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13/07/1910 Erstes Blatt
 
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Deutschland ist zu bemerken, daß eine amtliche Bestätigung dieser Nachricht nicht vorliegt.

bie am 29. Juni verübt worben ist, kam es Livischen den Truppen unb den Eingeborenen zu einem Zusammenstoß; zwei Soldaten wurden Dcrtoimbet.

poHtefcbc Tagessct^«.

Zur Frage der deutsch-englischen Wirtschaftsbeziehungen.

Auf zahlreiche Anfragen aus den Kreisen dor Industrie Und des Handels bezüglich der englisch-bentschen Wirtschafts- bezielmngcn schreiben dieMitteilungen des Hansa-Bunbes" zur Frage der Gesamtausfuhr Deutschlands nach Groß­britannien folgendes:

Bei der ständigen Zunahme der gegenwärtig in Eng­land auf Einführung des «Schutzzolles gerichteten Bewegung ist es angebracht, einmal auf die enormen Werte hinzu­weisen, die hier für Deutschland in Frage stehen. Deutsch­land hat im Jahre 1908 Waren (einschl. Edelmetalle) im Werte von 1008,5 Millionen Mark nach Großbritannien (ohne Kolonien) ausgeführt. Nachstehende Tabelle gibt eine Uebersicht über die wichtigsten, hierbei in Betracht kommen­den Waren:

Zucker

143,7

Mill. Mk

Wollgewebe (.Kleiderstoffe usw.)

31,0

/#! /,

Baumwollene Handschuhe

26,8

M

Dichte Gewebe

26,5

ff, ff

Luppeisen, Rohschienen usw.

22,7

ff w

Hafer

20,3

ff ff

Spielz-eug und ChristbaumschmuU

17,7

Anilin und andere Teer-Farbstoffe

17,3

Oberleder für Schuhe usw-

15,9

Sattler- und Leberwaren

14,6

Posamentierwaren

13,6

Baumwollene Gewebe, gefärbt, bebru'ckt

13,0

Pelztierfelle

12,8

Fahrrabteile

12,7

! 1

Kleiber, Blusen, Schürzen für Frauen

unb Mädchen

11,8

. f

Zink, rohes

10,4

Klaviere

10,2

Stickereien

9,5

Baumwollene Spitzenstösse, Spitzen

7,5

Porzellan und ähnliche Waren

7,4

Baumwollene Unterkleider

7,2

,,

Wirk- und Netzwaren 7,1

Man sieht also, welche ungeheure Bedeutung die Ein­führung des englischen Schutzzolles für die deutsche In­dustrie haben würde, und es gilt hier, wie bei allen zoll­politischen Veränderungen, der Satz, daß die Industrie am ^wenigsten bedrückt werden wird, welche sich zur rechten Zeit uuf die Veränderungen einzurichten weiß.

Aus Stadt und Lund.

Gießen, 13. Juli 1910.

Negierungsassessoren. Durch Entschließung des Ministeriums des Innern wurden die Referendare Hch. Kleinen, Wilh. Muhl und Dr. Ernst Pabst zu Darm­stadt, Ferd. Pennrich zu Mainz und Fel. Wolf zu Fried­berg zu Negierungsassessoren ernannt.

"DashessischcWander-Tuberkulose-Museum war ini Mai und Juni in den niederbayrischen Städten Passau, Straubing und Landshut je sieben Tage ausgestellt und insgesamt von etwa 11 000 Personen besucht wurden. Wie nicht anders zu erwarten, wurde der Aus­stellung in Niederbayern großes Interesse entgegengebracht, was aus der Aufnahme, der Besuchsziffer und den zahl­reichen Vorträgen geschloffen werden darf. Das Museum ist nunmehr nach Hessen zurückgekehrt und wird gegenwärtig im Kreise Alsfeld ausgestellt. Bis jetzt war^Ausstellung von insgesamt 310 000 Personen besucht.

* * Stadttheater. Am nächsten Dienstag wird als 8. Operetten-Abonnements-VorsteUung Reinhardts bekannte und beliebte OperetteDas süße Mädel" gegeben. Vor­bestellungen bittet man an die Kasse des StadtlheatcrS zu richten.

