Ausgabe 
15.9.1910 Erstes Blatt
 
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des

mc immer, die Sache sei zur weiteren Veranlassung dem Herrn Landrat zu Cismar übergeben. Und dieser teilt am 9. Juni dem Dienstherrn mit:Auf Ihr Gesuch eröffne ich Ihnen, daß die Entlassung der Josefa Kaftan aus der Polizeihaft nach Lage der bestehenden Vorschriften nicht angängig ist." Das Mädchen muß also weiter fitzen und hat weiter gesessen. Noch den Monat J-uni, Juli und noch August. Heute erfahre ich, daß vor einigen «Tagen das Mädchen durch einen Gefangenenwärter nach Neu- Münster gebracht worden ist. Ob sie dort im Zentralgefängnis' weiter sitzen soll, oder ob sie einen: Sammeltransport von Neu­münster aus übergeben wird, steht heute noch dahin. Der Land­mann soll seinerseits für jeden Tag, den das Mädchen in Haft JOB/ 80 Pfennig bezahlen. Er weigert sich natürlich, diese Summe über 200 Mark zu entrichten. Auf die Art der Eintreibung rönnen wir also noch Wärtern

Auch wenn man die Möglichkeit zugibt, der Landrat und mit ihm der Regierungspräsident hätten auf Grund rrgenderner alten und verrosteten Vorschrift so und nicht anders handeln müssen, ist doch der ganze Vorfall einfach ein Skandal, den die preußische Regierung wird klar- ftellen müssen, wenn sie nicht das Ansehen des Staates her- absetzen will.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 15. Sept. 1910.

** Tageskalender für Donnerstag, 15. Sept.: K o n z e r t Münch'schen Soloquartetts. Abends 9 Uhr in Steins Garten.

Ausland.

Der Wiener Stadtrat beschloß, für die Ausschmückung der L-tratzen und des Rathauses aus Anlaß der Ankunft des deutschen Kaisers 20 000 Kronen zu bewilligen.

DasNeue Wiener Tageblatt" meldet: Nachdem in der Konferenz des D:rektoriums der Südbahn am heutigen Mittwoch . beschlossen worden ist, verschiedene von den Beamte:: der Südbahn gestellten Forderungen nicht zu erfüllen, hat die Leitung der Südbahnangeftellten beschlossen, heute nacht um 12 Uhr auf allen österreichischen Linien der Südbahn mit der passiven R e s i st en z zu beginnen.

Jin russischen Kriegsrat ist eine Vorlage betreffend die Aufhebung des Postens eines Oberkomman- dier end en der Truppen am Anrur gebiet eingebracht worden.

G e n e r a l B o t h a erklärte in Johannesburg in einer Rede, aus den aus Südafrika zu Gebote stehenden Mannschaften könne

Ein Augenzeuge

erzählt Folgendes: Bei der Nachmittagsfahrt war an einem mit einem neuen Lager versehenen Motor eine ungleiche Gangart entstanden. Das neue Lager lief warm und man kehrte deshalb sofort zur Halle zurück, l'-in Monteur suchte den Schaden auszubcssern. Dabei verwendete er, wie es heißt, ein Lötlampe. Gleichzeitig 'habe man den etwa 2 Meter höher liegenden Benzinbehälter auffüllen wollen und das Benzin habe Feuer gefangen. Es entstaub eine starke Explosion und das Luftschiff stand in Flarmnen. eie schlugen etwa 10 Meter über das Dach empor. In wenigen Minuten war das ganze Luftschiff vernichtet. An der Halle ist bloß die Bedachung beschädigt. Einige Mon^ teure sotten leichtere Brandwunden erlitten haben, aber niemand lebensgefährlich verletzt sein.

Eine Beileidsdepesche.

