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12.11.1910 Erstes Blatt
 
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i:r. 266

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160. Jahrgang Samstag, \L November WO

MetzenerÄnzeiger

6, General-Anzeiger für Oberhessen

notaflontornl ono Verlag der vrühl'schen Unlv.-Vllch. und Stelndruckerel H. fangt Beöaftion, LxpedUion und Druckerei: Schulstratze 7. rath; für .Stadt und

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Die heutiae Nummer umfafet 18 Seiten.

politische wochenscha«.

Gietzen, 12. Nov.

Georges Ohnet, der befamtfe fwnzc's sche Romanschrift­steller, hat vor längerer Zelt in einem Roman,Der rote Kurs", ein Zeitgemälde ans dem heutigen Frankreich ent­worfen, auf das man heute mit besonderem Interesse das Auge richten könnte. Die innere Wandlung eines Groß- ^Lndustriellen und sozialistischen Abgeordneten, der am eigenen Leibe die frivole Arbeiterverhetzung zu spuren be­kommt und dem Nebeldunst derGenossen" allmählich ent­rückt wird. Heute ist es Briand, der frühere sozialistisch-radi­kale Abgeordnete, der schon als Kultusminister von seinen Parteigenossen mißtrauisch beobachtet wurde und, nach seii^n Erfahrungen beim Eisenbahnausstand, ung.f^hr die­selbe Denkrichtung einnimmt wie in jenem Roman Herr Didslot, als ihm die Arbeiter die Fabrik über'm Kopfe cmgesteckt hatten. Ohnet, dessen Produkte zwar geringen künstlerischen Wert haben, hatte recht, als er über das politische Strebertum der radikalen Republikaner die Geisel schwang. Jene Seuche, von der das parlamentarisch re­gierte Frankreich ergriffen ist, erfordert bei Hoch und Niedrig. Reich und Arm, noch heute manchen moralischen Fall.

Den an die Spitze gekletterten Führer wandelt ein Ekel an vor der staatszerstärenden Unordnung, der er früher, als Mittel zum Emporkommen, mit seinen Freunden selbst gehuldigt hatte. Briands Programm ist heute ein anderes als früher, aber die Wandlung ist bei ihm nicht piöMch ge­kommen. Er kannte die demagogischen Kniffe und Bahnen seiner Parteigenossen seit Jahren, hat die inneren Ursachen zahlreicher Ausstände und der damit verbundenen Wirren gründlich studiert. Als die Eisenbahuangi stellten, w.ederum unter dem Druck desArbeitsverbande^", da- Land einer allgemeinen, unheilvollen Verkehrsstockung überlieferten, griff er schnell zu und führte aus, was er schon am 29. März 1909 bei einem Bankett in der Normandie gesagt hatte: Pflicht des Staates sei es, sich vor der Anarchie z c Rechten wie zur Linken zu hüten und organisierend einzu^reifen, um Exzesse und Mißbräuche der Freiheit zu verhüten."

Doch Macht ist süß, und Br.and beugt sich, um am Ruder bleiben zu können, auch diesmal dem " ssaträinentarischen Einmaleins, das unter allen Umständen eine Mehrheit er­rechnen muß. Er verspricht weitere Verweltlichung der Schule, Wahlrejorm, Verwaltungsreform, Justizreform. Steuerreform, und wirklich haben bie unmutigen Genossen ob solcher Hoffnungen ihm den Feldherrnstab noch einmal überlassen. Aber in der Organisation der Berufsvereine will der Ministerpräsident die Ranken politischen Miß­brauches beschneiden. Zwar will er das Streikrecht der in den dem öffentlichen Interesse dienenden Betriebe Ange­stellten nicht gesetzlich verbieten das hätte seinen Sr.urz bewirkt aber er will durch Schiedsgerichte und gesetzlich statthafte militärische Einberufungen allen solchen gefähr­lichen Ausständen aufs äußerste entgegenwirken.

