Ausgabe 
12.11.1910 Erstes Blatt
 
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Irrtifl zu stellen. Die Kammersitzimgen dürften sich bl- in die Imcite Hülste bc8 Dezember ausdehnen«

R B. Darmstadt, 11. Novbr. Der GanderauS- schuf, für die Revision der Verwalt ungSgesetze hat heute vormittag seine Beratunfl über die VerwaltunflSrechtSpslefle im VZi-isein der RegierunflSvertreter, Herren Minister deS Innern b e r n F und Geheimeräte Dr. Best und Wilh. Best svrt- ES sand zunächst eine Aussprache über die Frage der K 0 >We | s i v n S e r t e i l u n g statt, deren einheitliche Regelunfl vom Asssschuß erstrebt wird. Die Erteilung von Wirtschaft-- konzessionen ersolflt z. B in Darmstadt durch die Ctadtverordneten- Versammlunfl, in Offenbach dafleflflen durch eine au- dieser nieder- Kesevteu Alwibnung. Diese letzte Methode ist auch in Preus,en kinflesübrt, und der AuSschuscherichterstatter stellte die Einbringung eines Vertrags in Aussicht, die KonzcssionSerteilunfl durch einen dazu berufenen Ausschuß der Stadtverordnetenversammluna fle- setzlich sestzuleaen. AlS Berufsinstanz würden dann in Hiikunlt her PiavinzialanSschuf, und der VerwaltnnflSaerichtShof in Be­tracht rommdn. Der Ausschuß trat dann in die Einzelberatnnfl brr Vorlage ein und crlebigte unter verschiedenen Bcanstandunflen die Art. 172, ohne jedoch schon Beschlüsse darüber zu fassen. Die genannten Artikel enthalten die allgemeinen Bestimmunflen über die Zusammensetzung und die Zustündigkeit ber VerwaltimgS- yerichte, daS Prozeßverfahren usw. unb regelt in ben Art. 39 bis 75 da- Verfahren in der ersten Instanz. Die Wcitcrberatung erfolgt nächsten Dienstag.

An» Stadt und Land.

Gießen, 12. November 1910.

Tageskalender Mr Sonntag ben 18. November: Stadt- Theater: Nachmittags 3'/, Uhr: ,Ter Verschwenders abends 7*/> Uhr: »Der grobe Name/

Kolosseum: Täglich Vorstellung.

K i n e. in a t o g r a p h: Neuer Spielplan^

Biograph: Neuer Spielplan.

. Anlagemnsik am Sonntag vormittag 11V4 Uhr in der «üd-Anlage. Spielplan: 1. Ouvertüre zu ^Cola Rienzi' von ttR. Wagner; 2. Große Fantaste auS der Oper ,Tlef(anb* von d'Alberi: 3. Ehristel-Walzer an« der Operette -Die Förster-Christel' von Jarno; 4. Präsentiermarsch der 1. Matrosen-Dtmsion von dem Prinzen Heinrich.

