Ausgabe 
12.5.1910 Erstes Blatt
 
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^schlossen, daß auch der Verletzte und seine Angehörigen nach rrchtcr- lichem Ermessen inwercihigt Weihen tonnen. Sei § 60 fand eure ausgiebige Erörterung darüber statt, ob das Gerrcht die -tx» '.fugnis erhalten sollte, Zeugen dann unvereidet zu lallen, wenn inc Apssage nach der Ueberzeugung des Gerichts offenbar un­wahr ist. Das Reichsjustizamt bekämpfte dielen Gedanken. Schließlich wurden im zweiten Absatz des 8,60 die Wortedie Aussage" ersetzt durchben Inhalt der Aussage . danach kann die Vereidigung eines Zeugen unterbleiben, wenn alle Mitglieder Des Gerichts und die anwesenden Prozeßbeterligten die vom Zeugen bekundete Tatsache für unerheblich halten, nicht aber ichon dann, trenn sie die Zeugenaussage für unglaubhaft halten

Der Ausschuß erledigte weiter die beiden weiteren Eides- varagraphcn 61 und 62. Eine eingehende Erörterung ver­anlaßten die Anträge der Sozialdemokraten und der Volkspartei auf völlige bezw. teilweise Beseitigung des religiösen Eha- r a kters des Eides. Die Sozialdemokraten verlangten über­haupt die Streichung der Wortebei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden" undSo wahr mir Gott helfe!" während die Freisinnigen diese Stteichung auf den Eid der Dissidenten be­schränken wollten. Die Anträge wurden mit großer Mehrheit abgelehnt. Desgleichen ein Antrag des Zentrums, das im Gesetz ausdrücklich ausgesprochen wissen will, daß der Schwörende der gesetzlichen Eidesformel noch wettere Beteuerungsworte hin­zufügen darf. Es wurde aber festgestellt, daß dies schon nach dem bestehenden Gesetze und auch nach dem Worttaut des § 62 des Entwurfs zulässig ist. Weiterberatung: Donnerstag.

Roosevelt in Berlin.

Vom Truppenübungsplätze Döberitz wird gemeldet: Aus Anlaß der Anwesenheit von Roosevelt wurde Mittwoch vormittag eine große Truppen­übung abgehallen. Die Anmärsche der Parteien, denen die Truppen aller drei Waffengattungen zugeteilt waren, begannen schon um 8 Uhr. Tas Gefecht wurde mit einem langen Artillerie kam Pf eröffnet, wonach sich die Infanterie und die Kavallerie entwickelte. Der Kaiser und die Prinzen des königlichen Hauses soweit sie nicht, wie der Kronprinz, cingetreten waren hatten in dem ehe­maligen Dorfe Döberitz die Automobile verlassen und waren zu Pferde gestiegen; sie verfolgten den Verlauf des Ge­fechtes meistens vom Mühlenberge aus, von dem man bei dem schönen Wetter nach Norden und nach Süden einen gleich schönen .Ausblick hatte. Um 1273 Uhr wurde Kritik abgehalten.

Nach der Kritik fand ein Vorbeimarsch aller be­teiligten Truppenteile statt. Die Infanterie ging in Regi­mentskolonnen vorüber. Der Vorbeimarsch endete gegen Mei Uhr. Hierauf begaben sich der Kaiser nach dem Neuen Palais, Roosevelt nach Berlin zurück.

Nach dein Manöver auf dem Toberitzer Uebungsplatze ver­sammelte der Kaifer, während Roosevelt zu seiner Linken hielt, die Stabsoffiziere um sich und sprach abwechselnd englisch und deutsch seine Freude aus, daß Roosevelt einen Teil der Arniee gesehen habe. Es sei der erste Privatmann, der über deutsche Truppen eine Revue abhielt. Wir haben heute die Ehre gehabt, den ausgezeichneten Obersten der amerikanischen Rauhreiter bei uns zu haben. Roosevelt grüßte die Feldzeichen durch Abnehmen des Hutes.

