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Aus Hessen.
Aus Bad Nauheim wird uns geschrieben: Vom hiesigen „Freisinnigen Verein" wurde NdiLtwoch abend eine öffentliche Widerspruchsversammlrmg veranstaltet. auf der Oberlehrer Dr. Strecker gegen die Einführung des Plural Wahl rechts in Hessen sprach. Tas Ergebnis war eine entsprechende an die hessische Regierung gerichtete Entschließung.
Deutscbes Ueicb.
2er Kai s er, die Kaiserin und die Prinzessin von Rumänien besichtigten am Mittwoch vormittag die Kaiser- Wilhelm-Gedächtniskirche. Ter Kaiser konferierte später im Auswärtigen Amte mit dem Staatssekretär v. Sckö n.
Der Unterstaatssekretär im Reicksschatzamt, Wirklicher Geheimer Rat Twcle. ist )einem Ansuchen entsprechend, von seinem bisherigen Amr en tb und eil und intteu Ber-
loihung des Kronenordens 1. Klasse einstweilig zur Disposition gestellt worden. Zu ) einem Nachfolger wurde der Tirektor im Reichsschahamt Kühn ernannt, an dessen Stelle der Vortragende Rat im Reichsschatzomt, Geheimer Oberregierungsrat Herz, tritt.
Tie Parteiführer des Reichstages ließen dem erkrankten Präsidenten des Reichstages einen Blumenstrauß überreichen. Graf Stolberg war von der Aufmerksamkeit hoch erfreut. Zu Ehren der Abgeordneten von ^trombeck, Dr. Spahn und Hitze, die 25 Zähre den ZenLrumsfraktionen des deutschen ReickMcrges und des Ab geordnetenhauses angehören, fand ein Festmahl statt bei dem der Fraktionsvorsitzende Frhr. v. Hertling die Verdienste der Jubilare feierte.
Die nationallib erale Fraktion des Reichstages veranstaltete am Mitttvoch abend im Reichstage einen Bierabend, zu dein die Mitglieder des Bundesrates, nationalliberale Abgeordnete aus den verschiedenen Bnn- des' -en, Parteifreunde und die Presse geladen warst. 3m je des Abends begrüßte der ?lbg. Bass ermann die l ifte der Fraktion, indem er darauf hinwies, wie wünschenswert es sei, daß die Abgeordneten des Reichstages außerhalb des Kreises der offiziellen Berührungspunkte den gesellschaftlichen Verkehr int Reichstage selber pflegen und die Freunde der Partei um sich versammeln. 'Namentlich gedachte Bassermmtn der natürlichen Bundesgenossenschaft, wie sie zwischen Presse und Parlamenten in aller Welt bestehen.
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Ausland.
Aus Ofen pest wird gemeldet: Die Regierung schloß mit der ungarischen Kreditbank, die ein Rothschild-Konsortium vertritt, ein Uebereinkommen ab betrefsend die Ausgabe von 4 p r o z. Kassenscheinen im Betrage von 50 Millionen zum Parikurse. Tie Ausgabe der Kassenscheine erfolgt auf Grund der parlamentarischen Ermächtigung, die bereits im Jahre 1908 erteilt worden ist.
In Buenos Aires erhält sich hartnäckig das Gerücht, daß in Uruguay eine revolutionäre Bewegung aus- gebrochen sei. Die strenge Zensur in NLontevideo mache es unmöglich, nähere Nachrichten zu erhalten.
