trcibcnbcii günstigere Bedingungen geboten werden. Geheimrat Dr. Becker erläuterte die VermiNluiigsvorschläge der Negierung, durch die sich allerdings die Ü)midelskammern nicht für befn digt erklären. Äucb der 3tont habe cm finanzielles Interesse daran, das; sich die großen Betriebe nicht nach aufwärts zurück- ziehen. Minister v. Homberg k wies ebenfalls auf d'e Notwendigkeit der Erhaltung der großen Betriebe im Lande hin: gegen das int Au schun geäußerte Bedenken, daß nach dein Negierungsvorschlaa die Progression bei einem Ertrage von 10 000 Mark aufhören solle, wurde von der Negierung betont, daß eine sprungweise Steigerung der Stenerbelasrung nicht ratsam sei.und zudem ja der volle Mehrertrag zur 3teuer herangezogen werde. Würden die Vorsd läge der Handelskammern angenommen und träte eine jo starke Entlastung der Gewerbe ein, mic ji ■ es wünscht eil, so würde ein ungewöhnliche Erhöhung der Grundsteuer die imtiirlid.r Folge sein müssen. Tein Verlangen nicä Ausschußmitgliedes, die Progression zu erhöhen und sie der Autonomie der Gemeinden zu überlassen, wurde von der Negierung widersprochen. In Betreff der Warenhaus- und Filialsteuer fand zirnächst eine allgemeine Aussprache statt. Ter Ausschuß wird sich voraussichtlich dahin entscheiden, daß den Gemeinden das Recht zuerlannt wird, entweder eine Umsatzsteuer oder einen Zuschlag -in Gewerbesteuer zu erheben Zic heutigen Ausschuß- Verhandlungen rechtfertigen übrigens die Annahme, daß die Arbeiten über die Umlageuresorm bald zum Abschluß kommen uni die Kammer dann in der Lage sein wird, die Vorlage in eine» im Herbst abzuhaltenden Kainrnertagung fertigzustellen. Tie Beratung wird morgen ohne Regierung fortgesetzt.
Deuttzches Ueicb.
Ter B n n d der deutschen Verkehrsvereine hielt kn B r a n n s ch w e i g seine neunte Bundesversammlung ab, auf der 45 größere deutsche Städte vertreten sind. Zn der Sitzung, zu der u. a. auch Staats Minister Hartwich erschienen war, mur- den mehrere Entschließungen angenommen betr. die Abschaffung der Fahrkartensteuer, Hebung des Fremdenverkehres und Einheitlichkeit des Vertehrsgebietes des Deutschen Reiches.
Der Deutsche Techniker-Verband bat eine neue Salzung angenommen, bei der besonders interessant war, ob Innftig Arbeitgeber als ordentliche Mitglieder aufgenommen werden können. 1. 000 Stimmen erklärten sich dagegen, ohne damit die notwendige Zweidriltel-Mchrheit für diese Satzungsänderung zu erreichen.
vom Stbohcner prämiierungsmarft.
r. Schotten, 18. Mai.
Seit der Schattener Prämiierungsmarkt gehalten wird, ist dieser Tag, der Pfingstdienstag, zu einem richtigen Vogelsberger V o l l s f e st t a g geworden, an dem sich vormittags das faufenbe und verkaufende Publikum, mittags aber die Jugend der umliegenden Dörfer zur Belustigung einfindet. Die stark entwickelte Viehzucht des Vogelsberges und der Nachbarschaft bringt ihre Tiere zur Schau und Verkauf. Namentlich die Vogelsberger Rafie ifi an diesem Tage vorherrschend, das heißt reinrassige erst- llasiige Herdbuchtiere, ebenso ist in Simmentaler Vieh das beste Material an diesem Markt, während Mischlinge oder geringe Qualitäten kaum zum Verkauf geb eilt werden. Bei der vorjährigen Bezirkstierschau hier war zur Erzielung größerer Massen bei den Vogelsbergern ihre Kreuzung mit gelben Franken beschlossen worden und damit sollen bereits gute Ergebnisse erzielt worden fein. Aber bei richtiger Fütterung und Pflege, die man nnerklär- licherwcise int Vogelsberg seither nur hauptsächlich den eingeführten Simmetttalern zuleit werden ließ, ist and) bei der Vogelsberger Rasse gutes Fle.ifdwieh zu errcidjcn; z. B. wird im letzten Schottener .Kreisblatt berichtet, daß ein Landwirt in Eschenrod ein rein Vogelsberger Kalb, 5 Wochen alt, im Gewicht von 182 Pfund hat.