Karlsruhe, 14. Sept. DieKarlsruher Zeitung" meldet: Sofort nach Bekanntwerden des Unglückes, beml das LuftschiffL. Z. 6" zum Opfer gefallen ist, richtete der Minister des groß herzoglich en Hauses und der auswär­tigen Angelegenheiten, Frhr. v. Marschall, folgendes Telegramm an die Deutsche L u f t sch i f f a h r t s- Aktiengesellschaft in Baden-Oos:Namens der großherzoglichen Negierung spreche ich der Deutschen Luft. schiffbau-Aktiengesellschaft an dem schweren Unglück das sie neuerdings durch die Zerstörung des Luftschiffes Z. 6" betroffen hat, das wir Badener in den letzten Wochen so oft freudig begrüßt haben, aufrichtige Teilnahme aus. Minister v. Marschall."

** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulverwalter Karl Becker zu Götzen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule daselbst; dem Schulverwalter Ernst Sames zu Rodhcim (Kr. Friedberg) eine Lehrerstelle an der Gemeindeschulc zu Steinhein: (Kr. Gießen). Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Solms-Braunsels auf die erledigte erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Villingen präsentierte Lehrer Karl Schmidt daselbst.

Der Verein der Detaillisten hielt gestern abend im Kaiserhof eine außerordentliche Hauptversamm­lung ab, in der zu der von dem Deutsch-nationalen Hand- lmigsgehilsenverband eingcleiteten Bewegung auf Herbei­führung des 1-Uhr-Ladenschlufscs an Sonntagen Stellung ge­nommen wurde. Die Versammlung war gut besucht. Von verschiedenen Seiten wurde daraus hingewiescn, daß die- Neichsregierung die einheitliche Regelung der Sonntagsruhe im ganzen Reiche für die nächste Zeit beabsichtigte und daß man gerade mit Rücksicht hierauf von einer Aenderung der zurzeit bestehenden Verkaufszeit absehen solle. Nach längerer Besprechung wurde folgende Entschließung angenommen:

Die am 14. Septencher 1910 im Kaiserhof auf Veranlasse des Vorstandes des Detaillisten-Vereins einberufene Mitglieder-! Versammlung faßt nach eingehender Debatte den Beschluß, vor-' erst und zunächst bis zur reichsgesetzlichen Regelung der Sonntags­ruhe eine abwartende Stellung einzunehmen und es demnach vorläufig be: dem seitherigen Ladenschluß von 3 Uhr zu belassen^ Der Vorstand des Detaillisten-Vereins wird beauftragt, in diesem Sinne bei der .Behörde vorstellig zu werden."

'* Vom Gießener Markt. Von Samstag den 17. September an beginnt der Markt mit Wagen­ladungen jeweils um 8 Uhr aus Oswaldsgarten.

Die Maul- und Klauenseuche ist au 8 gebrochen in Markowitz, Kreis Strelno, Regierungs­bezirk Bromberg, und in Nieder-Steinkirch, Kr. Lauban, Regierungsbezirk Liegnitz, am 12. September.

---Alten-Buseck, 15. Sept. Die Mäuseplage tritt hier gegenwärtig so heftig auf, wie seit vielen Jahren nicht. Wenn nicht baldigst etwas durchgreifendes geschieht, wird die Kartosselernte usw. sozusagen ganz vernichtet wer­den. Ueberall sicht man die Gänge der Mäuse, deren jtn-

Derrtsche Kolonien»

^omerun droht, wie dieVossische Zeitung" meldet, eure Skandal geschuhte, da die Leute desKing" Bell in einer .nzeige an das Reichskolonialamt zwei jüngere Asses- U? X-? n *^01.0 allerlei Verfehlungen bezichtigen, bei denen auch ^vewer wieder eine Rolle spielen sollen. In dieser Angelegenheit ist 17 I ^okomalamt ein amtlicher Bericht eingelaufen und eine wa 11 Anschuldigung in die Wege geleitet worden.

Cs vLewt aozuwarten, ob es sich nicht auch in diesem Falle, wre )e:nerzeu bei dem Angriff der Akwaleute vor fünf Jahren, um unwahre oder übertriebene Beschuldigungen handelt.