such ott gegebenen Falle für den polnischen .Kandidaten aussprechen MU);, dann zeigt dieser Beamte damit, daß er in einem national- Umstrittcnen und gefährdeten One wie Kattvk- witz nicht an )einem rechten Platze ist (Lebhafte Zustimmung rechts und bei den Ncitimallibcralen.), mag er sonst ein ncd'i so brauchbarer, tüchtiger Beamter sein. Tic Regierung batte des- 'halb die Pflickst, diese Beamten als ungeeignet von Kattowitz zu Entfernen. Hätte sie es nicht getan, so hätte sie, wie die Stimmung jin Oberschlcsien ist, eine ganz beillose Verwirrung angcrichtet. (Oho! im Zentrums Jawohl, meine .Herren, das hafte sie getan. , Sehen Sie sich doch einmal die faftijrfjen Vc l ältnissc an! Der deutsche Gewerbetreibende, Der deutsche Laue wirt, der in den Ostmarken die deutsche Staatsgesimrung hocb!-ält, hat unter dem Boykott und unter den Anfeindungen des Polentums zu leiden. (Rufe bei den Polen: In Ober-Schlesien?) In Ober-Schlesien, .in Posen. (Rufe bei den Polen: Ist nicht wahr!) Sie haben die Bewegunb von Posen nach Ober-Schlesien hinübergetragen. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Wie soll man denn von diesen Elementen, von diesen Gewerbetreibenden und Landwirten ein Festhalten an der nationalen Gesinnung verlangen, wenn die Regierung zusieht, wie ihr ihre cigemn Beamten bei der Durchführung dieser Polenpolitik in den Rücken fallen. (Sehr richtig! rechts.) Ich sagte vorhin, der Abgeordnete Porsch hat die ganze Angelegenheit auf konfessionelle und parteipolitische Gegensätze hin geprüft und hätte den nationalen Gesichtspunkt in den Hintergrund geschoben. Ich wiederhole, der nationale Gesichtspunkt rst für die Regierung der einzig entscheidende gewesen, und darum wollen Sic mir gestatten, daß ich auch noch einige Worte über unsere Polenpolitik sage. Man wirft uns vor, daß wir die polnische Gefahr überschätzen, wenn auch einige Hitzköpfe vorhanden feien, die von der Wiederaufrichtung des polnischen Nationalstaates träumten, so seien das Pl^ntasten, man sollte eine ruhige Politik der Versöhnung treiben, bann würde die Frage sich von selbst lösen. (Sehr richtig! tm Zentrum und bei den Polen.) Sie sehen, ich schildere die Ansichten der Gegner der preußischen Polenpolitik ganz richtig. Man hat weiter behauptet, diese preußische Polenpolitik sei es gewesen, deren gänzliches Fiasko jetzt feststehe, die den polnischen Chauvinismus grofer gezogen habe. Ich sehe diese historischen Zusammenhänge von Tatsachen anders an. Maa auch die Politik der bewaffneten Erhebung längst als aussichtslos aufgegeben worden sein und mögen sich auch die Besonnenen unter den polnischen Führern ihre letzten Ideale zu enthüllen hüten, so ist doch der Gedanke und die Hoffnung auf die Wiedererstehung eines polnischen Nationalreiches das geistige Element, das die Polen, ob radikal ober gemäßigt, ob arm oder reich, ob hoch ober niebrig, zusammenhält, und das allein der polnischen Bewegung die Stotz kraft ver- lecht, deren Erfolge jeder sehen muß, der sieht und sehen will. Wenn die polnische ^Bewegung nicht von einer solchen Idee getragen wäre, bann würbe sie nie unb nimmermehr bie großen materiellen und geistigen Opfer haben hervorbringen können, die alle ihre Mitglieder bis hinüber in die überseeischen Länder bringen; intb wenn man demgegenüber behauptet, es sei die preußische Polenpolitik gewesen, welche im Versagen des loyalen Wun,ck)cs nach Erhaltung der Muttersprache unb des Nationalwesens zu der Leidenschaft entflammt habe, die die polnischen Herzen erfüllt, so schätzt matt die geistigen Kräfte nicht richtig ein, von Denen nationale Bewegungen ausgehen. (Lebhafte Zustimmung rechts und bei Den Nationalliberalen.) Ich weiß sehr wohl, die Herren der polnischen Fraktion lehnen all: Pläne ab, die ohne Aufrechterhaltung der Unversehrtheit des preußischen Staates picht durchführbar lind, und wenn die polnische Presse in tausenden und abertausenden von Exemplaren, wenn die Agitation in Versammlungen und von Mund zu Mund den polnischen Traum pflegt und wach erhält, bann schütteln Sie (zu den Polen) das alle von Ihren Rock- schotzen ab. Aber ungeachtet dessen geht die Arbeit im Lanbe ruhig weiter, eine, Arbeit, die darauf bedacht ist, in jedem Polen bas preußische Staatsgefühl zu ersticken (Lebhafte Zustimmung rechts und bei Den Nationalliberalen.) unb ihn politisch, sozial unb lokrtfr schaftlich durch unüber ft cigbarc Schranken vom Deutschtum $u trennen. (Lebhafte Zustimmung rechts unb bet den Nativnalliberalen.)
