Ausgabe 
17.10.1910 Erstes Blatt
 
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keit übergeben. Vor einigen Tagen ist dem Museum von außerhalb eine größere Sammlung von Gegenständen süd- amerikanischer Länder zur Vervollständigung angeboten worden. Die Erwerbung, die um so wertvoller ist, als das Museum an Gebrauchgegenständen der dort wohnenden Völker noch sehr arm ist, ist beabsichtigt.

** 3nr Stad tth ecrter fand am Sarrrstag abend eine Sondervorstellung für die Mitglieder des All- Kemern en Staats-Eisenbahn-Bereins statt, in her dre beiden lustigen Schwänke: I m weißen Rößl und Als rch tviederkam erwählt worden waren. Das bis auf den letzten Platz besetzte Haus folgte der etwas über­stürzten und nicht genügend vorbereiteten Vorstellung mit innigem Vergnügen und dankte nach jedem Aufzug mit lebhaftem Beifall. Hermann Norden spielte die derbe Gestalt des Berliner Fabrikanten mit derbem Humor, fidel und beweglich, Friedr. Timian den Zählkellner flott und possierlich. Der gemütvollen Gestalt des Prrvatgclehrten gab Kurt Gühne schlichte Wärme, und sein Töchterchen wurde von Luise von Gl o eben nett und gefällig dar­gestellt. Voller Blut und Leben war Hilde Engel als Ottilie, liebenswürdig und geschmackvoll Karl Marx als Sulzheimer^und Oberleutnant. Die Leistungen von Rudolf Goll als Siedler und Lore Scholz als Rößlwirtin sind von der letzten Aufführung der beiden Stücke noch in bester Erinnerung. Auch die übrigen Mitwirkenden waren mit Ersola tätig. Der Vorstand des Mlgemeinen Staats- Eisenbahn-Vereins, der schon im vergangenen Jahre eine Sondervorstellung veranstaltet hat, verdient besondere An­erkennung für die Art, wie er sich die Unterhaltung seiner MitgllÄ)er angelegen sein läßt. Der Erfolg des Abends sonne das dichtbesetzte Haiis bewiesen zur Genüge, daß man das Streben des strebsamen Vorstandes fteudig an­erkennt.

"Zudem Ueb erfüll der Backhaus scheu Eheleute in Lauterbach in der Nacht vom 11. auf 12. d. M ist noch nachzutragen, datz am Montaa, 10. d. M., abends um 12 25 Uhr von einem jungen Manne aus dem Postamt in Fulda eine De­pesche an Herrn Backhaus aufaegeben wurde, die ihn aus 11 16 Uhr abends an den Bahnhof Lauterbach bestellte, wo ein durch­fahrender, naher Verwandter ihn sprechen wollte. Diese De- pesche konnte aber in der Nacht nicht mehr zugestellt werden Wie sich herausstellte, hat der Verwandte die Depesche aber nicht auf- geaeben und ist auch nicht durch Lauterbach gefahren. Es gewinnt al^o den Anschein, als wenn schon am 10. die Familie Backhaus durch andere Personen aus der Wohnung gelockt werden sollte Da aber auch zu vermuten ist, daß der Absender die Depesche nicht selbst aufgab, sondern eine andere Person dazu benutzte, so wäre es im Interesse der Aufklärung sehr erwünscht wenn sich die Person melden würde, die die Depesche auf der Post ausgab, oder andere Personen, die etwa den jungen Mann abends um 1/111 Uhr an dem Postamt gesehen haben, dieses mit­teilten. Es ist dabei zu bemerken, daß doch auch das Depeschen­formular irgendwo entnommen sein muß, weil es ausgefertigt an die Post gebracht wurde. Auf jeden Fall ließe sich durch die Mitteilungen feststellen, ob die Depesche mit dem Ueberfall in Verbindung steht oder nicht.

