Ausgabe 
17.10.1910 Erstes Blatt
 
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rmb aus eigener Kraft wvyk Teilt t^rfoTg zU erzielen teure. Bemerkenswert ist, daß die Freisinn-Demokraten hier seit langen Jahren dnrch Herbeiführung eines bürgerlichen Zu- sammenschlusses sich selbst eine reichliche Vertretung sichern können, obwohl sie die schwächste Partei sind, wenn außer den Führern überhaupt ein nennenswerter Anhang vor­handen ist.

Herren von dem König von Württemberg im KönigUa Schlosse empfangen. Der König ließ sich mehrere & nehm er an der Tagung vorstellen. Simfy Graf Zeppel wohnte dem Empfang bei.

Die Einigung mit den Werftarbeitern.

Hamburg, 15. Okt. Die Verhandlungen zwischen den Vertretern des Gesamtverbandes deutscher Met. l'industriel- ler und den Vertretern der Arbeiter wurden mit der heute erfolgten Zustimmungserklärung der Werften zu den getroffenen Vereinbarungen wegen der Sicherung der Akkordüberschüsse beendet. Nunmehr finden noch Verhand­lungen mit der Hamburg-Amerika-Linie und Lokalverhand­lungen der auswärtigen Werften statt, die hoffentlich eine baldige Aufnahme der Arbeit gestatten werden.

Ein Kabinett Denijcios!

Athen, 16. Okt. Der König hat Venizelos mit der Kabinettsbildung beauftragt; dieser hat sich einige Tage Bedenkzeit erbeten, um das parlamentarische Terrain zu sondieren.

Damit ist die Gefahr einer ernsten Auseinandersetzung mit der Türkei bedenklich nahe gerückt!

Ich entbiete der Kriegsakademie zu dem heutigen Tage, an dem sie auf ein Jahrhundert reich gesegneten Wirkens im Dienste des Heeres und des Vaterlandes zurückblickt, meinen Glückwunsch. Als weiland König Friedrich Wilhelm III. Majestät die Kriegs­schule für die Offiziere in Berlin in das Leben rief, war das große Werk der Wiederaufrichtung des preußischen Heeres fast vollendet. Mit der im Geiste Scharnhorsts und nach seinen Ge­danken verfügten Ordnung der militärischen Bildungsanstalten wurde in dem hehren Bau der Schlußstein eingelassen, und er hat ich in dieser langen schicksalsvollen Zeit bewährt. Von den Tagen der unvergeßlichen Erhebung Preußeits an bis zu dem großen Emigungskampfe Deutschlands und dann weiter bis jetzt, Dank dem hingebenden Streben und der treuen Arbeit aller ihrer Glieder, ift die Kriegsakademie ihren Ausgaben, so vielseitig sie sich auch mit dem Fortschreiten der Wissenschaften auf allen Gebieten ge­faltet haben, und so riesenhaft sie mit der Entwickelung der Kriegskunst im Laufe dieses Jahrhunderts gewachsen ist, in voll­kommener Weife gerecht geworden. Mit freudigem Stolz kann ich ihr an ihrem Jubeltage bezeugen, daß sie das Erbe, das rhr von Clausewitz und Moltke, den Geistesgewaltigsten ihrer Lehrer, hinterlassen war, treu zu bewahren und zu mehren gewußt hat. So ist sie eine Hochburg der Kriegswissenschaften geworden, wert über die Grenzen des Vaterlandes hinaus vorbildlich wirkend in fihren Einrichtungen und Zielen. Ihr hierfür meinen königlichen Tank und meine uneingesckwänkte Anerkennung kund zu geben, ist mir ein Herzensbedürfnis. Möge der Geist, der die Kriegs- akadenüe zu dem hat werden lassen, was sie geworden ist, der Geist gewissenhaftester Pflichterfüllung, voll der unbedingten Hingabe an die ernsten Forderungen des soldatischen Berufes bis in die fernste Zukunft in ihr lebendig bleiben und reife Frucht tragen, zum Segen des Vaterlandes, zum Wohle meines tapferen Heeres!

Es erfolgte eine Reihe von Ordensauszeichnungen. Nach einer Rede des Direktors Generalleutnants Frhrn. v Manteuffel zog der Kaiser viele Anwesende ins Ge­spräch, zuerst den bejahrten General von Blume. Die mili­tärischen Ehren erwies vor der Akademie eine Kompagnie des Alexander-Regiments.