"Der ANdeutscheVerband hielt gestern abend sln Steins Garten einen gut besuchten Vortragsabend nb, den der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, Privat- dozent Freiherr v. Liebig, mit einem Hinweis aus die Bedeutung der asiatischen Türkei für den deutschen Handel, die deutsche Industrie und nicht zuletzt für die deutsche Weltmachtsstellung eröffnete. AlSdann hielt Professor Dr. M ö r t e einen Vortrag über deutsche ArbeitinKlein- nsien, die er in seinem mehrfachen dortiaen dlufenthalt selbst kennen gelernt hat. Bahnbrechend für die deutsche .Arbeit war der von einer deutschen Gesellschäft mit deut­schem Geld und deutschen Ingenieuren betriebene Bau der nnatvlischen Gisenbabn, die den Anfang des großen Heber- Landweges nach Bagdad bildet. Bon 1888 bis 1896 wurde gebaut. Die Linie verbindet Konstantinopel mit Eski-Schehr, ijolvie weiter in zwei Linien noch Angora und Konia, von letzterem Ort ist der Weiterbau nach dem Taurus im Gange, feer Redner schilderte die Schwierigkeit des BahnbaueS und die landschaftliche Schönheit der von ibr durchfahrenen sStreclen und erivähnte dort, wie die rasche und gute Her- fstelluua der Bahn das Vertrauen in die deutsche Tüchtig­keit bet den Landbewohnern unerschütterlich gemacht habe fcinb wie dem deutschen Ingenieur der deutsche Lebrer, der deutsche Arzt und der deutsche Kaufmann gefolgt fcl Der Verl ehr, die Bevölkerunaszunahme und Der Anbau des Landes habe durch die Bahn ungemein gewonnen. Auch bie Wehrfähigkeit deS türkischen Reiches sei durch sie un- gemein gestiegen. Für die Ansiedelung deutscher Landwirte komme Kleinasien allerdings nicht in Betracht, aber aus pnberen Gebieten würde auch in Zukunft die deutsche Volks- wirtschaft große Vorteile anS dem Land ziehen können, feem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte die Vorführung von interessanten Lichtbildern, die per Vortragende selbst ausgenommen hat.

"Zur Stadtverordnetenwahl. Der National- liberale Verein hat in feiner Sitzung am 9. d. M. be­schlossen, dem Bürgerschastvaueschnß die Wiederwahl her nachoerzeichneten Herren: Karl Brück, Stadtv., Kommerzienrat EmmeliuS, Stadtv., Friedr. Helfnch, Stadtv., Iriedr. Helm, fetabto^ und Karl Iann, Stadtv., und die Wahl von drei weiteren Herren vorzuschlagen. Im übrigen ist den Vertretern bcö Vereins im Bürgerschaftsausschuß freie Hand zur Aus­wahl unter den von anderen Vereinigungen empfohlenen Kan­didaten zu lasten. Wie wir erfahren, find die weiter vom Nationalliberalen Verein vorgeschlagenen Kandidaten: Architekt 'unb BrandverstcherungSafsistent Hch. Nikolaus, Weinhändler Slug. Schwan und Prof. Jos. Luley.

'Paris, WienItalien und WienLindau zugute Eommen. feiese Parallelbahn xur Giselababn, die bekanntlich eingleisig -ind technisch auf die Dauer für ben Weltverkehr unzu­gänglich jein wird, berührt die Orte Salzburg, Bad Rcichcnhall In lÖaücriL Loser und St. Johann einerseits, Bad Reicl-enhall, Doser und tonalf eiben mit An säst uff an die Tauernbahn andererseits. kDie Strecke beträgt 75 Kilometer unb würde bei zweigleisigem pbau einen Kostenaufwand von 28 450000 Kronen erfordern, im Gegensatz zu ben 42 Milloncn Kronen, die die sonst not­wendige Herstellung eines zweiten Gleiies der Gnelabapn kosten würde. Infolge der Fahrt ab ku rzmig wäre die Strecke Wien Innsbruck m st Stunden, WienZürich in 17^ Stunden znrück- äulegen. Strategisch würde die Balm insofern eine wertvolle Hilfe Dcdeuteu, als hn Falle eines Krieges die Rcichcnhaller Bahn den Internationalen Personenverkehr aufrecht er halten könnte, während die Giselabalm ausschließlich zu militärischen Zwecken Verwendung fmd.-il könnte Vhiiicr ftr den internationalen Verkehr .gewänne die Linie auch für Oesterreich durch ben engen Anschluß der Kron- InnbtT Salzburg, über- und Niederüstcrreich, Böhmen und Tirol, Vorarlberg an Bebeutung Für Bayern gewahrt die Erschließung des Saalachtales, au beut der weltberühmte Luftkurort Bad Neichen- Hall liegt, insofern einen groben Vorteil, alö bet Reichenhall ein großer Stausee zur Ausnutzung der Wasserkräfte der Äaalach errid ict wird uitb damit neue Abnehmer für die Elektrizität ge- luonneu werden.

