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15/06/1910 Erstes Blatt
 
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hak beenden zu. lassen uni> in der Stichwahl, deren Er- sgebnis niemand mit Sicherheit Voraussagen kann, keine Gemeinschaft mit dem Umsturz zu machen. Etwa 5000 Wähler haben von ihrem Stimmrecht keinen Gebrauch ge­macht! Sie müssen nun zur Wahlurne gebracht werden, tund wenn sie aus Mangel an parteipolitischem Interesse bei der Haupt wähl gefehlt haben, so müssen sie bei der Stichwahl ihrem nationalen Pflichtgefühl folgen! Es wäre gut gewesen, wenn die bürgerlichen Parteien schon vor der Hauptwahl sich hätten einigen können. Wie die Sache aber Durch die Schärfung der Gegensätze sich gewendet hat, ist es vielleicht gut, daß es jetzt zur Klärung gekommen ist. Der Vertreter des vorzugsweise landwirtschaftlich inter­essierten Wahlkreises Friedberg-Büdingen muß ein durchaus landwirtschaftsftcundlicher, allem demokratischen Linkslibe­ralismus abgewendeter Mann sein! Damit müssen sich alle auf nationalem Boden stehenden Elemente abfinden. Sonst geht der Wahlkreis an die Sozialdemokratie ver­loren, und wenn diese ihn einmal besitzt, wird man ihn ihr nicht leicht wieder abringen können. Wenn das Bei­spiel in Friedberg-Büdingen auf die hessischen Verhält­nisse beruhigend und versöhnlich einwirkt, so ist der 14. Juni kein Tag der Trauer und des Verzagens gewesen. Der Liberalismus, wie ihn ein Mann wie Prof, van Calker vertrat, hat einen großen Rückhalt, mit dem gerechnet werden muß. Möchte die bevorstehende Stichwahl der natio­nalen Sache zu einem entscheidenden Siege verhelfen! Damit würde dem Ansehen des Liberalismus zweifellos besser gedient werden als mit einem Abmarsch ins sozialdemo­kratische Lager.

Die Antwort der Vatikans.

Ueber den Verlauf und das Ergebnis der diploma­tischen Aktion, die wegen >-es Borromäüs-.Hirtenbriefes ein­geleitet worden ist, macht dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" folgende Mitteilung:

Am 6. Juni war dem preußischen Gesandten beim Vatikan telegraphisch die Weisung erteilt worden, dem Kardinal-Staatssekretär eine Note ;u übergeben, worin die preußische Staatsregierung aus den in der Erklärung des Ministerpräsidenten namhaft gemachten Gründen gegen die auch an das preußische Episkopat gerichteten Kundgebungen der Enzyklika Verwahrung ein legt. Zugleich weist die Staatsregierung darauf hin, daß die Verantwor­tung für die Störungen des konfessionelen Friedens, welche die Folge des Rundschreibens sind, allein diejenige Stelle trifft, von der es ausgegangen ist. Dies glaubt die preußische Regierung, die beim apostolischen Stuhl im Interesse guter Beziehungen Mischen Staat und Kirche eine diplomatische Vertretung unterhält, durch ihren Ver­treter mit um so größerer Berechtigung aussprechen zu können, als sie ihrerseits, treu ihren verfassungsmäßigen Aufgaben, bestrobr ist, mit altem Ernst und allen Mitteln ,die Wahrung und Festigung des Friedens zwischen der evangelischen und katholischen Bevölkerung des Staates zu fördern.

Der Gesandte führte den Auftrag am 8. Juni aus. Er sprach dabei, der ihm erteilten Instruktion gemäß, die bc- .stimmte Erwartung aus, daß die päpstliche Kurie Mittel und Wege finden werde, die geeignet wären, die aus der Veröffentlichung der.Enzyklika sich ergebenden Schäden nach Möglichkeit zu beseitigen. Insbesondere müßten wir erwarten, daß die Enzyklika in den deut­schen Diözesen weder von der Kanzel verkün­det noch durch die bischöflichen Verordnungs­blätter veröffentlicht würde.

