Ausgabe 
15.4.1910 Erstes Blatt
 
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13. IrrelIgel e) Zur Beschaffung von Fahrzeugen

Lin grotzer Tag im englischen Unterhaus.

i London, 14. April. 3m Unterhaus gab Premier­minister A s quith die gewöhnliche wöchentliche Ueberficht über den Lauf der parlamentarischen Geschäfte uno erwähnte hierbei, daß dnS Budget bis zum 27. April erledigt werden solle. Tie Regierung werde Vorschlägen, dos; sich das .Haus am 28. April für die ,^-rühjahrspauie vertage; diese solle sich auf drei Wochen erftrecten. (xuie Sitzung werde jedoch vielleicht noch am 20. April nötig sein, um die Königliche Zustimmung zur Finauzbill ent­gegenzunehmen. (Beifall bei den Ministeriellen.)

or, Betoentsch I i c ß u nge n, deren Erörterung durch die Abstimmng uani 7. April beschränkt wurde, ist mit 361 Stimmen gegen 246 stimmen angenommen worden.

Verlaufe der Verhandlungen kam es zu äußerst er- r egt en Austritten Man crwarrete, dag Premierminister ! Asquith eine wichtige Erklärung über die künftige Politit der Regierung abgeben wurde. Staunt Halle er sich zu diesem Zwecke erhoben, und die Worte geäußert:Wenn die Lords die Ent- schlletzung nicht annehmen,' so unterbrach ihn Balfour unter dem Beifall der Opposuwn und Ruse.i der Ministeriellen mu der an den Vor, wenden gerichteten Bemerkung, da» Asquith gegen die Regeln des H aus es handele, wenn er eine Erklärung in diesem Stadium abgebe. -Jer Borsitzenoe crwiderre, eine Erklärung fonne nur mit der Erlaubnis des Hauses abge­geben werden Battour beharrte bei ,euwin Wwersprum mir der Begründung, daß tur bic Aussprache über die Erklärung Zeit bewilligt werden mußte.

Der Boriitzende ersuchte daher den Premierminister, keine Erklärung abzugeben, lauter Widerspruch und Zurufe der Mi­nisteriellen.) '

Premierminister Asquith kündigte sodann an, daß er die Erklärung am Schluss der heutigen Sitzung abgeben würde (Bei­fall der Ministeriellen.) '

... .Die Entschließung, welche die Dauer eines Parlamentes auf MM Jahre beschrankt, wurde nut 334 Stimmen gegen 236 (gtim- men^angenommen. 1

Die Beto-Bill wurde formell eingebracht. Premierminister Asquith erklärte am Schlüsse der Sitzung unter betäubenden Beisallvcusen der Ministeriellen, wenn die Lords die Politik der Beloentschließungen nicht annehmen sollten, so würde die Re­gierung der (strone unverzüglich den Ratschlag unterbreiten welche ^djattc ju tun seien, um fid>er zu stellen, daß diese'Politik zum Gesetz wurde. Wenn sich aber die Regierung nicht in der Lage sehen sollte, diese fidjcr zu stellen, so würde sie entweder a b d an fen oder das Par la ment auflösen (Stürmischer -Oppo t'nU/ <Cltc t>er Ministeriellen; Gegenknndgcbungen der

ÄS. .°n Witten-W-st nach einem geeigneten Dünkte der Bahnstrecke ^^Im-Sannen- CYJ.HnrahAulon (ÄriinÖCLlDerb......... JJU.

Rittershausen, (4runDeriuerb. . - b) Bum Baue von Nebenbahnen.

1. MarggradowaEzymochen »

2. Prust-Bagnitz-Tuchel . .... »

3. Guefen-PZszcgynRevier (Schobben) .

4. KonloppL>chwiebus........

5. Tantow-Gartz (Oder) . ... . . .

6. FürstenwerderStrasburg (Uckermark) .

7. Arendsee-Geestgottberg (Wittenberge) .

8. MerseburgZöschen .......

9. BockWallendoriNeuhaus (Rennweg) Igelshiev mit Abzweigung von Ernsltal nach Lauschau........ .

10. Heiligensladt - Schwebda (Eschinege) . .

11. ElauslhalZellerfeldAltenau . . . .

12. Sankt WendelTholay

Der Staatssekretär schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, -daß die deutsche Kaufmannschaft und

Iber Wichtigkeit des Gegenstandes ihrerseits u'ck erwhrncn werde 'um mit möglichst starker Beteiligung eine Aufgabe zur Losung zu bringen, wie sie in gleichem Umfange ^Un gestellt worden ist. Sie werde die Rcichsrcg,erung mit Rat und Tat an ihrer ^eite linden.

