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15.4.1910 Erstes Blatt
 
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Freitag 15. April 1910

160. Jahrgang

Erstes Blatt

Nr. 87

Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.

Bei der Reichstags.

JobannlSburg, 14. April.

Em Unsali der Abg. Grafen Griola.

Berlin, 14. Llpril. Reichstagsabgeordneter Graf Oriola wurde, als er vor dem Reichstagsgebäude beim Ueberschreiten des Straßendamms einem Wagen der elek­trischen Straßenbahn ausweichcn wollte, von dem in entgegengesetzter Richtung kommenden Straßen­bahnwagen ersaßt, zwischen den beiden Wagen hin- und hergeschleudert und zu Boden geworfen. Er zog sich dabei eine A n z a h l V e r l e tz u n g e n zu, die aber sämt­lich leichterer Natur sind. Er konnte sich ohne Hilfe in das hiesige Palasthotel, sein hiesiges .Absteige- quartier, begeben.

Spätere Meldungen sagen: Im Befinden des Grasen Oriola ist eine Verschlechterung nicht eingetreten. Tie Wunde am Schienbein, die sich der Abgeordnete, als er zwischen zwei sich entgegenfahrenden Wagen zu Fall kam, zuzog, konnte ohne wertere Folgen genäht werden. Außer­dem wurden Quetschungen am Rücken und an der linken Schulter festgestellt. Innere Verletzungen trug der Graf nicht davon.

Eine Rede Dernburgr.

Berlin, 14. April.

Der Slaaisset'retär des Reichskolonialamts, Wernburg, sprach heute abend aus Veranlassung des Deutschen .Handelstages im Mozartsaat über Baummollsragen Der Staatssekretär ist m der Lage, seine vor drei Jahren ausgesprochene Anschauung ausrechtzuerhalten, wonach er als Hauptausgabe der deutschen kolonialen Entwickelung eine weitgehende Befreiung der deut­schen Industrietvirtschast von der Bevormundung durch andere Nationen, welche die unentbehrlichen Rohstoffe beherrschen, be­zeichnete. Für manche wichtige Rohstoffe ist die feste Baus ge­wonnen, die uns mit Sicherheit im Verlaufe von kurzen Fristen einen großen Teil des betreffenden Rohmaterials liefern wird. Innerhalb ganz kurzer Zeit wird z. B. in den deutschen Kolonien soviel K o v r a gezogen werden, als im Jahre 1907 der deutsche Import war. Hinsichtlich der Hanfstofse wird jeder deutsche Bedarf schon in etwa 12 Jahren gedeckt werden.

Aunft, Wissenschaft und Leben.

Die Frankfurter Theaterfragc. Man schreibt uns aus Frankfurt a. M. unter dem 14. April: Es ist wohl mehr ein Zufall, als ein Vorgehen nach einem bestimmten Plane, wenn jetzt plötzlich durch verschiedene unerwartete Kundgebungen unserer städtischen Theaterverwaltung die so lange schlummernde Theaterfragc zu einem Gegenstände der lebhaftesten öffent­lichen Erörterung gemacht worden ist. Was bisher nur ganz wenige Eingeweihte wußten, daß nämlich neben den verschiedenen orwaten Absichten zum Bau eines neuen ernsthaften Theaters für das Schauspiel auch von Seiten der Stadt, bezw. der ,,Neuen Theater-A.-G/', der Plan eines neuen Theaters, des dritten in städtischer Verwaltung, betrieben wird, ist nun seit heute publici iuris. Ter Aufsichtsrat und der Vorstand der Neuen Theater-A.°G. haben in einer merkwürdigen Kundgebung die wir in un'crer gestrigen Nummer veröffentlichten. T. 9t.\ selbst diesen Plan uns dünkt ein wenig gar zu vorzeitig, ehe noch die wichtigsten Fragen erledigt sind der Oeffentlichkert mitgcteilt, lediglich den Plan im Allgemeinen, ohne nähere Angaben über die Grüße, die Lage und das Programm des neuen Theaters, ohne nähere Angabe aber vor allem, vorher die Mittel zu dem Bau und Betrieb genommen werden sollen. Merk­würdig aber ist diese Kundgebung deshalb, weil die Neue Thcater- A.-G. mit ihr sozusagen Einipruch erheben will gegen ein anderes, privates Theaterproiekt, das schon ziemlich weit vorgerückt ist und an dessen Spitze zwei zurzeit noch dem städtischen Schauspiel­hause als Mitglieder angehörendc Darsteller, die Herren Hell- m c r und Reimann, stehen. Die Kundgebung bezeichnet dieses private Unternehmen als schädigenden Wettbewerb. Man ist über diese Auffassung der N. Th.-A.-G. allgemein ziemlich erstaunt, und die beiden privaten Unternehmer bezeichnen diese Konkurrelrz- befürchtung mit wohlverständlicher Ironie als ein, Kompliment. Tie Kundgebung ist um so weniger verständlich, als sich die Gebiete des geplanten dritten städtischen Theaters, wie hier nicht naher ausgeführt werden kann, lind des Hellmer-Reimannschen Projektes recht woht vo,leinander abgrcnzen lassen, so daß für beide Theater Raum wäre. Es handelt sich also woht um einen über­eilten Schritt, den man bei ruhiger Ueberlegung selbst bedauern wird, und die Entwickelung der brennenden Theaterfrage wrrd hoffentlich von nun an in ruhigeren und friedlichen Bahnen ver­laufen. Für die städtischen Theater kann eine ernsthafte In­angriffnahme der Neubaulrage sowieso erst nach endgültiger Er­ledigung der Intendanten frage erfolgen. Diese steht noch