Am 11. ü. M. ist dem Gesandten amtlich erklärt worden, daß der Papst bereits den deutschen Bischöfen den Befehl gegeben habe, eine solche Verkündigung oder Ver­öffentlichung zu unterlassen. "Am 13. d. M. hat die Kurie dem Gesandten eine vom Kardinal-Staatssekretär unterzeichnete Note behändigt, in der es im Hinblick auf die Erregung der preußischen Bevölkerung heißt:

Der heilige Stuhl glaubt, daß der Ursprung dieser Erregung darauf zurückzusühren ist, daß der Zweck ni ch t richtig erkannt wurde, worauf die Enzyklika gerich­tet war, daß daher einige ihrer Sätze in einem Sinne ausgelegt worden sind, der den Absichten des Heiligen Vaters völlig fremd ist. Es liegt daher dem unterzeichneten Kärdinal daran, zu erklären, daß Seine Heiligkeit mit wahrem Bedauern die Nachricht von einer solchen Erregung vernommen hat, da, wie schon öffent­lich formell erklärt ist, irgendwelche Absicht, die Nicht­katholiken Deutschlands oder dessen Fürsten zu kränken, seiner Seele ganz und jar ^ern lag. Der Heilige Vater hat übrigens niemals die Gelegenheit Vorbeigehen lassen, seine aufrichtige Achtung und Sympathie für die deutsche Nation und ihre Fürsten zu bekunden; er hat noch bei einer kiirzlichen Gelegenheit die Freude gehabt, diese seine Gefühle zu wiederholen."

Die Antwortnote des Papstes sagt nicht viel mehr als die bekannte Veröffentlichung imOsservatore Romano". Gut ist es, daß bic Veröffentlichung von den Kanzeln herab und in der Presse unterbleibt. Freilich, in großem Eifer haben einige Zentrumsblätter den Zündstoff bereits ab­gelagert. Selbstverständlich wird die bedauerliche Tatsache nicht aus der Welt geschafft, daß im Vatikan ein sehr un­duldsamer Geist weht.

Leipzig, 14. Juni. Die Universität Leipzig scmdtc^an den König ein Telegramm, in dem sie ihrer Freude und Dankbarkeit für die Stellungnahme Sr. Majestät in der Angelegenheit des Hirtenbriefes ausdrücktc.

Zürich, 14. Juni. Die 66. Jahresversammlung der schweizerischen P r c d i g e r g e s e l l s ch a f t nahm einstim­mig eme Entschließung an, welche gegen den Hirtenbrief Wider­spruch erhebt, und ihn einen unverantwortlichen An­griff auf den konfessionellen Frieden nennt. Am Zwinglidenkmal wurde em Kranz nicdergclegt und eine Feier veranstaltet.

Erklärungen im preußischen Herrenhaus-

:: Berlin, 14. Juni.

Vor Eintritt in die Tagesordnung des Herrenhauses wurden zwei Erklärungen zum Borromäus-Hirtenbries abgegeben.

Graf v. Ziethen-Schwerin: Meine Herren! Eine tief­gehende Erregung ist in der evangelischen Bevölkerung von ganz Deutschland, insbesondere unseres preußischen Vaterlandes, her- vorgerusen durch die Borromäus-EnzyNika des Papstes. Ein Sturm der..EntrüsMng hat sich erhobest über die Schmähungen,

welche die Enzyklika ausspricht über die Rejormatron und ihre Urheber, über die Fürsten und Völker, die sich der Reformation! angefchlvssen haben. Ich würde in Uebereinstimmung mit meinen Freunden es für notwendig gehalten haben, eine förmliche Be­schlußfassung des Hohen Hauses über diesen Vorgang herbeizu-- führcn. Allein im Hinblick auf die vom Präsidenten des Staats­ministeriums im anderen Hause abgegebene Erklärung und mit Rücksicht aus die Geschäftslage des Landtags beschränke ich mich darauf, diese päpstliche Kundgebung, die unter Nichtachtung der geschichtlichen Tatsachen eine schwere Verunglimpfung der evan­gelischen Bevölkerung enthält, und die geeignet ist, den von uns erstrebten und dem Vaterlande notwendigen Frieden unter den Konfessionen zu stören, auf das Entschiedenste zurückzuweisen. Ich bin hierbei der Zustimmung der überwiegenden Mehrheit dieses Hohen Hauses gewiß. (Lebhafter Beifall.'

Frhr. v. Landsberg erwiderte: Die Erklärung des.Herrn Grafen Ziethen-Sck>werin hat auch mich veranlaßt, das Wort zu nehmen. Sie werden es begreifen, wenn ich als Katholik ich kann nicht im Namen der katholischen Mitglieder des Hauses sprechen, aber ich glaube doch, der Zustimmung der überwiegenden Mehrzahl derselben mich versichert halten zu können, wenn ich gegen diese Erklärung in manchen Beziehun­gen Verwahrung einlegen muß. Ich kann nicht zu­geben, daß in dieser Enzyklika Schmähungen und Verunglimpfungen enthalten sind, und ich muß gegen diese Worte in der Erklärung des Grasen Ziethen-Schwerin meine entschiedene Verwahrung ein­legen. Ich begreife es andererseits wohl, daß der Wortlaut der Enzyklika zu einer Erregung der evan­gelischen Bevölkernng in Preußen Veranlas­sung gibt. Die Tatsachen sprechen ja dafür, überdies haben wir es ja gehört aus der Erklärung des Herrn Grasen Ziethen^ Schwerin. Wir sind allerdings der Ueberzeugung, daß die Enzy­klika ein rein kirchlick>e Angelegenheit ist, aber wir teilen auch das Bedauern, daß durch den Wortlaut derselben eine derartige Erregung in der evangelischen Bevölkerung eingetreten ist: und wir würden das umsomehr bedauern, wenn dadurch irgend ein Zwiespalt zwischen der evangelischen und der katholischen Be­völkerung entstehen sollte. Graf Ziethen-Schwerin hat es ja auch bereits hervorgehoben, aber ich möchte es auch nicht un­erwähnt lassen, daß es umsomehr das Bestreben sein wird, wie bisher nach allen Kräften für konfessionellen Frieden zu wirken. (Lebhafter Beifall.) Wenn in irgend einem Lande, ist es für uns in Deutschland ein dringendes Erfordernis: der Zustimmung hierzu darf ich von allen Seiten mich versichert halten. Aber das hindert mich doch nicht, daß ich als Katholik gegen diese Kritik der Enzyklika Verwahrung einlegen und die bestimmte Erklärung abgeben muß, daß wir als Katholiken dieser Erklärung des Herrn Grafen Ziethen-Schwerin unmöglich zu- ftimmen können. Herr Graf Ziethen-Schwerin hat betont, daß er eine Interpellation nicht embringen könne mit Rücksicht auf bic im anderen Hause stattgefundenen Verhandlungen. Sie wissen, daß auch Verhandlungen in Rom im Gange sind, und ich hoffe auch noch, daß sie weiter zu einer fried­lichen Auslegung der Enzyklika Veranlassung geben werden, wie wir überzeugt sind, daß sie nicht anders beabsichtigt war. Ich bitte Sie also, diese meine Erklärung auch üon_ allen Seiten wohlwollend aufzunehmen und anzuerkennen, daß wir als Katholiken der Erklärung des Grafen Schwerin nicht zu- stimmen können, aber uns vollständig dem Wunsche anschließen, den konfessionellen Frieden nach Möglichkeit zu wahren. (Beifall.)

Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten.

Deutsches Reich.

Der Präsident des Deutschen Handelstages, Kaempf, richtete an den früheren Staatssekretär des Reichs- kolonialaints, Dernburg, ein Telegramm, in dem unter anerkennenden Worten das Bedauern darüber ausgedrückt ivird, daß Dornburg sich veranlaßt gesehen hat, aus der Reichs­verwaltung auszuscheiden.

Wie dieBerliner Korrespondenz" meldet, tritt der vom Kriegsminister einberufene Ausschuß zur Untersuchung der Ursachen, die zum Unglücksfall des Luftschiffes Z II" führten, am 18. Juni zur mündlichen Verhandlung zusammen.

Ausland.

Im englischen Unterhaus legte Schahkanzler Lloyd George eine Botschaft des Königs vor, in der auf die Notwendigkeit einer Revision der Zivilliste hingewiesen und verlangt wird, daß eine besondere Vorsorge getroffen werden soll für die Königin Mary in dem Falle, daß sie den König überlebt, und für die jüngeren .Kinder des Königs bei ihrer Großjährigkeit oder Heirat. Die Botschaft teilt ferner mit, daß der König nicht beabsichtige, von dem Hause eine Apanage für den Prinzen Eduard zu verlangen, da die Einkünfte des Herzog­tums Eornwall ausreichend feien für seinen Unterhalt. Aber im Fall der Verheiratung des Prinzen wünscht der König, daß für seine Gemahlin entsprechend gesorgt werde. Asquith legte gleichfalls eine Botschaft des Königs vor, welche eine Bestim­mung für eine eventuelle Regentschaft empfiehlt. Die erste Lesung des Gesehentwurfs betreffend die Ausdehnung des par­lamentarischen Wahlrechts auf die Frauen zu denselben Be­dingungen wie bei den Munizipalwahlen wurde formell ange­nommen. Es ist keine Aussicht vorhanden, daß der Geseh- entwurf in dieser Session erledigt wird.

Aus Stadt uud Laud.

Gießen, 15. Juni 1910.

Herein mit der Sonne.

"So wichtig, wie frische, reine Luft ist auch der Sonnen­schein. Er muß gerade so, wie die frische, reine Luft in imsere Wohnräume eingelassen und nicht durch schwere, dichte Vorhänge ausgeschlossen werden. Im Sonnenstrahle vermögen keine Kiankheitskeime aufzukommen; die gedeihen nur im Schatten und in der Dunkelest. Der Sonnenschein reinigt, er hält Schimmel und Feuchtigkeit von den Wänden, Trübsinn, Medergedrücktheit und Krankheiten ab. Er sollte nach jedem Teil und jedem Winkel unserer Wohnungen eingelassen werden und überall und jedesmal willkommen sein! Der Sonnenschein ist ein kräftiges Vorbeugungs­mittel gegen alle Unordnung und Störungen, die stets be­schattete und dumpfe Plätze im Wohlbefinden der Menschen verursachen. Er bringt Gesundheit und Frohsinn, wie sie aus keiner anderen Quelle erlangt werden können. Er ist das der Natur eigene Mittel, Gesundheit zu spenden, das durch nichts anderes ersetzt werden kann. Dor Sonnenschein mag Vorhänge, Polsterung an Möbeln ober Teppiche um ihre Farbe bringen, aber er färbt dagegen die Wangen 'der Bewohner auf gesunde Weise, macht ihre Augen Heller und ihren Schritt elastischer. Das immer fest geschlossene und mit dichten Vorhängen beschattete Fenster mag dem Zimmer einen Reichtum von Farben verleihen, cs wird dafür aber auch den Bewohnern bleiche Gesichter und Schwäche geben. Und der Sonnenschein, dieses herrlichste Gesundheitsmittel, ist jedem zugänglich, ist leicht zu erhalten und kostet nichts. Also herein mit der Sonne!

*

" Vom Großh. Hofe. Der Großherzog und die Groß Herzogin begaben sich n. d.Darmst. Ztg." Nach­mittag mit dem Erbgroßherzog und dem Prinzen Ludwig von Station Groß-Gerau aus nach England und nehmen einen längeren Aufenthalt in dem Seebad Filey (Port). Im Gefolge desinden sich Hofdame Freiin von Notsmann

und Flügeladjutant Nittmeister Freiherr von Massenbach. Die Hofhaltung zu Jagdschloß Wolfsgarten wird vom 15. d. Mts. an aufgehoben.

* * Legationssekretär. Der (Erb graf zu Schlitz ist nach Mlegung des diplomatischen Examens 2um Legationssekretär bei der Deutschen Gesandtschaft in Christiania ernannt worden.

* * Bahnpersonalien. Die unkündbare Anstellung wurde dem Lokomotivführer Friedr. Bender zu Laubach verliehen.

* * Lehrerpersonalien. 11 übertragen wurde dem Lehrer Joh. Zahn zu Bürstadt eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Oppenheim.

* * Prüfung int Finanzfach 2. Kategorie. Ter am 14. und 15. Febr. abgehaltenen speziellen Prüfung der 2. Kategorie int Inuaitzfach haben sich 30 2 Prüf­linge unterzogen. Bon diesen bestanden die Prüfung mit der Notesehr gut": 2, mit der s)lotegut": 24, mit der Note:bestanden": 212 Prüflinge, während 64 die Prüfung nicht bestanden haben.

* * 25. Stiftungsfest der Arminia. Die Bur­schenschaft Arminia gilt in den ihr nahestehenden Kreisen, zumal in dem Allgemeinen Deutschen Burschenbund, dessen Präsidierende sie im verflossenen Geschästsjahr gewesen ist, nicht nur als treue und e.feige Verfechterin der ucub ursch en- schaftlichen Grundsätze, sondern auch als eine Korporation, die Feste zu feiern versteht. Bei der Feier ihres 25jährigen Bestehens ist sie bestrebt gewesen, sich des alten guten Rufs würdig zu erweisen, ihn zu wahren und womöglich zu mehren. Vielleicht darf man fcftftcKeit, daß ihr das ge lungen ist: jedenfalls waren die Vorträge beim Dis - kussionsab end, die Reden beim Festkonvent und Festkommers von hohem Ernst getragen, und ein Hauck) von echter Begeisterung für edle Ziele durchwehte alle Ver­anstaltungen; aber auch Frohsinn und Scherz kamen zu ihrem Recht besonders am Sonntag auf dem Glei­berg, wo sich in den Ruinen und in den prächtig ge­schmückten Räumen der Burg ein überaus munteres Leben und Treiben entwickelte und am Montag bei der N a ch f c i er (Gießer Frühschoppen und anschließend Italienische Nacht" stand auf dem Festprogramm) auf der Pulvermühle, bei der sich die reizvoll gelegene alte Student en kneipe als Hüterin feuchtfröhlicher Traditionen erwies. Wen der Ver­lauf des Festes im einzelnen interessiert, der wird Gelegen­heit haben, sich damit vertraut zu machen aus *ber für den eigentlichen Stiftungstag, den 26. November, vorbereiteten Festschrift: Arminia 25 Jahre neliburscheisschaftlichen Stre­bens. Sie wird u. a. den Wortlaut aller Reden enthalten, so den der besonders erwähnenswerten großzügigen Festrede von Pfarrer G. Weißgerber-Darmstadt und der Ansprache des Rektors der Landesuniversität.

** Die Operettenvorstellungen haben nach einer kurzen Unterbrechung gestern wieder begonnen und zwar mit einer guten Darstellung derFrühlingsluft" durch die Mitglieder des Bad-Nauheimer Kurtheaters, die nun bis zum Schluß der Operettenzeit den Spielplan bestreiten iverdcn. Der erste Eindruck, den die Künstlerschaft machte, war recht günstig und läßt für die kommenden Aufführungen die schönsten Erwartungen berechtigt erscheinen. Durch die geschickte, auf das Wirksame bedachte Regie Herrn. Nordens mar die alte Frühlingsluft angenehm aufgefrischt worden und ivehte den Zuschauern, die sich anscheinend aufs beste unter­hielten, lustig um die schmunzelnden Mienen. Die paar reizenden Liedchen, die das Werk enthält, wurden lebhaft beklatscht und mußten teilweise wiederholt werden, namentlich die von Grete Brill (Hanni) ausgezeichnet vorgetragenen Gesänge, Auch das von ihr und Fritz Seybold (Hilde­brandt) vorgeführte Niggertänzchen mußte wiederholt werden. Ueber eine schöne, glanzvolle Stimme verfügt Else Rosar ita, die die Emilie mit Geschmack und Grazie fang. Hans Wernert als lebenslustiger Rechtsanwalt machte ebenfalls einen recht günstigen Eindruck. Bon unseren heimischen Darstellern sind Lore Scholz (Apollonia), Herrn. Norden (Vinzenz) und Karl Volck zu erivähncn. Die niusikalische Leitung wurde von Alfons Mourot flott und sicher durchgeführt. -1.

