tm zu folgen hat. (Zustimmung.) Wie kann man behaupten, Latz die Maßnahmen der Regierung sich auch gegen das Zentrum richten! Eine ganze Reihe Beamter, die nur Zentrumskandidaten gewählt haben, ist nicht gemaßregelt worden. Jeder Beamte in der Ostmark mutz unbedingt gegen die Bestrebungen ein- treten, die hier zutage - treten und die Regierung mutz daS Recht haben, fic' zu versetzen, wenn sie das nicht tun. Ein Beamter, der einen Nationalpalen wählt, mag sonst ein guter Beamter sein, aber nach Oberschlesien gehört er nicht. Tie „Deutschen Nachrichten", ein Blatt, daS die Beamteninteresien aufs äußerste vertritt, haben durchaus anerkannt, daß die Konsequenzen einer solchen Gesinnungsweise jeder auf sich nehmen mutz. Im letzten Grunde genommen ist das Zentrum selbst schuld an diesen Vorgängen. (Oho!-Rufe im Zentr.) Die polnische Frage ist eine der allerwichligsten Fragen unseres nationalen Lebens und wir wünschen, daß die Regierung uns weitere Gesetze an die Hand geben möge, um gegen sie weiter Vorgehen zu können. Wir bedauern nur, daß in der Haltung der Regierung in den letzten Jahrzehnten verschiedentlich Schwankungen vorgekommen sind. Wir werden nicht aufhören, daS deutsche Volk weiter aufzuklären über die Gefahren, die uns aus der Polnischen Gefahr drohen und über die Gründe, die dos' Zentrum zu seiner Haltung veranlassen. (Lebhafter Beifall bei den Natl. und auf der Rechten, Zischen bei den Polen und im Zentr.)
Dbg. Henning (Kons):
Wir halten in der Polensrage an unserer bisherigen Stellungnahme fest, dre durch unsere ganze V rgangenheit gegeben ist. In nationalen Fragen stehen wir immer auf dem Standpunkt energischer Abwehr. Den Polen wurde seinerzeit die Hand zum Frieden gereicht Sie Ixiben sie abgelehnt. In Oberschlesien besteht ta!sächlich die Gefahr einer Polonisierung des Deutschtums. Ihr gegenüber stellen wir die großen vaterländischen Ziele in den Vordergrund. Bedauerlich ist cS. daß das Zentrum die Beam'en erst in daS Dilemma brachte. für einen Polen stimmen zu sollen. Wir wollen die Beamten in ihren Rechten nicht beschränken. Aber wir müssen die Regierung auch in dem Bestreben unterstützen, sich eine Beamtenschaft zu schaffen, auf die sie sich verlassen kann. Maßreg,-lunqen kommen nicht bloß bei unteren und mittleren Beamten vor. Denken Sie docb an die Landräte bei der Kanalvorlage (Heiterkeit.) WaS dem einen recht ist, ist dem andern billig. Jedenfalls liegen uns etwaige kulturkampferische Absichten völlig fern. Die Dis'ivlin aber muh gewahrt werden, denn Ordnung regiert die Welt. <Keifall.)