L. 3. 6 verbrannt.

D^e großartige Ersin düng Zeppelins wird hartnäckig vorn Mißgeschick verfolgt. Wiederum ist einer der stolzen Segler der Lüfte ein Opfer der Elemente geworden, und wte bei Echt er ding er: ist es abermals durch Feuer zu Grunde gegangen. Noch ist nicht festgestellt, ob das Unglück durch ein Anlaufenlassen der Motoren oder durch eine Löt­lampe entstand, aber jedenfalls hat das System Zeppelins nicht bas geringste zu tun. Ueberraschend groß rst allerdings die Zahl der Unfälle, die den Z.-Lchiffen beiden letzten Jahre zustieß. Im August 1908 verbrannte der erste Zeppelinballon nach seiner Fern-» fahrt bis Mainz bei Echterdingen. Später dannte ein J.-Kreuzer bei Göppingen gegen den einzigen Baum, der in Weit ent* Umreis vorhanden war, und in diesem Jahre sind bereits drei Katastrophen zu verzeichnen. Am 25. April zerschellte das MilitärluftschisfZ. 2" an dem Werbersberg be: Weilburg infolge mangelhafter Verankerung und un­genügender Aufsicht, am 28. Juni ging dieDeutschland" (L. Z. 6) im Teutoburger Wald zugrunde, als er in eine vertikale Zyklone geriet und in den Bäumen havarierte. Damals zeigte dasPersonale in heldenmütiges Verhalten und auch diesmal waren die Leute ganz aus ihrem Posten. Teilweise sollen sie sozusagen mit den bloßen Händen versucht haben, das Feuer zu löschen. Einer der Arbeiter, der auf einer Leiter an dem Luftschiff be­schäftigt war, konnte sich nur durch einen Sprung aus etwa 10 Met er Höhe vor den Flammen retten.

Merkwürdig ist, daß der Stofsbezug des hinteren rechten ^ettenfteuers nicht verbrannt ist. Auch viele andere Teile, wie Lager, Wellen, Zahnräder sollen unversehrt sein. Der Ballon, der einen Wert von 600000 Mk. hatte, soll bei mehreren Gesellschaften für 480 000 Mk. versichert sein.

b e ste V erteidigungsheer der Welt gebildet wer- fluche Großbritannien um seine Mitwirkung bei der Schaffung e:ner solchen, aus Angehörigen beider Rassen zusammen­gesetzten Streitmacht. Seiner Ansicht nach köime Lord Methuen mit der L)rgan:wtlon der Truppe betraut werden, oder falls ein anderer britischer Offizier dazu notwendig sei, möge sein alter Kriegskamerad Lord Kitchener die Aufgabe übernehmen.

D:e argentinische Regierung unterbreitete dem Kon- greß ewen ®e)efcentttnn:f, nach dem als Münzeinheit der Goldp:aster im Werte von 2,20 Franks angenommen wer­den soll.

deine gekommen. Der Wiener Singverein (250 Sänger) hat uns bereite einige Tage zuvor durch eilte von dem Hofkapellmeister -w a l k geleitete mustergültige Aufführung von Beethovens Missa wlemnüZ feme hohe musikalische Kultur erwiesen und der Riedel- v crem aus Leipzig (260 Personen) ist am Mittwoch (14.) mit HandelsDeborah" selbständig vor unser Musikpublikum ge­treten. Hier fügten sich beide mit den 350 Säugern des Kinder­chores der Zentralsingschule München glanzvoll in den Rahmen des ganzen.

Gustav Mahler dirigierte selbst. Man weiß, daß er nicht nur als Komponist hohe Beachtung verdient, sondern daß auch die- lenigen, welche sich dem Schaffenden gegenüber ablehnend ver­halten, mit Mahlers Fremwen üb er ein stimm en m der Bewunde­rung seiner großen Tirigentenfähigkeiten. Diese sind es auch gewesen, die Mahler die Laufbahn erschlossen, die dem Korn- poniften die Wege ebnen sollten. .Er führt die Battuta mit einer Elastizität und Frische der Bewegung, die es kaum glaublich er­scheinen läßt, daß der Künstler vor zwei Monaten bereits ein halbes Jahrhundert vollendete. Aeußerlich gleicht Mahler im ganzen kaum einem Musiker. Es ist weniger versonnenes Künsller- tum, das aus den festelnden Zügen spricht, als ein durchdringender Verstand, der hinter den scharfen Gläsern der Brille hervorleuchtet. In die Solopartien der llraufsührung teilten sich die Damen Forstel, Wintermitz - Dorda, B e l l w i d t, Ottilie M e tz- ger und Er ler-Schnaudt, sowie die Herren S eni us, G e i ß e - W i n k e l und Richard. Di a y r , lauter im Oratorium- gelang bewährte Künstler, deren mächtige, llangschöne Stimmen trotz der gewaltigen Größe unserer Festhalle zu imposanter Gel­tung kamen.

