weisen g r ä ß k t ck c Verletzungen auf. Zwn wichen wurden herausgeschlcudert. sei lagen m der Gond l.

Wetter unb Lustsch sstahrt.

Die Beobachtung hat gelehrt, daß oie Ballonunsälle, die in l»en letzten Wochen so viel Menschenleben gefordert haben, sehr häufig oocr sogar fast immer auf die flcichtbeachtung der Wetter­voraussagen zurückznführcn ist. Auch das Unglück des Ballons Delitzsch" scknen uns lediglich auf eine derartige LeichtherzigkeU turückzusühren zu sein und wird wandten uns deshalb an den Leiter der hiesigen Wetterdienststelle, der unsere Ansicht denn auch best ingte. Er teilte uns mit:

Rach der Wetterlage am Sonntag früh lag ein ausgesprochenes Tiesdruagebiel über Mitteldeutschland, das im Laufe des Tages böiges Wetter in Aussicht stellte. Außerdem ergaben die Beob­achtungen auf den $?od}ftationen, daß die Temperatur mit der höhe sehr stark abnehme, eine Erscheinung, die für ba3 Eintreten von Gewittern charakteristisch ist. Die Wetterdienstilellen tm Norden des Reick-es hatten denn auch für den gestrigen Tag Gewitter fvrausgesagt. Bei derartigen Wetterlagen pflegen sehr häufig intensive Böen in stark absteigender Luftbewegung aufzu- tteten, die schon hierdurch, weil sie die Luftscksifse auf die Erde berabdrücken, sehr gefährlich werden können, wie das kürzlich dicht hinter Marburg der Fall war. Die ganzen Unfälle dieser Art sind daher lediglich auf die Nichtbeachtung der Wettervoraus­sagen zurückzuführen, weil tue Luftschiffer noch viel zu wenig von Meteorologie Dcrftebcii. Es wäre deshalb angebracht, das; man fick) die seitherigen Unfälle zu Verzen nähme und nicht mehr einfach darauf los fahre. Zwar wird die Meteorologie nicht allen Unfällen Vorbeugen können, aber sie wird doch jedenfalls eine harte Verminderung derartiger Unfälle verhüten können, die einzig und all. aus bic Unkenntnis der Wetterlage zuruckzusuhren sind Unb bas mar bet den letzten großen Unfällen stets der f .HL _____________________________

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Zwischen bcn ausständigen Fensterputzern unb bet Polizei kam es in Berlin zu wiederlwtt.m Suainnier.ü.,-. In der Leipziger Straße imirde cm arbeitswilliger ,xcnncrpu.i.r von den Ausständigen mißlwndelt. Die Täter wurden vergaltet.

In Krefeld wurde durch Verseben cinc> Apotheker gehilsen bei Slnfertigung eines Rezeptes eine ö-rau vei giftet.

In TourS wurden der Graf uiid die Graf in A u l b n de Glatignv verhaftet, weil sie der Amonkaneiin kvran^Pe ne wertlose gefälschte Bilder als Corvol, Corrcggw, Tizian und Murillo für den Preis von ungefähr einer halben Mlllion Francs verkauft haben.

Die Bürgerschaft von Liam bürg nahm einen Aittrag auf Bewilligung von 45 Millionen Mark zur Erweiterung der Dafenanlagen auf bcn Elbinseln Waltershof, 'Jiculjof unb Roß an.

Bei dein Wirbelsturm, der auf dem Flugplätze von Mourmelon-le-Grand so große Verheerung ange richtet hat, sind vier Arbeiter getötet und sechs verwundet worden.

In Paris wuroe unter dem Verdachte der Falsch­münzerei der Vicomte Sosignac ocrhaftet.

In dem l-auptsächlich von Armeniern bewohnten Lite Eg hicn in Anatolien herrscht seit einiger Zeit bereitsL) nn g cr s- n o t und Seuck) e. An einem der letzten Tage sind 80 Personen infolge Hungers g e ft o r b c n.

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Sport.

= Fußball. Gestern gewann eine gernifckfte Mamischaft des Sportvereins Merkur in einem Wettspiel gegen eine i leiche Mannschaft des Vereins für Bewegungsspiele mit 2:0 'oren-

Universitäts-Nachrichten.

= Frankfurt a. M., 15. April. Die Akademie ür Sozial - und Handels miss en schäften beab- ichtigt, in den nächsten Pfingstferien unter Führung von Dozenten der VolktzN7irtsck>aftslehre, Wirtschaftsgeographie und Technik eine Exkursion zum Studium von indu- triellen, Verkehrs- und sozialpolttischen Einrichtungen Ku veranstalten. 26ährend im vorigen Jahre Norditalien und Südfrankreich besucht wurden, soll in diesem Jahre Eng­land bereist werden. Die Teilnehmer sollen sich am Sams­tag vor Pfingsten in London treffen. In London ist die Besichtigung der Citp, der Docks und sozialpolitisch inter­essanter Teile des Eastends geplant. Auch ist Gelegen­heit zum Besuch von Museen und sonsttgen Sehenswürdig­keiten Londons geboten. Die Reise soll sich dann auf Letchworlh (Garben City), Eambrioge, Sheffield ^Eisen­industrie), Leeds (Textilindustrie), Atanchester und Liver­pool (Hasenaniagen, Schiffsbau- erstrecken und in dem See- vade Llandudno in "Nord-Wales endigen. Die Rückfahrt von Llanduono nach London und Francsurt soll Montag, 23. Mai, angetreten werden. Die Zahl der Exkursionsteil­nehmer soll, wie in früheren Iayren, 25 bis 30 nicht übersteigen.

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