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12/03/1910 Erstes Blatt
 
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ruhigen gleichmäßigen Entwickelung in Preußen geführt hat. Meine Freunde haben sich daher in ihrer großen Mehrzahl mit ganz geringen Ausnahmen dahin schlüssig gemacht, das Vor­gehen der tonscrbativen Nommissionsmitglieder zu billigen und iic sind hier im Plenum bereit, für die Kommissionsbeschlüsse auf Zusammenfassung -cs geheimen und indirekten Wahlrechts zu stimmen. Deshalb bitte ich Sie, den § 4 anzunehmen, wie er aus der Kommission hervorgegangcn ist. (Lebh. Beifall rechts und.int Zentr.).

Abg. Dr. Friedberg (Ntl.): Meine Freunde halten an der Ucberzeugung fest, daß eine befriedigende Lösung nur ge­sunden werden kann burd) Einführung der direkten, Wahl. Ich brauche mich gar nicht auf eine besondere Begründung einzulassen, sondern tonn mich auf die Begründung der Regiermlgs- vorlage beziehest. Ich kann mir auch nicht denken, daß die Re­gierung dieses Herzstück ihrer Vorlage unter den Tisch fallen lassen wird. Der Vorredner hat den Antrag der Konservativen dahin erläutert, daß damit nichts weiter beabsichtigt gewesen sei, als jedes einzelne Mitglied des Hauses noch einmal vor die Frage zu stellen, ob es st'ir die geheime oder die öffentliche Wahl eintreten will. (Ruse links: Wer's glaubt!) Solche Gewissens- vrüsungsfragen find int allgemeinen aber nicht der Zweck von Anträgen in diesem Hause. (Lebhafte Zustimmung links.) Wir hatten das gute Recht, sestzustellen, daß die konservative Partei nicht das Recht hat, im Lande zu behaupten, daß sie gezwungen worden sei, für die geheime Wahl einzutreten. Unser unbedingtes Eintreten Jur die geheime und direkte Wahl enthebt uns aber nicht der Verpflichtung, Besserung vorzuschlagen, wenn nun ein­mal eine Majorität dafür nicht vorhanden ist. Die Entnahme der Wahlmänner aus einem größeren Bezirke ist eine Verbesserung, dadurch wird allen Parteien möglich, Wahlmänner aufzustellen. Unser Vorschlag auf Entnahme der Wahlmänner aus dem ganzen Wahlkreise in der Kommission ist eigentlich zuerst vom Zentrum in die Debatte hineingeworfen worden. Daß uns dann das Zen­trum im Stich gelassen hat, wundert mich bei dem ganzen Ver­halten des Zentrums nicht mehr. (Lebhafte Zustimmung links.) Das Zentrum har sich auf den Vorschlag der Entnahme der Wahlmänner nur auf die Gemeinden zurückgezogen. Danach bleibt alles beim alten im wesentlichen. (Zustimmung links.) Was nun die Trittelung nach Urmahlbezirten angeht, so schlägt diese dem ganzen Grundsatz des Klassenwahlrechts ins Gesicht. Die vlutotratische Wirkung des Dreiklassenwahlrechts wird in einigen Bezirken durch die Trittelung nach Urwahlbezirken allerdings abgeschwächt, in anderen aber wird sie verstärkt. (Sehr richtig !) Diese Bestimmung ist vollkommen sinnlos. Wir haben zwar in der Kommission für die Maximierung gestimmt: aber nur unter Vorbehalt, Denn auch sie schlagt dem Prinzip der Steuerleistung ins Gesicht. (Zustimmung links.) Die Maximierung von 500U Mark bedeutet in den großen Städten etwas ganz anderes als in den kleinen fcnb auf bem Lande. Wir haben deshalb andere Grundsätze vorgeschlageit und zwar zunächst dahin, daß man den anderen Steuerzahlern etwas zulegt, die sonst kein Anrecht aus die Wahl hätten. Wir hatten weiter beantragt, daß in der ersten Abteilung ein Zehntel der Wähler und in der zweiten zwei Zehntel aller Wähler enthalten sein solle. Wir lehnen es aber ab, nur eine Scheinreform zu machen, die in Wirklichkeit nichts anderes ist als eine reformatio in pejus. (Lebhafter Beifall links.)