Deutsches Reich.

Zu den Mitteilungen derMünchener Post" über neueste römische Projekte teilt dieAugsb. Postztg." mit, sie sei von maßgeblicher ©eiter zu der Erklärung ermächtigt, daß die Mitteilungenin alten ihren Teilen freie Er­findung seien und jedweder Begründung entbehrten".

Aus Köln wird berichtet: In. einer am Sonntag nachmittag veranstalteten, von mehreren Tausend Personen besuchten Protestversammlung gegen die Angriffe gegen das Papsttum von Seiten des Bürgermeisters von Rom orderte Kardinalerzbischof Fischer die Versamm­lung auf, festzustehen zum Heiligen Stuhl. Es sand eine Entschließung einstimmige Annahme, in der es u. a. heißt, daß die Katholiken von Kölngegen die un- erhörten Beleidigungen und Beschimpfungen des Heiligen Stuhles energisch Protest erheben und dein heiligen Vater das Gelöbnis unwandelbarer Treue zu Füßen legen" Am Schluß spendete der Erzbischof den bischöflichen Segen.

derStraßburger Post" aus Berlin aus zuver- wssiger Quelle mitgeteilt wird, ist die reichsländische Regierung zurzeit eifrig mit Vorarbeiten für die Auf- Ueuung derneuenWahlkreiseinteilungfür Elsaß- Lothnngen beschäftigt, die aufgrund des statistischen Ma­terials der Bezirkstags- wie der Reichstagswahlen vor­genommen werden. Das Blatt behält sich vor, auf die !l??a Äeiten ber Wahtkreiseinteilung nach deren endgültiger Feststellung zurückzukommen, die vermutlich nicht ohne Zu­ziehung der Vertreter der verschiedenen Parteien erfolgen wird. 1 °

£in Gebietsaustausch in kleinerem Umfang wird nach der F. Z. voraussichtlich demnächst zwischen dem Groß­herzogtum Sachsen-Weimar und dem Herzog­tum Sachsen-Meiningen stattfinden. Das Groß- herzogtum Sachsen-Weimar soll das vor den Toren der Stadt ^ena liegende berühmte Bierdors Licht en Hain bekommen und dafür das Dorf Köstritz, direkt an Pößneck gelegen, an Sachsen-Meiningen abtreten. Vorerst werden ich indessen die Volksvertretungen der beteiligten Staaten mit der Sache zu befassen haben.

Aus Friedrichshafen wird gemeldet: Die Teil­nehmer an der Versammlung der Deutschen Schul- s ch i f f vereine unternahmen am SamStag vormittag eine Rundfahrt auf dem Bodensee. Nachmittags wurden die

Aus Stafct und Lund

Gießen, 17. Okt 1910

** Feldbereinigung und Entwässerung Kreise Gießen. Im Anschluß an die FeldbeiyiniL werden zurzeit größere Drainagearbeiten in dem Gan hingen Lich, Ettingshausen, Ober-und MeW Peffingen, Hausen und Leihgestern auäeW Ebenso werden auf genossenschaftlichem Wege größte 6 Wässerungsanlagen in den Gemarkungen Ruppert 51 und Villingen ausgeführt, die früher schon einen W Teil ihres Geländes entwässert haben.

Das ftädtische Museum für Völkerkunh Landgraf-Philipp.Plah wird am 30. Oktober der Cefie*

Uvas-Mitrowitza, die nur der Verbindung mit dem türkischen Bahnnetz diene, liegt gleichermaßen int wirt­schaftlichen und verkehrspolitischen Interesse der Monarchie wie der Türkei. Bei der großen Anzahl von Eis en- bafynprojekten, mit denen sich die türkische Regierung im Interesse der wirtschaftlichen Hebung des Reiches gegen­wärtig beschäftigte, sei es heute jedoch noch nicht möglich, zu erkennen, wann sie in der Lage sein wird, dem Projekt Jnäfyer zu treten.