Staatssekretär des Reichöpostamts Kraetke:
Die Beamten sind versetzt worden, wer! die Regierung nicht dulden kann, daß an einem Brennpunkt der nationalen Jntereffen Beamten Bestrebungen unterstützen, die direkt gegen die Regierung gerichtet sind. Gegen das Zentrum ist damit nicht vorgegangen; nur gegen Beamten, die Kandidaten großpol- nftcher Richtung gewählt haben. Preußen vertritt nur deutsche Interessen, deshalb handelt es sich um deutsche Interessen. Auch den kommunalen Körperschaften sind wichtige Staatsinteressen anvertraut. Mit großer Härte ist gegen die Beamten nicht vorgcgangen worden. Sie sind aus dienstlichem Interesse versetzt worden an Orte, wo sie solchen Einwirkungen wie in Kattowitz nicht mehr ausgesetzt sind, an Orte, unter denen sehr schöne sich befinden (Heiterkeit), und wo sie ihrem religiösen Bedürfnis durchaus nachgehen können, lieberafi. sind katholische Kirchen. Wir gehen auch niemals gegen Beamten wegen ihrer religiösen Betätigung vor. Ter Abg. Korfanty hat natürlich in seiner Art derartiges behauptet, ober ohne Bcweismaterial vorzubringen. Die Beamten sind lediglich von Kattowitz entfernt worden, weil die Regierung sich von ihrer Tätigkeit dort nichts Gutes versprechen konnte. (Zischen beim Zentrum unb bei den Polen.),
Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück:
Es ist unbestreitbar, daß das Dienstverhältnis des Staates gegenüber.dem Beamten weitergreift, als lediglich auf die Pflicht des Beamten, gewisse Arbeiten zu erledigen. Es erstreckte sich
bisher auf die gesamte dienstliche und außerdienstliche Tätigkeit • des Beamten. Der Beamte wird ja nicht hineingeboren in seine Rechte, wie ein Staatsbürger, sondern er tritt freiwillig in diese ein. Ter Beamte übernimmt die Beschränkungen seiner persönlichen Freiheit, die durch die besonderen Bestimmungen des Beamtenrechtes zum Ausdruck kommen, nicht umsonst, denn das abhängige Verhältnis bringt ihm materielle und ideelle Vorteile, äußere Ehren und die materielle Sicherstellung im allgemeinen. Daraus ergibt sich, daß sich der Beamte andererseits auch gewisse Grenzen bei der Ausübung seiner Rechte auferlegen lassen muß. Das gilt für unmittelbare ebenso wie für mittelbare Beamte. Tie Art der Beschränkung hängt von den besonderen Verhältnissen und davon ab, ob die Betätigung des Beamten vereinbar mit den Interessen des Staates ist ober nicht. Ist sie unvereinbar, sc hat der Staat die Konsequenzen zu ziehen. (Zuruf: Ter Staat?) Ich kann hier keinen Vortrag über das Wesen des Staates halten. Ter Staat hat die Aufgabe, die Interessen der Gesamtheit nach Maßgabe der Verfassung und des bestehenden Rechtes zu vertreten. (Lebh. Zustimmung.) Ter Staat hat also im einzelnen Falle zu prii.cn, in welcher Weise er gegen diejenigen Beamten vorgehen soll, die sich mit ihren Pflichten in Widerspruch gesetzt haben. Bei schweren Fällen wird der Staat das Disziplinarverfahren in Anwendung bringen und den betreffenden Beamten zurechtlveisen. Liegt der Fall milder, hat sich der Beamte vergriffen und ist weiter verwendbar, so versetzt ihn der Staat im Interesse des T i e n st e s. (Lachen im Zentrum.) Darin liegt in der Reget nicht ein Nachteil, sondern ein Vorteil für den Beamten. (Gelächter im Zentrum.)
Ich habe eine 30jährige Beamtrnlanfbahn hinter mir. (Zuruf bei den Soz.: Tas merkt maul Stürm. Heiterkeit.) Und deshalb kann ich sagen: Wir haben zwar immer den Beamten ihre staatbürgerlichen Rechte gelassen, aber diesen Rechten waren stets Grenzen gesetzt Tie Frage ist nun, ob die polnische Bewegung im Osten tatsächlich so gefährlich ist, baß es nötig ist, zu solchen Maßnahmen zu greifen.