'cheinlich. , . . , .... .

Die deutschen Kolonien zeigen eine sehr schone und stetige-Kurve. Ostasrika hat im Jahre 1902 mit 370 Kgr. be- gönnen, im Jahre 1904 188000 Kgr. gebracht und un ^zahre 1908 247 000 Kgr. gleich etwa 1000 Ballen Baumwolle der ägyptischen Varietät. Togo, welches 1901 mit 10 000 Kgr. an­fing, hat 1908 420 000 Kgr. gleich 1620 Ballen produziert.

Was hier geschehen ist, ist eine reine Versuchsarbeit. Durch die Arbeit des Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees und der Re­gierung ist sestgestellt morden, daß auf größeren Flächen erhebliche Quantitäten gezogen werden können. Eine Reihe von Industriellen hat sich veranlaßt gesehen, größere Flächen Baumwollbodcns in den. Kolonien zu belegen und man wird für das Jahr 1909 zum ersten Male das Ergebnis dieser jetzt im Betrieb genommenen Anlagen in der Exportstatistik vorfinden können. Dabei wird c- sich im Vergleich zu den bisherigen um erhebliche Quantitäten handeln. Das Plus aus O st a f r i k a in den erften 3 Quartalen des Jahres 1909 ist etwa 700 Ballen, in Togo etwa 180 Ballen. In Ostafrika bestehen letzt 17 mittlere und kleinere Europäern, Pflanzungen, die 2000 Hektar mit Baumwolle, ferner 24 Pflan­zungen, die in Zwischenkultur etwa 3300 Hektar mit Baumwolle verpflanzt haben. In Entwicklung begriffen sind 12 Baumwoll- plantagen, die ini ganzen 85 000 Hektar belegt haben. Alle diese Neuanlagen find erst möglich geworden durch den Bau der o|t- afrikanischen Zentralbahn, die heule bereits ungefähr. 550 Kilometer von der Küste erreicht hat und in rascher Folge bis nach Tabora vorgestreckr wird, das 1000 Kilometer von bet Küste entfernt, das Zentrum desjenigen Distrikts wird, welcher allem Anschein nach entsprechend der Intelligenz seiner Bevölke­rung und der Qualität seines Bodens, soweit sie bisher bekannt ist, verspricht, ein größeres Baumwoltgebiet zu werden, vor­ausgesetzt, daß die Niederschläge günstig sind. Der Tabora^ 2 i ft r i k t hat etwa die Größe des Königreichs Bayern, de^ daran nördlich anstoßende Muansa-Distrikt die des Königreichs Sachsen.. Bei diesen Versuchen hat sich herausgestellt, daß Togo eine Baum­wolle produziert, welche Ersatz für amerikanische Baumwolle zu bieten geeignet ist, und auch Ostafrika eine gleiche Qualität ab- geben wird, wie dies die angrenzenden englischen Nyassa-Ländep zeigen. Bisher wird in Ostasrika nur die sehr hochwertige ägyp­tische Varietät gezogen.

