Ausgabe 
9.7.1910 Erstes Blatt
 
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die Ermäßigungen cm sich. Im Gegenteil, wollten wir noch mit allem kommen, was wir im Sinne der Steuergerechtigkeit und der Vermeidung von Härten und Bexationen eigentlich fordern mußten, wir könnten noch mit entern ganzen Bündel von Abschwächungs- und Ermäßigungsanträgen aufwarten. Doch halten ivir uns an das in der Kommission gefürchtete: Der gewalrige durch die Zuwachssteuer in Bewegung gesetzte Apparat, b-te Unsumme von Nachforschungen. Erhebungen und FsstLtellungen, die jeder Steuerfall nötig macht, all' dieses lästige Eindringen aller möglichen Behörden in Pri­vat- und Familienverhältnisse wie Geschäftsgeheimnisse, dieser ganze kreisende Berg sollte nur den im Verhältnis den .KrafLanftirengungert lächerlichen Steuerertrag von sieben Millionen bringen '? Das wäre ja geradezu ein Schul­beispiel für eine Steuer, wie sie nicht sein soll. Es fehlt dann nur noch, daß es später heißen würde: die Veranla- gungs- unb Ein;iehungsunkosten balanziertensoeben" mit den Erträgnissen. Bei der vollkommenen Unsicherheit der Erträgnisse dieser auf ganz unbekanntem Gebiet pirschen­den Steuer ist auch das nicht ausgeschlossen. Besonders nicht, weil der niedrigste Steuersatz nicht wie jetzt bei manchen Gemeinden von einer L^rtsteigerung von min­destens 10 Proz, erhoben wird, sondern von einer Wert- steigerungvon nicht mehr als 10 Proz.". Somit muß jeder Besitzwechsel eines Grundstücks, sei es die kleinste Parzelle mit dem minimalsten oder gar keinem Wertzuwachs, unter die steuerliche Erhebungslupe genommen werden. Sicherlich Haden deshalb diejenigen Recht, welche sagen: Nicht die Steuerbelaftung, sondern die Steuerbelästigung machen das Reichswertzuwachssteuergesetz unmöglich." .Durum: In die Wolfsschlucht!

gilt neuer polenkurz?