Der Ausschuß nahm schließlich das Budget an.

die Isolierung der Mvncnichie gut Folge gehabt habe, verweist 4»er Minister mit Befriedigung auf das Verhältnis zu Italien, das sich herzlich und vertrauensvoll gestaltet hat. Die Besprechungen in Salzburg und Turin haben nur abermals ergeben können, daß die Interessen Oesterreich-Ungarns und Italiens sowohl in den Fragen Ker europäischen Politik wie in denen des nahen Orient sich in -voller Uebereinstimmung befinden. Diese Harmonie wird auch wohl in Zukunst erhalten bleiben. Bezüglich des D e r h ä l t n i s s e s z u Rußland wie der Vorbesprechungen vor der Annexion verweist 'der Minister auf die von ihm im Jahre 1908 abgegebenen ver­traulichen Erklärungen sowie darauf, daß zwischen dem Wiener und dem Petersbttrger Kabinett vor Jahresfrist eine Verein­barung zustande gekommen ist, nach der über diese glücklicher­weise vergangenen Differenzen nichts veröffentlicht werde. Der Minister tviederholt, daß die Beziehungen Oesterreich-Ungarns zu allen Mächten gut seien, und daß sie aucf) weiterhin auf das lorgsältigste gepflegt werden sollen; dies gilt selbstverständlich auch von dem Verhältnis zu Rußland. Der Minister gibt der Ueber- zeugung Ausdruck, daß die durch die Annexionskrise hinterlassenen .Verstimmungen nunmehr der Vergangenheit an- gehören.

Hinsichtlich des angeblichen Mißtrauens, das die Aktion Oester­reich-Ungarns bei den anderen Mächten hervorgerufen haben solle, wobei England und Frankreich wohl m erster Linie in Betracht käme, erklärte er, als Minister sagen zu können, ^daß er in fortwährendem Verkehr mit den Regierungen dieser Staaten stehe und die pessimistische Auffassung von Tr. Kramarsch nicht teilen könne. Es sei richtig, daß betreffs der Annexion mit den Westmächten mehr mit England als mit Frankreich divergierende Anschauungen bestanden hätten, seither seien aber die Beziehungen durchaus befriedigend geworden. Obivohl wir einer verschiedenen Mächtegruppierung angehören, schätzt man in London und Paris die ruhige, auf friedliche Ziele gerichtete Politik der Monarchie richtig ein und legt großen Wert auf gute Beziehungen mit der Monarchie, was hier selbstverständlich auf­richtig erwidert hat. Die Vorkämpfer für die neoslawische Idee scheinen zu vergessen, daß der egoistische Zug in jedem Volke stärker ist als sentimentale Aspirationen auf dein Gebiete der Annäherung der Rationen, welche derselben Völkerfamilie angehören.

Die meisten Redner billigten die Annektionspolitik und sprachen ihre Genugtuung über die innere Gestaltung der Allianz mit Italien und der Haltung Deutschlands in der letzten Krise aus. Gras Aehrenthal erklärte, daß es sich bei dem Sandschakbahn-Projekt um eine lediglich verkehrstechnische Angelegenheit handele. Nach Fertigstel­lung der bosnischen Bahn habe sich die Frage ihres An­schlusses an das serbische, bezw. türkische Bahnnetz ge- nnssermaßen von selbst ergeben. Der Ausbau der Strecke

2lit$lano.

Am Samstag vormittag sand, wie aus Rom gemeldet fo die Einweihung des neuen deutschen Schulhaus in Vicollo Zucchelli start. Der Kaiser hat der aus den Zinsen des ihm zur Verfügung stehenden Kapitals ' Mark, der Reichskanzler aus dem Reichsschuldfonds 500 A gespendet.

In der spanischen Kammer machte der Ministerin deut die Mitteilung von der antipatriotischen Pro; ganda, die in den Kasernen betrieben werde, wo umsh lerische, im Auslande gedruckte Schriften verbreitet würden. Herde der Verschwörung und der vaterlandsverräterischen Py ganda seien in den Vorstädten zu suchen. Der Ministerpräsij erklärte, er werde alle gesetzlichen Mittel zur Unterdrückung Bestrebungen anwenden, sobald er bestimmte Beweise in Hip habe. Ein Republikaner erwiderte, die Revolution werde ( brechen, sobald sie kommen müsse. Die Regierung werde ni gegen die Souveränität des Volkes vermögen.

Ter russische Finanzmini st er Kokozew ist Samstag in Paris eingetrofsen. Nach einer russischen S leilung handelt es sich lediglich um eine Erholungsreise, ß Aufenthalt in Paris habe nichts mit irgendwelchen Anleihen Konversionsplänen zu tun.