Auch in Kamerun, in beni Grasland nach Adamaua zu, dürfte eine der llpland-Baumwollc gleichwertige Sorte gedeihen.. Aber ein wirklich durchgreifender Versuch, die Baumwolle als Plantagen- und als Eingeborenen-Kultur in großem Maßstabe einzufü'hren, war mangels der Verbindungen einerseits und wegen dem Mangel der Erfahrungen andererseits doch noch ein wenig aussichtsreiches Unternehmen. Jetzt erst scheint der Zeitpunkt gekommen, wo die weitere Fortführung der Versuche einen solchen Erfolg zu versprechen scheint, wo die in dieser Industrie investierten Kapitalien einen Umsang annehmen, daß auch die Reichsregkerung zur Fortführung der Arbeit und zuvi Schutze der Prosperität dieser Anlagen das ihrige beizutragen veranlaßt ist. Hai sie bisher ihre Hauptaufgabe darin gesehen, durch Erfchließnngsbahnun jiber- hauvr erst den Boden vorzubereiten, so wird jie jetzt mit der Privat inbuftric in eine Arbeitsteilung cintretcn können, von der man sich Nützliches versprechen darf. Unsere Ct-aiicen dabei sind nicht schlecht, ^unächu verfügen wir in dem wiiienschast- lich und wirtschaftlich vorgebilderen deutschen Landwirt über eine Unterstützung, welche den anderen Kolonialnatiouen nicht zur Hand ist: bann ist bas landwirtschaftliche Versuchswesen bei uns auf eine bemerkenswert. Höhe gebracht. Der Beweis, daß Baum­wolle gut gedeiht, ist erbracht. Wir haben eine starke. sich an die Arbeit verhältnismäßig leicht gewöhnende schwarze Bevölkerung, wie jene etwa 60 000 Schwarze in Ostasrika beweisen, die heute regelmäßig Arbeiter bei Bahnen und Plantagen sind. In bezug aus Löhne find diese Leute nicht verwöhnt. Wir haben eine leistungsfähige und ciiergnajc Saunahrr uno i-inreiiyende Schienen­wege. Wir haben zuletzt eine stacke und leiltungssähige deutsche Industrie.

Die Arbeit wird dahin zu teilen sein, daß die wissenschaftliche Erforschung der Arbeit der Reichs-Kolonialverwaltung, die prak­tische Exploration Die dec hei:, ich: i Interessenten sein wird.

Ersatzwahl im Wahlkreise Allenslein 3 wurden 23 737 gül­tige Stimmen abgegeben. Hiervon entfielen auf Kochan (Natl.) 12 655, auf Brämer (Kons.) 10 161 und auf Linde (Soz.) 910 Stimmen. Zersplittert waren 11 Stimmen. Kochan ist somit gewählt.

Graf zu Stolberg-Wernigerode war bei der letzten Wahl als Kandidat der Konservativen mit 20 343 Stimmen gewählt worden, denen 833 Freisinnige imö 630 Sozialdemokraten gegenliberstanden. Gewählt hatten 21 860 Personen.

Der Ausgang der neuesten Wahl wird den Konservativen zu mancherlei Betiacyuingen und Erwägungen für die Zukunft Anlaß geben.

Vie Gbersiächiichiett des Monismus.