Ich habe beinahe ein Menschenalter in einer der zweisprachigen Provinzen gearbeitet Alle Polen wollen doch, wenn die Gediegenheit da ist, die Hoffnung auf Wiedervereinigung aller polnischen Landesteile zur Wirklichkeit machen. Tamit komme ich zu Katto:u!h. (Zuruf im Zentrum: Endlich! Heiterkeit )
Die Kattowiher Frage kann nur im Zusammenhang mit der ganzen (Situation beurteilt werden. Den Kommunalbehörden sind i weitgehende Rechte übertragen, und in Zeiten so hoch- gehender politischer Erregung kann allerdings die Regierung Wert darauf legen, daß in den städtischen Kollegien Männer sind, an deren zweifelloser Treue in nationaler Hinsicht kein Zweifel ist. (Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.) Die nationalpolnische Propaganda liegt in der Hand zweier Vereine. Das sind die Socvls und die Straz- bereine. In diesen Vereinen werden die Bestrebungen auf Wiederherstellung Polens gepflegt. Der eine der beiden Herren ist ein eifriger Förderer der Soeolvereine, und der andere ist der Starost der S t r a z v e r e i n e. Diese Vereine haben ihre Agitationsgruvpen Über das ganze Land verteilt, und an der Spitze der einzelnen Agitationsqrupen steht ein Starost. Hiernach wird wohl niemand ernstlich bestreiten wollen, daß die Regierung wegen der großpolnischen Bestrebungen dieser Herren allen Grund hatte, vorzugehen. Die Polen behaupten immer, sie würden geknechtet, sie wären Heloten der Deutschen. Die polnischen Herren arbeiten viel in der Geschichte Polens, aber sie pflegen hundert- dreißig Jahre zu Überschlagen. Diese 130 Jahre liegen zwischen der Okkupation der polnischen Landesteile, Westpreußen und Posen, und der heutigen Zeit. Auf Oberschlesien brauche ich hier nicht einzugehen, denn Oberschlesien ist altes deutsches Land. In Weftpreußen bat der deutsche Orden viel d.em Unglauben und der Unkultur abgerungen und für das Christentum und für die deutsche Kultur gewonnen. (Sehr richtig! rechts und bei den Nationalliberalen.) / An dieser Kulturarbeit des deutschen Volkes in West- Preußen haben teilgenommen alle Gane des deutschen Vaterlandes und alle Stände. Fürsten, Ritter, Bürger, Bauern sind hinaus- gezogen und haben in dwsem Lande Denkmäler deutscher Kultur
arbeit gesetzt die heule noch bestehen. Auch in der Provinz Posen ist ein Teil der Kultur, namentlich der Städte, deutsch gewesen. Aber wie sahen diese Lande au§, als sic an Preußen kamen? Wüste Höfe, wüste Felder, die erkennen ließen, daß im Laufe der letzten Jahrzehnte eine Anarchie über daS Land dahingebraust war und alles w-ggeschwemmt hatte. Und jetzt blühende Städte, gut ausgebaute Dörfer, anstatt wertloser Forsten, Wälder von großem Werte. In denselben Landen, wo sich die Mehrzahl der Bevölkerung in wirtschaftlich dürftig.r und abhängiger Lage befand, da befindet sich, heute ein (Bauern- stand, der in guten Verhältnissen auf eigener Scholle sitzt. An Stelle öder Städte sehen wir blühende Städte. In diesem ganzen Lande lebt eine Bevölkerung, die dieselben verfassungsmäßigen Rechte genießt wie jeder andere Bürger des Reiches. Die preußische Verwaltung hat diesem Lande Gesetz und Freiheit, Kultur und Bildung gebracht. Wir haben dort einen wohlhabenden, gebildet.m Mittelstand. Wenn dieses Land die Güier der Kultur, die Wohlhabenheit und die Bikdung, die eS dem preußischen Staate verdankt, dazu benutzt, Waffen zu schmieden gegen den Staat, der sein Wohltäter gewesen ist, so beweist das nicht daß Preußen die polnisch sprechend.u Untertanen geknechtet hat (Lebh. Beifall rechts u. b. d. Natl). sondern eS beweist, daß man in dem aufgeklärten Staate Friedrichs des Großen die kulturelle Aufgabe des Staates höher bem.-ssen hat als die Erwägungen kluger berechnender Staatskunst. Vielleicht hat der Staat, der mit vollen Händen, ohne zu fragen, an wen er es gab. Wohltaten auSstreute, damit eine üble Saat auSgeftreut. Ich kann nur wiederholen, daß daS Recht des Reiches und des preukiscben Staates sich grgen solche Bestrebungen zu wehren, unbestreitbar ist. Wir werden unS in der Ver'eftigunq dieses Rechtes nicht irre machen lassen. (Lebhafter Beifall und Unruhe.)