Die Ausgestaltung der preußischen Eisenbahnnetzes.

H- Berlin, 14. April.

Ferner werden gefordert 41332 000 Mark zur Herstellung des zweiten, dritten und vierten Gleises auf den Strecken: 1. Neu- rode-Glatz 3 094 000 Mark, 2. ÄohlfurtNiesky und Mücka Hohenbocka 5 040000 Mark, 3. MalenteGremsmühlen(Surin 396 000 '7Nark, 4. WegelebenThale 2 030 000 Mark, 5. Weimar Göschwitz 2 430 000 Mark, 6. EoburgEreidlitz 223000 Mark, 7. LöhneMinden einschließlich Umgestaltung des Bahnhofes Oeyn- Hausen-Rord 12122 000 Mark, 8. Emden (Abzweigung nach dem Außenhafen) und Verlegung der ostfriesischen Mstenbahn von der West- auf ine Ostseite bet Stadt Emden 2 900 000 Mark, O.Börnig Kastrop 440 000 Mark, 10. Bochum NordPräsident uiü) Prä­sidentRiemke 2 950 000 Mark, 11. Essen WestHauptbahnhof 3 900 000 Mark, 12. Höchst a. M.Niedernhausen 3 3U0 000 Mark, 13. .TrierKarthaus 2 507 000 Mark.

Schließlid) werden gefordert: 1 435 000 Mark für die Er­weiterung des oberschlesischen Sd>malspurnetzes, 1080 000 Mark für die Fertigstellung des Ausbaues der Nebenbahn Allenstcin Kobbelbude zur Hauptbahn, 240 000 Mark für die Fertigstellung des Baues der Verbitidungsbahn DanzigHolm, 11/0 000 Mart ,für die Herstellung einer Verbindungsbahn bei Halle a. S., [75 000 000 Mark zur Beschaffung von Fahrzeugen für die be­stehenden Staatsbahnen, 5 000 000 Mark zur weiteren Förderung des Baues von Kleinbahnen, 141 000 Mark zur Gewährung eines unverzinslichen Zuschusses an das Reid) zu den Baukosten einer Bahn BettsdorfWalderichMerzig sowie 18 324 000 Mark zur Deckung von Mehrkosten bereits bewilligter Bauausführungen.

Insgesamt fordert der Entwurf 199 983 000 Mark, davon 'finb 102 390 000 Mark durch Anleihe zu decken.

Die preußischen Lanölagsabgeorbneten und die Luslschissahrt.

i Berlin, 14. April. Die Anlagen desLu f t s ch i s f e r- ibataillons wurden heute vormittag von 10 bis lV/z Uhr von etwa 300 Landtagsabgeordneten, die mit dem Präsidenten und den beiden Vizepräsidenten erschienen waren, besichtigt. Zum Empfange waren anwesend: der Inspekteur der Beriehrstruppen, Freiherr v.Lyncker, viele Generalstabsoffiziere und sämtliche Offiziere des Luft- schisferbataillons.

Gleich nach der Begrüßung der Herren trafen die Mann- st'chaften mit den Gasmagen und dem Drachenballon auf dem Gelände ein. Der Ballon wurde sofort gefüllt, was zwei Minuten in Anspruch natym, und stieg dann mit einem Offizier urrd dem Abg. Arrnm-Zuesedom auf. Nachdem die Luftschiffer einige Gefechtsmanöver ausgeführt hatten, besichtigten die Abgeordneten die Werft des Lustschiffcr- Bataillons und hierauf das LuftschiffM 111 in der Ballon- Halle, wobei Major G r o st Erläuterungen gab. Dann wurde der Luftkreuzer nach dem Schießplatz gebracht, iöü er unter Führung des Majors Sperling und des Oberingenieurs .Basfenack; um 11 Uhr 10 Min. mit verschiedenen Abgeord­neten aufstieg. Tas Luftschiff manövrierte etwa 20 Minuten bei Südwind über dem Platze, wobei es sowohl Höhen- wie Seitenbewegungcn aussuhrte, die vorzüglich gelangen. Um 11 Uhr 2/ Alin, erfolgte die Landung an der Aufsieigftelle. Hierauf machte der KugelballonPara" eine Freifahrt.

