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Aus Stadt unö Land
Gießen, 12. Dezember 1910.
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Am Nachmittag fand bei womöglich nach stärkerem Andrang nn Kirchenkonzert unter Leitung des Musikdirektors O Theiß statt, das einen herrlichen Verlauf nahm. Mitwirkende waren der ^eminarchor " ----- - —
(Sopran), Dr. C. Ab 6 c (Violinsolo) und die 1.
* Werner nach seiner Verurteilung. Wie uns aus Kaiserslautern berichtet wird, sind dort bei ocit Eltern Werners und beim Rechtsanwalt Dr. Tuteur L Briefe emgegangen, die der verurteilte junge Werner schrieb, nachdem er mit Oberstaatsanwalt Lang eine Unterredung
daß wir am 7. morgens in Richtung auf Tours marschieren würde», mrt dem Hnrzufugcn, wir möchten uns mit Lebensmitteln versahen, denn wrc kameu imn in eine durchaus ausgehungerte Landsckasl. — Wir glaubten iclwn, das schlimmste überstanden zu haben, "'(mi solUc es noch schlimmer kommen. Wir rafften zusammen, ma' nnr Eonnten. Es, war wenig genug und wir durften uns auch ■ Nicht zu sehr belasten.
, - , an^^enr Jorgen wird ein Ruhetag angekündigt. Gott
sei dank! Wir bringen die Mannschaften und uns selbst besser unter. Es wird Hammel- und Rindfleisch in ansehiilichen Mengen geliefert. Ueberall totii) gekocht und gebraten. Darüber geht nuch. manches »au-, durch Uiworjichtigkeit in Flammen auf. Wieder ^en^.?lc £n!?rcn Burschen in einem Häuschen unter»
gebracht. , Ihiri) die Besitzer sind anwesend, zwei ältere Eheleute, ^.r ^wiNU sich als bon garcon, aber sie ist eine Zange, der wir erst klar machen müssen, daß wir heute die Herren im Hause sind und nicht sie. Nun schweigt sie ja, aber faucht, wie eine böse jcaße. 1
Das breite Ehebett haben zwei von uns Offizieren in Be- 9/n?m!nei^ "^en mir Liegende stöhnt und ächzt ^'?n=^rt<7 Ich habe schon untersucht, die Matratzen silid mit Eichenlaub gefüllt, es hat lange keine frische Füllung statt- gefunden und das Eichenlaub ist hart geworden wie ein Brett. <- ^it)en ,t>or d«mi Kamin, halten die Händen über
die Kohlen und murmeln ununterbrochen miteinander. Wir trinFen k>ls abends endlich einmal wieder Rotwein, eigenes bie Burschen holen den Wein eimerweis herein und teilen ihn ans Kaminfeuer. Ter Wein ist eiskalt, dünn und rn£' Ä wird er doch. Unser Wirt trinkt tapfer mit Schutz. Die yrau keift, aber es hilft ihr nichts Doch He fatie ja eigentlich recht. Wir mußten den Mann nach trunfr»» h%»Ul origen lassen, weil er mehr ge
trauten hatte, als er vertragen konnte.
Unsere Burschen kochten uni) brieten. Ich kontrollierte, denn ich war auch am Herdfeuer der Sachverständigste. Am Svät- nachmlUage des Ruhetages, also am 6. abends, kam der Befehl
. Es begann für uns em neuer Kriegsabschnitt. Jetzt sollten wn auf dem rechten Ufer der Loire abwärts marschierend Gun- betta aus Tours vertreiben. Zwischen uns stand aber noch der General Chanzy, den wir zunächst zu verdrängen hatten. Nur Ätut sagten wrr uns, wir können alles wenn der oberste Kriegs- Herr bestehlt.
Dor französischen Loirearmee hatten wir in den Känivfcn : Ehge 18 000 Gefangene abgenommen, dazu 74 icme und vier Kanvnenboote, die wegen des starken Eisganges “ auf der Loire zuruckgelassen werden mußten und so in unsere Hande sielen.
