Ausgabe 
12.7.1910 Erstes Blatt
 
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benachbarten großen Parteivereine waren mit Musik und Fahnen erscbüncn, so Alzey, Wendelsheim, Bramersheim, Bechtolsheim, Arnsheim, Wörrstadt und Spiesheim. Draußen vor dem Ort war auf einer mit Pappeln und Weiden umgebenen Wiese (die der nationallibcralc Landtagsabgeordnete Diehl unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte) der Fcstplatz hcrgerichtet, auf dem sich nach und nach wohl an die 8 bis 10 000 Personen versammelten. Von einer Tribüne aus begrüßte der Vorsitzende des Gau-Odern- Heimer Vereins, Kaufmann Weinheimer, die Versammlung, die Kopf an Kopf gedrängt auf dem weitem Plane stand oder saß. In Vertretung deü Bürgermeisters Christ in Wörrstadt sprach Reallchrcr B u m a n n namens der Wahlkreisorganisation, namens des Landesausschusses sprach Abg. Sa eng (Darmstadt). Grüße überbrachte von der Organisation des benachbarten preußischen Wahlkreises Kreuznach Professor M i l au , aus der Pfalz Bürger­meister S ch e u (Staudenbühl). Nach gemeinsamem Gesang sprach dann zunächst Pfarrer Kor eil. Grundton seiner Rede waren die beiden Worte: Gerechtigkeit und Freiheit. Er sprach u. . a. über die Wahlkreiseinteilung. Hier ist etwas geplant, das kann wohl Gesetz werden, aber niemals Recht. Von der Regierung ist in dieser Beziehung kein Widerspruch zu erwarten. Der Redner kam dann auf die Enzyklika-Proteste zu sprechen und meinte: Was geben wir auf den Protest der Nationalliberalen und Bauernbündler in dem Moment, wo sie sich anschicken, sich in die Abhängigkeit des Zentrums zu begeben? Auch des Falles Strecker gedachte der Redner mit scharfer Kritik. Dann schloß er: Wir wollen allezeit mit Mut und Ehrlichkeit unsere Ueberzeugungen vertreten. Gerechtigkeit und Freiheit sind uns ein persönliches Glaubens­bekenntnis, an dem wir allezeit festhalten wollen.

Nachdem sich der stürmische Beifall gelegt hatte, nahm der badische Landtagsabgcordnete Professor Hummel das Wort. Er hatte sich zum Thema genommen, über die deutsche Freiheit zu reden, nicht die Freiheit, die als das holde Engclsbild be- rrachtet wird, das seinen Reigen am Sternenzelt führt. Der deutsche Freiheitsbegriff hat eine lange Entwicklungsgeschichte. Das Bürgertum hatte sich des eigenen politischen Denkens ent­wöhnt, aber jetzt, da man das llerikale und junkerliche Regiment durchzukosten hätte vis auf den Grund, sei der Boden für frei­heitliche Anschauungen günstig geworden. Nur die Beherrschung des Reiches durch das deutsche Bürgertum kann die politische Freiheit garantieren. (Lebhafter Beifall.) Der Abgeordnete Dr. Wolf (Gonsenheim) überbrachte die Grüße der Landtagsfraktion und sprach dann unter lebhaftem Beifall auf die Frauen, deren Mitarbeit in der Politik gerade der Liberalismus nicht entbehren fonne.

Ans Stadt nud Land.

Gießen, 12. Juli 1910.

* Tageskalender für Dienstag, 12. Juli. Stadt- t h e a t e r:Wiener Blut". Anfang 8 Uhr.

** Lehrerpersonalien. U ebertragen wurde dem Lehrer Jak. Frank zu Lampertheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Neu-Isenburg. In den Nutze st and versetzt wurde der Lehrer an der Volksschule zu Mainz Franz Schader auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner mehr als 50jahrigen treuen Dienste. Erle digt sind: Die Lehrerstelle an der kath. Schule zu Seckmauern. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Nosenberg und dem Fürsten und Grafen zu Erbach-Schönberg steht das Präsentationsrecht zu. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Zahmen. Mit der Stelle ist Lektor­dienst verbunden. Ihrem Inhaber kann eine Ortszulage be­willigt werden.

