vorliegenden Falle wird in erster Linie die Frage der Zulässigkeit des Konflikts und dann eventuell die Begründung desselben geprüft werden. Die Entscheidung erfolgt in Form eines Urteils.
Zentrum und Kanster.
Ein parlamentarischer Mitarbeiter, wahrscheinlich Herr Erzberger, entwirft in der „Märkischen Volksztg.", einem Zentrums-Blatt, folgendes Bild von dem „neuen Mann":
„Der neue Mann ist auf ethischem, religiösen Gcbiet liberal, auf dem Gebiet der Volksrechte reaktionär bis in die Knochen. Daß dieser Mann, in dessen Reden die Gedanken der destruktivsten liberalen Philosophen einen so großen Einfluß erlangt haben, für uns ein gefährlicher Gegner sei und bleiben müsse, das ist an dieser Stäle bereits vor mehreren Jahren betont worden, als der jetzige Reichskanzler zum ersten Male als preußischer Polizeiminister im preußischen Abgeordnetenhause _ seine vielbesprochene Rede mit dem Hinweis auf den Philosophen Kant hielt. Und diese Einschätzung mußte ihm später wiederholt zuteil werden, als seine Handlungen deutlich erkennen ließen, datz er in seiner ganzen geistigen Entwicklung im liberalen Fahrwasser geschlvommen hat und dem Katholizismus unb_ seinen weltumfassenden Einflüssen mit jenem Maße sehr beschränkter Äenntmne gegenübersteht, die den Durchschnittsostelbicrn eigen ist/
Sonderbar berührt, daß dem „neuen Mann" gegenüber sogar Fürst Bülow als ein „relativ ungefährlicher Reichskanzler" angesprochen wird. Mit Drohungen an die Adresse der Konservativen in der Frage der .preußischen Wahlrechtsänderung schließt der Artikel. Ob die führende Zentrumspresse diese Ansichten teilt?
auch das Ressort des Mmistxriums des Innern innehaben. Das FinanzportejeuiNe wird, wie bereits gemeldet, mit v. Luka cs, Vas Handelsportefeuille mit Hiervmvni, dem ehemaligen Handelsminister im KalineU Tisza, besetzt, werden. Gras Khuen Hedervary wird die vollständige Ministerliste voraussichtlich am Montag dem König unterbreiten.
Tas Reuter'sche Bureau meldet aus Aden: 30 Kundschafter des Mullahs vom Svmalilano griffen einen ftiedlich gesinnten Stamm an, machten zwanzig Männer, Frauen und Kinder nieder und raubten 500 Kamele.
Die spanische Regierung ist, wie aus Madrid gemeldet wird, fest entschlossen, den Angriffen bestimmter Blätter gegen die Armee und ihr Verhallen bei Melilla Einhalt zu tun und hat gegen die Verfasser der betreffenden Artikel gerichtliche Maßregeln getroffen.
Aus Ottawa wird gemeldet: Premierminister Laurier brachte im Parlament einen Gesetzentwurf über die Verteidigung zur See ein, in welchem die Aufstellung einer. ständigen Flotten- reserve und von freiwilligen Truppen vorgesehen i|t. Für den sofort beginnenden Bau einer Flotte von elf Kreuzern sollen im Rechnungsjahr 1910 drei Millionen Dollars ausgeworfen werden. Ter Premierminister erklärte, C a n a d a würde, falls England nvt irgend einer Macht Krieg führe, dem Könige seine Flotte zur Verfügung stellen.
vom technischen Arveitsmarlt.
Auf Anregung der Berufsorganisationen technischer Angestellten, im Rcickisarbeitsblatt auch über die S^ellenvermittlungs-Ergebniss, der technischen Verbände zu berichten, hat dieses —- hcrausgegeben vom Kaiserlichen statiststchen Amte — im April-, Juli- und Oktoberheft die Ergebnisse der Vermittlungen von 6 technischen
Das neue tücksche Kabinett.
(Konstantinopel, 12. Jan. Der Scheich uel Js- lcrm, Sahib-Nollah, der sich im letzten Augenblick weigerte, in das neue Kabinett einzutreten, wurde zum Präsidenten des Vakufs und Appetlationsgerichts und der Ulema Husni zum Scheich uel Islam ernannt Senator Sch e- rif Heidar übernahm das Evtäfministerium.