Ein ft c i it 3 c 111 i di e 8 Dolmengrab bei Basel, !das tu der Schweiz ganz vereinzelt dasteht und mit den Dolrnen- jjräbcrn Frankreichs große Aehnlichkoit aufweist, ist von Dr. Fritz toataiiu aus gegraben worden. Es handelt sich, wie derGlobuS" fberidnet, um eine etwa 1 Meter lange und 2Vt Meter breite, «mit Pflasterboden versehene Grabkammer auS Kalkstcinplatten, auö ßder überrasthendenveise eine Ihimengo menschlicher Skelett- ** c ft c zutage gefördert wurde. Bunt durcheinander lagen die zerstreuten 4.cüv uou Den Onuiuteit eiiunü/ienet- uns Kinder, bereit Unzahl sich nach den gut erbalteuen Zähnen aus ctma 40 berechnen heb- wurden hier äugensdnuilich nicht frische Leidn'n, solidem iSlelette ;,u verschiedenen Zeiten bcigesetzt, ein Brauch, der and) anbi.. iiig bekannt ist Au Grabbeigaben saudeu sich Messer AUy > und Jaspis, Tonjd-crben, durchbohrte Zah,^ unt) ein 'Dqpoclamulvt".

Landkreis Gittzen.

+ Heuchelheim, 12. Nov. Eine merkwürdige gut besuchte östentliche h lerversa m m l n n g für die bevor- slehenbe Beiqeorbnetenwahl fand gestern abend in der Wirt­schaft von L. Schäfer statt. Da in den vorhergegangenen Versammlungen schon zwei Kandidaten ausgestellt waren, lockte die Neugierde viele Bürger auch zu dieser Versamm­lung, aber die Aufstellung eine« dritten Kandidaten unter­blieb. Die Versammlung bekam nämlich keinen Anfang, man forderte den unbekannten Einberuser auf, sie zu eröffnen. ES meldete sich aber niemand zum Wort, sodaß man schließ­lich unverrichteter Dinge auSeiiwnder ging.

Hungen, 11. Nov. Der Evana. Kirchenge­sangverein für Hessen wird sein 32. Kirchengesang­fest im nächsten Jahre hier abhultcn, nachdem der evang. Kirchenvorftcind und der Kirchengesangverein der Stadt Hungen den LandeSvcrein eingeladen haben. Der Tag des Festes ist iwch nicht genau bestimmt.

KrciS Büdingen.

* Bübingen, 11. Novbr. Der Kreisarzt Mebizinalrat Dr. Wießner ist vom 15. November bis 12. Dezember be­urlaubt. Die Vertretung ist bem Kreisassistenzarzt Dr. Schenk in Gedern übertragen. Wiedergewählt unb bestätigt würbe Johannes Heinrich Brack zu Heegheim zum Bürgermeister der Gemeinde Heegheim. Zu Gemeinderatsmitglie- bern würben gewählt in Oberau Friebr. Will). Winterling, Ioh. Hch. Hacker!, unb Karl Ran. Eckarts hausen: Hch. Wilh. Haberstroh, Peter Pinsel unb Wilh. Reichert I. Orten­berg: Phil. Winter, Karl SD?euer I. unb Hch. Schember II. K o h b e n LouiS Schönhals, Louis Koch unb Hrch. Uhl II. Nieber -M o cf ft a b t: Christoph Harth, Konrab Nahrung II. unb Lubw. Friebr. Diehl. SelterS: Hch. Herrn. Lenz, Ang Kraft unb Phil. Königs Wallernhaufen: Theob. Jung, Karl Schleuning und Otto Preufch II. Langenbergheim: Hch. Frank V., Friebr. Mohn unb Peter Krauß.

