begannt Es ist auch nicht abzusehen, was eine derartige Konferenz sollte: sie könnte doch nur über eine Aenderung in der staatsrechtlichen Stellung Kretas beraten. Eine solche könnte aber nur dann zur Beratung gezogen werden, loenn der Eigentümer der Provinz, d. h. die Türkei, den Ärrtrag stellte. Dies dürfte jedoch kaum in ihrem Interesse liegen.
Athen, 19. Aug. Der Kreter Papamastorakis verzichtete auf seine Kandidatur zur griechischen Nationalversammlung, Pologeorgis soll noch zaudern, weil er die hellenische Nationalität besitzt. Die Antwort Venizelos, der sich auf der Rückreise von der Schweiz nach Athen be- kindet, ist noch nicht bekannt.
Die bulgarischen Flüchtlinge in Mazedonien.
Saloniki, 19. Aug. Den in die Berge geflüchteten Bulgaren wurde bekannt gegeben, daß das Bandengesetz angewendet werden wird und ihre Familien nach Asien verbannt werden, wenn sie nicht binnen 15 Tagen zurückkehren und die Waffen abliesern. — Aus Kossomo wird berichtet: Der Wojwede von Priskali, Symon, veranlaßte die Einwohner von Katschana und Umgebung, die Waffen nicht abzuliefern, sondern in die Berge zu flüchten. Es wurden verdächtige Schriften und Siegel beschlagnahmt.
Konstantinopel, 19. Aug. Dem „Tanin" zufolge sind die Verhandlungen betreffend die Rückkehr der bulgarischen Flüchtlinge nach Mazedonien beendet. Die Rückkehr wird unter der Bedingung der Waffenablieferung gegen die Versicherung der türkischen Gesandtschaft erfolgen, daß eine Verfolgung wegen ihrer Flucht nicht Platz greifen wird. Die bulgarische Regierung wird der türkischen Gesandtschaft eine Liste von Flüchtigen übergeben und dafür bürgen, daß die Liste ehemalige Mitglieder von Banden nicht enthält.
3ar, llaiser und Grohherzog.
R. B. Friedberg, 20. Aug. Zum Zarenbesuch wird uns aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt, daß das Großherzogspaar Mitte nächster Woche nach Friedberg übersiedelt. Am Mittwoch wird Prinz Ludwig von Battenberg nach Schloß Heiligenberg kommen und dann mit dem Prinzen und der Prinzessin Andreas von Griechenland und der Prinzessin Viktoria von Schleswig- Holstein nach Friedberg übersiedeln. Der Kaiser wird in Rücksicht auf den leidenden Zu st and der Zarin nicht nach Friedberg kommen; auch wird sonst kein fürstlicher Besuch stattfindcn. Dagegen wird der Kaiser anfangs Oktober, wenn die Zarenfamilie mit dem Großherzogspaar nach Wolfs gart en übergesiedelt ist, dort mit dem Zaren zusammen- trefsen. Von einem Besuch des Königs von Spanien ist hier noch nichts bekannt.
Deutsches Reich.
Aus Wilhelmshöhc wird gemeldet: Der Kaiser hörte am Freitag vormittag die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts und des Militärkabinetts.
Ausland.
I Dlls Kanea meldet man: Die zwischen den Christen und Muselmanen herrschende feindselige Gesinnung nimmt zm Von Tag zu Tag mehren sich die Anzeichen wmmender Verwicklungen. Die Muselmanen verübten mehrfach Gewalttätigkeiten. In Rethymcm zündeten sie das Eigentum der Christen an, wobei einer der Besitzer bei lebendigem Leibe verbrannte: aus Rache hierfür verübten die Christen mehrere Mordanschläge gegen Muselmanen.
Wie aus Washington gemeldet wird, wurde am Freitag auf der atlantischen Seite des Panamakanals eine Strecke von 5y2 Meilen für die Schiffahrt eröffnet.
Heer und Flotte.