Das Mmisterium Briand hat sicy aus unbestimmte, vielleicht nur kurze Zeit, des Vertrauens der Kammer ver­sichert. Das politische Strebertum, die Verhetzung der Ar­beiter zu gelegentlichen Gewalttaten, wird es nur schwer unterbinden können. Sind wir in Deutschland weiter? Ohnct hat die deutschen Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Ordnung bei Ausständen in seinem Roman gelobt, mit großem Ernst die Anwendung heilsamer Gewalt, und sei es mit der Waffe, empfohlen. Doch wir haben gleichfalls unsere Nöte, um nur die neuesten zu nennen: Moabit, Bremen und Wedding. Wir sollten aber von Frankreich und Briand

politische Tagesschau.

Was wird aus der neuen Ferufprechgebuhrenordnung werben?

Seit zwei Sessionen lagert im Reichstage die neue Fernsprechgebührenordnung und harrt ihrer Erledigung. Im letzten Tagungsabjchnitt hat man sich um diese Vorlage bis jetzt nicht gekümmert, nicht einmal einem Ausschuß wurde sie überwiesen. Das Reichspostamt will nunmehr, so schreibt man uns aus Berlin, dafür Sorge tragen, daß die Frage mehr in Fluß kommt und die Materie erledigt wird. Bei

lernen. Uebergriffe und Gewalttätigkeiten, Eingriffe in die Rechte Arbeitswilliger, müssen unter allen Umständen streng bekämpft werdet:. Wenn der Sozialist Briand gegen der- arttge Mißbräuche ins Feld zieht, muß der deutsche Boden, der heute noch nicht so durchseucht ist wie der französische, es aber bald werden könnte, davor entschieden bewahrt wer­den. Man lese jetzt wieder denVorwärts" beim Beginn des Massenprozesses gegen die Moabiter Beschuldigten! Noch hat die Verhandlung nickt begonnen, und schon stürzen die gewöhnlichen Tiraden yervor gegen Polizeiwillkür und Klassenjustiz. Es ist wie in Frankreich, die Macht der Phrase soll den vierten Stand berauschen, ihn unter allen Umständen in wüste Opposition drängen. Damit einzelne Machthung­rige und Streber obenauf schwimmen. War der Ordnungs­ruf gegen den Rechtsanwalt RosenfeL, der die Moabiter Vorfällenur Exzesse der Schutzmannschaft" nannte, etwa unberechttgt? Jener Anwalt, der wiederholt raisonnierte, das Wort sei ihm abgeschnitten worden, und der darum in eine Geldstrafe genommen wurde, wird gleichfalls vomVor­wärts" stürmisch in Schutz genommen, wobei freilich in erster Linie die Absicht obwaltet, dem Gerichtshof von vornhereinGereiztheit" nachzuweisen, nachdem dieser so­eben die Verdächtigung,befangen" zu sein, von sich ab­gewiesen hatte. Auch jene angeklagte Frau, die im Gerichts­saal ohnmächtig wurde, erfreut sich der tiefsten Teilnahme desVorwärts"; es wird sich ja aber Herausstellen, ob es wahr ist, daß sie eine brennende Lampe aus einem Beamten zerschellt hat. Man sollte meinen, alles würde selbstver­ständlich sich darüber einig sein, daß die gemeinsten Aus­schreitungen in Moabtt, soweit sie nachgewiesen werden können, an den Schuldigen gesühnt werden derVor­wärts" ist wieder einmal anderer Ansicht.