Bessere Nachrichten aus MarseMe.

Marseille, 14. Aprll. Die Arbeit auf den Kais wurde wieder ausgenommen. Die Zahl der auf den verschiedenen Arbeitsstätten sich meldenden Arbeiter ist so groß, daß sie nicht alle Verwendung finden konnten. In der Gasanstalt und in den anderen Fabriken wird normal gearbeitet.

Paris, 14. April. Der Kongreß der Eisenbahn- arbeiter ernannte einen Ausschuß, der über die Frage des Ausstandes beraten soll.

Marseille, 14. April. Die eingeschriebenen See­leute beschlossen in einer gestern abend abgehaltenen Versamm­lung, den Ausstand allein fortzusetzen, die übrigen Verbünde aber aufzufordern, die Arbeit wieder aufzunehmen.

Die österreichische (82 Millionen-Anleihe im Abgeordnetenhaus.

Wien, 14. Apru. Zn der heutigen ersten Sitzung des Abgeordnetenhauses nach den Osterferien war das Haus saft vollständig versammelt; alle 'Minister waren anwesend. Die Tribünen sind dicht besetzt. Aus der Tages­ordnung steht die 182 Millionen-Anleihe, die Tienstpragmatik für Staatsbeamte und weitere Vorlagen. Finanzminister Bilinski wandte sich zunächst gegen den Vorwurf, daß er mit einer 182 Millionen-Anleihe das Haus über Nacht überrumpelte. Der Minister erinnerte an fein früheres Expose, in dem er ankündigte, daß für das eigent­liche österreichische Budget eine Anleihe notwendig fein werde und daß für das von den Delegationen zu bewilligende Budget, anläßlich insbesondere der bosnischen Wirren, eine besondere Anleihe aufzunehmen fein werde. Er habe die gesamte Summe beider Amehensbedürfnifse rund mit oOu Millionen beziffert. Tas Defizit rühre nicht von den militärischen Ausgaben her, fondern lediglich von den inner» österreiastschen Verhältnissen, da die Regierung gemäß den Beschluss en des Abgeordnetenhauses kulturelle oder sonstige Bedürfnisse zu erfüllen hat. Es habe keines, wie immer gearteten Austrages vont Kriegsmtnisterium zur Leistung von Vorschüssen bedurft, da sich der österreichische und der ungarische Finanzminister bewußt gewesen feien, daß in­folge der innerösterreia)ischen um) der innerungarischen Ver­hältnisse die Armee sich nicht auf dem Stande der Vorbe­reitung befand, wie es gegenüber dem drohenden Kriege notwendig war. Die gegeuioärtige Regierungsvor­lage bedeute eine Art Indemnität.

Tie Rede des Finanzminifters wurde wiederholt durch Zwischenrufe der Svzialdemotraten unterbrochen.

Der Minister fuhr dann fort: Unter den 182 Millionen befinden sich lediglich diejenigen Ausgaben für die Ma­rine, von welchen ui oem Motivenbericht die Rede sei. Die Ausgaben für die Dreadnoughts sind in diesem Betrage nicht enthalten. Der Minister bat schließlich um rasche Erledigung der Vorlage.

Hieraus wurde die Veri/andlung abgebrochen. Nächste Sitzung: Storgern

Deutsches Aeich.

B. Z." meldet aus Oppeln: Wie dieOppelner Nach- richten" melden, wurde bei deutsche Staatsangehörige Kiejer, als er die r u s | i s che G r e n z e ohne Paß überschreiten lvollte und dem Halleruse der Grenzwache keine Folge leistete, auf russischem Gebiet erschossen und seiner Barschaft van 1200 Marl beraubt._________________________

Ausland.

