Nr. «16
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Die „Siebener ZamillenblStter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für k« Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^ä>51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
Maßnahmen gegen die Zleischteuerung.
Die „Nordd. Mg. Ztg." enthält ausführliche Mitteilungen über die Unterredung, die der preußische Landwirt- schaftsrninister am 13. September mit der Abordnung des Deutschen Fleischerverbandes gehabt hat. Wir haben bereits kurz das Ergebnis dieser Unterredung mitgeteilt, aber die nachfolgenden Einzelheiten werden für jedermann vom größten Interesse sein. In der über zwei Stunden währenden Unterredung wurden hauptsächlich die Vorschläge besprochen, die der Vorstand des Verbandes in einer von ihm überreichten Denkschrift zur Beseitigung der augenblicklichen Fleisch teuerung gemacht hat.
30. Deutscher Iuristentag.
:4 Danzig, 14. Sicht.
Am heutigen dritten Beratungstage fand der Deutsche Juristentag mit einer Vollversammlung, in der die Beschlüsse der drei Abteilungen vorgelegt wurden, seinen Abschluß. Bors Justizrat Brunner: Sämtliche Abteilungen wollen ihre Beschlüsse nur zur Kenntnisnahme einreichen. Es ist aber ein von 27 Herren unterschriebener Antrag Liepmann-Friedmann ein- gegangen, über den Beschluß der dritten Abteilungen tetr.
die Todesstrafe *
eine Erörterung und Entscheidung in der Vollversammlung statt- finden zu lassen. Es gibt nur eine Berichterstattung über die Strafmittel im allgemeinen, nicht über die Todesstrafe allein^ Geh. Iustizrat Kahl (Berlin): Trotz der Auffassung des Herrn
Aaiserjagti.
___ _ _ Kr. Budapest, im September.»
Schloß und Herrschaft Bellye, wo Kaiser Wilhelm in diesen ^agen als East des Erzherzogs Friedrich zu einem Jagdbesuch 'Aufenthalt nimmt, ist mit seinem bunten Wechsel von Wäldern, äuen und stehenden und fließenden Gewässern ein Paradies für Jager, wie es innerhalb der Grenzen von Europa, selbst Rußland acht ausgenommen, kein zweites gibt. Der ungeheure Besitz, der m dem von Donau und Drau gebildeten Winkel liegt imd am aeguemsten Don Eszek oder Monostor auf vorzüglichen Chausseen erreicht wird, nimmt ein Gebiet von 800 Quadratkilometern ein and wurde von Kaiser Leopold I. im Jahre 1699 nach Abschluß ^s Karlowitzer Friedens an seinen siegreichen Feld Herrn, Prinz rügen von Savoyen, als Dotation zur Belohnung für die von lhm bei Mohäcs und Zeuta über die Türken erfochtenen Siege verliehen. Das von Eugen 1707 erbaute feste Kastell, das noch heute besteht, legt mit seinen gewaltig dicken Mauern ein Zeugnis dafür ab, tote wenig sicher man sich damals noch in dem den Lurken abgerungenen Besitze fühlte. Zum Bewohnen ladet der oon einem breiten Wallgraben umgebene Bau nicht ein und der heutige Eigentümer empfängt seine Gäste in dem Dort ihm vor nnem Jahrzehnte neuerbauten Jagdschloß Körö-Erdö. Ms die oerrschaft nach dem Tode des kinderlosen Prinzen an die Krone lurückfiel, kam sie durch Kauf für einen Spottpreis an die mit dem Herzog Wert von Sachsen-Teschen vermahlte Erzherzogin Marie Christine, später an Erzherzog Karl, den Sieger von Aspern, dann an Erzherzog Albrecht, den Sieger von Novara and Custozza, und endlich nach dessen Tode an den derzeitigen- Ägentümer, der als langjähriger Kommandeur des Preßburger urmeetorps unter allen habsburgischen Prinzen am innigsten mit Ungarn verwachsen ist.