Gambetta, der von^Tours aus am 5. Dezember nach Orleans ' Whren wollte um die etabt verteidigen zu helfen, machte eiligst Kehrt, al^ er die von ihm geschaffene Loirearmee geschlagen und m heilloser Unordnung über die Loire zurückfluten sah
mm kommen die Tage vom 8. bis 11. Tqzernber, die , schlacht bei Beaugency—Cravant, zwischen Blois und Orleans. ■
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— Drahtlose Telcphonie über See. Aus Satt ' ^ranz-isko wird berichtet: Die drahtlose Telephonie, über ' . en Verwirklichung schon wiederholt berichtet wurde, hat eine praktische Probe ihrer Leistungsfähigkeit abgelegt und dabei einen vollen Erfolg errungen. Der Treu ch räubern ,
"T^nyo Maru", der dem Passagierverkehr zwischen der Westküste Amerikas und Japans dient, wurde kurA , vor seiner Abfahrt aus San Franzisko mit drahtlosen Telephonapparaten ausgerüstet. Sofort nach der Ausfahrt des Scfafses begannen die praktischen Versuche, die über S™™1 r 9imfriß verliefen bis zu einer Entfernung von loO englischen Meilen von der Küste konnte die ständige telephonische Verbindung zwischen dem fahrenden Dampfer und dein Festlande aufrecht erhalten werden. Die Stimmen waren deutlich zu unterscheiden, und die Klarheit und Hör- barkeit ließ nichts zu wünschen übrig. Mit dieser Leistung ist ein neuer Rekord ausgestellt, denn bisher konnte auf eine [o große Entfernung über See eine drahtlose Fcrn- sprechverbinoung noch nie aufrecht erhalten 'werden.
mir stehender Soldat, 'eic müssen das Fleisch besser in die Kohlen falteu, dann schmeckts auch etwas salzig. Der Mann hatte recht So essen nur das halb aufgetaute Hammelfleisch in erheblichen Mengen Ich habe mich nur gewundert, daß dies Abendessen nicht mehr Schaden angerichtet hat. Zum Schluß brachte mein -öurfdje in seinem Helm, in dem sich der ganze Feldzugsschweiß vom Juli her verdichtet hatte, Aepfel. Auch von denen wurden noch genug gegessen.
Es war Mitternacht geworden. Orleans war von unseren Vortruppen besetzt. Da kam der Befehl, die Truppen sollten sich da, wo sie gerade ständen, einquartieren. Mensch und Tier fand nach längerem suchen, wenn auch nur notdürftige Unterkunft, denn zahlreiche Geoäude mit ihren weiß gestrichenen Wänden, erwiesen . lehr leicht gebaute, recht ärmliche Behausungen, in denen es am^ Notwendigsten fehlte. Aber nur Ruhe und ein Plätzchen zum schlafen. Sieb^efa Stunden waren wir an diesem Tage M den Beinen gewesen in der kalten zehrenden Winterluft. Es scheint einem heute unglaublich, daß man das unter all den Neben- umstanden ausgefallen hat.
Vekommen sei, daß die Krawallmacher planmäUy geyemves? hatten, erwidert der Zeuge: Herr Vorsitzender, muß ich dem Vertreter der Genossen Rede und Antwort stehen? Der Vorsitzende belehrt ihn, daß auch die Verteidiger Organe der Rechtspflege seien und daher das Recht hätten, Fragen zu stellen. Der Zeugs will mehrfach gefart haben, daß auf der Straße davon gesprochen wurde, die ganze Geschichte sei eine Probe.
Tie Zeugen Strauß und N o a ck bekunden übereinstimmend folgenden Vorfall: Bei der Räumung der Turmstraße wurde ein Mann, der einen Holzfuß hatte, von Polizisten niedergeschlagen. Er verkroch sich unter einen Bäcker wag en und wurde auch hier noch von einem Polizeioffizier und einem Schutzmann mit den Säbeln geschlagen.
Der betreffende Polizeiossizier Fvlte erklärt hierzu, daß sich der Vorfall ganz anders abgespielt habe. Er habe den Schutzmann, der den Mann unter dem Wagen hervorfalen wollte, davon abgehalten, ihn zu schlagen und ihn mit nach vorn genommen, da sie bttde schon hinter der Schuhmanns kette zurückgeblieben waren.