** Strafverfahren gegen Jugendliche. Das hessische Ministerium der Justiz hat ein Äusschrcibcn, bett, das Strafverfahren gegen Jugendliche, erlassen. Es emp­fiehlt den Gerichten bei der Vornahme neuer Geschäfts­verteilungen darauf zu achten, daß dem Jugendgericht auch solche Fälle überwieien werden, in denen Jugendliche als Verletzte auftreten wie z. B. gesetzwidrige Ausbeutung der Arbeitskraft Jugendlicher, Mißhandlungen 'derselben, Ver­leitung zum Bettel usw. .Hierdurch wird der Jugendrichter als Vormundschaftsrichter leichter in die Lage gesetzt, zu prüfen, ob und inwieweit Maßnahmen zum Schutze des geiftigen und leiblichen Wohles der Jugendlichen geboten erscheinen.

** Der Hessische Landesvercin vom Roten K r e u z gibt den Rechenschaftsbericht über die Vcr- einstätigieit im Jahre 1909 heraus. Die finanziellen Ver­hältnisse haben sich gegen das Vorjahr nicht wesentlich ge­ändert. Aus den Ziffern der Rechnung für 1909 ist an­zuführen, daß 1909 für Invaliden 4765 Mark und für Hinterbliebene 610 Mark, zusammen 5375 Mark, aus gegeben wurden. Tic Sedankollektc betrug 633,6.3 Mark, die Bei­träge von Sparkassen 485 Mark. Tic freiwilligen SanitätS- kolonnen haben sich vermehrt und ihre Mitgliedcrzahl bat sich vergrößert; 6 neugegründeten (Erbach i. O., Baben­hausen, Groß-Umstadt, Tieburg, Reinheim, Groß-Bieberau) ist bis jetzt das Recht zum Gebrauch des Roten Kreuzes noch nicht verliehen; bereits berechtigt sind: 19 freiwillige Sanitätskolonnen v. R. Kr.: Tarmstadt (mit Arheilgen, Nieder-Ramftadt und Roßdorfs Bensheim, Groß-Gerau, Heppenheim, Kelsterbach, Offenbach mit Bürgel, Rüssels­heim, Gießen, Bad-Nauheim, Friedberg, Alzey, Bingen, Büdesheim, Budenheim, Gonsenheim, Mombach, Nieder-Jngelheim, Meder-Olm und.Worms, mir im ganzen 779 Mitgliedern. Hiervon sind für den Kriegsfall ge­eignet und bereit zum Transportdicnst für das Etappen­gebiet 231 Mitglieder, für das Heimatgebiet 290; ate Pfleger fin: das Etappengebiet 29, für das Hcimatgebiet 16. Ferner 4 Krieger-Sanitätskolonnen v. R. Kr.: Butzbach, Mainz (Kriegerverein, Veteranenverein) und Oppenheim, mit im ganzen 254 Mitgliedern. Hiervon sind geeignet und bereit zum Transportdienst für das Etappengebiet 6 0 für das Hei- matgebiet 132, als Pfleger im Etappengebiet 4. Dem Verein ist im Berichtsjahre eine neue Aufgabe Leworden: die Or­ganisation von Verband- und Erftiichungsstcllen, die m Alzey, Babenhausen, Bad-Nauheim, Bingen, Butzbach, Tarm­stadt, Friedberg, Gießen, Groß-Gerau, Heppenhemr, Mainz, Offenbach und Worms für den Fall eines Krieges vorgesehen sind. Ter Bericht schließt mit Dank an alle, die in dem verflossenen Jahre das Merk des Roten Kreuzes