Abg. Fischbeck (Forschr. Vp.): Meine politischen Freunde fordern in erster Linie das gleid^c Wahlrecht. Es handelte sich immer nur Darum, was bei einer Reform außer der selbstver- ständlick)en direkten Wahl nock) zu erreichen war. Jeder ver­nünftige Mensch sagte sich bisher, daß zu einer Wahlreform das direkte Wahlrecht gehört wie der Punkt auf das i. (Sehr richtig! links.) Deshalb hat auch dieses Kompromiß eine so ungeheure Erregung hervorgerufey. («Sehr richtig! links.) Nun ist ein Kom­promiß zwisckn'u Zentrum und Konservativen zustande gekommen, das nicht in der Richtung einer Resormfreundlichkeit liegt. (Sehr richtig! links.) Das Zentrum, das angeblid) die lieber tragung des Reichstagswahlrechts aus Preußen wünscht, hat aus diesem Reichs- tagswahlreckst ein Stück herausgebrochen, das das Fundament des ganzen Reichstagswahlrechts ist, die direkte Wahl. Die Kow- servativen jinb scheinbar der Volksströmung entgegengekom­men, indem sie das geheime Wahlrecht akzeptiert haberr. Und die Zentrumspresse wird so aus allen Märkten verbünden, daß es der Zentrumspartei gelungen ist, dieses Kunststück fertig zu bringen. Wenn die Konservativen den Wähler nicht mehr tontrollieren können, dann wollen sie es wenigstens beim Wahlmann tim. (Zu- itimmung links.) Deshalb stehen wir aus dem Standpunkt, daß wir lieber int Augenblick gar nichts zustandekommen lasten wollen, als eine Scheinreform, die vom Volke als Verhöhnung auf- gefaßt werden muß. (Lebhafter Beifall links.)

Abg Frhr. v. Zedtin Freikons.): Würden wir in Preußen das Reichstagswahlrecht einführen, würden die Freisinnigen ver­schwinden. Wir sind aber so guten Herzens, daß wir diese Aztf- upserung nicht wünschen.

Abg. Herold (Zentr.): Tie Taktik der Nationalliberalen ist mehr als seltsam. Herr Friedberg sagt: Wir sind einstimmig für die geheime Wahl. Aber wenn es zur Abstimmung darüber kommt, dann verlassen die Nationalliberalen einfach das Lokal! Das erinnert an die ärgsten Zeiten der sozialdemokratischen Obstruktion, die die Nationalliberalen damals mit uns bekämpften. Sie treten damit in die Fußtapsen der Sozialdemokraten. Wir werden den Nationalliberalen diese Haltung dauernd nicht ver­gessen! Die Kommissionsbeschlüsse bieten eilten so großen Fort­schritt, daß wir sie mit aller Kraft unterstützen wollen. Wir sind nicht so töricht, auf die Taktik der Linken hereinzufallen und die ganze Reform zum Scheitern zu bringen, indem wir auf weitergehendeit Forderungen bestehen.

Abg. Korsanty lPole) erklärt namens seiner Partei, daß sie die Vorlage, auch wie sie aus der Kommission hervorgegangen ist, ablehnen wird.

Nacks einer Rede des Abg. Ströbel (Soz.) wird ein Schluß­antrag angenommen.

Nach kurzer Gesd)ästsordnungsaussprache beginnt die Ab­stimmung über § 4 und die dazu gestellten Anträge.

