Präsidenten bitte ich doch, die Meiirung der Versanunlung über diese Frage hier zu Worte kommen zu lassen, da ich die (5nU>’ ftndmtg habe, wenn über eine so wichtige Frage der Wunsch Inari) nori)maliger Erörterung besteht, man nicht mit Gründen der Geschäftsordnung diese Frage erledigen soll. Ich« bin ein Gegner der Todesstrafe und habe also kein sachliches Interesse an Inner noriimaligen Aussprache, aber ich meine, daß eine Abstimmung nötig ist. Professor Enneccerus (Marburg): ES handelt siri) um eine hochwichtige Frage unserer Gesri-äftSord- iiiiatfl, von der in vieler Beziehung die Nichtigkeit der Beschlüsse des Deutschen IuristenlageS abhängt. Ririüig ist, daß eine Anzahl Nebensragen gewissermaßen mit der Hauptfrage zur Bc> sprechung stehen. Es ist aber zweifelhaft, ob die einzelnen Fragen Inur im Zusam mau Haug berührt werden tonnen, oder ob sie einzeln zum Gegenstand einer ausführlichen Darlegung gemacht werden sollen. Iustizrat Hein ist (Berlin): Ich glaube, die Frage der Geschäftsordnung läßt siri) ririRig allgemein nicht erledigen. Nach meiner Ansicht ist die Frage der Todesstrafe, eine Frage für sich, und es wäre wohl möglich, sic allein und selbständig vor daS Plenum zu bringen.
Geh. Iustizrat Brunner riristet hierauf an die Versamm- lung die Frage, ob sie es für zuläs,sig batte, die Frage der Todes- >ftrafe allein vor das Plenu)N zu bringen: die Versammlung spricht siri) dagegen aus.
Im Auftrage der ersten Abteilung berichtet hierauf Professor ,Dr. Litten (Königsberg) über die Beschlüsse seiner Abteilung zu der Frage: „Empfehlen sich gesetzgeberische Maßnahmen, durch welche die
Haftung b'c5 persönlichen Schuldners für den Hhpotl-ekenaussall beschränkt wird, meim der Gläubiger seine Hypothek nicht ausgeboten und das Oftrnndstück weit unter dem Werte erstanden hat?"
Die Abteilung hatte nach längerer Erörterung beschlosst, die Angelegenheit bis zum nächsten Deutschen Iuristentage zu vertagen. Der Berichterstatter Prof. Litten führte hierzu aus: Der Beschluß bedeute eine Entsagung. Man meinte sogar, die Beratungen seien ausgelaufen wie das Hornberger Schießen. Aber ,hie wachsamen Leute in Hornberg hatten das Pulver vergessen, -bei uns war Munition reichlich vorlwnden, nur war das yi^t nicht nahe genug, um hoffen zu Töinien, daß nrir ins Schwarze! treffen würden. Auf dem nächsten Iuristentage hoffen wir dem ital)e zu sein.
Exzellenz Klein (Wien) berichtete über die Frage: „Emp^ stehlt cs sich,
s 0 z i al s S chu tz v o r s chrifte n in der Art der für die Handlungsgehilfen bestehenden für Private airgestellte überhaupt zu treffen?" Der Beschluß der Abteilung hierzu Inutel:
„Die für Handlungsgehilfen bestehenden sozialen Schuh- Vorschriften sind als zwi)lgendes Neclst auf alle Privatangeste! lten auözudelmen, die höhere Dienste zu leisten haben Hierbei empfiehlt es sich, betreffs der Fürsorge für d-en Fall une verschuldeten Unglücks oder Erkrankung nn der Nichtanrechnung der Beträge festzuhalten, die dem Dienstnehmer für die Zeit seiner ^Verhinderung aus einer Kranken- oder Unfallversiche rung zrikommeu. Die Ausdehnimg der Vorsristiften des Han, delsgesehbuclws über die KonkurrcIrzklausel lvird mit dem Stör- behalte empfohlen, daß etlvaige Verbesserungen dieser Vorschriften sich auf alle int ersten Absatz bezeichneten Angestellten zu erstrecken haben. Die ständige Deputation wird ersucht, auf die Tagesordnung des nächsterr Jnristentages die Frage zu fetzen, nnlcbe sonstigen sozialen Schutzvorschriften gleichmäßig Ifür alle im erstell Absatz bezeiri)neten Privatangestellten zu treffen mären."
