Ausgabe 
12.3.1910 Erstes Blatt
 
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Hauses seines Dienstherrn; er benutzte ein hort stehendes alles Sofa als Lager. Zwischen drei und vier Uhr morgens schlich er sich in das Zimnier, in dem seine frühere Dienstherrschaft Id-Iicr und nahm vorn Boden einen Fünskilogewichkstein mit, um, wie er angab, sich wehren zu können. Er öffnete in dem Zimmer hcn Schreibsckretär und nahm eine Uhr mit Eette und ein Porte­monnaie mit 38 Mark Inhalt mit. Glücklicherweise erwachten die Leute nicht, so das; ein weiteres Verbrechen verhütet blieb. Jin Laufe der Untersuchung stellte es sich heraus, das; er kurz ror Weihnachten bei der Felldbereinigung in Nieder-Weisel beschäftigt war und da an einem Lohntag ein gröberes Zech­gelage stattgefunden hat, wurde einer der Arbeiter derart be­trunken, daß ihn der Angeklagte nach Lause tragen mutzte. Bei dieser Gelegenheit nahm er ihm das Portemonnaie mit 13.46 ''.iarf Inhalt. Für den unter erschwerenden Umständen ver­übten Diebstahl, bei dem er vorsichtshalber den Gewickststein mit­genommen hat, setzte das Gericht 3 Jahre Zucksthauo an: die (Ulf 6 Monate lautende Gesängnisstrafe wegen des Diebstahls zum Nachteil seines Mitarbeiters wurde in 4 Monate Zucht­haus umgewandelt und mit 2 Monaten in Ansatz gebracht. Für die zwei Uirterschlagungen wurden 15 bezw. 3 Tage Gefängnis an­gesetzt und diese mit einer Woche Zuchthaus aus die Strafe an- gerechnet, so dast auf eine Gesamtzuchthaus strafe von 3 Jahren, 2 Monaten und 1 Woche erkannt wurde, wo­rauf 1 Monat und 1 Woche Untersuchungshaft anzurechnen sind. Die Niedrigkeit der Gesinnung des Angeklagten rcchtsertigte die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte aus 5 Jahre und seine GesährlichkeUl hatte die Zulässigkeit der Polizeiaufsicht zur Folge.

Gin nettes Kleeblatt

entfaltete si'cb, im letzten Sommer in Bad Nauheim. Der 24 lährige Taglöhner A. Bi von Wölfersheim traf den 19 jährigen ScylossergeselLm E. L. aus Mainz und den 18 jährigen Tag­löhner L. G. von hier zu Friedberg. Sie waren sich bald einig, einen Diebstahl auszuführen und B., der früher in der Chamotte- sabrik zu Bad Nauheim .beschäftigt war, schlug vor, dort einen Besuch abzustatten, da er wusste, daß am folgenden Tag ausge- löhnt wurde und sich das Geld dazu bereits auf dem ftorüor be­fand. Um Mitternacht stiegen sie von der Bahuseste aus über eine Rampe in eine Lalle. B. wußte den Aufbewahrungsort des Schlüssels zur Werkstätte: es wurde ausgeschlossen und sich mit Dietrichen, Brecheisen und Meißeln bewaffnet. Der Vorraum zum Kontor, eine weitere Türe und die des Kontors würben mit Gewalt aufgebrochen und L. das Oeffnen des KassasckwankeS über­lassen. Während dieser Zeit öffneten die andern zwei Pulte und stahlen etwa 9 Mk. Bargeld und eine Anzahl Marken. Trotz der größten Anstrengungen gelang eS L. nicht, den Kassenschrank zu öffnen und er musste mit dem von den andern erbeuteten Teil vorlieb nehmen. Alle drei haben noch Strafen zu verbüßen, die ihnen inzwischen zuerkannt worden sind. B. bekam zwei Jahre Zuchthaus, eine noch zu verbüßende Wock>c Gefängnis wurde mit einem Tag Zuchthaus ungerechnet und ein Monat und einen Tag Untersuchungshaft angerechnet: auch erfolgte die Aberken nung der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre. L. hat in Wetzlar sechs Monate Gefängnis bekommen: diese Strafe wurde einbezogcn und auf neun Monate Gefängnis erkannt. G. hatte von der Strafkammer kürzlich vier Monate bekommen, seine Strafe wurde auf sechs Monate Gefängnis festgesetzt und ihm ein Monat Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht.