Vizepräsident Dr. Spab» schlägt jetzt Vertagung vor.
Abg. Dr. Müller-Meiningen (Fr. Vp.) (Zur Geschäftsordnung):
Ich bin damit einverstanden; aber um keinen Präjudizfall aufkommen zu lassen, habe ich gegen die auffällige und ungewöhnliche Redeordnung deS heutipen Tages namens meiner Freunde Widerspruch zu erheben. (Hört! Hört!) Es ist seit vielen Jahren die Gepflogenheit deS Hauses, daß die Parteien nach ihren Größeverhältnissen zu Wort kommen, und daß erst bei der sogenannten zweiten Garnitur die größte Partei wieder das Wort erhält. Wir haben alle Ursache, gegen die Praxis, die heute geübt wurde, zu protestieren. (Hört! Hört!)
Abg. Bassermann (Natl.):
Namens meiner politischen Freunde wollte ich bitten, die frühere Gepflogenheit wiederherzu st eilen. (Lebhafter Beifall.) Ich weise auf § 47 der Geschäftsordnung hin und weise auf die politische Interpellation von 1906, nachdem die Parteien nach ihrem Stärkeverhältnik gesprochen hatlen, Abg. Stychel bat, seiner Partei am nächsten Tage noch einmal zur Abwehr daS Wort zu geben; aber Präsident Graf Ballestrem lehnte das ab.
Abg. Gröber (Zentr.):
Es handelt sich hier nicht um eine feste Gewohnheit, sondern erst gestern bei der Interpellation über die mecklenburgische Verfassung bin ich, trotzdem ich der Redner der stärksten Partei war, erst als vierter Redner zum Wort gekommen.
Abg. Singer (Soz.):
Es handelt sich um eine langjährige Gepflogenheit, die die neue Blockpolitik scheinbar abschaffen will. Herr Bassermann mag es mir nicht Übelnehmen, wenn ich ihm sage, daß der alte Block es nicht viel besser gemacht hat. Es sind unter dem alten Block geradezu Redevergewaltigungen vorgekommen. (Große Unruhe.) Ich möchte jedenfalls den dringenden Wunsch äußern, zur plten Praxis zurückzukehren.
Weiterberatung: Donnerstag 1 Uhr.
Schluß 6% Uhr,
preußische; Herrenhaus.
Sitzung vom 12. Januar.
Um eine Nuance wärmer als die Antrittsrede des neuen Ministerpräsidenten im Abgeorbnetenhausc waren bie.Begrüßungs- Worte, die Herr v. Bethmann am Mittwoch, an das Herrenhaus richtete. Sprach er in der Prinz Albrecht-Straße nur von dem „gegenseitigen Vertrauen" als der unentbehrlichen Grundlage für eine gedeihliche Führung der politischen. Geschäfte, so lautete seine Ansprache im Herrenhause wie folgt:
M. H.! Seit dem Abschluß Ihrer letzten Session ist in der Führung der preußischen Geschäfte die Aenderung eingetreten, daß Se. Majestät der König mich zu den Aemtern berufen hat, in denen Se. Durchlaucht Fürst Bülow neun Jahre hindurch Reich und Staat gedient hat. Ich bitte Sie, M. H., versichert zu sein, daß ich nichts unterlassen werde, um die engen Beziehungen fortzuführen, die zwischen diesem Hause und dem Kgl. preußischen Staatsministerium stets bestanden haben. Ich bitte Sic, mir in diesen Bemühungen Ihre Unterstützung nicht fehlen zu lassen. (S&eifaH.)
Eine Reihe geschäftlicher Dinge, darunter die Vereidigung einiger neuer Mitglieder, wurden schnell erledigt, dann ging man im Sturmschritt aus das bereitliegende Gesetzgebungsmaterial los. Tie Vorlage, die die Doppelbesteuerung durch Kommunen verschiedener Bundesstaaten beseitigen will, wanderte nach einem kurzen Vortrag des Ministers v. Moltte in den Finanzausschuß und der Gesetzentiourf, der in Schlesien den ländlichen Fortbil- dungsschulunterricht obligatorisch machen will, ward dem Agrarausschuß überantwortet. Tann wurde das Haus auf unbestimmte Zeit vertagt.