Mit dieser Arbeit soll im preußischen Staaten — nicht nur in den Ostmarken — ein abgeschlossenes polnisches Gemeinwesen gebildet werden, das, wenn auch erst in ferner Zukunft und wenn die Geschicke einmal günstig liegen sollten, Boden und Kraft Seben soll, auf Grund deren der preußische Staat zerrissen wird
nd einer Derartigen Bewegung gegenüber empfiehlt man eine Politik des Geschehenlassciis und des Abwartens?! Was bie Folge davon sein wirb, lehrt uns Die Geschichte: Stärkung bes Polentums zu Ungunsten des Deutschtums, so ist es noch immer gewesen, in Perioden, wo bas Deutschtum nicht planmäßig ge- förbert unb gestützt worben ist. Hat man Denn vergessen, Daß reinDeutsche Gemeinden unD reiuDeutsche LanDstriche nachträglich poloniftert luorDcn sind? SM man nicht, Daß es Dem Groß- polentiim gelungen ist, in Oberschlesien eine polnische Bevölkerung, so staatstreu und vaterlandsliebend wie irgend eine andere, zu verhetzen und Dem preußischen Staate zu entfremden? (Sehr wahr! rechts; Unruhe im Zentrum.) Preußen kann keine Politik Des Kleinmuts führen. Die Daran zweifelt, in Den national umstrittenen LanDesteilen das Deutschtum als Den ansichlaggebenden Faktor ausrechtzuerhalten. (Beifall rechts.) darauf ist unsere Polenpolitik unb Schul- und Ansiedelungs- Politik gerichtet. Gewiß, wir werben mit dieser Politik nicht 'die Kraft der polnischen Bewegung plötzlich brechen können (Zuruf lmks: Ueberhaupt nicht!) Dafür geht die Bewegung mit ihren Wurzeln viel zu tief, aber mit einer stetigen vom deutschen Nationalbewußtsein getragenen Arbeit können wir das Deutschtum materiell und kulturell soweit stärken, daß ihm das Polentum trotz )eines Vordringens nichts anhaben kann, unb diese Arbeit ?u leisten ist Pflicht des preußischen Staates nicht nur für sich, )onbern fstr ganz Deutschland. , Beifall rechts.) Es entspricht nicht den Tatsachen, zu behaupten, daß alle Arbeit, bie wir bisher geleistet haben, vergeblich gewesen ist. Gewiß, auch unsere AnfteDelungspolitik ist von manchen schädlichen Nebenerscheinungen begleitet, fte hat zeitweise die Güterpreise ins Ungesunde gesteigert he hat Unruhe in bie Reihen der deutschen Besitzer gebracht, fte rst unzweifelhaft auch mit großen Härten verbunden. (Hort, hört!) Aber soll es denn nun nichts sein, wenn iptr in einer verhältnismäßig kurzen Spanne Zeit über 15 000 bauerltflK Stellen geschaffen haben, wenn wir 450 neue deutsche Aorfer haben entstehen lassen, wenn wir, obgleich wir mit Der AMetzung von Arbeitern erst später begonnen haben, auch hierin schon Erfolge erstell haben? Tas ist rein unter Dem Gesichts- imntt Der inneren Kolonisation, die ich für ein zwingendes Bc- bürTnus halte, eure Kulturarbeit, Deren Preußen sich nicht zu schämen hat und Die auf die Tauer auch Dem preußischen Staat Zugute kommen wird. Man soll aber nun nicht von einer Arbeit, Jie N°htr nach weitausschauenb sein muß, vor der Zeil durchschlagende Erfolge erwarten. Unb vor allem nicht durch Uneinig fett tn den eigenen Reihen den Fortschritt dieser Arbeit verzögern! Aus polnischer Seite habe ich von lolcher Uneinigkeit Nichts bemerkt. (Zustimmung rechts unb bei den Nationalliberalen.' Mögen auch die radikalen Polen bisweilen mit den gemäßigten Nicht über ein