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Latz ieöenfans infolge des Verschuldens von Parlaments- angeftelltcn das Feuer solchen Umfang annehmen konnte. — Augenzeugen behaupten, daß das Feuer gtelchzeitig an mehreren Stellen zum Ausbruch gekommen sei. Die Unter- fuchimg wurde eingeleitet. — Allgemein fiel die Teiluahmlosigkeit der unteren Bevölkerungsklaffen auf. während in der Stadt große Erregung herrscht und' der Brand als nationales Unglück angesehen wird. $
Berlin. 19. Januar. Dor Schluß der heutigen Reichs- kags-Sitznng teilte Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe dis Vernichtung des türkischen Parlamentsgebäudes durch eine Feuersbrunst mit und erbat und erhielt die Ermächtigung, dem Präsidenten der türkischen Deputierten-Kammer die Teilnahme des Reichstages telearaohtfch zum Ausdruck zu bringen.
Amtlicher wettervericht.
Oeffentliche Wetter dien st stelle Gießen.
Allgemeine Wetterlage seit Mittwoch früh: Das nördliche Tiefdruckgebiet zieht unter Auflösung ostwärts ab; c5 hat gestern und in der Nacht noch wiederholt Schneeschauer gebracht. Im Gebirge Liegt tiefer Schnee, lieber Nordwesteuropa auf der Rückseite des abziehenden Wirbels ist hoher Druck ut Bildung begriffen. Nordwinde führen dort Abkühlung herbei, die sich weiter auch nach Teiitschland fortpflanzt, so daß Frost beoorsteht.
WetterauSsichten in Hessen nm Freitag dem 21. Januar 1910: Nördliche Winde und Frost, noch strichweise leichte Schneeschauer im Süden, stärkere im Norden.
S ch n e e b c r i d) t vom 19. Jan.» 7 Uhr morgens : Schotten 1 ein, Herbstein 5 cm, Herctzenhain 18 cm, Schnee tauend.
Heute früh: Hoherodskopf 30 cm, Feldberg i. T. 60 cm, gute Schneefchuhbahnen bet leichtem Frost.
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BVrefkastsn der Redaktion.
(Anonyme Rnfragcu bleibeu unberücksichtigt.)
F. S. W. Hennatscheine sind von dem betr. Kreisamt aus-« zustellen, also in Ihrem Fall vom KreiSamt Gießen, falls Siä hessischer Staatsangehöriger sind. Wenn sie preussischer Staats- angehoriger sind, ist das betr. Landratsamt zuständig.
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mann-Schönbavg die standesamtliche Eheschließung vollzog. Vom Vorwaum der äbrrche aus setzte sich um 12 Uhr der Brautzug in Bewegung. Pfarrer Palmer-Offenbach a. M. hielt die Traurede und vollzog die Einsegnung. Kammersänger Zahr-Tavmsiadt trug sodann einen Sologesang vor. worauf der Geistliche ein Gebet verrichtete. Nach Schluß der Feier begab sich der Hochzeitszug aus der Kirche. Im Schloß fanb" in den Gemächern der Fürsbin-Niutter die Gratulations-Cour statt. Uni 2 Uhr begaben sich die Herrschaften in den großen Saal zum Hochzeitsmahle. Dieser Saal wurde gerade vor zweihundert fahren z<um ersten Mal in Gebrauch genommen anläßlich der Vermählung eines Grafen zu Erbach-Schönberg mit einer Gräfin zu Stolberg- Wernigerode-Gedern. W.ihrend des Hochzeitsmahles toastete der Fürst zu Erbach-Schönberg auf das neuvermählte Paar, der Fürst zu Stolberg-Wernigerode auf die Fürstin-Mutter und das .Haus Erbach. Die Reimen ts-Kapelle des Dragoner-Regiments 23 musizierte. Um sieben Uhr reisten die Neuvermählten nach Frankfurt a. M. ab. Von da treten sie morgen die Reise über England nach Rom an, woselbst Prinz Wilhelm zu Stolberg-Wernigerode als kaiserlicher Botschaftsrat bei der deutschen Botschaft tätig ist, um dort dauernd Wohnsitz zu nehmen.
