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20.1.1910 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

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160. Jahrgang

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(Dienstag und Freitag); zweimal monntl. Land» »irllchaftllche Zeitsragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 113, Verlag u. Expedition 51 Adresse Hit Deoeschenr Anzeiger Siehe».

Nr. 16

Ter Siebener Anzeige, erscheint täglich, ander Sonntag?. - Beilagen: viermal wöchentlich

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* Für und wider Cook. Aus Kopenhagen wird gemeldet: Das Uuwersitäls-KonsistDrium hielt gestern vormittag eine Sitzung ab zur Verhandlung über die Mitteilung der Cook-Kom- Mission, durch die Coots originale Notizbücher als in allem Wesentlicl-cn mit der Abschrift übereinstimmend erklärt werden, auf Grund deren die Universität ihr Urteil abgab. Tie Saä)L muh damit, soweit das bisher vorliegende Material in Betracht lbnunt, als abgeschlossen angesehen werden. Sie enthält, wie scljon erklärt worden, nicht den gering st en Beweis, daß Cvvk den Nordpol erreichte. Ebensowenig kann aber gesagt werden, sie enthalte den entscheid oen den Gegenbeweis. Tas Ergebnis der Beratungen bo; Universitäts-Konsistoriums wird dem Vorsitzenden der Cook-Kom- Mission zugestellt werden. Von den Verhandlungen zwisckien diesem und dcm Üniversitätsrettvr wird es dann abhärmen, ob gegen Cook wegen des ihm verliehenen Ehrendoktvrgradcs Schntte getan wer» den sollen.

Drei neue Zeichnungen Albrecht Dürers, die in der an ungehobenen Schätzen reichen Sammlung der Feste Ko bürg bisher unbekannt blieben, veröffentlicht Direktor Dr. Gustav Pauli im eben erschienenen Hefte desJahrbuchs der preußischen Kunstsammlungen" Tie Blätter ergänzen das Bild der Entwicklung des Künstlers bis zu seinen Mannessahrcn hin m glücklichster Weise. Aus der Wanderzcit Dürers stammt eine große Federzeichnung mit der Himmelfahrt der Maria Magdalena; sie ist um 1493 entstanden. Tas zweite Blatt, das die Weihnacht in Federzeichnung darstellt, steht nach der Entstehungszeit und dem fünftlerifdtcn Charakter dem vorigen sehr nahe Aus diesen Arbeiten der Wanderiahre führt die drttte Federzeichnung, das schöne Blatt einer Geißelung Christi, in die Zeit der jungen Meisterschaft.