Mit gesunden und sympathischen Urteilen geht Pfarrer Traub aus Dortmund, der Sprecher einer freiheitlichen Auffassung im kirchlichen Leben, in derKöln. Ztg." gegen die Großsprechereien eures flachen Monismus vor. Er schreibt u. a.:

Wie wir auf dem Gebiet des kirchlichen Lebens für die Frei­heit als unentbehrliches Element geistigen Fortschritts kämpfen, fo sind wir der llebcrzeugiing, daß in der Lehre kein Widerspruch zwischen dem wissenschaitiichen Forschungstrieb und der religiösen Ueberzeugung Platz greisen kann. Die Entwicklungslehre ist eine Sctbstvemänblicbkeit. Freilich wissen wir, daß auch sie nur ein Forschungsmittel, also ein Reiz zu neuem Suchen und Finden, keinesfalls eine endgültige Erklärung des Lebens und der Geschichte darstellt. Auch die Ein- heitlichteit des Weltplans und Weltzwecks steht uns fest. Wir weisen ebenso mit dem Programm des Monistenbundes eine Gegenüberstellung von Golt und Welt, Geist und Natur" in dem Sinne zurück, als ob cs sieh um einwillkürliches Eingreifen Gottes oder übernatürlicher Uräfte nach Belieben in den Welllaus" bandeln könnte. Die Gewißheit von der Gesetzmäßigkeit alles Geschehens ist geradezu dic Grundlage unserer sittlichen und religiösen Ueberzeugung. Aber wir kennen neben einerGegen­überstellung" von Mächten nach dem Muster patriarchalisch-orien­talischen Regiments auch eine Gegenüberstellung von Mächten, die sich in der Spannung von Kräften ausdrückt und ohne dic der tatsächliche Fortschritt in der natürlichen und gei­stigen Welt undenkbar märe. Darum ift unser Gottesglaube nicht etwa eine Konzession, die wir eben notgedrungen der Kirche machen, um das Recht unseres Aufenthalts in ihr zu sichern, sondern der Angelpunkt unseres Gewissens und Lebens. Um Sinn und Zweck in Watur und Geschichte wirklich begreifen zu können, ist es ein trügerisches Spiel, nur die Verknüpfung aller Dinge zu suchen, und zu forschen, wie und wodurch etwas so geworden ist, wie es ist; solange über das Ganze alles Geschehens, vor allem über das Ganze der Menschheits­entwicklung, keine einheitliche Gewißheit verbürgt ist, stehen For­schung wie Lebenshaltung in sich widerspruchsvoll do. Solche Verbürgung kann nie äußerlicher ober trabitioneUer Art sein. Desto nottoenbiger ist ihre Vertiefung in Wollen und Denken.

Hier gcrabe setzt unsere Abweichung vom Monis­mus ein. Was wir ihm zum Vorwurf machen, ist in erster Linie dies: Er hat cs Taufenden seiner Anhänger unheimlich be- a u c m gemacht mit der Formel seiner Weltanschauung. Sie ist cm vieldeutiges Programm, aber keine Lösung. Tas WortMo-, iiismus" besagt zuletzt ebensowenig wie ba-j scheinbar entgegcn- stehendeTualisrnus". Der Rausch, ben bic bloße Nennung des WortesEntwicklung" bei vielen erzeugt, ist gcrabe bei ben wissenschaftlich Ernsten schon lange verflogen. Sie verwerfen bas Wort nicht: im Gegenteil, sie banken ihm. Aber bas verwerfen ve, was heute viele Monisten teilweise in, unausstehlichem Maße bezeugen: Tic Meinung, nun fertig 511 l'ein unb den Schlüssel zu allen Geheimnissen zu besitzen. Die monistische Be­wegung hat in Hunderten von Köpfen den wissen­schaftlichen Ernst gemindert, und das ist uns Prote­stanten, die wir mit der wissenschaftlichen Freiheit groß geworden sind, von Herzen leib. Gleichzeitig hat ber Monismus ein Grunbgesühl beS Ntenschcnrums angegriffen unb schwer g e f ä h r b c t: Die Ehrsurcht. Die Goethesche Stim­mung ber Ehrfurcht gegenüber dem, was über uns und um uns und unter uns ist. gilt tu vielen monistischen Kreisen als über­flüssiger Ballast. Auch wir rennen keine Wunder im dogmatischen Tinn des Worts: aber wir kennen überall Geheimnisse. Wir verbinden uns davor nicht die Augen: aber wir sehen auch nicht darüber hinweg und leugnen sie nicht. Endlich danken wir dem kirchlichen Christentum trotz aller herben Kritik, die wir an der Kirche üben, daß cs für die sittliche Lebenshaltung des einzelnen unb bes Volks einige große gesunde Leitgedanken ausgestellt unb vor allem bic Möglichreit persönlicher Schulb unb bie Notwcnbig- feit opfcrnber Liebc gegenüber ben Schwachen unb Elenbcn stets betont hat. ' .

