Ausgabe 
1.12.1910 Zweites Blatt
 
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gezogen warben fet Intb' StefcTSe auf 3600 Mar? Ur 5e1rrfct tinb auf 2650 Mark für Lehrerinnen festgesetzt wurde. Der Ausschuß beantragt mit Stimmengleichheit, dem Antrag keine Folge zu geben.

Abg. Bach (Ntl.) wendet sich gegen den Ausschußantrag und legt die Berechtigung der Forderung des Antrags Pagenstecher näher dar. Es sei doch die natürliche Folge, daß mit dem erhöhten Gehalt auch die Pension steigen müsse. Der Redner ersucht das .Haus dringend, den Antrag Pagenstecher anzunehmen.

Geheimerat Süffert, der Ches der Schulabteilung, weist dagegen auf die Negierungsantwort vom 15. Dez. v. I. hin, worin die Gründe für die ablehende Stellung der Regierung 3U dem Antrag enthalten sind. Man könne doch nicht schon wieder eine Gesetzesänderung vornehmen wollen.

Nachdem Abg. Bach (Ntl.) nochmals seinen Standpunkt dem Regierungsvertreter gegenüber betonte, erklärte

Abg. Brauer (Bb.), daß durch Annahme des Antrags die Landflucht der Lehrer durch die beabsichtigte Besserstellung der städtischen Lehrer bezüglich ihret Ruhegehalte noch mehr verstärken würde. . Er bitte daher den Antrag Pagenstecher abzulehnen.

Bei der Abstimmung wird der Antrag gegen die Stimmen der Mbgg. Bach, Dr. Osann uni) der Sozialdemokraten abgelehnt und der Ausschußantrag angenommen.

Die Sitzung wird daraus um Uhr abgebrochen. Die nächste Sitzung findet der Volkszählung wegen, erst am Freitag vormittag 10 Uhr statt.

Das Reichsbefteuerungsgesetz im vuvgetausschuh.

:: Berlin, 30. Nov.

Der Bud getaus schuß des Reichstags trat heute zur Be­ratung des ihm vor der Sommervertagung überwiesenen Entwurfs eines Reichsbesteuerungsgesetzes zu­sammen. Es handelt sich hierbei um die Besteuerung der R ei ch S b e t r i e b e zugunsten der Gemeinden. Ter Aus­schuß beschließt, zwei Lesungen abzuhalten und einen schrift­lichen Bericht zu erstatten. In der allgemeinen Aussprache gehen die Ansichten über die theoretische Seite der Vorlage weit auseinander. Namentlich vom Zentrum wird der bundesstaatliche Charakter des Reichs gegenüber den Kon­servativen betont Die Steuerpslicht der Offi- tzierkasinos und der Kantinen wird von der Re­gierung ausdrücklich bestätigt, soweit sie nicht aus Reichs­kosten betrieben werden. Mit dieser Aenderung wird § 2 der Vorlage, wonach das Reich Freiheit von allen Staats- steuern mit Ausnahme der Abgaben von Malz und Bier genießt, einstimmig angenommen.

Nach § 5 der Vorlage ist eine Gemeinde, welcher infolge eines in ihr oder in einer nahegelegenen Gemeinde aus Reichsmittcln unterhaltenen fabrikmäßigen oder sabri.- ähnlichenReichsbetriebes Ausgaben erwachsen, berechtigt, von dem Reiche einen Zuschuß zu ihren Ausgaben zu verlangen, sofern die in der Gemeinde wohnenden und in den Betrieben beschäftigten Arbeiter und sonstigen Ange­stellten mit einem Dienstein kommen von nicht mehr als 2000 Mark nebst ihren Haushaltungsangchörigen mehr als zehn vom Hundert der Zivilbevölkerung der Gemeinde aus­machen.

Das Zentrum beantragt, die Einkommengrenze von 2000 Mark zu beseitigen und den Prozentsatz der in Reichs- betrieben beschäftigten Bevölkerung von 10 auf 2 Proz. herabzusetzen. Ein Antrag der Fortschrittspartei will die Bemessung des vom Reich hiernach an die Ge­meinden zu zahlenoen Zuschusses ändern. Nach der Vor­lage berechnet er sich aus 30 Proz., falls die Arbeiter usw. mehr als 10 bis einschließlich 20 vom Hundert der Zivil­bevölkerung ausmachen, aus 50 Proz. bei 21 bis 40 vom iHundert der Zivilbevölkerung, aus 70 Proz. bei 41 bis 60 vom Hundert und auf 90 Proz. bei mehr als 60 vom jHundert der Zivllbevölkerung.

