Erstes Blatt
Samstag 2V. August 1910
ISO. Jahrgang
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Nr. 194
Der Htehearr Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich -iehener^amilienblatter; zweimal wochentl.Areir- blattfür&tnKrci$0kf$cn
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für die Redaktion 112, ------- XSjF Verantwortlich für den
Verlag u. Expedition 51 9 /«▲ < < ** politischen Teil: August
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Metzen« Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
politifcbe Wochenschau.
Gieren, 20. Aug.
„Man suhlt ans den Depeschen, daß sich in Europa etwas geändert hat": Dieses Urteil des „Daily Graphic" j spricht das aus, was man auch in Deutschland vielfach 1 denken mag, natürlich im Hinblick aus die Depeschen aus ! Marienbad. Herr v. Kiderlen-Waechter und Graf Aehren- ; ihal haben lange Stunden zusammengesessen, und zu dem ! Verkauf zweier deutscher Kriegsschiffe an die Türkei ist ; nun die Tatsache einer eingehenden Besprechung des türkr- i scheu Großwesirs mit dem Leiter der österreichischen An- | Gelegenheiten hinzugekommen. Handelt es sich wirtlich um eine Annäherung der Türkei an den Dreibund? Zum wenig- ! sten steht fest, dasi die Stellung der Türkei durch die letzten | Ereignisse gekräftigt worden ist, und in der Kretafrage wird das Hangen und Bangen sicher bald einer bestimmten ' l-ntscheidung weichen. Welches werden die türkischen Gegen- । leistungen sein? Auch ohne bestimmte Ziele auf dem Balkan ; und in Kleinasien hat die neue Gruppierung in der inter- i naüonalen Politik natürlich ihre Bedeutung. Bis vor kurzer Zeit haben die Balkanbewohner hauptsächlich nach der I englisch-russischen Flöte gehört; jetzt werden sie ihr Ohr auch an andere Töne gewöhnen müssen. Oesterreich hat einen Gipfelpunkt der Macht erklommen, denn sein Einfluß über seine Ostgrenzen hinaus ist gewaltig gestiegen. Und k an großen Zielen wird es den Staatsnlännern, die in I Wien so stetig und bestimmt an der Arbeit sind, nicht | schien Deutschland wird zunächst vorwiegend wirtschaftliche ! und Handelsintexessen im Auge haben, kann sich aber zu- gleich der Wandlung freuen, daß die Jsolierungspolitik der Engländer so ziemlich der Vergangenheit angehört, j ücnser Franz Josef konnte seinen 80. Geburtstag im freudigen Gefühle österreichischer Erfolge begehen. Für Deutsch- . land aber müßte jetzt die Zeit gekommen sein, ernstlicher । als bisher die Wege der Zukunft abzumessen. Vor allem tonnten wir von dem befreundeten Habsburg verlangen-, । daß es endlich etwas mehr dem bedrängten Deutschtum lcine Hilfe zuwendete und die letzten Erfolge in Ungarn ich ein Ansvorn seine ließe, flämischen Anmaßungen immer entschiedener entgegenzutreten.. Wir haben das Gedächtnis unserer großen Schlachtensiege in Frankreich begangen, und ' die Teilnahme aller Volksgenossen an den Festtagen und ! Erinnerungen unserer Veteranen war groß; aber 40 Jahre sind eine lange Zeit, und wenn wir ctuch der Segnung des i Friedens gerne noch weitere 40 Jahre uns erfreuen wollen, so darf doch ein so großes Volk wie das deutsche nicht rasten und im Wettbewerb mit den anderen Weltmächten - nicht zurückstehen. Nichts mochte den Deutschen im Reiche i und besonders draußen bitterer berühren, als daß die Füh- ' rung seiner auswärtigen Geschäfte bisher offenbar in un- I kundigen, schwachen Händen gelegen habe. Doch das soll ja nun in der Aera Kiderlen anders werden . . .
