Ausgabe 
17.5.1910 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

)ens im Baugewerbe fiter dahin, daß es sich nur um die dem katholischen Verbände angebörenden Bauarbeiter handelt, die etwa die Hälfte der bisher Äusgefperrten darstellt.

Aus Mergentheim wird berichtet: Eine Anzahl Reichstagsabgeordneter ist am Sonntag aus Einladung der Stadt hier cingetroffen und hat die Stadt und das Bad be­sichtigt. Am Montag begaben sich die Abgeordneten nach Rothcn- burg.

Ausland.

Rach Pariser Meldungen zerstreute eine Abteilung von 200 Tirailleurs am 7. April bet Agrcdah in Lar-Tama, einem Vasallenstaat Wadais, Räuber Horden von Ein­geborenen, welche die Abteilung des Hauptmanns Ficgeli­sch uh Angegriffen hatten. Tie Eingeborenen verloren 100 Tote und ließen zahlreiche Waffen zurück. Zwölf Tirailleurs wurden verwundet.

Das russische Ministerium für Verkehrswege hat einen Gesetz­entwurf über einen Verkehrsweg durch das nördliche Eismeer für den Handel zwischen Westsibirien und West­europa ausgearbeitet.

Tie amtlicheRossija" erklärt die Aufregung der englischen Handelskammern wegen eines befürchteten Umschwungs im Z o l l - wesen Finnlands für vollkommen unbegründet. Tie ge­planten Reformen, welche die Rechte des Landtages in keiner Weise beeinträchtigten, da die Zollgesetzgebung Finnlands immer ein Prärogativ der Krone gewesen sei, beträfen ausschließlich Finnlands Beziehungen zum Reiche. Tie Hcutdelsbeziehungen Finnlands zum Auslande seien durch die russischen Handelsverträge geregelt, plötzliche Veränderungen seien daher ausgeschlossen. Ter beste Beweis dafür sei der russisch-deutsche Handels­vertrag, der die russische Regierung verpflichte, eine geplante Gleichstellung Finnlands hinsichtlich des Zollwesens mit den übri­gen Teilen des Reiches mindestens zwei Jahre vorher Deutschland anzuzeigen. Die Aufregung der Engländer sei um so unbegrün­deter, als die erste Stelle int Handel mit Finnland nicht England, sondern Deutschland einnehme.

Wie einem Londoner Blatt aus Fez unterm 10. Mai ge­meldet wird, haben aufständische Stämme unter Führung von Abdul Melik, eines Sohnes von Abdul Kader, den Truppen des Sultans etwa 40 Meilen von Fez eine schwere Nieder- lage beigebracht. Der Sultan hat alle verfügbaren Truppen zur Verstärkung gesandt. Ihre Zahl beträgt jedoch nur etwa 500. Die Aufständischen handeln zu gunsten des früheren Sultans Abdul Asis.

Ter Präsident der russischen Duma, Gutschkow, erhiett einen Protestvon 60 Mitgliederndes Teutsryen Reichs­tages betreffend die Finnland-Projekte, ebensy wie einen Protest der Stettiner Handelskammer. Die Duma beab­sichtigt, derartige Proteste unberücksichtigt zu lassen.

Aus Teheran wird über Petersburg gemeldet: Ein Befehl des Regenten verfügt die Schließung des Justizmini­steriums auf fünfzehn Tage, weil zahlreiche Beschwer­den über d i e Langsamkeit und Ungerechtigkeit der Justizbehörden eingegangen sind. Die Beamten weigern sich, dem Befehle Folge zu leisten.. Sepghdar reichte seinen Abschied ein. Der Präsident der Medschilis besucht die angesehensten Persönlichkeiten, um sie zu bewegen, die Agitation gegen die Justizbehörden cinzustellen.

Großer EesangLwettstreit in Großen-Lindcni

Großen-Linden, 17. Mai.

