Nr 16° Erstes Blatt 160+ Jahrgang Dienstag IS. Juli 1910
Der Siebener Anzeiger ©
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Nachttägliches zum Rücktritt Hohenlohes.
Wie eine Ironie des Schicksals klingt es, daß gerade ein Jahr nach der.Annahme der Reich sfinanKreforrn in dritter Lesung, als die Liquidation des Bülowschen.Erbes begann, der Mann aus dem Präsidium des Reichstages ausscheiden mußte, der es sich zur .Aufgabe gestellt hatte, die Folgen der Blockzertrümmerung auf das Verhältnis der Parteien zueinander au^ugleichen. Freilich war es ein Versuch mit unzulänglichen Mitteln, aber daß er überhaupt unternommen wurde, verdient Achtung und Anerkennung. Ebenso sehr aber das offene Eingeständnis des Erbprinzen Hohenlohe, daß seine Versöhnungspotitik gescheitert und er nicht der Mann dazu sei, unter dem gegenwärtigen politischen Kurs einer Wiederannäherung der alten Blockparteien die Wege zu ebnen. Umso eher mußte er zu dieser Einsicht gelangen, als die laue Haltung der Konservativen in dem Streit um die Borromäusenzy- klika jeden evangelisch denkenden und national empftlrden- den Mann aufs tiefste verstimmen mußte. Daß die Enzyklika im Reichstage selbst nicht Gegenstand einer Aussprache war — das Reichsparlament war bereits in den Ferien —, konnte für ihn kein Grund sein, die Konsequenzen aus den Tatsachen nicht zu ziehen. Für ihn konnte und mußte es' genügen, daß die konservative Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses sich zu einer energischen Abwehr der päpstlichen Beschimpfungen nicht so aufzuraffen verstand, daß ihm eine Präsidialgemeinschaft im Reichstage mit Zentrum und Konservativen für die Folgezeit erquicklich sein tonnte. In der Tat ist denn auch die Borromäusenzyklika, vielleicht nicht der alleinige, aber letzte und bestimmendste Grund für den Rücktritt des Erbprinzen gewesen. Noch deutlicher als in seinem Schreiben an den Grafen Schwerin-Läwitz spricht er sich in einem Telegramm an die „Berl. Morgenpost" dahin aus. Er gibt dem Blatt aus seine Anfrage folgende klipp und klare Antwort:
„Ich teile die Auffassung weitester evangelischer Kreise über die Borroinäus-Enzy- tlika. Mein Brief an den Grafen Schwerin-Löwitz sagte nicht, daß die Niederlegung des Vizepräsidiums veranlaßt sei durch die Haltung des Reichstages in der Enzyklika- Frage, da dieser ja während der Vertagung überhaupt nicht in der Lage war, dazu sich zu äußern. Die deutlich zutage getretene Stellungnahme der Parteien zur Enzy klika hat mir aber gezeigt, daß in der gegenwärtigen Zusammensetzung des Präsidiums bei meinen früher mehrfach betonten Ueberzeugurrgen für mich persönlich kein Raum mehr sei."
Das ist deutlich genu^ und sollte alle weiteren Kommentare unterbinden. Den Konservativen sreckich scheint solche Deutlichkeit recht unlieb zu sein. Sie erblicken darin — und das mit Recht — eine vernichtende Kritik über die verderblichen Folgen, die ein Paktieren mit dem Zentrum unweigerlich nach sich ziehen muß. Und ckhre Organe suchen denn auch die Berufung des Prinzen auf die Enzyklika als wenig stichhaltig hinzustellen. So meint die „Deutsche Tageszeitung", dem Zentrum wäre diese vatikanische Kundgebung gewiß nicht erwünscht gewesen und die Konservativen hätten sie mit großer Entschiedenheit und Schärfe zurück- aewiesen. Das erste mag zugestanden sein, daß es dem Zentrum wenig angenehm gewesen ist, wenn durch die Kundgebungen des päpstlichen Friedensapostels ein Wermutstropfen in den Bruderkelch zu fallen drohte. Wenn aber das Blatt meint, die Konservativen hätten sich bei den
Protesten als Führer eines scharfen und hiebkräftigen Schwertes gezeigt, so werden sich deutschgesinnte Manner veranlaßt sehen, dies auf das entschiedenste bestreiten zu müssen. erübrigt sich, noch einmal darauf zurückzukommen, mit welcher Selbstverleugnung die Konservativen ihre Bundesbrüder im entscheidenden Moment in Schutz nahmen. Als ihnen im Lande draußen und in Blättern, die sich nicht zu den schwarz-blauen Blockorganen rechnen, darob berechtigte Vorwürfe gemacht wurden, da erhob sich ein Entrüstungsschrei aus der ganzen zentrumsfreundlichen Seite, der einer besseren Sache, die noch dazu so nahe lag, würdig gewesen wäre. Jetzt, wo eine Arbeitsgemeinschaft mit ihnen vom Präsidententische des Reichsparlaments aus als eines deutschen Mannes unwürdig vor gehalten wird, verstummt ihre laute Spracke immer mehr zu leeren Verlegenheitsentschuldigungen, Die so recht ihre ungemütliche Lage dokumentieren. Vielleicht, daß später einmal der Chronist die Mär zu künden weiß, daß der deutsche Konservativismus das Band, das ihn jetzt mit dem Zentrum noch schmählich verbindet, zerschnitten hat. Wir könnten auf solche Kunde mir zweifelnd erwidern: „Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube."