Das Ergebnis der Prämiier u n g ist folgendes:
Vogelsberger Vieh. A. Bullen. 1. Preis: Appel, Zoh. IX., Sichenhausen, 20 Ml., 2. Preis: Rahn, Karl III., Altenhain, 15 Mk., Fischer, Theodor, Hof Zwiefalten, 15 Mk, 3. Preis: Bechtold, Heinrich, Eschenrod, 10 Mk., 3. Preis: Bechtold, Heinrich, Eschenrod, 10 Mk., Appel, .Heinrich VII., 10 Mk., Wolf Zohs. IV., Eschenrod, 10 Mk., 4. Preis: Weber, Hch. VIII., Eschenred, 8 Mk., I. Preis bezw. Anerkeniumg Fischer, Theodor, Hof Zwiefalten, 5 Mk., Anerkennung: Petermann, Jobs. I., Eschenrod, 5 Bit., Anerkennung: Strand), Hch. I., Eschenrod, 5 Mk., zus. 103 Mk. 11. Kühe. 1. Preis: Deubel, Lpdwig, Götzen, 15 Mk., 2. Preis: Dambmann, Hch. IV., Rudingshain, 10 Mk., Müller, Theodor, Rudingshain, 10 Mk., 3. Preis: Rahn, Karl III., Altenhain, 8 Alk., Lenz, Karl, Betzenrod 8 Mk., Schmidt, Will). II., Altenhain, 8 M! , Anerkennung: Appel, Ludwig. Beuenrod, 5 Mk., Anerkennung: Zinnei, Zohs. 1., Betzenrod, .> Mk. Anerkennung: Henkel, Hch. II., Eschenrod, 5 Mk., zus. 71 .1.1(1. l N i n b c r. 1. Preis: Weber, Zohs. VII., Eschenrod, I ■> Mk., 2. Preis: Deubel, Hch. Theod., Rudingshain, 10 Mk.. 3. Preis: Hofmann, Hch., Rudingshain, 8 Mk., Spanier, Hch. I., Schotten, 8 Mk., Anerkennungen: Hofmann, Karl, Betzenrod, 5 Pik., Müller, Karl III., Betzenrod, 5 Mk., Schütz, Bürgermeister, Betzenrod, -> Mk., Merz, Karl II., Betzen - rod, 5 Mk., Enders, Andreas, Betzei^rod, 5 Mk., zus. 66 Mk., insgesamt für Vogelsberger Vieh 243 Mk.