Der landschaftliche Reiz des Jagdrevieres liegt in der mmdervollen Zusammenstimmung von Wasser und Land. Von ^lutzkorrektionen noch nicht merklich eingeengt, rollt der Donau- ttrom seine Wässer in träger Majestät durch die pannonische ^bene und hat sich im Lause der Jahrtausende bei den alljähr- ' - Aederkehrenden Frühjahrsüberschwemmungen neben dem öOO Jw 800 Meter breiten, von der Schiffahrt benutzten Hauptbette Olometerweit ins Vorland reichende Nebenläufe mit stagnierendem ürassep gegraben, zwischen denen, Has sumpfige Riedland! von
gewesen sein, ein Künstler kann nie König fein, und wenn er ein König ist, wird er nie regieren können. Ich erinnere mich deutlich aller Momente unseres Beisammenseins. Spielten wir für ihn, dann saß er allein in der Loge, ganz ohne Begleitung. Wir wußten, daß wir für ihn allein spielten, aber da er meist nur das Drama verlangte, gelang es uns, ohne die äußeren Reflexe auszukommen. Beim Lustspiel wäre das weniger gut gegangen. Der Geschmack des Königs harmonierte nicht immer mit dem meinen. Er liebte Victor Hugo, wollte indes von Shakespeare nichts wissen. Auch Goethe galt ihm minder, nur der große, göttliche Schiller füllte sein Herz aus. Und nun denken Sie die Situation : der Vierwaldstätter See und die Tellsplatte, und all der Zauber der Schweiz. Und die große Einsamkeit, der herrliche Tag, die Bergesriesen, die im Wasser spiegeln. „Wollen Sie hier loslegen, Kainz V Und ich wollte, ich sprach eine Szene aus dem Dell, und ich sand in der Situation nicht das Extravagante, das man späterhin in ihr finden wollte. Aber so war der König immer, naiv und warm empfänglich; den Irren sah ich nie in ihm. Ihm war ich auch nie Kainz, sondern immer der Melchthal ober der, den ich eben darstellie. Er verwechselte die Rolle mit dem Künstler. So sagte er mir von einer Dame, die er nie persönlich kennen gelernt, sie könne gewiß keinen schlechten Charakter haben, und zwar deshalb, weil sie immer edle Rollen darstelle. Aehnlicheö sagte er mir auch von mir. Er war sehr reizbar und im allgemeinen durfte man in ihm nicht den König mit einem unzarten Wort verletzen. So sagte er mir eines» $age£ von Richard Wagner: „Ich kann nicht mit ihm verkehren, es ist zii schwer. Denken Sie, wenn er von seinen Feinden spricht, dann schlägt er mit der Faust aus den Tisch." Das sah nun Richard Wagner ähnlich. Aber dem König durfte man das nicht antun, da wurde er empfindlich, es schien ihm, daß man feinen hohen Stand, vergesse. Mir selbst roiberhtbr es, daß ich — allerdings auf zarte' Weise — daran erinnert wurde, daß ich das Allerhöchste Mißfallerr erregt hatte. Ich war eben einmal nervös gewesen, ich habe vielleicht seinen Ansichten widersprochen, denn am nächsten Tage las ick ein Schreiben des Königs an seinen Sekretär über mich das den Passus enthielt: „Man muß Rücksicht mit ihm haben und iha so behandeln wie einen teuren Kranken." In späteren Jahren fiel mir der Brief wieder ein und meine Antwort, die ich damals leider prophetisch dem Sekretär gab: „Ich weiß nicht, wer von uns beiden der teure Kranke ist, der König oder ich!"
einer an die indischen Dschungel gemahnenden Vegetation bedeckt ist. Nur ein Fünftel des ganzen Areals ist durch feind natürliche, hohe Lage überschwemmungsfrei, 30 Prozent sind durch den vier Meilen langen Mbrechtsdamm der Ueberflutung entzogen, der Rest aber, also beinahe die Hälfte des Garden, steht vom Beginn des Eisganges im Frühjahr lange Wochen unter Wasser.