= Unter-WibberSheim, 11. Novbr. Gestern fanb bie Bürgermeisterwahl statt. Der seitherige Bürgermeister Schneiber würbe einstimmig zum 5. Mal gewählt. Ehre einer Gemeinbe, bie bie Arbeit ihres Oberhauptes so zu banken versteht unb alle Anerkennung bem Manne, ber seit 36 Jahren bad Wohl ber Gemeinde auch unter zeitweise recht schweren Ver­hältnissen wahrte. Die Anerkennung seiner Verdienste durch bie Behörde ist nicht ausgeblieben, wurde er doch bereits mit zwei Orden ausgezeichnet, ,

Kreis AlSfeld.

---Flensungen, 11. Nov. Wenn von Helpershain im Kreise Schotten geschrieben wirb, daß die Gemeinde da­selbst auS lauter Nachtwächtern bestehe, so kann juft von hier baS gerade Gegenteil berichtet werden, denn hier befindet sich seit zwei Jahren kein Nachtwächter mehr. Ter letzte Nachtwächter war so bem Trünke ergeben, daß er nachts jeden Vorübergehenden belästigte. ES entstand dabei fast immer eine ^Keilerei^, wobei er jedeSmal den Kürzeren zog. Er mußte daher seines Amtes entsetzt werden. Seither hat sich niemand zu diesem Dienste mehr gemeldet. ES wäre wünschenS- >vert, wenn dieser Posten wieder besetzt würde, damit bei einer etwa auSbrechenden Feuersbrunst jemand da wäre, der aus die Gefahr aufmerksam machen kann. Die par Mark für den Nachtivächtergehalt sollte die Gemeinde doch nicht hindern, wieder einen zuverlässigen Nachtwächter anzusteUen, zumal man in heutiger Zeit viel mehr eines Wachters bedarf, als n der guten alten Zeit. Heute wütete hier den ganzen Tag unausgesetzt ein furchtbarer Schneesturm, so daß die ganze Gegend in eine Wmterlandschait verwandelt wurde.

KrciS Lauterbach.

es Rixfeld, 11. Nov. Gestern nachmittag wurde unser neuerbautes SchnlhauS in Anwesenheit der Großh. Kreiö-Schulkommission Lauterbach eingeweiht. Mit der Einweihung wurde zugleich eine zweite Lehrersielle errichtet und dem Schulverwalter Ludwig Philippi, seüher in Maar, übertragen. Da mit dieser Feier auch daS Kirchweihfest ver­bunden war, hatte sich eine große Zahl von Festgästen ein­gesunden. Nach dem üblichen Festakt folgte ein Festessen in der Habermehl'schen Gastwirtschaft. DaS neue SchulhauS, das nach den Plänen beS KreiSbaninspektorS Hechler in Lauterbach errichtet wurde, macht bei aller Einfachheit unb Prunklofigkeit einen guten Eindruck.

KrciS Schotten.

I. Schotten, 11. Nov. Der Geniorches der Finna S. Kausmann Sohne, Herr Karl Kaufmann und Frau feiern am 14. November ihre goldene Hochzeit in diener Rüstigkeit.

Starkenburg und Nheinhessen.

X. Seligenstadt, 11. Nov. Das Komitee für die Erbauung einer elektrisch betriebenen Bahn Alzenau Seligenstadt Bieber für Personen- unb Güter­verkehr hielt in Anwesenheit von Vertretern der interessierten Gemeinden in Hörstein eine Versammlung ab, bei ber eS sich um Ausbringung ber ProjcktlerungSkosten unb um eine Aussprache über baB Projekt handelte. Die meisten Gemein- ben ftnb bereit, in entsprechendem Verhältnis zur Aufbringung der Projektierungskosten beizutragen. Der Bürgermeister von Seligenstadt erwähnte, daß man auf der hessischen Seite bereit (ei, alle Opfer zu bringen, um wenigstens bie Bahn­verbindung SeligenstadtBieber zu ermöglichen. Es stehe zu hoffen, daß auch aus bayerischer Seite die Opferwilligkeit nicht geringer sei und daß nut dem Bahnbau eine Bnlcke von Hoffen nach Bayern geschlagen werde, aus der sich em Verkehr entwickele, der für beide Länder nur von Vorteil em muffe. Wie weiter mitgeteilt wurde, ist beabsichtigt, die Kosten deö Balm- unb Brückenbaues durch Ausgabe von Aktien aufzubringen.

