Ausgabe 
14.5.1910 Zweites Blatt
 
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Fragen von nennenswerter Bedeutung. Auch ein reicher Rhein-Mainischen Verbandes in Frankfurt o. M. hat den Verein geselliger Teil ist vorgesehen, darunter sind Ausflüge in, bur(fy leihweise Ueberlassung einer Wanderbibliothek unterstützt.

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,geschehen sein, daß ereinen Fuhrmann mit hochbeladenem Fracht-1 langte Heinrich von Navarra durch die Ermordung Heinrichs LU..,

daß Bechstein eine kleine Gestalt undeine etwas stubengelehrbe Weise" hatte.Man sah ihm die Beschäftigung mit der Bühne an, die etwas gründlicher war als die des leichtgemuten Improvisators: nur ist auch bei ihm später zu Tage gekommen, daß eine mäßige Dicht er gäbe sich nickt zu gefälliger Wirkung zu^behaupten vermag, wenn ne sich zu sehr mit dem Ballast von Studien beschwert." Trotzdem Bechstein kein hohes Alter erreichte, hat er doch eine llnmenge heroorgebracht, Romane, Novellen, Epen, Gedichte, sein verdienstvollstes Werk aber,das deutsche Märchenbuch", erschien zuerst im Jahre 1844 und erlebte zahlreiche Auflagen.

ou,uiaDteiluiig Geh. i>vetiuiu*i"u. >«. ordnagct die Veriammlung herzlich willkommen und schilderte dann Spieß als den eifrigsten Förderer des demscken Turnunterrichts. Provinzialdirektor c v wies auf die hohe Bedeutung des Turnens hin, das nicht ^acne eines einzelnen Standes, sondern des ganzen Volkes sei, rote es auch sowohl in der Volksschule, wie in den höheren schulen, und in der Armee mit gröi'iem Erfolg gepliegt werbe. Namens der S.'adl begrüßte Beigeordneter Müller die Versammlung, namens des Zentralausschusses der Württembergischcn Turnlehrer sprach Pros. K c n l c r - Stuttgart, namens des Verbandes für Sckulgcsundheitspflege Oberlehrer Roller- DarmUadt. Alsdann hielt Schulrat Schmuck einen interessanten Vortrag über Mol' Spieß, wobei er namentlich die Spievid)en Grund?ätze für das Schulturnen warm verteidigte. Dann sprach Oberlehrer P i e t - c - k o v - Stettin über die Mittel zur Einschränkung der Befrelungen vom Turnunterricht in der Schule; am Schlüsse legte der Redner oerschi ebene Lettiatze vor, denen die Versammlung zusiiinrnte. Es werden darin besondere Turnabteilungen für körperlich im- tüchtige Schüler, ferner die Anstellung von Schulärzten, Bereit­stellung gut eingerichteter, völlig einwandsfreicr Turnhallen und Spielplätze usw. verlangt. Am Nachmittag fanden in der Turnhalle der Turngemeinde am Woogplatz turnerische Vorsüh- rungen verschiedener Schulklassen tpnd am Abend intereliantc. Sckwimmübungcn von Schülern der Realschule in der neuen Schwimmhalle statt. Die Beratungen werden morgen sortgcletzt.

ließ. Vor der Lächerlichkeit, dies gedruckt zu sehen, habe ihn nur ein Redaktionsstift bewahrt. Zu dem Bilde, das Ehezy von Bechstein entwirft, paßt auch eines, das Gutzkow von ihm zeichnet. Beckstein war im Jahre 1831 Bibliothekar in Meiningen geworden und hielt sich 1835 in Frankfurt am Main auf, um mit dem Stegreifdichter O. L. B. Wolff eine Reise iiach Paris zu macken. Gutzkow, der beide in Frankfurt sah, meinte.