Der Bericliterstatter Exzellenz Klein betont, der Beschluß be- Mite allerdings nur eine Etappe auf dem Wege zum Ziel einer einheitlichen Gesetzgebung für alle Privat an gestellten.
lieber das folgende Thema: „Empfehlen siri) gesetzliche Vor- srin'isteu über i e d) l 1 i rt: e Stellung d e -> 7uuimelver- anögens" svracl) Professor Dr. Knoke (Königsberg). Der Beschluß der Abteilung erging befanntlid) dahin, daß sich solche kVorschriften für Deutschland nicht empfehlen, wohl aber ange>- jichts der besonderen Verhältnisse für Oesterreich.
Damit war die Berichterstattung über die Arbeiten der ersten Abteilung erledigt.
Für bi*e zweite Abteilung berichtete zunächst Landgerichtschirektor Degen (Leipzig) über die Beschlüffe zu dem Thema: Sondergerichte für Streitigkeiten auf dem Gelnete des gewerb- 2liri)en Neristes. Die Abteilung bat die Errichtung der Sonder- Igcririyte in einer kurzen Entschließung strikte abcielehnt.
Geh. -Oberjustizrat Dr. Vier Haus (Breslau) berichtete Älber die Verhandlungen der Abteilung betreffend die Errichtung .eines deutschen
Reichsverwaltnngsgerichts.
Die Abteilung bnt die Frage durcl) Annahme folgenden Antrages von Professor Gierke und Iustizrat Wildhagen erledigt:
„Es besteht ein Bedürfnis nach Schaffung einer reichs- rechtlich geordneten höchsten richterlichen Instanz für Ver- waltungSbt'anite, um die EinheiUichkeit der Anwendung des Reichsversiclycrungsrechits zu sicheni."
*
Hierauf nahm die Versammlung die Beschlüsse der wichtigsten dritten Abteilung entgegen, die siri) mit den
Strafmitteln
nach dem Vorenlnmrse zum deutschen Strafgesetzbuche beschäftigt batte. Hierzu lag ein Antrag vor, die gesamten Beschlüsse der Abteiluim nt der- Vollversammlung zu erörtern. Professor Liep mann (ÄFie-l) br'gri'lndete den Antrag wie folgt:
Dio Mitglieder des Deutscl)en Juri strick ag es haben eine reiche Arbeit hinter sich und das berechtigte Bedürfnis, nacl) getanes Arbeit auszurulnrn. 9hm kommen wir als Störenfriede mit -unserem Antrag, her behauptet, daß eine ganze Rnhe von .Fragen hi der i'lbteilung nicht so behandelt worden ist, daß sich der Deutsche Iurisbentag bamit zufrieden geben könnte. Es sind fdtiocre innere Stnnmungen, die mich und die .ta bim eben Unter-*' zeichner des Antrages dazu bestimnit bähen. Die Abteilung halte dre Frage zu erörtern, die gegenwärtig im Mittelpunkte dcö iuristischen, politisriien und allgemeinen Interesses steht: In- wieiveit der Vorentwurf zum deutschen Strafgesetzbuch mit seiner Belyandlung und Durchführung der Straf art en Auerkeniuing findet. DaS Problem der Todesstrafe bat uns den. Anlaß gegeben, die Frage hier ausznrolleu. Die beiden ereilten haben
reiche und glückliche Arbeit geleistet. Aber in einem Punkte wußten wir erkennen: Die Frage her Todesstrafe ist nicht so vorder ei td worden, mie sic es verdient hätte. In den Gutachten ist die Frage, ob die Todesstrafe prinzipiell in das neua Strafgesetzbuch ausgenommen werden soll, als eine Frage behandelt worden, über die man nicht mehr das Recht habe, zu diskutieren. Und von dem Referenten ist ebenso die Frage als eine fotebe bezeichnet worden, über deren prinzipielle Berechtigung man nicht mehr zu streiten habe. Es wurde als ein aussichtsloser Kampf bezeichnet, wetrn man diesen liegensinud uir Be>el>luß fassung bringe, weil es ausgeschlossen sei, daß die deutschen gierungen einem Entwürfe ihre Zustimmung geben würden, in dein <ini tÜe kobWstvafe verzichtet wird Der Deutsriw Juristenlag sagt seine Meinung auS iiuincr Ueberzeugung und nicht aus L ppol luiiiläl gründen Ml würden an Ansehm verlieren, gerat wir einen Meinungsaustausch unterließen, weil lyir keine Aussicht auf ,nn.i haben Wil sind jetzt, wo ein Teil der Re fereut-en eine Flucht narf) Hela angetreten hat, horiji der AnsiriK, hab die Fral,e auf dem nächsten Iuristentag erörtert werden muß' (Beifall eines Teils.)