— Zum Untergang der Torpedoboote „8 32" und ,8 76" wird der „Sägt Rundsch." geschrieben: Dem Torpedobootsinaterial entsteht durch den Untergang der beiden Torpedoboote „8 32" und „8 76" kein nennenswerter Verlust; vor allem in der Reihe der Fahrzeuge, die heute zur Formierung der aktiven Flottillen in Frage kommen. Denn beide Boote sind nur von fleinein Deplacement, sogenannte Küstentorpedoboote, die schon seit niehr denn ein volles Jahrzehnt in der Flotte nicht inehr gebaut iverden. „8 32" gehörte einer Bauserie der achtziger Jahre, „8 76" einer solchen der ersten Hälfte der neilnziger Jahre an. Beide Fahrzeuge dienten nur noch Hilfszwecken in der Flotte, einem Dienst, der mit der Torpedowaffe selbst nichts zu tun hat. „8 32" war Tender der Artillerieschul- schlffe, „8 76" Depeschenboot bei der Hochseeflotte. Es kann als em überaus günstiger Zufall betrachtet werden, daß bei der Katastrophe sämtliche Besatzungen gerettet worden sind. Dieser Umstand ist vor allem den beiden in der Nähe befindlichen Kreuzern „Danzig" und „Undine" zu verdanken, die sich um das Rettungswerk der mit den Wogen kämpfenden Besatzimgen hoch verdient gemacht haben. Nachdem die Lage und die Liegestelle der gesunkeneii Fahrzeuge untersucht und festgestellt worden ist, wird man selbstverständlich Hebeversuche anstellen. „S 32" war bereits seit einer Reihe von Jahren aus den Flottenlisten gestrichen worden. Beide Boote hat die Firma Schichau in Elbmg gebaut „8 32" war gegen 85 To., „8 76" gegen 150 To. Deplacement groß. Em sofortiger Ersatz ist in dem älteren Torpedoboots- material genügend vorhanden, das in der Reserve auf den Wersten in Kiel und Wilhelmshaven liegt.
Aus E h e r b o u r g wird gemeldet: Hier werden gegenwärtig zahlreiche Vorschläge zur Reltuiig von Unterseeboten 'geprüft die seit dem Untergang des „Pluviose" eiugegangen sind. Am meisten Beachtung erfährt die Einrichtung eines abnehmbaren Kiosk in den sich die Besatzung des Unterseebootes flüchten kann, salls dieses untergeht. Dieser Kiosk soll eine Schwimmfähigkeit besitzen, die groß genug ist, um mit dem ganzen Personal an die Oberfläche zu steigen. Auch die Versuche durch telephonische Verständigung mit Glocken gehen vorwärts; es ist gelungen, beim Untertauchen auf eine Entfernung von vier Meilen Mitteilungen zu machen.
Paris, 19. Aug. Tie „France Militaire" stellt fest, daß die Sterblichkeit in der französischen Armee zu- nrmmt. Diese ist von 3,14 pro Mille im Jahre 1905 auf 4,05 pro Mille im Jahre 1908 gestiegen; am wenigsten kamen dabei dre Disziplinarkompagnien in Betracht, hauptsächlich da- gegen die Zuaven, der Train, die Chasseurs d'Aftigue und dis ^rtabsschreiber.
Aus Stadt und Land.
• Gießen, 20. August 1910.
Feier des 40 jähr. Bestehens des Deutschen Reiches.
Wir erhalten folgende Zuschrift:
Der hiesige NationalliberaleVerein hatte vor ncrzem beschlossen, das 40jährige /Bestehen des Deutschen Rerches im Januar 1911 festlich zu begehen. Es war ihm vcmrals noch nicht bekannt, daß die hiesige Gruppe des Alldeutschen Verbandes ein solches Fest — wenn auch^rn anderem Rahmen — geplant fynt.
xte ^eier sollte indessen keine bloße Vereinsfeier fein, lonocrn eme Feier des gesamten hiesigen Bürgertums. Zu diesem Zwecke wurden zahlreiche Vereine, unter
ihnen auch die übrigen bürgerlich-politischen 'Vereine z-u einer Besprechung eingeladen, um mit ihnen bezw. ihren Vertretern zusammen ein Komitee zu bilden, das über die Ausgestaltung her Feier beraten und beschließen sollte. Man wollte auf diese Weise selbst den Anschein vermeiden, daß es sich etwa um ein parteipolitisches Fest handele.