. Zunächst wird der Antrag Hobrecht, die Ausschußfassung durch 'die Regierungsvorlage zu ersetzen (direkte Wahl statt in­direkte Wahl) und gleichzeitig geheime Wahl einzuführen, gegen die Stimmen der Nationalliberalen, der Volkspartei, der Polen und der Sozialdemokraten abgelehnt.

Daraus Ivirb der erste Satz des Antrags A r o n s o h n , der das 'gleiche Wahlrecht fordert, gegen dieselbe Minderheit und die Stimmen Der Abgg. Gronowski, Sanermann und Bartscher ab- gelehnt.

Die Abstimmung über den zweiten Satz des Antrags Aronsohn «direkte und geheime Wahl) ist namentlich. Für den Antrag stimmen 1110 Abgeordnete (Nationalliberale, Volkspartei, Polen und»-7-iste Zentrumsabgg. Bartscher, Sauermann, Jmbrisch irTTü^GronolüstKunb die Freikoitservativen Wagner-Breslau und Rahardt), gegen den Antrag stimmen 277 Abgeordnete (Rechte und Zentrum und der nationalliberale Abg. Heye). Ter Antrag ist also abgelehnt.

§ 4 wird daraus in der Ausschußfassung gegen die Stimmen der Nationalliberalen, der Volkspartei, Polen und Sozialdemo- Irafen ,imb einiger Zentrumsabgg. angenommen.

Das Haus vertagt |id) auf Samstag.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 12. März 1910.

* * Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat dem Pfarrer Peter Sch weickert zu Schwickartshausen die ev. Pfarrstelle zu Kriegsheim übertragen.

Lehrer Personalien. In den Ruhestand versetz! imirbc der Lehrer an der Gemeindeschule zu Lauter­bach Gg. Conto ans sein Nachsucheu, unter Anerkennung feiner- langjährigen treuen Dienste. Erledigt sind: Am

Lehrerseminar zuBensheim eine mit einem evang. Theo­logen zunächst provisorisch zu besetzende Oberlehrer­stelle. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schulstel zu Rudlos, mit der Organisten- und Lektordienst ver­bunden ist.

** Polizeikonferenz. Eine Konferenz der höheren hessischen Polizeibeamten unter dem Borsitz des Bürger­meisters Dr. Sutor-Alzey fand am Mittwoch in Frank­furt statt. Eine Reihe wichtiger Gegenstände stand zur Verhandlung, deren Ergebnis jedoch nicht mitgeteilt wird. Rach Erledigung der Tagesordnung wurde festgestellt, daß die gegenwärtige Bewaffnung der Schutzleute ungenügend sei; ebenso sprach man sich für eine allgemeine Einführung der Polizeihunde und für Errichtung einer Zucht- statbion für Hessen aus; au chbeschloß man, Maßnahmen gegen Mißbrauch der Hypnose zu ergreifen. Als Ort der nächsten Tagung wurde Offenbach a. M. bestimmt.

** Offizier« spiranten-Uebung. Die beiden seit dem 5. März auf dem Truppen-Uebungsplatz bei Darm­stadt zusammengezogenen Osfizieraspiranten-Kompagnien (Leiter: Major v. Kummer vom Füs.-Regt. Nr. 80) sind dem Kommando des Leibgarde-Jnf.-Regts. Nr. 115 unter­stellt und jeder Kompagnie 6 Oberleutnants und 2 Leut­nants als Kompagnie-OsFziere zugewiesen. Bei der ersten Kompagnie (Führer: Hauptmann Thorbeck vom Jnf.-Regt. Nr. 81) sind es die Oberleutnants Raab (J.rf-«-regt. 88), Bullrich (Jnf.-Rgt. 81), Hollandt (Inf.-Rgt. 87), v. Rund­stadt (Füs.-Rgt. 80), der Königl. Württ. Oberlt. Maurer ^Inf.-Rgt. 88) und Voigt (Jnf.-Orgt. 87), sowie die Leut­nants v. Bonin (Füs.-Rgl. 80) und Rehmann (Inf.-Rgt. 81). Der 2. Kompagnie (Führer: Hauptmann v. Oiotmaun vom Leibg.-Jnf.-Rgt. Nr. 115) sino von der 25. Division zugeteilt: die Oberleutnants Frhr. Schenck zu Schweins­berg (Leibg.-Jnf.-Rgt. 115), Bolle (Juf.-Rgt. 117), Wolf ^Inf.-Rgt. llu), Beckert (Inf.-Rgt. 118), Goezel (168) und v. Lichtenberg (Inf.-Rgt. Hl, Soyn des Prinzen Wilhelm von Hessens, sowie die Leutnants Scriba (Inf.-Rgt. 168) und Schaefer (Inf.-Rgt. 118). Infolge Verfügung des Kriegs- ministeriunis sino in diesem Jahre erstmalig versuchsweise die Offizieraspiranten der Pioniere des Beurlaubtenstandes zu dieser Hebung einberufen. Die Kompagnien werden am 31. d. M. wieder ausgelöst.

