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15.9.1910 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

ammlung der otto

Regierung wurde die Nationalvers manischen Griechen eröffnet. Bi

,is l1II Uhr mittags hat die Regierung elf Abgeordnete verhaften lassen. Die elf Dele­gierten sind bis auf einen wieder freigelassen worden, nachdem sie eine Erklärung unterzeichnet hatten, daß sie sich an der Ver- sammlung nicht beteiligen würden. Die Versammlung wurde

Zum Jubiläum Mexikos.

Unter den süd- und mittelamerikanischen ehemaligen spanischen Kolonien, die in diesem Jahre das hundertjährige Jubiläum ihrer Unabhängigkeit feiern, nimmt neben Argen­tinien und Chile Mexiko, das alte Aztekenreich, eine Haupt­stellung ein. Demi feine geordneten staatsrechtlichen Ver­hältnisse, der wirtschaftliche Aufschwung, den es im letzten Menschenalter genommen, die kulturelle Bedeutung, die ihm sein jetziger langjähriger Präsident Porsirio Diaz ge­geben, lassen für Die Ankunft vielleicht erwarten, daß Mexiko, das ja schon jetzt die führende Macht in Mittelamerika dar- stellt, unter Umständen die übrigen kleineren mittelameri­kanischen Republiken aufsaugt, ebenso wie es nicht ausge­schlossen ist, daß Argentinien, Chile oder Brasilien dasselbe in Südamerika erreicht, wofern nicht der nord amerikanische Imperialismus es auf dem Wege der Monroedoktrin fertig bringt, diese Dreiteilung des amerikanischen Kontinents zu verhüten und den Union Ma-ck auch über den mittel- und südamerikanischen Republiken zu hissen. Der Streit, Den die Union jetzt mit Nicaragua vom Zaune gebrochen hat, ihre fortgesetzte Einmischung in die inneren Verhältnisse der mittelamerikanischen Republiken und nicht zuletzt die ja gerade jetzt wieder im Mittelpunkt des Interesses stehen­den Befestigungspläne für den Kanal von Panama lassen ver­muten, daß man in Washington danach trachtet, die Grün­dung eines mittelamerikanischen Staatenbundes unter mexikanischer Führung um jeden Preis zu verhindern. Doch das sind weitausschauende politische Kvmbinationen, die hier nur in einem Augenblick angedeutet werden müssen, wo Mexiko sich auf dem' Höhepunkt der für die Feier seiner hundertjährigen Unabhängigkeit angesetzten Festlichkeiten be­findet.

Wir alle haben in unserer Jugend mit größter Span­nung die Entdeckung und Eroberung Mexikos (1518 bis 1521) durch Fernando Cortez gelesen und wissen, mit welcher Tollkühnheit die Spanier in Mexiko eindrangen, aber auch, mit wieviel blutigen Opfern sie den Besitz des hochkulti­vierten und reichbevölkerten Azteken reich es, das für sie das Goldland war, erkauften. Die Herrschaft der Spanier dort, die Mexiko durch Vizekönige regieren ließen und Die un­glücklichen Indianer in jeder Weise knechteten und aus- beuteten, dauerte Drei Jahrhunderte lang. Erst als Napo­leon I. die Bourbonen aus Spanien vertrieben hatte, be­gannen auch in Mexiko unter dem 56. Vizekönig, Don Jose Jnturriaaray, Unruhen (1808), besonders deshalb, weil dieser die bisher unterdrückten Kreolen den Spaniern gleich­stellen wollte. Don Jose wurde gefangen genommen, nach Spanien geschickt und an seiner Stelle 1810 von der spa­nischen Zentraljunta in Mexiko Francisco Lavier De Vene­gas zum Vizekönig erhoben, der aber, da er das Land int Gehorsam gegen die spanische Regierung zu erhalten suchte, einer Verschwörung zum Opfer fiel, an Deren Spitze Der Pfarrer von Dolores, Don Miguel Hidalgo Castilla, stand, in Dem man also den eigentlichen Begründer der mexika­nischen Unabhängigkeit zu sehen hat.