auch von Ihrem Standpunkte aus ein begründeter sein kann. Für mich kommt es darauf an, Ihnen gegenüber hier festzustellen, daß Tüte jbie Entscheidung der Regierung parteipolitische oder konfessionelle Gegensätze ohne jeden Ein­fluß gewesen sind (Hört, hört! rechts),' daß für die Re­gierung entscheidend gewesen ist lediglich der Gesichtspunkt, über den der Abg. Porsch in mancher Beziehung etwas kurz hinweg­gegangen ist (Sehr richtig!), der Gesichtspunkt, daß Beamte Kan­didaten großpolnischer Richtung ihre Stimme gegeben haben. (Zu­rufe im Zentrum: Sind ja keine Großpoleu!) Sie sagen, es sind feine Großpolen. Die Regierung hat ein sehr eingehendes Material, das Ihnen unmittelbar nach mir von meinem verehrten Nachbar zur Rechten (auf den Kultusminister von Trott zu Solz zeigend) mitgeteilt werden wird, aus dem Sie trotz der Mit­teilungen des Abg. Porsch ersehen werden, daß aus dem ganzen Verhalten der beiden Kandidaten, um die es sich handelt, kein anderer Schluß gezogen werden kann, als daß sje der großpol­nischen Richtung angehören. (Hört, hört! rechts.) Wenn ich soeben gesagt habe, daß für die Regierung bei ihrer Entscheidung konfessionelle Gegensätze gänzlich ausgeschlossen gewesen sind, so will ich das erweitern. Ich will gleich allen meinen Vor­gängern auf das Bündigste in Abrede stellen, daß in der gesamten Polenpolitik der preußischen Regierung konfessionelle Gegensätze irgendeine Rolle spielen. (Lachen im Zentrum.) Tie Regierung lehnt es ab, solche Gegensätze mit dem Nationalitätenkampse zu verquicken. Wer diese Verquickung vorgenommen hat, das sind die Polen. (Lachen und Widerspruch im Zentrum und bei den Polen. Sehr wahr? rechts.) Die Polen haben den Gegensatz fron katholisch-polnisch und evangelisch- deutsch konstruiert. (Sehr wahr? rechts. Zurufe der Polen: Wo? Zurufe der Rechten: Ueberall y Also ich muß daran festhalten, daß in Kattowitz eine Anzahl von Beamten unb Lehrern ihre Stimme Kandidaten gegeben haben, welche der groß­polnischen Richtung zugerechnet werden müssen. Dr. Porsch hat soeben den Beschluß eines Staatsministeriums aus dem Jahre 1898 beinahe in' extenso verlesen, in welchem für die Oitmarken und alle Landesteile mit gemischtsprachiger Bevölkerung den unmittelbaren und mittelbaren Staatsbeamten einschließlich der Lehrer vorgehalten wird, welche Haltung sie auch in ihrem außer- amtlichen Verhalten einzunehmen haben bei der Stärkung des Deutschtums und bei der Abwehr von deutschfeindlichen Angriften. Im vorliegenden Falle ist den Beamten, welche inzber Haupt­wahl für den polnischen Kandidaten gestimmt hatten, vor der Stichwahl von ihrer vorgesetzten Behörde ausdrücklich erklärt worden, daß die Stimmabgabe für den polnischen Kandidaten als nicht vereinbar mit ihren Pflichten erachtet werden könne. Ein Teil dieser Beamten ist dieser Mahnung zugänglich gewesen, ein anderer Teil nicht Die Regierung sah sich deshalb vor die Entscheidung gestellt, ob und wie sie gegen diese Beamten vorgehen solle,. Sie hat sich dafür entschieden, von allen disziplinären Strafmaßregeln abzusehen. (Lachen im Zentrum und bei den Polen.) Sie hat die Beamten im Jntereste des Dienstes von Kattowitz versetzt in Aemter von gleichem Rang und Gehalt und ohne Verlust von Umzugskosten. Eine solche Versetzung im Interesse des Dienstes ist trotz der Betrachtungen, die sie angestellt haben, keine Disziplinarstrafe. (Zuruf vom Zentrum: Wohl eine Belohnung?)

Auch wenn eine solche Versetzung im Interesse des Dienstes von den betr. Beamten wie eine Strafe empfunden wird, kommt es hier doch darauf an, den rechtlichen Charakter der Maßregel darzustellen. Sie selber spreckre in Ihrer Interpellation von einer Beschränkung .staatsbürgerlicher Rechte. Man wirst der Regierung rechtswidriges Vorgehen vor, wenn sie im vorliegenden Fall die Beamten versetzt hat. -Da müssen Sie nur schon ge­statten, daß ich unser Verfahren rechtlich definiere und daran sesthalte, daß die Versetzung im Interesse des Dien st es keine Disziplinarstrafe ist. (Lachen tm Zentrum.) Eine solche Versetzung hat jeder nichtrichterliche Be­amte, jeder Beamte, für den nicht ausdrückliche Gesetzesvorschriften feststehen, daß er nur mit seinem Willen oder im Disziplinar­verfahren versetzt werden darf, über sich ergehen zu lassen. All­gemeine Regel dafür, wann das diensttiche Interesse eine Ver­setzung erfordert, lassen sich nicht aufstellen und sind nicht auf­zustellen. Selbstverständlich dürfen es niemals schikanöse oder frivole Rücksichten sein, welche eine solche Ber-