stimmen, weil diese ihnen nickst schnell und energisch genug vorgehen, in dem Grundgedanken Der Stärkung des Polentums gegenüber Dem Deutschtum sinD sie sich alle einig, unb an dieser Einigkeit sollten auch wir uns ein Beispiel nehmen' Tann wirb die Zeit kommen, wo auch der begeistertste Großpole es einsieht, Daß irgendwelches Rüttelnwollen an den schwarzweißen Grenzen aussichtslos ist, ebenso aussichtslos, wie der Kamps gegen deutsche Kultur unD Deutsches Wesen, und Dann wird auch der Nationalitätenhader auihören, der von beiden Seiten gleich bitter empfunden wird. Ich hoffe, daß Die Mehrheit Dieses Hauses bie Regierung in ihrer Politik auch ferner unterstützen unD deshalb auch anerkennen wird, daß es lediglich die Ueberzeugung von staatlicher Notwendigkeit war, die Die Regierung zu Den Entschlüssen bestimmt hat. Die Den Gegenstand der heutigen Interpellation bUDen. (Lebhafter Beifall rechts. Zischen bei Den Polen unb bem Zentrum.)
Kultusminister v. T r o 11 z u Sol z: Für die Regierung war lediglich maßgebend, daß bei Den Stadtverorbucr: nwahlen in Kattowitz eine Reihe von Beamten und Lehrern ihre Stimme I
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** Gießener Konzertverein. Zum Liederabend Susan S. Metealfe am 30. Januar schreibt man uns: Als die ersten Nachrichten über die Sängerin nach Deutschland drangen, wandte sich ihr dos größte Interesse zu: Anfragen : bei Ludwig Wüllner, der sie in Amerika kennen gelernt ' hatte, ließ dieser durch seinen Begleiter van Boos dahin beantworten, daß sie die größte Gesangskünstlerin der Gegenwart sei und in ihrer Art das vollendetste, was er je ' gehört habe. Es ist also ein ganz außergewöhnlicher Genuß zu erwarten.
" Balls 8 Frankfurter Intimes Theater setzt im Kolosseum sein erfolgreiches Gastspiel fort. DaS reizende Ziehrer'sche Wiener Singspiel „Biedermeier und Frau" . bleibt, ebenso wie der lustige Schwank „Der Gelbbriefträger*, nur noch heute und morgen auf dem Spielplan. TaS Programm für die nächsten drei Tage wird im Anzeigenteil veröffentlicht werden.
** Der Lokomotivbeamtenverein feierte am Samstag sein Stiftungsfest, verbunden mit dem Juli- läum der Königl. Lokomotivführer Peter Gräf und Ludwig Schüttler. Die §eter wurde morgens durch die Ueberreichung der Ehrendiplome uud der Ehrengeschenke durch eine Tepu> tation in der Wohnung der Jubilare eingeleitet. Tie offizielle Feier sand abends um 8 Uhr in der Turnhalle des Turnvereins statt: sie wurde durch die Einführung der Jubilar-e eröffnet. Fräulein So^doivSki sprach darnach einen sinnreich durchdachten Prolog. Hierauf Iiielt der Vorsitzende, Kollege Oswald, die Festrede, woran sich einige Ansprachen von den zahlreich erschienenen Vorgesetzteii, sowie hiesigen uiti> auswärtigen Gästen anreihten. Tas Theaterstück Lieschen (oder 20 Blänuetn Verspätung wurde von den mitwirkenden Personen überaus flott gespielt und erntete reiche Anerkennung. Sodann folgten turnerische Ausführungen des M. T. V., die durch ihre Leistungen reichen Bei- J fall erhielten. Der durch Kollegen Hammel mit 16 Damen aufgeführte Fäcberreigen rief allgemeine Bewunderung hervor und wurde auf Wunsch der Festteilnehmer in der Pause wiederholt. Den Abschluß des Abends bildete ein schöner Ball.