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Unwersuäts - Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.

geselliger . ...~ bemerkenstverte Städte der Nack-barschaft geplant, so daß

Die E««etzeuer Famillenblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich be,gelegt, das Kretsblatl fflr öen Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich Die ..candwtttschaftlichen Seit- fragen" erlchemen monatlich zweimal.

21 it» Stadt undaiid.

G i c n, 14 Mai 1910.

Redaktion, Expedition und D ruderet: Schul- ftraße 7. Expedition und Berlag: e^51. Redaktwn:e-sS112. Tel.-2ldruAnzelgerGießen.

ne Enoe Mai beschlossen, zu der Frau Geheimrat Lehmann einen zweiten Vortrag in Aussicht gestellt hat. Tic Vor- jiyende ber hiesigen Abteilung des Koloniatfrauenbundes, Attru Professor Bötticher, Hofmanustraßc 11, ist bereit, nähere Auskunft zu geben und BeitrittserNarungen ent- qegen^unehmcn Aufmerksam gemacht sei auch auf ein Kvlo- ?.tat c i der Ma b ig.r Abt ilung, das am 15. Juni in den

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ausgiebig gesorgt.

(!) Hungen, 13. Mai. Sehr vom Glück begün­stig t' wurden drei hiesige Einwohner, die gemeinschaft­lich mehrere Lose der Tarmstädter Pferdelotterie gekauft hatten. Auf zwei der betreffenden Lose fiel nämlich je ein Gewinn von einem Pferd.

'--'Grünberg, 13. Mai. Die mit der Vorbereitung des Gau tu rufest es betrauten Ausschüsse sind jetzt in rühriger Tätigkeit. Am Montag tagte der Wohnungs­ausschuß zwecks Zusammenstellung der Ergebnisse bei dem Suchen nach geeigneten Quartieren. Von der Ein wohnerschaft sind bereits 420 Quartiere zugesichert worden Am Donnerstag fand unter dem Vorsitz des Festpräsidenten Schäfer eine Sitzung des Festausschusses statt. Die Vorsitzenden der Einzelausschüsse erstatteten Bericht über die Ergebnisse ihrer Verhandlungen und Sitzungen in der letzten Zeit. Im Laufe des Abends wurde die Festordnung für die drei Festtage festgelegt. Neben den eigentlichen Fest­veranstaltungen ist an den drei Festtagen auch durch Schau - und Verkaufsbuden, Dampfkarussell usw. für Zeitvertreib

Dcr To ndichter Karl Goldmarck in Wien be­geht am 18. Mai feinen 80. Geburtstag. Er stammt aus Keszthely in Ungarn. Am bekanntesten sind seineKönigin von Saba" (1875-,Merlin" (1876),Das Heimchen am Herd" (1886),Götz von Berlichingen" (1902). Ferner sind zu neunen: die Vorspiele Penthesilea",Im Frühling",Der gefesselte Prometheus", Sappho" und die symphonische DichtungZrinyi". ,

Bo in Erreger der Schlafkrankheit. Der m Berlin dieser Tage vorgekommene Todesfall an Schlafkrankheit Hai die Gelahr dieser tückischen Tropenkrankheit wieder recht ein­dringlich zutage treten lassen. Allerdings handelte es sich nur um einen aus Afrika eingeschleppten Fall, und eine Ansteckungsgefahr war nicht mehr vorhanden, weil die Uebertragung nur von Blut zu Blut möglich ist. In den Tropen ist es bekanntlich die Tsetse­fliege (glossina palpalis), durch deren Stiche die Krankheit über­tragen wird. Ein sranzösiicher Forscher, M. R o u b a u d , hat nun am mittleren Kongo eingehende und wertvolle Studien über das Leben, die Gewohnheiten, die Entwicklung dieses den Menschen io schwer schädigenden Insekts gemacht und festgestellt, daß die Glossina palpalia ausschließlich die bewaldeten Ufer von Wasser­läufen nn äquatorialen Afrika bewohnt. Tabei ist sie sehr empsindlich für den Einfluß von Feuchtigkeit und Wärme. Wenn in der trockenen Jahreszeit die kleinen Flüsse und Bäche ein- trocknen, so wandert sie an andere feuchte Stellen. Die günstigste Wärme liegt für die Fliege zwischen 25 und 28 Grad Eelsius, er­bebt sich die mittlere Temperatur über 30 Grad Eelsius, so sterben sie sehr bald. Für ihre Fortpflanzung machen sich dieselben Ein­flüße geltend Bei einer Wärme von 30 Grad und bei Sättigung der Luft mit Feuchtigkeit hören die Tiere mit dem Eierlegen auf. Im Durchschnitt findet die Ablage der Eier alle 10 Tage statt, also in einer Häufigkeit, die eine rasche Vermehrung ermöglicht. Was die Bekämpfung dieses Schädlings betrifft, so sieht auch Roubaud in bei völligen Zerstörung der Lager der Glossinen und in einer leilweisen Abholzung bis zu dem Grade, daß den Sonnenstrahlen sicherer Zutritt zum Erdboden gewährt wird, das beste Mittel.