Senatspräsident Dr. O l s h a u s e n: Der Vor-sitzende der' Ab> trilunp, wie der andere Referent, HrnT 'Gel-eimrat Kahl, und .^""lssrfretär des Reiri-slustizamtes Dr. L i s e o sind einer l in la düng des Geheimen Oberregierungsrats th-obne gefolat, um öon der Beschäftigung von :iuchthaussträffingen im Freien Kennt- J ? *“ nFhnicn. Dieser Ausflug erschien den Herren von großer ^.ichligleit. Er ist also lediglich geschet-cn in dem Wunsche, in,
Hela sich durch den Augenschein zu ilhmeigen, wie die Strafgefangenen im Freien beschäftigt werden. Den Antrag Liepmann bitte ich abz-ulehnen. Es ist der Abteilung keine Frage vorgelegt, sondern das Thema der Strafmittel.
Vorsitzender Geheimrat Brunner: Wenn wir den Antrag Liepmann annehmen, müssen wir über alle Beschlüffe der Abteilung eine Entscheidung herbeiftthrcn. Ich frage, ob diese Beschlüsse der Versammlung vorgelegt werden sollen. Bei der A b st i m m u n g wird der Antrag LieMann mit 80 gegen 70 Stimmen abgelehnt.
Hierauf berichtete Senatspräsident OlshaUsen über die Beschlüsse hinsichtlich der Todesstrafe. Der Vortragende erklärt himzu, der Vorentwurf schlage eine Ausdehnung bet Todesstrafe über das geltende Recht vor. Er habe dein zustimmen wollen, sei aber in her Abteilung unterlegen.
Es folgen hie Wahlen in hie ständige Deputation. Gewählt werden: Geheimer Iustizrat Brunner (Berlin), Oberlandesgerichtspräsident v. Call (Innsbruck), Oberlandesgerichts- präsident Dr. Dörner (Karlsruhe), Professor Dr. Gierke (Berlin), Professor Dr. Hanausek (Graz), Geheimer Iustizrat Dr. Kahl (Berlin), Staatsminister Exzellenz Klein (Wien), Justizrat Dr. Neumami (Berlin), Senatspräsident Dr. Olshausen (Leipzig), Geheimrat Dr. Pappenheim (Kiel), Bankdireltor Frhr. v. Pech- manu (München), Staatsminister Sri;midtlin (Stuttgart), Land- gerichtäpräsident v. Staff (Breslau), Professor Dr. Thomsen (Münster), Oberlanhesgerichtspräsident Professor Dr. Bierhaus (Breslau), Justizrat Dr. Wildhagen (Leipzig).
Sodann erstattete Geheimrat Dr. R i e ß e r (Berlin) den Kassenbericht.
Im Auftrage her ständigen Deputation bringt Siaatsministerl Exzellenz Klein (Wien)
das Wohnungsproblem zur Sprache. Das Problem berühre Hauptsäc1)lich die Verwaltung, Volkswirte und Techniker. Der Jurist sei ziemlicl) in den Hintergrund getreten. Dennori) müsse auch der Jurist siri) mit der Frage, beschäftigen, denn auch das Rerist komme hier in Betrariiit. Es sei deshalb Pflicht des Juristentages, auch der Wohnnngsfrage feilt Augenmerk zuzuwenden. Die ständige Deputation hat daher beschlossen, sicl) an die Meistinteressierten, die Kreditinstitute und Kommunalverwaltungen zu wenden und sie um Ueberlassung des von ihnen gesammelten Materials zu bitten. Es ist damit noch niri)t gesagt, daß der eine oder andere Punkt schon auf das Programm des nächsten Juristentages gesetzt wird, aber man muß die Frage im Ange behalten.
Der Vorsitzende Geheimrat Brünner dankt zum Schluß her Stadt Danzig, bereit gastfreundliche Aufnalnne allen Teilnehmern der Tagung in unvergeßlicher Erinnerung bleiben werde. Für den Nachmittag war eine Fahrt nach her Marienburg in Aussicht genommen, sie unterblieb aber wegen der Choleragcjahir. Dafür fand eine Fahrt nach Hela statt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 15. Sept. 1910.
Bom Manöver.