.Viernheim. 18. Jan. Der hiesige Schulvor - stand veröffentlicht folgende Bekanntmachung: „Wir geben den Eltern der schulpflichtigen Jugend bekannt, daß wir genötigt sind, den Volksschülern das Fußballspiel (Sonntags wie Werktags) aufs strengste zu verbieten Tas Spiel ist zur Leidenschaft geworden und hat die verderblichsten Ausschreitungen gezeitigt. Wenn wir anfügen, daß vor kurzem in einer Klasse sich von 23 Fußballspielern neun krairk melden ließen, wenn wir weiter anfügen, daß jeder Stein auf der Straße als Ball benutzt wird, daß ferner Schüler sogar Sonntags während des Hochamts spielen, keine Zeit mehr für sorgfältige Anfertigung ihrer Hausaufgaben finden, die teuren Bälle vielfach auf unehr- l'ichem Wege erwerben, dann werden alle vernünftigen Eltern unser Verbot begreiflich finden und auch ihrerseits die Be- folgizug streng überwachen."
W. Krofdorf, 19 Jan. Durch die hier erfolgte Zu fammenlegung werden bei den Wegebauten und Verschlei- iungsarberten manche Funde aus alten Zeiten gemacht Heute wurde bei einer Verschleifung oberhalb des Hardter Wäldchens ein menschliches Knochengerüst zutage gefördert. Ob der Fund ein Ueberrest von dem früheren Torf „Leusesrot", das dort stand, ist, oder ob er von Kriegszeiten herrührt, ist ungewiß.
W. Wetzlar, 29. Jan. Mit dem 1. Januar ist Kreis- banmelfter Witte in den Ruhestand getreten. Seine Stelle hatte mehr als 500 Bewerber gefunden und wurde Regierungsbaumeister Vogt aus Friedberg übertragen. — Zum Nachfolger des. in den Ruhestand versetzten Rektors Üuerssen wurde Lehrer Richard vom Gymnasium als Leiter der hiesigen Volksschule gewählt.
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• Ueberschwemmungen. Die oberrheinisch« E b e n e ist von .Hochwasser bedroht. In vielen Orten mußten Häuser und Ställe geräumt werden. Bei Cannstatt mußte die Straßenbahn nach Münster den Schriebt einstellen. Die Enz führt zahlreiche Ti er! eichen. Im Ammert al sind viele .Häuser vom Verkehr abgeschnitteu. Tas Neckartal ist unterhalb Horb ein See, Calw und viele Straßen von Nagold sind überflutet. Ter untere Stadtteil von Sigmaringen ist überschwemmt und die Brücken sind in Gefahr, einzustürzen. Um den Verkehr aufrecht zu erhalten, mußten Notbrücken geschlagen werden. Mosel und Saar .haben einen Wasserstand erreicht, wie seit langen Jahren nicht.
Kleine Tageschronik.
Auf der Zeche Holland sind nach einer Nachricht aus GelsenkirchensechsBergleutever schütt et worden. Die Verunglückten waren 40 Meter unter der fünften Tiefbausohle mit Maurerarbeiten beschäftigt, als vom nördlichen Schachtstoß, eine Gesteinswand hereinbrach.__ Die Bergleute konnten sich anscheinend in eine Mauernische retten, denn sie geben, wenu auch schwache, Lebenszeichen. Die Rettungsarbeiten werden sehr eifrig betrieben.
In .einer Kleiderfabrik zu Philadelphia brach gestern Feuer aus; mehrere Arbeiterinnen sprangen aus den Fenstern, wobei drei Mädchen tödlich verunglückten» während zwölf ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Wie es heißt, kamen viele Arbeiterinnen in den Zlcmnnen um.