Kurze Nachrichten aus Kunst ir Wissen sch ast. Geheimrat Tr. Phil. Siegfried Friedländer, a. o. Professor für landwirtschaftliche Technologie in der Breslauer phito- sophischoir Fakultät, vollendet am 16. Mai das 75. Lebensjahr.

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Der letzte Ritter auf Frankrerchs Thron. Am 1 4. M a i 1610 wurde das Haus Habsburg von enter großen Gefahr befreit: sein unversöhnlicher Gegner, Heinrich IV. von Frankreich, wurde, als er an diesem Tage im offenen Wagen zu Paris eine enge Straße durckfithr, von Franz Ravaillac erdolcht. Diese Tat machte die gewaltigen Pläne des französischen Königs zunichte und gab dem Schicksal Europas einen anderen Laus. Heinrich IV. war einer der interessantesten Menschen und Herr­scher seiner Zeit: wollte man ein Schulbeispiel für Macckiavellis Fürstenspiegel finden, man konnte neben einigen Mediceern kein passenderes denn ihn nennen. Dem Streben nach der höckpttn Macht ordnete Heinrich alles Andere unter; Religionswechsel war für ifjn keine Gewissens-, sondern eine Zweckmäßig t'ecksfrage. Als Protestant (1553 in ^ain geboren, nnirbc er nach dem Tode seines Vaters schon mit 16 Jahren zum Oberhaupt der Hugenotten gewählt. Er entging dem Gemetzel der Bartholomäusnacht und kämpfte an der Spitze ber Hugenotten gegen die Liga, die sich aus den grofccn katholischen Mächten gebildet hatte. In diesem Kamps geriet er zu dem Papst in die sellsamste Stellung, die sich je zwischen einem protestantischen Fürsten und dem Oberhaupt der katholischen Kirche gebildet hat. Sixtus V., selbst ein Feuergeist und gewaltiger Machthaber, bewunderte die beiden Vorkämpfer des Änttkatholizislnus, Heinrich von Navarra (so hieß der nach­malige König damals itodj) und Elisabeth von England, aufs böd)fk. Während er öffentlich die Liga segnete, schickte er, wie sein Biogi -ob Gregorio Leti berichtet, Heinrich insgeheim Grüße und Zetel?n seiner Bewunderung; er könnt? sich nicht dazu enri schließen, die Liga gegen Heinrich zu unterstützen unb mußte von Philipp II. von Spanien, der sich päpstlicher als der Pavlt erwies, immer wieder daran gemahnt werden der Zwiespalt, in den er hierdurch geriet, hat sein Ende beschleunigt. Bald darauf^- I Trrnate* Heinrich von Navarra durch die Ermordung Herurtchs .

do..igen Stadl ä.en statt indet.