Aus Madrid wird gemeldet: Ter König unterzeichnete das Dekret über die Auslösung der Kammern, deren toiBungcnjeit dem Sturze des Ministeriums fUlaura suspendiert waren. . Die Neuwahlen für die Teputiertenkammer sollen am 8. Mai, die für den Senat am 22. Mai stattfinden. Die ueneii stainmern werden ihre Sitzungeii ant 15. Ium beginnen.

Der oritte Aaiserbejnch m Eichen.

Gießen,. April.

Die Stadt ist festlich geschmückt, ^n der Frankfurter Straße nach dem Selterstvr zu und an den Straßenecken, die der Kaiser auf seiner Fahrt zum Trieb und dann bei seinem Einzug in die Stadt zur Kaserne am Brand passiert, grüßen deutsche und hessische Fahnen von schwarzweißrolen und rotweißen Masten und dunkles Tannengrün. Tie Ein­zugsstraßen und die Umgegend des Trieb sind boit zahl­reichen Zuschauern umlagert. Aber trotz des Zusammeu- strömens jo vieler Menschen ging alles, so viel uns bis jetzt bekannt i|t, bis aus eine bedauerliche Ausnahme (s. lot. Teil) ohne Unfall ab, so daß das zahlreiche Polizei­aufgebot es waren für den heutigen Tag zahlreiche aus- lvärtige Gendarnten hierher lommandiert außer feiner Beteiligung ant Ordnungsdienst keine Gelegenheit zurAr­beit" fand.

Die Abfahrt des Kaisers in Homburg und dem- gemäg auch feine Ankunft hier erfolgte etioas früher als ursprünglich vorgesehen luar. Ein Privattelegramm aus Homburg v. d. H. meldet uns darüber:

Ter Kaiser, der die U n i j o r in seines hessischen Infanterie-Regiments trug, begab sich heute vormittag 9 Uhr mit militärischem Gefolge, den Generaladjutanten General-Oberst v. P l e f f e n, General­kapitän v. ch o 11, General Frhr. v. L y n ck e r, General­major ä la suite v. Lauenstein, Flügeladjutant Graf v. Wede 1, Oberstallmeister Frtzr. o. Reischach und der Leibarzt Dr. Ni ebner, in 4 Automobilen nach Gießen. Ter Himmel ist bedeckt.

Tie Fahri ging über Usingen, Grävenwiesbach, Braunseis und Wetzlar, so daß die zahlreichen hessischen Orte in den Kreifen Friedberg und Gtegen, die sonst ihren Anteil am Gießener Kaisertag halten, diesmal vis auf Klein-Linden auf die Lurch,ahn verzichten mußten.

Braunfels wurde, wie uns von dort drahtlich be­richtet wird, Punkt, 10 Uhr durchfahren. Ein offizieller Emp­fang fand nicht statt. Tie Stadt trug reichen Flaggen- Ichmuck und das zahlreiche Publikum begrüßte den Kaiser mit lebhaften Hochrufen.

Die Ankunft m Wetzlar erfolgte etwa um 10.20 Uhr. Die Fahrt ging durch die Silhö,erftraße und die Altstadt nach der Frankfurter Straße. Tie Stadt war reich qe- fchmuckt und auch zahlreiche auswärtige Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, den Kaiser hier auf der Durchfahrt zu sehen und zu begrüßen. Tie Schulkinder bildeten in den breiteren Straßen und auf den Plätzen Spalier und auch das Publilüm war zum größten Teil auf die freien Plätze angewiesen, da die engen Straßen der Altstadt keine größeren Ansammlungen von Menscl-en zulassen Tie Durch­fahrt erfolgte im allgemeinen im raschen Tempo. Mir am Dom wurde die Fahrt üerlangfamt.