* * D i e Gießener R u d e rg e se l ls ch a ft läßt gegen­wärtig ihren Bootsplatz für die Regatta am Sonntag Her­richten. Bereits wurde das Gitter, das den Platz von dem Weg trennt, abgebrochen, um den breiten Weg in den Platz einzubeziehen. 9lnf dem Wasser herrschte gestern reges Leben. Die Mannschaften ruderten sehr fleißig unter der Leitung des englischen Trainers Mister Slrlett. Vier Vierer, ein Zweier und ein Achter trainierten, begleitet von dem Motorboot der Gesellschaft, in dem sich der Instruktor und der Trainer be­fanden, auf der Rennstrecke und erhielten mittels Sprachrohr vom Trainer ihre Weisungen. Auch die Mannschaften der Hassia ruderten die Strecke ab, so daß der Woog ein rech! belebtes Bild fröhlichen Sports bot. Es ist zu hoffen, daß uns die diesmalige Regatta heiße Kämpfe und interessante Rennen bringen wird.

* * Vom K i n e m a to gra p h wird un§ geschrieben: Mit seinem gestrigen Programmrvechsel bietet der Kinemato-

Deutsches Reich.

Der Kaiser nahm bei seiner Ankunft in Bergen ver­schiedene Meldungen entgegen, darunter die des Kaisers. Geschäfts­trägers in Ehristiania, Erbgrafen z u G o c r tz unb des Konsuls Mohr. Später wurde der französische Gesandte für Norwegen, Delavaud, vom Kaiser empfangen.

Die württembergische 1. Kammer ist am Dienstag nach mehr­stündiger Beratung und nachdem Kultusminister von Fleischhauer entschieden für den Fortbestand der tierärztlichen Hoch­schule eingetreten war, dem Beschluß der Zweiten Kammer bei­getreten und hat sich mit dem Erfüllen an die Staatsregierung gegen den Fortbestand der Hochschule ausgesprochen, die zur Aufhebung der tierärztlichen Hochfcl)ule erforderlichen ein­leitenden Maßnahmen zu treffen.

Ausland-

Int ungarischen Abgeordneten hause legte der Fi­nanzminister den Gesetzentwurf über eine 4 prozentige Anleihe von 560 Millionen Kronen vor, welck-e für Eisenbahn­investitionen, für die Einlösung von 215 Millionen 41/2 Prozent. Staatstassenscheine und die Ergänzung der Kassenbestände ver­wendet werden sollen.

Im britischen Unterhaus wurde die Vorlage über das F r a u e n st i m m r e ch t mit 299 gegen 190 Stimmen an­genommen, dagegen der Antrag, die Vorlage einer Kommission zur Beratung zu überweisen, mit 230 gegen 175 Stimmen ab- gclehm. Dieser letzte Beschluß bedeutet, daß die Vorlage in dieser Session eine weitere Förderung nickst finden wird.

Der König und die Königin der Belgier find am Dienstag in Paris angekommen und von dem Präsidenten und Frau Falliöres, sowie von dem Ministerpräsidenten Briand und ben Ministern empfangen worden. Präsident Fallieres gab am Abend zu ihren Ehren ein Diner, an dem u. a. auch die /Präsi­denten des Senats und der Devutiertenkanuner, der Minister­präsident, die Minister, sowie hohe Beamte und der früher« Präsident Loubet teilnahmen.

Die französische parlamentarische Session wurde geschlossen.

In Toulon begingen die ausständigen Gasarb ei­ter schwere Ausschreitungen; sie durchschnitten in einem Stadrviertel während der Nacht die Gasleitungen an mehreren/ Stellen, so daß das ausströmende Gas in die Läden und Woh­nungen drang. 2ret schlafende Kinder eines Friseurs erstickten. In der Bannmeile der Stadt sind die Laternen zerbrochen und die Gaskanalisation zerstört. Zwei Arbeitswillige wurden furcht­bar verprügelt; der eine wurde außerdem 24 Stunden lang ohne Luft und Nahrung in einer dunklen Kammer eingesperrt gehalten.