Berlin, 11. Mai. Der amerikanische Botschafter und Mrs. Hill gaben heute abend in der amerikanischen Bot­schaft ein Tiner zu Ehren von Mr. und Mrs. Roosevelt, Mr. Kermtt Roosevelt und Miß Ethel Roosevelt. Unter den Anwesenden be­fanden sich der Reichskanzler, der Staatssekretär des Aeu- ßeren und Freifrau von Schön, der Rektor der Universität Berlin und Frau Schmidt.

Neue Kämpfe im albanischen Ausstand.

Konstantinopel, 12. Mai. Eine amtliche Depesche TorgutPaschas meldet: Nach dreitägigen Kämpfen säuberten die Truppen vollständig den Paß von Crnoljeva und brannten das Dorf Budakova, wo der Führer der Aufständigen, Hassan Hussim wohnte, nieder. Die Ausständigen hatten große Verluste und flohen in der Richtung auf Tjakova. Auf türkischer Seite sind acht Soldaten tot, zwei Offiziere und achtzehn Soldaten wurden verletzt. Die telegraphischen Verbindungen mit Prizrend und Verisowitsch werden heute wieder hergestellt.

Salonik, 11. Mai. Durch die Kämpfe, die gestern bei Bvelestrin und Debrenitza im Bezirk Prizrend stattfanden und mit dem Siege der türkischen Truppen endeten, scheint Prizrend von weiterer Bedrohung befreit zu sein. Die Truppen gingen überall mit großer Tapferkeit vor, teilweise mit dem Bajonett. Mahmud Schefket Pascha begibt sich nach Verisowitsch, um den Operationen näher zu sein. Er beschloß, V e r i s o w i t s ch mit einer ständigen Garnison von acht Bataillonen und weitere sechs albanesische Ortschaften mit einer solchen von je vier Bataillonen zu belegen. Der Bau der hierzu erforderlichen Kasernen soll unverzüglich in Angriff genommen werden. Von dem ersten Korps bleiben 20 Bataillone in Albanien dislociert, weil das dritte Korps nur eine beschränkte Truppen- niacht für Albanien zur Verfügung stellen Tann,

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Konstantinopel, 11. Mai. In der Deputierten- k a m m e r erklärte auf Befragen derMinisterdesAeußern, daß die, Eidesleistung der kretischen Kammer die türkischen R e ch t e v e r l e tz e. Er teilte mit, daß die Schutz­mächte in ihrer soeben eingegangenen Antwortnote erklärten, daß die Eidesleistung eines Teiles der kretischen Deputierten auf, den Namen des Königs der Hellenen an dem status quo der Insel nichts, ändere. Der Minister finde die Note unzureichend, doch werde sie von der Pforte als Zusicherung der Beibehaltung der Souveränitätsrechte der Türkei. ausgelegt. Der Ministerrat teile die Auffassung. Die Eidesleistung könne keineswegs etwas an dem Regime der Insel ändern. Was die Kreter auch täten, die Insel werde stets ein Teil der Türkei bleiben. Der Großwesir erkannte die Haltung der Kretamächte an und sprach die Hoffnung aus, daß bei der definitiven Lösung der Kretafrage die Souveränitätsrechte der Türkei aufrecht erhalten bleiben wür­den, was auch für die Kreter vorteilhafter fei als der Anschluß an Griechenland. Die Kammer erachtete die Erklärungen der Regierung für ausreichend.

politifd>e Tagesschau.

Zur preußischen Wahlreform.

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrieben: In den Pfingstferien werden die Verhandlungen zwischen den Konservativen und dem Zentrum über die Gestaltung der Wahlrechtsvorlage zum 'Abschlüsse gebracht werden. Die Konservativen halten vorläufig noch an den alten Einigungs­beschlüssen fest und versuchen einen Mittelweg zu bauen, der eine Einigung zwischen den Herrenhausbeschlüssen und den Beschlüssen der Mehrheit des Abgeordnetenhauses bilden soll. Das Zentrum will auf keinen Fall die Herrenhausbeschlüffe annehmen, auch im konservativen Lager ist die Zahl der Gegner jetzt eine größere, vor allem wünscht man kein Zu- ammengehen mit den Nationalliberalen, deren Taktik bei der zweiten Lesung der Vorlage bei den Konservativen noch immer nachwirkt. Die Nationalliberalen beobachten eine abwartende Haltung, da über die Pläne ihrer Gegner bisher nichts Positives verlautet. Allgemein wird angenommen, daß auf der Grundlage der Herrenhausbeschlüsse unter Abänderung dec Drittelungsbcstimmungen Konservative