Der Sultan empfing den Großwesir Hakki Pascha, der ihm das Programm des Kabinetts darlegte. Am Nachmittag fand auf der Pforte in üblicher Weise die feierliche Verlesung des Handschreibens über die Ernennung des Großwesirs und des Scheich uel Islam statt. Das Handschreiben gibt dem Wunsch des Suttans Ausdruck, daß unter Wahrung des Scheriatgesetzes und des verfassungsmäßigen Regimes schnellstens Gesetze und Maßnahmen zur größeren Kräftigung der Eintrack)t unter den verschiedenen Bevölkerungselementen und zur Sicherung des moralischen und materiellen Fortschrittes und Wohlergehens des Vaterlandes erlassen werden sollten.
K o n st a n t i n o p e 1, 12. Jan. Die pariser Meldungen von Ko n f l i k t M zwischen deutschen Instruktoren und türkischen Offizieren, die scyon vor einiger Zeit von anderen auswärtigen Blättern verbreitet wurden, werden hier an zuständiger Stelle für unbegründet erklärt
Bern, 12. Jan. Die vier Kreta-Schutzmächte teilten dem schweizerischen Bundesrat durch eine Kollektivnote mit, daß sie angesichts der veränderten Verhältnisse auf die Dienste des Direktors der schweizerischen Alkoholverwaltung, Milli et, der als Finanz-Inspektor für Kreta in Aussicht genommen war, verzichten.
Aus Hessen.
Der Hessische Landes-Lehrerverein hat an die Zweite Kammer eine Eingabe gerichtet, in der es heißt:
Sicherem Vernehmen nach hat der Frnanzaussck-uß der Zweiten Kammer den Beschluß gefaßt, den Staatsbeamten für das nächste Rechnungsjahr eine Teuerungszulage zu gewähren. Zum großen Erstaunen des unterzeichneten Vorstandes sollen, die Lehrer an den Volks schulen keinerlei Aufbesserung erfahren. Zweifellos ist aber eine solche für, die Lehrer mindestens ebenso notwendig, wie dies für die Staatsbeamten für erforderlich gehalten wich. Sollte hier geltend gemacht iverden, daß die Lehrer erst vor drei Jähren eme Aufbesserung ihrer Gehalte erfahren hätten, während die letzte Gehaltsregelung der Staatsbeamten 1898 erfolgt sei, so erlauben wir uns, daraus hinzuweisen, daß twch auch den Staatsbeamten im Jahre 1907 eine Erhöhung ihres Einkommens in Form von Wohnungsgeldzuschüssen zu teil wurde, die einen Betrag von 700 000 Mark erforderte. Bei Beratung' der damaligen Regierungsvorlage wurde dieser Wohnungsgeldzuschnß ausdrücklich als eine durch die Preissteigerung der Lebensbedürfnisse notwendig gewordene Aufbesserung des Einüimmens der Beamten bezeichnet. Wir richten deshalb an hohe Zweite Kammer die Bitte, dahin wirken zu wollen, daß für das Rechnungsjahr 1910 den Lehrern und Lehrerinnen an ben Volksschulen die gleiche Teuerungszulage gewährt werde, wie sie ben Staatsbeamten zu teil werden soll.
Auch der Verband der hessischen Unterbeamten bittet, „daß den Unterbeamten unter 2000 Mt Di en st einkommen eine Teuerungszulage von zehn Prozent ihres erreichbaren Höchstgehalts, jedoch aber nicht unter 150 Mk., gewährt werden möge".
Deutsches Reich.
Der Kaiser hörte am Mittwoch vormittag im königlichen Schlosse ben Vortrag des Chefs des Zivilrabinetts.
Nach vorläufig festgestellten Reisedispositionen treffen Kaiser und Kaiseri n am 2. Mai b. I. zu einem sechs- tägigen Aufenthalt in Wiesbaden ein. Während des Aufenthaltes des Kaiserpaares werden im König!. Theater die „Maifestspiele" stattsinden.