** Bei der Landesversicherungsanstalt G r o ß h. Hess e n sind im Juni 324 Rentengesuche (307 Invaliden- und Krankenrentenanträge, sowie 17 Alters­rentenanträge) eingegangen. Unerledigt wurden übernom­men 383 Renrengesuche, so daß 707 Gesuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 295 durch Rentenbewilli­gung (267 Invaliden-, 16 Kranken- und 12 Altersrenten­gesuche); 53 durch Ablehnung, weil unbegründet (49 Inva­lidenrenten- und 4 Altersrentengesuche), 16 durch andere Weise Zurücknahme usw. (14 Invaliden- und 2 Alters­rentengesuche), zusammen 364, so daß 343 Gesuche als un­erledigt auf Juli übernommen werden mußten. Ferner wurden im Monat Juni 290 Anträge auf Beitragserstattung gestellt, und zwar 250 infolge Heirat weiblicher Versicherter (H.), 38 infolge Todes versicherter Personen (T.) und 2 wegen Bezugs von llnfallrente (U.). Unerledigt wurden in oen Monat übernommen 110 Erstattungsanträge, so daß zu bearbeiten waren 400 Gesuche. Bewilligt wurden 254 An­träge (219 H, 32 T. und 3 U.), abgelehnt wurden 22 An­träge (16 H, 6 T.). Unerledigt blieben 124 Erstattungs­anträge (98 H., 23 T. und 3 U.), die auf den Monat Juli übernommen wurden. In welchem Umfange die Landes­versicherungsanstalt Großh. Hessen Heilverfahrenskosten für ihre Versicherten übernimmt, ergibt sich daraus, daß Ende Juni in Anstalten 392 versicherte Personen untergebracht waren.

** Der Landesverband evangelisch-kirchlicher Fra neu vereine, dem gegen 60 Vereine mit 6000 Mit­gliedern beigetreten sind, gedenkt seine Jahresversammlung am 7. September in Darmstadt zu halten. Den Haupt­gegenstand der Verhandlungen wird die Krüppelpflege bilden. Referenten sind Dr. Heid und Inspektor Weimar in Nieder- Ramstadt, wo schon der Einfang mit einem Krüppelheim ge­macht ist. Neben dem gegenwärtigen Stand der Krüppel­fürsorge wird besonders auch die Frage behandelt werden: Was kann von den Frauenvereinen vorbeugend und helfend in der Krüppelfürsorge geschehen?"

** Für die Sitzung der Stad-tverordneten- Versammlung am Donnerstag, 14. Jüli, nach­mittags 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung ausgestellt worden: 1. Mitteilungen. 2. Erweiterung des Empsangs- gebäudes auf Bahnhof Gießen. 3. Baugesuch Karl Wie­gand! für Löberstt. 5. 4. Baugesuch Birkenstock und Schnei­der für Friedrichstraße 15. 5. Baugesuche Paul Eim für den Wetzlarer Weg. 6. Baugesuch Wllhelm Balrhasar Bütt­ner für die Marburger Straße. 7. Errichtung eines Anbaues Seltersweg 63; hier: Dispens. 8. Errichtung eines Häuschens in der Sandgrube von H. W. Rinn an der Mar­burger Straße. 9. Gesuch Jakob Heilbronner um Anbringung von Schaukasten am Haus Marktstraße 17. 10. Gesuch der Gailjchen Dampsziegelei um Verlegung ihrer Anschlußgeleise über städtische Wege. 11. Miete sür den der Häute- und .Fettverwertuligsgenossenschast überlassenen Raum im Schlachthose. 12. Abgrenzung der Grüfte auf dem Fried­hof am Rodtberg. 13. .Heizung der Kapelle auf dem Fried­hof am Rodtberg. 14. Einbau eines Teerscheiders im Gas­werk. 15. Elektrische Kabel in der Rodheimer Straße, Brand­gasse und Lonystraße. 16. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. 17. Genehmigung von Rechnungen. 18. Aus­führung einer Gas- und Wasserzuleitung für den Neubau von Prosessor Walter in der Liebigstraße. 19. Gesuch des Theodor Bäulke um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb !irn Hause Wolfstraße 9. 20. Desgl. des Karl Schmidt für

Neustadt 14. 21. Desgl. des Heinrich Hengst für Licher Straße 57. 22. Serien der Stabtveroebneten-Versammlung.

** Die Verlegung der Bürgermeisterei und der anderen städtischen Aemter in die alte Klinik scheint .greifbare Gestalt anzunehmen. Den Stadtverordneten soll demnächst eine Vorlage zugehen, wonach ein monumen­taler Umbau des alten Kasernenbaues zum Rathause vor­geschlagen wird.