Simm ental er Vieh. A. Bullen. 1. Preis: Wilhelm Hör rack II., Reichelsheim, 20 Mk., 2. Preis: Wilhelm Bausch, Reichelsheim, 15 Mk, Otto Spengler, Grund-Schmil heim, 15 Ml., 3. Preis: W. Holler, Oher-Hörgen, 10 Mk., Oeerg Stroh, Eichenrod, 10 Ml , Hch. Fleischhauer, Mehlbad), 10 Mk., 4. Preu.': Zoh. Alter, Berstadt, 8 Mk., Gilbert Müller, Ober-Hörgen, 8 Ml., Meyer Meyer, Ober-Mockstadt, 8 Mk., Wilhelm Fenchel, Ober Hörgen, 8 Mk., Anerkennungen von je 5Mk.: Kl. Möser, lUfa, Will). Reiclwrt, Rabertshausen, Hch. Geis II., Windhausen, Frd. Bindewald, Stumpertenrod, Hck). Scharch, 5tum- pertenrod, Ml. Schneider, Berstadt, Kl. Schaub, Wenings, Eg. Marloff, Melbach, Konrad Blöser II., Burkhards, zus. 157 Mk B. K ü I) c u ii d Rinder. 1. Preis: Friede. Köhler, (Götzen, 15 Mk., 2. Preis: Wustav Knoth, Eid)elsdorf, 10 Mk., 3. Preis' Simon Reis, Ulrichstein, 8 Mk., zus. 33 Mk., insgesamt ,ür i^iinmentGlcr Vieh 190 Mk. Zm ganzen kamen an Prämien zur Verteilung 433 Mk. ,
dem vom Landwirtschaftskammer Ausschuß unterstützten Zuditviehmarlt von Vogelsberger Herdbuchticren seien u. a fil- genbe Verkaussabschlüsse hervorgehoben: der mit dem 1 Preis prämiierte Bulle wurde zu 528 Mk. an die Gemeinde WingeW Hausen verkauft idas Vatertier dieses Bullen erhielt voriges Fahr ebenfalls den 1. Preis — Eschenröder Zucht, zum je gleichen Preis wurden zwei wertere Bullen verkaufe zwei Bullen au-5 Eschenrod zu a 500 Mk., die Gemeinde Eschenrod kaufte von Fischer Hey-Zwiefalten einen Bullen zu 493 Mk, ferner setzte Fischer ein Tier zu 483 Mi an die Gemeinde Offenthal iah' cm 8 Monate altes Bullenkalb wurde von H. Dambmann in Rudingshain zu 251 Mk. uad) Heskem, Kreis Marburg vei'- kauft. Ein doch wohl sehr hoher Preis von 650 Mk wurde für eine Vogelsberger Kuh gefordert, während für Rinder 420 bis 450 Wf. geboten wurden, indessen fanden bemerkliche Verkäufe in Multertierfn nid)f statt, da die Tiere jetzt in der Arbeit stehen bezw. die Futtcraussichten zum Verkauf nicht drängen — ‘Tic Gemeinde Kaulstoß kaufte zu 530 Mk. einen Simmentaler Bullen aus Reichelsheim, bi'- mit dem 1. Preis belegte Simmentaler Kuh kam nach Laubach. - Auf dem Ferkelmarkt wurden kaum dagewefene Preise erzielt: 5—6 Wochen alle kamen ans 70 Mk und höher, 10—11 Wochen alte 90—100 Mk Es mürbe alles abgesetzt.
Was von der Gemütlichkeit zu berichten ist, so soll vorerst festgeste'lt werben, daß der Marktplatz ein wesentlich verschöntes Aussehen zeigte. Die Stadt hatte ferner einen guten Griff getan, daß sie diesmal eine Miliiar'.'pelle hatte kommen lassen. Nod) standen die letzten Vormittagsbesucher bei dem Verlosungspavillon, um ihren Gewinn oder Niete ziehen zu sehen, al-., schon wieder aus allen Richtungen das Hinge Volk herbeiströmte: und die Stadt Schotten stellt aus allen Schichieti eine große Zahl feit- lidtcr Gäfle, ;o daß hier ein Volksfest des Vogelsbergs zuftande kommt, wie cs schöner und einlrächtlicher nirgends zu sehen ist.
Der Bierbrauer lieh Ueberschick)! mad)cn, feine Leute vermochten i. 0? ngc des Stoffs nicht im gewöhnlichen Arbeitsgang herbei- zuschaffen. Viele Leute sind um ihr Marktwurstckfen gcfnmincn, diese Ware mar zu begehrt und bald ausgezchrt. Zn 3 überfüllten Festzelten und auf beut großen Platz amüsierte sick) das Vol k.
2hts Stadt und Land.