Nach den von den holländischen Generalstaaten vor­genommenen Wahlen zählte die Erste K a m m c r 32 Klerikale, 18 Liberale. Van Heeckeren, der frühere Gesandte in Stockholm, der mit seinen Behauptungen über die angebliche Einmischung Dentschlands in die Frage der maritimen Verteidigung der Nieder­lande so viel Staub aufgewirbelt hat, wurde nicht wiedergewählt

Im türkischen Mi nist er rate hat der Minister des 91 euBern über die letzten Ereignisse auf Kreta Bericht er* * stattet. Die Entscheidung über die weitere Stellungnahme der Pforte soll der nächste Ministerrat treffen. Die Pforte beauftragte ihre Botschafter, die Aufmerksamkeit der Mächte auf die Lage der Mohammedaner in Kreta zu lenken, die zu verschiedenen Be­schwerden Anlaß gebe, lieber weitere Aktionen der Pforte zur endgültigen Lösung der K^^rage- verlautet, daß der Großwesir puf seiner bevorstehenden $»,Je die eigentlick-en Verhandlungen führen werde. r / s1

Der türkische t an hat den ökumenischen Pa­triarchen in Audienz empfangen. Der Patriarch gab, wie verlautet, dem tiefen Schmerz der griechischen Nation über das mazedonische Kirchengesetz Ausdruck, und erklärte, das Patriarchat werde fortgesetzt protestieren. Der Sultan erwiderte, er fei sehr betrübt, die beliebt' griechische Nation unzufrieden zu sehen. Er teile den Schmerz des Patriarchats. Nach der Audienz ließ der Sultan den Deputierten Kosmidi, der den Pa- triaräKn begleitete, zu sich rufen und versicherte, er werde den Großwesir beauftragen, Mittel zu finden, nm das Patriarchat zufriedenzustcllen. Die (Griechen von Monastir voran * stalteten heute eine Protestkundgebung gegen das neue Ki rch c n g e s e tz. Sie zogen in Massen vor den Konak, wo Gendarmen geg.n die Menge vorgingen. Infolge bcs Hand-

Panik, bei der zahlreiche Personen in den Dragorfluß gedrängt wurden. Die Polizei hatte Mühe, die Ordnung wiederherzustellen. Heute wird in Saloniki eine große griechische Protestversammlung abgehalten.

Amtlich wird gemeldet^ daß der türkische Scheich uel Eslarn, Husni, seine Entlassung genommen habe unb durch den Senator Mussa Kiasim ersetzt worden sei.

Nach einer ans Indien eingrgangenen Drahsiiach richt wurden die Bewohner orr malaiischen Niederlassung von Sari- banoa auf bei Insel Siporah an der Westküste Sumatras durch (ri h geborene nicdcrgemacht. Am Tage und) der Tat,

graph m der Bahnhofstraße wieder einen lehrreichen Auf­enthalt. In Bild wie in Inhalt sind besonders die drei DramenReichtum allein macht nicht glücklich",Die Sünderin oder In Fesseln der Liebe" undDie zerrissene Seite" zu erwähnen. Sehr beachtenswert ist auch der wissenschaftliche FilmDie Spirochacten des RückfallfieberS". Originell ist das TonbildSpatzenhochzelt". Roch besonders hervorzuheben ist von den drei HumoreSken-Vorführungen Lottchens Streiche", das außerordentlich belacht wird.

**UnsereElektrische hatte gestern vormittag etwa um 8 Uhr einen kleinen Unfall. Auf dem Marktplatz war ein Wagen entgleist, wodurch der betrieb auf kurze Zeit stillstand. Durch den an sich belanglosen Vorfall versäumten viele Leute ihre Bahnzüge, so z. B. allein an der Haltestelle Goethestraße 9 Leute, darunter etwa 6 Geschäftsreisende. Sie würden sämtlich noch rechtzeitig zum Bahnhof gekommen sein, wenn sie von der Betriebsstörung Kenntnis erhalten hätten. Es würde sich empfehlen, wenn bei derartigen Füllen an Geschäfte in der Nähe der freqnentiecteren Halte­stellen telephoniert würde, damit die Wartenden benach­richtigt werden könnten, etwa durch Aushang eines ent­sprechenden Schildes.