Ein dreifaches Fest wurde gestern und heute in unserem Städtchen unter großem Menschenaridrang veranstaltet. Aus Anlaß seines 3 0. Stiftungsfestes hielt der hiesige Gesang­vereinGermania" einen Gesangswettstreit ab, mit dem das Bundesfest des Wetterau-Lahntal^Sängerbundes ver­bunden war. Um 6 Uhr rief der Weckruf den feftgebenben Verein auf die Beine und um 8 V» Uhr wurde die Sitzung des Preis-, gerichts bei Gastwirt Philipp Schaum adgehalten. Um V-10 Uhr begann das Klassensingen in der Turnhalle und im Saale des Gastwirts Schaum. Der Zudrang zu dem Klassensingen war äußerst stark, so daß beide Säle überfüllt waren. Anschließend fand das Ehrenpreiöfingen statt. Das Singen um einen ge­stifteten Hauptehrenpreis wurde in der Turnhalle ausgeführt. Gesungen wurde in vier Klassen: während die 1. Klasse Kunst­chöre vortrug, waren für die übrigen drei Klassen Lieder im Volkston vorgeschrieben.

Sämtliche^Vereine lösten ihre Aufgaben sehr gut. Als Preise standen etwa .700 Mark zur Verfügung. Außerdem erhielt jeder Verein noch einen wertvollen Kunstgegenstand und ein Ehren­diplome. Neben den wettstrettenden Vereinen hatten sich noch 15 Gastvereine eingefundcn. Etwa 30 Vereine nahmen an dem Festzug teil, der lich nach dem Jestplatz an der Turnhalle bewegte. Dort hielt Hauptlehrer Bach die Festrede, in der er hervorhob, daß das deutsche Lied einen erheblichen Anteil an den Einigungs- befhebungen des deutschen Volkes habe, und daß die politische Einigung wiederum einen großen Aufschwung des Gesanges im Gefolge gehabt habe. Dem deutschen Lied, der frohen Geselligkeit und der deutschen Einheit galt das. Hoch.

rhenius das Vorhandensein elektrischer Entladungserscheinungen bei.

Ganz vor kurzem, int Februar d. I., ist nun von Zehnder eine ganz neue und eigenartige Theorie veröffentlicht worden, die man die optische Tbeorie nennen £ann.

Voraussetzung ist die von den meisten Astronomen angenom­mene Erfüllung des Weltraums mit feinem Meteoriten, dem sog. Meteorftaub.

Rach Zehnders Theorie umgeben die durch die Sonnenwärme tm Kometenkern sich bildenden !Tämpfe und Gase die einzelnen Meteoriten des Meteoritenhausens in Form von kugelförmigen Hüllen. Es entstehen auf diese Weise im Kometenkern unzählig viele kleine Gaskugeln, die infolge der lichtbrechenden Eigenschaften der Gase wie kleine Sammellinsen wirken.

Die auf sie fallenden Sonnenstrahlen werden durch sie auf her Sonne entgegengesetzten Seite in unzähligen vielen Brenn­punkten vereinigt und beleuchten so den Meteorstaub, der das Weltall erfüllt, an dieser Stelle viel Heller als in der Umgebung Dadurch werden die Lichtstrahlen sichtbar, etwa wie der Staub eines Zünmers in einem Sonnenstrahl, oder die Trübung der Luft im Lichte eines Scheinwerfers.

In den Brennpunkten vereinigen sich auch die Wärmestrahlen Die dann sich befindenden Meteoriten werden ebenfalls verdammt und bilden neue Gaskugeln, die wieder als Linsen wirken So pflanzt sich die Lichterscheinung auf große Entfernung vom Me- teoritenkern des Kometen weiter.

Auf eine Würdigung und wissenschaftliche Kritik dieser Theo­rien kann hier nicht weiter eingegangen, werden

36 wollte nur zeigen, welche Fragen die Kometenforschung noch zu beantworten urtd welch schwierige Aufgaben sie noch zu lösen hat.

Wenn man die bis jetzt erworbenen Kenntnisse von den Kometen und die noch ungelösten Fragen kennt, versteht man auch das außerordentlich große Jnteresfe, das die astronomische Wiiienschast, befonders die Afttophysik, an her genauen Forschung des Halleyschen Kometen hat. Sie erhofft von seiner genauen und sorgfältig verbreiteten Beobachtung eine wesentliche För­derung ihrer Kenntnisse und Anschauungen über die Natur des Kometen und des Kometenschweifs.