Da;? tiefergreifende Werk rief beim Publikum eine stürmische Begeisterung hervor. Gradezu unbeschreiblich war der Jubel, der sich am Schluß erhob. 20 Minuten lang wich und wankte das Publikum nicht aus der Festhalle; immer wieder wurde Mahler hervorgerufen und die Beifallsstürme, die ihn umrauschten, mochten nicht enden. * Hans Bege.

Tas Befinden von Joses Kainz war am Mittwoch in den späten Abendstunden wechselnd. Als schlimmstes Zeichen wird von seiner Umgebung eine zu­nehmende Apathie betrachtet. Er ittteressiert sich nicht mehr

1T)^e b^.her für seine Umgebung und seine Freunde. ;>m Gegensatz hierzu meldet die ,;'Ä0. Z." aus Wien: In dem Befinden von Kainz ist, wie es scheint, im Laufe der Nacht rine überraschende Besserung eingetreten. De. Künstler verbrachte eine größtenteils schmerzfreie Nacht und fand kräftigenden Schlaf.

Wie sich nun auch dieser neue Unfall abgespielt haben mag, das eine ist jedenfalls in erster Linie zu fordern: daß in der Heranbildung eines gut geschulten Personals die größte Sorgsamkeit walten muß und daß aus dieser Katastrophe neue Lehren für den Betrieb gewonnen werden. Nicht das System trägt die Schuld, sondern das unglückselige Zusammentreffen verschiede­ner widriger Umstände, die uns bei der Eisenbahn- und der Schiffahrt, dem Automobilverkehr nur deshalb nicht mehr überraschen, weil wi^r es gewöhnt sind. Es ist deshalb kein Grund vorhanden, der Luftschiffahrt eine ungünstige Zukunft zu weissagen, denn jeder Fortschritt er­fordert seine Opfer es kommt eben nur daraus cur, sie unter Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln auf eine möglichst niedrige Zahl zu be­schränken.

Ueber die Einzelheiten des Unglücks, das wir gestern nachmittag sofort durch eine größere Anzahl von Sonder­blättern bekanntgaben, haben wir folgende Drahtnachrichten erhalten.

Die Katastrophe.

Baden-Baden, 14. Sept. Das LuftschiffZ.6" ist heute nachmittag 3y4 Uhr infolge einer Explosion des Hinteren Motors beim Ausbessern eines Schadens, welcher das Luftschiff zur Rückkehr von der Fahrt nack) Heilbronn in die Luftschisfhalle bei Oos gezwungen hatte, vollständig verbrannt. Die Halle ist unversehrt. Mehrere Arbeiter erlitten leichte Brandwun- d e n. Das Feuer ist dadurch entstanden, daß bei dem Reinigen des Motors mit Benzin, das sich naturgemäß in offenen Behältern befand, eine Explosion erfolgte. Die Flamme schlug hoch empor, worauf das Luftschiff Feuer ing. Innerhalb 10 Minuten stand das ganze Luftschiff in Flammen. Auch das Gerippe ist vollständig zerstört. Es ist nichts übrig geblieben als die beiden Motore. Ein Hilfsarbeiter, der mit dem Reinigen des Motors beschäftigt war und ein Monteur sind verletzt wor­den. Die Verletzungen sind ni ch t l e b e n s ge f ä h r°^ lich.

Baden-Baden, 14. Sept. Das LuftschiffLZ.6" ist heute nachmittag um 374 Uhr infolge Explosion des Hinteren Diotors beim Ausbessern des Motorschadens, der es zur Rückkehr von der Fahrt nach Heilbronn gezwungen hatte, in der Lustschifshalle in Oos verbrannt. Die Halle ist unversehrt. Mehrere Arbeiter erlitten leichte Brandwunden.