R.B. Darmstadt, 11. Novbr. Die amtliche F-eststellung des Wahlergebnisses sür bie gestrige Stadtvcrorb- neten- Ergänzung s wähl nahni heute den ganzen Tag in Anspruch unb bestätigt baS bereits gestern mitgeteilte Ergebnis. Unter den gewühlten 15 Kandidaten der bürgerlichen Parteien besiiiden sich neben' den wiedergewählten Stadtverord­neten gibd) mehrere vielversprechende neue Krä,te für das Stadt- parlanicnt, so Reichs- und LandtagSabgeordneter Rechtsanwalt Dr. Osann, ferner der Direktor der Hessischen LaiweShhpo- thekenbank, RegiernngSrat Bastian, der in Finanzfragen schon eit längerer Zeit ber Stadtverwaltung beratend zur Seite steht, und der Landeswohiiungsinipeltor Grctzschel, dessen erfolg­reiches Wirken un Interesse gemeinnütziger WvhnungSsürsorae langst allgemeine Anerkeitnmig gesunden hat. Tie Sozial­demokraten besaßen früher zwei, seit der Mandatsnieder. legung dcö ehemaligen sozialdemokratrichcn ReichStagsadaeordneten l'rainer nur ein Mandat. Von den drei neuen Sitzen im Stadtverordntten-Kvllegüim. verdankt bie Partei zwei den bürgerlichen Parteien, bie sic mit auf ihre Liste oeiefrc hatten, und daS dritte Mandat dem 3u- 1 <11. Mum nämlich bec »om Zentrum emplvhtcne jtanbi-

Vörfen-Wochcnberichl.

Frankfurt a. M., ll.Nov.