+ Münster bei Lich, 12. Juli. Im hiesigen Ge- mein de-Basa lt stein bruch nm Steines , der an die Firma Lenz 11. Komp, verpachtet ist, wurde heute vormittag der Arbeiter I. Pfeiffer von Ettingshausen durch Herab­rutschen eines Steines am Beine verletzt. Der Verletzte mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Im 85. Lebens­jahre starb heute morgen der Ortsgerichtsmann Johs. Heß I., welcher sich in und außerhalb der Gemeinde großer Achtung und Wertschätzung erfreute. Er war als Schafhändler in jüngeren Jahren weit bekannt.

m. Friedberg, 13. Juli. (Tel.) Der Bürger­in e i st e r M e tz l e r von Münzenverg ist nach Unterschla­gung von 15 0 0 0 M k. aus der Hospitalkasse flüchtig gegangen. EA haben sich noch weitere Unregelmäßigkeiten heraus gestellt.

-^Darmstadt, 12. Juli. Fürst Bülow traf mit Gemahlin und dem Grafen und der Gräfin Wallwitz um 1 Uhr zum Besuche des preußischen Gesandten v. Jenisch hier ein. Um 4 Uhr begab er sich nach Wiesbaden zurück.

rtn. Darmstadt, 12. Juli. U eher fallen wurde gestern nachmittag die ca. 20 Jahre alte Tochter des Oberforstrais I. im Bessunger Walde an der Grenze der Eberstädter Gemanlung nächst der Haltestelle der Ludwigs­höhe, als sie nach der elterlichen Wohnung zurücktehren wollte. Ein ihrer Beschreibung nach ca. 30 Jahre alter Bursche mittlerer Größe mit tiesliegerrden Augen, blassem Gesicht und rötlichem kurzen S-ä-nurrbart, der mit Heller Hose, dunkler Jacke nnd grauem .Hut bekleidet war, ver­richte das Mädchen zn packen, das sich aber kräftig wehrte. Dabei fiel ihr Handtäsck)chen zu Boden, das der Räuber aufraffte uud verschwand. Bon hinzueilenden Passanten wuroe er im Walde nach Süden über die Main-Neckar-Bcchu verfolgt, er entkam aber. Das Portemonnaie enthielt ca. 17 Mt.

O R 0 dheim a. d. Bieber, 12. Juli. Die Schüler nn- c r c r Gewerbeschule unternahmen am Sonntag einen Aus­lug nach Herborn und Dillenburg. Während in Herborn die im Ban begriffene Landes-Jrren-Heilanstalt und das alte Schloß bejid)tigi wurden, wurde in Dillenburg das Gestüt und der Wilhelmsturm besucht. Greifenstein mit seiner Ruine konnte wegen der Kürze der Zeit nicht mehr besucht werden. Die Gewerbe- 'chule zählt jetzt 32 Zeichen- und 25 Fortbildungssthüler.

X. Hanau, 12. Juli. Heute nachmittag brannte das H a n a u e r E i s werk Günther u. Eo. nieder. Der Polizei gelang es, als Urheber des Großfeners zwei Kinder, einen 7 nnd einen 3 Jahre alten Knaben, zu ermitteln, die mit Zündhölzern gespielt und die in dem Vorranme zur Eishalle lagernden, leicht entzündbaren Stoffe in Brand gesetzt hatten. An eine Löschung war nicht zu denken, die Feuerwehr mußte sich daraus beschränken, ein benachbartes Wohngebäude zu schützen, was aucp mit Erfolg geschah. Vor 17 Jahren ist das Eiswerk schon enuna( ein Raub der Flammen gelvordtA.

w Wiesbaden, 12. Juli. Heute morgen Uhr schlug beim Absägen eines Baumastes in der Withelmstraße bet Ast eine 15 Meter hohe Schiebeleiter um. Dabei stürzte der 42jährige städtische Gärtner Königsreuter von der Leiter auf die Straße. Er erlitt so schwere Verletz­ungen, daß er kurz nach seiner Einlieferung ins Kranken­haus starb.

Wiesbaden, 12. Juli. Am 3. und 4. September findet hier der 2 4. Bundestag des Mittelwestdeutschen Stenographen­bundes S t 0 l z e - S ch r e y statt. Mit der Tagung wird ein Wettschreiben verbunden sein. Die geschäNlichen Verhand­lungen beginnen am Samstag, 3. September, im großen Saale derWartburg". Sonntag vormittag findet die Eröffnung der Ausstellung, sowie Weltschreiben nnd Jestvortrag statt, woiür ein hervoiragender Redner m Aussicht genommen ist. Hieran schließt sich das Festessen, sowie die Vergnügungsveranstaltungen mit Be- sichtignng der Sehenswürdigkeiten der Stadt und des Kurhauses, abends Ball.

s. Marburg, 12. Juli. 'Die Strafkammer verurteilte heute den früheren Hilfsweichensteller W. aus Neustadt, der unter der Beschuldigung stand, in der Nacht vom 16. zum 17. Dezember b; I- in Jtreitfa den Eisenbahnzufammenstoß, bei welchem der Bremser Matua aus Franffurt seinen Tod fand, durch falsch« Weichenstellung verursacht zu haben, zu 1 M 0 n a t G e f ä n g n i s.