In den letzten Tagen sind in der Presse verschiedenster Richtung Befürchtungen über einen neuen Polenkurs oufgetaucht, den Herr von Bethmann-Hollweg einzuschlagen gedenke. Schon aus der allgemeinen politischen Lage, in der wir ja das Zentrum in seine alte ausschlaggebende Stellung zurückgekehrt sehen, hat man geschlossen, daß es dem jetzigen Kanzler unmöglich sei, gegen den Willen des Zentrums den Polen irgendwie wehe §u tun. Dazu kam, daß man gerade in der Frage der Ostmarkenpolitik mit den Schlüssel zu Rheinbabens plötzlichem Abgang gefunden zu haben glaubte. Wohl hat man aus ziemlich sicherer Quelle erfahren, daß zwischen den beiden Staatsmännern Bethmann und RheinbabettMeinungsverschiedenheiten po­litischer Art bestehen, die nicht auszugleichen sind", aber auf welcher! Gebieten diese Differenzen liegen, das ist bisher rrirgends offenbart worden. Neuerdings glaubt man ja bie Lösung dieses Rätsels in der preußischen^ Wahl­rechtsfrage gefunden zu haben, die im Herbst Wieder­aufleben soll; die neue Vorlage soll liberalen Wünschen. Rechnung tragen und eventuell mit einer Mehrheit aus Zentrum, Nationalliberalen und den linksstehenden Par­teien gegen die Konservativen durchgedrückt werden. Darob sei Herr von Rheinbaben aus dem Amt geschieden. Was an dieser angeblich von zuverlässiger Seite stammenden Meldung richtig ist, läßt sich augenblicklich nicht beurteilen. Auf der anderen Seite glaubten gewisse Kreise die Mei­nungsverschiedenheiten eben in der Ostmarken frag e entdeckt zu haben. Man weiß, daß Herr von Rheiubaben in diesem Punkt mit dem Fürsten Bülow völlig einer Meinung war, und man hat daher die Worte viel beachtet, mit denen der bisherige Finanzrninister auf das Ergeben­heitsielegramm des Deutschen Ostmarkenvereins, in dem dieser der tatkräftigen, nie versagenden Unterstützung der Förderung des Deutschtums in den Ostmarken dankbar ge­denkt, antHM)riete:Ich bleibe, ivie ich war!" Das be­deutet, so argumentierte kürzlich dasLeipz. Tagebl.", eine Absage an den Väinisterpräsidenten, der nicht bleibt, wie er war. Kommt noch hinzu, daß die letzthin auf­getauchte Meldung von einer Neubesetzung des erz- bischöflichen Stuhles von Posen - G n e s e n durch einen vermittelungsfreunblichen Polen nicht mit der nötigen Entschiedenheit abgetan wurde. Gleich hinterher tarn die Meldung von der Ernennung des polnischen Dom­herrn Jasinski zum Weihbischof von Gnesen, und die offi­ziöse Presse fügte hinzu, daß Jasinski zwar Pole von Geburt, aber Deutscher von Gesinnung sei. Bei aller nüchternen Betrachtung der Dinge wird man doch zugeben müssen, daß die Befürchtungen über eine Schwenkung der Regierung in der Poleirpolirik nicht allzu unbegründet sind. Wenn man die Gerüchte über die Neubesetzung des Posener Erz­bistums als Stimmungsmache bezeichnet, jo ist doch die Absicht, Stimmung zu machen, an sich schon bemerkenswert genug. DieNordd. Allg. Ztg." ist auch in dieser Frage außerordentlich schweigsam; es wird also auch hier darauf ankommen, die Taten der neuen Herren unter Bethmanns Führung abzuwarten. DieSchlep Ztg." ist in dieser Be­ziehung freilich ziemlich optimistisch. Sie erinnert an des Kanzlers Worte bei der Kättowitz-Jnterpellation im Januar d. I. im Reichstag, und meint, man dürfe nicht annehmen, daß §evc von Bethmann-Hollweg in einem halben Fahre feine Meinung geändert habe. Nun, Meinung Säuberung en vollziehen sich nicht selten sehr rasch, und es ist immerhin bezerchnend, twß es dieSchief. Ztg." trotz ihres Optimis­mus für notwendig hält, den Kanzler an seine damaligen Worte zu erinnern.

Vie reichslündische wahlrechtssrage.

Veranlaßt durch eine Polemik mit reichsländischen Zentrnms- btättem wird derStraßburger Post" von ihrem Berliner Ver­treter bezüglich der Wahlrechtsfrage in Elsaß-Lothringen, über welche jüngst in Berlin zwischen dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg, dem Grafen von Wedel und dem Staatssekretär Zorn von Bulach eine Besprechung stattgefunden hat, festgestellt, daß neue Projekte bei dieser Beratung zur Sprache kamen; welches von diesen Projekten zum Entwurf ausgestaltet werden wird, das hänge freilich nicht von der übereinstimmenden Meinung der Reichsregierung und der elsässischen Landesregierung ab, son­dern von der Möglichkeit, es im Reichstag und im Bundesrat durchzusetzen. Soviel stehe aber jetzt schon fest, daß das nackte Reichstagswahlrecht nicht kommen werde. Durch das Verhalten des Landesatrsschusses seien neue Schwierigkeiten geschaffen, zu deren Beseitigung das rechte Mittel zurzeit noch nicht gefunden ist.

Die Lösung Oe. kretischen Krtfis.

DerKölnischen Zeitung" wird aus Kanea vom 7. Juli gemeldet: Die Krisis ist durch Nachgeben gelöst. Die Opposition erklärte Venizelos, sie halte an der Ansicht f e st, die M u s e I m a n e n a u s z u s ch l i e ß e n, an­erkenne aber das Recht einer über die Mehrhe.it verfügenden Regierung, den Schutzmächten die Zulassung zu zu sagen. Die Opposition werde der Ne­gier!, "ig helfen, die Ordnung zu erhalten, bewillige vier Zwölf«el des Budgets und wünsche eine Kammertagung bis zum 14. ^eptembcr. Nach der Sitzung der Kammer am nächsten Samstag wird Venizelos die Schutzmächte benachrichtigen. Die Stimmung ist hier ziemlich xuhig.