Die im letzten Absatz ntedergelegteu Gedanken können

Auch beim Kautschuk. bei dem Deutschland 1907 etwa 100 Millionen Mart an das Ausland zu bezahlen hatte uns das ganze Quantum aus den deutschen Kolonien bisher nur erst 10 Prozent des gesamten deutschen Bedarfs ausmacht, wird sim dieses Quantum in kurzen Jahren mindestens verdreifachen. Und diese Ergebnisse sind erzielt, ohne daß die Eisenbahnen bei der Steigerung ber Probuktionszissern bisher irgenb eine Rolle haben 'vielen können. Denn wenn auch bas bcutkbc Volk innerhalb ber letzten drei Jahre nicht weniger wie etwa 300 Millionen Wart für dic Erbauung kolonialer Eisenbahnen bewilligt hat, so haben diese doch, mit Ausnahme des älteren Teiles der Usambara- Bahn, noch nicht zur Hebung ber Bodenkultur beitragen können. Außerdent können ohne eine intensive Fürsorge für bie den belresscnden Ländern angepaßten Kulturen auch bic Eisenbahnen allein dic Länder nickt ersckstießcn und für sich selbst nicht pro­sperieren. -

Die gesamten Zuschüsse des Reichs für die K 0 Ionien betragen für 1910 etroa 21 Millionen Ma r Die Nettoleistung des Reichs aber nur etwa 7 Millionen, Somit ist jetzt cm Stand erreicht, welcher gestattet, zur wetteren kul­turellen Erschließung zu schreiten. _

Zur Zeit befinden sich der Baumwollhandcl, die Spinnerei und Weberei und der Vertrieb der Erzeugnisse tit einer außer­ordentlich schwierigen Lage. Vielleicht ist die Fabrikation in ihren Einrichtungen dem Bedarf der Welt an Waren vorausgeeilt unb die Rohstoffversorgung hinter diesem Bedars zurückgeblieben.

Für die verschiedenen Baumwollproduktionsgebiete beginnen sich fetzt bereits KonsumtionSzentren und -Kreise zu bilden. Der neueste ist der ostasiatisch-indische, in dem Japan owohl aus China als auch aus Indien direkte Rohstoffbezuge vor- nimmt, um seine eigene geringe Produktion zu ergänzen. Etn anderer Kreis ist ber russische, welcher bie turkestantschc, per­sische unb kleinasiatische Baumwolle an sich heranzieht, zur Er­gänzung seines ameritanischen, allerdings zollbelaftetcn Imports. Ter dritte und gewaltigste Kreis sind die Vereinigten Staaten selbst, welche bei etwa 29 Millionen Spindeln eine Konsumkraft von bis 5V- Millionen Ballen besitzen. Für die Versorgung des europäischen Kontinents an Rohbaumwolle bleibt lediglich der Ueberschuß der Baumwolle aus den Vereinigten Staaten und Indien. Tas indische Areal für Baumwolle,nimmt nur langsam zu. Der Schlüssel der Situation liegt al,o für den europäischen Spinner unb Arbeiter in ber Beurteilung der Lage in ben Vereinigten Staaten. Der Staatssekretär, ifl auf Grund eingehender Untersuchungen zu folgenden.«chlüNcn gekommen:

1 Für die Annahme einer sehr großen Vermehrung der amerikanischen Anbaufläche unb Produktion in kurzer Frist be­stehen hinreichende Anhaltspunkte nicht.