Im Innern sieht die Lage etwas tröstlicher aus als i im vorigen Sommer. Die Zeit heilt Wunden, und wenn ; man sich auch immer noch um die „schwarz-blauen Block- i fänden" streitet, so ist doch jetzt an die Stelle allzugrasser Schimpfereien die Sorge für die künftigen Mandats- I besitze getreten. Die bevorstehenden Parteitage werden das Bild noch etwas lebhafter gestalten. Inzwischen hilft man sich in jenem Teil der Presse, der die „Sensation" einmal nicht entbehren kann, nachdem das Brüsseler Groß- : reuer verraucht ist, mit unerquicklichen Gerichtsprozessen ; über die saure Gurkenzeit hinweg. Ein neuer „Fall", dessen I „Held" ein hoher Offizier ist, gibt zu mancherlei allgemeinen 1 Bedenken und Ueberlegungen Anlaß. „Der Liebesroman des Generals", so kündet das „Berliner Tageblatt" mit ' großen Lettern jubelnd das Neueste an, und leider haben i )icf) auch eine ganze Reihe anderer Blätter in den Dienst , einer höchst ungeklärten Sache gestellt, deren Einfädelung i und Aufrollung wahrlich nicht den vornehmsten Empsin- 1 düngen entsprungen ist. Der jetzige Generalmajor a. D. I Frhr. v. G. soll als junger Offizier durch Liebeshändel ' mehrere Ehemänner ins Unglück gestürzt und eine jener Frauen, mit der er nach eignem Zugeständnis zwei Kinder > hatte, nach langen Jahren von der Schwelle gewiesen haben, 1 als sie ihn, den durch eine Heirat reichen Millionär, um Mithilfe für die Erziehung der beiden Kinder anging. Die ■ Frau hat den General auf Erfiillung eines Pflegehaft^- vertrages und Zahlung von 120 000 Mark verklagt, ist aber vor dem Berliner Landgericht damit abgewiesen worden, weil der Anspruch juristisch nur mangelhaft begründet wurde. Die Oeffentlichkeit war bei der Verhandlung im Interesse der Sittlichkeit ausgeschlossen, aber in einzelnen - Zeitungen waren schon einige Tage vorher ausführliche I Mitteilungen gemacht worden, die mit Sicherheit daraus schließen ließen, daß es sich hier, ähnlich wie bei den i Prozessen des Grafen Pfeil, um die erbitterte Rache einer | Frau handelte, deren Bekundungen nicht hinreichten, um ! die ganze Angelegenheit zu übersehen. Wenn die Zei- i tungsberichte stimmen, so hat der irrt Ueberstuß seines : Besitzes schwelgende General der Mutter seiner Kinder gegen- I über' sich sehr unritterlich und, gefühllos benommen. Auch die Tatsache, daß wiederum, wie in Allenstein, ein Offizier mit der Gattin eines Kameraden — im vorliegenden Falle । eines ihm untergebenen Kameraden — unerlaubte Beziehungen ziemlich offenkundig hat unterhalten können, ohne daß die Vorgesetzten eingeschritten sind, ist bedenklich und ernstlicher Erwägungen durch unsere Militärbehörden wert. Aber weiß man denn alles? Wäre es nicht denkbar, daß die keineswegs schuldlose Frau, die ihrem Manne, der da- । von gewußt haben soll, jahrelang die Ehe gebrochen hat, ! den früheren Liebhaber durch Kränkungen und Drohungen
herausgefordert haben könnte? Wer weiß um ihre frühere und bisherige Lebensführung? Alles dieH müßte man wissen, um über das schroffe Verhalten des Freiherrn ein richtiges Urteil zu fällen. Will und kann man ihn zum Reden zwingen, der vielleicht zu stolz ist, gegen eine Frau zu Felde zu ziehen? Wir haben aus diesem Grunde davon abgesehen, alle die peinlichen Anschuldigungen, die in weiteren Angaben über das Vorleben des Generals in einem Teil der Zeitungen erhoben worden sind, wiederzugeben; die Charakterbilder der beiden Personen sind aus der einseitigen Berichterstattung nicht zu erkennen. Die ursprünglichen, bedauerlichen Fehltritte, an denen, wie gesagt, auch die .FraU zweifellos schuldig ist, liegen zu lange Jahre zurück, als daß ein Bedürfnis vorliegt, sie genauer bloßzulegen, und es scheint uns eine arge Verkennung der Aufgaben der Presse, eine Herabwürdigung des Zeitungsberufes zu sein, wenn man sich in den Dienst unsauberer Racheabsichten stellt, nur um dem Klatschbedürfnis der „Gründlinge im Parterre" wieder einmal entgegenzukommen.