und Zentrum eine neue Abmachung schließen werden. Un­gewiß ist nur, wie Regierung und Herrenhaus sich dazu stellen werden. Die Herrenhausbeschlüffe können auf eine erhebliche Mehrheit nicht rechnen, wahrscheinlich auf keine Mehrheit. Da? Herrenhaus selbst kann seine Beschlüsse am 21. d. M. überhaupt nicht mehr ändern, denn nach der Geschäftsordnung ist nur eine reine Abstimmung ohne Anträge und ohne Dis­kussion für den 21. Mai zulässig.

Aus Hessen.

R. B. Darmstadt, 11. Mai. Die Nationallibe- rale Fraktion der zweiten Kammer trat heute vor­mittag unter dem Vorsitz des Abg. Reinhart zu einer Sitzung zusammen, um über den dritten Gesetzentwurf der WahlrechtSvorlage, die Wahlkreiseinteilung, zu beraten und geeignete Vorschläge zur Abänderung der Regierungs­vorlage zu machen, die in der vorliegenden Form von keiner Partei Zustimmung findet, liebet die neue Abgrenzung der Wahlkreise in den Provinzen Starkenburg und Oberheffen wurde eine allgemeine Verständigung erzielt, über die ander- weite Einteilung der Landtagswahlkreise in der Provinz Rhein­hessen sollen in einer nächste Woche stattfindenden Sitzung nähere Vorschläge festgelegt werden.

R. B. Darmstadt, 11. Mai. Das Großh. Staats- ministerium hat soeben an die von der ersten und zweiten Kammer gewählten Mitglieder und die Ersatzmänner für den gemeinsam mit Regierungsoertretern zu bildenden Ausschuß zur Reorganisatiion der Staatsverwaltung die Ein­ladung zu einer Beratung ergehen lassen, die am Dienstag, 31. SDiai, im Sitzungssaal der ersten Kammer stattfinden soll.

Deutsches Reich.

In der Sitzung des Bundesrats am Mittwoch wurde dem Entwurf des Gesetzes für den Absatz von Kali­salzen in der vom Reichstag beschlossenen Fassung zuge­stimmt.

Die R o h s o l l e i n n a h m e des Reichs an Zöllen be­trug im April 1910 531/» Millionen Mark, mithin hat sie gegen den April 1909, in welchem sie sich auf 58*/? Millionen belief, um 5 Millionen abgenommen.

Austcruv.

Die WienerPolit. Porr." schreibt:In den letzten Tagen haben einige Blätter wieder die Nachricht aufgettjcht, daß beim Besuche des Königs Eduard in Ischl im Jahre 1908 dieser bei Kaiser Franz Josef ohne Er­gebnis den Versuch unternommen habe, den Kaiser fürdie Abrüstungsfragezu interessie­ren. Demgegenüber ist diePolit. Korr." in der Lage zu erklären, daß ein solcher Versuch niemals unternom­men wurde, und daß, mögen auch die traditionellen guten Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und England in den letzten Jahren zeitweise getrübt gewesen sein, das aus­gezeichnete persönliche Verhältnis zivischen den beiden Herr­schern hiervon in keiner We.se berührt wurde." Früher hat man ähnliche Berichte nicht so scharf abgeleugnet.

Nach Meldungen aus Peking sind in Fuen sich au Unruhen aus gebrochen. Das Gebäude der China-Jnlandmission wurde zerstört. Einzel­heiten fehlen, da die Telegraphendrähte zcrschnttten sind. Hierzu bemerkt das Reutersche Bureau, daß die China-Jn- landmission aus Schanghai ein Telegramm erhalten hat, daß sich der Ausbruch der Unruhen bestätigt. Die Missions­station Fuenschau steht unter Leitung der w ü r t t e m b e r g i- schen Liebenzeller Mission und wird von Herrn und Frau Heinrich Witt, Frau Witte, Fräulein Trojahn und Fräulein Leppin verwaltet.