Kanea, 8. Juli Da die Opposition in der gestrigen^Ver­sammlung erklärte, daß sie es-der Regierung freistelle, den «Schuß­mächten die Zulassung der muselmanischen Depu­tierten zur Nationalversammlung mit enteilen, wird diese für Samstageinberufen.

Paris, 8. Juli. Eine sichtlich vom Quai d'Orsay stam­mende Note über den gegenwärtigen Stand der Kreta-Frage besagt: Die vier Schutzmääste dürften, bevor sie an die Durch­führung der Vorschläge gingen, wahrscheinlich durch Vermittelung der Konsuln bei ben Kretern einen letzten Versöhnungsversuch unter­nehmen und, sie auf die ernsten Gefahren ihrer unnachgiebigen Haltung aufmerksam machen.

Ausland.

In der französisch en Kammer richtete der Depu- tierte Bousson (Soz.) eine Interpellation an die Regierung wegen der gesetzwidrigen Verwendung von Afri­kanern an Bord von französischen Da mp ferm Er machte dem Unterstaatssekretär Cheron den Vorwurf, daß er sich in parteiischer Weise in den letzten Streik der eingeschriebenen See­leute in Marseille eingemischt habe. Cheron erwiderte, er habe nur seine Pflicht getan, indem er die sozialen Gesetze zur An­wendung gebracht, die Versuche, Unordnung zu stiften, unterdrückt und die Verhaftung der Disziplinverbrecher angeordnet habe. Die Kammer nahm darauf mit 367 gegen 95 Stimmen eine Tagesordnung an, bie der Regierung das Vertrauen ausspricht.

Der spanische Ministerpräsident Canalejas verlas den Entwurf zum sogenannten Gesetz Cadenas, das die Nieder­lassung neuer religiöser Gesellschaften in Spa­nien untersagt, bis die Verhandlungen zwischen Madrid und dem Vatikan über die Reform des Konkordats beendet sind.

Der Senat von Finnland beschloß die Veröffent­lich u n g des vom Kaiser bestätigten Finnlandgesetzes gegen ben Antrag des Berichterstatters. Der Prokurator erhob gegen bie Veröffentlichung Einspruch.

Die Versetzung des englischen Botschafters in Kon­stantinopel Lowther nach Petersburg ist nunmehr ent­schieden; über seinen Nachfolger ist noch nichts bekannt.

Die PariserAction" will aus guter Quelle erfahren haben, baß bet türkische Finanzmini st er Djavid Bev mit der Ottomanbank über eine Anleihe von 250 Millionen Franks verhandle. Unter ben von her französischen Regierung für bie Bewilligung dieser Anleihe aufgestellten Bedingungen befinde sich auch die Konzession für das Eisenbahnprojekt Samsun Siwas. Djavid Bev habe übrigens hier auch lvegen Verkaufes der Kronjuroelen verhanbelt.

Der frühere Sultan von Marokko Abdul Asis ist an Bord des DampfersSchleswig" vom Norddeutschen Lloyd in Alexan­drien abgefahren, um sich nach Jerusalem zu begeben.

Aus N e w y o r k wird gemeldet: Das Konfektions­geschäft ist durch den Generalstreik lahmgelegt, an dem gegen 5080 000 Arbeiter teilnehmen. Sie sollen reichliche Geld­mittel haben. Es wird der schwerste Lohnkampf seit 15 Iahten erwartet.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 9. Juli 1910.

** Tageskalender. K i n e m a t o g r a p h: Täglich Vor­stellung.

Biograph: Täglich Vorstellung.

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** Die BerkehrZ-Einnahmen aus dcm Per- sonen-unb Güterverkehr betragen nach vorläufiger Feststellung: für die Eisenbahnbirektionsbezirke Frankfurt a. M. unb Mainz: im Mai 1910 11943 000 Mk. ober gegen bas Vorjahr mehr 831000 Mk. = 7,48 Proz.; in ber Zeit vom Beginn des Rechnungsjahres 22 286 000 Mk. oder gegen bas Vorjahr mehr 1 378 000 Mk. = 6,59 Pwz.: für bie Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft: in jitai 1910 164123 000 Mk. ober gegen bas Vorjahr mc.r 13 358000 Mark = 8,86 Püoz.; in ber Zeit vom Beginn des Rech­nungsjahres 321270 000 Mk. oder gegen bas Vorjahr mehr 21681000 Mk. = 7,24 Proz.