Zu viel Internationalität.
:: Berlin, 19. Aug.
In Brüssel hat kurz vor dem Braudunglück wieder einmal einer von den vielen internationalen Kongressen getagt, diesmal einer für Verwaltungs-Wissenschaften und zwar zum ersten Male. Deutschland war verständigerweise offiziell nicht vertreten. Die dreitägigen Verhandlungen haben ein Ergebnis gehabt, das man sich von vornherein ausmaleu konnte, nämlich, daß bei der großen Verschiedenheit des ganzen Aufbaues der Verwaltungsbehöroen in den einzelnen Ländern zunächst gar nichts Tatsächliches beraten werden konnte. Es soll eine internationale Kommission nun ein genauer umschriebenes Programm für den nächsten Kongreß aufstellen; wann und wo dieser sein soll, ist noch unbestimmt. Die Hauptsache bei der ganzen Geschichte war aber wohl die von den Einberufenen schon gehegte Idee, daß nun ein „ständiges internationales Bureau für Verwaltungswissenschaften und ein Archiv für verwaltungstechnische Dokumentation", mit dem Sitz in Brüssel natürlich, errichtet werden soll. Also ein weüeres kleines Mittel zur Hebung des Fremdenverkehrs dort, neben Weltausstellungen und allen sonstigen schönen Sachen.
Es ist für den nicht kongreßlich infizierten Menschen eigentlich nicht recht ersichtlich, was dieser neue Kongreß soll. Im übrigen haben eigentlich die Staaten mit fortgeschrittener Verwaltungs- lechnik gar keinen Grund, sich von ihren Wettbewerbern in die Karten sehen zu lassen, und es ist deshalb zu hoffen, daß Die Deutschen sich dauernd von diesem Unternehmen fern halten. Der letzigc preußische Finanzminister hat vor einiger Zeit im Herrenhaus die ganz richtige Idee ausgesprochen, daß die vielen Kongresse von heutzutage das erwünschte Maß weitaus übersteigen- und daß staatlicherseits viel zu viel Aufwand an Zeit ji n b Geld getrieben worden ist durch offizielle Beteiligung an solchen Sachen; dies sollte in vorliegendem Falle erst recht maßgebend sein.
Auch in anderer Hinsicht müßte weiteren Ausgaben vorgebeugt werden, so jetzt wieder bei der Idee einer Weltausstellung in Madrid, die für 1913 geplant ist, mit einer Vorbereitungszeit, die an sich schon zu kurz werden dürfte. Gerade nach den Brüsseler Erfahrungen sollte man sich wirklich steifnackig halten, denn es zeigt sich immer mehr, daß es dort auf reine Ausbeutung der Besucher abgesehen war. Grundsätzlich schon müßte man sich gegen Weltausstellungen aussprechen, die alle Gebiete umfassen sollen und damit auch Industrien zur Ausstellung luib Ausgaben zwingen, die mit Recht ausstellungsmüde sind. Wenn man sich in Madrid auf gewisse Kunst- und Kunstgewerbezweiga beschränken wollte, um die reichen Schätze des Landes zu zeigen, und anschließend noch dazu passende Gebiete vorführen, so wäre darüber vielleicht zu reden. Gegen eine allgemeine Weltausstellung sollten aber por allem die in gleicher Art interessierkent Staaten Deutschland und O e ft e r r e i ch vorgehen; es werden sich dann auch noch andere finden, die denselben Standpunkt vertreten und würde dem Unfug der Weltausstellungen endlich viel- leicht mal ein Ende gemacht.____________________________________
politische Tagesschau.
Die Fleischverteuerer.
Die Arbeitsmnrkt-Korrespondenz- schreibt unter dem Titel „Stimmungsmache" folgende sehr berechtigten P3e>- trachtungen:
Daß man die gegenwärtige Höhe der Fleischpreise beklagt, daß man die Ursachen der Verteuerung erörtert, daß man auf Maßnahmen sinnt, die &u einer Verbilligung führen sollen, all das ist begreiflich und verständlich. Daß man aber in einer pessimistischen Art die künftigen Aussichten erörtert und dabei den Verbrauchern noch viel, viel höhere Fleischprerse ankündigt, das ist ein Verfahren, das nur dazu beiträgt, Wasser auf die Mühle der Interessenten zu liefern, die sich ins Fäustchen lachen könneni, wenn der Boden und die Stimmung für eine weitere Preishausse beizeiten vorbereitet wird.