Der Seniorenkonvent des Reichstags verfaßte den Plan für die Erledigung der Geschäfte bis Ostern, insbesondere die rechtzeitige Fertigstellung des Etats. Man will den Versuch mit der Kontingentierung der Haushaltsberatung machen. Bis Ostern hat man, bei sechs sitzungsfreien Tagen —» 22. und 24. Januar, 7., 8., 26. und 28. Februar — für die Haushaltsberatung 37 Sitzungstage zur Verfügung, davon zwei für die dritte Lesung. Für die erste Lesung der Justizgesetze und die noch nicht verhandelten Anfragen bleiben b an eben noch acht Tage und weitere fünf Tage für „Unvorhergesehenes" zur Verfügung. Die zweite Lesung des Haushalts soll mitte nächster Woche beginnen. Morgen stehen die Justizgesetze auf der Tagesordnung.
Die Frankfurter Ortsgruppe des Hansabundes hat die Ortsgruppen in Hanau, Wiesbaden, Biebrich, Dillenburg, Höchst, Limburg, Wetzlar, Darmstadt, Mainz, Oppenheim, Offenbach, Schlitz, Gießen, Worms, Bensheim, Burgen auf Ende des Monats zu einer gemeinsamen Sitzung nach Frankfurt berufen. In ihr soll ein Gedankenaustausch über die gemachten Erfahrungen stattfinden, ein näherer Zusammenschluß und die Anstellung eines gemeinsamen Geschäftsführers besprochen werden.
Verbänden bekcmntgegcben.
Danach waren bei den berichtenden Verbänden! im ersten, zweiten und dritten Vierteljahr im ganzen 5581 neue Bewerbungen angemeldet, von welchen 2118 auf das Betriebspersonal und 3463 auf das Bureaupersvnal entfielen. Hierzu trat ein Rest von unerledigt gebliebenen Bewerbungen aus dem Vorjahre von 283 Betriebs- und 544 Bureau-Angestellten.,— Den insgesamt vorliegenden 6408 Bewerbungen standen an offenen Stellen 1324 für Betriebs- und 2781 für Bureaupersonal gegenüber^ Im einzelnen wurden von diesen zusammen 4105 offenen Stellen 456 = 39 Prozent im 1. Quartal, 586 = 40 Prozent im 2. Quartal, 477 = 32 Prozent im 3. Quartal durch die Verbände besetzt.
Von den 6 Organisationen war an .der Vermittlung vvn technischem Personal der Deutsck-c Techniker-Verband weitaus am ftärii'ten beteiligt. Im 1. Quartal vermittelte er allein 153 Stellungen, im 2. Quartal 265 und int 3. Quartal 173 Stellungen. Der Deutsche Techniker-Verband ist insbesondere in der Vermittlung von Betriebs-, leitendem und Aufsichlspersonal allen anderen Organisationen der technischen Angestellten überlegen. Es wurden im 1. Quartal 43 Prozent, int 2. Quartal 52 Prozent und im 3. Quartal 43 Prozent aller von der Statistik erfaßten offenen Stellen für Betriebspersonal durch seine Stellenvermittlung besetzt.
Die im Reichsarbeitsblatt besprochenen Vermittlungen der technischen Verbände erstrecken sich vorwiegend auf die Metall- unb Maschineninduftrie, sowie auf das Baugewerbe. Im Baugewerbe beherrscht die Stellenvermittlung des Deutschen Teckmiker-Verbandes ebenfalls unstreitig den Arbeitsmarkt. Hier treffen auf dessen Vermittlung von 523 überhaupt besetzten Stellen allein 482, das sind 90 Pro zerrt.
Im allgemeinen zeigen die Darlegungen des Reichs'arbeits- blattes sehr deutlich die ungünstige Lage des technischen Ärbeitsmarktes. lOOoffenen Stellen stehen nach diesen Ziffern durchschnittlich 2 20 Bewerbungen für Betriebsper- 1 o n a 1 und 199 Bewerbungen fürBureaupersonal gegenüber. Tas Angebot von technischen Arbeitskräften ist also doppelt so groß wie die Nachfrage. Hieraus folgt das ebenfalls statistisch festgestellte Sinken des Wertes der technischen Arbeitskraft. Schlechte Gehälter und schlechte Arbeitsbedingungen sind deshalb heute leider im technischen Berufe zu finden.