Gteßc u, 19. Mai 1910.
** Ordensauszeichu ung. Der König von Preußen hat dem Generalmajor v. Francois, Kommandeur der 49. Zufanteriebrigade (1. Ofroßh. Hess.) die Krone zum Roten Aolcrorden 2. Klasse mit Eichenlaub verliehen.
*'Pfarr Personalien. S. K. H. der Groß Herzog hat am 14. Mai d. I. dem Pfarrverwalter Gustav Lenz zu Rohrbach, Dekanat Büdingen, die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen.
* • Ernennung. S. K. H. der Groß Herzog Hal am 14. Mai d. I. den Oberlehrer an der Oberrealschule zu Worms Fritz Textor zum Oberlehrer an der Realschule zu Wimpfen, mit Wirkung vom 23. Mai 1910, ernannt.
• • Der Komm andeur der 21. Division, Exz. v. Schot tz, ist mit seinem Adjutanten Frhrn. v. Schäffer zur Besichtigung bc§ Manöoergeländes hier eingetroffen und tut Hotel Großherzog von Hessen abgestiegen.
* • Steuerveranlagung für 1910. Rach den Bestimmungen des Einkommen- und Vermögenssteuergesetzes sind Einwendungen gegen die Steuerveranlagung innerhalb der ersten zwei Monate des SteuerjahreS zu erheben. Die Frist zum Vorbringen der Einsprüche und Berufungen läuft also nicht, wie vielfach irrigerweise angenommen tvird, zwei Monate lang vom Tage der Zustellung der Steuerzettel an, sondern sie geht mit Ablauf des Monats Mai zu Ende.
■ * D ie neuen hessischen 3 Markstücke, deren Zcrtigstellung von bett Münzsammlern schon im vergangenen Fahre erwartet wurde, werdeti nun Anfang Juni von der Berliner Münze verausgabt werden. Tie Herstellung der Münze hat sich verzögert, weil zu ihrer Prägung ein neues Münzbild des Großherzogs hergestellt werden sollte, das von einem Darmstädter Künstler modelliert worden ist.
** Sä uglingsfürsorge. Finauzminister Braun begab sich heute zur Teilnahme an dem dortigen Kongreß für Säuglingspflege usw. nach München.
* ' Stadttheater. Nachdem ber außerordentliche Erfolg der beiden ersten Operetten-Borstellungen beiviesen hat, daß die gegenwärtig hier gastierende Operette des Emser Kurtheaters ersten Ranges ist, sowohl an Kräften, wie Zu- sainmenfpiel als Ausstattung, dürfte für die weiteren Auf- führungen auch stärkerer Besuch zu erwarten sein. Es sei daher auch an dieser Stelle auf die Vorstellungen von „Dollarprinzessin" am Freitag und „Geschiedene Frau" am Sonntag hingewiesen.
* • Kirchenkonzert. Am Dienstag, dem 31. Mai, ivird der Evang. Kirchengesangverein in unserer Stadtkirche eine Geistliche Musikaufführung veranstalten, die u. a. eine Kantate von S. Böhm: „Kein Freund ist mein", für Chor, Soli, Streichqumtett, Orgel und Klavier, erstmalig dahier zu Gehör bringen wird. Diese Aufführung darf auf besonderes Interesse rechnen, denn die Gesangswerke dieses Vorgängers von I. S. Bach — er wurde 1661 in Thüringen geboren und starb 1733 in Lüneburg — galten bis vor kurzem für verloren, und sind erst durch einen glücklichen Fund von Richard Buchmayer auf der Berliner Kgl. Bibliothek wieder zutage gefördert morden. Seit ihrer ersten Aufführung beim vierten Bachfest zu Ehemnitz gilt unsere Kantate als eine Perle geistlicher Musik. Herr Prof. Traut manu hat sich ein wirkliches Verdienst erworben, indem er dieses schöne innige Tonstück auf das Programm setzte.