** Der freisinnige Verein hält, wie man uns schreibt, am Montag abend seine Monatsversamm- lung int Cafe Ebel ab, in der Pfarrer Vogt aus Ober- Breitenback) über das Programm der fortschrittlichen Volks­partei sprechen und Justizrat Metz über den Parteitag in Berlin Bericht erstatten wird.

** Treue Dienstboten. Die Großherzogin hat, am 11. März,, als am Geburtstage der Prinzessin Elisabeth, u. a. folgende Ehrenzeichen für langjährige treu geleistete Dienste in ein und derselben Familie an folgende Dienstboten verliehen. Das Goldene Kreuz mit Brillanten: Dorothea Frieß von Würzberg, 4t> Jahre bei der Familie des Herrn Otto Stockhausen in Darmstadt. Franziska Kohler von Offenbach, 58 Jahre bei Frau Rentner Gottfried Schlvab in Darmstadt. Regina Münzinger von Nördlingen, 40 Jahre bei Baumeister Eduard Harres in Darmstadt. Elise Schneider von Darmstadt, 41 Jahre bei Freifrau von Dalwigk in Darm­stadt. Elisabeth Stern von Tüdelsheün, 40 J«hre bei Frau Moritz Bial Witwe in Ofsenbach. Karoline Benner von Neustadt i.O., 40 Jahre bei Fräulein Sofie Sartorius in Mainz. aKtharina Keck von Groß Karlbach, 41 Jahre bei Frau Geh. Kommerzienrat Friedr. Feldheim Witwe in Mainz. D a S Go l de n e Kr eu z: 9Narie E h r m a n n von Wallhausen, 25 Jahre bei Professor Dr. Karl Groos in Gießern Emilie Wehn von Biedenkopf, 25 Jahre bei der Familie des Rechtsanwalts Hornberger in Gießen. Johan- nette Dörr von Münster, 25 Jahre bei der Familie Joh. Georg Hahn in Bellersheim. Karoline Lepper von Alten- Buseck, 30 Jahre bei Herrn Friede. Klug in Alten-Buseck. Marie Ran von Berstadt, 25 Jahre bei Herrn August Wolf III. in Berstadt. Sidonia Alt von Lauterbach, 25 Jahre bei Herrn Ludw. Trapp in Darmstadt. Margarete Bauer von Blitzenrod, 25 Jahre bei Herrn Ludw. Trapp in Darmstadt. Christine Eifert von Angersbach, 25 Jahre bei Geh. Regierungsrat Bichmann in Äruterbach. Anna Martha Metzger von Schrecksbach, 25 Jahre in der Familie des Zahnarztes O. Köchler in Darmstadt. Gesuche um Verleihung desGoldenen Kreuzes" zum 11. Marz 1911, denen eine Bescheinigung der zuständigen Bürgermeisterei oder Polizeibehörde beigefügt sein muß, aus der hervorgeht, daß die Bedingungen für die Verleihung desGoldenen Kreuzes" erfüllt sind, müssen bis längstens den 15. Februar 1911 bei dem Freiherrn Riedesel zu Eifenbach, Ober-Kammer- Herrn, in Darmstadt, eingereicht fein.