Aus diesem Grunde steht unter dem Wilde hinsichtlich seiner Häufigkeit das Wasserwilö an erster Stelle. Zahlreiche Arten von Möwen, Tauchern, Sturmvögeln, Jbffsen, Seeschwalben, Kormoranen, Höckerschwan, Graugans, Polargans uub Singschwan und tausende von Vertretern der artenreichen Entensippe bevölkern das Schilf und die Wasserflächen, wächrend die Raubgesellen unter dem Flugwild, Störche, Reiher, Rohrdommeln, Strandläufer, Adler, Weihe und Milane in starken Kolonien horsten und nisten. Als Paradestück des Reviers, das dem Kaiser vorgeführt wird, gilt mit Recht der großartige Bestand an Edelhirschen, die kaum tausend Schritt vom Schloß in Rudeln von 50 und mehr Stück äsen und int Feist ein Gewicht von 300 Kilogramm erreichen. Die Brunstzeit der Hirsche, die meist schon im Februar abwerfen und bis Mitte Juli ausgefegt haben, beginnt hier schon im August, erreicht ihren Höhepunkt in der Zett vom 5. bis 22. September, findet ihr Ende aber zuweilen erst im November. Die Wildschweine, die erst 1785 zur Akklimatisation ausgesetzt wurden, haben sich mit den überall aus den Dörfern auf Eichelmast im Walde umherschweifenden zahmen Schweinen zu einer höchst eigenartigen Bastardrasse vermischt, die an Wildheit den Schwarzkitteln mit reinem Stammbaum nichts nachgibt. Wölfe und Luchse sind selten geworden, auch der emst hier heimische Goldschakal soll nur noch ausnahmsweise aiu zutreffen fein; dagegen tritt der Fischotter noch so zahlreich auf tote kaum anderswo in Europa. Der Fischreichtum, der die Märkte von Wien und Budapest.versorgt, ist fast unerschöpflich. Allein in dem freilich auch sehr großen Kopacser Teiche werden gelegentlich der bei Niedrigwasser periodisch vorgenommenen ^Abfischungen an einem Tage 900 bis 1100 Zentner Fische in den Netzen gefangen.
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— Kainz und Ludwig II. Einern Wiener Schriftsteller gegenüber äußerte sich einmal Kainz über den Bauernkönig in folgender Weste: „Er war ein prunkliebender, künstlerisch angelegter Fürst, selbst ein Künstler. DaL aber mag fein Unglück
In seiner Erwiderung verwies der Minister darauf, daß schon durch Erlaß an die preußischen Landwirtschafts- kammeru vom 27. Juli unter Bezugnahme auf die Ergebnisse der Viehzählung vom 1. Dezember 1909 eingehend die Maßnahmen empfohlen wurden, die die weitere Hebung der inländischen Vieherzeugung und eine größere Stetigkeit in der Beschickung der Viehmärkte herbeizuführen bezweckten; es wurde dabei besonders die Notwendigkeit betont, die Fleischversorgung auch fernerhin nach Möglichkeit unabhängig vom Auslande zu gestalten und deshalb unter allen Umständen auf solche Maßregeln zu verzichten, welche der gegenwärtigen Fleischteuerung voraussichtlich nicht wesentlich abhelfen, wohl aber die inländische Vieherzeugung gefährden und herabmindern würden. Aus diesem Grunde glaubte der Minister die weitere Erleichterung derEinfuhr von Nutz- und Schlachtvieh auch deshalb nicht in Aussicht stellen zu können, weil der Viehstand sowohl, wie die Höhe der Biehprerss in den für die Einfuhr in Betracht kommenden Länder eine erhebliche Vermehrung der Einfuhr nicht erhoffen lassen. Von der zollfreien Einfuhr von Futtermitteln, die zudem mit Rücksicht aus die Reichssinanzen kaum ausführbar erscheine, sei eine Besserung um so weniger zu erhoffen, weil Futtermangel gegenwärtig nicht vorhanden sei, im Gegenteil, der reichliche Futtervorrat zum Teil eine schwächere Beschickung der Rindviehmärkte herbeigeführt habe. Die Herabsetzung der Viehtarife auf die Hälfte der geltenden Sätze, bei welcher die Bahnen ohne erhebliche Zubuße nicht mehr befördern könnten, würden den Preis für ein Kilogramm Fleisch nur um etwa einen Pfennig verbilligen.