Der Antrag der Fortschrittspartei will bei 2 bis 25 chom Hundert den Zuschuß auf 50 Proz. bemessen, bei 126 bis 50 vom Hundert auf 75 Proz. und bei mehr als 50 vom Hundert der Zivilbevölkerung auf volle 100 Proz. der Ausgaben. Bei der Begründung der Anträge wird speziell aus die Verhältnisse von Kiel hingewiejen, das, .falls die Fassung der Regierungsvorlage aufrechterhalten bleibe, wahrscheinlich von der Steuer des Reichs nichts erhalten würde, obwohl gerade für Kiel die Notwendig­keit einer Steuerpflicht des Reichs ganz besonders in Be­fracht komme. Von der Regierung wird erklärt, daß man Au den Abänderungsanträgen noch lerne Stellung nehmen tönne, jedoch schon in der nächsten Sitzung die erforder- lichen Berechnungen vorlegen werde. Ein zu weites Herab­gehen des Prozentsatzes gefährde das Zustande- ckommen des Gesetzes. Die Konservativen stellen den !Vermittelungsantrag: 5 Proz. (statt 10 und 2 Proz). ^Donnerstag Wetterberatung.

Die Reichrversicherungrordnung.

:: Berlin, 30. Nov.

Der Reichsversicherungsausschuß führte heute die Be- rakung der Invaliden- und Hinterbliebenen- versrcherung fort Durch Aenderung des § 1308 wurde dem Gesichtspunkte Rechnung getragen, daß derReichszuschuß unter allen Umständen von der Anrechnung der rcrchsgesetz- lichen Hinterbliebenenversicherung aus die kn appsch östlichen Leistungen freibleiben soll, d. h. es soll im ganzen min­destens der Reichszuschuß mehr gezahlt werden als die i> wellige knappschaftliche Hinterb.llbrnenunlerstützung be­tragen würde, falls der Verstorbene reichsgejetzliche An­sprüche für seine Hinterbliebenen nicht erworben oder sie wieder verloren haben würde. Nach § 15 können Pionen die in einer B e t r i e b s s i l i a l e beschäftigt finb, bei der Versicherungsanstalt des Betriebssitzes, auch wenn es eine andere als die eigentlich zuständige Anstalt ist, versichert werden. Die in erster Lesung gestrichene Bestimmung der Vorlage, daß Mitglieder einer Betriebskrankentasse auf Antrag des Arbeitgebers dort versichert werden muffen, wurde wieder hergestellt B-kanntftch m^ß her­nach bei der Beratung der Kranlenversicherung die in erster Lesung entstandene Lücke in bezug aus die Weiter­existenz der Betriebskrankenkassen noch erst ausgesüllt werden.

Von konservativer Seite wird zum § 1341 be­antragt, daß, soweit der Voranschlag für H e i l v e r s a h r e n oder Jnvaltdenhauspjlege sieben vom Hundert der Beitragseinnahmen überschreitet, die Ueberschrettung der Ge­nehmigung des Reichsversicherungsam.es b-dars. D e An­nahme dieser Bestimmung toiri) von der R.gllrung dring.no empfohlen, well die Gefahr bestehe, daß einzelne Ver.rche- rungsanstalten in den Aufwendungen für das Heilver.ahren zuweit gehen; sogar bis zu 25 Proz. der Bettragseinnahmen Der Vertreter der Fortschrittspartei spricht sich mit aller Entschiedenheit gegen die Einschränkung der B.sug msse der Jnvalidenanstalten aus, da diese Aufwendungen doch lediglich im Interesse der Versicherten eriolgten. Ebenso wird die 'Bestimmung von sozialdemokrati­scher Sette bekämpft, während Zentrum, Reichs- Partei und Nationalliberale dem konservativen An­trag beitreten.

'Me Volkspartei stellt den Unterantrag, daß die Geneh­migung nur versagt werden dars, wenn die sinanzi lle Sicher­heit der Versicherungsanstalt gefährdet wird. Ein natio­nalliberales Mitglied beantragt:D-as Reichsversickerungs- amt hat dabei "die Leistungsfähigkeit der Versicherungs­anstalt zu berücksichtigen." Tiefer nationalliberale Antrag wird angenommen und mit diesem Zusatz der Antrag der Konservativen.