** Prinzessin Ludwig von Battenberg ist mit ihrer Tochter Luise, von London kommend, n. b.Darmst. Ztg.", in Darmstadt eingetroffen und hat sich zum Sommer» aufentholt nach Schloß Heiligen berg begeben, wo auch Prinz und Prinzessin Andreas von Griechenland dem­nächst eintreffen werden.

** Pfarrperfonalien. Der Großherzog hat ben durch die Dekanatssynode des Dekanats Darmstadt für den Rest der laufenden Wahlperioden vollzogenen Wahlen des evang. Pfarrers Christoph Schneider zu Weiterstadt zum Dekan und des evang. Pfarrers Konr. Veite zu Darmstadt zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Darmstadt die Bestätigung zu erteilen; dem Pfarrer Herrn. Sack zu Bosen- heim die evang. Pfarrstelle zu Nieder-Weifel, dem Pfarrer Ludw. Scr iba zu Groß-Winternheim die erste evang. Pfarr­stelle zu Groß-Gerau, dem Pfarrverwalter Rich. Ölff zu Badenheim die evang. Pfarrstelle daselbst und dein Pfarr­verwalter Herm. Kahn zu Undenheim die evang. Pfarrstelle daselbst übertragen.

Oberrechnungskammer. Der Großherzog bat den Kanzlisten bei der Oberrechnungskammer, Michael Nebhuth, auf fein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung feiner Gesundheit in ben Ruhestand versetzt.

* * S t e u e r d i e n st. Der G r o ß h e r z o g hat den Haupt­steueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Mainz, Wilh. Nebhuth, auf fein Nachsuchen wegen Uebertritts in den Reichsdienst aus dem Staatsdienst entlassen.

* *9(115 dem Militärwochenblatt. Ober-Jnten- danturfekretär Trost vom 18. zum 8. Armeekorps versetzt. Kuhn, Oberzahlmstr. von der 1. Abteil, des Großh. Art.- Korps, 1. Hess. Feldart.-Regts. Nr. 25, auf feinen Antrag mit Pension in ben Ruhestand versetzt.

* * Notariatswefen. Der Großherzog hat den Gerichtsassesfor Aut. Jos. Weber aus Dromersheim zum Notar mit dem Amtssitz in Alzey als Nachfolger des Notars Bohn ernannt.

* * Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lauterbach.

* * Neue Hundertmarkscheine wurden am 1. Juli dein Verkehr übergeben. Diese neuen Ncichskasseuscheine sind fast so groß wie die Taufendmarkscheine, tragen die üblichen allegorischen Darstellungen von Landwirtschaft, Handel und Ji^dnstrie, sind tiefblau in Farbe gehalten wie die alten und haben als Wasserzeichen das Bild Kaiser Wilhelms I.

** Brandversicherungskasse. Der Gesamt- 5 e b a r f ber Kasse aus bem Jahre 1909 berechnet sich solgenbermaßen: an Brau ben ts chä b i g u n g eu finb zu zahlen in ber Provinz Starkenburg 331 Ö70 Mk. 32 Psg., in Oberhessen 210 838 Mk. und in Rheinhessen 153 2*02 Mark 58 Psg., an Entschädigungen zusammen 695110 Mk. 90 Psg. Die größte Entschädigung beanspruchte der Braud Her Maschinenreparaturwerkstätte ber Main-Neckar-Bahn in Darmstabt am 8. Juni 1908, nämlich 80 591 Mk. In Ober Hessen würben u. a. für folgende größere Brände .Enkschädigungen bezahlt: 15 686 Mk. vom Brand zu Reimen­