Dann ging die Weit erfahrt über Dutenhofen Dieser letzte prentzifche Ort hatte alles aufgeboten, nm den Kaiser würdig zu empfangen. Schulkinder bildeten Spalier der Kriegerverein ljatte Aufstellung genommen, ebenso der Orts-

vorstand, und die Straßen waren festlich geschmucri. 'Lie Turchfahrt durch Klein-Linden, das einzige hessische Torf 'auf der Fahrt, erfolgte um Punkt 30.40 Uhr. Tie Wetzlarer Straße prangte im Fahnenschmuck, am Ortsein­gang hatten die Schüler eine schöne Ehrenpforte erbaut, Schüler und Krieg er verein bil beten Spalier, die Kleinkinder- fchulen standen ebenfalls in der Wetzlarer Straße. Ter Kaiser schien besonders über die Kinderschar erfreut zu fein und lachend winkte er den Kleinen zu, die ihre bunten Fähnchen schwangen. In nicht zu rascher Fahrt erfolgte die Fahrt durchs Dorf und weiter nach Gießen.

Wenige Mimtten später war das Weichbild der Stadt erreicht. Böllerschüsse verkündeten das Nahen des Kaisers uni) um 103/4 Uhr begannen die Kirchenglocken zu läuten.

Längs der Frankfurter Straße, der Süd-Anlage, Garien- straße und Kaiser-Allee standen heben den Einheimischen auch zahlreiche auslvärtige Besucher und begrüßten den Kaiser auf der "Durchfahrt zur neuen Kaserne. In großen Scharen waren insbesondere auch unsere Schönen vom Lande ge­kommen. Manche Gießener sind es übrigens gewöhnt, sich die Beine in den Leib zu stehen, so daß sie die Müdigkeit nicht so leicht spüren. Bei der Kaserne stieg der Kaiser zu Pferde, einem kräftigen Braunen, und ritt mit seinem .Ge­folge die Grünberger Straße hinauf.

Am Schützenhaus melbctc fich Provinzialdirektor Dr. Ufinger beim Kaiser und begrüßte chn un Namen der Provinz und ihrer Bekuohner. Für die Landesuniverfität hieß der Rektor, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Strahl, den kaiserlichen Gast willkommen.

Tann trat Oberbürgermeifter Mecum aus der Mitte des Stadtvorstandes mit den Beigeordneten waren die meisten Stadtverordneren erschienen hervor und richtete folgende Worte an den Kaiser:

Euere Kaiserliche Majestät rvollen mir und dem hier an­

wesenden Stadtvorstandc huldvollst gestatten, Allcrhöchstihnen im Namen der Stadt Gießen ehrfurchtsvollen und herzlichen Will­kommensgruß darzubringen. Wohl sind wir uns bewußt, daß der Allcrhöd)stc Besuch nicht uns, sondern Eurer Majestät Re­giment gilt; aber die Beziehungen zwischen dem Regiment und der Bürgerschaft sind .ebenso mannigfach wie erfreulich, und die Ehre, die Euer Majestät heute dem Regiment erweisen, wirst Hellen Wiederschein auf die Stadt und ihre Bürgerschaft zurück. Daher danken auch wir dafür, daß es uns vergönnt ist, Euer Majestät heute wiederum in Gießen weilen zu sehen. Diesem Dank fügen wir das Gelübde hinzu: wir wollen allezeit treu zu Euer Majestät, zu Kaiser und Reich stehen und stets gute Bürger des Reiches und des Landes bleiben.

Der Malier oaiiue ucn iyn begrüßenden Herren, indem er ihnen die Hand reichte. Dem Reltor gegenüber äußerte er, daß die Studenten wohl den Alkohoitonsum jetzt etwas eingeschränkt hätten. Auf die Begrüßungs­ansprache des Oberbürgermeisters bemerkte der Kaiser, daß er gerne wieder nach Gießen gekommen sei, das ihm als wasfensrohe Stadt bekannt sei.

In der Nähe hatten außer den älteren Schülern der hiesigen Schulen die Kriegervereine des Hassiabezirks Gießen in stattlicher Zayl Ausstellung genommen. Der Kaiser begrüßte sie herzlick) und zog den Bezirtsvorsteher, Lehrer Da ab von Lollar, sowie Postsetretar a. D. Meyer in ein Gespräch,

Alsdann begab sich der Kaiser mit seinem Gefolge und dem Korpslommandeur General der Infanterie von Eichhorn, der um 101,4 Uhr von Frankfurt gekommen war, zu seinem Regiment, das mit der Front nach der Kaiser-Allee zu Auisteilung genommen hatte. Der Mo­narch begrüßte die Musketiere mit den Worten:Guten Morgen, Kameraden", worauf ihm der laute Rus antwortete: Guten Morgen, Majestät." Alsdann nahm der Kaiser die Meldung oes Regimentstommatldeurs Oversts v. M ü 1 - l er entgegen Und ritt unter den Klängen des Präfeiitier- marfches die Front ab.