Das EntlastungSbebÜrfnis trat in bet abgclaufenen Woche wieder deutlich hervor. Es hat ben Anschein, als wenn, man sich schon für den Jahresschluß vorbereiten wolle. Die Börse zeigt nur wenig Neigung zu neuen Unternehmungen, zum Teil mag bieS ben Mahnungen beS ReichSbankpräsibcnten unb ber Großbanken zuzuschreiben sein, benn eS fehlt an Anregungen, die über biefe Warnungen hinweghelfen könnten. Bei bet Berufs- spekulation fehlt der Wille bazu, bie Aufwärtsbewegung noch weiter zu treiben, unb einer Baissebewegung stellen sich insofern Schivierigkeiten entgegen, alS bas Privatpublikum wenig Lust verspürt, seine Jnbustriepapiere herzugeben, da man noch größere Kursgewinne einheimsen möchte. Schwache Hände werden aller­dings aus dem SOZarftc gedrängt, hier unb ba auch be* sondere Vorstöße gegen einzelne Werte unternommen unb so kommt eS, baß sich aus ben Hauptspekulationsgebieten neuer- bingS wieder Knrsabschwächungen zeigen. Daß die Börse trotz­dem an einzelnen Tagen unter bem Einfluß bestimmter An­regungen feste Haltung zeigte, änbert am Gesamtbild wenig. Was bie Börse in erster Linie zur Realisation unb zur Zu­rückhaltung veranlaßt, sinb noch immer bie Gelbveth ä l t - nisse, beten Entwicklung man mit größter Aufmerksamkeit ver­folgt. Die Bank von England hat zwar ihrem Golbvorrat an­sehnliche Beträge zufühten können unb hat auch bewirkt, baß die Bewegung der Wechselkurse sich ihren Wünschen angemessen gestaltet bat; baß aber balb ein Nachlassen ber Anspannung auf bem internationalen Geldmärkte eintreten werbe, wagt man nicht zu hoffen unb beshalb entschließt sich bie Spekulation zu Glattstellungen. Zweifellos wird der heimische Geldmarkt zum IahreSschluß eine starke Einengung unb bie Zinssätze eine weitere Verteuerung erfahren. Besondere Gefahr droht bem Gelbmartt auch von Amerika, wo Go^bzufuhten infolge ber gestiegenen Ausfuhr beS LanbeS unb ber Spekulation in amerikanischen Pa- Vieren unvermciblirf) sinb. Eine weitere Enttäuschung wurde ber Börse in bet Haltung ber Newyorker Börse bereitet. Wider Erwarten hat ber Wahlsieg ber Demokraten in Newyotk eftic Ltt))chwächung ber Tenbenz unb stärkere Kursrückgänge hetbot- gerufen. Man hat vielfach ber Befürchtung Ausdruck gegeben, daß die starke Majorität ber Demokraten im Repräsentanten- bause zur Fortsetzung ber Aktion gegen bie Trusts führen werde. Wenn man hier dec Mschwächung nur bis zu gewissem Grabe folgte, fo war bieS herauf zurückzuführen, baß man mit bet Möglichkeit einer Zollrevision glaubt rechnen zu können. Ameri­kanische Bahnen schwächten sich unwesentlich ab. Ocsterreichische Bahnen und Schantung waren stärker gebrückt. Von Banken haben meist nur bie leitenden Werte KurSeinbußen erlitten. Montanwerte verloren 1 bis 3 Ptoz., Westeregeln Alkali 6 Prozent auf ben unbefriedigenden Gang der Berhandlungen mit ben Amerikanern. Von anderen Jnbuftriepapieren verloren u. a. Mannesmannröhren 12 Proz., während Pfälzische Nähmaschinen 7 Proz., Brauerei Nikolai 71/, Ptoz., Kl euer 8 Ptoz. unb Gnmmipeter 16s/< Pro-, anziehen konnten. Fest lagen auch Zementaktien. Heimische und frciitbc F onbs wenig verändert. PrivatdiSkont 4ll/i« Prozent.

panSci und Verkehr, volkrwirtfchaft.

Die deutsche Tabakernte ist im Jahre 1909 sehr gerinfl anSgeiollen; benn eS wurden, wie die neueren statistischen Verofseiulichungeii ergeben, burchfchnittlich mir 17,4 da vom Hektar geerntet gegen 23,7 dz im Jahre 19 ,8. DaS ist der niedrigste Ertrag, der seit einer langen Reibe von Jahren in Teutfchland erzielt worden ist. Da 16 1*5 Hektar mit Tabak bebaut waren, so nellt sich das Gesamtergebnis der Ernte aus 281 783 dz, mätjrcnb im Borja tue 344 088 dz cuit nut 14 525 Hektar geerntet wurden, Ter erzielte Preis für 1 dz imvcrftciieiten Tabak beläuft sich auf durchschnittlich 66,70 Mk. DaS ist mehr, als in itgenb einem irüheren Jahre aus bem Tabak gelöst wurde, sodaß der quami- latio schlechte ÄluSsall der Ernte teilivcife ausgeglichen wurde durch den guten Preis. Der Durchsdnilttspreis des Jahres 1908 von 62,90 'Dir. für 1 dz war schon höher als der aller votauSgegangenen Jahre.

bat, Obertelegraphensekretär Herbert, und ber sozialdemokratische LandtagSabgeorbnete Dr. Fulda je 3903 Stimmen. Bei dieser Stimmengleichheit mußte bie Entscheibung burrf) bas 2 p 8 erfolgen unb bieses entfcf'ieb zu Gunsten de- letzteren.

tf>. Bingen, 11. Nov. Der Rheinwassetstand ist noch weiter gestiegen unb betrug heute abend 3,92 Meter. Die beiden Rheinufer oberhalb von Bingen unb RiideSheim sind weit in baS Lanb hinein überschwemmt. Der SchisfahttSverkeht ist im allgemeinen lebhaft. In ben letzten Tagen herrschte hier schwerer Sturm der für bie Schiffahrt recht hinderlich war. Die Nahe ist im oberen Laufe in langsamem Rückgang begrissen, hier ist sie bi- heute noch gestiegen. Ein Rückgang beS hohen Wasser- stanbeS ist übrigens zu erwarten, benn in letzter Nacht hat eS leicht geschneit.