_ Die Prüfung der Frage, ob eine Herabsetzung der Schlachthofsgebühren zu erreichen und eine Verbilligung der Fleischbeschau zu ermöglichen sei, wurde seitens des Ministers bereitwilligst zugesagt, dabei aber der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß auch diese Maßnahmen, wie die Aufhebung der Schlachtsteuer in verschiedenen Städten beweise, eine Mnderung der Fleischpreise kaum zur Folge haben werde.
Im Laufe der Unterredung wurde verschiedentlich hervorgehoben, daß der reichliche Vorrat an schlachtfähig ew Schweinen und auch die Zunahme der Zufuhr von Ochsen und Rindern aus den meisten Märkten schon für? die nächste Zeit einen Rückgang der Vieh preise erwarten lasse. Wenn auch die greife für Kälber; und Rinder toten Höchststand von 1906 an manchen Orten überschritten hätten, so sei doch ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem Jahre 1906 darin zu erblicken, daß Mangel anSchweineu nicht vorhanden und der Preis für diese auch in mäßigen Grenzen geblieben sei. lieber 50 Prozent der Fleischbedarfs in Deutschland, und zwar gerade der Konsum der ärmeren Bevölkerung, werde durch Schweinefleisch gedeckt; es sei deshalb auch nicht gerecht- ferttgt, von einer Fleischnot und davon zu reden, daß die Fleischversorgung der arbeitenden Bevölkerung zurzeit in Frage gestellt sei. Das ergebe sich auch aus der Tatsache, daß der Fleischkonsum auf den Kopf der Bevölkerung nicht zurückgegangen ist, sondern gegen die Vorjahre noch eine Steigerung erfahren hat. Der Minister erklärte schließlich, daß er eventuell weitere Maßnahmen ins Auge fassen werde; er könne aber auch für diesen Fall in erster Linie nur eine Erleichterung der Fleisch ein fuhr, die übrigens schon jetzt keineswegs unbedeutend sei, in Aussicht stellen.
Apolitische Tcrgesscharr.
Die Abschiedsrede des Fürsten Radolin.
Es ist aufgefallen, daß der scheidende deutsche Botschafter in Paris, Fürst Radolin, bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Abschiedsbankett der dortigen deutschen Kolonie in seinem Trinkspruch Worte gebrauchte, die das bei solchen Anlässen gewohnte Herkommen zu überschretten schienen. Die Ansprache hatte nach dem ,Fok.-Anz." folgenden Wortlaut:
„Im Innersten bewegt durch Ihre so überaus gütige Würdigung meiner Wirksamkeit gebe ich Ihnen die Versicherung, daß td) bis zum letzten Atemzuge der kostbaren Sympathicbeweist, die ich von der deutschen Kolonie vom ersten Tage an bis zu diesem heutigen Abend erhielt, dankbar eingedenk fein werte. Ich kann und will tS Ihnen nicht verhehlen, daß das Scheiden aus diesem mir so überaus lieb gewordenen, Wirkungskreife mir außerordentlich schwer fällt, daß ich gern noch eine Zeitlang dazu beigetragen hätte, die mir durch die französische Regierung so sehr erleichterte Ausgabe zu fördern, nämlich die, die deutsch-französischen Beziehungen immer . soeunteicher zu gestalten. Was ich während der Ministerzeit Rouviers und dessen Nachfolgers, Herrn Pichon, nach bestem Wissen und Können im Interesse unseres Vaterlandes geleistet bäte, wissen Sie alle. Es sollte mir nicht vergönnt, sein, jene wertvollen Beziehungen im persönlichen Verkehr fort» zusetzen, da meine Ersetzung auf dem Pariser Posten in einem Augenblick erfolgte, da ich ihn noch nicht erwartete. Mit ungebrochener Kraft verlasse ich das schöne Paris, und ohne Neid und Eifersucht wünsche ich meinem Nachfolger die allerbesten Erfolge, weil mir das Interesse Deutschlands über alles geht. (Großer Beifall.) Ich aber hoffe und, wünsche, daß es mir noch vergönnt fein möge, für Kaiser und 'Ueüb meine ungebrochene Kraft einzusetzen, wo ‘immer es meinem allergnädigsten Kaiser und Herrn gefallen könnte, nrir hierzu Gelegenheit zu geben."