In der von den Vertretern der eingeladenen Vereine gepflogenen Besprechung wurde auch na chden näheren Ausführungen des Vorsitzenden des Nationattiberalen Vereins anerkannt, daß die geplante Veranstaltung nicht als Parteiferer, sondern als Bürgerfeier gedacht sei. Gleichwohl hielt man infolge eines Hinweises auf die 1896 abgehaltene Ferer des 25jährigen Bestehens unseres Reiches, die von vornherein unter Leitung der Stadtverwaltung stand, es für wünschenswert, daß die Führung wiederum in die Hände des Herrn Oberbürgermeisters gelegt werde. Unter diesem Gesichtspunkte wurden dann auch ein weiteres und ein engeres Komitee gebildet.
Da es dem Nationalliberalen Verein auf die Stärkung des vaterländischen Gedankens ankam und ankommt, hat sein Vorstand nunmehr beschlossen, davon abzusehen, daß die Feier unter seiner Leitung veranstaltet werde, und er hat seine Zustimmung dazu gegeben, die Führung an den Herrn Oberbürgermeister abzutreten. Es konnte dabei mit Freuden festgestellt werden, daß der von dem Verein ausgegangene Gedanke einer unter Heranziehung und Mitwirkung zahlreicher bürgerlicher Vereine das ganze Bürgertum umfassenden patriotischen Feier auf so fruchtbaren Boden gefallen ist, denn die eingeladenen Vereine hatten entweder Vertreter gesandt oder, soweit sie infolge besonderer Um- tände dies für jenen , Abend nicht hatten tun können, brieflich dem Nationalliberalen Verein ihr Mitwirken zu- ^esaat. Hoffen wir, daß die Feier sich zu einer glänzenden Kundgebung vaterländischen Denkens und Fühlens gestaltet! Dann hat der Nationalliberale Verein erreicht, was er wollte. £.
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OrdenSauSzeichnung. Der Großherzog hat dem Bürgermeister Dr. Gustav Kayser zu Bad-Nauheim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihni von dem Kaiser von Rußland verliehenen St. Stanislaus-Ordens 2. Klasse erteilt.
** Veränderungen im 18. Armeekorps. Zu Kompagniechefs ernannt die Hauptleute: Guischard im Jn- fant.-Regt. Hessen-Homburg Nr. 166. Zu Oberlts. befördert die d. Hagen, Thomas, v. Rogues im 1. Knrhess. ^nf.-Regt. Nr. 81, Eger im 2. Nass. Jnf.-Regt. Nr. 88, Kutzen tm Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Zr- 117, S c r i b a im 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168. Zersetzt dre Lts.: Welsch im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hest.) Nr. 118, zur Militär-Knabenerziehungsanstalt in Annaburg. Zu Oberlts. befördert die Lts.: Riedesel Frhr. zu Erlenbach un Leib-Dragoner-Regt. (2. Großh. Hess.) Nr. 24, v. Roell, Lt. im Leib-Drag.-Regt. (2. Großh. Hess.) Nr. 24, in fernem Kommando zur Gesandtschaft im Haag bis zum 30. September 1911 belassen. Zu überzähl. Hauptleuten befördert die Oberlts.: v. Stumpf im Feldart.-Regt. General-Feldzeug- merster (1. Brandenburg.) Nr. 3, Krüger im 1. Nass. Feldart - Regt Nr. 27, Oranten. Zu Lf erlts. befördert die Lts.: Krcich jm ?yen>art.-9icgt. General-Feldzeugmeister (1. Brandenburg.) Nr. 3, Kuhn, v. Küchler, v. Jlsemann v. Groot e, Frhr v B regel eben im Großh. Artilleriekorps, 1. Großh. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25, v. Holbach im Fußart.-Negt. Generalfeldzeugmeister (Brandenburg.) Nr. 3. Hirthe, Oberlt.