Dm Sonntag früh 3»/, Uhr wurde der Hallehsche Komet aus Treptower Sternwarte beobachtet. Ter Kern war lehr toarf.2er Schweif zeigte zwei Ansätze, die etwa einen Winkel Uon 40 Grah. ptttetnanber bildeten.

Namens der Fesidamen übergab Fräulein K. Faber feine Fahnenschleife,^und der Festvorsitzende Mehl dankte mit einem Hochhaus die Stifterinnen. Der Massenchor des Wetteran-Lahn- tal-Sängerbundes trug unter Leitung des Bundeschormeisters Gernhardt - Gießen den ChorDaheim" von L. Geller (Gießen, vor. Einen zweiten Massenchor leitete Dirig-ent Harnisch- Steinberg, der das LiedHeimatlicbe" von Wengert birigierte. Daran schlossen sich EinzAchöre der Gastvereine. Auf dem Fest­platz entwickelte sich dann ein lebhaftes Treiben.

Der Besuch des Festes war cm über alles Erwarten starker, besonders Gießen und die Nachbarorte 'icarcn zahlreich vertreten.

Abends 61» Uhr wurde das Ergebnis des Wett- singens befanntgegeben, es war folgendes:

1. Klasse: 1. Preis 150 >Mk. und Ehrenpreis: Männer - gesangverciil Germania-Lollar mit 198 Punkten, 2. Preis 50 Mk.: Germania-Lang-Göns mit 193 Punkten.

2. Klasse: 1. Preis 150 Mi.: Liedertafel-Lollar mit 216 Punkten, 2. Preis 75 Mk. und Ehrenpreis: Frohsinn- Garbcnteich mit 209 Punkten, 3. Preis: Liederlranz-Ockers- hausen mit 203 Punkten, 4. Preis: Orpheus-Wetter mit 198 Punkten.

3. Klasse: 1. Preis 100 Mk.: Männergesangverein-Allen- bori a. d. Lda. mit 218 Punkten, 2. Preis 50 Mk.: Orpheus- Geiß-Nidda mit 216 Punkten, 3. Preis und Ehrenpreis: Ein- tracht-Leihgestern mit 216 Punkten, 4. Preis: Arion-Dotzheun mit 214 Punkten.

4. Klasse: 1. Preis 50 Mk. und Ehrenpreis: Männer- gesangverein-Wetzlar mit 191 Punkten, 2. Preis: Eintracht- Butzbach mit 189 Punkten, 3. Preis: Eintracht-Steinberg mit 178 Punkten, 4. Preis: Frohsinn-Werschau mit 174 Punkten, 5. Preis: Konkordia-Ruttershausen mit 170 Punkten. Den ge­stifteten Gesamtchrcnpreis errang Männergesangverein-Wetzlar. An der Feier beteiligten sich noch: Eintracht - Klein - Linden, Biktoria-Garbcnteich, Sängerkranz-Watzenborn, Lützellinden, Ein- tracht-.Hörnsheim, Korkordia-Wieseck, Liedcrkranz-Riederkleen.

Heule fand das schön verlaufene Fest bei Frühkonzert der Kapelle Harnisch-Steinberg und turnerischen Aufführungen des Turnvereins seinen Abschluß.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 17. Mai 1910.

"Tageskale oder für Dienstag, 17. Mai. Overetten- aufführung ini Stadttheater:Tie geschiedene Frau".

*

* * Ordensverleihung. Der Groß Herzog hat dem Vorsitzenden des Zentralkomitees der deutschen Vereine vom Noten Kreuz, Preußischen Vize-Oberzepemonienmeister und Kammerherrn B. von dem Knesebeck in Berlin das Groß­kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* * In Audienz empfangen wurden vom Grob- Herzog am Samstag u. a. Finanzminister a. D. Dr. Gnauth und Oberaktuar Kohl Heyer von Lich.

* * Hessische Biographie. Der historische Ausschuß für das Großhcrzogtuw Hessen ist mit den Vorarbeiten zu einer hessischen Biographie beschäftigt, die alle irgend­wie bedeutende Hessen des 19. Jahrhunderts umfassen soll.