Spoet.

Frankfurt a. M-, 12. Juli. Ausstellung für Sport und Spiel. In dem Endkampf der Amateur-Ring- kamp s-Kon kurrenz siegte Sperling-Essen muf), einer Gesamtzeit von 4 Stunden, zweiter wurde Freund- Ludwrgsl)<isen, dritter Knöpfle-Eannstakt, vierter Jensen- Kopenhagen, fünfter Diesner-Essen, sechster Bohlen-Frank­furt a. M.

Bern, 12. Juli. Der deutsche Kaiser hat als Estrcngabe für das am nächsten Sonntag in Bern he- ginnende eidgenosfische Schütz en fest einen prächtigen silbervergoldeten Pokal gestiftet.

* Neue englische Ordensritter. Der König von England hat soeben den Verdienstorden (Order of Merit) dem bekannten Romanschriftsteller Thomas Hardy und dem berühmten Chemiker Sir William Crookes verliehen. Der im Jahn: 1902 gestiftete Orden entspricht an Bedeutung ungefähr dem preußischen pour le merite und ist in den ad>t Jahren seines Bestehens bisher im ganzen an 32 Personen vergeben worden, darunter an Lord Lister, James Bryee, Miß Florence Nightingale, die ja­panischen Feldmarschälle Prinz ?)amagata, Prinz Oyama und Admiral Togo, die englischen Feldmarschälle und Lords Roberts, WoIeley, Kitchener u. a. Der jetzt mit dem Orden ausgezeichnete Thomas Hardy hat im vorigen Monat seinen 70. Geburtstag gefeiert und gilt seit Merediths Tode für den größten lebenden englischen Erzähler. Ter Chemiker und Physiker Sir William Crookes, ein geborener Londoner, steht im 78. Lebensjahre. Er wurde 1861 als der Entdecker des Elements Thallium, weiterhin der Erfinder des Radiometers unb vor allem der nach ihm be­nannten Crookesschcn Röhren, durck> die dann Röntgen zur Ent­deckung der X-Strahlen geführt wurde.

* Modernes Briefpapier. Wieder hat die Mode uns allerhand Neuheiten in Briefpapieren besd;ert. Den ersten Platz unter ihnen nimmt zweifellos das sogenannte überseeische Papier ein, das aber in diesem Falle keineswegs bestimmt ist, über den Ozean zu wandern, sondern auf dem man sich auch Mit­teilungen von Haus zu Haus madjt. Wie sein Name besagt, ist es außerordentlich dünn, dabei von etwas rauher Oberfläche und häufig gerippt. Man hat gestreifte nnb tarierte die beliebtesten Kombinationen find weiß nnb hellblau, weiß und grau und weiß und braun doch gelten leicht bläulick) angehauchte unb gerippte Unipapiere für noch vornehmer. 'Der Umschlag besitzt meist ein bunt-schottisches blau, rot, grün usw. kariertes Futter, das reizvoll durd) die bläuliche Decke durdischimmerl. Dies abstechende Futter, das stets etwas kleiner geschnitten ,ist, als das Deck­papier, trifft man gegenwärtig fast ausnahmslos. Für graues Leinenpapier wählt man es vorzugsweise in violett, für bräun­liches in olivgrün und für fraiferofa in burgunderrot. Natürlich spielt aud) die Chanteclermode in das Briefpapier hinein; da sieht man matt rötlich geflammtes mit bräunlichem Grund, auf dem oben guerherüber ein Fries mit bunten Hähnen läuft, wie graues, bläuliches und weißes, das durchweg mit wie zerflossenen ober wie verwaschen erscheinenden Hahnensiguren bedeckt ist. Manchmal läßt man aud) die Bogen unbeforiert und bedruckt nur den Um­schlag mit grellbunten Hahnenmustern, um es dann mit durch­sichtigem, schwach gefärbtem Papier zu verschleiern. Erwähnt möge auch jenes werden, auf dem, sowohl auf den Bogen wie dem Umfdjlag, der Namenszug des Msenders in seiner eigenen Hand­schrift reliefartig in Gold nachgebildet erscheint. Mitunter nürd auch dieser Namenszug eingebrannt.