21 us Stadt und Land.

Gießen, 12. Mai 1910.

** Ordensverleihungen. Der Gro ßh erzog hat verliehen das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen: dem Hauptmann v. Opper­mann vom Stabe des Ostfriesischen Feldartillerie-Regi­ments Nr. 62, seither Batteriechef im 2. Hess. Feldartillerie- Regiment Nr. 61, und dem Ober^Stabsveterinär Schnei­der vom Ulanen-Regiment Graf Häseler (2. BrandenbI Nr. 11, seither beim 2. Hess. Feldartillerie-Regiment Nr. 61. Ferner das Silberne .Kreitz desselben Ordens: dem Bize- tvachtmeister a. D. Phil. Mohr, früher im Leib-Dragoner- Regiment (2. Hess.) Nr. 24.

** Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat dem Pfarrer Adolf Allwohn zu Marienschloß die evang. Pfarrstelle zu Nauheim, dem Pfarrer und Dekan Gg. B a y e r zu Groß-Gerau die evang. Pfarrstelle zu Raunheim, dem Pfarrer Dr. Rich. Dr e s ch e r zu Steinbach die evang. Pfarr­stelle zu Eschollbrücken, dem Pfarrer Adolf Herrm ann zu Hitzkirchen die evang. Pfarrstelle zu Leeheim, dem Pfarrer Wilh. Krämer zu Groß-Bieberau die evang. Pfarrstelle zu Hahn (Dek. Pfungstadt) und dem Pfarrer Friedrich Matthäus zu Bensheim die 6. evang. Pfarrstelle an der unierten Gemeinde Offenbach übertragen.

** Empfang. DieGroßherzogin empfing gestern mittag 12 Uhr im Neuen Palais zu Darmstadt Frau Geh. Kommerzienrat Gail aus Gießen.

"Aus dem Stadttheater wird un§ geschrieben: Es scheint noch nicht genügend bekannt zu sein, welche Vor­teile in jeder Beziehung das A b o n ne m e n t auf die Operetten- Vorstellungen bietet Da TeilabonnementS und Gutscheine eingeführt sind, ist ein ziemlich weiter Spielraum zur Be­nutzung gegeben. Auch sei bemerkt, daß Abonnements bis zum Abend des ersten Spieltages ausgegeben werden und daß die Herren Studierenden an der Abendkasse Ermäßigung genießen.

** Heber Kometen /hielt gestern abend in der ober- hes fischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde Prof. Dr. M a r f e r t einen Lichtbilder-Vortrag, der sehr gut besucht war und lebhaften Beifall fand. Wir werden nod) näher auf den Gegenstand des Vortrags zurückkommen.

'"Vermißt. Der 62 Jahre alte Taglöhnec Konrad Ballmann hier hat sich am 9. l. M. aus seiner Wohnung entfernt; über seinen Verbleib ist bis jetzt nichts ermittelt worden. Da der alte Mann sehr leidend ist und sich auch schon mit Selbstmordgedanken trug, wird angenommen, daß er in die Lahn gegangen ist.

** Eine Kornähre von 1.10 Meter Länge, die aus einem Acker in der Nähe der Lahn am Wißmarer Weg gewachsen ist, wurde uns gestern überbracht. Wie uns ver­sichert wird, handelt es sich dabei nicht um ein ausgesuchtes Gxemxlsr, sondern per ganze After ist so kqtaniÄ LÄt

Beweis dafür, daß trotz des schlechten Wetters ein günstiger Saatenständ zu erzielen ist, wenn zur rechten Zeit gesät und die Saat dann richtig behandelt wird.

R. Bo den Hausen II, 11. Mai. Heute wurde der frühere Rechner unserer Gemeinde, der älleste und reichste Bürger unseres Dorfes, Rudolf Weitzel, zu Grabe getragen. Der Kciegecverein, dessen Mitglied er war, erwies ihm die letzte Ehre. Der Verstorbene, der Junggeselle war, lebte in den letzten Jahren mit einem aus HöckerSdorf stammenden Sonderling in seiner Wohnung zusammen und ernährte sich ganz spärlich. Für etwa 120 000 Mark Staatspapiere wurden bei ihm vorgefunden, die nun lachenden Erben in die Hände fallen werden.