Die Zeugen bleiben aber bei ihrer Aussage und erklären, Laß noch sechs bis acht andere Personen denselben Vorfall beobachtet hätten.
zu Wetzlar, Fräulein I. Müller (Bariton), Seminarist W. Siegfried
_ . - -- — Geigenklasse des Seminars.
m 0-estsonntag gehörte der katholischen Gemeinde. Auch sie zoa im festlichen Zuge in den Dom, worauf die Segnung des katholischen Teiles des Gebäudes erfolgte. Ein feierliches Amt schloß sich an. Tie Festpredigt hielt Bischof Dr. Komm, der mit bewegten Worten seiner Freude über die Wiederherstellung der in Den letzten Jahren schmerzlich vermißten Kultusstätte Aus- druck gab und seinen ferneren dauernden Fortbestand vom Himmel erflehte, -^as Tedeum schloß die eindruckvolle Feier ab.
Der Nachmittag vereinigte die Ehrengäste und die Bürgerschaft beider Konfessionen zu einem F e st m a h l im Schützengarten, an dem weit über 200 Herren teilnahmeiu Oberpräsident Freiherr von Rheinbaben verglich die jetzige Zeit der Neichs- einfait mtt der früheren Zerrissenheit des Reiches, indem er an
4 Daö der Schifsszwieback hernach zur ordnungsmäßigen Verkeilung kam, ist selbstverständlich. Die Mannschafteii hatten sich Durch allzu großen Hunger zu dieser unüberlegten Tat fortreifem
Wir .befinden uns in den Weinbergen ^ec ^Dhe liegen einzelne kleine Ortschaften, dazwischen Waldparzetten mit jungem Eichwald bestanden, aus denen wohl die Weinbergpfahle zum Teil stammen. Zahllose kleine Gehöfte liegen auf der Hohe üt den Weinbergen, hier muffen wir sobald der Befehl dazu gegeben wird. Wir
baV roir Sotretal und Orleans zum Teil über» Weinberge, dazwischen immer neue ^artm wi Tal. Wir machen Halt und warten Befchle ab.
?Jce iveiten Bogen, den die Loire bei Orleans
beschreibt imo deren Biegung ffch alles anpaßt. Es ist bitter kalt, peinig da-. -0e fünf bis zehn Mann tun sich zusam- men und brechen die Weinbergspfähle ab, tragen sie auf einen Haufen zusammen und zünden ihn an. Bald brennen solck-e Leinen <ycuer ui Unzahl,, so weit das Auge reicht und ich schreibe Ui nnem meiner Briefe, es hätte geschienen, als wolle die Erde ■ 171 faülvnten Himmel wetteifern. Es wird 10 Ufa abente, wir umstehen unsere Feuer und frieren doch sehr, weil wir crnsgehungert smd. Mit dem Scksiffszwieback ist nichts anzusangm (fr mutz zertteuiert und gekocht werden, um genießbar zu sein. Da kmnmt unser Haminelwagen, die Begleitmannsck)aft hat sich zu uns gefunden Die ausaeschlachteten Hämmel werden in angemessener Anzahl an die Kompagnien verteilt. Die Korporal- schalten hauen die hart gefrorenen Fleischktumpen mit dem Seiten-
?U?^Är- Fleffch splittert wie Glas, aber a iÄ?ak lch? cm gutes Stück, steckts an das Seitengewehr öum Auftauen ms Feuer. Ich fafa mem eturf auch an den Degen gesteckt.. Herr Leutnant, sagt
Dadurch kam cs, daß die Wieder-Einweihung des Bauwerks von den beiden Religionsgemeinden besonders vorgenommen wurde und das brachte mit sich, baß von beiden Seiten der Gemeinsamkeit der Ziele gedacht wurde und das Leitmotiv der Einweihungsfeier neben der Freude an dem herrlich erstandenen Gotteshaus der Gedanke ber Friede und Eintracht zwischen beiden Konfessionen war.