Weiterberatung Donnerstag.

Hauptversammlung der Deutschen ttolonialgesellschast. ^.Elberfeld, 30. Nov.

Unter dem Vorsitz des Herzogs-Regenten von Braunschweig, Johann Albrecht zu Mecklenburg, trat heute hier die Deutsche Kolonialgesellschaft zu ihrer diesiährigen Hauptversammlung zu­sammen, nachdem gestern abend eine Begrüßungsfeier in den Sälen des Rathauses die Tagung eingeleitet hatte. Aus allen Teilen des Reiches und von allen Ortsvereinen sind Delegierte erschienen, darunter eine große Anzahl von Vertretern des Relchs- kolonialamts, der Marineoerwaltung und des kolonialen Frauen­bundes.

Zur Verhandlung steht u. a. die Frage der Ausweisung von Reichsange hörigen aus den deutschen Kolonien; ferner die Frage der Beschaffung von Gouvernementsdampfern in Deutsch-Guinea; ferner liegt ein Antrag vor auf Errichtung einer Zentralstelle für Wasserwirtschaft, die alle Nachrichten über die von den verschiedenen Kolonialstaaten auf wasserwirtschaftlichem Gebiet gemachten Anlagen und Erfahrungen sammeln soll. Weiterhin wird sich die Kolonialgesellschaft mit der von der Reichsregieruug geplanten Errichtung eines obersten ft o - lonial-undKonsulargerichtshofesim Deutschen Reich beschäftigen, und endlich sollen u. a. noch Anträge beraten werden, in denen die Förderung und Erleichterung der Auswanderung fn die deutschen Kolonien verlangt wird.

Der Vorsitzende HerzogJohannAlbrechtvonMeck- l e n b u r g eröffnete die Verhandlungen mit einer Ansprache, in der er it a. sagte: Das letzte Jahr ist leidckc nicht vorüber­gegangen, ohne daß wir schmerzliche Verluste zu beklagen hätten. Dr. Schröder-Boggelow, unser langjähriges Ausschußmitglied, ge­hörte als Mitglied unserer Gesellschaft dieser seit der Begründung an und unterstützte alle Bestrebungen auf kolonialem Gebiete mit schaffens freudiger Begeisterung. Mit Direktor Meyer Delius ist weiter ein Mann aus dem geben geschieden, der das volle Ge­wicht seines Lesenswertes zu Gunsten oer deutschen Kolonien in die Wagschale warf zu einer Zeit, da noch viele an eine solche Aus­dehnung des überseeischen Deutschland nicht glauben wollten, als ein Mann, der sich um die Deutschwerdung Deutsch-Samoas große Verdienste erworbm hat. Ferner beklagen wir das Ableben Seiner Exzellenz des Staatsministers v. Hofmann, der sich mit Hingebung in den Dienst der kolonialen Sache und der Deutschen Kolonialgesellschaft gestellt hatte, in welcher er lange Jahre mit bewährter Schaffenskraft und erprobter Pflichttreue die Stellung eines stellvertretenden Präsidenten einnahm. Still und verschlossen nach außen hin schreitet die Entwicklung unserer Kolonien weiter vor. Sie befindet sich in einem Zustande, wie wir es ihnen nur wünschen können. Aber gerade diese Art erweckt vielfach in Kreisen, die unseren Bestrebungen fernstehen, die Ansicht, als sei ein Still- tand in der Entwicklung unserer Kolonien eingetreten. An uns, der Deutschen Kolonialgesellschaft, ist es, derartigen Anschauungen entgegenjutreten. Bei unserer letzten Zusammenkunft in Dresden wurde die Notwendigkeit erkannt, die Bureauräume in einem eigenen Hause unterzubringen. Infolge der unermüdlichen Tätig­keit unseres stellvertretenden Vorsitzenden Kontreadmirals Strauch gelang es, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung zu begründen, und so erhebt sich in Berlin stolz das Gebäude der Deutschen Kolonialgesellschaft. (Lebh. Beifsall.)

Bei den nunmehr folgenden Wahlen wurden als Ausschuß­mitglieder neu bezw. wiedergewählt Direktor Bornhaupt, Oberstabsarzt Kuhn, Lange und Dr. Schulte im Hofe. Der Kolonialschule in Witzenhausen wurde wieder ein jährlicher Zuschuß von 3000 Mark bewilligt. Außerdem wurde ein Betrag zur Beschickung von kolonialen Ausstellungen int In- und Auslande ausgeworfen.