Die englische Presse, die jene Vorgänge ausbauschte und von der erschütterien Autorität in Deutschland fabelte ist jetzt von einer ähnlichen Ueberraschung im Eigenen Hause getroffen worden. Die neuesten Meldungen an§ dem Unruhenherb in Glamorgan klingen zwar müder, aber es steht doch fest, daß im dortigen Bergwecksgebiet Aufstände sich ereignet haben, wie sie in solcher Heftigkeit in Deutsch­land noch nicht vorgetommen sind. Schwere Gewalttätig­keiten wurden begangen, Fabriken wurden angegriffen, Läden ausgeraubt. Schutzleute hieben mit Stöcken drein, und die Zahl der Verletzten und Schwerverletzten ist nicht gering. Die Presse der deutschen Genossen hat jetzt Gelegen­heit, auch gegen die englische Polczeibrutatttät loszu­ziehen. Die englische Regierung ist auch nicht davor zu- cückgeschreckt, Militär zur Unterdrückung des Aufruhrs heranzuziehen, und das bloße Erscheinen erheblicher Trup­penaufgebote hat anscheinend genügt, die Ausrührer zur Vernunft zu bringen. Hoffentlich wird auch dieses englische Beispiel ernüchternd wirken, und eine besonnene ent­schlossene Regierung braucht das von von dem Russen Menschiloff neuerdings empfohlene Mittel internationaler monarchistischer Verbündung gegen die rote Flut nicht, um 'ich gewalttätiger revolutionärer Erhebungen dennoch zu erwehren. In Deutschland ist übrigens die arbeitende Be- oölterung doch wohl weit entfernt, an anarchistischen Ko­mödien Gefallen zu finden.

der jleberfülle an Stoff erscheint es doch sehr fraglich, ob die Materie noch vor den Neuwahlen erledigt werden wird, obgleich der Entwurf im Reichstage nur wenig Gegner gefunden hatte.

Statistische Wettdeklaratiou.

Wir lesen in derDotksw. Korresp.":

Beim Vergleich unser diesjährigen Warenausfuhttverke mit den vorjährigen wird regelmäßig außer acht gelassen, daß bei einer großen Reihe von Waren inzwischen die Wertdeklara-« tion an Stelle der früheren Schätzung getreten ist. Dadurch sind die diesjährigen Ausfuhrwerte mit denen früherer Jahre nur noch bedingt vergleichbar. Bei vielen Waren, deren Wett jetzt bei der Ausfuhr für die Zwecke der Handelsstatistik deNariett werden muß, hat sich ergeben, daß der frühere Schätzungswert zu hoch war. Infolgedessen hat sich der in der Statistik angegebene Wett bei vielen Ausfuhrwaren gegen das Vorjahr vermindert^ obwohl die Ausfuhr der Menge nach gewachsen ist.

Ein Beispiel dieser Art bieten die für photographische Appa-< rate, Stereoskope, Operngläser, Ferngläsern Brillen und Lupen nachgewiesenen Wette. Die Ausfuhr dieser Artikel hat in den neun Monaten Januar bis September 1910 betragen 3285 Doppel­zentner gegen 2978 .Doppelzentner im gleichen Abschnitt des Vor­jahres. Trotzdem ist die diesjährige Ausfuhr nur mit einem Wette von 9 980 000 Mk. in der Statistik nachgewiesen, die vorjährige dagegen mit einem Werte von 16 316 000 Mk. Die Ausfuhrmenge ist also um 307 Doppelzentner gestiegen, der Aus­fuhrwert aber um 6 336 000 Mk., also um beinahe 40 Prozent, gefallen. Man sieht hieraus, welche Mängel dem System der Wettabschätzung anhaften. Denn man wird ohne weiteres an­nehmen dürfen, daß die Werte der diesjährigen Ausfuhr, eben weil sie von den Expotteuren deklariert sind, richtig, die vor- jähttgen, auf Schätzung beruhenden Ausfuhrwette dagegen falsch sind. Hieraus sollte man die Konsequenzen ziehen und bei alfen Waren sowohl in der Einfuhr wie in der Ausfuhr, den Wert, für die Zwecke der Statistik deklarieren lasseo.