Po st ausweis karten. Für den inneren deutschen Verkehr besteht die Einrichtung der Postausweiskarten, die dazu bestimmt ist, beim Empfang von Postsendungen Weite­rungen zu vermeiden, und aus die wir bei Beginn der Retsezett besonders aufmerksam mad)cn möchten Die Karten dienen als vollgültiger Ausweis an den Postschaltern wie auch gegenüber dem Postbestellversonal. Bei der Abtragung von Postanwetsungen sowie von Wert- und Einschreibsendungen an einen dem be­stellenden Boten unbekannten Empfänger, der sich durch Vor legung einer PoslauSweiskarte ausweifen kann, bedarf es daher der sonst vorgeschriebenen Bürgschaftsleistung durch den Gast­wirt ober eine andere bekannte Person nicht. Die Postausweis- karten haben eine Photograplfie, eine kurze Personalbeschreibung unb die eigenhändige Unterschrift des Inhabers zu enthalten. Für ihre Ausstellung ist eine Schreibgebühr von 50 Ppg. zu entrichten. Anträge auf Ausstellung sind an ein Postantt Person sich unter Vorlegung einer unausgezogenen, nickt zu dunklen Photographie in Visitformat zu richten. Dem Postamt unbe­kannte Personen haben sich durch eine andere bekannte Person oder in sonst zuverlässiger Art auszuweifen. Postausweiskarten sind ein Jahr, vom Tage ber Ausstellung ab gerechnet, gültig. Postausweiskarten, währenb deren Gültigkeitsdauer im Aussehen des Inhabers solche Aenderungen eintreten, daß die Photographie oder die Personalbeschreibung nicht mehr zutrefsen, müssen schon . vor Ablaus der F-rist erneuert werden. Die in Deutschland aus- 1 gestellten Postausweiskarten werden auch im Schutzgebiete xeutw- > Südwestasrika, in Oesterreich, Belgien, Dänemark, Luxemburg, Norwegen, Schweden unb in ber Schweiz bei ber Aushändigung . von Postsendungen als vollgültige Ausweispapiere angesehen.

** Bo m Stadttheater. Der Theaterbauvermn G. m. b. H. in Gießen hat mit Direktor H. Steingoctter einen neuen Vertrag abgeschlossen, wonach dieser auf weitere 5 Jahre die Leitung unserer Bühne über- tragen erhält. In der Spielzeit vom 1. Oktober 1908 bis dahin 1909 hat Direktor Steinaoetter an Pacht für das Theater 18 800 Mk. (20 Proz. der Einnahme) abge­liefert. Die Bilanz des Theatcrbauvercins für das ab- gelaufene Rechnungsjahr schließt bei einer Abschreibung von 18 800 Mk. mit einem buchmäßigen Fehlbettag von 1.) 700 Mark ab. Die Einnahmen übersteigen also, ohne Berück­sichtigung der Abschreibungen, die Ausgaben nm 3840 Mk.

4. Lich, 13. Mai. Der im Winter gegründete Volks­bildungsverein wird jetzt seine Tätigkeit mit Eröffnung ber Bibliothek beginnen, ber von verschiedener Seite schon Geschenke zugewiesen worden sind. Auch die Geschäftsstelle des

** Vom Bertehrsverein wird uns geschrieben: Wie ein Netz spinnt sich über das Reich eine Organisation von Verkehrs-Vereinen. Man ha.t allerorten erkannt, daß man nicht ruhen darf, wenn man die Vorzüge der Heimats­stadt beim großen Publikum zur Geltung bringen will, und um nette Besucher und Bewohner zu werben. Diese Verkehrs^Vereine haben sich zu einem Bunde vereinigt, der jedes Jahr Zusammentritt, um alle gemeinsamen Fragen zu erörtern. So findet in den Tagen vom 17. bis 22 Mai in Braunschweig die diesjährige Bundesversammlung statt. Auch der Gießener Verkehrs-Verein, der besonders in den letzten Jahren, nachdem Gießen ein neues Gewand erhalten hat, eifrig wirkte, wird dort vertteten sein und zwar durch seinen Geschäftsführer Stadtv. Fr. Helm. Die Tagesordnung bietet eine Reihe interessanter Vorträge, wie:Geogr. Grundlagen des Fremdenverkehrs in Deutschland",Vereinheitlichung der deutschen Eisen­bahnen",Bedeutung der elektrischen Triebwagen für den Verkehr", zweckmäßige Herstellung und Versendung voti Karten, Planen, Prospekten und Plakaten, verknüpft mit einer Ausstellung derselben im Marmorsaale des Wilhelms- gartens. Ferner wird verhandelt über:Auskunstsstellen im Auslands", über die Vermehrung der Eilzüge usw. Alles