Eine große Anzahl Ehrengäste hatte sich zu der Einweihungsfeier ein gefunden. Genannt seien der Oberpräsident der Rhein- Provinz, Staatsminister a. D. Freiherr von Rhcinbaben, Regierungspräsident von Ratibor, Landeshauptmann von Renvers, der Vorsitzende des Provinzialausschusses Gras Behssel-Gymmich, der Vorsitzende des Provinziallandtags Oberbürgermeister Spiri- duS von Bonn, der Fürst zu Solms-Hohensolms-Lich, Prinz Friedrich zu Solms-Braunfels, Gkch. Kommerzienrat G a i l- Gießen (Patron des Dombauvereins), Landtagsabg. vom Rath, Bischof Dr. Korum von Trier, Konsistorialpräsident Peter und der Präses der rheinischen Provinzialsynode Landtagsabg. D. Hackenberg.
Der erste der beiden Weihetage, der Samstag, gehörte der Evangelischen Gemeinde, die sich in der alten Hospital- ttrche sammelte und von da sich im geschlossenen Zuge zu dem Dom begab. Vor deren Portal übergab der Dombaumeister Baurat S t i e h l den Schlüssel mit einem Rückblick auf das weckffelvolle Geschick des stolzen Bauwerks an den Vorsitzenden des Dombauvereins Landrat Dr. S a r t o r i u s , der ihn mit innigen Wünschen für den dauernden Bestand des herrlichen Bauwerks an den Vertreter des Konsistoriums, Gch. Oberkonsistorialrat Lic. Mettgen- berg- Kobletiz weitergab. Dieser übergab ihn dem Superintendenten S ch o e l e r, &er vor 43 Jahren zum erstenmal in dem Dom gepredigt hatte, worauf dieser mit kirchlichem Weihespruch das Gotteshaus öffnete. Der weite Raum vermochte die Fest- gäste und Andächtigen nicht alle zu fassen, die sich zum F e st- g ott es bien ft zusammengefunden hatten. Ter Gottesdienst begann nach Gesang des Kirchenchors und der Gemeinde mit einer tiefempfundenen Weiherede des Geh. Konsiswrialrats Lic. Mettgenberg, worauf der Synodalpräses D. Hackenberg eine Begrüßungsansprache hielt, in der er namentlich die Religion als den Ursprung der Kunst feierte. Nach der von Pfarrer G ü n b e r gehaltenen Liturgie folgte die Festpredigt des Superintendenten S ch o e l e r. Gemeindegesänge und Darbietungen des Kirchcnchars, die auf der herrlichen neuen Orgel begleitet wurden, bilden den übrigen Inhalt des gehaltvollen Gottesdienstes.
Zeuge Barbier Hillmer wurde in einerVedürfnisanstalt von Schutzleuten niedergeschlagen, so daß er eine elf Zentimeter lange Schädel wunde davontrug. Er hat mehrere Wochen im Krankenhause zubringen müssen. Ein älterer Mann, bei ruhig jeines Weges ging, sei von den Schutzleuten fortgetrieben worden.
Zeugin Frau Dahms hat auf der Straße, als sie mit Tochter und Schwiegersohn ruhig nach Hause ging, einen Hieb über den Arm erhalten.
Zeuge Oberpostassistent Weseberg erklärt, es fei geradezu schmachvoll gewesen, daß sich preußische Beamte durch Johlen, schreien und Steinwürfe so provozieren lassen mußten, ohne von der Waffe Gebrauch zu machen.
Darauf wurden bic weiteren Verhandlungen auf Montag Jüormittag vertagt.
Atzr Vorgehen im Wald von Orleans unhaltbar geworden war. Nicht weit von dieser Batterie standen auch einige französische Berpslegungswagen, deren Räder wohl zerschossen waren. Einige Kisten, die Schiffszwieback enthietten, waren herabaesallen und die appetitlich aussehenden schwarzbraun glänzenden Zwiebäcke waren herausgefallen, xaä sah das ausgehungerte Bataillon, welches ut Angriffsko onne marschierte. Das Bataillon lößte sich im Augenblick auf und wie wilde Tiere stürzte die Mehrzahl der Mannschasten über den Schiffszwieback her. Im gleichen Augenblick war der Führer des Bataillons, ein alter ausgezeichnete'* DTTiiier und eolfat, mit feinem Pferde mitten in dem Menschen- faunm, hie übrigen berittenen Offiziere folgten. DaS Bataillon Jianö nach tocmgai Augenblicken in voller Ordnung wieder da, man schämte sich und suchte dem Führer gegenüber durch doppelte Auf- merkiamkeit diesen groben Fall von Jndisziplin wieder gut zu machen.