An der Südküste von Pratish strandete ein Dampfschiff. Tie See spülte 24 Leichen an Land. Auf dem aus dem Wasser ragenden Wrack sollen sich nach einer Meldung aus Rom noch viele Menschen befinden, deren Rettung bis jetzt wegen des herrschenden Sturmes unmöglich war.
♦♦ Allgemein verständliche Vorträge der Oberhesstschen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Ter zweite Vortrag dieses Winters wird heute abend 81/2 Uhr stattfind en. Geh. Hofrat Prof. Dr. Elbs wird die Gewinnung von Salpetersäure aus .der Luft behaudelit, ein Problem, das für Industrie und Landwirtschaft in gleicher Weise von hervorragender Bedeutung ist Denn die einzige Bezugsquelle für die großen Mengen von Salpeter imb Salpetersäure, deren beide benötigest, sind bisher die Lager von Natronsalpeter in Chile. Diese zu ersetzen durch ein Verfahren, das die in der Luft in beliebigen Mengen zur Verfügung stehende Mischung von Stickstoff und Sauerstoff direkt zur Darstellung von Salpetersäure benutzt, ist seit langem das Bestreben der Technik. Es hat in den letzten Jahren zu einer Reihe von Methoden von technischer Verwertbarkeit geführt. Ten wichtigsten dieser Prozesse wird der Vortrag eingehender erläutern und durch Demonstrationen veranschaulichen. Mit Rücksicht auf die erforderliche i'tpparatur muß der Vortrag im Hörsaal des physikalischen Instituts, Stephanstraße 24, statt find en.
** Bestätigt wurde der von dem Fürsten und Grafen zu Erbach-Schönberg in Schönberg auf die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reichenbach präsentierte Lehrer Jak. Orth in Seidenbusch. Uebertragen wurde dem Lehrer Aug. B e n d e r zu Münzenberg eine Lehrerstelle cm der Gemeindeschule zu Vilbel.
— Jugendliche Straßen rau der. Der 14 Jahre ölte Konrad Balser und der 13 Jahre alte Franz Henn von hier, die sich tn letzter Zett nut gleichalterigen Burschen an einer ganzen Anzahl von Diebstählen beteiligten, trafen gestern nachmittag in der Wtlhelmstraße einen achtiährigen Jungen, der für seine Mutter etwas eingekaust hatte und ein Portemonnaie mit 2 Mk. Inhalt in der Hand trug. Einer der Burschen hielt den Jungen fest, während der andere ihm das Geld abnahm. Beide ergriffen bann die Flucht, vernaschten daS Geld zum Teil und begaben sich dann in den Kme- matograph, von wo sie ein Schutzmann holte und sie in Polizeihaft brachte.
O. B. Heuche Iheim, 19. Jan. Am Samstag, 22. Jan., finbet hier eine Versammlung des Ober- ff e s 1 i s ch e u O b st b a u v e r e i n s statt, in der Herr Dr. Hoffmann aus Friedberg einen Vortrag: „Spalierobst im ländlichen Haus garten" halten wird. J.n Anschluß findet eine Gratisverlosung von Obstbäumen und Obstgehölzen für die Mitglieder des Oberh. Obstbauvereins statt. Ta gerade Heuchelheim du^ch die Gunst seiner Lage für Obst besonders auch für Spalierobst geeignet ist, so wäre ein Kahlreicher Besuch sehr erwünscht. Auch Nichtmilglieder des Oberhessischen ObstLauvereins sind ungeladen
L. Friedberg, 19. Jan. Die V 0rhöhen des TaunuS zeigten heute zum erstenmal m diesem Wmter eine Schneedecke. Winterstein, Altkömg und Feldberg, sowie die benachbarten Höhen leuchteten im schneeigen Weiß. Die Landwirte unserer Gegend sind von der milden Jahreszeit wenig erbaut, da die Vegetation weit vorgeschritten und ein Rückschlag zu befürchten ist.