Wieck eck, 16. Oft In einer gut besuchten Bürger­versammlung im Saale von B. Wacker berichtete der Be­triebsleiter des Gießener Elektrizitätswerks, Direktor St ölte, Über den Verbrauch von Elektrizität zu Licht- und Kraft zweck en für die Gemeinde Wieseck Er legte in seinen Ausführungen dar, wie sich das elektrisck>e Licht infolge seiner un­gemeinen Reinlichkeit, seiner leichten und bequemen Hanohabung und auch wegen seiner Billigkeit und Ungefährlichkeit immer mehr einbürgere. Auch bedienten sich die verschiedensten Betriebe der elektrischen Kraft, wodurch neben andern Vorteilen bedeutend bil­liger gearbeitet werden könne. Postverwalter Guthier hatte gegen die Ausführungen im Grunde nichts einzuwenden, schlug aber der Versammlung vor, an den Ortsvorstand der Gemeinde Wieseck das dringende Ersuchen zu richten, ohne elektrische Bahn auch keine elektrische Kraft zu Licht- und Kraft- »wecken zu beziehen, womü die Versammlung einverstanden ist. Ein Vertreter der Lampenfabrik Gebrüder Kaufmann-Gießen suchte eine Lanze für das Petroleumlicht zu brechen, indem er nachwies, daß die von Direktor Stolte angeführten Berechnungen über die Kosten des Petroleumlichts nach den von ihm gemachten Versuchen nicht stimmten, die Petroleumbeleuchtung also immer noch TaUiger sei. Nachdem noch einige andere Redner zu diesem Gegenstand gesprochen hatten, erklärte Bürgermeister S ch o m b e r, der Gemeinderat werde in dem Sinne an die Erledigung dieser Frage herantreten, ohne elektrische Bahn keine Ab­nahme von Elektrizität zu Licht- und Kraft- zwecken.

X Ostheim, 17. Oft. (Prtoattelegramm.) Der wegen Unterschlagungen flüchtig gewordene Rendant Winter hat, wie sich bei der Kassenprüfung herauSstellte, bei der Spar- "nd Stadtkaffe 15 000 und bei der Kasse des Vorschußoerems 6000 Mk. unterschlagen.

d. Mainz, 16. Cft. Vor einigen Tagen wurden Handwerksburschen von zwei angeblichen Werk- meistern in den Herbergen für ihre Fabriken engagiert und ihnen ein Schreiben mitgegeben, das sie in dec Fabrik vorzeigen sollten. Nachdem die «Werkmeister* sich unter allerlei Vorspiegelungen von den Engagierten Geldbeträge leihen ließen, verschwanden sie. Mit der Arbeit war e§ natürlich nichts. Es gelang nun, die zwei Betrüger au6- finbig zu machen. Es ist der Oberheizer Franz S ieben tritt aus Winkel und der Schlosser Hch. Karl aus Hechtsheim. Beide kamen in Haft.

Darmstadt, 16. Oft. Die Frau des Installateurs Heppenheimer hat heute in Abwesenheit ihres Mannes sich ^nb ihr achtjähriges Kind durch Dcffncn der Gasleitung im Schlafzimmer getötet.

X Rodheim a. d. Bieber., 16. Oft. Unsere im Jahre 1906 gegründete freiwillige Feuerwehr hält am letzten Oktober-Sonntag ihre diesjährige Schluß Übung ab. Zu dieser im größeren Maßstabe geplanten Hebung hat auch die Sanitätskolonne aus dem benachbarten Fellingshausen ihre Mitwirkung in Aussicht gestellt.

s) Michelbach bei Marburg, 16. Oft. In Gegen­wart von Vertretern der staatlichen und kirchlichen Behörden sand heute hier die Einweihung unserer wieder hergestellten, aus dem 12. Jahrhundert stammenden Kirche statt. Unter der Oberaufsicht der Kgl. Bau- und Oberbauräte zu Mar­burg, Kassel und Berlin und des BezirkskonservatorS Geh. Rats Prof. v. Drach ist das Gotteshaus durch den Archi­tekten Da über und den Kirchenmaler Nif. Da über aus Marburg wieder seinem historischen Charafter entsprechend hergestellt worben. Besonderes Interesse verdienen die roma­nischen Gewölbe- und Wandmalereien, die zu den ältesten in Deutschland zählen.