hof, bei einesFeuers lichten Flammens schweigend sitzen, da sie vor den übrigen Heiden und Ungläubigen wenigstens einen Schimmer von der Huld des Himmels voraushaben sollen. Hier spricht Dante in einem wärmeren Ton, der bei der Führung durch die Hölle nur selten wieder erklingt, so z. B. bei den Liebesqualen der Francesca da Rimim, die mit ihrem Gelebten von jenen furchtbaren Stürmen ruhelos nmhergetrieben wird, denen alle Sünder der sinn­lichen Liebe in alle Ewigkeit anheimfallen. Dieser fünfte Gesang, der wie die übrigen mit guter Empfindung vorgetragen wurde, ist zweifellos ein Höhepunkt in Dantes Schilderungen. Ein interessanter Gegensatz dazu war der in der Vorlesung unmittelbar folgende achte Gesang. Dort feiert die unseren heutigen Empfindungen abstoßend erscheinende kirchliche Unduldsamkeit des Mittelalters grausame Triumphe, die auch durch den neunten Gesang sich ausdehnen. Religiöse Ketzer allerlei Art finden entsetzliche Strafen, schmoren in glühenden Gräbern bis zum Welt­gerichte. Auch die Zornwütigen sind einem verhältnis­mäßig harten Geschick preisqegeben; Dante läßt sie im Moraisbe stecken und weist sie an der Hand feines Führers selbst voll Abscheu von fick. Auch diese Fahrt über den Sumpf gehört zu den grandiosesten Schilderungen des Ge­dichtes. Die eigenen harten Erlebnisse des Dichters in ferner Heimat Florenz spiegeln sich besonders im 26. Gesang wieder, zu welchem Fräul. Basfermann überging. Betrüger und Ver­räter schreiten ewig in Flammen einher. Hier wurde Dantes Phantasie in der Schilderung des Altertums äußerst leben­dig. Auch die Gestalten der Verräter, die, im Eise ein­gefroren, unendliche Qualen erdulden müssen, sind in wirk­sam aufsteigender Anschaulichkeit gemalt, und im 33. Gesang treffen wir die verfehmten Verräter der Dante'schen italie­nischen Zeitgeschichte, wobei besonders der Toten bericht des mit seinen Kindern im Hunger türm gestorbenen Grafen Ugolino auch heute noch erschütternd wirkt. Die zahl­reichen Zuhörer von gestern werden, wenn sie sich ge­nügend vorbereiten, für die morgige Fortsetzung der Vor- lesuna ein lebhaftes Interesse mitbringen.

Wir wünschten, es möchte der allgemeine Brauch sich ent­wickeln, die Meisterwerke der Literattir durch gute Vor­lesungen dem Genuß und Verständnis zu erschließen; so manche klassische deutsche Dick)tung ist ebenso sehr für das

Ein vanle-Nbend in Eichen.

Wir nennen Dante mit Ehrfurcht, kennen ihn ober schlecht. Die einfache Belehrung, daß der grofce Floren­tiner zuerst es war, der in der Volkssprache den Italienern die Bilder einer nnversieglichen Phantasie schenkte, wird nur dann wahre Bewunderung für den Dickster erregen, wenn wir dem Geist seines großen Lehrgedichtes an der Hand einer guten Ueberfetzung etwas näher nach- spüren. Das hat freilich nicht "geringe Schwierigkeiten. DieGöttliche Komödie" setzt auf jeder Druckseite die Kennt­nis altgefchi-chtlicher oder sagenhafter Vorgänge, noch mehr aber eines guten Stückes der florenttnischen Geschichte vor­aus.Es ist ein groß' Ergehen, sich in den Geist der Zeiten zu verschon" dieser Satz will hier ernst genommen werden. Dantes Herz und Kopf waren erfüllt von der ge- toaltigen Gärung feiner Zeit, besonders von den Kämpfen feiner Heimatstadt, die dem Hochgesinnten ein Gewimmel von Leidenschaften aller Art gezeigt hat. Wer gestern abend in unserer Universität der Vorlesung des Fräulein Basser- man n mit einigem Verständnis folgen wollte, der mußte vorher durch eifrige Lektüre sich die Grundlage des Ver­ständnisses geschaffen haben. Tann hatte freilich das ge­sprochene Wort der sicheren Kennerin, die fast ganz frei aus oem Gedächtnis sprach, eine gute Wirkung. Tie Dame las deutlich und schwungvoll; wenn ihr weibliches Organ auch nicht all die grandiosen Schattierungen der Dichtung klang­voll bemeistern konnte, so war doch die int Studium mit ihrem Oheim, dem Uebersetzer der ,.Kom-

media", erworbene Sicherheit im Text und in der Auffassung hinreißend.