abgegeben heben für zwei Großvolen, für zwei Anhänger der großvolnischen Partei, unb daß sie bieß-getan haben in Oberschlesien, auf biesern national so heiß umstrittenen Boben. Nun bestreiten Sie, daß die beiden Äandidaten Großpolen gewesen seien. Es wurde heute bestritten und auch in Ihrer Presse. Daraus darf ich den Schluß ziehen, daß Sie selbst es nickst für angängig halten, daß Beamte unD Lehrer öffentlich für Anhänger Der großpolnischen Richtung eintreten. Es würde also danach gar keine grundsätzliche Verschiedenheit zwischen uns bestehen, sondern Der Streit sich nur Darum drehen, ob wir oder Sie mit der Beurteilung der Kandidaten im Rechte sind. Tie beiden Kandidaten sind der Fleischer Pakulla und der Rechtsanwalt Adam- czewsli. Ter Fleischer Pakulla ist von polnischer Seite als eine durchaus harmlose, beinahe deutschfreundliche Persönlichkeit gekennzeichnet worden. Meine Nachrichten lauten anders. Pakulla ist ein eifriges Mitglied des Sokols.^ Sie wissen, was bie Sokols in der polnischen Bewegung bedeuten. Ueberall, wo Polen sich in größeren Mengen zusammenfinden und luo die nationalpolnifche Idee propagiert werden kann, da ist Das erste, was geschieht, es wird ein Sokol gegründet, und um ihn herum gruppiert sich das polnische Leben. Wir haben Sokols in Oberschlesien, Pofen, Westpreußen, Berlin, Westfalen, ja selbst in Amerika, unb unter allen biesen Sokols besteht eine enge Verbindung, sie besuchen einander bis über das Meer, bie Verbindung wird aufrecht erhalten von Oberfchlesien bis Amerika. (Widerspruch Der Polen.) Die Fahnen werden in Krakau geweiht, unb um bie Führer Der Sokols scharen sich bie anderen. Ein treuer Förderer der Sokols ist Pakulla. (Ruf Der Polen: Er ist gar nicht Mitglied!) Er läßt sich nicht stören, wenn ein Sokolverein ausgelöst ist, den MitgliLdem nach wie vor sein Haus zur Verfügung zu stellen, er ist ein enragierter Groß- vole. (Lebhafter Widerspruch der Polen, Zuruf: Er spricht zu Haufe deutsch.) Tas ist nicht der Fall, das wurde schon im Reichstage behauptet, trifft aber nicht zu. Er hat eine deutsche Frau unD trotzDem verlangt er, daß in seinem Hause polnisch gesprochen wird, daß feilte sämtlichen Angehörigen polnisch sprechen, und seinen Sohn hat er bei dem bekannten Großpolen Lewandowski in Dienst gegeben. Er vermeidet alles, was ihn daran erinnert, daß seine Frau eine Deutsche ist. Es kann «affo keine Rede davon sein, daß Pakulla ntfr ein Katholik polnischer Zunge sei. Er gehört natürlich auch den Vereinigungen an, Die die Polen in Ober- Scklesien gegründet haben, um ihre Landsleute von jedem Verkehr mit Den Deutschen abzuschließen unb bie Grenzen zwischen Polen und Teutschen immer tiefer zu ziehen. (Ter Minister zählt diese Vereine auf.' Tas alles ist nachgewiesen. Der Mann entfaltet eine recht lebhafte Beteiligung am öffentlichen Leben und macht sie geltend ausschließlich in der Richtung polnischer Agftation.
Noch schärfer tritt das hervor bei Dem Rechtsanwalt Adam- czewski. Er ist ein lebenDer Beweis dafür, wie von außen herein Die polnische Propaganda nach Ober-Schlesien getragen wurde. Er stammt aus Posen und war einer der ersten, die auf den Ruf des bekannten Großpolen Lewandowski nach Oberfchlesien übersiedelten, um Dort polnische Agitation zu treiben.