bte Weylarer Stadtgeschichtc wirkungsvoll aninüpftc. xSr nett das eintrachtliche Zusammenwohnen von $roteftantcnti* *t Katholiken in dem Gotteshaus als vorbildliches Muster für bürgerliche Leben und feierte den Kaiser als das Vorbild in iph/ wahrhaft christlichen und bürgerlichen Tugend. Dem Kaisers- folgte bie Absendung folgenden Telegramms a n Kaiser: cn
„Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät bittet di" W unter Beteiligung hoher Ehrengäste zur Feier der Wied-rb^^ stellung ihres alten Domes feMich versammelte Wetzlarer Büro-' schäft beider chriftlichen Bekenntnisse die chrffirchtsvolle sichenmg unwandelbarer Liebe und Treue entgcgenzunKmcn -
Weitere Trinksprüche brachten aus ber Vorsitzende de-^ 20‘ bauvereins Landrat Dr. Sartorius (auf die Festgäste gieningdfaäiibent Prinz von Ratibor (auf die Baumeister Mitarbeiter jei den Wiederherstellungsarbeiten), Bischof Dr Kn rum (auf die Stabt Wetzlar mit dem Wunsche, daß ihre ’&muL scfast auch ferneren einträchtig und friedlich weiter toitten moo< Konsistorialpräsident Peter auf den Dombauverein, Baur'.' S t i e h l aus beide Kirchen gemeinden und Bürgermeister vmi auf das Vaterland.
c. Auszeichnungen haben bei der Domeinweihung crbaltvi - Landrat Dr.S ar toriu sund Baurat Stiehlden Äronenor^» 3. Klaffe, Kirchmeister, Schriftführer des Dombauvereins mA a:ficr Beigeordneter Äiepe den Roten Adlerorden 4. Klast Kreisausfchußsekretär Wieser, der Schatzmeister des SontbcV Vereins, den Kronenorden 4. Klasse, Steinmetz Schäfer mit Ldcrsbach das aUganeine Ehrcnzrichln. 1
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.Aus Anlaß der Domeinweihung ist von den Regierungsbav. meistern Rappoport und Eberhard im Lottehauö eine sehr sprechende und beachtenswerte Ausstellung „A l t - W e vl ar-' eingerichtet worden, die der Beachtung aller Freunde alter Äunfl unb alten KunstfandWerks empfohlen sei. (Sie ist noch bis zum 14. b. M. geöffnet) Außer bem Lottezirnrner finfat sich doria u. a. em reizenbes Empirezimmer unb eine Bauernstube. M' unb neue Aufnahmen vom Dom ermöglichen interessante VerglciL Auch ber katholische Domschatz — zwei Reliquiarien in Form ion‘ ^büigenbuften, prachtvolle goldene Bucheinbände aus dcr Atü um 1200 ufw. — ist zu sehen. Zahlreiche alte Bilder von Weh^ eine Sammlung von Ansichten der Burgen unserer Gegend nS Mifcher Bauernhauser des Kreises Wetzlar stillen die Wände Ganz besonders fei auf eine große Anzahl Federzeichnungen da ^^^^^Vopori und (Äerfard aufmerksam gemacht, die in mühevoller Arbett zahllose alte Dorfkirchen ber näheren imb wetteren Umgebung WctzlarS im Bild festgehalttn haben.
Die Einweihung des Domes zu Wetzlar.