Deutsches Liesch.
Der Kaiser ist am Montag nachmittag nach sehr guter Fahrt in Bergen eingetroffen. Das Wetter ist dauernd wolkenlos und warm. An Bord ist alles wohl.
Durch Erlaß des preußischen Kultusmini st e r s ist die Einführung einer drittenTurn stunde für alle Volksschulen, der preußischen Monarchie angeordnet worden. Damit keine Vermehrung der Unterrichtszeit ein- trete, soll der Deutschunterricht um eine Stunde gekürzt werden, was aber ohne Zweifel bedauerlich ist.
Erbprinz zu Hohenlohe richtete an die „Vossische Zeitung" aus eine Anfrage folgendes Telegramm: „Ich habe keine Veranlassung, mein Reichstagsmandat niederzulegen. Mein Rücktritt ist einer persönlichen Initiative entsprungen ohne Benehmen mit dem Reichskanzler.
Die neue fortschrittliche Kandidatur Brodaus in Zschopau-Marienberg hat jetzt auch die Z u ft i m m u n g d e r Nationalliberalen gefunden. Selbstverständlich bleiben auch die Abmachungen wegen Annaberg-Eibenstock bestehen.
Die von sozialdemokratischer Seite verbreitete Angabe, daß deraltenburgischeStaatsministerbei (einem Landesherrn wegen dessen Ktt^enoesuches vorstellig geworden sei und infolge Nichtbeachtung feiner Vorstellungen seinen Abschied erbeten habe, beruht auf Erfindung.
Die badische Zweite Kammer lehnte die vorgeschlagene Steuer erhöh ung, sowie die Erhöhung des Zuschusses zur Eisenbahnschuldentilgungskässe von zwei auf vier Millionen ab, angesichts der Wirtschaftslage und der bevorstehenden Mißernte. Ministerialdirektor Goeller hatte nachdrücklich auf den Ernst der Finanzlage, besonders aus den ungünstigen Stand der Eisenbahnsinanzen hingewiesen und erklärt, daß die Regierung auf dem nächsten Landtage ihre Vorschläge wiederholen werde.
Anslcrnd.
Zu der Meldung, daß der Erzbischof von Kaloosa, Julius Varossy, in einem Hirtenbrief vom 9. Juli die Borromäus- Enzy klika veröffentlichte, erklärte der ungarische Ministerpräsident einem Redakteur des Ungarischen Korr- Bureau gegenüber, er habe bisher über die Tatsache keine Gewiß-
heit; falls sich die Nachricht bewahrheite, wäre dieses Vorgehen sehr zu mißbilligen. Die Regierung werden jeden Versuch der Störung des konfessionellen Friedens energisch verhindern.
Zu der Depesche aus Haag, nach der der Geschäftsträger des Heiligen Stuhles am 6. Juli an den Minister des Aeußern einen Brief gerichtet habe, in welchem er das Bedauern des Papstes über die Auslegung der Enzyklika in den Niederlanden ausgesprochen habe, erklärt der „Osservatore Romano", daß nach den von ihm eingezogenen Erkundigungen niemals einBries zu dem genannten Zwecke von dem Geschäftsträger des Heiligen, Stuhles an den Minister des Aeußern gerichtet wurde.
Im englischen Unterhause begann die Besprechung über den Gesetzentwurf wegen der Ausdehnung des parlamentarischen Wahlrechts auf die Frauen. Die Parteigegensätze waren bei der Beratung vollständig verwischt. Der Entwurf wurde zunächst von der Arbeiterpartei und den Konservativen unterstützt, dann aber toten den Konservativen und den Liberales bekämpft.