Von großen Verdiensten des Fürsten Radolin, die er sich :n Paris für das Deutsche Reich erworben habe, kam: kaum )ie Rede sein, wenn er auch an dem schwankenden Verhalten )er deutschen Polittk Frankreich gegenüber nur zum Teil chuld gewesen fern mag. Leider tritt an seine Stelle kein Rann, von dem man mehr und Besseres erwarten könnte, inb man hat von Neuem den Eindruck erhalten, als habe ' ediglich Hofgunst den seit langer Zeit durchsichtigen Wunsch des Herrn von Schoen erfüllt.
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Sine Denkschrift der Palästiuadeutschen an das Auswärtige Amt.
Im Namen der deutschen Kolonien 5Mfa, Karmelheim, stceu-Hardhof, Bethlehem und Waldheim hack der erwetterte Gemeind erat von Haifa am 20. August eine Denkschrift über ne gegenwärtige Lage der Palästinadeutschen an den Staats* ekretär des Aeußeren, Herrn von Kiderlen-Waechter, in 5ertin gesandt:
Die Denkschrift bespricht zunächst das geschichttiche Entstehen )er deutschen Kolonien, die, sich aus Heinen Anfängen heraus mtwickelnd, jetzt etwa 3000 Seelen zählen, deren Besitz an Grund xnb Boten und Betriebskapital mit etwa 40 Mill. Fr zu be- oerten sein dürste. Ihren Wohlstand verdanken diese Palästina- )emschen einzig und allein ihrer eigenen mühevollen Arbeit, yurd) die sie zum Vorbilde für die Bewohner Pa- äftinas geworden sind, sich aber auch deren Neid zu- ;ezogen haben, der sich durch lieberfälle, Grenzverletzungen, Flur- chäten und unaufhörliche Diebstähle bemerkbar macht Trotz wer energischen UMerstützungen der Klagen seitens der deutschen Eochul ar Vertretung bei den türkischen Lokalbehörden werten die Nissetäter in den meisten Fällen nicht bestraft, häufig dagegen )ie deutschen Kläger von den türkischen Gerichten auf Grund al schon Zeugnisses verfolgt. Die vor vier Jahren mgefauften Ländereien in Bethlehem und Waldheim sind bis ,-eute noch mcht grundbuchlich auf die Ansiedler überschrieben, ne infolgedessen ewigen Gr en z str e iti g kei ten und Rä u- i er ei en ausgesetzt sind. Die Denkschrift gibt bann eine genaue _ Darstellung von ter Ermordung Fritz Ungers und der oorgänge seit diesem Vorfall. Sie beschwert sich über den Wali, *r zwar dem Vizekonsul strengste Untersuchung versprochen hat, nrgegen untätig geblieben ist. Dagegen ließ ter Strafrichter Man Bei in ter arabischen Zeitung „Karmel" einen längeren schmäh- und Hetzartikel gegen die Deutschen und die Konsular- ^ertretung veröffentlichen, was der Beginn einer ganzen Reihe jerartiger Aufsätze in der arabischen Presse war. Obgleich der Nord vor den Augen des Staatsanwaltes und Untersuchungs- ckchters, in Gegenwart des teutfdjen Konsuls und feiner Beamten ^folgte, wird türkischerfeits versucht, die Untat als Totschlag Rnzustellen, der erst durch Zeugen bewiesen werden muß! So
Zweites Blatt 160. Jahrgang Donnerstag IS. September 1910
aa Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchea S Ol ir WOW O r WW UU Z UniversÜäts.Buch. und Stemdruckereu
General-Anzeiger str Gberheßen
droht der Mord ungesühnt zu bleiben, und die Kolonisten kommen ui Gefahr, ter Willkür der Lokalbehörden und einer räuberischen Landbevölkerung wehrlos preisgegeben zu werben. Als Folge ter Haltung von Regierung und Gericht find bereits nach dem Morte in ter Kolonie Bethlehem ein bewaffneter Einbruch und zwei ähnliche Ueberfälle auf die Kolonie Waldheim vorgekommen. — -Am Schlüsse der Denkschrift wird die deutsche Regierung gebeten: „in Erwägung ziehen zu wollen, ob es nicht angebracht wäre, bei ter türkischen Regierung dahin zu wirken:
1. daß die Mörder des Fritz Unger zur Todesstrafe und die an dem Mord Beteiligten zu einer ihrer bestialischen Tat Angemessenen strengen Strafe verurteilt werden;
2. daß ter ihres Ernährers beraubten Witwe des Fritz Unger eine angemessene Geldentschädigung gezahlt werde, aus teren Rente sie standesgemäß leben und für ihr zu erwartendes Kind bis zur Volljährigkeit sorgen kann;
3. daß diese Entschädigung womöglich den Einwohnern des Ottes Tire auferlegt wird als Sühne für den von ihnen» allen geplanten und gutgeheißenen Mord an Fritz Unger."