Auf Einladung des Wetzlarer Dombauvercins haben wir Uns tarn Samstag vormittag zu der Einweihungsfeier des wiederhcr- geftellUn Domes nach Wetzlar begeben und geben nachstehaid unsere Eindrücke von der denkwürdigen Feier wieder:
bri: Vorzeichen en Beträge sich bereit erklärten, bewilligbe die Provinz und der Kreis in dankenswerter Weise die von ihrum nbettncn Baubeihilfen von 120 000 Mk. und 12 500 Ml. Durch Eriav des Königs wurde eine für den ganzen preußischen Staat geltende Lotterie mit dem vorgesehenen Reinerträge von 650 000 Mark genehmigt, die bann in drei Serien ausgespielt wurde. Der Dombauverein hat es ttotz der hohen Summe von 94 700 Mk. fertiggebracht, diese anzusammeln.
xte Slumellung der Pläne und bereit Ausführung lag in ber S?anb des Kreisbauinspektors Bau rat es Stiehl. Beratend zur Sette standen der Wirllickie Geheime Oberbaurat Hoßfeld und Geheime Oberbaurat Lutsch zu Berlin, sowie ber Provmzial- konservator Professor Dr. Clemen in Bonn. In alljährlich«i Befprechungen wurde das Bauprogramm des nächstfolgenden Bauabschnittes festgelegt Alljährlich fand unter dem Vorsitze des Regierungs-Präschcntcn Freiherrn von Hövel auch eine Zusammenkunft ber verschiebenen Kostenträger statt, in der bie geldliche Lage beraten wurde. Nunmehr ist das große Werk vollendet und der Dombauverein darf mit Genugtuung auf seine Tatigkett zurückblicken. .Seine Ausgabe wird es sein, dafür zu sorgen, daß das glücklich dem Untergang entrissene Bauwerk und Gottes- haus nun nicht wieder der Verwahrlosung anheimfällt
Die Erneuerungsarbeiten beschränkten sich nicht auf eine scfablonenhafte Wiederherstellung des Gewesenen, sondern paßttn sich dem Geist des ganzen Bauwerks feinsinnig an, so daß das neue Dombild in manchen Beziehungen von dem alten abwcicht.
Etwas ist es, was den Wetzlarer Dom vor den anderen großen deutschen Gotteshäusern auszeichnet Seit 1561 bient er dem protestantischen und dem katholischen Gottesdienst. Die Evangelischen haben das Schiff und die Katholiken den Chor inne und schiedlich-friedlich wohnen beide Zkvnfessionen seit jener Zett unter einem Dach beisammen.
** ^tadttheater. Zurzeit stehen einige Novst taten auf dem Spielplan des Stadttheaters, die bei de« Premieren besonders freundlichen Beifall gefunden faßen Es ist dies einmal Richard Skowronneks neues Lustspiel „Hohe Politik", das von Publikum wie Presse gleich ? beifällig ausgenommen wurde und am Dienstag im Achonnc- ment wiederholt wird. Sodann Ludwig Thomas Bauern- schwank „Erster Klasse". Der überaus lustige Ein- alter des L>tmpliKissimusdichters hatte geradezu einen Sen- satronsersolg zu verzeichnen und wird in dieser Wocfa zwei- mal, am Mittwoch und Freitag, wiederholt; das eine Mal ttncb ,,L) u m Einsiedler" dazugegeben, das andere Mal „Durchs Ohr". Für die jugendlichen Theaterfreunde wird für Samstag und Sonntag nacymtttag das Weih, nachtsmärchen „Die M ä u s e kö n ig in" oder „Wie bet Wald in die Stadt kam" vorbereitet. Das hübsche Werk mit einer reizenden Musik von Pittrich bietet viel zu fehen
J??rbc f- 3- in Leipzig 45 Mal nacheinander gegeben. Im Schumanntheater in Frankfurt erringt es zurzeit ebenfalls außerordentlichen Beifall.
., ** Warmes Frühstück. Heute wurde in den Volks^ iS spulen Mit der Ausgabe von warmem Frühstück (Mil» - und Mecke) cm schwächliche Kinder begonnen.
. ** Von den Wandernden. Im November io- aterten in der Herberge zur Heimat 1231 Gäste (gegen 1444 int gleichen Pttmat des Vorjahres); davon entfallen oOO, die gegen Arbeitsleistung Wohnung und Verpflegung fanden (837), während 731 Selbstzahler waren (bO/). — Für den Arbeitsnachweis waren int November gemeldet 64 Stellen, darunter 26 von außerhalb Besetzt wurden 45, zurückgezogen 11, durch Fristablauf erledigt 5, der kleine Rest wurde für Dezember übernommen. Die besetzten Stellen kamen an 18 Handwerker und 27 Arbeiter.