Deutsche Kolonien.
Ostasrika imi Budget«usschuß. Der Budgetausschuß des Reichstages begann die diesjährige Arbeit mit der Beratung des kolonialen Nachtragshaushalts, und zwar zunächst über den Bahnbau in Ostafrika an der Hand der vom Kftlvnialamt vor gelegten Denkschrift. Im. allgemeinen erkannte man diese Denkschrift als einen guten und festen Boden für die Beurteilung bet Frage an. Es handelt sich um die Fortführung der Usambara- B a h n von Buiko nach Mo-schi. Es wurde die Frage aufgeworfen, warum man nicht sofort bis Aruscha bauen wolle. Der Staatsr- fefretär betonte hierbei das Moment der Finanzlage des Reick/es. Wenn in zwei Jahren Moschi erreicht sei, Eöitnc man weiter sehen.
Im Zusammenhang mit der Bahn fräse wurde die Mastai- fragc erörtert, vb ein Bahnbau da nicht gar schädlich wirken könne, die Tsetsesrage, und insbesondere auch der Hafenbau in Tanga an der Hand der drei PmjcM, die in ber Petition beb deutschen Kolonialgesellschast erwähnt werben. Es wurden Aüf- tförungen gewünscht über die Beftedelunasfähigkeü durch Weiße, worin sich die Ansicht der Regierung geändert zu haben fdjdne, sowie über die Behandlung der Schwarzen.
Staatsfekretär Dem bürg erklärt auf diese Auseinandersetzungen, hinsichtlich der Siedelunqsfahigkeit habe er niemals gesagt, was man ihm unterstelle. Im Jahre 1908 habe er im Reistage .erklärt, die Regierung kann- nie eine Garantie für die Wohlfahrt der Siedler übernehmen, wohl aber würde man Straßen bauen usw. Auch in der Frage der Behandlung der Farbigen habe er seine Ansicht nicht geändert. Kteimicdler mit einem Kapital von 3—4000 Mark kämen nicht vorwärts; 1 h 000 Mark seien erforderlich, die Ansiedlung aber nickst ungefährlich
Unterstaatssekretär von L in de q ui st gibt einen Bericht Über die beiden Reisen, die er mit sachverständiger Begleitung durch die nörblicbcn und südlichen Höhengegenden Oftafrikas zum Zwecke ihrer Untersuchung auf die Siedlungsfähigkeit für Weiße gemacht bat Am Kilimandscharo habe man eine stärkere Bevölkerung angetrofsen als erwartet. Tie Bodenproben seien auch dort gut gewesen. Die Buren dort hätten teilweise zu viel Land bekommen, aber manches Gute, zum Beispiel in der Bewässerung, geleistet. Pferdezucht werde getrieben. Einige Buren hätten am ^Reruberge sehr gute Kaffee-Erträge erzielt.
Im Verlause der weiteren Erörterung wurden die Hafen- projette für Tanga noch eingehend erörtert.
Ans Stadt itiid Caitd.
Gießen, 13. Januar 1910.
• * Lehrerpersona lien. Uebertraqen wurde dem Lehrer Ioh. Wagner zu Fehlheim die Lehreiftelle an der kath. Schule zu Alsheim. — Erledigt ist eine mit einer kcfth. Lehrerin zu besetzende Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Mörlen.
** DieVer st eigerungder Massegrund stücke aus der Feldbereinigung rechts der Lahn hatte am Dienstag viele Interessenten nach der Stabt Marburg geführt. Bei der Versteigerung, bei der es sich lediglich um Acker- gelünde handelte, wurden außerordentlich hohe Gebote abgegeben, für den Quadratmeter bis 2 Mk. Oberbürgermeister M ec um erwarb, 12 Grundstücke in ungefährer Größe von 15 000. Quadratmeter zu einem Gesamtpreise von 10 250 Mk. Diese, für den Stadterweiterungsfonds erworbenen Grundstücke waren vorher von der Baudeputation eingesehen und taxiert, sie liegen in der Nähe der neuen Kliniken und am Rodberg. Wie bei der Versteigerung von sachverständiger Seite mitgeteilt wurde, sollen die von der Stadt durchschnittlich angelegten Preise außerordentlich billig fein. Da mehr als 200 Interessenten sich cingefun- den hatten, machte auch die Straßenbahn ein Geschäft.