** Das Pharmakologische Institut der Uni­versität, das sich im Hause Lonystraße 2 befindet, soll dem­nächst in größere Räume nach der Frankfurter Straße ver­legt werden und zwar in die Gebäude der alten veterinär­medizinischen Klinik, die demnächst frei werden. Der Staat soll beabsichtigen, das rote Verblendsteinhaus an der Lony­straße (das ehemalige evangelische Schwesternhaus) zu ver­kaufen. 5

** Vom Tele g raphen am t wird uns geschrieben: ,,Unter Bezugnahme auf den Artikel ,,Fernsprechwesen" in Nr. 151 Ihres Blattes wird Ihnen mitgeteilt, daß die Ein­tragung der Fernsprechanschlüsse in der Weise erfolgt, wie es der Teilnehmer wünscht, und daß die Einteilung der Teil­nehmer-Verzeichnisse sür das ganze Reichs-Postgebiet ein­heitlich festgesetzt ist." Das ändert nichts ökran, daß das amtliche Verzeichnis für den praktischen Gebrauch wenig geeignet ist.

** Vortrag über diechri st lich-nationale Ar­beiterbewegung. Im Cafe Ebel sprach bei guter Beteili­gung, besonders aus Studentenkreisen, Lic. Mumm- Berlin über: ,,Die entscheidende Bedeutung der christlich-nationalen Ar­beiterbewegung in unserm .Volksleben." Er führte aus: Jede Zeit hat ihre Aufgaben. Die Jetztzeit ist vor den Ausgleich der sozialen Gegensätze gestellt. Deutschland mit seiner jährlich um ungefähr eine Million zunehmenden Volkszahl wird immer mehr ein Industriestaat. Das patriarchalische Verhältnis früherer Zeiten, wo Arbeitgeber und Arbeitnehmer infolge längerer Zu- fammenarbeit sich naturgemäß näher traten, hat sich überlebt und paßt nicht mehr in unsere Zeit des Großbetriebs mit dem ständig wechselnden Arbeiterbestand. Gerade die größeren Betriebe be­dürfen aber einheitlicher Regelung und Beobachtung allgemein geltender Vorschriften inbezug auf Arbeitslohn, Arbeitszeit, Ar­beiterfürsorge, überhaupt aller den Arbeiter angehender Fragen, denen sich jeder zu unterwerfen hat. Wer hat dies alles zu be­stimmen. Der Arbeitgeber allein? Das wäre einseitig, denn der Betrieb regelt sich nicht nach dem Gesetz der Nachfrage und des Angebots. Die Arbeitskraft kann wohl verkauft werden, nie aber die damit untrennbar verbundene Eigenart, die Seele des Men­schen. Der Arbeiter hat also ein Recht, bei Feststellung des Ver­trags mitzureden. Zur Erreichung dieses Rechtes war es nötig, sich zusammen zu schließen. Es entstanden die Gewerkschaften, deren Vertreter die Rechte der Arbeiter wahren können. Freilich sind dies nur die allgemeinen Richtlinien und können es nur sein, denn dem Arbeitgeber muß, ähnlich wie dem Fürsten im konstitutionellen Staate, freie Hand bleiben bei der Ausführung der Einzelheiten, die ja auch zum größten Teil durch die Art des Betriebs und die technischen Einrichtungen von vornherein festgelegt sind. In dengelben" Gewerkschaften, die den Arbeiter zu sehr von dem Willen und den Entschließungen des Arbeitgebers ab­hängig machen, also kaum eine freie Meinung auskommen lassen, erblickt Redner eine große Gefahr für die Bildung des .Charakters. Die freien Gewerkschaften, die als Rekrutierungsanstalten der sozialdemokratischen Partei deren Parteiinteresfen in erster Linie dienen, können nicht als Vertreter der wirklichen .Arbeiterinter­essen angesehen werden. Aus der Arbeiterschaft heraus und wesent­lich von ihr selbst muß diese Frage gelöst werden. Sie muß eine Einigung, keineswegs aber eine Unterdrückung der Stände er­zielen, die Schwachen müssen sich wohlsühlen. Eine solche Einigung besteht. Es ist die christlich-nationale Arbeitervereinigung, die sich immer weiter ausbreitet, über eine Million Arbeiter in sich vereinigt und alle anfangs erwähnten Fragen in christlich-natio­nalem Sinne zu lösen sucht. Sie will insbesondere auch der Hoff­nungslosigkeit Vorbeugen, die in den Arbeiterkreisen unfehlbar eintreten muß, wenn sich über kurz oder lang die sozialdemo­kratischen Ideen als unhaltbar und mrausführbar erweisen. Die nun folgende Aussprache wurde von Professor Kinkel einge­leitet, der bei dem Vortrage die Erörterung der prinzipiellen Fragen vermißte und eine Beleuchtung der Sache vom allgemeinen Standpunkt des Rechts gewünscht hätte. Stadtv. Krumm setzte in längeren Ausführungen auseinander, wie die sozialdemokratische Partei in langer Kulturarbeit für das Wohl der Arbeiter gewirkt habe. Ter heutige kapitalistische Staat sei nichts weniger als christlich. Es werde nicht eher Frieden mit ihm geben, bis die Hauptforderung feiner Partei, die dahin gehe, alle Produktions­mittel zunr Gemeingut des Volkes zu machen, erfüllt sei. Gewerk- schastssekretär Schlabach wendet sich gegen Stadtv. Krumm und setzte auseinander, wie der christliche Gewerkschaftsverband auf christlich-nationalem Boden stehe, und wie sich die christlichen Arbeiter ihre Religion und Treue zu Kaiser und Reich nicht aus dem Herzen reißen ließen. Allen Rednern antwortete Lic. Mumm entweder sofort oder in einem Schlußwort, in dem er in zündender Rede die Zuhörer, besonders die Studenten, aufforderte, in christ­lich-nationalem Sinn Stellung zu der so wichtigen Arbeiterfrage zu nehmen und zu ihrer Lösung beitragen zu helfen. Nachdem noch der Vorsitzende einen baldigen Vortrag des Herrn Krumm in Aussicht gestellt hatte, schloß er die anregend verlaufene Ver­sammlung.