Aus Stadt und Lund.
Gießen, 13. Januar 1910.
Bahnhofserweiterungen in Oberhessen.
Im Etat her preußischen Eis enb ahn v er w al tun g wird für 1910 zur Erweiterung des Bahnhofes Friedberg eine fernere Rate von 300 000 Mk. gefordert. Die Begründung lautet: Die Gesamtkosten betragen abzüglich eines Betrages von rund 568 000 Mk. für den Erwerb von Grund und Boden aus Dispositionsfonds — 6 382 000 Mk.; hierauf sind durch den Etat für 1909 als erste Rate 100000 Mk. bewilligt, für das Etatsjahr 1910 werden weiter erforderlich 300 000 Mk.
Die mitveranschlagten Kosten der Aenderuugen der Pri- vatanschlußgleise sind nach Maßgabe der Verträge von den Anschlußinhabern zu erstatten und bei Kap. 21 der späteren Etats zu vereinnahmen. Auf die Hes,ische Regierung ent- ällt als Beteiligung an ben Kosten der Bahnhofserweiterung, soweit diese durch die in ben Bahnhof etnntünbenbe hessische Nebenbahn von Hungen unb Nidda bedingt wirb, ein Betrag von 653 000 Mk., von dem eine erste Rate von 10 000 Mk. und eine fernere Rate von 50 000 Mk. bei Kapitei 21 der Etats für 1909 unb 1910 in Einnahme vorgesehen sinb. Der Rest wird bei ben späteren Etats in Einnahme nachgewiesen werben, ebenso der bare Zuschuß von 40 000 Mark, den bie Stadt Friedberg zu den Baukosten leistet.
Für Herstellung eines Ueberholungsgleises auf dem Bahnhof Butzbach sind in den Etat der preußischen Eisenbahn Verwaltung 33 000 Mk. eingestellt. — Für Herstellung einer Kreuzungsstation in Kilometer 9,0 bei Strecke Gelnhausen — Gießen werben 96 000 Mk. verlangt. — Für bie Erweiterung bes Bahnhofes Bad Nauheim ist in ben Etat der preußischen Eifenbah-nverwoltung eine fernere Rate von 300000 Mk. eingestellt.
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•• Tageskalesder für Donnerstag, 13. Jan.: 4. öffentl. Vortrag des Kanstn. und des Qrtsgeiverbevereins: Prof. Dr. H. W. Schmidt-Gießen .liebet Elektronen" (Experünentaloortrag). Abends 81/, Uhr in der neuen Anla.
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** Die Inhaltsverzeichnisse der „Gießener Familienblätter" und der „Landwirtschaftlichen Z e i t f r a g e n" für das Jahr 1909 gelangen mit der heutigen Nummer in die Hände unserer Leser. Wir machen schon jetzt darauf aufmerksam, baß auch in den kommenden Jahren für beibe Beiblätter Inhaltsverzeichnisse angefertigt werben unb beshatb mit bem Einbin den der gesammelten „Familienblätter" und der landw. „Zeit fragen" zweckmäßigerweise ss lange gewartet wird, bis das Inhaltsverzeichnis vorliegt.
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•• Vom Großherzoglichen Hofe. Der zweite und letzte Hoiball dieses Winters fand gestern in den Prunk- räum i ^es Alten Palais zu Darmstadt statt. Es nahmen mi 302 Personen daran teil, darunter Prinzessin Her
mann zu Solms-Braunfels mit zwei Prinzessinnen-Töchtern,
Aus Lemberg wird berichtet: In der Lanbtagsjitzung am Mittwoch wurde die Anftage Adam eingebracht, welck>e die gegen bie Boykottierung preußifcherWaren getroffenen Ver- waltungsmaßregeln ^unt Gegenstand bat.
Aus O s e n p e st meldet man: Dem Vernehmen nach wird in dem Kabinett Khuen, Hedcrvary der Ministerpräsident
Graf Wilhelm v. Görtz gen. v. Schlitz mit Gemahlin und Prinz von Schönberg-Waldenburg, ferner die am hiesigen Hofe akkreditierten Gesandten, die Minister, die hohen Dhli» iär§ re. mit ihren Damen. Wie üblich, fand nach 10 Ul]i ein Abendessen statt. Die Taielmusik stellte diesmal die ftapclb bes Dragoner-Regiments Nr. 23.