Nach jahrelangen Kämpfen, die schließlich mit einem Siege der Revolutionäre endigten, und nachdem Mexiko auch eine kurze Periode als Kaiserreich (18221823) unter dem Obersten Augustin Jturbide durchgemacht hatte, wurde es am 16. Dezember 1823 zu einem selbständigen Bundes­staat erklärt, dessen republikanische Verfassung am 4. Oktober 1824 in Geltung trat. Erster Präsident der Republik, die Spanien erst nach dem Fall des Forts San Juan d'Ulloa, seines letzten Stützpunktes, anerkannte, wurde der General Guadeluppe Vittoria. Es hat der jungen Republik in den folgenden Jahrzehnten nicht an inneren Kämpfen und Ver-

zweite Sinfonie meinte der Tondichter, daß er, wenn er ein großes musikalisches Gemälde konzipiere, immer auf den Punkt komme, wo er das Wort als Träger seines musikalischen Gedankens heranziehen müsse. In derAchten" sinkt das Orchester geradezu zur Begleitungsmusik herab; rein instrumental gehalten und fast nur die Üeberleitungen. Wollten wir mit Worten rechten, so ließe sich sagen, Mahlers achte Sinfonie ist keine Sinfonie, sondern ein Oratorium oder eine gewaltigeKantate". Mit einer KantateDas klagende Lied^ (1880) hat Mahler sich seine ersten Ruhmeskränze geflochten.

Mahler liebt innerhalb seiner Sinfonien oft schroffe Kontraste, die sich auch auf den vokalen Teil erstrecken, so z. B. in der Dritten", in der Friedrich NietzschesAlso sprach Zarathustra" und ein Chor:Es sangen drei Engel einen süßen Gesang' die Ergründung des einheitlichen Grundgedankens nicht leicht machen. Auch zwischen den beiden Dichtem, deren Verse den zwei Teilen derAchten" zu Grunde liegen, scheint sich auf den ersten Blick aesehen, eine Kluft aufzutun: Der Mainzer Erzbischof aus dem Zeitalter Karls des Großen und Goethe.

Das gemeinsame zwischen dem Hymnus:23 eni creator spiritus" des Hrabanus Maurus und der letzten Faust­szene ist der Erlösungsgedanke, und so stellt sich das Werk in der Tat ideal als eine höhere Einheit dar, wie viele frühere Sinfonie-n Gustav Mahlers, in denen sich oft mystische Klänge und Wiener Tanzweisen brutal ablösten. Letzteres ist übrigens auch ein Zug, den der Komponist mit Bruckner, der Ende der 70er Jahre am Wiener Konservatorium sein Lehrer gewesen, gemeinsam hat. Nur daß Mahler dies steigert und verschärft. Vielleicht weil er em grüblerischerer Geist ist, als der lediglich seiner Empsiiidung fol­gende ehemalige Dorfschulmeister und Autodidakt Anton Bruckner. In Mahlers Instrumentation und Harmonik läßt sich die Ver­wandtschaft zwischen Schüler und Lehrer, der als erster einst Die Ausdrucksmittel Richard Wagners in den Konzertsaal trug, un­schwer nachweisen.

Ohne, weitere Einleitung werden wir in MahlersAchter sofort auf das Sehnsuchtsthema hingelenkt:Komm', Gott Schöp­fer, heiliger Geist, besuch' das Herz der Menschen Dem". (Ich glaube, daß es Dem Leser lieber ist, daß ich Die Stellen aus Dem lateinischen Hymnus des Hrabanus Maurus deutsch zitiere, obwohl er in der Ursprache gesungen wird.) Besonders reizvoll ist die Entwicklung des As-dur-Satzes:Du bist der Tröster genannt". Das Thema des SopransolosMft Gnaden [ie füll" taucht nn

Gustav Mahlers achte Sinfonie.