Baden-iOos, 14. Sept. Die Lu ftschiffkata- strophe ereignete sijch nachmittags 3 Uhr 17 Min. Von der Ballonhalle ist nur die G l a s b e d a ch u n g infolge der Hitze teilweise geschmolzen, im übrigen blieb sie aber völlig unversehrt. Verletzt wurden nach den letzten Mittei­lungen vier Leute, jedoch keiner von ihnen schw-er.

Die offizielle Darstellung.

Baden-iOos, 14. Sept. Von der Führung desL Z. 6" wird demSüdd. Korrespondenz-Bureau" über den Unfall folgendes gemeldet!: Das Feuer ist dadurch enti standen, daß bei dem Reinigen des Motors mit Benzin, das sich naturgemäß in offenen Behältern befand, eine Explosion erfolgte. Dse Flamme schlug hoch empor, worauf das Luftschiff Feuer sing. Innerhalb 10 Minuten tand das ganze Schiff in Flammen, auch das Gerippe ist vollständig zerstört. Es ist nichts übrig geblieben als die beiden Motore. Verletzt ist ein Hilfsarbeiter, der mit den: Reinigen des Motors beschäfttgt war, und ein Monteur. Die Verletzungen sind aber nicht lebensgefährlich.

Baden-Oos, 14. Sept. Zu der heutigen Fahrt des L. Z. 6" wird von der Luftschiffahrtsgesellschaft mitgetellt: Das LuftschiffL. Z.6", das sich aus der Fahrt nach Heil­bronn befand, mußte infolge eines Motorschadens wieder umkehren und ist glatt vor der Luftschiffhalle gelandet. Es ist dies die erste Fahrt, die nicht p r o g r a m m ä ß i g verlausen ist, nachdemL. Z..6" nunmehr in 18 Tagen bei

teilweise ungünsttgem Wetter 34 Fahrten ausgesührt V Die Gesamtstrecke, die das Luftschiff dabei zurücklegte, be­trägt 3100 Kilometer. Mehr als 300 Passagiere wurden von dem Luftschiff befördert. Die Durchschnittsgeschwindigkeu betrug 47 Kilometer pro Stunde.

Baden-Baden, 14. Sept. Auf Anfrage in der Lustschiffhalle wurde uns mitgeteilt, daß die Ursache de- Brandes desL. Z. 6" noch nicht aufgeklärt ist. Eine Explosionhatjedenfallsnicht stattgefunden Das F^rer griff, obwohl man alle Anstrengungen machte es zu löschen, außerordentlich schnell um sich. Als die Hülle Feuer gefangen hatte, wußte man, daß das Luft­schiff verloren war. Das Personal verließ eiligst die Halle. Die Hitze wurde so stark, daß das vordere große eiserne Tor aufgedrückt wurde.L. Z. 6" lag innerhalb zehn Sekunden in Trümmern. Die Halle ist, wie bereits kurz gemeldet, bis auf eine geringe Beschädigung des Daches unversehrt. Fünf Mann der Besatzung'wurden zum Teil erheblich, jedoch nicht lebensgefährlich verletzt. Graf Zeppelin und Direktor Eolsmann wurden von der Katasttophe sofort verständigt. Die Behörden haben sich, wie uns weiter berichtet wird sofort nach der Unfallstette begeben.