sj Marburg, 16. Oft. In feierlicher Weise wurde heute mittag der neue Rektor unserer Universität, Geh. Kon- sistorialrat Prof. Dr. theol. Karl Budde, in sein Amt ein* geführt. Der scheidende Rektor, Prof. Dr. Maaß, berichtete über daS verflossene Universitätsjahr und gedachte deS ver- Itorbenen Geographen Theobald Fischer. Der neue Rektor Dr. Budde sprach dann über das Wesen deS Monotheismus". Die von Prof. Dr. Wechßler verfaßte Reftoratsschrist ist be­titelt «Moliöre als Philosoph".

Frankfurt a. M., 15. Oft. Der Gesamtinhalt der Sammelkasten des am 11. Oktober abgehaltenen M a r-- g u er itentages usw. betrug 86311,70 Mk. ES stehen noch einige wenige aus, die jedoch das Ergebnis nicht wesentlich ändern. Hinzukomrnen aus Sammellisten etwa 20 000 Mk. Die Opern­vorstellung brachte nach Zahlung von 2000 Mk. an die Theater- Aktien-Gesellschast etwa 3600 Mk., die Veranstaltung des Frank­furter Frauenklubs rund 500 Mk., die Stiftung des Verlags derFrankfurter Nachrichten" zwischen 4000 und 5000 Mk. Außerdem sind Zuwendungen aus Sammlungen in Schulen ge­macht worden; bis jetzt von der Souchay-, Westend- und Beth- mann-Mittelschule. Es stehen noch die Erträgnisse von Auf­führungen aus, die der Viktoria-Schulverein und das Lehrerinncn- Seminar geplant haben. Die Unkosten: Ankauf der Blumen, Kasten, Drucksachen, Transportkosten, Schreibarbeiten usw. betragen etwa 10000 Mark, so daß der Reinertrag mit rund 105000 Mark anzunehmen ist.

F. C. Wiesbaden, 16. Okt. Zum Automobil­unglück in Hachenburg. Das Befinden der verletzten Insassen des Automobils, das von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurde, des Sattlers Stahl und des Sattlers Bast ist ein befriedigendes, während sich das des Führers des Autos, des Arthur Henney, verschlechtert hat. Gegen diesen hat die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl erlassen, lieber die Ursache des Unglücks ist nichts positives bekannt. Es heißt, die Steuerung habe versagt. Die Bäume an der Sttaße tragen sichtbare Zeichen, wo das Auto an gerannt, einer ist umgerissen. Der verunglückte Hennep war seit langem wegen seines unsinnigen Fahrens mit seinem Benzwagen ein Schrecken der ganzen Gegend.

Landwirtschaft.

_ JJcber Fütterung der Z uck err üb enschnlßel. Frische Schnitzel haben einen geringen Gehalt an Protein und Fett, sind jedoch wertvoll durch ihren Gehalt (16°/o) an leicht verdau-- litten Kohlehydraten (Zucker, Stärke usw.). Die frischen Rüben­schnitzel sind ein gedeihlich^ Futter für Milchkühe, sowie für Mastzwecke. An Milchkühe kann man nach Pros. Dr. O. Kellner- Möckern bis 40 Pfund, bei der Rindviehmast den Kühen auch 4050 Pfund am Tag, Mastochsen dagegen 6080 Pfund auf 1000 Pfund Lebendgewicht und bei der Schweinemast 4 Pfund frische Schnitzel am Tag und 100 Pfund Lebendgewicht geben. An Jungvieh sowie an tragende Tiere soll man frische Rüden-- schnitzel nicht oder nur in kleinen Gaben füttern. Da bei der Rübenfampagne gewonnenen Schnitzel nur zun' kleinen Teile frisch gefuttert werden können, werden die Schnitzel vielfach in Gruben eingesäuert und als Sauerfutter während des Winters an Milch- und Mastvieh verfüttert. Man gibt 50-60 Pfund am Tag auf 100 Pfund Lebendgewicht. An tragende Tiere werden jedoch die Schnitzel zweckmäßig nicht gegeben, da dieselben sonst leicht verwerfen. Die eingefäuerten Schnitzel werden vom Vieh aern gefressen Es entstehen jedoch bei der Einsäuerung infolge Zer­setzungsvorgänge Verluste an Nährstoffen namentlich wenn die Gruben nicht luftdicht abgeschlossen sind. Nach Pros. Marker gehen beim Einsäuern durchschnittlich 25 v. H. der stictttosfbaltigen und 35 v. H. der stickstoffreien Nährstoffe verloren. Es empfiehlt sich zur Gewinnung einer guten Butter Protein- und fettreiches Futter also Lein-, Palm-, Raps- oder Sesamkuchen beizufüttern.