""Vorn Kolossentr^ wird uns geschrieben: Ricardo Sacco vollendet morgen, Sonntag, die Hälfte seiner 40iägigeit Hungerkur. Wer Sacco zu Anwng seiner Hnngerlage in Augen- schein nahm, wird nunmehr eine große Abmagerung scslstellen können. Auch haben die körperlichen Kräfte nachgelassen, jedoch sind die geistigen noch immer rege. Mit der zweiten Hälfte be­ginnt die Sache nunmehr interessant zu werden und man bnr< gewannt sein, ob Herr Sacco auch die übrigen 20 Tage gut über­stehen wird. Mehrere Mebizmer, die Sacco bei früheren Experi­menten beobachteten, haben sich einstimmig dahin ansgefprochen, daß er eine nngewöhnliche Energie und Willenskrait besitzt, mittelst derer er imstande ist, derartige Leistungen zu vollbringen, auch wäre feine Herztätigkeit und seine Lunge in ausgezeichneter Verfasjnng. Der Beiund vom heutigen Tage lautet: Temperatur 48,9 Grad, Atmung 24, Puls 10l. An Mineralwasser verbrauchte Sacco bis zum 19. Tage Flaschen, Adler-Turf-Zrgariticn 403 Stück.

** Vom Biograph wird uns geschrieben: Der Bio­graph bringt heute zum Programmwechsel ein fast nur mit Kunstfilms besetztes Programm. An der Spitze steht diesmal eine biblische EpisodeDas Leben Moses" nach der Be- arbcihuig des amerikanischen Pfarrers Madison C. Peters. Mit diesem Film wird ein wahres Meisterwerk der Licht- bilbfunft gezeigt, Inszenierung und Ausstattung sind außer­ordentlich schön. Würdig schließen sich an Szenen aus der griechischen MythologieDaphne und Apollo", eine jener bekannten griechischen Göttersagen. Ein weiterer sehr sinn­reicher KunstfilmDie Ketten", die herrliche Naturaufnahme Des ewigen Meeres Rauschen", sowie das Drama aus dem LebenEin Huud als Lebensretter" dürften chre Wirkung nicht verfehlen. Für die größte Heiterkeit sorgen Monsieur Piefke und Freund Lehmann. Hübsche Tonbrld-er bringen weiter Abwechselung in das Programm.

** Ausstellung von Kn ab e n h a n dar b eit. Morgen, von morgens 11 bis nackMittags 2 Uhr, findet int Knabenschulhaus an der Mrd-Aulage eine Aus­stellung der von den Telluehmern am diesjährigen Kursus für erziehliche Knabenhandarbeit gefertigten Gegenstände statt. Alle, die sich für die kimstlerftch-4 ethnische Ausbildung der Heranwachsenden Jugend und die Hebung des Minst- handwerkS interessieren, sind zunr Besuche eingeladen.

~ "DerVerein f ü r Sterveunterstützung* hakt am Sonntag. 13. März, seine Generalversammlung im Saale des Gewerksd)astshauses ab.

Schlägerei. In der Löwcngasse kam es in ver­stossener Nacht zwischen Schirmflickern und Händlern zu einer Schlägerei, bei der mehrere Personen erheblich verletzt wurden. Die Schutzmannspatrouille schlichtete den Streit; Anzeige gegen die Schuldigen ist erhoben.

" Seinen Verletzungen erlegen ist der Kutscher Wilhelm BonariuS, der am Mittwoch abend amAbend­stern * von seinem Fuhrwerk überfahren wurde.

Lich, 12. März. Für die Werning'schen KriegS- festspiele, deren hiesige Zlufführungen heute abend um 8 Uhr beginnen, zeigt sich hier und in der Umgegend ein reges Interefle, so daß ein guter Besuch der Vorstellungen zu erwarten ist.