Von fachmännischer Seite erhält ein Berichterstatter folgende nähere Angaben, wonach die erste Meldung hi einigen Punkten der Berichtigung bedarf: Die Hintere Gondel, Triebwerk usw. nmrde, wie üblich, mit Benzin gereinigt, da^ auf noch unaufgeklärte Weise Feuer si.ng. Die Flammen schlugen bis zutn Luftschiff hinauf. Zwei der kleinen Benzin- behülter, in denen die Reiniguiigslappen angefeuchtet wer­den, wurden alsbald aus der Gondel entfernt. Es gelenq das Feuer zunächst zu löschen. Da fing jedoch das dritte kleine Reinigungsgefäß Feuer, das sich schr rasch verbreitete Das Luftschiff brannte von einem zum anderen Ende aus Von einer eigenartigen Explosion sei nicht zu reden. Vier Monteure sind leicht verletzt, ein Arbeiter erlitt ernstere Wunden. Es ist zu bewnen, daß die Katastrophe mit dem Fahrbettieb als solchem nicht das mindeste zu tun hat und daß in der Luft niemals offenes Benzin in den Gondeln vorhanden sein darf. Die Reiniaung mit Benzin ist eine man muß schon sagen, eingewurzelte llnfitte bei Mechanikern' die mit Feinmaschinen zu tun haben und ssich des Benzins bedienen, weil das Rosten dann ausgeschlossen ist. Der Schaden an der 5)alle wird auf 20 000 Mark geschätzt. Das völlig leergebrannte Metallgerippe liegt langgestteckt in der Halle. Die Motore und Gondel sind so gut wie nicht beschädigt. Ein Ersatz wird in dem für das Luftschiff Deutschland" im Bau begriffenen und in wenigen Wochen vollendeten neuen Luftschiff zur Verfügung stehen.

Line Kabinettsfrife in Bulgarien.

S-o f i ti, 14. Sept. Der Ministerpräsident überreichte dem König die Demission des Kabinetts.

. In erngewerhten Kreisen werden als Ursache der un­erwartet getomnrenen Demission des Kabinetts die in letzter Zeit aufgetauchten Meinungsverschiedenheiten zwischen der Krone und dem Kabinett über die Rege- tung der türkisch-bulgarischen Streitfragen angenommen.

von den franzöfischen Manöoern.

Grand Villiers, 14. Sept. Präsident Falliöres, Mi- nifterpräsürent Briand und Kriegsmimster General Brun sind heute vormittag im Marwvergelände in der Picardie eingetroffen; sei wurden von der Bevölkerung lebhaft begrüßt.

Nach Beendigung des heutigen Manövers fand einmili­tärisches" Frühstück statt, be: dem Präsident Fallieres einen Trinkspruch ausbrachte und ausführte, die Anwesenheit der ftemdländischen Offiziere bereite ihm große Freude. Die Auf- mchme, die ihnen die französischen Kameraden bereitet hätten, Men ihnen bewiesen, daß die Waffenbrüderschaft eine rührende ^atsachv sei, welche gegenseitige Achtung zwischen den Soldaten ddr verschiedenen Länder Hervorrufe, die den gleiche:: Begriff < von Pflicht und Verehrung der Fahne hatten. Präsident Fallieres toastete schließlich auf die Souveräne, Staatsoberhäupter, Re­gcerungen und Nationen, die hier b er treten sind, insbesondere auf alle fremden Offiziere. Der Präsident beglückwünschte sodann Ine franzöfischen Truppen, deren Eifer nicht vermindett fei und bu, wie die gesamte Armee, ein Gegenstand der Fürsorge der öffentlichen Gewalten und der Natron seien.

Deutsches Reich.

Der Vorstand des Gesa mt v erbandes Deutscher M etallrndustrieller hat, wie wir erfahren, beschlossen, auf Donnerstag den 22. September- eine Ausschußsitzung nach Berttn emzrwerufen, welche über die Ge sa mt a us spe r r u n g zugunsten der angegriffenen Seeschiffswerften Beschluß fassen soll.

In Bremen hat am Mittwoch abend eine Versammlung der Fuhrleute mit großer Mehrheit beschlossen, sofort in den aw: sstand einzutreten.

DieKölnische Zeitung" meldet aus Addis Abeba, daß d:e deutiche Regierung zur Freude der abessynischen Re­gierung die ftüher abgelehnte Bitte genehmigt habe, einen beut- jähen Offizier zur Vermessung der Grenze nach dem rtaliemschen Semalilande zur Verfügung zu stellen.

In Mühlhausen i,G. sind die Schmiede und Installateure stn eine Ausstandsbewegung eingetreten. Am Mittwoch hat der * ÄUsftanb begonnen, obschon die Arbeitgeber den Arbeftern wett entgegen gekommen waren. Die Führer beharren aber auf ihren Forderungen, welche in der Hauptsache in der 9y2 stündigen Ar­beitszeit bestehen.