zu erwarten ist, daß die Besucher reiche Anregungen emp- fangen werden. Auch in Gießen sind noch zahlretche Auf­gaben zu lösen, an die freilich unser Verkehrs-Verein nur herantteten kann, wenn er bei der gesamten Bürgerschaft Anerkennung seiner Bestrebungen und reichere Unterstützung findet als seither.

** Frauenbund der Deutschen Kolonial­gesellschaft. Man schreibt uns: Frau Geheimrat Leh- mann-Marburg hielt auf Aufforderung der hiesigen Orts­gruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins am Mitt­woch, 11. Mai, einen Vortrag über den Frauenbund der Deutschen .zwlonialgesellschaft, der deutschen Frauen und Mädchen bei Einwanderung in die Kolonien Hilfe leistend und beratend zur Seite steht. Frau Lehmann verstand es, für diese nationale Aufgabe so lebhaft zu interessieren, daß sie dem Bunde durch Beitritt von Mitgliedern sogleich eine neue Ab.teiluna in Gießen gewann. Ta an­genommen wird' daß auch weitere Kreise den BesttebUngen ihr Interesse entgegenbringen, wurde eine Versammlung

Aunft, Wissenschaft nnd Leben.

Tic Zweihundertjahrfeier der Berliner Charite fand gestern statt. Wir erhalten darüber folgende Drahtnachricht:

Berlin, 13. Mai. Tic Charite beging heute vormittag die Feier ihres 200 jährigen Bestehens. Zunächst überreichte der Kultusminister mit einer kurzen Ansprcu^ eine Anmhl Ordensanszeichnungen: iobaiui gab Generalarzt Scheibe einen arickichtlich.-n :HücQmct über die Entwickelung der großen Heft- <i n ft alt. Hierauf hielt Geheimrat Kraus einen medizinischen Vertrag mit Lichtbilbervorsuhrungen. An die Vorträge schloß sich ein Runbgang der Festteilnehmcr burch die neuerbauten Raum? ber zwecken mibizinischett Klinik.