Das russische Ministerium des Innern brachte in der R eii d u m a eine Vorlage ein, welche bestimmt, daß fremden L s i e d l e r n der nichtorthodoxen Religion, die russische Sta angehörige geworden seien, sowie deren Nachkommenschaft in mc licher Linie in den Gouvernements Kiew, Podolien, Wolhyi verboten sein soll, Immobilien außerhalb des St rayons zu erwerben, mieten oder zu pachten. Das Verbot be? sich auch auf die Uebersiedler aus Russisch-Polen.

Aus Belgrad wird gemeldet: Der herbeigerufene Wi Arzt Dr. Choostek erklärte dem Vertreter des Wiener K. K. Kl Bureaus, daß der Zu st and des Kronprinzen z» ernst sei, daß aber, solange keine Komplikationen hinzutre kein Anlaß zu irgendwelcher Beuruhigung sei. Uebrigens die Krisis erst in der nächsten Woche zu erwarten.

Der Fürst von.Monaco bewilligte seinem Lande v Gemeinderat und die Einrichtung einer Schatzverw t u n g. Der Generalgouverneur und der Generalsekretär gi aus 'unbestimmte Zeit in Urlaub. Die Ruhe im Lande ist, heißt es weiter, gesichert.

In I e s d (P e r s i e n) sind starkellnruhen aiiägebcod Bei einem Zusammenstoß mit der Polizei wurden mehrere M getötet und verwundet. Der Polizeichef ist geflohen. Kaschan ist es zu einem Gefecht gekommen, wobei die Bachtü mehrfach zurückgeworfen wurden. Aus Jspahan wurde ihnen Geschütz zur Hilfe gesandt.

Die Gründung eines Hessen-Nassauischen Provinz verbandes der zorischrittlichen Volkspartei.

In Frankfurt hatten sich am gestrigen Sonntag z, reiche fortschrittliche Vertreter von Reichstagswahlkre im Bezirk Hessen-Nassau zusammengefunden, um ei Hessen-Nassauischen Provinzialverband der fortschi

lichen Volkspartei zu gründen. Man beriet i Organisation und Satzungen und kam bei

Festlegungen über das Stimmrecht auf den jährlichen Pai tagen zu verschiedenen Ansichten. Mehrere Redner klärten sich für das allgemeine Stimmrecht, indessen si der Satzungsentteurf, der ein Repräsentativsystem vorsi mit 73 gegen 40 Stimmen. Als erster Vorsitzender Provinzialvorstaitdes wurde Landtagsabg. C. L. Fui als stellvertretender Vorsitzender Justizrat Dr. Hel ff. Schriftführer Dr. Cahn gewählt.

Nachmittags sand im großen Börsensaale eine öff liche Volksversammlung statt, in der Pfarrer Kor eil Königstädten über die nächsten Reichstagswahlen sprac

Wir erhalten hierüber folgenden Bericht:

Gleich bei Beginn seiner Rüde, als er bie bei den letzten Wn angewachsenerote Flut" erwähnte, wurde Pfarrer Korell sozialdemokratische Zwischeirrufe unterbrochen, die er schlägst zum Schweigen brachte. Er hielt den Genossen nämlich vor, sie auf die gewonnenenMitläufer" ja nicht stolz sein sollten, i Leute, die nur einer augenblicklichen Sämmungspolitik folg würden, werm irgend ein geschickter Flötenspieler in der Regier später an sie appelliere, wieder zu den nationalen Parteien zm kehren.Wenn die zweite Rcichstagswahl kommt," rief Redner,wollen wir uns Wiedersehen". Er übte dann Kriti! der Stimmungspolitik überhaupt, die auch von den Regierer getrieben werde, indem man auf die gefährdete Wirtschäftspo verweise. Demgegenüber müsse man bestimmte politische Aufgl und Ziele in den Vordergrund stellen. Eine solche bestimmte f gäbe sei die Vernichtung der Mehrheit bei der Reichsfinauzrefc des schwarzblauen Blockes. Nichts habe sich eit der Annahme Steuergesetze verändert. Aber manche Gegncr der schwarz-bla Mehrheit feien inzwischen etwas unsicher geworden und zwar Mandatsfurcht. Für Herrn Bassermann per önlich sei der 8 gang des Kasseler Parteitages zwar kein unrü'Mliches Blatt, < in seiner Partei befänden sich Leute, auf die bei der liberalen Po nicht zu rechnen sei. Wenn auch die Nationalliberalen nicht i machten: der schwarzblaue Block werde doch zertrüminert fori Ter Redner ging dann zur Frage einer Mchrheitsbildung neuen Reichstage über. Die Sozialdemokratie werde es nicht i ihr programmtreues Herz bringen, irgend ein Budget anzunehv der Bruch werde auch kommen von den Nationalliberalen, deren Tische die Zentrums Herr en Platz zu nehmer sich wohl schl lich weigern würden, und das Endergebnis würde sein: < schwarz-rote Mehrheit und die Auflösung des Reichst Ter Fortschrfttspartei bliebe also die eine dauernde Aufgc gegen schwarz-blau zu kämpfen. Tie konstitutionellen Rahte Reichstages müßten bei den kommenden Kämpfer besonders bS werden, ferner die Sicherstellung des geltenden Reichstagsw- rechtes unter allen Umständen. Was die Zollftugen anlange stehe er im Gegensätze zu der weit überwiegender Mehrheit sf Partei auf dem Standpunkte, daß an der gegenwärtigen SchuD-! Politik nicht gerüttelt werden dürfe. Auch die jetzige Sei rung sei eine internationale Kalamität. Pfarrerch befürwortete die Einfuhr von geschlachtetem Fhisch (nid)t1; lebenbem Vieh) und die Aufhebung der FuttermittÄzölle.W> so rief er, indem er die übertriebenen Ansprüche bt Großagrl bekämpfte,lassen Sie uns bie Branntweinsteuer reformiere Indem der Redner sich gegen den Getreideexport der Großgrv besitz er im Osten wandte, schloß er mit der Erklärtug, es h« sich ferner um die Zurückdrängung des klerikalen Einflusses. man überzeugungstreu weit erarbeite, werde die Station . dem Trüben, das ihr anhafte, geläutert werden nn> der Ä werde nicht fehlen. i

ReichsbankpräslSent Dr. Kod) f.

Der frühere Präsident des Reichsbankdirektoriums, Exz. Dr. Koch, ist am Samstag früh in Charlottenburg ge- sto rb en.

Tr. Richard Koch ist am 15. September 1834 zu Kottbus geboren, also 76 Jahre alt geworden. Er studierte von 1851 bis 1853 in Berlin die Rechte und wurde, nackchem er 1858 sein Gerichtsassessor-Examen bestanden hatte, 1862 Stabt- und Kreis­richter in Danzig. 1865 würbe er Mitglied des dortigen land- wrrtschaftlichen Spruchkollegiums, bald aber an das Stadtgericht in Berlin versetzt. Im Juni 1867 wurde er hier zum Stadt­gerichtsrat ernannt. Ende desselben Jahres wurde Koch, der bereits verschiedene Schriften auf dem Gebiete des Handels-, Konkurs- und Prozeßrechts verfaßt hatte, als Schriftführer des zur Ausarbeitung des Entwurfs einer Zivilprozeßordnung gebil­deten Ausschusses des Norddeutschen Bundes beigeprbnet, in ber der nordbeutsche Eittwurf der Zivilprozeßorbnun^ entstaub. In dieser Stellung war er bis zum Juli 1870 tätig, zu welcher Zeit die Arbeiten des Ausschusses beendet waren. Im Oktober 1870 wurde er als Hilfsarbeiter in das preußische Hauptbankdirektorium {berufen, dessen Mitglied und Justitiar er im Mai des folgenden iJahres unter Ernennung zum Geheimen Finanzrat wurde. Bei >bcr Gründung ber Deutschen Reichsbank am 1. Januar 1876 trat er in diese über, und zwar wurde er Justitiar im Direktorium. Sm Mai desselben Jahres erhielt er den Titel als Geheimer berfinanzrat. Im Jahre 1886 wurde er von der juristischen Fakultät der Universität Heidelberg aus Anlaß des 500jährigen -Bestehens der Universität zum Ehrendoktor der Rechte ernannt. Zhr folgte im Jahre 1903 die recksts- und staatswissenschaftliche Fakultät in Straßburg i. E. und im Jahre 1908 bie staatswissen- Maftliche Fakultät der Universität München durch Verleihung ber Würbe eines Dvctvr oeconomiae pnblicae nach. Als sich im Jahre .1887 .bie Nvtwenbigkeit der Schaffung einer Vizepräsidentenstelle firm Reichsbankbirektvrium ergab, wurde Koch auf Vorschlag des ^damaligen Präsidenten v. Dechend auf diesen Posten berufen. Schon nach drei Jahren, im Mai 1890, trat er nach v. Techends Tode an dessen Stelle als Präsident des Reichsbankdirektoriums, machdem er zwei Jahre zuvor den Rang der Räte 1. Klasse be­kommen hatte. Ende 1907 trat er von seinem Amte zurück. Neben einer.großen Reihe von längeren Arbeiten und Aufsätzen ist von Geheimrat Kochs juristischen Schriften hauptsächlich der gemeinsam Mtt dem verstorbenen Kölner Oberlandesgerichtsprcisidenten Struck- Ddann I) er abgegebene Kommentar zur Zivilprozeßordnung zu ,Trennen. >