Bei der Besprechung der Bewilligung für die Kolonial- ' chule wurde auf die bedeutenden Erfolge der Schule in bezug auf )ie praktische Ausbildung von Kolonisten hingewiesen. Das Archiv ür wissenschaftliche Forschungshygiene erhielt 750 Mark. Dem Besiedlungsfonds für Deutsch-Ostafrika flössen 20 000 Mark zu. Für die zum Teü in Südkamerun tätige Forschungsexpedition von Dr. Mitsbriad und Dr. Schulze bewilligte die Versammlung ebenfalls 20 000 Mark. Dm Institut für ärztliche Mission in Tübingen wurden 1000 Mark bewilligt, Dr. Meyer (München) ür eine neue Forschungsreise nach der Insel Chantung 1500 Mark.

Nach der Mittagspause wurden interne Angelegenheiten der Gesellsck-aft behandelt. Abends fand eine glanzvolle Fest­aufführung im Stadttheater statt, an der auch der Herzog und fast sämtliche auswättige Gäste tellnahmen. Morgen werden die Beratungen fottgesetzt.

Aus Stadt und Land.

Gieren, 1. Dezember 1910.

* Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat dem Zfarrverwalter Rudolf Goethe zu Wörrstadt die evang. 3|ärr|tcUe daselbst übertragen und den evang. Pfarrer Wilh. peyl zu Neichzlshenn (Dek. Erbach) auf sein 9iachsnchen, bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, in den Ruhestand versetzt.

* Erledigte Lehrerstellen. Zwei Schulstellen zu Bretzenheim, von denen eine mit einem kath. Lehrer, die andere mit einer evang. Lehrerin besetzt werden soll. Zwei Schulstellen zu Kostheim sur einen kath. Lehrer und eine kath. Lehrerin.

* * S teueramtsp erson a lien. Der Großherzog hat den Revisionskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Rlainz Joh. Phil. Hellwig zu Mainz zum Revisionsinspektor bei dem Hauptsteueramt Darmstadt ernannt.

Saurat. Der Großherzog hat dem Banaffestor Baninspektor Karl Krauß zu Darmstadt den Charakter als »Baurat^ verliehen.

* Unfallverhütungsvorschriften für Landwir t e. Vom Vorstand der land- und forstw. Berufs- genosseuschaft für Hes,en wird uns geschrieben: Es ist den Landwirten dringend anzuraten, die Unfallverhütungsvor- christen zu befolgen und dafür zu sorgen, daß auch ihre Ar­beiter darnach handeln. Hierdurch kann ein erheblicher Teil der Unfälle vermieden werden, während sonst bedauer­licherweise Arbeitst.räfte und Vermögenswerte verloren wer­den und die Beiträge zur Unial^versicherung steigen. Der Betriebsunternehmer muß einen Umali spätestens am drittjolgenden Tage bei der Ortspoftzeibehörde an­melden. Man unterschätze die Verletzungen nicht, fei nie­mals nachlässig in ihrer Behandlung, sondern sorge von Anfang an für das beste Heilver,ahren. Man reinige sorg- ällig auch die kleinste Wunde und bedecke sie dann mit Hest- Pslafter oder einem reinen Verbände. Man ziehe baldigst einen Arzt zu Rate; bei Augenverletzungen empfiehlt es ich stets, einen Augenarzt möglichst schon innerhalb 2 4 Stunden nach dem Unfälle aufzusuchen. Dem Arzt teile man sogleich eingehend den die Verletzung verur,achen- den Vorgang mit Der Verletzte oder fein Betriebsunter­nehmer muj,en sich, wenn sie derartige Ausgaben für ein Heilverfahren nicht machen können oder wollen, möglichst