X Grün berg, 11. März. Ihrem Jahresbericht zu­folge war die höhere Bürgerschule in dem zu Ende gehenden Schuljahr von 115 Kindern besucht. Die An­stalt umfaßt 5 Kla,sen, Sexta bis Ober-Tertia, und bereitet ihre Schüler für die Unter-Sekunda eines Realgymnasiums, bzw. einer Real-- und Oberrealschule vor, so daß die von Grünberg abgehenden Schüler nocy ein Jahr eine der letzten Schularten besuchen, um das Zeugnis üoer die Berechtigung zum einjährig-freiwillen Mi.ckärdienst zu erlangen. Der llebergang von der höheren Bürgerlchule nacy den aus- gebauien höheren Vollanstalten erfolgt in diesem Jahre auf Anordnung der Schulabteilung des Ministeriums zum erstenmal ohne Ausnahmeprüsung. Die Frequenz der höheren Bürgerschule iit tu raschem Auswärts^eigen bc griffen, was, abgesehen von dem allgemeinen'Bildungs' orange, sicherlich auch begünstigt wiro durch Grünbergs Lage an drei Bahnlinien. Zahlreiche auswärtige Schüler lornnten mit den Morgenzügen um 7 Uhr hierher. Da oer Unterricht saft ganz ausschließlich auf den Vormittag, in der Sexta nur auf den Vormittag gelegt ist, können die Schüler zur Heimfayrt die um 3/4l Uhr von hier nach Mücke und Londorf abgeheuden Züge und in Richtung Lich den Zug um 1.35 benützen, während die oberen Klassen an einem dkuchmittag bis 4 Uhr Unterricht haben. Durch diese Einrichtung ist den Wünschen der auswärts wohnenden Eltern Rechnung getragen, da sie ihre Kinder an 5 Schul tagen in der Woche mittags rechtzeitig zu Hause haben. Um den Anforderungen hinsichtlich der Raumsrage in ge­nügender Weise gerecht zu werden, hat die Stadtverwal­tung den Neubau eines Gebäudes für die höhere Bürgerschule bereits beschlossen, auch schon einen ge­eigneten Bauplatz erworben und mit der Ausarbeitung der Pläne die Kreisbauinspettion Gießen beauftragt. Dieser Neubau wird bte Stadt ca. 60 000 Mk. kosten und kommt in die Nähe der Volksschule am Heegwege zu stehen.

fc. Von der Eder, 11. März. An dem Ricsenwerl der Edertalspcrre sind die Arbeiten in Angriff genommen worden. 200 Arbeiter sind zurzeit dort deschästigt und im Juli ds. Js. soll ihre Zahl auf 600 erhöht werden. Zur Herbeischaffung des Materials ist von Station Buhlen eine Schmalspurbahn nach dem Sperrgebiet angelegt worden. Am 1. Oktober 1913 soll die Sperre fectiggesteUt sein. Die An­lage, deren Ausführung der Firma Holzmann u. Co. in Frank­furt a. M. übertragen worden ist, lostet 58/4 Millionen Mark.

Darmstadt, 11. März. Die Zahl der Anmel düngen für die am 9. bis 11. uitb 17. April im Residenz schloß flaltsindende I a g d-Tr v p h ü e n - A u s st e l lun g ist groß. Ä^umnehr hat auch der Großherzog feine Unterstützung durch Ausstellung einer großen Anzahl von ihm erbeuteter Trophäen zuge,a.gi, die jevensalls besonderes Interesse erregen werden.