A?n.-Bat. Nr. 21, in die 4. Ingen.-Jnsp. verseht
Aerlts. befördert dre Lts.: Booz im 2. Nass. Pion.-Bat. Nr 25 Leo im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, b Enckev o r t tm Garde-Drag.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 23. Befördert: L o e f l c r, Oberfeuerwerker beim Artillerie-Depot in Mainz, unter Versetzung zum Art.-Depot in Danzig, zum Feuer- werkslt. Aus dem Heere scheiden am 31. August aus und werden mit dem 1. September 1910 in der Marine angestellt: Char- JLie re Lt im 1. Nass. Pion.-Bat. Nr. 21, im III. Stamm- Zee-Bat. Auf rhr Gesuch zu den Res.-Offizieren der betreffenden Truppenteil" übergeführt die Lts.: F r h r. v. B l e n e l im Lcib- garde-Jnf.-Regi. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, Damm (Leo, tm >mf.-Regt. Kay er Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116. Zu Bat.- Aerzten ernannt unter Beförderung zu Stabsärzten: Dr Jung- b l u t beim Magdeburg. Jvi.-Regt. Nr. 'V Zu Assist.-Aerzten befördert die Unterärzte der Reserve: Dr. K l e e (Frankfurt a. M.), ®r. Linzenmeier (Marburg). Zum Oberveterinär befördert der Veterinär S ch w e r d t beim 2. Nass. Feldart.-Regt. Nr. 63, Frankfurt.
** Der Direktor des Kgl. Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin, Geh. Obermedizinalrat Professor Dr. med. Georg Gafsky wurde zum ordentlichen Honorarprofessor in der Berliner medizinischen Fakultät ernannt.
" FleischausschIag. In Anbetracht der hohen Viehpreise sind die hiesigen Metzger genötigt, das Ochs en fleisch und Rindfleisch um vier Pfennig für das Pfund zu erhöhen.
Schützenkönig! Bei dem 50jährigen Jubiläums- Schießen des Frankfurter Schützenvereins hat das Mitglied des Gießener Schützenvereins, Heinrich Schmidt, bedeutende Erfolge erzielt: Er schoß aus Meisterscheibe, 175 Meter, 58 Ringe, auf Meisterscheibe, 300 Meter, ebenfalls 58 Ringe, zwe' erste Preise; auf die Festscheibe, 300 Meter, mit 36 Ringen den zweiten Preis. Am Schießen beteiligten sich etwa 400 Schützen.
** Der Gesanverein „Gemütlichkeit", Dirigent Musiklehrer Albert Kasten, feiert am 1. Oktober d Js in Sterns Garten sein 25jähr. Bestehen.
**Ein leichtsinniger Fuhrmann brachte gestern nachm. um j/26 Uhr in der Walltor straße dadurch die elektrische Bahn in Gefahr, daß er in dem Geleise uhr und nicht rechtzeitig ausweichen konnte. Rur durch die Geistesgegenwart des Wagenführers, der den elektrischen Wagen 2 m vor dem Gefährt zum Stehen brachte, wurde ein Z u s a m m e n st o ß verhütet.
** Achtung Hundebesitzer. Wir hören, daß man ertens der Behörden in unserer Stadt erwägt, ob es nicht ratsam sein würde, wegen der in Frankfurt a. M. ausgebrochenen Tollwut unter den Hunderr auch in unserer Stadt Vorsichtsmaßregeln treffen, um dem Uebergreifcti der Seuche tunlichst zu begegnen. Jedenfalls ist es jetzt chon den Besitzern von Hunden sehr z-u empfehlen, bie Stere überhaupt nicht mehr frei auf der Straße Ijernnt laufen zu lassen.
Schonung dem Edelweiß! Ein Freund uuseres Blattes schreibt uns aus Jmmenstadt im bayrischen Allgäu: In Nr. 186 des Gießener Anzeigers lese ich mit großer Genugtuung die an die Besucher unserer Alpeuwelt gerichtete, beherzigenswerte Mahnung: „Schonung deni Edelweiß!" Auch die Leitung des Deutschen und Oesterreichischen Alpen» Vereins hat es sich dieses Jahr zu Beginn der Reisesaison wieder angelegen sein lassen, allen Touristen und Touristinnen die dringende Bitte an das Herz zu legen, die selteneren Kinder
der Alpenflora zu schonen. Zu diesem Behnse hat sie eine zweckentsprechende, farbige Tafel mit genauen Abbildungen dec in Frage kommenden Hochgebirgspflanzen in den Unterfunfts- hütten, sowie auch zahlreich an sonstigen geeigneten Stellen aufhängen lassen. Bei dem einsichtigen Gebirgsbesucher iverden diese Bitten nicht ungehört verhallen. Sehr zweckentsprechend dürste eS sich aber auch empfehlen, diese Mahnungen an die Bewohner der Alpengebiete selbst zu richten und ihre Be- folgung durch behördliche Dlaßnahmen zu unterstützen. Mußte ich doch dieser Tage erst in dem Tirolerdorf Pfunds die Wahrnehmung machen, daß von den dortigen Bewohnern das frei wachsende Edelweiß en gros gepflückt und — 1000 Stück für 3 Kronen — nach München ausgeführt wird.