2. Eine wesentliche Verbilligung der Baumwollprobuttion durch" bessere und intensivere Arbeitsmethoden auf dem gegen­wärtigen Areal ist gleichfalls für bic nächste Zeit nicht wahr-

mir Wort für Wort unterschreiben. Tas in ben ersten I Sätzen erwähnte Willensproblem, die Abhängigkeit von un-j erkennbaren Gesetzen und Mächten, möchten wir dagegen nicht so apodiktisch beurteilt wissen. Wir möchten auch in diesen Betrachtungen das von Traub herangezogene Grunbgesühl des Menschentums" voll und ungehemmt mitsprechen lassen. ___________________________________

Der Sieg der Nationalliberalen im Reichstage Wahlkreis Sletzkorqck-Zohannisburg.

immer aus; es gehen natürlich auch über dic Frage des neuen Leiters ber Frankfurter städtischen Bühnen zahlreiche Gerüchte um, eine Entscheidung dürfte aber auch bei den wirklich maß­gebenden Männern noch nicht gefallen sein. Tie Kandidatur Gregor ist wohl aufgegeben. Sehr lang ist nach Streichung dieses Namens die Kandidatenliste nicht mehr, und allzulange wird die Entscheidung nicht mehr auf sich warten lassen. Dann erst wird man über das Dritte städtische Theater, das ohne Zweifel kommen wird, flat und nüchtern iprechcn tonnen. Inzwischen wird sich hoffentlich das Hellmer Reimannfche Theater, das ebenfalls ohne Zweifel foinmen wird, in Ruhe weiter entwickeln. G. Z.

Vom U h l a nd h au s in Tübingen. Das den Erben des verstorbenen Professors v. Sigwart gehörende Uhlandhaus in Tübingen, in dem Uhland von seinem fünfzigsten Lebensjahre bis zu seinem Tode gewohnt hat, und das bisher pietätvoll in seinem alten Zustande erhalten wurde, steht in Gefahr, durch Verkauf in andere Hände überzugehen und vielleicht zu geschäftlichen Zwecken ausgebaut zu werden. Es wäre in hohem Maße bedauerlich, wenn das an der Neckarbrücke gelegene Haus mit feinem terrassen­förmig auuu ig:nbc;i a s i;i,tsrci_.en Garten b. zu hergcgcben würde. Es hat jedoch den Auichein, als. ob diese Ge.ahr noch rechtzeitig abgewanDt werden könnte. Tie Tübinger Stadtverwaltung erwägt den Gedanken, das Hans zu erwerben^ D später in städtisches Museum daraus zu machen. Auch der Schwäbische Lchiller-Vcrein und der Bund für Heimatschutz haben Schritte getan im Sinne der Erhaltung der denkwürdigen Stätte.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. In Münster hat sich ein Verein Münsterseher S t u d e nt 1 n ne n gebildet, oer bereits Die Genehmigung des Rektors erhalten hat. Seine Bestrebungen decken sich im allgemeinen nut Denen ber gemäßigten Frauenbewegung und sind naturgemäß in erster Linie auf bie Interessen bes Frauenstudiumä und der studierenden Frauen gerichtet. Neben idealen Zielen hat der Verein auch praktische Zwecke ins Auge gefaßt imb eine Auskuuitsslelle für Studien- und Wohuungsangelegenheiteu errichtet. Zu r P liege der Zähne hat ein Unbetaiinler derBritisch Dental Allociatlon" vier Millionen Marl zur Verfügung gesielll. Im ganzen Lande iolleit Kliniken eingerichtet werden, die Die Bevölkerung über die Bedeutung gejunDet Zahne anUlären und namentlich den Schul- tIndern (o)tenioie oder doch sehr billige zahnärztliche Hilfe gewähren jollen. In Straßburg ist der aus Belgien flammende cin't berühmte Flötenoirluose Rüquory heute im Alter von Su I a b r 5 :: g est 0 r b -n.

MGichener AmeigerM

Fernfprech-Anschlüsse: UM 01 Verantwortlich für den

für die Redaktion 112. _ 'V politischen Teil: Auaust

MM General-Anzeiger für Oderhesfen WW

für bie Tagesmnnmer und Verlag der Vrübl'schen Univ.-Vuch- und ZteindruSerei B. Lange. Bedaktion, Lrpedition und Druckerei: Schnlstrahe 7. Anzeigen'teü^H. Äck.

bis vormittags 9 Uhr. _______________

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). öalbmonatsjchrilt für Alb ofef'ßitlmfler, Verlag: 6ac 5 2. Aprilhell ist joeben r ireb Slaar: Tie Rnfi? br : 'Bruno Wille (ntil fjotta. !che Romane. - Karl EMlich silier: Aeinsladt. - r

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