München, 12. Sept.

Mahlers Kunst hat heute noch neben begeisterten Anhängern ihre scharfen Gegner; aber kein Musikfreund verhält sich semem Schaffen gegenüber gleichgültig. Die Uraufführung einer Mahl er­sehen Sinfonie ist stets ein tünstlerisches Ereignis, zu dem sich die bedeutendsten Musikästhetiker Deutschlands und Oesterreichs zusammenfinden. Von unfern zeitgenössischen Meistern ist es wohl einzig nur noch Richard Strauß, dessen Schöpfungen mit so allseitiger Spannung erwartet werden. Noch ein rein äußer­licher Anlaß kommt dazu, den Ausführungen Mahlerscher Sin­fonien den Stempel des Außerordentlichen aufzudrücken, es ist dies der mit jedem Werk wachsende technische Apparat, dessen Mahler bedarf, um seinen inneren Gesichten Ausdruck zu geben. Der Aengstliche sagt dann wohl, weiter geht es nicht mehr. Nun, Der gleiche Vorwurf traf in früheren Tagen dasGesamtkunstwerk" Richard Wagners, BeethovensNeunte", Mozart es hat keinen Zweck, noch 'weiter in der Entwicklung der Musik zurückzugreifen immer Da, wo die Grenzen weiter hinausgesteckt werden, glaubten die in geordneten Pfaden Wandelnden, daß die äußerste Ent- wicklungsmoglichkeit erreicht sei. Freilich die rein technische Häu­fung Der Ausdrucksmittel ist an sich noch kein Beweis schöpferischen Ueberschwanges. Ob Gustav Mahler wirklich in künstlerisches NeulanD führt ober sich nur als derienige erweist, der aus Den Richtlinien seines großen Lehrers Bruckner unD Liszts Die letzten Folgerungen zog, das werden erst die feststellen können, die nicht mehr unter seinem persönlichen Eindruck stehen. Erst ganz wenige Jahre sind es her, daß Brahms und Bruckner, dem Streit der Meinungen entrückt, als unbestreitbare Potenzen un­seres musikalischen Lebens feststeyen und ein Beethoven-Brahms- Brucknerzyklus, wie ihn der Meisterdirigent FerdinandLöwe kürzlich in der Münchener Ausstellunas-Festhalle (dem Schau­platz des heutigen Mahlerereignisses) bot, hat noch immer den Eharakter einer Propaganda, selbst für Beethoven, obwohl zu dessen populär gewordenerNeunten" die Massen strömen.

BeethovensNeunte!" In ihr wurde zum ersten Male unternommen, die strenge Form der Sinfonie zu sprengen und das Instrumentalwer!' mit einem. Vokalsatz zu krönen. Als weiteres Beignet darf man LisztsFaustsinfonie" nennen, in der sich aus dem £rd)öfter die nämlichen Faustworte loslösen, die Gustav Mahler für feine Achte heranzog. Schon im Hinblick auf feine

Faustteile wieder auf bei Den Worten der einen Büßerin (sonst Gretchen genannt):

Vom eDlen Geisterchor umgeben Wird sich der Neue kaum gewahr^ .Er ahnet kaum das frische Leben So gleicht er schon Der Heiligen Schar."