Aus st erbende Vögel unserer Heimat. Zu der unter dieser Ueberschrist gebrachten Mitteilung schreckt uns der kgl. Förster Echternacht in Krofdorf: „Bezug- nebmend aus den Artikel vom 17. d. M. in Ihrer Zeitung über Verschwinden von Vögeln, teile ich Ihnen mit, daß in diesem Frühjahre ein Wiedehopfpärchen in meinem Revier in einem aufgehängten Brutkasten mit Erfolg gebrütet hat. 2luch habe ich das ganze Frühjahr und zu Anfang des Sommers ein Eisvogelpärchen im Fohnbachtal beobachtet, das jedoch jetzt verschwunden ist. Leider werden den Vögeln immer mehr die Nistplätze entzogen, teils unabsichtlich, teils mit Absicht. So wurden in diesem Jahre die hier auf. gehängten Nistkästen von Bubenhänden znm Teil heruuter- geroorfen und zerstört.
= Lauter b. Grünberg, 20.Aug. Unser Schulh.auS» Neubau ist nahezu fertiggestellt. Die Einweihung ist auf Sonntag den 28. August festgesetzt.
— Eberstadt (Kr. Gießen), 20. Aug. Der vor wenigen Wochen durch den Blitz beschädigte hiesige Kirch, turni wird zurzeit wieder hergestellt. — Die Ein- weihun g unseres SchulhauseS findet gelegentlich unseres Kirchweihfestes am zweiten Sonntag im September statt.
)( Trais-Horloff, 19. Aug. Heute mittag gegen 1 Uhr war im Ofenhaus der Grube „Friedrich" auf unerklärliche Weise Feuer ausgebrochen, das sich sehr schnell verbreitete und schließlich in den Kohlentrocken- apparat gelangte. Die in den mächtigen Trockenöfen befind- lichen Kohlen standen bald in voller Glut und trotz eifriger Löschversuche konnte man das Feuer nicht dämpfen. Gegen V24 Uhr erfolgte Plötzlich eine schwere Kohlenstaubexplosion, durch die Mauern zerrissen und das Dach stark beschädigt wurde. Einige Arbeiter erlitten hierbei 5um Teil erhebliche Verletzungen. Es war nicht möglich, bis abends des Feuers Herr zu werden.
x Bad-Nauheim, 19. Aug. Lehrer Wagner hat dem hiesigen Turnverein zu seinem 50. Jubiläum ein altes Exerziergewehr aus dem Jahre 1863 aeschenkt.