Die Proben aus den Gesängen über die Hölle ließen Dantes Stil unb literarische Eigenart klar erkennen. Da cs eine stoffliche Entwicklung in diesem Epos kaum gibt, sondern nur Anschauung über Anschauung sich erhebt, konnte die Vorleserin ohne Bedenken ihre Hörer sprungweise in das Beste und Wesentlichste einführen. Freilich ift es ein eigen und schlvierig Ding, die eindrucksvollsten Gesänge herauszufiuden. So tonnte es bedauert werden, daß bte schönen, ernsten und für die Auffassungen des Dante'schen Zeitalters so charakteristischen Gesichte im vierten Ge­sang, wo die hohen Dichter-Heroen des Altertums im Vor­

setzung begründen, sondern nur sachliche .und triftige Gründe. Nun behaupten Sie, ein solcher sachlicher und triftiger Grund könne niemals verbunden werden mit der Stimmabgabe des Be­amten bei einer Wahl. Man hat deshalb das Vorgehen der Re­gierung für verfassungswidrig gehalten. (Sehr richtig? links und im Zentrum.) Sie bestätigen, daß das auch Ihre Ansicht tft Aber inwiefern denn verfassungswidrig? Wo gibt es eine Be­stimmung, die das verbietet? Ich kenne sie nicht. Die Re­gierung hat das unbestreitbare Recht, einen Beamten von dem speziellen Posten, für den er sich nach der Ueberzeugung der Regierung nicht eignet, zu versetzen. Denn die Regierung auf die Ausübung dieses Rechtes verzichten soll, weil die Ungeeignet» heit des Beamten sich in der Stimmabgabe bei öffentlichen Wahlen dokumentiert hat, dann müssen Sie die Vorschriften hier vor­führen, welche die Skaatsregierung in dieser Weise in der Aus­übung eines sonst unbeschränkten Rechtes beschränken. Diesen Beweis hat auch der Abg. Porsch nicht geführt und wird ihn nicht führen können. Er hat angedeutet, daß man aus dem Erlaß des Fürsten Bismarck die Folgerung ziehen müsse, daß die Freiheit der Wahl nicht beschränkt werden darf. Es handelt sich doch aber im vorliegenden Falle gar nicht um disziplinäre Strafen. Ich Sehne cs deshalb ab, theoretisch die Frage zu erörtern, inwieweit die Stimmabgabe eines Beamten bei einer öffentlichen Wahl zum Ausgangspunkt disziplinärer Maßnahmen gemacht werden kann oder nicht. (Lachen im Zentrum.) Diese Frage hat mit dem vorliegenden Fall gar nichts zu tun. (Unruhe und Widerspruch int Zentrum und links.) Ernes billige ich Ihnen zu. Der Beamte soll in der Ausübung seiner staats­bürgerlichen Rechte und insonderheft in der Freiheit seines Wahl­rechts nur dann beschränkt werden, wenn es das Interesse des Staates unbedingt erfordert. Engherzigkeit in dieser Beziehung würde gerade einer Beamtenschaft wie der preußischen gegenüber am allerwenigsten am Platze sein. Ihre Treue und Vaterlands­liebe ruhen auf einem besseren Fundament, als es äußerer Zwang zu schaffen vermag. (Beifall rechts.) Sie hat. dem preußischen Staate gerade um deswillen so Großes geleistet, weck sie sich bewußt gewesen ist, daß sie über ihr unmittelbar amtliches Ve^ halten, ihre unmittelbar amtlichen Obliegenheiten hinaus auch in ihrem gesamten äußeren amtlichen Verhalten dem Staate durch den Treueid verbunden ist. Ich hoffe sicher, daß die Beamtenschaft an diesem Grundsatz preußischen Beamtenrechts festhalten wird, auch gegenüber Bewegungen, die ihm einzureden versuchen, datz die individuellen Rechte des Beamten dem Interesse des Staates vorzugehen haben. Wenn eine derartige Ansicht zum Durch­bruch käme, so würde eine der sichersten Grundlagen des preußischen Staates erschüttert werden. Darum wird die preußische Staats­regierung an diesem Grundsatz unerschütterlich festhalten. (Beifall, rechts.) Nun hat Herr Porsch gemeint, die Beamten in Kattowitz hätten gar nicht annehmen rönnen, daß sie gegen ihre Amtspflicht verstießen, wenn sie bei Stadtverordnetenwahlen einem Groß- polen ihre Stimme gaben. (Zuruf im Zentrum: Es waren ta gär feine Großpolen.) Herr Porsch vergißt dabei die hoch­gespannten nationalen Verhältnisse in Ober-, schlesien. Es gibt dort keinen Beamten, der Nicht wüßte, daß es mit seinem nationalen Bewußtsein, seinen nationalen Pflichten unvereinbar ist, bei Wahlen das Großpolent mn zu starken.