Mahler hat Diese Musikalische Analogie in Den utarkantest Hauptteilen beharrlich Durchgeführt, um hierdurch Die geistige zu betonen. In Der Erfüllung steigen die im sehnsuchtsvollen Flehen abgeschlagenen Tone von neuem herauf. Von einer gigan­tischen Kraft ist die Stelle, in der alle Soli unD Chore einsetzen: Zünd uns ein Licht an im Verstand". Zunächst vom Kinder­chor eingeführt, erscheint ein neues Thema:Du bist mit Gaben siebenfalt", das in mancherlei Modulationen Verwendung findet und zu dem Anfangsmotiv:Veni creator spiritus" in gewal­tiger Steigerung zurückführt. Von den isolierten Holzbläserin, deren selbständige Behandlung für Mahler immer charakteristisch war, in seiner Wirkung vertieft, bietet der Chor die den erstens Teil machtvoll schließende Lobpreisung Gott Vaters:Gloria in saeculorum saecnla". Dieses Thema wird im zweiten: Teile, das mit einem in düsteren Farben gehaltenen Vorspiel beginnt, von Dem Chor der Engel wieder aufgenommen. Irr mystischen Tonen erklingt der Chor:Waldung, sie schwankt heran, Felsen sie lasten dran". Für die Strophen des pater ecstaticus hat Mahler Tone von herrlicher Klangschonhett ge­funden. Eine leise Erinnerung an Walter Stolzings Preislied scheint uns hier für einen ?lligenblick vorbei zu huschen. Ursprüng­lich und von zwingendem Eindruck ist die Partie des pater profun dus; im Chor seliger Knaben tauchen leise schlichte Melodien tnt Volkston auf. Eindrucksvoll und lieblich erhaben ist Die Gretchen- partie, von milder Majestät das Madonnenmotiv. Zu inhrüm stiger Steigerung erhebt sich der Hymnus des Doktor Marianus: Höchste Herrscherin Der Welt, Lasse mich im Blauen, Ausge­spannten Himmelszelt, Dein Geheimnis schauen". Der Chorus mysticus erklingt, in ihm taucht das Motiv der Gottesmutter nochmals auf, in Orgeltönen von stets wachsendem crcfccnDa ertönt das Thema des AnfangesVeni creator spiritus", mit Dem Das Oratorium fein Ende erreicht.

Die von Mahler für Die Aufführung Der Sinfonie gefordert^ Zahl von Mitwirkenden hat die Zahl tausend erreicht. Das Orchester des Konzertvereins war auf 146 Musiker verstärkt worden. Zwei bedeutende Chorvereinigungen loarcy, aus dep

216 Erstes Blatt 16V. Jahrgang Donnerstag 15. September 1V1V

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erhalten will. Es wurde der allgemeine Wunsch ausge- sprachen, daß nur Die nicht grün D legenden Be­stimmungen Der Verfassung reviDiert werden sollen. So wurDe oas Volk Dazu berufen, Die doppelte Zahl der Abgeordneten zu Dieser Verfasfungsrevision zu erwählen.

Ich freue mich. Sie hier begrüßen zu können. Ich freue mich umsomehr, als die überaus friedliche Weise, in welcher Die Wähler von ihrem höchsten politischen Recht Gebrauch gemacht haben, von neuem unter ungewöhnlichen UmftänDeit die Reife des griechischen Volkes bewiesen hat. Sie werden auf diese Weise für die im Anschluß an Ihre Tagung stattfindenden regelmäßigen Sitzungen der Kammer eine Grundlage finden, die der Tätigkeit Der staatlichen Organe, Der Wiederherstellung der politischen Ord­nung zuträglicher und der Verwirklichung der nationalen Ideale günstiger sein wird."

Nach einer Meldung Der Agence d'Atheues wirD die Re­gierung aus Versöhnlichkeit Die griechischen Offiziere, Unteroffiziere und GenDarmerie, Die Kreta verlassen, nicht ersetzen. Die Konzentrierung türkischer Truppen in Mo­na stir erregt in Athen Besorgnis.