Vom VereinHundesport* schreibt man uns: Auf der am 10. d. M. in Bad Kreuznach abgehaltenen internationalen Hundeausstellung zeigte sich wiederum deutlich der hohe Stand­punkt der Kynologie in Gießen. Es erhielten Herr Hch. Krämer für feine gelben deutschen Boxer einen 2. Preis, fünf 1. und drei Ehrenpreise, Gärtner Karl Volk für Tobermanpinscher zwei 1. und zwei Ehrenpreise, Frau Olga P e r s y n, Großen- Buseck für deutsche Dogge zwei 1. Preise und Rechtsanwalt H o m- b e r g e r für deutsche Schäferhunde die vom Verein für deutsche Schäferhunde, Sitz München, vorgesehene beste Zuchtbewertung vorzüglich".

x Klein-Linden, 11. Juli. Ein Preis­scheibenschießen hielt unser Kriegerverein an den bei­den letzten Sonntagen ab, zu dem 15 Preise zur Ver­fügung standen. Folgende Schützen erhielten aus die 12- Ringscheibe Preise: 1. mit 35 Ringen Wilh. Erle, 2. mit 34 R. Wilh. Schaum, 3. mit 34 R. Ludw. Euler, 4. mit 33 R. Phil. Jung III., 5. mit 33 R. L. Viehmann, 6. mit 33 R. Jul. Gimbel, 7. mit 32 R. Ludw. Mandler, 8. mit 32 R. Phil. Weigel, 9. mit 32 R. Lehrer L. Keil, 10. mit 32 R. Wilh. Müller, 11. Wilh. Luh, 12. Unteroffizier L. Jung, 13. Wilh. Klein, 14. Hch. Schneider, 15. Heinrich Erb. Wilhelm Volk, Will). Weigel, L. Keil und Friedr. Schimmel hatten Preise gestiftet. Ehrenscheiben, gestiftet von L. Viehmann, schossen Wilh. Klein und Ludw. Mandler.