Seit vielen Jahren war der altehrwürdige Wetzlarer Dom, ba so selbstverständlich das malerische Stadtbild ber alten Lohnst abt krönt, ein Gegenstanb schwerer Sorge für jeden Kunstfreund, ber baS herrliche Kleinod deutscher Baukunst kannte.
Der Wetzlarer Dom nimmt unter den alten Gotteshäusern Westdeutschlands eine eigenartige Stellung ein. In seinen ersten Anfängen stammt er wohl aus dem 8. Jahrhundert Dann wurde zu verschiedenen Seiten an ihm gebaut, was sich heute noch an dem stolzen Bau deutlich zeigt Ursprünglich im ^romanischen Sttl errichtet, dann wiederholt im gotischen ©tit erweitert, ift der Kau niemals ganz vollendet worden. Am Anfang des vorigen Jahrhunderts, wo Wetzlar preußisch wurde, machte sich das unzweckmäßige Baumaterial — Schalstein aus der Umgegend von Wetzlar — bedenklich geltend. Tas ganze Gestein zerbröckette und nur durch wiederholte umfassende Ausbesserungen vermochte man den Bau durch das 19. Jahrhundert hindurch zu retten, ihn aber nicht dauernd zu sichern.
Das Bauwerk befand sich dann zu Beginn dieses Jahrhunderts xu einem Zustand traurigster Verwahrlosung. Stellenweise falte der Dom ein ruinenhastes Aussehen angenommen, oerabfallende Steine gefährdeten die Umgebung des Domes so, daß durch einen Bretterzaun der Zutritt zu den bedenllichsttn Teilen des Domes aus Gründen der Sicherhett abgesperrt werden mußte Die den Domunterhaltungspflichtigen (der katholischen uni) ber evangelischen Kirchengemeinde sowie ber Stadtgemeinde) — auch der Fiskus nimmt, wenn auch nur in geringem Maße, an ber Unterhaltungslast teil — zur Versüquna stehenden Mittel reichten bei weitern mcht aus, um dem Verfall Einhalt zu gebieten. Da gründete sich im Jahre 1901 unter dem Vorsitze des Land- ratS Dr. Sartorius zu Wetzlar der Wetzlarer Dornbau- v er ein. Es war ein groß angelegtes Werk, das der Verein iibcrnahm; aber zielbewußt und tatkräftig ging er von Anfang an vor. Er wußte nicht nur die höheren Behörden, sondern auch Kunstfreunde wett über die Grenzen des Kreises Wetzlar, ja der Rheinprovinz hinaus, für die Sache zu interessieren. Durch Vermittelung des Oberpräsidenten gingen an sämtliche Städte uni) Gemeinden der Rheinprovinz Aufforderungen zur Anwerbung von Mitgliedern und Sammlung von einmaligen Gaben. Dieser Werbetättgkeck ist es zu verdanken, daß der Dombauvcrein sehr bald zwölf Patrone mit einem einmaligen Beittage von 1000 Mk und 23 Patrone mit einem jährlichen Beiträge von 100 Mk. IP wie rund 1000 sonstige Mitglieder nachweisen konnte. Die Kosten der Wiederherftettung des Domes waren auf 1 000 000 Mk. veranschlagt. Diese Summe sollte aufgebracht tverden wie folgt: ;
800 Mk.; 2. Stadt Wetzlar 20 000 Mk.; 3. katho- ■ M^^ugemeindc 4000 Mk.; 1. evangelische Kirch eng emeinde 16000 Mk ; 5. Kreis Wetzlar 12 500 Mk.; 6. Provinz 120 000 1 Mk.; <• Lotterte 650000 Mk.; 8. Dombauverein 94 700 Mk. < eitll9e dieser Kör peri chaften ohne weiteres auf Grund • tfaer Verpflichtung zur Unterhaltung des Domes zur Zahlung <