m. Bad-Nauheim, 19. Aug. Der in der Sonntagnacht in der Frankfurter Straße ausgebrochene Brand in der Giar- scheu Zimmerwerkstätte hat einen Schaden von 4000 Mark verursacht. Von den Brand st ifteru fehlt bis jetzt noch jede Spur. Ebenso wenig hat man eine Spur der Einbrecher gefunden, die schon seit ungefähr 14 Tagen die nördliche Frankfurter Straße unsicher machen. Man vermutet, daß Brandstifter und Einbrecher in der Person eines vor 14 Tagen aus der Zellenstrafanstalt entsprungenen und bis jetzt spurlos verschwundenen Sträflings zu suchen find. — Am Donnerstag abend verunglückte auf der Feldeisenbahn bei der Neuanlage des Güter- bahnhofs in der Gemarkung Schwalheim der Maschinenführer E ck st e i n aus Groß-Auheim. Eine Anzahl beladener Kippwagen hatten sich in Bewegung gesetzt und kamen in rasender Fahrt den Abhang herunter. Eckstein wollte mit seiner Maschine die Wagen aufhalten, wurde aber durch den heftigen Anprall ans ihr geschleudert und erlitt außer drei Rippenbrüchen Beschädigungen im Gesicht, Armen und Beinen, sowie innere schwere Verletzungen. Er wurde in das städtische Krankenhaus überführt. — Seit 14 Tagen ist eine Lokalpolizeiverordnung wieder erneuert worden, wonach sämtliche Wirtschaften mit K ell- nerinnenbebienung schon um 10 Uhr abends schließen müssen. Diese Bestimmung wurde seinerzeit im Einverständnis mit der Stadtvertretung beschlossen, um den Animierkneipen zu Leibe zu gehen. Da nun tatsächlich hier keine vorhanden sind, die meisten Wirtschaften aber Damenbedienung haben, so herrscht unter den Wirten begreifliche Aufregung, zumal in den meisten Geschäften der Betrieb erst um 10 Uhr abends beginnt. Da bi£ jetzt alle Vorstellungen bei der Polizeiverwaltung fruchtlos roaren^ t haben die Wirte beschlossen, beim Ministerium vorstellig zu werden.
— Bad-Nauheim, 19.Aug. Bis zum 18.August sind 27708 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 6950 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 18. August 338 872 abgegeben.
L. Friedberg, 19. Aug. Die EntlassungSfeier im hiesigen Predigerseminar findet den 21. September statt. 5 Kandidaten verlassen das Seminar, 11 verbleiben bis zu Ostern 1911, 13 werden neu hinzutreten, so daß da§ Wintersemester einen hohen Bestand aufweisen wird. — Polizeirat Krämer aus Darmstadt, der Vorstand dec Kriminalabteilung, wird von morgen an die Leitung der gesamten hiesigen Polizei übernehmen. Das Amtszimmer befindet sich gegenüber dem Schlosse.
m. Steinfurth, 19. Aug. Unsere Rosenfelder bieten gegenwärtig einen prächtigen Anblick. Etwa 1000 Normalmorgen prangen in schönstem Schmuck. Alle nur erdenklichen Farben haben unsere weltberühmten Züchter kultiviert. Sogar schwarze Rosen, eine bis jetzt größte Seltenheit in der ganzen Welt, -i sind den jahrzehntelangen Mischungsversuchen unserer Gärtner: gelungen. Unsere Gärtnereien, etwa 50 Versandgeschäfte, können mit dem Ergebnis ihrer Zucht in diesem Jahre ganz besonders zufrieden fein, denn die Ausfuhr nach Frankreich, Belgien, Rußland usw. war noch niemals größer als gegenwärtig; dement-« sprechend waren auch die Preise. — Der Verkehr auf der Wettertalbahn, hauptsächlich aber der Güterverkehr, hat sich seit Eröffnung der Bahn im April d. I. erfreulicherweise fortwährend gesteigert. Schon jetzt genügt die Güterhalle nicht mehr, um die Güter aufzunehmen. Und was heute schon fast unmöglich ist, wird sich im Spätherbst, der eigentlichen Versandtzeit von Blumen und Pflanzen, erst recht als unmöglich erweisen. Auf Vorstellung der Gärtner und Landwirte hin hat sich daher die Direktion entschlossen, die Güterhalle sowohl wie den Personenbahnhof entsprechend zu vergrößern. Im Herbst werden beispielsweise ungefähr 300 Waggons Pflanzen und Zuckerrüben nach Bad-Nauheim versendet.
8. Offembach a. M., 20. Aug. iPnvattelegramm). ' Wegen Verbrechens im Sinne des § 176, Abs. 3, wurde gestern der wegen ähnlicher Straftaten bereits met)r* fach vorbestrafte, 56jährige Wilh. Zeng er verhaftet.
der im März aus der Strafanstalt entlassen wurde, wurde, gestern in den Anlagen ertappt, als er ein paar 7- 8jährige Mädchen an sich gelockt hatte.
N. Mainz, 19. Aug. Den Wünschen der Anwohner- entgegen kommend, hat nun die hiesige Bürgermeisterei beschlossen, das frühere Stationshaus der nassauischen Staatsbahn, das bisher an die Firma Disch vermietet'