Es erinnern diese Erörterungen an die Vorgänge im) letzten Jahre. Damals handelte ex .ich um1 Getreide, Mehl und Brot. Die Presse rourb.' mit Berichten über die Knappheit des Marktes an Getreide, über schlechte Ernteaussichten dermaßen überschüttet, daß ein vernünftiges Wort, das zum Maßhalten mahnte, überhaupt nicht mehr beachtet wurde. Mit einem1 Heer von Ziffern bewies man der Oeffentlichkeit den kommenden Notstand und in grellen Farben malte damals ein Blatt die Teuerung des kommenden Winters für die Arbeiter aus. Diese Zukunftsmusik begünstigte natürlich die Haussebewegung ungemein, obgleich man mit allen Kräften der Verteuerung hätte entgegenarbeiten sollen. Weder war die Versorgung so knapp, wie behauptet wurde, noch waren die Emteaussichten ungünstig. Die Ernteergebnisse waren, wie sich dann im- weiteren Ber-' lauf des Jahres herausstellte, mehr als reichlich ausgefallen: Deutschland hatte sogar in Roggen eine Rekordernte Inzwischen aber war es gelungen, die Getreide- und Mehlpreise so zu treiben, daß trotz der guten Ernte die Verbraucher fast das ganze laufende Jahr hindurch noch unter hohen Brotpreisen zu leiden haben. Das ist der Effekt der Stimmungsmache, die sich in Uebertreibungen gefällt.
Die ganz gleiche Entwickelung scheint die Erörterung der Vieh- und Weischpreise nehmen wollen. Die Fleischer haben die Preise jetzt schon so hinaufgesetzt, daß eine ziemliche Verteuerung des Schlachtviehs schon reichlich kompensiert ist. Dann ist ferner noch sehr zu bezweifeln^ ob denn das Angebot wirklich ganz allgemein so sehr hinter der Nachfrage zurücksteht, wie das fast als Tatsache hingenommen wird. Gewiß für einzelne Städte und Gegenden mag in der Versorgung mit Schlachtvieh eine Kalamität bestehen, aber man sei doch bei solchen Feststellungen etwas vorsichtiger und lasse nicht immer gleich der verallgemeinernden Phantasie die Zügel schießen. Auch in der Beurteilung der Mrkungen eines österreichisch-ungarischen Ausfuhrverbotes geht man vielfach zu weit. Sicherlich werden dadurch die Plätze hart betroffen, die bei ihrer Fleische Versorgung mit den Zufuhren aus Oesterreich rechnen müssen. Da ist nicht so leicht Ersatz aus dem Jnlande zu beschaffen. Dies gilt z. B. für bayerische, sächsische und schlesische Plätze. Aber für den gesamten deutschen Markt ist der Anteil Oesterreich-Ungarns an unserer Fleischver-- sorgurig nicht so stark, wie vielfach behauptet wird.
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„Genossin" Luxemburg im Kampf mit dem sozialdemokratischen Parteivorstand.
Ein neues Pröbchen bafür, wie es unter Brüdern und« Schwestern doch die grimmigsten Abrechnungen geben kann, liefert der „Vorwärts", das sozialdemokratische Hauptorgan. Daß es gerade die bekannte Rosa Luxemburg ist, die doch nicht dem Revisionismus angehört, sondern den schroffsten Radikalismus vertritt, über die der „Vorwärts" die Lauge seines Unwillens ergießt, wirb hier und da Verwunderung erregen. Mit der Überschrift „Ein neues Skandälchen" schreibt der „Vorwärts":
Seit dem März dieses Jahres bemüht sich die Genossin Luxemburg, den „Vorwärts" zu zwingen, von ihr Notiz zu nehmen. Damals hielt sie den Moment für gekommen, den Massenstreik ün Szene zu setzen. Die Zeit der Demonstrationen sei vorbei, die des Massenstreiks gekommen. Einen Artikel, in dem sie dies forderte, lehnten wir ab, weil wir den Moment für schlecht gewählt zu einem Massenstreik hielten. Ms die Genossin Luxemburg dann eine Agitationstour unternahm, nahmen wir von ihr nicht mehr Notiz, als von anderen der- artigen Touren überhaupt. Die Polemik, die sich hierauf zwischen ihr und Geawssen Kautsky über den Massenstreik entspann, hiellen wir nicht für sehr aktuell, da niemand in der Partei sich um die Aufforderung der Genossin Luxemburg zum Massenstreik kümmerte. Wir nahmen daher von dieser Polemik erst später Notiz, und dabei kam es durch ein Versehen infolge des Wshsels der Redakteure während der Ferien dazu, daß ein Referat über einen Artikel der Genossin Luxemburg an unrichtiger Stelle abgedruckt wurde.