Vcrmifctytcs«

* Beim Erhängen zugeschaut. AuS London wird bcvid-tct: Die ein Gefangener ruhig zusah, daß ein anderer sich in seiner Zelle erhängte, wurde dieser Tage gelegentlich eine« -rotenschaugerichles erzädll, das an dem >2elbstmörder vorgenommen wurde. Der Mmm, der in mittleren Jahren stand, war wegen Unterschlagung verhaftet worden unb nnrrbc in das Untersuchungs­gefängnis eingeliefert. Er kam in eine Zelle, worin schon ein junger Mann saß. Dieser erzälstte jetzt in aller tfaltblütigfcit, daß sein Gefährte während der Nacht ein Stück Strick hervor­brachte, das er in dem Futter seines stiockes verborgen hatte. Er zeigte es dem Jüngeren und fragte, ob sie darum losen wollten, wer zuerst den Strick berat fcen sollte. Der Junge wollte aber von Selbstmord nichts wissen. Er blieb ruhig auf seinem Bett sitzen, während der aiibcre die Vorbereitungen für den Selbst­mord traf unb sich dann erhängte. Als der Tod eingetreten war, legte sich der jüngere Gefangene zu Bett und schlief ruhig die ganze 9!acht hindurch. Als cr am nächsten Tage gefragt wurde, weshalb er nicksts unternommen habe, als er sah, baß sein Ge­fährte sich erhängte, antwortete cr, die ganze Sache ginge ihn doch nichts an, er konnte sich nicht hincinmischen, sondern glaubte cs dem anderen überlassen zu müssen, zu tun, was cr für das Veste hielt. Als der Richter ihn fragte, warum cr denn nicht wenigstens gerufen habe, antwortete er, daran habe er gar nicht gedaclst.

* Lelden der Berufspflicht. Ein walsthaft er­schütterndes Troma spielte sich am Moittag bei einem Unfälle auf der Lokomotive bc5 Blitzzuges ParisBordeaux ab. G.eich hinter Tours wurde der Lokomotivführer durch eine heraus- schlagende Flamme schwer verbrannt unb sein Leizer eben­falls verletzt. Trotzdeur erfüllten sie ihre Pflicht, ohne einen Augenblick zu überlegen. Der Zug durste erst in Poitiers halten, also nach einer Stunde Fahrt. Die Unglücklichen blieben daher bis zum Ginlaufen in den Bahnhof aufreckst. In PoitierS war es schon zu spät, um den Lokomotivführer, Albert Lavau, zu retten. Er starb, als man ihn kaum ins Krankenhaus cing> liefert hatte. Der Leizer, für den eine Ausrichtung verlangt wird, wird mehrere Monate nötig haben, um seinen Dienst wieder versehen zu können.

* G i n kaltblütiger Einbrecher stattete Ende voriger Woche btm Landsitze des Mr. Arthur Walsh, dem Zeremonstui- meister des Königs Eduard, einen Besuch ab. Im Garten traf er Ladh W^lst), die ihn fragte, wohin et walle. Er sagte, er wolle einen der Kutscher besuchen unb nannte einen Namen. Als Ladh Walsh cnv.berte, daß feiner der Kutscher diesen Namen habe, entschuldigte sich der Fremoe auf das höflichste und verließ idj-cinbar den Garten. Er muß sich aber im Gebüsch verborgen haben, denn am nächsten Morgen ging cr kaltblütig in das Laus, Iticg die Treppe zu den Schlafzimmern hinauf und annektierte alles Bargeld und alle Schmuck,achen, die cr finben konnte. Auf icm Korridor traf ihn ein Dienstmädchen. Er bot ihr höflich Guten Morgen" unb öffnete ihr mit einer Verbeugung bic Tür. Das Mädchen. hielt ihn für einen Arbeiter, ber eine Reparatur