Der Mär ch en > Bech st c t n. Ludwig Bechstein, dessen Andenlen vor einem Jahre, durch Enthüllung eines Märchen- denkmals in Meiningen geehrt wurde, starb heute vor einem halben Jahrhundert,, am 14. Mai 1860. Der Vater des jetzigen Theater Herzogs", Herzog Bernhard II. von Meiningen, war ein tatfräftiger Gönner des Dichters gttvcsen, der in Weimar am 24. November 1801 das Licht der Welt erblickt batte. Ursprüng­lich zum Apotheker erzogen, durste sich Bechstein erst verhältms- mäßig spat literarischen Studren widmen, nachdem er durch seine .Sonettenkränze" im Jahre 1828 die Gunst des Meininger Herzogs erworben halte. Er erhielt die Mittel, in Leidig unb München Philosophie zu studieren, und währenb seiner Studienjahre hatte er mit seinem EposDie Haiinonskinder" einen schönen literari­schen Ersotg. Wilhelm von Ehezy, ber in München -zu seinen Freunden gehörte, gibt ein drolliges Bild von Bechstein -.aus biefer Zeit. Beckstein war damals dabei, einen Roman zu schreiben, itnb begann diese Tätigkeit, indem pr das Papier gleichartig hcfuiitt und falzte und die Blätter mit Nummern versah: ein «rstes-Pack Blatter mit einer ^römischen Eins unb arabischen Notenzahlen, eine gleiche Anzahl bann mit einer römischen Zwei und ben. gleichen Unterzahlen. So bestimmte er sich pedantisch im vornherein das gleiche tägliche Pensum, bas er,arbeiten wollte. Wenn er morgens aufstand, machte er erst ein Gedicht, bann bereitete er sich den Kaffee, bann kamen zwei Quariseiten Roman terau, unb so ging es mit pedantischer Gewissenhaftigkeit weiter Den ganzen Tag hindurch. Sein Zimmer war dabei von pein­lichster Ordnung, unb die einzige Unregelmäßigkeit, die er beging, fioai- bie, daß er, wenn ihn ein Buch fesselte, nicht zum Mittag bisch aiisging, sotrdern sich selbst £in einjaches Essen bereitete, ®u welchem Zweck er sich stets Kartofseln, Butter, Salz unb Brot M Hause hielt. Ebenso pedaMisch wie in seiner Lebensführung war Bechstein aber oujh in seinem dichterischen Schaffen: er

löefleißigte sich ber größten Treue in geschichtlicher unb örtlicher kJeziehung. Freilich behauptet Ehezy, er habe es mit entfernteren »Gegenden nicht immer so genau genommen, und es soll einmal

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er die alte habsburgische unterjochen wollte. In ber Erinnerung des französischen Volkes lebt berlustige König" nicht sowohl um seines bekannten Wortes willen sott, baß m feinem Lande am Sonntag jeder Bauer fein Huhn im Topf haben solle, als in feiner Eigenschaft als ro i galan fromme, ein Ruhm und ein Bei­name, den ihn von späteren Herrschern nur noch Viktor Emanuel II. streitig machte. Heinrichs Reckerstandbild schmückt feit einem Jahr­hundert den Pont Neuf in Paris.

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Aus Sem hejsijqen Zinanzausjchutz.

B B. Darmstadt, 13. Mai Im Finanzausschuß her Zweiten Kammer kam beute die eingehend begründete Vorstellungder Aktuare Distel, Jullmann, Kaiser und Weimar zur Beratung, in welcher bie Genannten das Ersuchen an die ?tammcr stellen, sie möge der Regierung die Mittel an die Hand rieben, bie am 21. Mai 1901 erlassenen Bestimmungen zur B e - solbungsordnung in dem Sinne an'uwenden, daß den Bittstellern die gleiche Gehaltszulage als Gehalt bewilligt wird, die guck einem erst später angeftcllten Beamten zu Teil wurde. Abg. Dr. Gutfleisch, ber über die Sache Bericht erstattete, bean­tragte, die Vorstellung als gercchttertigt zu erllären und die Re­gierung zu ersuchen, der Bitte Folge zu geben.