rod am 31. Januar, 10 248 Mk. vom Brand zu Elbenrod am 6. Mai, 56 732 Mk. vom Brand zu Ober-Moos am 25. Mai, 24 330 Mk. vom Brcmb zu Reibertenrod am 30. August. An sonstigen Kosten sind gu zahlen 585 578 Mk. 87 Pfg., zusammen also 1280 689 Mk. 77 Pfg. Gemäß der Ver­fügung des Ministeriums des Innern vom 15. Juni 1910 soll dieser Bedarf durch einen Ausschlag von sechs Pfennig auf je einhundert Mark Umlagekapital, das zum Ausschlag für das Jahr 196*9 in der Provinz Starkenburg 958615 720 Mark, in Oberhessen 517 566 480 Mk. unb in Rheinhessen 734 238 530 Mk., im ganzen 2 210 420 730 Mk. beträgt, ge- beert werben unb bie Erhebung bieses Beitrages in ben ersten 25 Tagen bes Monats August d. I. in einem Ziele erfolgen.

** Stadttheater. Da Johann Strauß' Operette Wiener Blut", die am kommenden Dienstag gegeben wird, drei erste Sängerinnen verlangt, so wird neben den Damen Brill und Rosarita noch Frl. Alma Walle vom Enlser Kurtheater Mitwirken und zwar in der Paraderolle der Pepi Gleininger. Die Dame steht ja von der Operetten­vorsaison des Emfer Personals her hier noch im besten Andenken.

** Der Kaufmännische Verein hält sein Som wer­fest morgen in Steins Garten ab. Zu Konzert und Tanz spielt bie Kapelle des hiesigen Regiments und für die lieben Kleinen werden zahlreiche Belustigungen unter Leitung der Kindergärtnerin Frau Hermine Fortong geboten. Die Ver­anstaltung verspricht einen schönen Verlauf, auch bei Regen- ivetter, da dann die Säle ein gutes Unterkommen er­möglichen.

** Eine reichliche Ernte an Beerenobst hat in unseren Gärten und Wäldern begonnen. Die Stachelbeeren, Johannistrauben, Heidelbeeren und Himbeeren erfreuen sich gerade in diesem Jahre der größten Aufmerksamkeit unserer Hausfrauen. Da für den Herbst die Zwetschenernte fast gänzlich ausfällt, kann auch der Zwetschenhonig kaum gekocht luerben. Deshalb sorgen die Hausfrauen schon jetzt für ihren Winterbedarf und die gute Beerenerute fonunt ihnen zu statten. Die Preise für die Beeren sind nicht niedrig, das Pfund Stachelbeeren kostet 15 Pfennig, Johannistrauben 2225 Pfennig, Heidelbeeren das Liter 2426 Pfennig, Himbeeren sind noch teurer. Die Kirschen sind dieses Jahr teuer und kosten das Pfund 40 Pfennig und mehr.

** Eigentümer gesucht. In der Nord-Anlagi wurde in der Nacht zum Freitag ein großer Henkelkorb mit nasser Wäsche, bestehend in Hemden, Blousen, Taschen­tüchern 2c. aufgefunden. Jedenfalls sind die Gegenstände gestohlen. Der Eigentümer kann sie am Polizeiamt abholen.

* Diebstahl. Von einem Milchwagen wurde heute morgen in der Ludwigstraße ein Korb mit 16 Pfund frischer Butter von unbekannten Tätern gestohlen.