* Die Kongo-Frisur. Die Damen von Newyork, die mit ihrer Mode die Welt regieren wollen, haben, wie dieInter­nationale Friseurzeitung" amerikanischen Berichten entnimmt, die Kongo-Frisur als Neuheit gestempelt. Sie ist zivar nicht ihre eigne Erfindung, sondern als Vorbild dieiit die Haartracht der Negersraiien am Kongo, die durch die Form ihrer Frisur dem Kopf eine eiförmige Gestalt geben. Außer allerlei Einzelheiten, die zur Vervollständigung dienen, sind es besonders Locken, die hier (;ur Verwendung kommen. Als Ersatz des bisher durch das Haar geschlinigenen Aketall- und Seidenbandes dient ein ganz neuartiges Band, das meist au4 blondem Schildpatt hergestellt ist. Dieses Band ivird hauptsächlich von jüngeren Damen zur tiefen Frisur getragen. Steine, Diamaiiten imd Türkisen dienen zur Verzierung. Das russisck)e Diadem und die Krone, die in der letzten Zeit sehr beliebt waren, sind fast ganz ver- schwuiiden; als Allerneuestes für die große Toilette gilt die Tiara, die fast ganz aus großen Brillanten besteht nnd bei jeder Bewegung der Trägerin einen Lichtsimkenregen aufsprühen läßt.

* Der Fuchs a l s V e r f e m t c r. Von der Parteien Gunst und Haß entstellt, sd-wankt sein Charakterbild in der Natur­geschichte. Der Jäger haßt den Fuchs, weil er ihm gelegentlich einen Junghasen oder ein Rebhuhn weg frißt, die, fein gebraten, ihm selbst geschmeckt haben würden. Der Förster als Forstmann sieht im Fuchse bis zu gewissem Grade den Freund, der ihm die Wildkaninchen, die den Forst zuweilen arg schädigen, vertreiben; hilft. Schon aus diesem einen Beispiel geht klar hervor, wie die Natur in ihrem Riesenhaushalt das Gleichgewickst herzustellen oder zu erhalten bemüht ist, und daß der kleine Herr der großen Schöpfung, Mensch, sie burd) rücksichtsloses Entgegenwir'ken in diesem Bestreben stört unb hinbert. Urian, Hal nute, Schuft unb Schurke sind landläufige Namen für den Fuchs, unb als gerissenen Gänscdieb lernt ibn das kleine Kind schon aus der Schulbank besingen. Er gilt allgemein als die Verkörperung aller Ränke, List und Tücke. In Fallen fängt, durch Giftbrocken vertilgt man ihn. Als förmliche Heldentat wird es gepriesen, wenn er die Streckeziert". Zu Märchen und Poesien wußte seine Lebens­weise Stoss bieten, und in her Tierfabe! freut man sich darüber, wie er auf listige Art und Weise Krebse fängt - die er tatsächlich nicht frißt und seinen Pelz von Flöhen säubert. Den Teufel entschuldigt man, wenn er in der Not Fliegen frißt, die er fidy selbst fängt; aber dem Fuchs gönnt man nicht das Leben, und doch hat er, wie alles andere, was lebt, and) das Recht des Da­seins. Als Hundetier (Eanis vulpes) ist er Aasfresser nnb damit Totengräber in Wald und Feld. Nidst nur Hasen, Wald und Feldgeflügel, sondern auch Mäuse, Ratten, Schnecken, Heuschrecken, Käfer, besonders Maikäfer, Würmer, besonders Regenwürmer und Engerlinge speist er in großer Zahl. Tie Jahreszeit schreibt ihm die Speisekarte. Nehmen muß er, was sie ihm bietet, lln erhört grausam war früher der FuchSfang unter Anwendung derFuchshaube", ist cs teilweise aber aud) noch jetzt durch den Gebrauch des Eisens, das ihm Meder zerschlägt.