x. Salzschlirf, 19. Jan. Ein großer Mißstand, der den Verkehr auf der Kreis st raße nach Schlitz oft crnpsindlich störte, soll demnächst beseitigt werden. Bei dem nahe gelegenen Dorfe Uetzhausen schneidet nämlich die Schlitz die Kreisstraße: die daselbst befindliche Brücke ist aber so unzureichend, daß zur Winterszeit und vor allem im Frühjahr bei der Schneeschmelze die Brücke oft Tage lang unter Wasser steht und ein Passieren der Straße völlig unmöglich macht. Vor Erbauung der Eisenbahn nach Schlitz war tatsächlich jeder Verkehr dorthin bet hohem Wassersland der Schlitz gänzlich unterbunden. Die Landpost mar dann gezwungen, den weiten Weg über Willofs nach Lauterbach zu nehmeu. Nunmehr aber soll endlich auf Kosten des Kreises die alte unzureichende Brücke durch eine neue größere ersetzt werden, was mit Freuden begrüßt werden darf.
F. C. Sch ön b er g, 19. 3an. Ein hübsches Festgewand hatten heute Schloß und Tors Schönberg angelegt anläßlich der Vermählung der Prinzeftin Edda zu Erbach- Schönberg mit dem Prinzen Wilhelm zu Stolberg-Wernigerode. Gestern abend sah der große Saal des Schlosses eine große Gesellschaft zum Polterabend. Heute vormittag gegen 11 Uhr traf das Großherzogspaar von Hessen ein. Um 11*4 Uhr vormittags unterzeichnete das Brautpaar die Ehepakten, worauf Bürgermeister Hof-
Dle diesjährigen
Grossen Gelegenheitskäufe
beginnen IVBontag den 24. Januar.
GerichtsdaaL.
Karlsruhe, 19. Jan. Das Schwurgericht hat den 32 Jahre alten Zigarremnacher Jakob Philipp Feuerstein aus Cb er- hausen wegen Tömng des Waldhi'uers Josef Firmkes aus Forst bei Bruchsal, der ihn beim Wildern ertappte, 511 14 Jahren einem Monat Zuchthaus verurteilt. Ter Staatsanwalt hatte lebenslängliches Zuchthatts beantragt.
Dar türkische parlamcntrgebäuüe in Kämmen.
Der T f ch i r a a a n p a l a ft in K 0 n st a n t i n 0 p e 1 steht — Drahtnachrichten zufolge — seit gestern vormittag in Flammen. Infolge des starken Südwindes fürchtete man für das in der Nahe gelegene Stadtviertel Beschitetasch, das fast ausschließlich aus Holzbauten besteht. Ter Großwestr, der Kriegsminister und bte anderen Munster, sowie der Präsident der Kammer mären auf der Brandstätte anwesend. Dte Üöfcharbeiten rourben vom Bosporus her durch mehrere Löschschisse unterstützt. ES gelang aber erst gegen 5 Uhr, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken.
Tie gefamte Einrichtung des Palastes ist zerstört, nur die Umfassungsmauern sind teilweise erhalten.
Bei deut Brande sind auch die Parlamentsakten größtenteils verbrannt.
Wegen des griechischen Feiertags fand glücklichertveise feine Sitzung statt. Das Gebäude war nicht versichert; der Schaden beträgt zehn Millionen Pfand.
Konstantinopel, 19. Ian. Zur Zeit des FeuerauSbruches im Dschiraganpalast war keine P l e n a r f i $ u n g , doch waren eine Anzahl Abgeordnete 31t Kommissionen versammelt.
Die Ursache des Brandes.
Konstantinopel, 19.Januar. Die erste Annahme, daß der Brand infolge der Explosion in einer Heizungsanlage ausgebrochen sei, wird nicht allgemein geteilt. Ter Präsident der Kammer und der Minister des Innern halten dies für ausgeschlossen und meinen,