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Gegen die Geschwätzigkeit der französischen Abgeordneten richtet sich, wie uns aus Paris geschrieben wird, ein Antrag des Radiarlen Beauquier, der besonders wegen der zeit­raubenden Verschleppungen der wichtig m Dag.sfragen durch die Anfragen über die Politik des Kabinetts aktuelles In­teresse bat. Herr Beauauier, einer der ältesten Parlamen­tarier, Der bereits seit dreißig Jahren ununterbrochen im Palais Bourbon sitzt, also von den Nörglern nicht als ein naseweiser Neuling abgefertigt werden kann, bringt fol­gende Vorschläge:

,^Zeder Redner, mit Ausnahme der Minister, darf die Tribüne nicht länger als eine halbe Stunde hintereinander in Anspruch nehmet:.

Indessen kann auf ein von dreißig Ab geordneten unter­zeichnetes Gesuch diese Beschränkung aufgehoben werden.

Bei den Budgetberatungen darf keine Interpellation und keine Resolution eingebracht werden.

An keine Anfrage darf eine andere Frage geknüpft werden, mag diese auch mit ihr in Zusammenhang stehen.

Die (Erörterungen über eine Anfrage dürfen sich nicht über eine Stunde hinaus erftrecfen. In der Sitzung nach der Er- örterung bestimmt die Kammer über die Reihenfolge der verschie­denen Tagesordnungen und über diese selbst.

Bei tber Erörterung der Tagesordnungen über irgend eine Frage darf kein Redner länger al$ eine Viertelstunde auf her Tribüne bleiben."

Der Strafprozeßausschu ßführte heute die zweite Lesung hetz reichend beweiskräftig:Die Kammer ist keine Akademie."

. ........ ...... -L--- - .5

Ans Hessen.

R. B. Darmstadt, 11. Novbr. Als Termin für den Z u - sammentritt der Zweiten Kammer ist nunmehr Diens­tag, der 29. November, bestimmt worden. Auch der Gesetz­gebungsausschuß wird demnächst noch zu einigen Sitzungen zusammenberufen werden, um die noch rückständigen kleinen Be­ratungsgegenstände für die Erledigung in der Vollversammlung

Gasquellen und Lrdseuer.

Tas Hervvrbrechen einer gewaltigen ErdgaSquelle in Neuengamme unweit von Bergedorf bei Hamburg, deren Stichflammen seit wenigen Tagen Zehntausende zur Betrachtung des wundersamen Schauspiels eines hoch aus dem Erdboden her- ausschießenden Erdfeuers anlocken, ist eine Naturerscheinung, die zwar in Deutschland zu den Seltenheiten gehört, in anderen Ländern und Erdteilen aber schon recht häufig beobachtet worden ist. Seit uralten Zeiten brennen aus dem mit Naphtha geschwän- Igerten Boden bet Halbinsel Apscheron am kaspischen Meere, wo dank bet überreichen Petroleumfunde bad einst elende Tataren­nest Baku sich zu einer Jbustriestadt von 150 000 Einwohnern entwickelt hat, bie heiligen Feuer, bie einst sck>on Alexander den Großen an bie äußersten Grenzen bes persischen Reiches, nach Baktrien leiteten, zu benen heut ungezählte Scharen frommer persischer Feueranbeter wallen, um ihre Gebete nach der Religion Zarathustras zu verrichten, beten Hitze aber auch von der pro­fanen modernen Industrie zum Brennen von Kalk verwendtt wird.