Cuftfchiffabrt

Clement Bayards Fahrt über den Kanal.

Cuise la Motte (Dep. Oise), 15. Okt. Heute früh 79t Uhr ist das lenlbare LuftschiffC l e m e n t B a y a r d" mit sieben Personen bei gutem Wetter ausgestiegen. Das Ziel der Fahri ist London.

London, 16. Cft Das lenkbare LuftschiffClement Bayar d", das heute früh 71/* Uhr in Cuise la Motte (Depatte- ment Oise) aufgestiegen war, passierte um 11 Uhr Folkestone, 12 Uhr 35 den Krystallpalast, und um 1 Uhr 5 die St. Pauls- Kathedrale. Dann schlug das Luftschiff die Richtung nach dem westlichen Vororte Shepherds Bitsch ein, wo es uml 1 Uhr 26 Min. vor der für seine Aufnahme bestimmten Halle bei prächtigem Wetter glücklich landtte.

London, 16. Okt. Das LuftschiffClement Bayard" wurde bei seiner Fahrt über den Kanal von drei französischen Torpedobooten begleitet, ohne die es in dem herr­schenden Nebel die Richtung verloren hätte. Später Härte sich das Wetter auf. Das Luftschiff, das der Bahnlinie Folkestone- London folgte, bewegte sich in einer durchschnittlichen Höhe von 650 Fuß und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 eng­lischen Meilen in der Stunde.

Gelungene Paflagieifliige ParisBrüfiel.

Jssy leS Monlineaux (Dep. Seine), 16. Oft. Heute vormittag 97» Uhr ist Legagneux zum Fluge nach Brüssel aufgestiegen.

Jssy les Monlineaux (Dep. Seine), 16. Oft. Wyn - malen ist heute früh 7y< Uhr zum Fluge nach Brüssel aufgestiegen.

Brüssel, 16. Oft. Der Flieger Wynmalen ist heute nachmittag 1 Uhr 16 aus Jssy les Monlineaux hier einge­troffen und um 2 Uhr 25 Min. zum Rückfluge nach Paris wieder aufgestiegen. Legagneux ist um 2 Uhr 25 Min. eben­falls hier angekommen. Beide Flieger führen einen Passagier mit sich.

Kleine Nachrichten.

Paris, 16. Oft. Während eines Schaufluges bei Stam­pe s stießen die Flugzeuge der Flieger B r e g i u^d B e h a t zusammen. Beide Aviatiker erlitten schwere Verletzun­gen. Besonders Behats Zustand, der beide Deine brach, ist be­denklich.

Amtlicher Wetterbericht.

Verlauf der Wltterung seit gestern früh: Das Hochdruckgebiet ist ostwärts gewandert und bedeckt die östliche Hälfte Europas. Daher wehen leichte Ostwinde, die heiteres und am Tage mildes Wetter gebracht haben. Nur nachts sinkt durch Ausstrahlung die Lemperatur bis nahe an den Gefrierpunkt. Heute früh herrscht in Süd- und Ostdeutschland Nebel. Bei Annäherung einer kleinen Zyklone über England nimmt jetzt die Bewölkung zu.

Wetterausstchteu m Hessen am Dienstag dem 18. Oktober 1910: Zunehmende Bewölkung, vielfach nebelig und geringer Regen, süd­westliche Winde, etwas milder.

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