Er ist dieser "Aufgabe Denn auch in vollem Maße gerecht aeioorben. (Heiterkeit.) Er wurde Mitglied vieler polnischer Vereine unb 'Mitarbeiter radikal-polnischer Blätter. (Der Minister nennt zahlreiche polnische Namen, was ihm offenbar Schwierigkeiten macht.) Ich muß schon um Entschuldigung bitten, wenn ich die polnischen Namen nicht richtig ansspreche. (Heiterkeit.) In welchem Sinne diele Blätter schreiben, das wissen die Herren vom Zentrum selbst. Das Zentrum ist mit Entschiedenheit von einer derartigen Agitation abgerückt, was ich gern anerkenne. So muß also Herr Ädamezewskt angesehen werden als ein Mann, der dieselbe Richtung >vie Herr Korlanti vertritt. Ich glaube, ich habe nicht unrecht, wenn ich sage: nicht wir haben uns im Z r r t u m b e f it n b e n, sondern Sie. Es kommt noch hinzu, baß bieser Abamczewski vom Ehrengericht feiner Beruft, genossen wegen eines Vorfalls bestraft tvorden ist, bei dem er in Kattowitz in einem öffentlichen Lokal sich gegen bie Deutschen in derartigen Schimpfereien ergangen ha:, daß ich außerstande bin, die Worte hier zu wiederholen. (Hort' hort! rechts) Solche Dinge pflegen an einem Ort von der Größe wie Kattowitz, wo die nationalen Gegensätze so stark heroortreten, wo sie bas Tagesgespräch bilden, nicht unbekannt zu bleiben. Trotzdem haben die Lehrer, die für diesen Kandidaten gestimmt hatten, behauptet, sie hätten von der großvolnischen Richtung nichts gewußt. Das ist schwer verständlich. Aber selbst wenn es richtig wäre, muß ich sagen, daß sie bann erst recht nicht geeignet waren, in einer solchen Umgebung Lehrer zu sein. (Sehr richtig! rechts.) 3d) hoffe,_ baü sich biete Lehrer ben Vorgang als eine Warnung dienen laffen unb daß sie ebenso wie die übrigen Lehrer in Oberfchlesien getreu ihren Aufgaben nadifommen unb in bem Sinne treu wirken, daß sie für Das Deutschtum tätig sinD, Daß sie ihren Schülern VerslänDn s für Deutsche Art beibrmgen. Dann arbeiten sie zum Nutzen Der Sdptle, zum Nutzen Des Vaterlandes unD zum Nutzen der irregeleiteten polnischen Landsleute. Neuerdings ist ja unsere Schulpolitik heftig angegriffen worden, man hat gejagt, üe sei ganz verfehlt und hatte Die Aufgabe, Die fte losen sollte, nicht gelöst. Dieser Vorwurf ist unberechtigt. Die Ostmarken zu germa* niRereu, kann Die Schule allein nicht erreichen. Denken Sie an Die Schwierigkeiten, Denen gerade Die Schule im Osten ausgesetzt ist. Aber die Schule kann wesentlid) zur ©ermanifterimg beitragen, sie ist die Vorbebingung für eine Stärkung und Kräftigung des Teutschtums in der Ostmark. Deshalb nehmen die Lehrer im Osten eine ganz besondere Stellung ein unb eS muß von ihnen m allererster Änie verlangt werden, daß sie unter arten Umständen zum Deutschtum halten, innerhalb unb außerhalb der Schule. (Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.)
Auf Antrag des Abg. Porsch (Zentr.) wirb bie Besprechung beiber Interpellationen beschlossen.
Abg. Winckler lKons.): Wir stehen einmütig an ber Seite bet Regierung. «Bravo! rechts.)
Abg. Dr. Senba (Pole): Die Rede des Ministerpräsidenten bat uns nicht überrascht. DerRedner bezeichnete es als ein Ammenmärchen, baß bie Polen an eine Losreißung preußischer Laubes- teile büchten.
Abg. Mertin - Oels (Freikons.): Die Regierung konnte unmöglich dulden, baß Beamte bic grobpolnische Bewegung unterstützen.