Gasquellen, bie entweder dauernd fortbrennen oder nach an­fänglicher Entzündung technisch gebändigt wurden, gibt es auch in Europa an verschiedenen Orten, bei Barigazzo im modenesischen, bei Pietra mala zwischen Boloyna und Florenz, in den rumänischen Petroleumbistrikten, im galizischen Petroleumbezirk bei Sloboda rungursca, sehr zahlreich in China, im Steinjalztzebiet von Szlä- tina im ungarischen Komitate Marmaros nordweftlicb von Sziget unb bei Bechelbronn im Elsaß. Am großartigsten aver treten sie in Nordamerika in Erscheinung, wo sich auf ihr Auftreten eine mit Millionenwetten rechnende Industrie gegründet hat. Im Jahre 1821 wurde in Ehautauqua County im Staate Newyork ein Brunnen erbohrt, dem so viel Erdgase entströmten, daß daS game in bet Nähe gelegene Dorf Fredonia damit beleuchtet werben konnte. Bohrungen an anderen Orten lieferten ebenso günstige Resultate und so begann seit dem Jahre 1840, besonders in der Umgebung von Pittsburg im Staate Pennfylvanien die aewerbsmäßige Ausnutzung der Gasquellen im großartigsten Maß­slabe zu Beleuchtungszwecken und zur Tampserzeugung in Fa­briken. Tie Bohrlöcher, die ähnlich wie diejenigen zur Gewin­nung von Rohnaphtha in die Eroe getrieben werden, pflegen durch­schnittlich mindestens zwei Jahre lang, in günstigen Fallen aber auch 10 Jahre unb darüber reichlich Gas zu geben, worauf häu- fig Verstopiung durch Paraffin oder Salz der Ergiebigkeü ein Ende jnaebt. Andere dagegen liefern schon feit 90 Jahren ununter» Wochen Aus bis zu Mengen von MJUUU Rubdmetet 041,

Tage, wobei die Tagesstunde, Wetterwechsel und besonders Bato» meterschwankungen von sichtlichem Einflüsse auf die Menge des auSstrümenden Gases sind. Obgleich viel mehr Gas verloren geht als gewonnen wird, ergibt sich aus Berechnungen, daß um 1890 804 in den Vereinigten Staaten bestehende Gesell­schaften, jährlich 1300 Millionen Kubikmeter ErdgaS im unge­fähren Wette von 95 Millionen Mark gewonnen und daß bie amerikanischen Bohrlöcher bis 1905 Erbgas im Gesamtwert von 1600 Millionen abgeliefert haben.

Für Heizzweae uni ein voues Drittel wertvoller als Stein­kohlengas, besitzt bas Erbgas nur bie halbe Leuchtkraft des künst­lichen Steinkohlengases, kann aber burch Anreicherung mit Kohlen- oxyb (sogenanntes Carburieren) auch für Beleuchtungszwecke sehr geeignet gemacht werben. Bei Marion im Staate Jnbiana, wo es unter einem Tnick von 20 bis 30 Atmosphären aus den Bohr- IMern austritt, benutzt man, da bei der Ausdehnung von Gasen eine bedeutende Abkühlung eintritt, die Expansien des Gases zur Eisgewinnung im größten Maßstäbe, bevor es zur Heizung unb Beleuchtung verwenbet wirb.

Erbgase bilben fiel? in allen Kohlenflözen, also burch Umwand­lung pflanzlicher Stoffe auf bem Wege ber trockenen Destillation unter dem Druck ber barüber gelagerten, den Luftzutritt verhindern­den Eidschichten, viel reichlicher aber aus tierischen Resten, be­sonders aus den Fttteileu von Seetieren, die fich an bestimmten Stellen des Meeres in großen Mengen ablagerten unb von Sedimentgesteinen überschichtet wurden. Endeffekt der dann ein­tretenden Oxvdation und Destillation ist immer die Entstehung einer großen Zahl von Kohlenwajferstoffen. Die höckKkonstttuietten (d. h. mit Molekülen von vielen Atomen) bilden feste Körper, wie Erdwachs, Asphalt oder Erdpcch, die mittleren bilden slüjfige Körper, wie Rohpetroleum, die niedrigst konstituierten endlich treten als Gase, wie Methan, Aethan, Propan, mit Beimengungen von Wasserstoff und Kohlenoxyd auf. Vermutlich verdankt auch Die Erdgasflamme von Neuengamme ihre Entstehung dem Um­stande, daß die bis auf eine Tiefe von WO Metern nitiyergetriebene Brunnenbohnrng ein Erdöllager eröffnete, bem nun die Gase in Mengen entweichen,