** Zur Typhus-Epidemie in Gonterskir- chen wirb uns von hort geschrieben: Wohl liegt eine große Anzahl von Typhuskranken damieber unb beläuft sich die Zahl nunmehr nahe auf 60. In Villingen ist eine, in Ruppertsburg zwei unb in Freienseen ist eine Person er­krankt. Diese vier Leute sind Arbeiter, bie hier seit Wochen tätig touren unb Wasser in größeren Mengen von demselben Brunnen getrunken haben, wie die hier Befallenen. Es steht ziemlich untrüglich fest, baß bie Epidemie vom Wasser des mittleren Dorfdrunuens herrührt. Bis jetzt haben alle Erkrankten von biefem Brunnen Wasser getrunken. Häuser, bie ihr Wasser von anderen Brunnen beziehen, finb bis jetzt noch nicht heimgesucht. Daß ein Patient bereits starb, er war 23 Jähre alt, hängt wohl bamit zusammen, daß er einen Diätfehler begangen hat. Vom Kreisgesunb- yeitsumt unb dem hier praktizierenden Arzte ist alles ge­tan worden, um eine Weiterverbreitung ber Seuche zu ver- hinbern. Der Zustanb ber meisten Kranken ist fo, daß weitere Tobessälle nicht zu befürchten finb, wenn bie An- orbnungen ber Aerzte befolgt werben. Leider ist ein Teil von ben Bewohnern nicht zu bem Glauben zu bringen, daß es ansteckende Krankheiten gibt und daß g-ar eine An­steckung durch einen Brunnen erfolgen könnte. Einige ältere Dorfpolitiker schwören noch heute auf denguten Brunnen" und dasgute Wasser", wenn sie auch vorsichtigerweise keines davon trinken. Die bessere Einsicht der Mehrzahl verschließt sich aber nicht den Anordnungen der Behörden unb ruft nach einer Wasserleitung. Hoffentlich föxbert bas Kreisamt bie Erbauung einer solchen, bamit in kurzer Zeit unsere ungesunben Wasserverhällnisse behoben finb, zumal der Gemeinderat einftimmig eine Wasserleitung beschlossen hat unb mehrere gute Quellen ben Wasserbebarf liefern tonnen. Befürchtungen wegen Verbreitung ber Seuche nach anderen Orten finb nach bie)en Darlegungen nicht zu hegen.

** In Am erika verstorbene Hessen. Frau Katharina Röhrig geb. Grünewalb, 66 Jahre alt, pus Schaafheim bei Dieburg, in Schilo Valley.

= Großen-Bufeck, 9. Juli. Bei bem am 6. d. M. in Gießen abgehaltenen Ziegenmarkt, verbunden mit Prä­miierung, waren von hier sechs Ziegen aufgetrteben, von denen eine Milchziege des Hch. Wagner XVIII. mit dem ersten Preis und eine demselben Besitzer gehörige Zeit­ziege mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurde. Den übrigen vier aufgetriebenen Ziegen wurden Anerkennungen zuteil. Der hiesige Ziegenzuchtverein besteht erst feit 1. Januar 1909. tim fo mehr ist dieser Erfolg anzuerkennen, der ein Beweis dafür ist, daß der Zuchtverein bestrebt ist, erst­klassiges Material zu züchten.

Altenburg (Oberhessen), 8. Juli. Der bisherige Leiter der K a is er l. B au in s p e kt iv n in D eu t s ch o stafr ika, Alfred L i p o w s k i, ist hier zur Sommerfrische eingetroffen, von wo aus er gleichzeitig eine Kur in Bad Salzschlirf verbindet. Herr L. ist einer unserer bekanntesten Ostairikaner, der sich besonders um die bauliche Entwickelung dieses Schntzgebietes, sowie im politischen Leben im Interesse dieses Landes seyr verdient gemacht hat, wofür feine verschiedenen Auszeichnungen Zeugnis geben. Er ,var der e r st e h e s s i s ch e B e a in t e , der 1895 in den K o l o- nialdienst des Reiches eintrat, aus dem er jetzt mit ber gesetzlichen Pension ausgeschieden ist.

r. Groß-Felda, 8. Juli. In ber Gegend Von Wind­hausen ging gestern ein fürchterliches Hagelwetter nieder, man konnte noch lange dcnrach die EiSstücke auf ben Straßen zu Haufen zufammenkrhren. Es iuerbcn Hagelscl>äden bis zu 50 Prozent bezahlt, aber die meisten Landwirte sind nicht versichert. Im Feldatal ist gestern ein Teil Heu nach Hanse gekommen, heule hoffte man ben Rest des gemähten Futters, das zum Teil schon 14 Tage liegt, beim zu bringen, da setzti! heute früh wieder Regen ein und hielt fast ben ganzen Tag an. Ein großer Teil bes Futters ist tatsächlich verloren. Uirsev Tütchen, dem ber moderne Bahn verkehr noch abgeht, bietet eine große Menge landsck>aftlicher und natürlicher Reize, leider ist ber Tour ist enverkech' noch gering. Das rot-weiße Band luirb aber auch uns nach unb nach TouriMu zuführe.u, sobald wir nur mehr bekannt finb.