Man hat nun weiter gesagt, die Versetzung der Beamten von Kattowitz wäre auch um deswillen so ungerecht gewesen, weil, tote der Abgeordnete Porsch es ausdrückte, die Welt rund wäre. Andere habet: schärfer gesagt, weil ja niemand wissen könne, ob wir diese Pvlenpolitik, die inauguriert wäre, weiterfühven würden. Di^ gegenwärtige Polen pv l ii i k i ft -front Fürsten Eismarck inauguriert worden. MeckEm unmittelbaren Amtsvvrt. gänger, dem Fürsten Builow, wird es stets als ein großes Ver­dienst anzurechnen sein, daß er diese Politik mit Energie prt- geführt hat. (Sehr richtig! rechts und bei den Natwnaliiberalen.) Tiefe Politik hat die Zustimmung der großen Mehrheit dieses hohen Hauses, von der reckften Seite bis wert in die Reiben des Liberalismus hinein, gefunden. (Ruf im Zentrum: Leider!) EZ ist deshalb nickst nur das Recht, sondern auch die Pflicht der Staatsregierung, die Prinzipien dieser Politik gegenüber ihrens Beamten, welche dissentieren, durchzusetzen. Wenn ein Beamter, wie es' in Kattowitz geschehen ist, in ferner Strmmabgate zeigt, daß er die Pvlenpolittk der Regierung für falsch hält, daß er sie nach seiner Ueberzeugung nickst zu unterstützen freimag, daß er

preußisches Abgeordnetenhaus.

Das preußische Abgeordnetenhaus hatte einengroßen Laa", da der Reichskanzler über die Kattowitzer Vorlomm- nisse sprach. Man sieht, wie übereilt und töricht die An­griffe waren, die fein Schweigen über diese Frage im Reichstag verurteilen wollte. Seine Rede war außerordent­lich wirksam. Ein Berliner Stimmungsbild berichtet uns darüber:

Herr v. Bethmann hieb in dieselbe Kri.be, wie Herr Delbrück tm Reichstage: Vor allem wies er die Unter­stellung ab, als sei Die Regierung bei ifyrem Vorgehen in Kattowitz von parteipolitischen oder gar konfessionellen Erwägungen beeinflußt worden. Dann laS er dem Zentrum ein kleines juristisches Privatissimum zur Bekräf­tigung dieser Behauptung, die Versetzung der Kattowitzer Beamten und Lehrer sei keine disziplinäre Strafversetzung, sondern eine Maßnahme im Interesse des Dienstes. Die größte Zustimmung hatte der Ministerpräsident, als er feine Ansichten über Wesen und Zweckunserer Po­len Politik darlegte. Da war er in seinem Element: das war praktische Geschichtsphilosophie, die sich sehen lassen Sonnte. Und eine Geschichtsphilosophie, die den Hörern in formvollendeten Sätzen, getragen von wirklichem Pathos (und Schwung, serviert wurde. Stürnttsck>er Beifall be­gleitete die Schlußworte des Regierungschefs, und immer wieder setzte er ein, als Polen und Zentrums'leute ityrer Unzufriedenheit durch beharrliches Zischen Luft machten. Nach dem obersten Beamten bekam das hohe Haus gleich auch die parlamentarisckse Jungfernrede des neuen Kul­tus Ministers zu hören: Herr v. Trott zu Solz führte auf Grund seiner Akten den Nachweis, daß es sich wirklich um gvoßpolnische Kandidaten bei der Kattowitzer Affäre gehandelt habe. Er sprach rein geschäftsmäßig und ohne großen Aufwand rhetorischer Künste, und die Stärke seines Vortrages lag in dem urkundlichen Material, das er gleich­mütig verwertete.