” In Audienz empfangen wurden vom Groß- Herzog gestern u. a. Kommerzienrat Grünewald von Alsfeld, Sanitätsrat Dr. med. Beste von Bad Nauheim unb Kommerzienrat Müller von Gießen.
** Ordensangelegenheit. Der Kaiser hat bem Major Oheimb, Kornrnanbeur des Hess. Trainbataillons Nr. 18, bie Erlaubnis zur Anlegung des Ritterkreuzes des Ordens der Württemb. Krone und bem Generalmajor Freiherr von Seckendorf, Kommandanten von Mainz, die Erlaubnis zur Anlegung des Komturkreuzes 1. Klaffe bes hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt.
** Postpersonalnachrichten. Verliehen ist der Charakter als „Rechnungsrat" dem Postmeister Kisseberth in Pfungstadt: der Titel „Ober-Postassistent" dem Postassistenten Menges in Gießen; der Titel „Ober-Telegraphcnassistent" dem Postassi- ’tenten Hofmann in Gießen. Ernannt ist Postinspektor D ö r g e in Alsfeld zum Postdirektor. Angenommen ist als Postagent Karl Schöck in Garbenteich. Gestorben sind Poswerwalter a. D. B ü s ch i n g in Büdingen und Postagent Schöck in Garbenteich.
** 91 f ab. Bisrnarckbund. Mit bem Ersuchen um Veröffentlichung geht uns folgende Zuschrift zu: Morgen Freitag abend spracht in Steins Garten Graf von Hoens- iroech auf Veranlassung des Akad. Bisrnarckbunoes über das Thema: Was ist Ultramontanismus und wie muß man ihn bekämpfen? Mit dieser Versammlung tritt der Akab. Bismarckbunb hier in Gießen zum ersten Male an die Oeffenllichkeit. Er hat es sich zur Aufgabe gesetzt, unser Volk unb vorerst besonders die studierenoe Jugend auf bie Gefahren hinzuweisen, bie uns von einem System drohen, das unter bem Deckmantel der Religion weltliche — aber ■eine deutsche — Politik, mit religiös verbrämten Mitteln betreibt. Dabei ist der Bund durchaus frei von konfessioneller Färbung und sein Kampf richtet sich nur gegen ben Iltramontanismus als politischen unb kulturellen Schädling. Auch Nichtal'ademiker unb Damen sind willkommen.
*• (Siebener Konzertverein. Ludwig Wü11ner hat auf seiner Reise durch Amerika, die ihm Millionen gebracht haben soll — Fama sagt ja sogar, daß sein Begleiter Konrad van BooS eine halbe Million erspart habe — eine Sängerin kennen gelernt, über die er voll Lobes in bie deutsche Heimat berichtet hat. Wir werden diese Sängerin hier kennen lernen — es ist Susan S. Metcalfe, eine internationale Natur, gebürtig aus Florenz, Kind eines Amerikaners und einer Deiitschschweizerin, die hier am 30. Januar in deutscher, französischer, englischer und italienischer Sprache Lieder der besten klassischen und modernen Meister fingen wird.
** Lehrkursus für Eisenbeton. Der Technische Verein Gießen beabsichtigt einen Lehrkursus für Eisenbeton abzuhalten und ladet zu Samstag abend zu einer näheren Besprechung und 9lnmeldung im „Kaiserhof" ein. Es ist eine in Theorie und Praxis sehr bewährte Lehrkraft gewonnen worden. Auch bem Technischen Verein Fernstehenbe können an diesem Lehrkursus teilnehmen.
** Goldene Hochzeit tonnten in diesen Tagen in unserer Umgebung' mehrere Ehepaare begehen, nämlich gestern Landwirt Johs. Hanack II. unb Ehefrau in Kirch- Göns und Rentner Will). Jacobi III. unb Ehefrau zu Robheim v. d. Löhe, sowie heute bie EPeleute Bahnwärter a. D. Wilhelm Emrich unb Frau Wilhelmine geb. Lotz in Aßlar.