Konstantinopel, 14. Sept. Trotz Der Maßnahmen der

Wickelungen mit auswärtigen Mächten gefehlt, Die das Land nur zu oft an den Abgrund des Verderbens führten. War es doch im Jahre 1861 so weit, daß Mexiko Den Staatsbankerott erklären mußte und Die im Lande lebenden Ausländer nicht hinlänglich schützen konnte, so Daß EnglanD Frankreich und Spanien Die Konvention von LonDon schlossen unD im Jahre 1862 zu einer bewaffneten Jnteuvention in Mexiko schritten. Eine Folge Dieser Intervention, von Der sich EnglanD unD Spanien nur zu balD zurückzogen, war die Errichtung des mexikanischen Kaisertums unter dem Habsburger Maxi­milian (1864), Der, von Den Franzosen bereits im Mäi^ 1867 verlassen, Der Revolutionäre unter Juarez, Die sich Der Unterstützung Der Union erfreuten, nicht Herr werden konnte unD am 19. Mai trotz aller Bemühungen der frem­den Gesandten in Quretaro standrechtlich erschossen wurde. Trotzdem hörten auch in Den nächsten Jahren Die inneren Unruhen in Mexiko nicht auf, bis endlich im Jahre 1876 der jetzige Präsident, Porsirio DiaK, Der sich schon bei Den Kämpfen gegen das Kaisertum Maximilans ausgeKeichnet hatte, zum erstenmal an Die Spitze der mexikanischen Re­gierung trat.

Es bedeutet eine Abtragung des Dankes, Den Mexiko diesem Mann schuldet, toenu es Den Hauptfeiertag seines Jubiläums auf Den 15. ^September, den 80. Geburtstag seines jetzigen Präsidenten, gelegt hat. Denn auf seine außerordentliche Energie, seine Rechtschaffenheit unD Intelli­genz ist es zurückzuführen, daß Mexiko, dem bis Dahin Der Ruf der Unehrlichleit, Anarchie unD Unkultur anklebte, sich jetzt der Hochachtung aller Mächte erfreut. So ist Porfirio Draz zum zweiten BegrünDer der Selbständigkeit Mexikos, zum Urheber einer Entwickelung geworden, wie sie glänzen­der und vielversprechender kaum gedacht werden kann.

Nachdem er Mit Hilfe des von ihm reorganisierten Heeres die Gegner der politischen Ordnung in Mexiko, die nur in ihre Taschen wirtschafteten, unter seine Macht gebeugt und auch den im Innern des Landes immer wieder und> wieder auftauchenden Räuberbanden das Handwerk gelegt, ging er an die Erschließung Mexikos durch Eisenbahnen, an die Förderung des Wirtschasts- und Erwerbslebens, so­wie an den Ausbau des Bildungswesens, und hatte hierbei Erfolge zu verzeichnen, die ihm ein ewiges Ruhmesblatt in Der Geschichte Mexikos sichern. Mexiko ist unter der sechs­maligen Präsidentschaft Porfirio Diaz ein moderner Kultur-' fiaat geworden, und es ist für uns Deutsche hocherfteulich, daß, feitbein Alexander v Humboldt (1810) zum ersten Male auf die Entwicklungsmöglichkeiten Mexikoschingewiesen hat, es neben Engländern und Nordamerikanern vor allem Deutsche waren, die das ihrige zur Hebung des Landes beitrugen. Proftrio Diaz sowohl als auch sein wahrschein-. Hcf)er Nachfolger, Roman Corall, sind ausgesprochene Deutschfreunde. Hat doch der erste Den Deutschen sschon öffentlich folgendes Löb gesperrdet: Die Deutschen sind über­aus tüchtige Menschen. Meine Sympathien für Deutschland find nicht nur Gefühlssache, sondern der Ausfluß eines auf langer Erfahrung begründeten Urteils. Der deutsche Tag, Den Mexiko bei der Ueberreichung Des Jubiläumsgeschenkes Kaiser Wilhelms, einer Hmmboldtstatue, feierte, stellt nicht nur einen Programmpunkt Der Festlichkeiten Dar, nein, er WirD auch zum Sinnbild dessen, was Deutschland, wie in Argentinien und Chile, so auch in Mexiko an Kulturarbeit geleistet hat.___________

Die Eröffnung der griechischen Nationaiversammlung.