Die französische Kammer verhandelte gestern über den Fall Rochette. Zum Schluß wurde eine Tagesordnung angenommen, die der Regierung Vertrauen ausspricht, sowie eine parlamentarische Kommission zur Prüfung der Angelegenheit eingesetzt.
Der spanische Ministerpräsident, die Minister des Aeußeren und Inneren, der Marineminister und der Kammerpräsident traten zu einer Konferenz zusammen, um über die neue Protestnote des Vatikans zu beraten, welche sehr energisch abgesaßt ist und die betont, daß die Frage des Verbots der Niederlassung neuer religiöser Gesellschaften erst im Einvernehmen mit dem Vatikan hätte behandelt werden müssen, ehe man sie zum Gegenstand eines Gesetzentwurfes machen durste.
In zahlreichen Städten Spaniens, besonders in Madrid, Tarragona, Saragossa und Toledo fanden am Sonntag antiklerikale Versammlungen statt. In Barcelona wurde ebenfalls eine Kundgebung gegen den Klerikalismus veranstaltet, an der zahlreiche Frauen teilnahmen. Die Teilnehmer über- mtitelten dem Gouverneur eine Adresse, welche, die Unterschriften von 22 000 Frauen trug.
Dreihundert Bewaffnete vom Kaschkaistamm nahmen I spatz a n ein und wurden ohne Widerstarrd von der dortigen Bachtiarenabteilung, die mit Serdar Assats Politik unzufrieden sein soll, eingelassen.
. Die chinesische M i l i tä r m i s s i o n unter Führung des, Prinzen Tsai Tao ist in Petersburg.eingetroffen.
In einer halbamtlichen Mitteilung wird erklärt, daß der Oberbefehlshaber der französischen Besatzungstruppen im Schau- j a g e b i e t, General M o i n i e r, der nach Paris berufen wurde, höchstwahrscheinlich nicht mehr nach Casablanca zurückkehren werde. General Moinier habe seine Weisungen überschritten, indem er Vorstöße in ein über 200 Kilometer »von der Schaujagrenze gelegenes Gebiet nlsfübrte.
Die Weisungen des Staatsdepartements an die Delegierten zum Panamerika irischen Kongreß in Buenos Aires legen den größten Nachdruck auf die endgültige Verwirklichung der panamerikanischen Eisenbahn und die Verbesserung der Dampfschiff ahrtsgelegenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und dem lateinischen Amerika.
Das mexikanische Wahlkollegium wählte Porfiric D i a z zum Präsidenten und Ramon Corral zum Vizepräsidenten.
Ein Sommerfeft der rheinhessischen Zreisinnigen.
Gau-Odernheim, 11. JE.
Das gestern hier in Gau-Odernheim gefeierte Sommerfest der Fortschrittlichen Votkspartei Rheinhessens war nach der Frks. Ztg. außerordenckich zahlreich besucht. Aus allen Teilen Rheinhessens, besonders start aus dem Wormser Wahlkreise, tarnen trotz des bedeckten Himmels die Scharen in das freundliche Städtchen gezogen, dessen alte Mauern von der einstigen Herrlichkeit der freien Reichsstadt zeugen. Heute prangte das Städtchen in Girlandengrün, in das sich das Schwarz-Rot-Gotd mischte. Die
Lm Märtyrer der Wissenschaft.