Der Ausschuß beschäftigte sich sodann eingehend mit dem Gesetz rntrourf, betreffend die Abänderung des Fürsorge- kassengesetzes. Tie Vorlage beantragt die Abänderung ber Art 3, 15, 18, 25, 37, 54, 55 unb 58 des Gesetzes unb bezweckt, euch einer Reihe von Perioncnklasscn ein Beitrittsrecht zur Für- sorgekassc zu gewähren, die dieses bisher nicht besaßen. -Lad Ministerium des Innern soll das Reckt erhalten, nach Anhörung des Verwaltungsrats der Fürsorgekasse weiteren Personenklasscn dieses Beitrittsrecht einzuräumen, die zumeflt mit entsprechenden Vorstellungen an die Regierung herangetreten sind. Dafür kommen rach ber Darlegung ber Regierung besonders in Betracht: Tie Beamten und Bediensteten der dcr Zentralstelle für die Gewerbe n nterstehenden gewerblichen Unterricklsanstalten, die Beamten und Vfebinrftrien ber land- und forsUoirtschaftlichen Berrifsgenossenschaft, die Lehrerinnen der Alcke-Jndustricschulen und solcher Frauen- rrbecksschulen, die nach Art der Alice-Jndustrieschulen organi­siert sind, die Beamten unb Bebiensteten solcher rechtsfähigen Der- eine, die sich der Krankenpflege widmen, die OrtsgerichtSvorsteher, diirf) wenn sie bad Amt eines Bürgermeisters nicht versehen, und endlich die Beigeordneten ber Landgemeinden. Ter Ausschuß, i:i dem Abg Tr. Osann ausführlichen Bericht darüber er­stattete, stimmte darin überein, oiefe Personenklasien nicht einzeln im Gesetz aufzusühren, sondern der Regierung dafür einen größeren Spielraum zu überlassen. Weiter wird in ber Vorlage statt ber bisherigen einen entscheidenden Instanz noch eine zweite geschaffen. Es hat sich nicht als zweckmäßig erwiesen, daß in den in Art. 54 d. > Gesetzes erwähnten Fällen der Verwaltungsaerichtshof^ in erster und letzter Instanz entscheidet, da es sich vielfach um Tat­fragen bandelt, die zweckmäßiger durch den Provinzialausschuß geklärt werden. Es sollen deshalb 3 m e i Just anzen eingesetzt merbeti; brr Vciwaltungsgerichtshvs soll, entsprechend der Rege­lung im Entwurf des Berwaltungsrechtspflegegesetzes, in zweiter Tnstanz als Berufungsgericht entscheiden und als erste Instanz ivr Provinzialausschuß entscheiden. Diese Aenderungen wurden ron; Finanzausschuß genehmigt.

Die nächste Sitzung des Ausschusses findet am Mittwoch rach Pftiigsten statt. ES findet die Fortsetzung der Beratung Laicr die Gemeinden m lagenreform unb speziell über die Gewerbesteuer gemeinsam mit der Regierung statt. Die Beratung im Ausschuß soll so beschleunigt werden, daß die aanze Sorlage im Herbst von der Kammer beraten unb verabschiedet urrbciT kann______________________________________________________

Deutscher Turnlehrertag.

R.B. Darmstadt, 13. Mai.

Der 17. allgemeine deutsche Turnlehrertag hat r. eitern abend mit einem zahlreich besuchten Bearüßungsabend im Taisersaal feinen Anfang genommen. Heute früh sand zunächst unter Vorsitz des Prof. Tr. Ko hl rausch eine V erriet erver- fammtung statt, an ber 165 Vertreter aus allen Teilen Deutschlands, auch weibliche, teitnahmen. Nachbarn der Vorsitzende b.-nt früheren Vorsitzwiben, Turninspektor Böttcher für seine Amtsführung Tank ausgesprochen hatte, wurde der geschäftliche Teil erledigt unb ber Jahresbericht unb Kassenbericht oorgeiragen. Bki ber Vorstandswahl wurde Direktor Dr. Diebow von ber Landes-Turnanstalt in Berlin einstimmig jum ersten Vor- itbcnben gewählt. Um 11h.. Uhr begann die allgemeine Vn> inntmlung imKaisersaal", zu ber sich zahlreiche behörbliche Ver­treter emgefunben hatten. Prof. Tr. Kohlrausch begrüßte iramentlich die staatlichen und städtischQt Vertreter und die Lehrer­schaft. Er warf bann einen kurzen Rückblick auf die Geschickte rnb die Erfolge des Deutschen Turnlehrervereins und gedachte warn ent lich der VerdiiUlste des unvergeßlichen Adolf Spieß, der f in Hesse war und in Darmstadt seine letzte Ruheftätte fand. Daraus hieß namens des Ministeriums des Innern und ber

Nr. 111 Zweites Blatt 160. Jahrgang Samstag 14.Mai191v

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