* * Aus dem Militär Wochenblatt. Illing, Militärgerichtsschreiber-Gehilfe auf Probe bei der Hess. (25.) Div., zum Militärgerichtsschreiber-Gehilfen ernannt.

* * Das herrliche Pfingstw etter trieb an beiden Feiertagen die Stadt- und Dorfbewohner in Scharen hinaus in die frischgrünen Waldungen. UcberaU stieß man auf fröhliche Menschenkinder, die sich an der jetzt vollständig er­wachten Natur erfreuten. Dies gilt besonders vom Schiffen- berger Wald, Anneröder Wald, Lindener Mark usw. Die Ausflugsorte wie Schiffenberg, Hochwart, Badenburg, Glei­berg, Philosophenwald, Dünsberg, Staufenberg, Rinnsmühle, Jagdschlößchen, Windhof usw., die an Himmelfahrt infolge des kalten Wetters ziemlich vergessen standen wurden an den Pfingsttagen sehr gut besucht. Wer weiter hinausgeeilt war ins Lahntal, den Vogelsberg oder den Taunus, fand dasselbe Bild. Namentlich der Taunus war über die Feiertage von ungezählten Tausenden besucht, so daß die Eisenbahn den Verkehr dort nur unzulänglich und mit den größten Verspätungen bewältigen ionnte. Immerhin gab es wenigstens feine ernsten Unfälle, wie in der Reichs­hauptstadt, wo schwere Gewitterregen und Ueberschwem- niungen das arg zusammengedrängte Menschengewühl in den Bahnhöfen der Vororte aufs ernsteste gefährdeten. (Siehe besonderen Bericht.) Lahnamtlich wird uns auf unsere Anfrage mitgeteilt, daß der Verkehr tu Oberhessen sehr stark gewesen sei, vor allem inBad-NauheimundGrpßen- Linden. Genaue Zahlen waren noch nicht zu erhalten, es kommen aber für die beiden Stationen je 3000 bis 4000 Personen in Betracht.

* Die Operettenspicle wurden gestern mit einer schönen Aufführung der alten, ewig jungen Fledermaus eröffnet, die sich den lebhaften Beifall der Zuschauer errang. Infolge der schönen Witterung war das Haus nur mäßig besetzt, aber die flotte, gut vorbereitete Darstellung ließ keine Oede auskommen und Regie und Darsteller bemühten sich gleicherweise mit gutem Erfolge um die Gunst des Publi­kums. In köstlicher Frische sprudelten die alten, lieben Melodien hervor und glatt und munter rann das Bächlein des schelmischen Ränkespieles dahin. Besonders angenehm herührte das ausgezeichnete Zusammenspiel aller Mit- wirkenden, die sich über alle Krümmen und Schwierig­keiten hinweg zu einer erfreulichen Einheit zusammenfanden. Ebenso ausgearbeitet waren auch die Leistungen der einzelnen Sänger und wenn auch der Darsteller des Eisenstein, Josef Fery, stark erkältet war, so führte er seine Rolle doch mit Schwung und Schneid zu einem guten Ende. Als seine Gattin erntete Martha Werten, wenn sie auch den Charakter der Rosalinde etwas ins kokettenhafte verschob, besonders mit ihremNationallied" sehr starken Beifall. Ein pächtiger Gesängnisdirektor war Erich Schön selber, dem in Richard Heising das Muster eines Gefängniswärters zur Seite stand. Sehr hübsch spielte Alma Walls das Stubenmädchen und sie wurde auch mehrfach laut bejubelt. Karl Melzer lieh dem Gesanglehrer seine hübsche Stimme und Hertha Schrott spielte den Punzen Orlofsky recht angemessen. Von den übrigen Darstellern wären noch Karl Tralow (Falke), Walter Panitz (Advokat) zu erwähnen. Auch das Orchester unter Herrn. Weinacks Leitung und der Chor waren sehr lobenswert.

Deutsch e Auslandschulen. Der Reichskanzler hat den vortragenden Rat im Ministerium des Innern, Ab­teilung für Schulangelegenheiten, Geh. Oberschulrat Nodnagel in Darmstadt, zum Reichskommissar für die Schluß- prüfungen an der deutschen Realschule und der höheren Handels­schule m Bukarest und an der beutschen Realschule m Kon­stantinopel ernannt. Die Prüfungen werben im Juni abgehalten.