• * Goldenes Iubiläu m. Heute-feiert Geh. Hofrat Prof. Dr. Laspeyrcs den Tag, an dem er vor 50 Jahren in Heidelberg den philosophischen Doktorgrad erwarb, und zugleich den Tag, an dem er seine akademische Laufbahn begann. Die philosophische Fakultät der Universität Heidelberg erneuerte ihm das Doktordiplom.
♦* Von der Eisenbah n. Die Betriebs ein - n a h m e n der P r e u ß i s ch - h e s s i s ch c n S t a a t s e i s e n- b ahn en betrugen int April im Personenverkehr, 2,6 Millionen Mark gleich 5,35 Prozent weniger, im Güterverkehr 10,9 Millionen Mark gleich 10,77 Proz. mehr, insgesamt einschließl'.ch der sonstigen Einnahmen 8,5 Millionen Mk. gleich 5,37 Proz. mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zu berücksichtigen ist hierbei, daß das Osterfest im Jahre 1910 in den März fiel und der April 1910 daher zwei Festtage weniger und zwei Werktage mehr hatte als int Vorjahre, was naturgemäß den Güterverkehr günstig, den Passagterverkehr aber ungünstig beeinflußte.
** Erweiterung des Fernsprechberelchs. Zum unbeschränkten Spreehverkehr mit Gießen sind neuerdings folgende Orte zugelassen worben: Eelle, Bad Oeynhausen, Gerstungen, Ringleben (Kreis Erfurt), Roßla (Harz), Rudolstadt, Ruhla, Saargemünd, Schlotheim, Steinhude, Stotternheim, Wilhelmshaven und Zella St. Blasii.
** Flüchtig geworden ist gestern der Hatisbursche eines hiesigen Bäckers, nachdeni er Kundengelder unterschlagen und sich das Fahrrad seines Dienstherrn an- gecignet hatte.
" Z i m merbra n d. In einem Hause der Löberstraße (am gestern abend ein Dienstmädchen mit Licht den Fe n st er- vorhängen zu nahe und augenblicklich standen sie in hellen Flammen. Wenn auch sofort abgelöseht ivurde, so entstand doch ein nicht unbedeutender Mobiliarschaden; auch die Fensterscheiben zersprangen und die Tapeten mürben beschädigt.
** Die B a u a r b e i t e r a u s s p e r r u n g ist hier nur von geringem Umfang. Es sind im ganzen nur 70 Leute ausg»sperrt. Gleichzeitig sei im Anschluß an die gestrige Notiz mitgeteilt, baß bis jetzt fein Fall bekannt geworden, in dem sick) organisiert: Arbeiter geweigert hätten, mit unorganisierten zusammenzu- ar bei te».
Muschenheim, 18 Mai. Heute mittag wurde von einem Jungen in der Nähe her Berger Mühle die Leiche des 63 Jahre alten Schweinehirten Wilhelm M ü 11 c r von hier in der Wetter entdeckt. M., der heute früh seine Wohnung verlassen hatte, war ein geachteter Mann und lebte in geordneteu Verhältnissen. Ob ein lln glückssall oder Selbstmord vorliegt, ist nod) nicht a ifgcklärt.