Kochs überaus große Verdienste um die Entwicklung des Deutschen Geldwesens, die Ausgestaltung des Giroverkehrs, sdie Entwicklung des Scheck- und Abrechnungswesens, die ^Reform des Aktienrechts, das Börsenwesen, um die tapfere Md geschickte Verteidigung der Goldwährung und vieles .-andere srnd, so schreibt dieKöln. Ztg.", der ganzen Welt {bekannt. Mit idem Reichsbankpräsidenten Dr. Koch ist einer her letzten Männer aus dem öffentlichen Leben geschieden, Lie an dem gewaltigen Werke der Einigung Deutschlands "unmittelbaren Anteil gehabt haben.

Die Mainzer 5tadtverordnetenwahlen und die politischen Parteien.

i. MainK, 16. Okt. Es steht nun fest, daß bei der nächsten Stadtverordnetenwabl die sämtlichen bürgerlichen Parteien sich gegen die Sozialdemokraten zusammenschließen werden. Gestern abend hielt diefortschrittlichePar- tei eine Versammlung ab, in der ein Kandidaten-Programm ausgestellt wurde, mit dem sich heute früh eine in aller Eile ^nsammenberusene Versammlung derVertrauensmanner der Zentrumspartei beschäftigte mit dem Erfolg, daß dem aufgestellten Programm zugestimmt wurde.

Danach sollen für die 19 ausscheidenden Stadtverord­neten gewählt werden: 10 Freisinnige und Demokraten, 5 Nattonalliberale, 2 Zentrumsleute und 2 Sozialdemo­kraten, die man angeblich mit Rücksicht darauf auf die bürgerliche Liste nehmen will, daß die Sozialdemokratie die stärkste Partei am Platze ist. Im Stadtteil Kastel sollen Zwei Zentrumskandidaten, im Stadtteil Mombach ein Libe­raler und ein Zentrumsmann gewählt werden. Da dies- mal Zentrumsleute nicht ausscheiden, bedeutet der Wahl- plan für daß Zentrum einen Gewinn von zwei Mann, wäh-

Die Spannung in Spanien.

M adrid, 16. Okt. Heute feierten hier die Repu­blikaner durch einen Straßenumzug die Einführung der republikanische.n Staatsform in Portu­gal. Nach der Rede eines republikanischen Deputiert-eii, der dazu aufforderte, das Beispiel Portugals nachzuahmen, gingen die Umzügler auseinander.

Zwischen einem Zuge katholischer Pilger und Republikanern, die an der heutigen Kundgebung teil­genommen hatten, kam es zu einem Zusammenstoß, der n Tätigkeiten ausartete. Die Ruhe wurde durch das Ein- chreiten der Polizei Wied er hergestellt.

Heer und Flotte.

Die Jahrhundertfeier der Kriegsakademie in Ber­lin erreichte in einem Fest, das in Anwesenheit des Kaisers

am Samstag in'ber Aula der Kriegsakademie stattfand, ihren Höhepunkt. Der Kaiser sagte: Ich habe am heutigen Tage folgende Kabinettsordre an die Kriegsakademie ge­richtet und verlas hierauf die ihm vom Stellvertreter des Chefs des Militärkabinetts General von Oertzen über­reichte Ordre, welche lautet: