fforgcn, Datz sich daraus nidjt Konfegusnzen ergeben, die dann »schwer zu rcdressier?n sind. Ich habe bereits in Der Büdgctkom- Mission mitgeteilt, daß tm ganzen Gebiet 6064 Di utsche sind, davon länger als ein Jahr 1108 Personen, 2391 Soldaten und 838 Beamten und Missionare. Ein gutes Drittel waren Fremde. Das »ist keine Gemeinschaft, wie sie cm großes Land dauernd bevölkern ?ann. Es besteht noch keine Gemeinsamkeit der Interessen, aus der sich eine politische Einheit entwickeln Sann. Deshalb kann man mit der Einführung der Selbstverwaltung nur sehr langsam vorgehen. Wir haben 2100 Deutschen das Wahlrecht gegeben, die Landfrcin- Len haben gar kein Recht. Aber auch die Oberschicht hat den Ve° weis, daß sie bin Beruf zum Negieren hat, noch nicht erbracht. Da können wir nicht leichtsinnig fein und dem guten Herzen folgen. In meinem Vortrage hier im NeichZtage habe ich seinerzeit geschildert, daß die kommerziellen und materiellen Grundlagen in Südwest dock' noch sehr schwankend sind. Auch sonst ist noch viel zu wünschen. Es ist seit vorigem Jabce nicht bester geworden. Die Zahl der Prozesse bei den Bezirksgerichten ist von 14 000 aus 19 000 gestiegen. Eine große Anzahl von Existenzen sind auf sehr schwankender Grundlage aufaebaut. Gewiß webt draußen ein anderer Wind, aber die Kriminalität ist doch recht erheblich höher als in der Heimat, nämlich viermal so groß. Nun muß man sich fragen, wie die Wünsche der Südwestasrikaner erfüllt werden können. 2!I§ ich in Swaköpmund unter der Bürgerschaft saß, führte ich aus. daß eine größere Selbständigkeit der Kolonie auch mir als Ziel vorschwebe und daß die Kolonisten in vieler: Dingen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen müßten, daß es sich aber immer nur um eine Vertretung von Interessenten in sachlicher Weise handeln dürfe. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachte ich die Selbstverwaltung auch noch heute. Ich sehe sie nicht darin, daß dort ein kleines Lokalparlament entsteht, das seinerseits versucht,, aus die Dewaftung. den Gouverneur, das Reichskolonialamt, aus beu Reichstag und den Bundesrat Einfluß zu bekomm-.n. Ich sehe sie darin, daß die Interessenten ihre Interessen sachlich im wesentlichen unter sich regeln und praktische Arbeit leisten. Das .kann natürlich nicht das Ganze sein. Zweifellos müssen gewisse sDiNge, die mit finanziellen Leistungen und mit der Stellung zum Deutschen Reiche Zusammenhängen, durch den Selöstverwaltungs-- körver entschieden werden. Aber die Verordnung vom 13. Februar 1909 sagt auch bereits, daß dem -ndesrat die vom Gouverneur aufgestellten Etats vorzulegen sind, ferner diejenigen Verordnungen, die der Gouverneur' über lokale Dinge hinaus er» .läßt. Gestern habe ich noch hinaustelegraphiert, daß der Landesrat auch bei der Frage der Steuerauellen zugezoxen werden soll jünd seine Entscheioung Vorbehalten sein soll. Wir wollen, daß die gegenseitigen Kompetenzen respektiert werden, wie sre durch Gesetz festgelegt sind. Ehe nicht eine andere gesetzliche Regelung erfolgt, muffen wir uns daran halten. Die 23er- 'cmtwortung für alle Maßnahmen tragt der Reichskanzler, als dessen Vertreter ich die Kolonialsachen bearbeite. Die I n i - itiatibe, die Direktive kommen vom Reich Skolo- nralamt, das auch dafür allein verantwortlich ist. Jeder Beamte hat das zu tun und die Politik zu befolgen, die vom Kolonialamt vorgeichrieben wird. Das müssen sie in Südw-st verstehen und das verstehen sie ungern.
' ES wäre eine Torheit, wenn die Zentralinstcmz sich die '^Sachkenntnis, und Ortskenntnis der Beamten in den ^Schutzgebieten entgehen ließe. Es ist selbstverständlich, daß , Gouverneure und Beamten bei allen wichtigen Sachen befragt wer- Jben, nicht weil ich muß, sondern weil es zweckmäßig ist. Aber
keiner von Ihnen hat irgend welchen Anspruch darauf, daß feine" Ansicht auch befolgt loito, denn nicht er trägt die Verantwo. :ng, sondern der Reichskanzler., Das muß ich hier feststellen, weil alle Depeschen, die aus Südwest kommen, immer die Klage enthalten, der Staatsselretär entscheide über den Kopf feiner Beamten hinweg.
Das Kolonialbeamtengesetz ist noch nicht sehr weit vorgeschritten, da verschiedene Ressor'.s dabei Mitarbeiten. Es wird aber sehr bald in dieser Session vorgelegt werden. An Sparsamkeit wird auf meine Veranlassung das Möglichste ae- schehen. D c r O v a m b o . und Arbeiterfrage totrb große Aufmerksamkeit zugeweudet. Ter Staatssekretär verli.st Berichte aus dem Ovambogebiet, wonach die Stämme friedlich sind und sich sogar beklagt haben, daß deutsche Händler nicht hin- lommen. Da portugiesische bereits dort sind, sehe ich feinen Grund ein, warum wir nicht auch deutsche hinschia.u sollen. Bezüglich der Ovambobahn trete ich dafür ein, daß die Abfindungen reichlich gegeben-werden, damit keine langwierigen Auseinandersetzungen entstehen. Wenn die Wahlen zum Landesrat solange gedauert haben, so muß das dem Zustand zugeschrieben werden, daß das Land fast offne Verkehrsmittel ist. Mau luirb aber daraus auch schließen dürfen, daß das Ingresse für die Selbstver-, wabung nicht überall so groß ist, wie es aus den Zeitungen hervorzugehen scheint. In Neu-Guinea ist 'M Vorjahre ein Streit zwischen dem Gouverneur und den Kolonisten ausgebrochen. Wir waren aufs äußerste bestrebt, das gute Verhältnis wieder herzustellen. Aeußerlich war die Ursache des Konflikts die, daß die Kolo-, nisten behaupten, der Go'werneur habe die nochmalige Prüfung der Zollordnimg versprochen, während der Gouverneur ein solches Versprechen in Abrede stellt.. Der Unmut der Kolonisten scheint daher zu rühren, daß wir den Z o l l auf Kopra erhöbt haben, weil wir darin ein gutes Sb'uerobjekt erblicken. (Der Staatssekretär äußert sich im einzelnen unverständlich über diese Frage.) Was die Prozesse in S a m oa anlangt, so habe ich selbst noch nie jemanden wegen Beleidigung verklagt, aber in den Kolonien läßt sich das häusig nicht bermeiben. Erwähnen möchte ich bei bi.ffer Gelegenheit, daß wir in Samoa eine Simultan schule errichtet haben. Der katholische Bischof hat aber den Kaplanen aufge'ragen, die Kinder von dem Besuch dieser Schule abzuhalten und hat von der Kanzel aus diejmigen. die ihre Kinder in die Re- gierungsschule schicken, mit dem Kirchenbann belegt. (Hört! ffört!) Dagegen hat sich natürlich der Gouverneur gewehrt. Und was Ost- afrita anlangt, so habe ich einen Brief zur Hand ans Bagamojo in dem es heißt (der Staatssekretär verli.st das Schreiben), daß die Einricktung christlicher Schulen im allgemeinen gar nicht gewünscht wird. (Zuruf Erzbergers) Jawohl, Herr Erzberger, im allgemeinen.. Aus Deu'sch-Lstafrika kann ich dem Hause eine Statistik der weißen Bevölkerung überreichen. Auch ich bedauere die Weiierverbreitung des Islams, aber es'ist leicht verständlich, daß der Islam die Ausbreitung des Christentums verhindert, denn der Islam steht dem Glauben der Schwarzen näher; er verbietet auch die Polygamie nicht, und es genügt, wenn diejenigen, die ihm angehören wollen, die Formel Allah il Allah aussprechen und beschnitten werden. Verkehrt wäre es, mit Gewaltmaßregeln die Ausbreitung des Christen- tums durchzusetzen. Herr Erzberger v-'tengt ein Eingreifen des Bezirksamtmannes-, er soll dafür fernen, daß d i e Kinder in die Missionsschule aeffen. Das würde sicher zu nichts Gutem führen. Einmal würden die Kinder doch wegbleiben, sobald der Bezirksamtmann fort, ist, und dann lassen sick die Leute dort wohl noch in ihre Steuerverhältnisse hiueinreden, aber nicht in ihr Familienleben.
Abg. Tove (Lib. F'raMonZgem.)'?
Es wäre wünschenswert, wenn die Treibereien von drüben kn einem Teil der hiesigen Presse feinen Resonanzboden finden würden. (Sehr richtigl) Tie günstige Entwicklung der Schutzgebiete verdanken wir der Initiative des Staatssekretärs. Tie Rechtsordnung in den Kolonien ist noch durchaus unvollkommen, wenn auch die Einsetzung eines obersten Gerichtshofes zu erwarten ist. Tie Frage, unter welchen Umständen die Ausweisung eine» Deutschen möglich ist, bedarf noch der Regelung. Hebelgriffen von Missionaren muß mit der nötigen Energie entgegengetreten werden. Ich denke da an Den Bischof von eamoa, der den Besuch der staatlichen Schulen verbpt. Wir w.llen weder in unseren Kolonien noch in Elsaß-Lothringen solche Zustände. ,(Sehr gut!)
Abg. Frhr. v. Richthofen (Kons.): ' ,
Ich wundere mich darüber, daß noch niemand seiner 'Befriedigung über die Verminderung der ReichSzuschüsse Ausdruck gegeben hat. Tie Entwicklung unseres Schutzgebietes ist in jeder Beziehung durchaus erfreulich. Leider ist die Besol- d u n g.s o r d n u n g für die Kolonialbeamten noch nicht fertig- gestellt. In Der; Frage, ob die Post in Den Kolonien der Kolonial- verwaltung angegliedert werden soll, verhalten wir uns abwartend. Wie steht es mit der Kodifizierung des Singe» 0 o r e n e n r e c() t c §? In der Frage der Selbstverwaltung müssen die Selbstverwaltungskörper mit der Kolonialverwaltuna ■in Zusammenhang stehen. Tie guten Aussichten für Ansiedler in Ostafrika sind erfreulich. Großen Wert legen wir auf die Erhaltung unseres Viehstandes in Südafrika. Ausrotten können wir den 5 s l a nt nicht, aber das Christentum kann durch zweckmäßige Unterstübung von feiten der Kolonialverwaltung zn einem immer wichtigeren Kulturfaktor gemacht werden. (Beifall.)
Abg. NoSkc (Soz.):
Der Staaissekre'är bat dieser Tage reiches Lob erhalten. Auch wir Sozialdemokraten haben ohne weiteres anerkannt, daß er mit Umsicht und Erfolg in der Diamantenpoliiik zu Werke ge. gangen ist. Jetzt beim Etat aber ist die Kehrseite der Medaille. Das deutsche Volk bat keinen Anlaß, sich der Kolonial- 'olitik freundlich zu stellen. Der Redner führt diesen Standpunkt seiner Parteifreunde in längerer Rede aus. .
Der Präsident schlägt als Tagesordnung bot: Entscheidung über den Ordnungsruf des Abg. Ledebour. Sonst Portugiesischer Handelsvertrag.
Abg. Bebel (Soz.) ? beantragt die Entscheidung über den Ordmmgsrüf am Donnerstag zu treffen, da das Urstenogramm mit dem korrigierten nicht übereinstimme und nicht der Name de§ Abgeordneten genannt sei, der zur Ordnung gerufen wurde.
Es entfpinnt sich darüber eine GcfchaftSorbnungZdebatte.
Vizepräsident Spahn
erklärt eine DiZkussion über den Ordnungsruf nicht für zulässig.
Abg. Bassermann (Steil.), dem die Redner des Zentrums und der Rechten beitreten, hält bte ^ache für klar, das vorliegende Stenogramm muffe die Grundlage sein.
Es bleibt beim Vorschläge des Präsidenten, l
Schluß 8 Uhr. */
Vermischtes.
* Eine „Sen s ativnsmach e". Wie eine gewisse Berliner Presse arbeitet, wird durch die „Hv chw as s e r ka ta -- strophe am Niederrhein" glanzend beleuchtet. Die Meldung, die wieder einmal zeigt, von welch gewissenlosen Mitarbeitern die Berliner. Blätter teilweise bedient werden, ist um so nnbegreisi- . kicher, als sie sich auch nicht auf den bescheidensten Anlaß, berufen konnte. Im Gegenteil hat sich das Hochwasser von Rhein und fftubr, über das wir vor einigen Tagen kurz berichteten, der Rhein. Wests. Ztg. zufolge, in durchaus normalen Bahnen bewegt. Daß z. B. die Kruppschen Anlagen in Rheinhausen vom Hochwasser bedroht sein könnten, ist bei ihrer Lage ganz aus- geichlosseu. Die Nachricht hat in der Fassung des „L.-A." folgenden Wortlaut: „Zu einer Katastrophe scheint sich nun auch das Hvchrvvsser ara, Niederrhein zu entwickeln. Seit gefteut stürmt.
schneit und regnet es ununterbrochen. Rhein und Ruhr sind derart aus den Ufern getreten, wie man es seit einem Jahrzehnt nicht mehr erlebt hat (!). In Duisburg- Meiderich ist der ganze untere Stadtteil unter Was- fe r (!) gesetzt. Infolge des hohen Wasserstairdes in t^n Häfen steigt das Grundwasler in gefahrdrohender Weise. Viele Zentral- hrizanlagen und Kellereien sind übersä-wemmt. In Untcr-Meiderich ist das Hochwasser bereits in die Parterreräume ganzer Straßen gedrungen, so daß viele Familien ihre Wohnungen räumen mußten Das Hochwasser droht die Kruppschen Anlagen in Rheinhausen zu überschwemmen. Vten arbeitet dort eifrig daran, das wütende Element abzuhalten, und auch an den übrigen Hafenanlagen werden Zeincntsacke zum Schutze der Tämme ausgehäust. Der Schiffsverkehr auf dem Rhein ist größtenteils eingestellt. Die Ruhrniederungen um Duisburg gleichen einem großen wildtübendcn See. Auch vom Oberrhein, kommen wieder
Meldungen über anhaltendes Steigen des Wassers." Das liest sich hübsch und macht Reklame.
* 180 M illiv neu für Juwelen. Aus Newhork wird berichtet: Von bejn wachsenden Wohlstand der Vereinigten Staaten gibt, eine neue Statistik Zeugnis, die soeben vom Handels- und Arbeilsministerium in Washington veröffentlicht wird. Wälwcud im Jahre 1908 die Juwelengeschäfte insgesamt für 54 Millionen Mark Brillanten und Edelstein? verkauften, zeigt die Kaufkraft Amerikas im folgenden Jahre mehr als eine Verdoppelung: denn im Jahre 1909 hnirbeit insgesamt für nicht weniger als 180 Millionen Mark Edelsteine zu Schmuckstücken verarbeitet und vw । kaust. Während 1908 4711 Millionen Dollar bei den SßanFeit . deponiert wurden, stieg im folgenden Jahre die Summe der CrrJ sparnisse auf über 5 Milliarden Dollar. Zugleich sank die Zahlß der Selbstmorde von 10 852 im Jahre 1908 auf 10 230 iui Jahre 1909.
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