** Volksunterhaltungsabend. Man schreibt uns : Immer mehr und immer mächtiger bricht sich der Gedanke Bahn, daß unsere geistigen und künstlerischen Schätze nicht das Gut Einzelner über einzelner Bevölkerungsschichten fein dürfen, sondern da.ß die Gesamtheft unseres Volkes ein Recht (ja geradezu die Pflicht) hat, an ihnen teilzunehmen. Und es ist für den Volks- freund eine Freude, zu sehen, wie dieser Gedanke in gfcidxr Weise gewürdigt wird von bert Gebenben wie von den Empfangenden. Ueberäkl regt sich geistiges und künstlerisches Streben- Volks- tildungsvereine entfalten aller Orten ihre segensreiche Tätigkeit; der Nhcin-Mainische Verband für Volksbildung veranstaltet Vortrags- und Unterhaltungsabende unb schickt sein vorzügliches Ver- kandstheater mit ausgewähltem Reportsire in die Provinz hinaus, um auch entlegeneren Orten mustergültige Ausführungen zu bieten; Behörden und Verwaltungen von Sammlungen sind gern bereit — wir müssen das gerade mit Rücksicht auf unsere hiesigen Verhältnisse unb in Erinnerung an den ersten Berkehrstag dankbar hwvorheben — die ihrer Pflege unterstellten Sammlungen dem Publikum auf billigste unb bequemste Art zugänglich zu machen. Und die Saat, die hierdurch geftreut wird, wird sicher gute Früchte tragen für unser ganzes Volk. Auch der unter der Leitung unseres Provinzialdirektors, Geheimerat Dr. Breidert, stehende Mfttel- dcutsche Sängerverband verfolgt ähnliche Ziele. Abgesehen von dem Streben, den Männergesang an sich zu fördern und zu heben, sucht er die Freude am deutschen Siebe, die Freude an wahrem künstlerischem (Vuuefeen in immer breitere Massen des Volkes zu tragen. Diesem Streben dienten und sollten dienen die Eichendorfs-Feier int Jahre 1908 und die MendelssoHn-Fcier im vergangenen Jahre. Neben solchen größeren sollen biefem Zwecke aber auch kleinere Veranstaltungen bienen, die in einzelnen Bezirken, Stabten unb Dörfern seines Verbaubsöereichs eingerichtet werden. So hat sich aus zwei Vereinen des Verbandes, die unter derselben Leitung stehen,, ein Chor von über 100 Sängern gebildet, der Sonntag den 23. b. M. einen fogenannten Volksunter - Haltungsabend veranstalten wird. Weiter haben ihre Mitwirkung auch einige Damen zugesagt, deren Namen auf dem Gebiete der Volksbildung und der Kunst einen guten Klang haben. Dem Abend wird das Thema „Kindheit und Heimat" zugrunde liegen, und es werden demgemäß Sologesänge, Rezitationen unb — als Äkäunerchörc — ausgewählte Volkslieder zum Vortrag kommen, die alle diesen beiden Gebieten entnommen find. Die Eintrittspreise werden dem Zwecke des Abends entsprechend niedrig sein, und ein etwaiger Uebcrschuß soll für einen wohltätigen Zweck verwendet werden. Wünschen wir dem Unternehmen bestes und er folgt eichslks Gelingen.