(!) Hungen, 10. Juli. Bürstenhändler Wagner von hier verunglückte auf der Straße bei Selters mit seinem Fuhrwerk dadurch, daß der mit Waren beladene Wagen bei einer Kurve umfiel und Wagner darunter zu liegen kam. Er konnte nur mit Muhe von seiner Frau (sonst war niemand in der Nähe) aus seiner schlimmen Lage befreit werden und hatte bedeutende Verletzungen erhalten, so daß er nach Ortenberg verbracht und sich dort einer Operation unterziehen mußte. Auch sein Pferd er­litt beim Sturze erheblick)e Verletzungen. Das Eisen- st einbergw erkElis enburg" auf der sog.Land­wehr", das seit etwa 2 Jahren still stand, wird den Be­trieb dernnächst wieder a u f n e y m e n. Dies ist umso er­freulicher, als dadurch wieder vielen Arbeitern lohnende .Beschäftigung geboten.ist.

r. Hungen, 11. Juli. Die Typhus-Epidemie in Gonterskirchen, die durch Arbeiter infolge Genusses des schäd­lichen Wassers auch auf die Orte Villingen, Ruppertsburg und Freienseen verschleppt morden ist, hat heute ein weiteres Opfer gefordert. In Ruppertsburg ist der Arbeiter Hch. Ester, 18 Jahre alt, gestorben. Von den in Gonters­kirchen erkrankten etwa 60 Personen sind 16 bedenklich krank, während bei den übrigen und auch bei den auswärtigen Typhuskranken die Symptome leichterer Natur sind.

A Alsfeld, 11. Juli. Unter Beteiligung vieler Lehrer und im Beisein des Vertreters der Kreisschulkommission, Schulrat Eck, wurde gestern der Lehrer i. P. Konrad Wahl beerdigt. Kränze wurden niedcrgelegt von dem Bczirks- verein Alsfeld durch Lehrer Ha h n - Liederbach und vom Bezirksverein Kirtorf durch Lehrer Dollinger-Ober- Gleen. Lehrer Wahl war etwa 46 Jahre im Schuldienst tätig und wirkte zuletzt im nahen Arnshain.

-r. Lauterbach, 9. Juli. Die heutige Sitzung: des Kreisausschusses hatte über das Gesuch des Seifenfabrikanten Karl Sandmann um Genehmigung zur Aufstellung eines Dampfkessels zu entscheiden. Wie s. Z. berichtet, hatte der Kreisausschuß in einer früheren Sitzung in der Angelegenheit unverbindlich beraten. Von zwei An­wohnern ist Einspruch gegen eine Genehmigung der An­lage erhoben worden, der mit Explosionsgefahr, Feuers­gefahr, erhöhte Versicherungsprämien für die Nachbargrund­stücke, sowie mit der Befürchtung wegen erhöhter Belästi­gung durch üblen Geruch begründet ist. <>~e Partei hat ihren Einspruch inzwischen zurückgezogen, während heute ein Vergleichsvorschlag des Vorsitzenden von der andern Partei keine Annahme fand. Der anwesende Gewerbeinspektor für Oberhessen, Gewerberat Dr. Gerhardt, äußerte sich dahin, daß einer Genehmigung die Vorschrift anzuschließen fei, einen Dunstfang mit Ableitung in einem mindestens 15 Meter hohen Schornstein cmzuschließen. Er machte weiter den Vorschlag, dem Gesuchsteller andernfalls anheimzugeben, eine besondere Anlage sür Rohialgschmelzen außerhalb der Stadt zu errichten, wie dies in größeren Städten bereits Vorschrift sei; von der eigentlichen Seifensiederei wird dann niemand belästigt. Herr Sandmann erflärt dagegen, daß dies aus geschäftlichen Gründen für ihn unausführbar fei. Kreisarzt Dr. Henriei sprach sich dahin ans, daß eine gesund­heitsschädliche Wirkung durch die Anlage auf die Anwohner zwar direkt nicht nachweisbar sei, eine Belästigung durch üble Dünste dagegen angenommen werden müsse. Nach--, dem noch eine Lokalbesichtigung des in Frage stehenden Grundstückes stattgefunden, laut der Kreisausschuß zu folgen- t"m Urteil: Die Genehmigung zur Aufstellung eines Dampfkessels wird erteilt unter folgenden Bedingungen: Es ist ein Abzugsschacht nebst 15 Meter hohem Schornftein anzubringen, der Polizeiverwaltung ist vor jedesmaligem Talgschmelzen ^Mitteilung zu machen, die vorn Gewerbe- inspertor verlangten gesundheitlichen Maßnahmen zum Schutze der Arbeiter sind auszusüyren.

u. Büdingen, 11. Juli. Für die durch den Zu-« sammenbruch der Ob er-Mockstadt er Vorschußkasse Ge­schädigten ist bei der hiesigen Leitung der Hilfstätigkeit bis jetzt der Betrag von 31 264 Mark durch freiwillige Samm­lungen eingegangen, eine Summe, die trotz ihrer relativen Höhe bei weitem nicht ausreicht, alle Not der schwer ge­schädigten Kleinbauern, Arbeiter und Taglöhner zu lindern.