Aus London kommt Die Kunde von dem Tode des Gelehrten Harry W. Cox, der durch seine Forschungen und Versuche mit den X-Strahlen bahnbrechend wirkte und nun, nach 12 jährigem aualvollen Leiden, als ein Märtyrer der Wissenschaft g e ft o r b e n ist. Cox begann vor 14 oder 15 Jahren seine Untersuchungen. Ein Zufall sollte ihm dabei verhängnisvoll werden: vor 12 Jahren brachte er während seiner Versuche eine Tube seines Apparates dem Gesicht zu nahe. Die Folge war für den jungen Forscher die schmerzvolle Krankheit, die geheimnisvolle X-Strahlen-Haut-Ent- zündung, und es gab kein Mittel, ihre weitere Entwicklung zu verhindern. Aber Cox, der sich über Die schreckliche Tragweite dieser Erkrankung keinen falschen Hoffnungen hingab, blieb seinem Ziele treu; unablässig arbeitete er an der Vervollkommnung seines Apparates weiter und setzte seine Forschungen fort Mehr als 80 Patente hat er im Laufe seiner Beobachtungen aufgenommen; eines von ihnen wurde von entscheidender Tragweite, denn mit dem Apparat wurde es möglich, nicht nur die Lage einer Kugel zu erkennen, sondern auch die Tiefe der Wunde genau zu bestimmen. Im südafrikanischen Kriege wurde der Apparat zum erstenmal praktisch verwendet und bewährte sich vollkommen. Die Heilkunde hat die Arbeiten des obfermutigen Pioniers der Wissenschaft stets mit dankbarer Anerkennung verfolgt; auch König Eduard brachte dem Lebenswerke des Gelehrten lebhaftes Interesse entgegen. Die Hautentzündung, die sich Cox im dritten Jahre seiner Arbeiten zugezogen hatte, nahm mit der Zeit immer gefährlichere Dimensionen an, bis der Forscher schließlich seine Arbeiten völlig einstellen mußte. Er besaß kein Vermögen und war nun hilflos der Not preisgegeben. Seine Freunde bemühten sich vergeblich, dem verdienten Manne eine Pension auszuwirken, die ihn bot Not und Armut bewahren sollte; die Aussetzung der Rente war unmöglich, man händigte Cox eine einmalige Unterstützung von 4000 Mk. aus. Den Anstrengungen Sir William Treloars gelang es schließlich, eine Summe von 52 000 Mk. aufzubringen, die dem Leidenden für seine Familie ausgehändigt wurde. Er befand sich in der Behandlung der angesehensten Aerzte, nicht weniger als drei große, qualvolle Operationen mußte er erdulden, aber das Fortschreiten der Krankheit war nicht aufzuhalten. Nacheinander waren ihm drei Finger der linken Hand, ein Finger der rechten und schließlich der ganze rechte Arm ao- genommen worden. Eine schwere Kehlkopfoperation erwies sich als nutzlos, man plante bereits einen zweiten Eingriff, über dessen Gefährlichkeit kein Zweifel herrschte. Aber es sollte nicht mehr dazu kommen, das Allgemeinbefinden des Kranken verhinderte Den Versuch, und Cox mußte geduldig warten, bis das schreckliche Leiden sein Zerstörungswerk vollendete^ Nur .46 Jahre ist er alt geworden.
Mettümliche §unöe im Ludan.
Von außerordentlichem Erfolge begleitet waren die Reisen eines französischen Gelehrten M. de Zeltner, der den französischen Sudan nach Ueberreften alter Kulturen durchsucht hat. Nach einem Bericht der Nature untersuchte Zeltner zunächst im Tal des Niger und des Senegal 52 alte Lagerstätten, in denen er auf zwei verschiedene Formen einer primitiven Kultur stieß. Die Werkzeuge des einen Typus haben Aehnlichkeit mit den frühesten Funden der Steinzeit, während die Gegenstände des anderen Typus an jene feinbehauenen Steine und glattpolierten Aexte gemahnen, wie man sie in Algerien und in der Sahara gefunden hat. Auf einer zweiten Forschungsreise erforschte Zeltner das Dreieck Kayes-Bamako-Tombuktu und stieß auf neue Lager, in denen sehr bedeutende Funde gemacht wurden. Es waren die Trümmer längst verlassener Städte; sie boten das Bild einer ziemlich jungen Zivilisation, von der man bisher keine Ahnung gehabt hatte und die durchaus auf eine Gründung der Berber zurückging. Außer diesen. Der geschichtlichen Zeit angehörenden Denkmälern wurden Funde gemacht, die die Verwendung von Schiefer zu Werten und Lanzenspitzen erwiesen, wovon man bisher auch noch nichts gewußt hatte. Die interessantesten Eittdeckungen Zeltners bestehen jedoch in sehr gut erhaltenen Bildern, die sich in Grotten im oberen Tal des Senegal vorfanden. Die Bilderzerchen, die die Grottenwände bedecken, scheinen eine enge Verwandtschaft mit Den auf Steinen eingeritzten Zeichen zu haben, die man in der Sahara gefunden hat, und mit Höhlenbädern aus dem Süden von Afrika. Es sind zum großen Teil richtige, künstlerische Darstellungen, Tierfiguren, so Pferde, Kamele, dann Menschendarstellungen, Reiter, Fußgänger, Krieger, und endlich Schriftzeichen in der Form von Hieroglyphen, ja auch Buchstaben eines Alphabets, das zum Teil wit dem der Tuaregs übereinftiramt. Alle diese Entdeckungen harren noch Der eingehenderen Untersuchung und besseren Erklärung. Doch läßt sich das vorläufige Ergebnis jetzt schon feststellen, daß Afrika nicht nur für Die Erforschung vorgeschichtlicher Zeiten^ noch ein günstiges Feld liefert, sondern daß auch ein näheres Studium der afrikanischen Zivilisation, die sich vor dem Eindringen der Weißen entwickelt hatten, manche Ueberraschung bieten wird. Diese mächtigen afrikanischen Reiche müssen bereits auf einer höheren Stufe der Kultur geftandeni haben, als wir heute annehmen; sie hatten schon Bilderschriften, ja vielleicht auch schon Alphabete ausgebildet unD standen in ihrer politischen Bildung wie in ihrer geistigen Entwicklung auf einer Stufe, die Der der amerikanischen Völker vor der Entdeckung des Erdteils durch Kolumbus gleichgesetzt werden kann.