Sehr intcreffant gestaltete siri) gestern der fotoeite Tcig des preußischen Diviswnsmanövers. Namentlich gilt dies von der aus Grünberg anrürienden und bei Merlot: an- areifenden roten Armee. Sie fyatte heute östlich von Grünberg in Biwak gelegen; es war naiß und kalt. Bei Nacht und Nebel marscifterten die Regimenter über Lehnheim gegen Station Mücke vor. .Hier war der blaue Gegner gemeldet, ber seine Biwaks bei Ober-Ohmen und Ruppertenrod ver- assen und sich im Burgwald, östlich Mücke, eiugeuistet hotte. Gegen 11 111)r war der Aufmarsch beendet und von beiden Seiten erfolgten die Angriffe. Die Roten überschritten riftießlicl; die oberhessisriw Bahn und den Seemenbach und vertrieben den Gegner (80er und 81er) in den Bnrgwald. Um IV» Uhr wurde der Kampf abgebrochen und die Truppen rückten in die Quartiere um Grünb'.n:g, Ettingshausen, Rup- lertenrod, Mücke, Reiskirchen und Lumda. Nur einige Kompagnien blieben bis 6 llhr auf Vorposteir. Donnerstag ist Ruhetag, und Freitag geht cs gegen .Hungen und Ber tadt in die Wcttcrau. Der Div'isi'onsstab kommt noch Hungen. In den Proviantämtern und den Korpsbäcke- reien zu Grünberg imb Lauterbach herrscht rege Tätigkeit. In Grünberg iverben täglich 2600 Dreipfünder gebacken. Donnerstag tritt in Grünberg auch die Feldschlärifterei in Tätigkeit. — Vorzüglicl) aufgehoben sind die heffischen Soldaten im Fulder Land tmd der Rhön, die jo als be- onders gastfreundlich gilt. Es gibt hier Orte, die sri>on ange keiire Soldaten gesehen hoben. Mittwoch begann hier der ,,^-rieg" innerhalb der Division. Führer der 49. Brigade (rote Partei) war Oberst v. Eßel. Sie rückte gus Fulda westivärts. Die 50. Brigade (blaue Partei) 117. und 118er, verließ unter dem Oberbefehl des Generalmajors Grumbkow .Herbstein, und an der Kreisgrenze Lauter- bach-^Fulda erfolgte der Zusammenstoß. Wends bezogen )ie 115er nnd 1. und 3. Bataillon 116er bei Weidenau— Hauswurz Biwal, die 168er kamen ins Quartier in Freien- teinqu—Obermvos. Von der 50. Bngade bezog das Regiment 117 bei Altenschlirf, Mösberts Biwak, die 118er kamen ins Quartier nach Jlbeshaitsen—Herbstein, die Fußartillerie kam nach Rixfeld. Donnerstag und Freitag ist wieder Biwak; die berittenen Truppen kommen in enge Quartiere.
Im diesjährigen Manöver erregen besondere Aufmerk- ämkeit die Beob a ch t u n gs wag en. Es sind dies vier- pännige Wagen, von denen je einer in zeder Batterie mitgeführt wird. Aeußerlich den Protzen ähnlich, enthalten diese Wasjen eine Beobachtungsleiter, die etum zwei Meter und herüber hoch gestellt werden kann. Wie die 0)eschütze, so trägt auri) diese Leiter einen schrapnellsicheren Schild, der den auf einem Fahrradsottel sitzenden Beobachter chützt. Der Wagen enthält ferner ein Scherenfernrohr, das an die Leiter angeschraubt wird. So bietet diese Leiter einen trefflichen Beobachtungsstand der Geschoßlvirkung.
•• Veränderungen im 18. Armeekorps. Hupe, Oberlt. im 5. Großh. Hess. Jns.-Regt. Nr. 168, vom 22. Sep- ember bis 30. Oktober 1910 zur Dienstleistung bei ber Inf.- Schießschule kommandiert. Paschen, Rittm. und Komp.- Ches im Großh. Hess. Train-Bat. Nr. 18, zum Stabe beS Garbe-Train-BatS., Hoegner, Rittm. unb Adjutant her 4. Train-Direktion, als Komp.-Ches in daS Großh. Hess. Train- Bat. Nr. 18 — versetzt.