auszufübr-en Hütte. Der Dieb ging sodarac in aflrr Ruhe dke Treppe hinab, in beit Garten unb traf auf dein Woge einige Arbeiter, die ihn für einen Gast des Mr. Wasil) hielten und ihm Guten Morgen" wünschten. Diesmal erwiderte der llnbcftrnnlc den Gruß mit äußerster Würde Erst nad? ntelhrrat Stunden wurde Ixmtcrh, daß Wertgegenstände ablwnd^ u geknunen inanen, aber es war zu spät, den der Dieb lvar bereits über alle Berge.

* A u g en d i a g il o sc. Der Universitätsprofcssor Mauso hielt einen Vortrag über phvswlogische Erscheinungen, speziell über das stereoskopische Sehen.Um die Entfernung annähernd richtig zu tarieren, find zwei Angen erforderlich," io ent wickelte er.Mit einem einzigen Ange kann man wohl die Gegen stäube optisch erfassen, allein bic Wahrnehmung der Distanz ist nickst vorhanden. Dadurch erklärt sich auch, daß der Zhklop Po Ipphem, als er das Schiss beo OdNsieus mit dem Felsblock treffen wollte, immer zu kurz warf, beim cr maß bic Entfernung falsch, weil er bekanntlich einäugig war." Da meldete sich ein Zn Hörer:Aber, Lerr Professor! DaS eine Auge hatte ihm dock der Odhsseus kurz zuvor ausgebrannt!"Jawohl," sagte bet Professor,bas kam auch noch dazu!"

* Der schlaue Lerr:Können Sie mir erklären, wi ­es kommt, daß eine Dame kaum jemals einem Derrn dankt, baß er ihr feinen Platz in der Straßenbahn cinräumt?" Die nocd schlauere Dame:O ja. DaS kommt daher, daß ihr kaum ic Gelegenheit dazu geboten wird."

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffeutliche Wetterdienst stelle Gießen.

Allgemeine Wetterlage feit Freitag früh: Ein Teil des meft- lichen Tiefdruckgebietes ist norbol'hvörld abgezogen, während ein andetes Tics noch über Frankreich lagert. Unter seinem Einfluß fallt hetitc früh vielfach geringer Regen. Die Temperaturen liegen noch hoch, bei 89 Grad am Morgen. Das westliche Tief rückt ostwärts vor imb bringt zunächst Regen, der spater beim Vor­dringen eine« großen, westlich England gelegenen Hochdruckgebieten iviedcr uachlaßt.

Wetteraussichten in Lessen an, Sonntag dem 13. Marz 1910: Noch strichweise Regen, später langfam aufheiternd, kühler, Nord- ivestivmd.

Griginal-Vrahtmel-Uttgen.

+ Bostii, 12. März. Nach Beendigung der gericht­lichen Untersuchung wegen der bekannten Ausschreitungen von Korpsstudenten ivird bic Staatsanwaltschaft gegen eine Anzahl Studenten wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes und groben Unfuges Anklage erheben. Die Voruntersuchung hatte sich auf 56 Studenten ausgedehnt.

Mannheiin, 11. März. Der Aufsichtsrat der P fälzi- schen Bank Ludwigshafen a. Nh. hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, der an, ß. April stattftndenden Generalversammlung eine Dividende von 5 Proz. (wie m den drei letzten Jahren) in Vorschlag zu bringen.

Bremerhafen, 12. März. Der Kaiser ist an Bord des LloyddampferS .Kaiser Wilhelm II." heute nacht nm 2* ll2 Uhr auf ber hiesigen Nhede angekommen.

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