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— Eine Hammerstein-Oper in London. Die Niederlage, die Hainmerftein in Newyork in dem heißen Kampfe mit der Metropolitan Oper erleiden mußte, hat den unermüdlichen
Unternehmungsgeist des Unternehmers nicht zu erschüttern vermocht: er tritt jetzt mit dem Plan hervor, im Westend von London ein großes, ständiges Opernhaus zu errichten. Die .Absicht, hat bereits feste Formen angenommen: Hammerstein, der soeben von Newyork die Fahrt nach London angetreten hat, hat bereits ein Grundstück erworben. Der Ban soll im Herbst beginnen und so beschleunigt werden, daß die neue Oper in der kommenden Londoner Spielzett bereits fertig stehen wird. Es wäre das zwölfte Theater, dessen Entstehung auf Hanunerftetn zurückgeht. Der Bau wird im größten Stile ausgeführt, und Die Ausstattung des neuen Bühirenhauses soll mit höchstem Luxus alle Erfahrungen der neuen Theaterbaukunst verbinden.
— Urzeitliche Funde. In London sind jetzt einige Funde ausgestellt. Die von Mitgliedern des Egyptian Exploration Fund in Abydos ausgegraben worden sind. Darunter befindet sich das Gerippe einer vorgeschichtlichen Frau, von der, man annimmt, daß sie in Der Zeit zwischen 4000 und 7000 v. Chr. gelebt habe. Neben merkwürdigen Haarnadeln, .Halsbändern unD, anderen Gegenständen fallen besonders einige kleine, sehr feingeschärfte Steine auf, von denen man mit großer Wahrscheinlichkeit vermutet, daß sie von Den Männern der Urzeit zum Abschaben ihres Bartes benutzt wurden, also die ersten Rasiermesser waren,
— Leuchtende Geschosse. Eine Reihe interessanter artilleristischer Versuche sind im Fort Albert bei Yarmouth auf der Insel Wight vorgenommen worden; ihr Zweck war die Prüfung einer neuen Erfindung, Die eS ermöglicht, auch im Dunkel den Flug der Geschosse zu verfolgen. Die Neuerung besteht in einem Metallzylinder, der an die Basis des Geschosses angeschraubt wird. In Dem Zylinder befindet sich eine besondere! Masse, die in dem Augenblick, in Dem das Geschoß den Lauf des Geschützes verläßt, aufleuchtet und ein sehr helles, klar sichtbares Licht gibt. iSamit wird es dem Kanonier möglich, zu beobachten, ob das Geschoß sein Ziel erreicht. Es wurden etwa 50 Schüsse abgegeben, bei denen Die Flugbahn deutlich verfolgt werden konnte. Die Zuschauer, die zufällig Zeu^e dieser in-' teressanten Versuche wurden, genossen einen herrlichen Anblicks wenn durch das Dunkel Der Nacht die kleinen leuchtenden Punkto mit Blitzesschnelle dahinzischten; Die militärischen Sachverständigen aber gewannen außerordentlich wichtige Erkenntnisse; es zeigte sich besonders, daß Geschosse, die das Wasser streiften, eine überraschend starke Richtungsänderung erfahren: zweünal konnte man beobachten, wie solche Geschosse nach Der Berührung mit dem Wasser fast senkrecht in Die Höhe gingen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft In K a r l s r u h e ist der Professor E. S ch u r t h, seit 1885 an Der Akademie der bildenden Künste.tätig, im .Alter von 62 Jahren g c * st orbe n.