** Signaleinrichtungen der preußische hessischen Staatsbahnen. Demnächst werden im> Tveüßischen Eiserchahnministerium Beratungen über die Signalcänrichtungen der prenßisri)-hessischen 'Staatsbahnen tcittfinbcH. Der Verband Koni gl. preußischer und Groß-- Herzogs, hessischer Lokonrotivführer in Köln hat auf er-i gcmgene Aufforderung dem preußisri)en Minister der öffent-" iri>en Arbeiten Vertrauensmänner her Lokomotivführer namhaft gemacht, die an diesen Beratungen teilnehmen ollen. Kürzlich ist vom Eisenbahnminister angeordnet tvorbeit, daß zur Prüfung der Zweckmäßigkeit und guten Erkennbarkeit der Signale'in jedem Jahre eine Signal^ chau vorzunehmen sei, zu der ebenfalls Lokomotivführer herangezogen werden. Durch diese Maßnahmen sollen die im praktischen Dienste gewonnenen Erfahrungetl nutzbar gemacht und den Lokomotivführern hierdurch in erhöhtem Maße Gelegenheit gegeben werden, ihre bisher auf dem D.ieusllvege bckauutgeLebenen Wünsche <yir Verbesserung der
Signaleinrichtungen auch durch mündliche Aussprache um mittelbar an die maßgebenden Stellen gelangen zu lassen Daß die Staatseisenbahnverwaltung stets bedacht gewesen ist, bei der Vervollkommnung der Signäleinrichtungen hie Lokomotivführer zur Mitarbeit heranzuziehen, hat siri) auri) gezeigt, als es sich um Begutachtung und mehrjährige Vn. suche für die nunmehr durck) Bundesratsbeschluß zur Einführung gelangte Aenderung der Signalordnung, insbesondere um die Einführung des gelben Doppellichte^ beim Vorsignal, handelte. — Die neuerdings angeordnet^ Zuziehung der Lokomotivführer zu Besprechungen bei ber höchsten Verwaltungsstelle beweist, welche Bedeutung an dieser Stelle den Erfahrungen ber int praktischen Fahrdienste tätigen Beamten beigelegt wird.
** Bei her LandeSversicherungsanstaltGroßh, Hessen sind im August 265 Nentengesuche (250 In, validen- und Ktankenrentenanträge, sowie 15 9lltersrenten. anträge) eingegangen. Unerledigt wurden in den Monat übernommen 318 Nentengesuche, so daß 583 Gesuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 244 durch Nentenbewilligung (220 Invaliden-, 13 Kranken- und 11 Altersrentengesuche); 39 durch Ablehnung, weil unbegründet (36 Invalidenrenten- und 3 Altersrentengesuche), 13 In. validenrentengesuche durch andere Weise — Zurücknahme usw. — zusammen 296, so daß 287 Gesuche als unerledigt aus September übernommen werden mußten. Ferner wurden im August 230 Anträge auf Beitragserstattung gestellt, unb zwar 195 infolge Heirat weiblicher Versicherter (H.),' 35 infolge Todes versicherter Personen (T.). Unerledigt wurden übernommen 85 Erstattungsanträge, so baß zu bearbeiten waren 315 Gesuche. Bewilligt wurden 208 Anträge (182 H. und 26 T.), abgelehnt wurden 25 Anträge (19 H., 6 T.). Unerledigt blieben 82 Erstattungsanträge (58 H., 22 T. und 2 11.), die aus September übernommen wurden. — In welchem Umfange die Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen HeilversahrenSkosten für ihre Versicherten übernimmt, ergibt sich daraus, daß Ende August 431 Personen in Heilanstalten untergebracht waren.
• * Boten des Herbstes. Dem trostlosen Sommer scheint ein ebenso wenig erfreulicher Herbst zu folgen. Der Landmann hat fortgesetzt mit den Unbilden der Witterung zu kämpfen, noch ist es ihm nicht überall gelungen, das Grummet glücklich einzubringen. Uederall leuchtet auf feuchten Wiesen die Herbstzeitlose hervor. Die schönen roten Vogelbeeren, die eS sonst auch nicht so eilig hatten, sind ebenfalls zu sehen, vereinzelt auch schon Kastanien und Wallnüsse. Die Schwalben rüsten sich in großen Scharen zur Abreise nach dem fernen Süden. Die Abende, noch mehr aber die Nächte, sind bereits so frisch unb kühl, baß gar bald in ber Natur Herbststimmung herrschen wirb.
* • Ziegenmilch-Konsum. In Gießen werben etwa 300 Ziegen gehalten, die 1000—1200 Liter Milch geben. Davon kommt allerdings wenig in den Handel; die Ziegenmilch wird meistens in den Familien der Ziegenbesitzer verwendet.