Wir erhalten noch folgenden Sitzungsbericht:

5. Sitzung, Mittwoch, 1 9. I a n u a r.

Das Haus ist gut besetzt: die Tribünen sind überfüllt. In der H o f l o g e Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen.

Am Ministcrtische: von Bethmann-Hollweg, von Moltke, Beseler, von Breitenbach von Trott zu Solz.

Auf der Tagesordnung stehen die Anfragen Dr. Porsch (Zentrum) und Jagdzewski (Pole) wegen der Beamten­maßregelungen in Kattowitz.

Ministerpräsident von Bethmann--Hollweg erklärt sich zur sofortigen Beantwortung bereit.

Abg. Dr. Porsch begründet die Zentrums-Interpellation.

Abg. Dr. von Jagdzewski (Pole) verzichtet zunächst auf die Begründung der Interpellation der Polen.

Ministerpräsident v. Bethmann HoÜweg:

Meine Herren? Die Interpellation führt Beschwerde darüber, daß eine Anzahl von Lehrern und Beamten versetzt worden sind und wünscht Auskunft über die Gründe dieses Vorgehens. Ich bin bereit, diese gewünschte Auskunft über die Ansichten, über die Anordnungen der Regierung zu geben. Der Abg. Porsch ist soeben bei der Schilderung des Sachverhalts auf die einzelnen Gegensätze parteipolitischer und konfessioneller Natur in Katto­witz eingegangen. Ich will ihm im gegenwärtigen Moment in diese Details nicht folgen. (Alm? im Zentrum.) . Ich behalte das dem späteren Gange der Debatte, entweder mir selbst oder einem der Herren Ressortminister vor. (Lachen im Zentrum.) Meine Herren, lachen Sie nicht zu früh! Stören Sie mich nicht zu früh mit Zwischenrufen, lassen Sie mich meine Ge­danken ruhig entwickeln. Sic werden sehen, das; der Gedankeugang

hc. Marburg, 19. Jan. Der Chemiker Dr. pbil. Benv Hard Rathke, ordentlicher Honorarprofessor an der Universität Marburg, begebt am 20. ds. feinen 70. Geburtstag.

Ohr wie für den Grift bestimmt, und unser Sprachgefühl könnte aus vielen Verirrungen des Papierdeutschen heraus- geführt werden zur angestammten Schlichtheit,an mannigfalter Uranvage", wie Klopstock sagte,zu immer neuer und doch deutscher Bildung reich". Möchten statt der allzuvielen Literaten und Uebersetzer mehr oute Vorleser um die Hebung des Kunstgefühls tm deutschen Volk sich bemühen! -Z-

Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 'BL; durch die Post Mk. 2.viertel- jährt. ausjdjL Beilellg.

ZeilenoreiS: lokal 15 Pf., auSivärts 20 Pienniq.

Chefredakteur: A Goetz.

Verantwortlich für den

< A 99 zflU. < w AA politischen Teil: August

General-Anzeiger für Oberheffen tz-M

Annahme von Anzeige» V l < » I

für die Tagesnummer Rotationsdruck und Verlag -er Vrühl'fchen Univ.-vuch- und Stemdruüerei «.Lange. RedaMon, Expedition und Druckerei: Schulslratze 7. 8n e.qenteitt H. Beck bis üotmit v