Die ältesten Universitätsvorlesungen in deutscher Sprache. Die allgemeine Ansicht ist, daß der oettihmie Jurist und Philosoph Christian T h o m a s i u S cm 31. Oktober 1087 (nach der lulian^chen Kaluchenechnung) als Privaldo^ent zu Leipzig zuerst ein öffentliches Kolleg in deutscher Spraye las. Auch der daraus bezügliche Anfchiag amschwarzen VU4" war bttttfch VLUtUgt Md to&G MWIWlWä

eröffnet der studierenden Jugend zu Leipzig in einem Discvurs, welcher Gestalt man denen Franzosen im gemeinen Leben undi Wandel nachahmen solle? ein Kollegium über des GrattanS Grundreguln, vernüftig, klug und artig zu leben." Die Empörung über das allem Herkommen und der geheiligten Süte Hohn sprechende Vorgehen des Thomasius war allgemein und einträchtig zeterten Rektor und Senat, als ob die Welt nun Untergebern müsse. Unb doch hatte schon 180 Jahre vor Thomasius ein beut* sche? Professor den unerhörten Greuel verübt, sich auf dem: Katheder der deutschen Aiuttersprache zu bedienen. Es war dies ber aus Göttingen gebürtige Tilemann Hev.er 1 ingh, der um bie Wende vorn 15. zum 16. Jahrhundert als Magister deü freien Künste unb Baecalaureaus ber Theologie in Rostock baziette unb nicht nur beut sch, sondern sogar plattdeutsch vottrug^ TUemanu Heverlingh, dcr elegante, aber auch recht boshafte, lateinische Verse zu machen verstand, hatte, obwohl er deutsch vortrug, wie Heinrich Heinz in Heidelberg mitteüt, seinen Namen zu Levangeus lateinisiert, was Ulrich von Hutten, der 1510 eben­falls kurze Zett in Rostock las, ihm mit der malttiösen Bemerkung an treibet, daß er kein Hever 1 ing , sondern eigentlich ein Ueberbeberling sei. Sechzehn Jahre nach ihm begann auch Theophrastus BombastuS Paracelsus, nachdem er als Stadt­arzt nad) Basel berufen war, an ber bärtigen Universität deutsche Vorlesungen zu halten, bie ihm genügenb Tadel von feiten seiner Kollegenfchaft eintrugen unb selbst Luther, der im allgemeinen lateinifch las unb nur zuweilen beutsche Erläuterungen in feine Vorträge zu Wittenberg einschob, mußte sich die Verdächtigwrg gefallen lassen, daß er des Lateins nur ungenügend mächtig let, Die Versuche zur Einführmig der deutschen Vortragssprache an den Univeriitäien erlahmten bald gänzlich unb noch 1711 äußert ,ich ein kurfächsijches Edttt sehr mißliebig über den Gebrauch deä Deutfcheiu Der Umfdjtpung war aber auf die Dauer nicht mehr aufzuhalten. Arn längsten erhielt sich auf den Unioerfitäien daH Latein bei bem medizinischen Unterricht, aus dem es erst gegen ba$ Ende des 18. Jahrhmibetts versck)wanb.

Eine neue europäische Verkehrslinie. B rn größter wittschafts-geographischer Bedeutung wird die Saalach­talbahn werben, deren Bau von einer unter dem Vorsitz des Präsibenten deS österreichischen Abgeordnetenhauses abgchaltencn Versammlung zu St. Johann in Tirol bringenb gefordert würbe. Sie bedeutet nach bemGlobus" für den Verkehr WienInnsbruck eine Abkürzung von 97 Kilometern oder zwei Stunden Fahrtgewinn, bie zugleich auch dem intev- satiKMleü Vertehr S&njWWd PaiA. LüärMu,