X. Büdingen, 11. Juli. Wie aus guter Quelle ver- I lautet, haben in dem Kontursverfahren über das Vermögen j der Bankfirma Max Wertheimer & Eo. die Gläu­biger etwa 2 3 Proz. zu erwarten. Anfänglich ver­mutete man, daß sie nicht mehr als y21 Proz. erhalten, würden. Die angemcldeten Forderungen haben 2 Mill. Mark weit überschritten.

A Reuters, 11. Juli. Der Kriegervereinsbezirk Lauterbach-Schlitz hielt gestern sein Bezirksfest hier! ab. Es waren etwa 30 Vereine ans dem großen Bezirk er*, schienen. Vorn Präsidium Hafsia waren Hauptmann Waldecker- Darmstadt und Kaufmann Nitter-Laudach anwesend. Nach kurzen Begrüßungsworten des Veremsvorsitzenden hielt der Ortsgeistliche die Festrede, die in ein Hoch aufs Vaterland! ausklang. Bezirksvorsteher Frieß brachte den Kaisertoast,' Kreisrat v. Bechtold ein Hoch auf die Kriegerkameradschaft Hafsia aus, und der Vertreter des Präsidiums, Ritter- Laubach, gedachte des Protektors der Hafsia, des Großherzogs.

+ Butzb ach10. Juli. Das 2 8. Lahntalsanger­bundesfest, zugleich das goldene Jubiläum des Bundes,! am 16.18. Juli soll durch einen eigenartigen Festzug ) der sich am 17. Juli, nachmittags 3 Uhr, durch die Straßen der Stabt bewegt, verschönert werden. Es soll eine Versinn--, bildlichung des deutschen Volksliedes werden. Ausi einem Festwagen führt Königin Luise der Germania bas, zum Freiheitslampf ausgestandene Volk zu, Freiheitskämpfer und Turner unter Jahn folgen. Ein anderer Festwagen zeigt Handwerksburschen aus dem Marsche und in der Zunft- Herberge. Der dritte Wagen führt uns in die Spinnstube^ in die Mägdlein aus verschiedenen Gauen gekommen sinb^ singende Schnitterinnen folgen. Eine weitere Gruppe hul­digt Sangesmeister Erk unb die letzte der Göttin des Ge­sanges, die dem Volkslied den Ehrenkranz reicht. Jubelnd^ singende Kinderscharen mit bunter Blurnenzier im Haar und die Bundesvereine mit wallenden Fahnen und Freunde des Liedes folgen.

»-ch. Bad-Nauheim, 11. Juli. Finanzminister: Braun hat eine Abordnung der städtischen Verwaltungi empfangen und gab ihr, dem Vernehmen nach, die Ver­sicherung, daß er im Interesse der anderen Hotels und den fonftigen Wohnungsvermieter davon absehen werbe, einem! Vertrage zuzustimmen, einer privaten Gesellschaft Wasser zu Bädern zu liefern.

= Dutenhofen, 11. Juli. Für die vom Ob st­und .Gartenbau-Verein des Kreises Wetzlar int Herbst geplante Ausstellung sand gestern nachmittags imJagdschlößchen" eine Vorbesprechung statt, zu dey Obstbaulehrer Kill) auch Vertreter von ^Itzbach, Kinzenbach und Münchholzhausen geladen hatte. Die Ausstellung ist vom 9. bis 11. Oktober vorgesehen und für den dritten TaF ist auch den Schulen des Bezirks freier Zutritt gestattet. i

w. Wetzlar, 11. Juli. Das benachbarte Nauborn, trug gestern ein reiches Festkleid, da die Strieg er* vereine des Kreises Wetzlar ihren .General-AppelL dort ,abhielten. Infolge der entfernten Lage des Ortes und der seitherigen unbeständigen Witterung waren von 68 Kreis- j vereinen nur 41 vertreten. In dem Festzug hatten 1330 alte Soldaten, darunter etwa 200 Veteranen, Aufstellung ge- nominen. Generalmajor Eastendyck-Braunfels hielt die Be- : grüßungsrede und Haupt! ehr er Sorg die Festansprache. Aisj Fe st musik trug die gesamte Kapelle des. 117. Infanterie-,

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