’• Der Wandkalender des Gießener Anzeigers liegt der heutigen Poftauflage bei.
fc. Bad Nauheim, 12. Jan. Nach kurzer Krankheit verschied hier der Besitzer des Hotels „Kaiserhof", Heinrich Haberland, im 50. Lebensjahr. Aus bescheidenen 9tn- rängen hot sich der Verstorbene emporgearbeitet. Vor zwanzig Jahren pachtete er als erster Pächter den Ratskeller in Wiesbaden und spater erstand er den hiesigen Besitz für eine halbe Million Mark.
x Bad Nauheim, 12. Jan Die Tätigkeit des kürz- lich gegründeten Heimatvereins eröffnete der zweite Vorsitzende des Vereins, Oberlehrer Dr. Strecker, gestern abenb burch einen Vortrag über „Die Schlacht am Johannisberg". Arn 30. August 1762 würben hier bie auf ber Seite Friedrichs des Großen stehenden Truppen des Erbprinzen von Braunschweig von den Franzosen unter bem Prinzen Conde geschlagen und zum Rückzi-b über die Wetter gezwungen. Der Redner gab in übersichtlicher Weise eine anschauliche Schilderung der Kriegslage auf bem westlichen Kriegsschauplatz bes Siebenjährigen Krieges unb ging bann näher auf bie Vorbereitungen unb den Verlauf der Schlacht am Johannisberg ein, deren Vorgefechte schon in ber Gießener Gegenb, bei Grünberg und bann am? Pfahlgraben zwischen Grüningen unb Lich, begannen. Dr. Strecker empfing für seine über einstunbigen in* teresfanten Ausführungen reichen Beifall.
L. Friebbcrg, 13. Jan. Seit vier Jahren besteht hier ein Verein ehemaliger Llckerbauschüler, b. h. solcher Herren, bie einst die Landwirtschaftsschule besuchten. Der Verein zählt über 300 Mitalieder aus 109 Orten unb pflegt bie Interessen seines Standes, wie überhaupt bie ber Landwirtschaft. Ter Verein sucht in steter Fühlung mit der hiesigen Lcurbwirts- schafts- und Obstbauschule zu bleiben. Mehrmals im Jahre hält er hier Versammlungen unb gesellschaftliche Unterhaltungen ab. So ftndet am 16. Jan. im Hotel Trapp ein Wintervergnügen statt.
fc. Ober-Roßbach, 12. Jan. Der am 6. September 1889 hier geborene Arbeiter Schmibt, gegen ben noch eine Restgefängnisstrafe von 219 Tagen 22si Minuten zu vollstrecken ist, wie im Nov. v. I. die Staatsanwaltschaft in Limburg bekannt gab, ist gestern hier verhaftet worben. Schmidt, der vor länaerer Zeit aus dem Gefängnis in Preungesheim entwichen war, hat seitdem den Pottzeiorganen viel Scherereien verursacht, um ihn dingfest -zu machen. Glaubte die Polizei, ihn zu haben — war er rasch wieder durch einen Schlupfwinkel verschwunden. 9luch soll Schmidt eines Llbends, als ein Gendarm hier nach ihm suchte unb bei einer auf ber Straße befindlichen Gruppe von Burschen unb Mäbchen sich nach ihm ei> kündigte, aber nichts erfahren konnte, in Frauenkteibem mit einem Tuch um ben Kopf unter den Gefragten gestanden haben.
Darmstadt, 12. Jan. Auf der Strecke zwischen Darmstadt und Kranich st ein wurde heute vormittag, oon dem um 7.38 Uhr ben hiesigen Bahnhof verlassenden Personenzug der Arbeiter Konrad Fischer ans Arheilgen, der in der Merckschen Fabrik beschäftigt ist, überfahren. Er war jofort tot.
Offenbach, 12. Jan. Verschiedene Schüler ber? Knabenschule im Französischen Gäßchen befanbeu sich gestern nachmittag auf dem Heimwege, als einer von ihnen, der 13jährige Hermann Klohokcr, ein Terz er o l hervorzog, um damit zu schießen. Nachdem er einen schuft abgegeben hatte, gab er das gefährliche Spielzeug auf Verlangen seinem Kameraden, dem gleichatterigen Lud-