* * Verkehr mit Kraftfahrzeugen. Uebcr die Frage, welche körperlichen Mängel die Fähigkeit, ein Kraftfahr­

zeug sicher zu lenken, beeinträchtigen, ist n. d^, Darm st. Ztg." denmächst eine einheitliche Regelung für das Reichs^ gebiet zu erwarten. Einstweilen sei darauf hingewiesen, daß jedenfalls solche Personen ziir Fühuing von Kraftfahrzeugen ungeeignet sind, die an einer Herabsetzung der zentralen Seh­schärfe, wenn auch nur auf einem Auge, unter zwei Drittel des Normalen (ohne Korrektur) ober an sogen. Nachtblind­heit leiden, ferner solche Personen, die fein normales Gesichts­feld besitzen, endlich solche Personen, die mit Erkrankungen der Bindehaut und der Lider oder mit einer ernsteren inneren Erkrankung deL Auges selbst behaftet sind, durch die eine vorübergehende ober bauernde Verschlechterung bet Sehfllnktion bedingt ist. Personen aber, die die Führung von Kraftfahrzeugen nicht berufsmäßig übernehmen ivollen, können probeweise zugelassen werden, wenn ihre zentrale Seh. schärfe durch eine Brille auf die Norm korrigiert wird und andere der vorbezeichneten Mängel Glicht bestehen. Sie hohen sich in diesem Falle zu verpflichten, bei der Fahrt stets eine Reservebrille mitzuführen und bei Nebel oder regnerischem Wetter jedesmal anzuhalten, falls das den Refraktionsfehler korrigierende Glas angelaufen ober beschlagen ist, und erst nach Reinigung der Korrektionsbrille weiter zu fahren.

* * Im Elektrizitätswerk entstand am 1. Feiertag auS bis jetzt noch unaufgeklärter Ursache Kurzschluß, wobei ein Arbeiter verletzt wurde, aber nicht erheblich. Der Unfall hatte eine Betriebsstörung von etwa 35 Minuten im Gefolge, unter dem auch die Straßenbahn zu leiden hatte.

* * Die Hessische Landes-Hypothekenbank gibt bekannt, daß der Zinsfuß für Kommunal - Darlehen mit Wirkung für die vom Id. Mai 1910 ab bei ihr ein­gehenden Anträge bis auf weiteres 4,15 % beträgt.

- n. Staufenberg, 16. Mai. In den Waldungen bet Gerneinbe Staufenberg hat ber Gewittersturm am 11. d. Mts. eine Verherung angerichtet, wie sie ivohl noch selten da war. Von fachmännischer Seite wird ber verheile Bestand auf ungefähr 56000 cbm geschätzt, worunter ungefähr 100 reife Eichenstämme 1. Klasse sind, die einen durchschnitt- lichen Inhalt von 34 cbm je Stamm haben und jeweils einen ungefähren Wert von 90100 Mk.

- l. Allen darf a. b. Lahn, 17. Mai. Eine Pfingst- feier sand gestern im Wäldchen bei Klein-Linden statt, an der sich die Bewohner von Allendors, Lützellinden, Heuchel- heim, Klein-Linden und Gießen zahlreich beteiligten. Auch mehrere Posaunenchöre und kirchliche Gesangvereine wirkten dabei mit, darunter die Vereine aus Allendors und Lützel- linden.

Lich, 16. Mai. Das Unwetter am Mittwoch hat, wie jetzt erst annäherungsweise sestgestellt ivcrden kann, weit größeren Schaben angenchtet, als man ursprünglich glaubte. Besonders der Wald nach Garbenteich zu hat außerordentlich gelitten. Der Bahnkörper war von Tclephonstangen und Waldbäumen stellenweise gänzlich versperrt, so daß ber um 9 Uhr abends von Gießen fällige Zug auf zahlreiche Hindc» nisse stieß und erst in den späten Nachtstunden hier ankam. An den Mengelshäuser Teichen liegen Hunderte von dick- stämmigen Eichen und Buchen entwurzelt und abgeknickt am Boden. In der hiesigen Gemarkiing liegen schätzungsweise etwa 400 Fe st mir. Holz am Boden, zumeist sind die süd­lichen Waldungen vom Unwetter getroffen worden. Im Hungener Wald wird ber Schaben sogar mit etwa 2000 Metern angegeben.