Unter Herrn v. Kiderlen-Waechter darf man ja die Hoffnung hegen, daß solche Notrufe deutscher Landsleute im Auslande nicht ungehört verschallen.
Die Sortierung ties Zremtienvettehrs in Zrankreich.
O Paris, 14. September.
Die Förderung des Fremdenverkehrs nach österreichischem Muster ist nunmehr auf Grund eines Dekrets des Präsidenten der Republik, das im „Journal Ofsiciel" vom 13. September erscheint, durch die Schaffung des Office National du Tourisme endgültig organisiert. Bautenminister Millerand hatte im Laufe des vorigen Jahres eine Idee seines Vorgängers, des jetzigen Justi^- rninisters Ba r t h o u, wieder aufgegriffen und einen hohen Beamten feines Ministeriums zum Studium der amtlichen Förderung des Fremdenverkehrs in Oesterreich nach Wien geschickt und auf Grund der dort gesammelten Jnforma- ttonen vom Parlamente im Laufe der Budgetaussprache die Ermächttgung verlangt und erhalten, eine ähnliche Einrichtung auch in Frankreich zu schaffen. Dieses ist nunmehr geschehen. Nach dem Dekret hat das Office National du Tourisme die Aufgabe, „Auskünfte aller Art betreffend den Tourismus in allen seinen Formen zu sammeln und dem Publikum zur Verfügung zu stellen, sowie alle Mittel zu erforschen, die geeignet sind, den Tourismus zu entwickeln, alle Maßregeln zu veranlassen oder notwendigenfalls zu treffen, um die Bedingungen der Beförderung des Verkehrs und des Aufenthalts von Touristen zu verbessern".
Mit der Verwaltung des Office ist-ein Ratvonneun Mitgliedern unter dem Vorsitze des Bautenministers betraut, von denen 3 Mitglieder, der Mrektor der Straßen und der Schiffahrt im Bautenministerium, der Direktor der Departemental-Verwaltung im Ministerium des Innern und der Direktor der Eisenbahnen im Bautenministerium dieser Körperschaft von Rechts wegen angehören, die sechs anderen Mitglieder werden von dem Bautenminister unter den besonders qualifizierten Persönlichkeiten gewählt. Es sind dieses: Staatsrat Häbrard de Villeneuve, Berge, Präsident des französischen Mpeii-Klub, Max Vincent und Auschor vom Touring Club, Chaix vom Automobile Club und Mauris, Direktor der Paris—Lyon—Mittelmeer-Bahn. Als beratende Körperschaft steht dem fOfice Nackional du Tourisme ein Ob errat für Fremdenverkehr, bestehend aus 50 Mitgliedern, zur Seite, dem auch die ge- nannten sechs Mitglieder des Verwaltungsrats angehören. Zum Direktor des neuen Amtes ist ein Chefingenieur des Bautenministeriums bestellt worden.


