Ausgabe 
15.6.1910 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfatzt 10 Seilen.

Dr. Z.

hinaus ihre Bedeutung.

große Menge von verkehrspolittschen und städtebaulichen Aufgaben gestellt. Tie Frankfurter werden noch viel zu tun haben, um1

sei

dheüner Str. 42

Allerlei von GrotzHranksurt.

(Eine internationale Ausstellung und warum sic keinen Erfolg hat. Ein wissenschaftlicher Empfangsabend. Der Universitäts­gedanke.)

Lange genug hatte sich Frankfurt begnügt, das überkommene Erbe der Väter sestzuhalten, und hatte bic neuen Ideen, die dräuen in der Welt rumorten, keinen Einlaß gewahrt. Leute aber ist kein Zweifel mehr, daß die modernen Gedanken, nachdem die Land des Oberbürgermeisters erst einmal Bre,che m das A te gelegt hatte tim wörtlichen Sinne, durch den Abbruch der Alt­stadts mit iedem Jahr neuen Boden gewinnen Aber^nun muß man vielleicht befürchten, daß die moderne Epoche ^rankfurb-' allzuschnell vorwärts rückt,,ehe der Boden genügend bereitet ist, und ehe die notwendigen Kräfte vorhanden lind, um die neuen Ideen mit Umsicht und Energie durchzuführen. Die Energie des Oberbürgermeisters drückt wohl die Proiekte durch, die Frank­furts großstädtische Entwickelung fördern sollen, aber wenn es an die praktische Durchführung der Gedanken geht, dann steht man erst, wie stark noch die alte retchsstadttsche Ovvositton t,t und wie schwer es den wenigen modernen Kopien ist, sich.tnrrchzu- seken In den alten Familien, aus denen immer wieder die Männer an der Spitze" genommen werden, herrscht zwar sehr viel Arbeitswilligfeit und Idealismus, aber es fehlt nur zu olt die lebendige Kenntnis der realen Welt, die Fühlung mit der Wirklichkeit und mit dem eigentlichen Volksleben. Da- hat sich wieder einmal in der Organisation der Internationalen Sport- und Svielausstellung gezeigt. Mit Äingebung und Pflichtgefühl haben die Lerren, die den Plan der Ausstellung entworfen haben, heb den ehrenamtlich übernommenen '^weren Verpflichtungen unterzogen, aber m der Emzelorganiiatton haben sie keine glückliche Land gehabt, haben Jemen teichtben^glichen und einheitlich geleiteten Organismus geschnften, haben es nicht verstanden, genug und die richtigen Aussteller herMizusiehen, haben vielen wichtigen Persönlichkeiten vor den Koyl gestoßen u. mit einem Worte nicht die Land am Pulse der Zett gehabt. Und so ist denn eine Ausstellung zustande gekommen die leider iw hoch tm Maße unpopulär ist in Frankfurt. Es nutzt nichts darüber zu schweigen: die Ausstellung wurde bis letzt rn beschämend Weise vom Frankfurter Publikum gemieden. Ich We: m ve- schämender Weise, denn in den Nachmittags- und Abendstunden ist die Ausstellung mit ihren Cafes und Restaurants und einigen Vergnügungsetablistements ein ganz amüsanter Aufenthalt, und sie würde noch viel amüsanter sein, wenn die Frankfurter lokat- patrimischer wären und recht zahlreich erschienen: denn was den Besuchern, die sich am Abend einfinden, lMigweilig ist, da» ist die geringe Menge von Publikum, nicht die geringe per

gebotenen Zerstreuungen. Wäre es voller, so wäre es ganz von elbst lustig. Ader freilich, ein solcher Riesenplatz beim schönsten Wetter nur von ein paar hundert Menschleinbelebt", so etwas verstimmt und macht gähnen. Langsam beginnt es fa, nachdem die Leitung allmählich die richtigen Ursachen des Miß­erfolges erkannt hat und Abhilfe zu schäften sucht, etwas bester zu werden und einige Jlluminationsabende waren leidlich gut besucht. Aber für den eigentlichen Ausstellungszweck, für die Ausstellung in der Festhalle und für die sportlichen Einzel- veranstaltungen, ist das Interesse sehr gering. Das ist nun nickst sehr zu verwundern. Denn in der Lalle gibt es überraschend wenig Sehenswertes und Originelles, von dem Mangel der Internationalität ganz zu schweigen. Man sieht sehr viel was nicht da ist und viel zu viel, was nicht da sein sollte. Die Lalle ist viel zu groß und es zeigt sich wieder einmal, rote Einsichtige bei der Erbauung des Millionenbaues ost genug warnend betont haben, als wenig für Ausstellungszwecke geeignet. Man hat sehr viel Mühe angewendet, um sie wenigstens einigermifeen füllen zu können. Wenn man aufzählen will, was wirklich sehenswert ist, so hat man nach Besichtigung der schönen Iagdtrophaen und,der zahl­reichen silbernen und goldenen Ehrenpreise, die von erfolgreichen Svortsleuten zur Schau gestellt sind, nicht mehr allzuviel zu sehen Die sportlichen Vorführungen aber, die fast täglich ftattfinden, haben auch nur selten so allgemeines Interesse, daß sie die Zuschauermassen herbeilockten. Unser Lpvrt ist vorläufig in den meisten Fällen mehr Sache derupperten", die das nötige Geld und die nötige Zeit zur Ausübung haben, old eine nationale Anoelegenhett wie in England. Daher ist der Kreis der Zu­schauer bei den Fecht-, Schieß-, Lawn-Tennis-Kämpfen immer nur im Verhältnis klein. Auch die olympischen Spiele, die eigent­lich für jedermann von Interesse sein sollten, hatten feine Massen herangelockt, und wir glauben nicht, daß Prinz Heinrich und der Groß Herzog von Lessen, die den Spielen beiwohnten, mit imponierenden Eindrücken geschieden sind. Am meisten Gewinn von dem bisherigen Mißerfolg der Sportausstellung hat die vor­jährige Ausstellung, die vielen mit einem Male als em glanzender Erfolg erscheinen will.

Mit dieser Veranstaltung einerIn fern ati o na l e n Aus­stellung für Sport und Spiel" hat also Frankstirt sich einet mo­dernen großstädtischen Aufgabe noch nicht gewachsen gezeigt, -ta* ist aber natürlich kein Grund, überhaupt an einem zukünftigen Groß-Frankfurt zu zweifeln. Es liegen in der nächsten Zukunft eine Anzahl von wichtigen Aufgaben, die gelöst wewen müssen, wenn die Stadt nicht schwere Schicksale auf sich laden will Die Eingemeindung von 11 Vororten, die notwendig war und im richtigen Augenblick erfolgt ist, hat der L-tadt z B. eine

trat 50 Stimmen, 14 mehr als 1907, und die beiden anderen Kandidaten brachten nur 22 (van Calker) und 7 (v. Helmolt) auf. Dem bündlerischen Kandidaten kam der erste freudige Wahlsieg aus Reichelsheim in der Wettcrau. 140 v. Helmolt, 44 Busold, 28 van Calker. Für Oriola waren dort 1907 148 Stimmen abgegeben worden. Auch in Hoch-Weisel sind die frülseren Wähler Oriolas zum größeren Teil dem Bund der Landwirte treu geblieben. In Ober-Wöllstadt gab es keine Heber» raschungen: Der Sozialdemokrat brachte nicht viel Stimmen mehr als im Jahre 1907 auf, und die früheren Wähler des Antisemiten Bähr wählten diesmal den Bündler.

Die Summe der ersten 2 0 Ergebnisse, die uns ge- meldet wurden, ließen dem bündlerischen Kandidaten mit 979 Stimmen den Borsprung, dann folgte Busold mit 939, van Calker mit 385 Stimmen. In Ober-Mockstadt ist er­freulicherweise die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen von 41 auf 28 zurückgegangen, Ostheim bei Butzbach ließ dagegen den Sozialdemokraten voranrücken, die bürgerlichen Kandidaten im Hintertreffen. Bemerkenswert ist das Er­gebnis in Rieder-Weisel. Dort haben im Jahre 1907 280 Wähler für Oriola gestimmt. Die diesmalige Trennung ergab 195 für v. Helmolt, 86 für van Calker. Von den 87 Wählern Oriolas in Dorheim sind 69 für v. Helmolt und 25 für Dan Calker eingetreten. In Lindheim machte sich ein Zug nach links bemerkbar. Die bürgerlichen Stimmen gingen zurück, der Sozialdemokrat rückte vor, und van Calker gewann vor v. Helmolt den Vorsprung.

Der weitere Verlauf zeigt ebenfalls keine Aufsehen erregenden Ueberraschungen. Um 8.30 Uhr waren wir bereits im Besitz der Ergebnisse aus 5 0 Orten. Die Summen ergeben folgendes Wahlbild: Bu­sold 3 317, v. Hclmolt 2517, van Calker 1929 Stimmen. Jetzt haben bereits Bad-Rauheim und Btitz- bach gewählt. In Bad-Rauheim steht der liberale Kandidat mit 575 obenan, dann folgt der Sozialdemokrat mit 571, v. Helmolt mit 61 Stimmen. Die Wahlziffern im Jahre 1907 waren für Bad-Rauheim: 305 Oriola, 2c8 Busold, 23 Bähr, 376 Dr. Strecker. In Butzbach hat gleichfalls Herr van Calker mit 395 Stimmen den Vor­sprung, Busold erhielt 204, v. Helmolt 34 Stimmen. Der , Zug nach links" ist am meisten dem Sozialdemokraten zugute gekommen. Politisch ruhig und konsequent sind die Wähler in Groß-Karben geblieben. Hatte dort der Sozialdemokrat Busold bei der Vorwahl 164 Stimmen er­halten, so bekam er diesmal 163. Während Graf Oriola 95 Sttmmen auf sich vereinigt hatte, erhielt v. Helmolt 57, v Calker 44. In Rieder-Mockstadt haben sich die 104 Wähler Oriolas wie folgt entschieden: für v. Helmolt 80, für van Calker 25. In Rinderbügen hat es eine völlige Um­wälzung gegeben; dort war das Wahlbild von 1907: Oriola 30, Busold 29, Bähr 34. Heute erhielt Busold 56, van Calker 25, v. Helmolt 4. In Holzhausen hat die Mehrheit der 103 Wähler für Oriola diesmal für v. Hel­molt gestimmt, dieser erhielt 94 Sttmmen, während van Calker nur 36 bekam. Aehnlich steht es in Munzen- berg, wo 124 Wähler für Oriola gestimmt hatten, v. Helmolt erhielt 98, van Calker 31 Stimmen.

Um 10 Uhr hatten wir das Ergebnis aus 99 Orten: Busold 8693, v. Helmolt 5394, van Calker 4203. In Friedberg haben 776 Wähler für den liberalen Kandidaten gestimmt, 236 für den Bündler und 746 für den Sozialdemokraten. Früher hatten für

Oriola 733 Wähler gestimmt, für Busold 564 Die Wahl­beteiligung ist in Friedberg also sehr erheblich großer ge­wesen als im Jahre 1907. Diese Zentrale des Wahlkrei es und der Parteiorganisattonen hat aber auch im Ijeftßltcn Feuer gestanden, die AnwesenlM Bassermanns, Davids und wie sie alle heißen, hat auch die Wahlmuden auf. gepeitscht. Steinfurth, das 1907 81 stimmen für Oriola, 40 für Dr. Strecker aufgebracht hatte, 'st vor­wiegend liberal; v. Helmolt erhielt nur 18 Stimmen, van Calker 57. Aber auch hier bestätigt sich: Ter Zug nach links ist der Sozialdemotratie am meisten zugute ge­kommen, Busold, der früher 71 Stimmen erhalten hatte, bekam diesmal 138! Rieder Rosbach, das im Jahre 1907 104 Stimmen für Oriola aufgebracht hatte, zeigte einen völlig bündlerischen Charakter, v. Helmolt erhielt 92, van Calker nur 2 Stimmen.

In SB übin g en ist im Gegensatz zu Friedberg ine Wahlbeteiligung nur unwesentlich gewachsen, eine große Zahl von früher liberalen Stimmen hat dort für den So­zialdemokraten gestimmt.

Der bündlerische Kandidat v. Helmolt kommt mit dem So­zialdemokraten Busold in die Stichwahl! Das steht um 1OÜ Uhr endgültig fest. Das Gesamtergebnis ist fol. gendes: Busold 9480, v. Helmolt 6410, van Calker 4 39 7 Stimmen! Der bündlerifche Kandidat hat vor dem liberalen einen weiteren raschen Vorsprung gewonnen, denn es kommen zahlreiche Orte nut teity katho­lischer, teils vorwiegend bündlerifcher Bevölkerung hinzu. Büdesheim, das im Jahre 1907 für Oriola 188, für den Sozialdemokraten 79 Stimmen abgegeben hatte, ergab für v. Helmolt 97, für van Calker 63 und für Busold 101 (Stimmen. Immer wieder zeigt sich, daß die Reichssinanz- resorm vorwiegend Uebertrittc zur Sozialdemokratie zur Folge gehabt, kaß aber der Liberalismus gegenüber dem Bund der Landwirte sich nicht viel Vorteile geholt hat. In Vilbel hat es keine großen Verschiebungen gegeben: Es erhielten Busold 780 (früher 727), van Calker 211, v. Helmolt 87 Stimmen.

So steht denn also die vorläufige Entscheidung fest, Manchen wird sie überrascht haben, Manchen aber auch nicht. Der Sozialdemokrat hat gegen die letzte Lauptwahl etwa 2 2 0 0 S t i m m e n mehr erhalten, die bürgerlichen Par­teien haben einen Verlust von über 3 40 0 Stimmen auf" zuweisen. Tie Zahl der Wahlberechtigten hat gegen früher um etwa 1000 zugenommen, und doch haben diesmal

Das Wahlergebnis in Medberg-vüdingen.

Gießen, 15. Juni.

Einem großen Teil unserer Leser haben wir das Er- i gebnis der gestrigen Wahl noch abends ober heute früh ; durch ein Extrablatt mit eigenen tabellarischen Zusammen- : ftellungen bekannt gemacht. Wir sind bamit und mit einer ausführlichen Würdigung allen anderen 3 errungen weit voraus gewesen. Sbicr folgt nochmals das genaue Ziffern- : ergebnis einschließlich der beiden kleineren Orte, die gestern noch gefehlt hatten:

Der Kandidat des Bundes der Landwirte, v. Helmolt, erhielt 6410 Stimmen, der liberale Prof, van Calker 4397, der Sozialdemokrat Busold 9480. Es ist Stich­wahl zwischen v. Helmolt und Busold erforderlich.

Alles Nähere und die Vergleichungen mit Haupt- und Stichwahl des Jcchres 1907 finden die Leier in der Tabelle im 2. Blatt.

Der für Hessen und darüber hinaus so interessante und bedeutungsvolle Entscheidungstag ist gekommen. Der etwa fünfwöchige Wahlkampf im Bezirk des verstorbenen Grafen Oriola war zwar äußerst lebhaft, denn es haben im ganzen über 350 Wahlversammlungen ftattgefunben, so daß auf jeden der 111 Wahlorte durchschnittlich etwa drei Versammlungen kommen. Trotz ihrer nicht auf der Höhe stehenden Organisatton haben die vereinigten Liberalen etwa 20 Versammlungen mehr abgehalten, als die Anhänger des bündlerischen Kandidaten, dagegen hat Herr v. Helmolt als Eingesessener des Bezirks öfter gesprochen als fein Gegner Prof, van Calker. Die besonderen äußeren Umstände im Wahlkreise, unter denen die beiden bürgerlichen Kan­didaten sich gegenseittg bekämpft haben, sind also weder für den einen noch den anderen von besonders nach­teiliger oder vorteilhafter Bedeutung. Die Liberalen werden ihre geringere Stimm enzahl dem Um­stande zuschreiben, daß sie einmal keinen geeigneten ortseingesessenen Kandidaten haben aufstellen können und zweitens, daß die Bündler von früher her durch stärkere Bande aneinandergefesselt wurden. Die So­zialdemokraten, bereit Aussichten von vornherein am gün­stigsten stanben, haben auch, was die Zahl ihrer Wahl­versammlungen anlangt, den regsten Eifer entfaltet.

Die Bedeutung dieser Wahl rechtfertigt es, daß unser Blatt alles aufgeboten hat, um das Gesamtergebnis so schnell wie möglich zusammenzustetlen und unter den Lesern zu verbreiten. In allen Orten haben wir Gewährs­männer angestellt, die uns sofort telegraphisch bas Er­gebnis melöen mußten. Unser Dienst funktioniert denn auch vortrefflich. Um 7 Uhr abends war die Wahlhand­lung zu Ende, und schon vor 8 Uhr waren wir im Besch der "ersten 10 Ergebnisse. Es sind vorwiegend agrarisch inter­essierte Orte, in denen aber die Ziffer des sozialbemo- Irattschen .Kandidaten Busold mit zusammen 4,2 schon obenan steht; dann folgt v. Helmolt mit 379, van Calker mit 153 Stimmen. Den gewaltigsten Sieg für den Sozial­demokraten liefert die Gemeinde Ober-Erlenbach: 157 fo^tal« demokratische Stimmen, 22 mehr als bet der Hauptwahl 1907. Die bürgerlichen Stimmen sind dort gegen 1907 um 35 Stimmen zurückgegangen. In Rohrbach ^ergibt ftch eine ähnliche Feststellung: Dorr bekam der ^ozlaldemo-

ein paar Hundert Wähler weniger ihre Stimmen abgegeben als das letztemal. Im allgemeinen zeigt sich, daß die hessischen Wähler, soweit sie fest auf nationalem Boden stehen, durch die llebertreibungen bei den letzten Kämpfen sich nicht haben bestimmen lassen, irgend welchen Lockrufen zu folgen. Man kann nicht von einem Sieg des Liberalis­mus, nicht einer Niederlage der Bündler sprechen, und wenn man aus dem Ergebnis dieses Wahlausganges eine Lehre ziehen will, so ist es die, daß kein Anlaß vorliegt, die Zerklüftung der nationalen Gruppen in Hessen auf die Spitze zu treiben. Im Gegenteil: Tas Zusammen­halten gegenüber der Sozialdemokratie muß die Parole bleiben! Herr van Calker hat sein Ziel nicht erreicht. Bei seinen Anhängern liegt es nun, sich nicht durch Partei-

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wirklich als moderne Großstadtbewohner zu beulen und emp­finden 'zu lernen. Tas Projett nun, für dessen Lösung eine solche vorherige großstädtische Erziehung der Frankfurter am nötigsten ist, schein! mir der Plv»i der Universität Frankfurt zu sein, den man außerhalb Frankfurts ganz irrig als eine Art Großmannssucht und womöglich als einen parteipolitischen Schach­zug beurteilt. Die treibenben Kräfte aber liegen ganz wo anders. Sie liegen in dem Bcbürfnis bet in Frankfurt zum Teil schon seit 10Ö Jahren bestehenden großen wissenschaftl. Institute nach Weiterausbau, nach Ausdehnung und nach der Erlangung ftaatiid)er Berechtigungen. Von dem Reichtum unb ber glänzenden Aus­stattung zweier dieser Jnstttute nun, nämlich des Physi- kalischen Vereins, der bereits jetzt fast den Charakter euter Universitätsfakultät besitzt, und .des wundervollen Sencken­bergs scheu Raturhi st orischenMuseumS konnten die­jenigen, die sich bisher wenig mit diesem Gebiet beschäftigt hatten, am letzten Samstag auf einem gemeinschaftlichen Empfangsabend der beiden eine imponierende Anschauung gewinnen.

Es war das erste Mal, daß in Frankfurt und wir bürfät, sagen, in Deutschland ein solcher wissenschaftlicher Empfangsabend veranstaltet wurde. Die beiden Vereine hatten an ihre Mttglieder und an hervorragende Personen in bet; Frankfurter Bürgerschaft Einlabungen ergehen lassen zu ctnemi zwanglosen Besuch ihrer Jnstttute und Sammlungen. Bei der Zahl von 3000 Eingeladenen konnte natürlich nicht daran ge­dacht werden, für alle Gäste gleichzeitig in einem Raume über irgend ein allgemein interessantes Thema vvrzuttagen und zu experimentieren. Statt dessen hatte man den Ausweg gewähtt, überall in den einzelnen Stockwerken auf den Korridoren und m den Vorlesungs- und Expenmenttersälen besonders lehrreiche und seltene Präparate auszustellen und von den Dozenten in kurzen Erläuterungen demonstrieren zu lassen. Außerdem fanden dann noch zu bestimmten Stunden ein paar größere Vorträge über biologische, chemische, physikalische, botanisch? usw. aktuelle Gegen­stände statt. In dem großen Museumslichthof mitten unter den Skeletten und ausgestopften Leibern der Vorweltttesen und der Riefentiere unserer Epoche waren Buffets und Tische und Stuhle aufgeschlagen und hier tonnte man unter dem Bauche eines Elefanten oder eines Diplodokus sich an Speise und Trank für billigen Preis erlaben Die Veranstaltung war ein entschiedener Erfolg und sie wird sicher dazu beitragen, den populären 'Vereinen neue Mitglieder und den wettschauenden, wissenschaftlichen Be- - strebungen Groß-Frankfurts größeres Verständnis zu verschaffen. Im Hinblick darauf hat sie auch wett über die Grenzen Frankfurts

Nr. 137 Erstes Blatt 160. Jahrgang Mttttvoch 15. Juni 1010

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