Hcfscn-Nassau.

** Hessen-Nassau, 11. Nov. Im dritten Vierteljahr 1910 stellt sich die Zahl der Schlachttiere, die in Hessen-« Nassau ber Fleischbeschau unterzogen würben, wie folgt: Pserbe unb andere Einhufer 542 (gegen 500 im zweiten Viertel­jahrs Ochsen 9034 (9330), Bullen 1894 (1518), Kühe 16 286 (16 754), Jungrinber 15 194 (12 278), Kälber 47 915 (56 071), Schweine 127 195 (115 607), Schafe 16 126 (10 766), Ziegen 1376 (4287) unb b iesinal and) zwei Hunb e. Von 126 316 (112 306) auf Trichinen unb Finnen untersuchten Schweinen waren 1 (1) trichinös unb 12 (5) finnig.

w. Kassel, 11. Nov. Heute abenb hat bet Mehgergeselle Kannegießer nach einem Wortwechsel mit seinem Stiefsohn biefem mit einer Axt ben Kops gespalten, so baß ber Tob sofort eintrat.

Der deutsche Kaifcr in wolfrgarten und vaden-vaden.

Schloß Wolfsgarten, 11. Nov. Bei der Ankunst im Schlosse wurde der Kaiser von den fürstlichen Damen, der Zarin, der Großherzogin von Hessen und der Prinzessin Hein­rich von Preußen, empfangen. Um 1 Uhr fand im Schlosse Hostafel statt, bei ihr faß an der Mitte ber Tafel die Zarin, rechts von der $arin der deutsche Kaiser, die Großfürstin Olga, Prinz Heinrich von Preußen, Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Baron Fredericksz und Großfürstin Maria; links von der Zarin hatten Platz genommen die Groß­herzogin von Hessen, der Zar, Prinzessin Heinrich von Preußen, der Großherzog von Hessen, die Großfürstin Tat­jana, Prinz Friedrich Karl von Hessen und die Oberhof­meisterin der Großherzogin von Hessen, Freiin von Grancy. Ferner nahmen an ber Tafel teil der preußische Gesandte Freiherr von Jenisck nebst Gemahlin und vom Gefolge des Kaifers Hosmarschall Graf Henckel v. DonnerSmark und Flügeladjutant Oberst v. Chelius. Das Wetter ist trüb und stürmisch.

Die Abreise des Kaisers erfolgte um 3 Uhr und die An­kunft in Baden-Baden um 5 Uhr 30 Mm. Der Kaiser wurde am Bahnhose vom Großherzog von Baden begrüßt. Die Herrscl-asten fuhren in geschlossenen Wagen ins neue Schloß, wo der Kaiser Wohnung nimmt Der Groß­herzog und die Großherzogin von Baden waren nachmittags um y34 Uhr dort eingetroffen.

vermischtes.

* Der Schnee im Sprichwort Der erste Schnee! AuS verschiedenen Teilen Deutschlands kommt die Kunde, daß dieser liebvertraute Begleiter des Winters sich bereits eingcfmihtn hat Scimee im Noveoivet ist nacy Den allen Bauernregeln ein guter Ssoiootc fürs kommende Jahr.Je mein* Sdmec im Nomnil>er fallt, um so )rud)tbarcr wird daS Feld", heißt eS.Gut ist her Schnee, ber zur Zeit kommt", unb der Bauer kann ben Schnee gar icüb gebrauten, beim u Juuuit tu»ig