Hieraus begann die Besichtigung des Regiments mit dem Vorbeimarsch dreier Kompagnien. Es folgte Einzel­exerzieren derselben Kompagnien und ein Gefecht, an dem das ganze Regiment octciligt war. Es bewegte sich von der Richtung aus Wieseck her über den ganzen Exerzierplatz, inner anoercni waren der Eulenkopi uno die Hühneugräber besetzt. Auch eine Anzahl hessischer Gardedragoner von Darmstadt nahm teil. Etwa um um zwölf Uhr mar die Regimentsbesichtigung zu Ende. Es folgte eine Kritik, die eine Viertelstunde in Anspruch nahm. Hierauf erfolgte ein einmaliger Vorbeimarsch in der Regi- inentyfoloiine. Der Kaiser setzte sich an die Spitze der Fahnenkompagnie und ritt unter lebhaften Hochrufen des Pubiikums ui oic Stadt ein. Rechts vom Kaiser ritt Oberst von Müller, links General von Eichhorn. Ter Weg ging durch die Kaiser-Allee, die Gartenstraße, die Oft-Aniage und die Landgrafenstraße nach der Kaserne am Branv, deren stattlicher, schloßartiger Bau sich in seinem einfachen Schmuck sehr schön ausnahm.

Im Offiziertasino begann um 1 Uhr die Frühstücks- täfel, zu der außer dem kaiserlichen Gefolge und dem Offtzierkorps des Regiments als Vertreter der Behörden der Rektor der Landesuiiioersität Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Strahl, Provinzialdirektor Dr. llfinger, Ober­bürgermeister Meeum und Landgerichtsprafident Tr. G u n g e r i ch geladen waren. Ferner hatten die vier Herren Einladungen erhalten, die den Feldzug 187071 im Regi­ment als Offiziere mitgemacht haben: die Stadtvv. Kom­merzienrat Emmelius uno Medizinalrat Tr. Haber­kor n , Oberst z. D. Weimer aus 'Nidda unb Oberst­leutnant a. D. Naumann, sowie der zufällig hier an­wesende frühere Kommandeur des Regiments Generalleut­nant v. Ma dai undwie bei den beiden früheren Kaiser­besuchen Prof. Tr. Biermer.

Tas Essen, das, wie manche unserer für gastronomische Genüsse empfängliche Leser interessieren wird, aus Kraft­brühe mit Mark, Forellen, Hühnerpastetchen, Heidschnucken­rücken, Kirschkuchen mit Schlagsahne, Käse uno Kaffee be­stand, war zum dritten Male von Frau Spuck zubereitet, während Konditor Geißner den traditionellen Kirschkuchen und den prächtigen Tafelaufsatz angefertigt hat.

X'öifet verlieh an die Offiziere des Regiments eine Reihe von Auszeichnungen, u. a. erhielt Oberst v Müller den Kronenorden 2. Klasse.

Ueber den Zeitpunkt der Abfahrt des Kaisers ist etwas beftimmtes mcht festgesetzt.

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~6iix Weiterer Kaiferbefuch in Oberheffeu.

Aus Schlitz geht uns folgende Mitteilung zu:

Nach einer hier eingetroffenen Nachricht wird S. M. der Kaiser am Sonntag den 8. Mai, morgens, zu 5 w. e 11 a_g i g e m Besuche des Grafen von Görtz in un|erer ötabt eintreffen. v

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Wie verlautet, hängt dasFernbleibendesGroß- Herzogs von der Regimentsbesichtigung damit zusammen, daß in der öamtlic her Schwester des Kaisers in Cronberg eine Kinderkrautheit herrscht und der Ansteckungsgefahr begegnet werden soll. a ö