(:) Frankfurt a. M., 12. März. (Frühlings-Einzug im Zoologischen Garten.) Die Bewohner warmer Zonen haben ihre Winterquartiere brößtenteils verlassen und tum- melit sich nach Herzenslust m ihren Freiparts. Die emp fiitülicheren Raubvögel sind wieder in ihre Volieren ein- gezogen und breiten ihre Schwingen in der Frühlings sonne aus. Tie geringe nächtliche Kälte kann ihnen nichts an- habeu. Sehr lebhaft geht es bereits auf der Stelzvogel- wiese her. Hier tragen die Störche emsig Nistmaterial zusammen und auch die Reiher deuten an das Brutgeschäft. Dis schivarzen Schwäne brüten schon seit längerer Zeit und auch die Höckergänse haben bereits Eier. Aeußerst anmutig sind die Liebesspiele der im Prachtkleid prangenden nord- amerikanischen Brautenten aus dem großen Weiher. Die Stra.ußenvögel sichren unter Flügelschlag und grotesken Sprüngen ihre merkwürdigen Balztänze aus. In den Rep­tilienhäusern sind die ersten Frühjahrsimporte eingetroffen. Als Seltenheit sei die prächtige Königspython erwähnt.

Schwurgericht.

-th. Gießen, 12. März.

Gestern verhandelte das Schwurgericht unter Ausschluß der Oefsentlichkeit gegen den uorbestraiten TroschkenkiNscher Georg S ch n a u tz aus Bad Ät a u h e i m wegen 9Iotzuchtsversuchs. Tie Anklage vertrat Oberstaatsanwalt Laug, die Verteidigung war Rechtsanwalt Peters übertragen. e

Die Tat, die zur Anklage führte, bedeutete eine äußerst robe und gemeingesährliche Handlungsweise des Angeklagten. Eine Dienst­magd des Restaurateurs auf dem Johannisberg hatte im Juni v. I. eine Reise nach Franklurt a. 9Jl. gemacht. Als sie am 25. Juni wieder in Bad Nauheim emtrai, regnete es, und sie benutzte die Droschke des am Bahnhole haltenden -^chnautz. Er machte einen bedeutenden Umweg, fuhr nach einer entlegenen Stelle im Walde, hielt hier an, drängte sich in die Droschke und versuchte das jetzt unter Anklage stehende Verbrechen. Tas Alädchen fetzte sich zur Wehre und benutzte einen günstigen Moment, um aus dem Geführt zu kommen. Ter Angeklagte war der Tat im vollen Umfang geständig und wurde nach Bejahung der Schuldsrage durch die (Seichmoteilen zu neun Monate n Gefängnis verurteilt, an welcher Strafe 3 Wochen der Unterfuchungshait abgehen.

Der Vorsitzende, Landgerichtsrat S ch n l tz f p a h n, der vor der Verhandlung die nicht auSgelosien (Seschworenen entließ, dankte diesen, wie auch am Schluß der Sitzung den übrigen Geschworencn für ihre Arühewaltung.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 11. März.

Seinen Wohltäter schlecht belohnt

hat der 30 jährige Taglöhncr I. I. A. aus Säckingcn. Ec wat alljährlich eine Zeillang bei einem Drcschniasmiiienbesitzer zu Kaich en beschäftigt. Um Weihnachten 1. I. hatte er feine Arbeit, weshalb ihn sein früherer Diensiherr gegen Verabreichiiii4 der Kost in seinem Hause beschäftigte. Am 6. Januar gab ihm eine Dienstherrüi 2 Mark, um einen Einsatz für sie in Fried- rerg einzukausen. Bei seiner Rückkunft gab er an, er sei in gelben bergen eingekehrt und als er auf kurze Zeit die Wirtschaft Der lassen habe, sei ihm der Einsatz und ein ihm überlassener Regem chirm entwendet wordim. Als er nun angab, sich in Hanau um Arbeit umsehen zu wollen, überließ ihm sein Dienstherr einen Lederranzen, den er ans der .'peroerge verkaufte. Acht Tage da rauf kam er abends wieder nach Kaichen. Nack) Eintritt bei Dunkelheit schlich er sich in den Strümpfen auf dcu Boden b.to

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