Athen, 14. Sept. Bei der um 11 Uhr erfolgten Eröffnung der Nationalversammlung sagte Der König in seiner Rede: Die BeDingungen, unter Denen Die Nation Den Beschluß Der Kammer vom 18. Februar annahm, hätten bewiesen, daß das ganze Volk die Verfassung und Die Kraft des Landes unversehrt auf derselben Grundlage aufrecht

in Anwesenheit von sechzig Delegierten eröffn n e t unD für beschlußfähig erklärt. In seiner EroffnungsreDe be­tonte Der Patriarch, Daß Die Griechen Die WieDerherstellung Der Verfassung freuDig aufgenommen hätten, Daß jedoch Die Er­eignisse Die Gleichheit unD Freiheit, sowie Die Privilegien des Patriarchats verletzten, ihre Hoffnungen getäuscht hätten.

Nach kurzer Aussprache wurde ein Antrag des Patriarchen angenommen, nach dem die Arbeiten bis zum 23. D. M. vertagt werden. Inzwischen soll der, Patriarch bei Der Regierung auf Die Beseitigung Der Hindernisse für Die Anerkennung der Gesetz­mäßigkeit der Versammlung hinarbeiten. Beim Verlassen Der Sitzung wurden neun Delegierte verhaftet. Der Pa­triarch verlangte sofort durch einen Abgesandten vom Kultus­minister ihre Freilassung. Der Kultusminister erwiderte,^ lange das Patriarchat nicht auf die Abhaltung der Versammlung üei> zichte, könne er Die Maßregeln nicht widerrufen.________________

politische Tagesschau.

Eine bureaukratische Schererei.

Der Reichstaasabgeordnete Dr. Struve mÄcht rn bet Kieler lZtg." folgende Mtteilungen:

Ein Landmann auf der Insel Fehmarn mietete sich am? 12. November 1908 eine polnische Galizierin Josefa K a st a n, zunächst auf ein Jahr.^ Da das Mädchen seinen Dienst zur Zufriedenheit der Herrschaft ausführte, wurde der Dienst­vertrag nach seinem Ablauf auf ein weiteres Jahr verlängert.j Plötzlich am 5. Januar 1910 wird das Mädchen auf An­ordnung des Landrats des Kreises Oldenburg verhaftet. Als Grund für die Verhaftung wird angegeben, das Mädchen hätte als Ausländerin das deutsche Staatsgebiet spätestens a m 2 0. Dezember 1909 verlassen müssen. Ich bin ün Augenblick nicht in der Lage, angeben zu formen, auf welches Gesetz der königliche Landrat sich bei seiner Maßnahme gestützt hat: Sachsengängerinnen polnischer Nattonalität sollen ja bis zum 20. Dezember in die Heimat zurück gekehrt sein. Ob man aber den BegriffSachsengängerin" auch auf ein Mädchen antoenDenj kann, das schon seit dem 12. November 1908, also bei seiner Ver­haftung schon seit fast 14 Monaten seinen Dienst auf einer unD Derselben Stelle ausübt, kann ich nicht ewscheiden, zweifle aber keinen Augenblick Daran, daß der Landrat bei Dem Erlaß Des Haftbefehls sich formell im Recht zu befinden glaubte. Der Land­wirt, Der sein Dienstmädchen gern wieder haben wollte, wendet sich an feinem Amtsvorsteher, wendet sich an den Landrat: alles ver­gebens, das Mädchen bleibt in Haft. Endlich wird als letztes Mittel ein Gesuch an den RegierungspräsideMen in Schleswig im Namen des Dienstmädchens gerichtet. Der Fehmarner Land­wirt schließt sich dem Gesuch, tote er schreibt, voll und ganz an: Die Gesuchstellerin ist nach jeder Beziehung ein einwandfreies Mädchen." Die Regierung antwortet man darf sagen leider