? Büdingen, 10. Mai. EinenParteischuster" sucht dierote Pareti" eines benachbarten Dorfes, in dem lange ein Wahlkampf um das Oberhaupt der Gemeinde tobte und die Gemüter sich heute rwch nicht beruhigt haben. Sämtliche 38 Wähler schwören dem kommenden chrsanren Jünger desHans Sachs" treue Kundschaft.

! Ulrichstein, 11. Mai. Ein Kind aus dem benach­barten Ort S. bekam von dem Markte'zu G. eine Mund­harmonika mitgebracht. Das Kind spielte mit Begier und Freuden auf dem kleinen Spielding, obgleich der Mund des Kindes eine unscheinbare Wunde aufwies. Die Wunde schwoll an, und das Kind erlag einer Blutvergiftung.

R.B. Darmstadt, 11. Mai. In der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wurde ein Antrag der Bürgermeisterei angenommen, den städtischen Bediensteten und Arbeitern eine Teuerungszulage zu bewilligen. Diese Zulage soll in einer Erhöhung des Stundenlohnes um einen Pfennig bestehen: sie bedingt für die Stadt eine Mehrausgabe von rund 22 000 Mk. Weiter wurde noch ein Antrag der Bürgermeisterei angenommen, den städtischen Beamten und an den städtischen Schulen angestellten Lehrern neben der Gemeindesteuer auch das an die Stadtverwaltung zu zahlende Schulgeld bei der Ge- Hallszahlung anzurechnen.

ODutenhofen, 11. Mai. In der letzten Kreistags- sitzung wurde den Gemeinden Dutenhofen und Münchholz­hausen zu den Kosten des Ausbaues des Gemeindever­bindungsweges von Dutenhofen nach Münchholzhausen ein Kreiszuschuß von 1350 Mk. bezw. 920 Mk. bewilligt. Erst mit Vollendung der neuen Straße kann an beiden Orten der regen Bäulust so recht entsprochen werden. Hier toie dort sind neue Schul Häuser vorgesehen.

w. Wetzlar, 10. Mai. Die Kreislehrerkonfe­renz wird Donnerstag, 14. Juli, imSchützengarten" tagen. Die Regierung zu Eoblenz hat für sie folgende Auf­gabe gestellt:Wie erreicht der Lehrer bei feinen Schülern Selbständigkeit und Gewandtheit im mündlichen Ausdruck'?" Das Referat ist von der Inspektion Dutenhofen (Wetzlar) zu bearbeiten. Ten Vortrag haben die Herren Balz-Wetzlar und Watz-Dornholzhausen übernommen.

[] Marburg, 11. Mai. Am Dienstag abend wurde der hier stationierte 65jährige Bahnpostschaffner Jakob Vom ho ff aus Laasphe auf dem Bahnhof in Kreuz thal vom Zuge überfahren und schwer verletzt. 11. a. wurde ihm ein Arm glatt abgerissen. In die hiesige Klinik wurde eine Frau aus Wunderthausen eingeliefert, die bei der Ex­plosion einer Petroleumlampe am ganzen Körper verbrannt worden war.