X Bad-Nauheim, 16. Mai. In ber Psingslwoche ist hier cm Detaillist en-Verein ins Leben gerufen worden, dem jetzt schon über 50 Mitglieder beigetreten sind. Ein Gesuch ber Großh. Bürgermeisterei an bie Eisenbahn­direktion betreffs Einstellung eines direkten Wagens Paris. Bad-Nauheim über Wiesbaden und Homburg v. d. H. ist ohne Erfolg geblieben. Ein durchgehender Wagen von und nach Berlin wird in Zukunft über Homburg-Wiesbaden Bad'Nauheim geführt. An den Pfingsttagen erfreute sich das Bad eines außergewöhnlichen Besuchs, besonders der 2. Feiertag , brachte Scharen von Ausflüglern. Gestern gaben die Aschaffenburger Jäger drei Konzerte, mittags am Teichaus, nachmittags und abends auf ber Terrasse; heute war in ben Mittagsstunden Militärkonzert am Tennis- Cafe, wie das stattliche Kaffee in den Kol-onnaden genannt wirb, nachmittags und abends auf ber Terrasse Doppel- Konzert. Dazu kamen an beiden Tagen noch die Früh- konzerte ber Kurkapelle am Kurbrunnen.

L. Bad, Nauheim, 16. Mai. Die Grundarbeiten für die Erweiterung u n's eres Bahnhofes ein- schttetzlich des neuen Gurerbahnhofes sowie die Rohbau­arbeiten für das Empfangsgebäude wurden gestern morgen der Friedberger Baufirma Reuß übertragen. Man hofft, in zwei Jahren den Bahnbau vollendet zu haben.- Bei' den Ausgrabungen für die Wasserleitung aus dem Johannis­berg fand man hinter dem Aussichtsturm Reste aus der Römerzeit, Schalen, Kruge und Töpfe, die dem Museum in Bad Nauheim üoergeben wurden Bei weiteren Aus­grabungen entdeckte man das Mauerwerk eines römischen Wartturmes. Der Wartturm wird etwas ausgebaut unb seine Umgebung durch Anlagen verschönert Tie ganzen Römeranlagen stammen aus der Zett des Kaisers Augustus.

5a. Bad-Nauheim, 14. Mai. Eine im Nauheimer Kurleben bekannte Persönlichkeit, der Portier des Kurhauses, Karl van Eiff, ist nach 46jähriger Dienstzeit in den Ruhe­stand getreten. Da er nicht pensionSberechttgt ist, wurde ihm vom Staat einEhrensold" von monatlich M. 12.50 bewilligt.

L. Friedberg, 16. Mai. Am 28. Mai findet in Frankfurt eine Zusammenkunft der Lehrerinnen des Groß­herzogtums statt zwecks .Gründung eines hessischen Lehrerinnenvereins.

fc. Friedberg, 15. Mai. DaS Mitglied des Groß- herzoglichen Ortsgerichts in Dorheim, der Landwirt Philipp Fritzel, ist auf Veranlassung der Großherzoglichen Staats­anwaltschaft in Gießen seines Amtes enthoben worden. Die Vorkommnisse werden die Gerichte beschäftigen.

* Im Odenwald ging am ersten Feiertag vormittags ein furchtbares Gewitter nieder. Bei Hummetroth bei. Höchst i. O. schlug um 10}/2 Uhr ber Blitz in bie Hofreite deS Landwirts Hof erber t ein, wobei bie Scheuer und die Stallung vollständig nieberbrannten. Mit Mühe gelang es, 11 Stück Groß- und Kleinvieh zu retten. Im Felde schlug ber Blitz zwischen Hummetroth und Ober-Kinzig in mehrere Obstbäume ein und zerschmetterte sie. Zu der gleichen Zeit schlug der Blitz in |bie Kirche von Wiebelsbach-Heubach ein, nachdem der Gottesdienst gerade beendet war. Der Blitz' schlug in die Orgel, zerschmolz die messingenen Pfeifen und«