♦* Die neuen hessisch'en Dreimarkstücke mü dem Bildnis des Großherzogs, von denen die 23erßmcr Münze.300 000 Stück geprägt hat, kommen in Gießen nur vereinzelt im Verkehr vor. Erwähnenswert an dem OfeEb* stück ist, daß das Wort „Großherzog" mit zwlei s geschrieben ist. Da seit 1900 keine hessischen Zweimarkstück und feit 1898 keine Zehnmarkstücke für Hessen geprägt worden sind, wäre cs angebracht, daß auch solche Geldstücke bald her^ gestellt würden. — Von den neuen Talern fehleir nun noch Prägungen für Altenburg, Bremen, Sachsen-Meinigen Koburg, beide Lippe, beide Mecklenburg, Oldenburg, Reuß jüngere Linie, Schwarzburg-Rudolstädt und Waldeck.
* * Die H e cht e beißen in diesem Herbste ganz vorzüglich an der Angel an. Ein hiesiger Spvrtfiscl)er hat in den letzten 14 Tagen bei fünf- bis' sechsmaligem Angeln auf der Woog über 150 Pfund Hechte aus der Lahn gezogjen. Der Herr hat herausgefunden, daß die beste Zeit zum Hecht- angeln morgens zwisri)en 4 und 6 Uhr ist.
* * Ein alter Brunn en. In dem Garten des Justiz- rats Metz in der Liebigstraße, der nach der Wieseck zu steil absällt, hat man jetzt die Rohre eines uralter! Brunnens erneuert, der 20 Meter tief in den felsigen Boden hinein-^ getrieben ist. Der Brumi en mariner erklärte, es sei nach! der Anlage des ausgemauerten Brunnenkessels sehr wahrschein- lich, daß der Brunnen aus der Zeit des ehemaligen Dorfes Selters stammt. Der Brunnen gibt eiskaltes klares Wasser.
L. Friedberg, 14. Sept. Die im Stadtteil Fauerbach stehende kleine altertümliche Kirche, die renoviert und mit HeizungS- und Gaseinrichtung versehen wurde, wird nächsten Sonntag wieder dem Gebrauche übergeben werden. — Seit einigen Tagen ist eine große Anzahl Arbeiter mit den Grundarbeiten zum Baue der neuen Blindenanstalt beschäftigt. Sie kommt an die Mainzertor-Anlage zu stehen. Die Bausirma Mörschel gedenkt, die drei Gebäude ber neuen Anstalt bis zum Eintritt ber kalten Jahreszeit unter Dach zu bringen.
— Wetzlar, 14. Sept. Der Obst- unb Gartenbau- Verein des Kreises Wetzlar trifft bereits Vorkehrungen zur DJbft* unb Gemüse-Ausstellung vom 8.—10. Oktober im .Jagbschlößchen" zu Dutenhofen unb für ben O bst - markt im hiesigen Schützengarten.
ss Marburg, 14. Sept. Nachbem sich gestern abend eine stark besuchte Bürgerversammlung mit ber Frage beS Erwerbes eines großen BaugelänbeS am Ortenberg jenseits ber Lahn zwecks Einrichtung eines neuen StabtviertelS befaßt hatte, lag ben Stabtverordneten heute her Vertrag, der ein Objekt von etwa 300000 Mk. betrifft, vor Nach langer Sitzung wurde ber Antrag, bas Gelände zu kaufen, mit 19 gegen 8 Stimmen abgelehnt, weil man eine Erhöhung der Steuern befürchtete. — Den Haupt- treffet bei der Pferdemarkt-Lotterie gewannen zwei junge Kellner.
Landwirtschaft.
= Vom vorderen Vogelsberg, 14. Sept. Nun dauert die Grummet ernte auch sri;on ihre drei Worben und die vierte wird sic dazu noch beanspruchen. Genau so mar cs mit der Heuernte. In der Regel folgt einer verregneten Heuernte eine sonnige .Grummeternte. Aber in diesem Jahre, da folgt einer Regeiiperiode die andere. Die Qualität des Grumm?ls leidet ebenso unter dieser Nässe wie die des Heues. Tropdem sind die Preise für das Grnnunetgras nicht so niedrig wie in der Umgegend von Gießen. Ans die hoben Viebpreisc wirkt das (driechte Ergebnis des Dörrfutters nicht int geringsten ein. Hält der Regen weiter an, so fällt ihm. wie so ost schon, die Zwct- s d) £ u v r n t e zum Opser^