Der HaubmoröinDornMeL

rrn. Darmstadt, 11. Mai. Zu dem Einbruch und Mord in Dorndicl hat die Staatsanwaltschaft folgendes Ausschreiben erlassen: In der Nacht vom 9. auf 10. Mai 1910 wurde bei dem Spezereihändler Wilhelm Bachmann II. in Torndiel bei Groß-Umstadt eingcbrochen; Bachmann, dcr hinzu- kam, wurde von dem Einbrecher erschossen: der Einbrecher entkam unerkannt. Bezüglich seiner Personalbeschreibung kann nur an­gegeben werden, daß er einen dunklen Schlapphut und dunkle Kleider getragen haben soll und von mittlerer Größe war. Der Einbrecher hat sich beim Oeffnen der Fensterscheiben, durch die er einstieg, verletzt, wahrscheinlich trägt er eine äßunbe am Daumen oder Zeigefinger der rechten Hand. Dem Einbrecher fielen in die Hände: cme graue Düte mit Nickelgeld im Betrage von 810 Mk, außerdem noch ein Betrag Nickel- und Kupfergeld im Betrage von 78 Mk. Außer Nickel- und Kupfergeld kam ein Jubiläums-- zweimarkstück abhanden (angeblich mit dem Kopfe des Kaisers und der Kaiserin; wahrscheinlich die zum 200 jährigen Jubiläum, Preußens geprägte Münze.) Vermißt wird ferner eine Uhr (sil­berne Zylinderremonwiruhr mit zisiliertem Goldrand und ächt Steinen, vorne Glasdeckel, sie trägt die Fabriknummer 3219 Fabrik ©teinteitner u. Schott, Würzburg, sowie VerkansSnummcr 398 und Ernst Grimm, Groß-Umstadt auf dem zweiten Deckel eingraviert, auf dem oberen Deckel innen die Reparaturntrmmer 6428, sowie eine vergoldete und eine Nickelkette. Die Kugel, die im Herz des Getöteten gefunden wurde, hat 7 mm Kaliber, schwachen Hohlboden, stammt wahrscheinlich aus der Fabrik Ulm börfer u. Utendorfer, Nürnberg (R. S. W. 320). Um eifrige Nach­forschungen, eventuell 'Durchsuchung und Festnahme Verdächtiger wird gebeten.

Die Staatsanwaltschaft setzte heute ihre Ermittlungen fort. Kriminalkommissar Repp vernahm den Schmied Wilhelm Heckler aus Hainstadt, der auf feinem Rade heute früh um 6 Uhr einen Mann an sich dorbeieilen sah, der anscheinend nach Mömmlingen wollte. Auch^eine Anzahl Maurer aus Neustadt begegneten einem in raschen Schritten vorbeieilenden Mann in der sog.Rechen­bach". Nach ihrer Beschreibung ist der Mann 3033 Jahre alt, dunkelblond und anscheinend seit einigen Tagen nicht rasiert. Er trägt dunkle Kleidung, schwarzen, weichen Filzhut, der oben eine Delle hat. Die Schuhe sind wahrscheinlich aus Filz oder Tuch, rundum mit Leder besetzt, die Sohlen durchgelausen, die Absätze schief. Er trug weder Schirm noch Swck, sondern ein kleines Paketchen in Zeitungspapier unter dem Arm. Sein ganzes Aussehen fiel den Leuten auf.

Staatsanwalt .Dr. Krug setzte nachmittags die Vernehmung fort.

Kriminalschutzmann Stein von Offenbach war am Nachmittag freiwillig mit seinem Polizeihund gekommen, um sich dem Staatsanwalt zur Verfügung zu stellen. Der Hund nahm die Spur auf, ging aber nur in das Nachbarhaus, die Wirtschaft Daniel. Trotz aller Mühe nahm er keine wettere Witterung. Auch ixr_ als sehr brauchbar befannte PolizeihundPia" des Wachtmeisters Heidt aus Weinheim war auf telegraphische Be­orderung der Staatsanwaltschaft eingetroffen, um seine Kirnst zu versuchen. Auch er nahm wiederholt die Spur auf, verfolgte sie aber nur bis in die Wirtschaft von Daniel.

Da her Wirt Daniel nach Lage der Verhältnisse nicht in Bettacht kommen kann, ist die an sich auffallende Tatsache, daß beide Huirde die Spuren bis zu dem Wirt verfolgten, wohl darauf zurückzusühren, daß Daniel als einer der ersten nach der Tat an der Mordstelle war und in dem auf dem Boden sickernden Blutt des Ermordeten herumgetreten war.__

Sturm und Regen in Gberhessen.

Gießen, 12, Mai.

lieber das heftige Unwetter, das gestern über unsere Gegend dahinzog, schreibt un§ unser meteorologischer Mit­arbeiter:

Die heftigen Ostgewitter am gestrigen Abend sind durch ein Tiefdruckgebiet, das am Morgen über Italien lag und im