I) B o benh a u s e n II., 18. Mai. Gelegentlich der Tanzmusik in der Kellcrschen Wirtschaft dahier wurde am 2. Pfingstseiertag ein auf der Heutzmühle bediensteter Knecht aus Ostpreußen, der sich anderen lMstcn gegenüber herausforhernh benommen batte, derart verhauen, daß er in ärztliche Behandlung mußte,
-r. Ulrichstein, 18. Mai. An einen hiesigen Fahr- radhändler verlauste ein Mann, dessen Name und Wohnort zur.-'eit noch unbekännt sind und von dem man nur weiß, daß seine Frau aus einem benachbarten Orte stammt, ein Fal)rrad. Mit deni Erlös begab sich der Mann nach Reb- g c s h a i n , zechte dort in einer Wirtschaft fest drauf los und bezahlte auch den übrigen Gästeii. Zuletzt entlieh er sich von dem Wirt dessen Fahrrad - auf einige Stunden um noch einen Verwandten in Lauterbach zu besuchen. Er kam aber nicht totcbci* Aus Lauterbach wird nun ge^ meldet,^ das; ein Mann, dessen Beschreibung auf den Gauner paßt, sich dortselbst von einem Händler ein neues Fahrrad mit kleiner Anzahlung kaufte und vorgab, ein Bauernsohn aus R. zu sein, welch letztere Angaoe sich als falsch herausstellte. Rad und Käufer sind spurlos verschwunden. Es ist anzunehmen, daß das Rad, das er in Ulrichstein verkaufte, auch gestohlen war und daß er das in R. entliehene Rad auf dem Weg nach Lauterbach ebenfalls veräußert hat. Als bcfondcres Erkennungszeichen ist anzu. zugeben, daß dem Verdächtigen an einer Hand zwei Finger fehlen.
8 Michelbach b. Schotten, 18. Mai. Hier hat sich ein welterschütterndes Ereignis abgespielt. Während eines Gewitters wurde am zweiten Feiertag eine K u h auf ber Weibe vom Blitze getötet.
,F E. Bad-Nauheim, 18. Mai Die Zahl der hiesigen W ahlberechtigten zur Reich stagscrs a^- wahl ist, wie nunmehr feststeht, von 950 (Wahlliste vom Jahre 1907) ans 1540 angewachscn. Die starke Vermehrung ist auf den Badcbetrieb zurückzuführcn.
F. C. Friedberg, 18. Mai. Zwei Radfahrer aus Frankfurt a. M. waren am zweiten Pfingstseiertag iu£bcr- Wö11stadt auf kurze Zeit in einer Wirtschaft eingekehrt. Als sic die Wcitcrfahrt antrcten wollten, machten sie die Wahrnehmung, daß ihre Räder verschwunden waren. Die Diebe waren jedoch bemerkt worden und konnten an der Gc- mariungsgrenze gestellt werden. Sie ließen die Räder in Stich und suchten das Weite. Einer wurde eingeholt und in das Ortsgefängnis Ober-Wöllstadt eingesperrt. Seins Inhaftierung war jedoch von kurzer Dauer. Noch in der nämlichen Nacht drückte der Häftling die Tür seiner Zelle durch und verschwand durch ein Fenster spurlos.
Friedberg, 18. Mai. Der Verein der Hundefreunde Wettcrau, Sitz Friedberg, wird am 24. ds. Mts. eine Kreis- Hundeschau abhalten. Wertvolle Ehrenpreise sind bereits gestiftet worden.
△ Rieder-Florstadt, 18. Mai. Erhängt hat sich im Gefängnis zu Altenstadt der Landwirt Roth, der mit seinem Sohne bei Stammheim von Gendarmen beim Wildern ertappt wurde und bet der Verfolgung auf einen Gedärmen schoß. Der Sohn befindet sich im Gefängnis zu Friedberg.
OEOsscnhcim, b. Fricdb., 18. Mai Das Volksfest im Offenheimer Wäldchen, wo sich schon seit Jahr^ zehnten die Bevölkerung ber ganzen Wetterau einfinbct, erfreute sich auch gestern wieoer eines starken Besuchs. Der Wäldchestag, auf dem früher manche Verlobung reicher Bauernpaare ausgemacht wurde, und der deshalb im Volksmmid kurzweg der „Welterauer Heiratsmarkt" heißt, hat jetzt viel von seinem früheren Glanz verloren.
Darmstadt, 18. Mai. Die englische Kirchen- gemein de veranstaltet am Freitag, 20. Mai, in der hiesigen Hofkirche einen Dr au er g o t t es d i c n st. Dec englische Pfarrer zn Homburg v. b. H. wird den Gottesdienst leiten und Miß Howard vom Großh. Hoftheater wird die Solopartie der .Hymne von Sullivan, „God fhall wipe away all tears", vortragen. — Aus Anlaß des Geburtsfestes des Kaisers von Rußland findet heute in der hiesigen russischen Kapelle auf der Mathildenhöhe Gottes b ten ft statt, dem sich ein feierliches Te d enm an- chließen ivird.