Eisenbahnminister v. Breitenbach bemerkt kurz, baß auch Eisenbahnbeamte hätten versetzt werden müssen, weil sie trotz vorhergehender Belehrung für Die polnischen RanDiDaten gestimmt hätten.
Abg. Schiffer (Natl.) verliest namens seiner Partei eine Erklärung unb schließt: Die Regierung bat das hohe Recht und die Pflicht, ben Staats- unb Nationalitätsgedanken gegen alle Feinde zu verteidigen. 'Möge sie zeigen, daß der preußische Adler Die preußischen Staatsinteressen zu schützen weiß, und baß er scharfe Fänge bat und im Kampfe mit seinen Todfeinden zu gebrauchen iveißl (Lebh. Beifall b. d. Natl.)
Tas Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Freftag 11 Ubr. (Fortsetzung der heutigen Besprechung unb Anfrage bes Zentrums wegen des Arbeitsnachweises tm Rubrkoylenrevier.)
2ius Stabt unb taub»
Gießen, 20. Januar 1910.
** Tageskalenber für Donnerstag, 20. Jan.: Burger- versa in m (u n g, veranstaltet vom Bürgerverein Gießen im „Einborn"-Saale, Anfang 8'/, Uhr: Schulferien, städtische Verkehrs- mtereffen.
Ob er heft Gesellschaft für Natur» unb Heil- kunb e. Abends 8*/0 Ubr im Hörsaal des Pyhsik. Instituts: Vor- irag von Prof. Dr. Elbs: Gewinnung von Salpetersäure aus Der atmosphärischen Luft.
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** Obstbau. Man schreibt uns: Ter im Herbst hier abgehaltene Obstmarkt hat gezeigt, baß Gießen viel Obst konsumiert. Tie Obstausstellung hat aber auch ben Beweis erbracht, daß in unserer Stabt, wie in ihrer nächsten Umgebung vorzügliches Obst gezogen wird. Wer hätte nickt das herrliche Obst aus Wieseck, Klein-Linden und aus Gießen selbst benmndert. Ter Oberhessische Obstbauverein hat bereits seit über 20 I ihren int Kris und Stadt Gießen die Förderung des Obstbaues mit dem besten Erfolg dnrchge- führt. Am kommenden Sonntag, 23. d. M., wird in einer im Cafe Ebel sdattsindenden Versammlung des Ober- hessischen Obstbcnwereins Herr Dr. H o s f rn a n 'n aus Fried - berg einen Vortrag über „Die Fvrderunasmaßnahmen im Obstbau durch den Oberh. Obstbauverein und sein Zusammenarbeiten mit ber Landwirtsctzascskammer" halten. Anschließend findet eine Gratisverlosung von Obstbäumen und Sträuchern für die Mitglieder des Vereins aus Gießen unb Wieseck statt. Alle Freunde des Obstbcutes, Gönner und Mitglieder des Oberyess. -Obstbauvereins sind eingeladen.,
•• Neue Haltestellen der Straßenbahn sollen obalb bie bafüc erforderlichen Schilber geliefert sind, eingerichtet werden in der Bahnyofftraße an der Ecke ber Löwengasse, am Linbenplah unD an der Kreuzung der Sonn en st raße mit der Schulstraße. Eine weitere Haltestelle, die mit bem Inkrafttreten des SommerfahrplaneS eingerichtet wird, ist in der Bahnhofstraße an der Alice- straße vorgesehen.
** Bolkskonzert. Auch in ländlichen Sänger- kreisen scheint reges Interesse für das auf nächsten Sonntag geplante Volkskonzert vorhanden zu sein. Es wird daher von Vorteil für die das Konzert besuchenden Vereinsmitglieber sein, wenn sie sich gemeinsckaftlick unb balbigst dnrch ihre Vorsitzenden Einlaßkarten bei Musikalien händler E. Ehallier, Neuenweg 9, bestellen. Weiterhin sei bemerkt, daß der Eingang nur von der Ludwigstraße aus durch das Hauptportal der Universität stattfinoet.