Den Schluß dieser Polemik benutzte die Genossin Luxemburg dazu, in alle Welt hinauszurufen, die preußische Wahlr«hts- bewegung sei tot, deswegen tot, weil vom Partei vor standt gebremst worden sei. Eine leichtfertigeroBehaup- tung ist nie aufgestellt worden, denn sie steht vollkommen int Widerspruch zu den Tatsachen. Auf Grund dieser erfundenen, Behauptung erhob sie eine schwere Anklage nicht bloß gegen den Vorstand, sondern gegen alle Parteigenossen, die das angebliche Bremsen des Verstandes ohne Protest ausgenommen hatten: gegen alle Parteigenossen, die die ^Nassenftreikagitation' der Genossin Luxemburg nicht unterstützt hatten, also gegen die ungeheure Mehrheit der Partei.
Es war unser Recht und unsere Pflicht, diesen der Wahrheit völlig widersprechenden Anwurf gegen unsere Partei, diese Verkleinerung unseres Kampfes zurückzuweisen. Tas sind die Tatsachen, durch die sich die Genossin Luxemburg berechtigt glaubt, in der „Leipziger Vollszeüung" einen Angriff gegen unser, wie sie sagt, „ohnmächtig gehässiges Gebelfer voller Verdrehungen" loszulassen, der durch seine Maßlosigkeit, UeberHebung und Bosheit selbst uns überrascht, die wir bei ber Genossin Luxemburg an starken Tabak gewöhnt sind.
Sie scheint fest entschlossen zu fein, um jeden Preis einen Skandal zu entfcffeln, um zu verhindern, daß die badische Angelegenheit zum Mittelpunkt des Parteitages wird und nicht sie selbst.
Sie gibt vor, eine sachliche Diskussion über die Taktik des Wahlrechtskampfes herbeiführen zu wollen. In Wahrheit steuert sie mit allen Mitteln auf das skrupelloseste darauf hin^ den Parteftag zu einem wüsten Skandaltag zu gestalten. Tmnit will sie die Agitation zu den Reichstagswahlen einleiten, für bte sie nur noch Verackstung übrig hat. Aber sie hat zu früh losgeschlagen. Tie Parteigenossen wissen jetzt, woran sie sind und werden dafür sorgen, daß der Skandal auf dem Parteitag keinen Boden findet.
Die Zeier in Posen.
Wilh elrn shöh e, 19. Aua. Das Kaiser paar, das mit d-em Prinzen Oskar uno der Prinzessin Viktoria Luise abends das Königliche Theater besuchte, begab sich nacy der Vorstellung nach dem auf dem Bahnhof Wll- helmshöhe bereitstehenden Sonderzug, der im Laufe der Nacht nach Prosen ab geht.
Potsdam, 19. Ang. Der Kronprinz und die Kronprinzessin traten heute nachmittag von Hopf- reben (Vorarlberg) die Reise nach Posen an.
Rom, 20. Äug. Die Mitteilung, daß im Anschluß an die Kaiserreise dieErnennung eines neuen Erzbischofs für Posen-Gnesen erfolgen werde, wird an zuständiger Stelle des Vatikans entschieden in Abrede gestellt.
Die Kretafrage.
Berlin, 19. Ang. Die „Nvrdd. Allgcm. Zeitung" schreibt: Nach der Meldung eines Koiwesponbenzbureaus soll in den Kreisen der Pforte das Gerücht verbreitet sein, daß die Idee einer Konferenz zur Bestünmung einer autonomen Regierung auf Kreta wieder aufgetancht und daß sogar die Kandidatur eines dän'ischen. LrinKen ausgestellt worden sei. Hier ist davon ni&t-
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