R. B. Darmstadt, 18. Mai. Dem früheren Stadtrechner Grebe von Offenbach, der am 2. Oktober 1908 vom Schwurgericht wegen Verbrechens im Amt zu 2 Jahren 9 Monaten Gefängnis verurteilt worden war, wurde der R e st der Strafe vom 16. Mai bis zum 16. Dezember 1910 erlassen Er wurde gestern auf freien Fuß ge- etzt. — Der Sch uh war enfabrikaut Catta von Offenbach, gegen den seit längerer Zeit eine Untersuchung wegen Kontur s v c r g e h en s anhängig ist und der" sich' vor dem nächsten Schwurgericht im Juni unter dieser Anklage zu verantworten Haden wird, ist in Untersuchungshaft genommen worden.
N. Mainz, 18. Mai. Die Mainzer Zentriunspartei veranstaltet am nächsten SamStag eine Versammlimg int großen Saale des „Frankfurter Hofes", in der ReichstagSabg. Erzberger, der bei den Verhandlungen über die Kolonien durch sein Auftreten gegen Dernburg viel von sich reden gemacht hat, über „Die politische Situation im Reiche" sprechen wird. — Am 29. und 30. Juni findet hier der VerbandL- ag der Raiffeisen schon Vereine in der Rheinpscilz, Nheinprovinz, in Baden, Hessen-Siassau und dem Großherzogtum Hesien statt. — Im Laufe des Monats treffen in Mainz 186 Amerikaner ein, darunter 25 deutsche Kriegsveteranen. Größere Festlichkeiten werden geplant.
w. Mainz, 19. Mai. (Tel.) Der Gemeindoeinnehmer Junker von Kostheim wurde heute nacht wegen bedeutender Unterschlagungen verhaftet.
N. Mainz, 18. Mai. Die Meldefrist für den Posten des ersten städtischen Kapellmeisters, der durch die erbetene Ruhestaudsversetzung Hofrats Steinbach frei geworden ist, lief kürzlich ab. Im ganzen haben sich ungefähr 60 Bewerber gemeldet, von denen jedoch nur wenige in die engere Wahl kommen werden Die endgültige Besetzung der Stelle wird noch im Laufe des nächsten Monats erfolgen.
F. C. Aus dem Kreise Wetzlar, 18. Mai. Nack) den Feststellungen ber Gerncinbeoborförsterci Wetzlar I. sind durch beit Gemittorsturm am 11. Mai b. I. in den Gnneinbsmalbungcn der Dörfer Ebersgöns, Oberkleen, Niederkleen und in den Ge- mcinbcmalbungen Nieder- und Obormctz (Gemeinbeoberförsterei Braunfelsl runb 1300 Festmetcr Eichen- und Nadelholz zu, Fall gebracht morden.
i M a r b u r g, 18. Mai. Im nahen Bad Marbach wird sich auch int Lause dieses Sommers wieder unter der Leitung des Direktors Steger aus Aschaffenburg ein Sommer- t h e a 1 e r auftun.
4- Frankfurt a. M., 18. Mai. D i e Versammlung m i t t e l r h e i n i s ch e r A e r z t e, die im vorigen Jahre unter sehr zahlreicher Beteiligung in Darmstadt getagt hat, wird dieses Jahr am Sonntag, 22. Mai, in Frankfurt a. M. abgehalten werden. Die wissenschaftliche Sitzung sindet im Sitzungssaale des Frankfurter ärztlichen Vereins, Viktoria Allee 9, mittag von 1 bis 4 Uhr, statt. Für den Vormittag sind Bejichtigungen dcr Kranken-
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