— Die Vorstände der hiesigen „Hassia-Ver- einefl (mit Ausnahme des Veteränen-VereinS) haben in einer am 10. d's. Mts. abgehaltenen Sitzung beschlossen, die Feier deS Geburtstages des Kaisers in gemeinsamer Weise durch einen Kommers am 26. b§. MtS. abends zu begehen. Dieser Zusammenschluß ist umsomehr mit Freuden zri begrüßen, als die patriotischen Feiern in den einzelnen Nlilltär- Verciuen seither nur sehr schwach besucht waren und nicht der Würde der betr. Tage entsprachen. Voraussichtlich werden die Feiern von Kaisers und Großherzogs Geburtstag künftig stets gemeinsam begangen.
• * Der Evang. Arbeiterverein plant gelegentlich des am 20. Februar abzuhaltenden Volksiinterhal tungs- abends die Aufführung des Volksstücks in 5 Auszügen: „Der Leiermann und sein Pflegekind^. Das Stück wurde in -einer Reihe von Städten mit großem Erfolg aufgeführt. Die Aufführung soll, soweit möglich, auch Nichtmitgliedern zugänglich gemacht werden.
* • Sp a nische Scha tzgräberbriefe werden zurzeit wieder hier und in der Umgegend verbreitet. Es genügt wohl der wiederholte Hinweis, daß eS sich — wie schon öfters behördlich festgestellt wurde — um einen plumpen Schwindel Handelt.
** Auswanderung nach Chile. Dos „Echo" zu Valparaiso in Chile vorn 22. Juli d. Js. enthält fnlgenbe Bekanntmachung: „F ü r Auswanderer: Für meine 4 Kilometer von Post-, Telegraph-, Bahnstation und Schule belegens Kolonie suche ich einige deutsche Familien, um dort bereits mit bestem Erfolge betriebene Obstpslanzungeu weiter auszudehnen. Ich gebe jeder Familie 2000 Obstbäume unb 100 000 Erdbcer- pslanzen und der Kolonist gibt mir die.Hälfte ber Ernte so lange ab, bis er durch Bezahlung des reellen Wertes , der Pflanzung! freier Eigentümer geworden ist. Freie Reife. Offerten an G. L. Weber, fyreire, Casilla 9, Chile (Südamerika)." Wie mitgeteilt wird, besitzt G. L. Weber bei Freire, Departement Temucv, ein Grundstück von 40 ha, dessen Wert höchstens 5000 8. beträgt. Sein Bar vermögen dürfte nicht grösser sein, dabei hat er feit langer Zeit verschiedene Schulden. Eine Gewähr für die Erfüllung seiner Versprechung bietet er nicht. Ta die Anzeige G. L. Webers jedoch scheinbar vielfack-e Beachtung stndet, so tarnt vor dem Unternehmen nicht dringend genug gewarnt werden.
= Ulfa, 11. Jan. Am Sonntag abend hielt Lehrer Wißner von hier, der im November v. Js. im Auftrage des hessischen Vogelschutzvereins an einem Vogelschutzkursus in Seebach (Kreis Langensalza) teilgenommen, im Toll sehen Saale einen gutbesuchten Vortrag über praktischen Vogelschutz nach Freiherrn von Berlepsch. Der Vortragende tvies auf die Wohnungsnot unserer gefiederten Lieblinge hin und betonte, wie der bedenklichen Abnahme unserer Vögel in erster Linie dadurch gesteuert werden müsse, ^daß wir den Freibrütern sowohl, als auch den Höhlenbrütern die geraubten Ni st gelegen Heiken wiedergeben, ersteren durch Schonung der vorhandenen Hecken und Büsche, sowie durch Anlage von Vogelschutzgehölzen, letzteren durch Aufhängen von geeigneten Nisthöhlen. Der Werdegang solcher Vogelschutzgehölze, wie man auf der Seebacher Versuchsstation zirka 100 Morgen zu sehen Gelegenheit hat, wurde an der Hand eines Grundrisses und verschiedener Bilder veranschaulicht. Berlepsche Nisthöhlen wurden vorgezeiat, sie sind getreue Nachbildungen der natürlichen Spechlhöhlen. Nachdem Ratschlage über die Zeit, den Ort und Art des Aufhängens gegeben waren, wurde als beste Bezugsquelle solcher Höhlen die Firma Scheid in Büren