frühzeitig an die Bürgermeisterei wenden, damit diese die Hilfe der Berufsgenossenschaft vermittelt. Dem Ver^ letzten ist anzuraten, wenn die Berufsgenossenschaft ihm nach Benehmen mit dem behandelnden Arzt freie Kur und Verpflegung ht einem Krankenhaufe gewähren will, dieser Anordnung nachzukommen. Ecfahrungs^em. ß h ilen manche Verletzungen bei geeigneter Behandlung in einer prattifck eingerichteten Krankenanstalt unter fpezialarztlicher Leitung rascher und besier als das im allgemeinen sonst bei den häuslichen Verhältnissen auf dem Lande nua ich ist, zumal wenn der behandelnde Arzt weit entfernt wohnt. Die durch die Krankenhausbehandlung früher wiedererlangte und bessere Arbeitskraft wird den Verletzten für etwaige ihm durch die vorüberg.-hende Abwefrnheit von seinem Betriebe entstehenden Nachteile entschädigen. Der Ausenthalt in d.r Anstalt wird nämlich auf die zur Herbeiführung ci.ies gün. fügen Heilerfolges unbedingt notwendige Zett beschrankt.

* Reiseerinnerungen vorn Sinai. Im großen Hörsaal der Universität berichtete gestern Privatdozent Sic. ©laut im ersten derakademischen Vorträge" über seineReise, erinerungen vom Sina i". Dieses Gebirg wurde von dem Vortragenden, der sich ungefähr 70 Tage aufhielt, nach den verschiedensten Richtungen erforscht. Es liegt im Süden der Sinaitischen Halbinsel, ist wild und felsig, von vielen engen, meist wasserlosen Tälern durchschnitten und besteht der Haupts mässe nach aus Urgestein, besonders Granit, dessen massige Quader- selsen fast senkrechte, natürliche Mauern bilden. Der Aus- und 91b, iej ist sehr 5cii.aabe.1b und mitunter gefährlich. Auf dem heutigen Dschebel Musa empfing Moies der Sage nach das Gesetz, In einer Talschlucht am Fuße dieses Berges liegt das Sinai» Hofier, ein festungsähnliches Gebäude, allenthalben mit Schieß, scharten versehen. Rings herum zieht sich der Klostergarten, den die Mönche mit ungemeiner Ausdauer dem Gestein abgerungen und stusenartig angelegt haben. Angeblich wurde das ftlotfa von dem oströmischen Kaiser Justinian im Jahre 527 gegründet. Die Mönche sind wegen ihrer Enthaltsamkeit sprichwörtlich ge­worden und Bädeker rühmt von iljnen, daß sie kein Fleisch , genießen und keinen Wein trinken. Doch ist dies nur bedingungZ, weise richtig, so lange sie nämlich in ihren Klostermauern rociien, f außerhalb davon sah der Vortragende, wie sie das am Spieß i gebratene Hirschfleisch aßen und geistige Getränke tranken. Ihr Streben geht daraus hinaus, sich ein kleines Kapital zu sparen, um bann dem Kloster Lebewohl zu sagen und irgendwo vielleicht eine Schenke zu errichten. Vom Kloster aus führt em beschwerlicher 1 Weg an der Eliaskapelle vorbei auf die Höhe des Berges. Dott erblickt man neben der griechischen Kapelle eine kleine hochver­ehrte Mo.chee. Hier soll Moses gestanden haben, als die Herr­lichkeit des Herrn vorbeiging. Sehr interessant schllderte der Vortragende die in der Nähe des Katharinenklosters und auf der Spitze des Berges zur Zeit feines Aufenthaltes von den Beduinen veranstalteten Opserseierlichkeiten, wobei es nicht an entsprechenden Volksbelustigungen fehlte. So begann der erste Tag mit einem - Wettlaufe, bei dem Der Araber mit meisterhafter Gewandtheit sein Pferd dirigierte. Es wird dabei auf den ersten Blick klar, ' welch unbezwingliche Feinde eine solche durch ihre Religion fana- tifierte Retterschar bedeutet. Die Volksmenge wurde an dem Tage von dem Kloster reichlich mit Brot beschenkt. Am folgenden Tage fand das Kamelschlachten statt, doch nicht eher, als bis der ausführende mohamedanische Priester, ähnlich wie die Derwische, sich durch allerlei tanzende Bewegungen in (Sjtaie versetzt hatte. In diesem Zustande steht er nach Ansicht des Mohamedaners der . Gottheit näher und erteilt nun die nötigen Befehle und ,93er- f Haltungsmaßregeln. Das Blut der drei geschlachteten Kamele . wurde von Kindern und Frauen in Blechbüchsen aufgefangen f und als Reliquie mitgenommen, das Fleisch wird gebraten uni) J verzehrt. Die von der zahlreichen Zuhörerschaft mit Beifall r aufgenommenen Schilderungen wurden von dem Vottragendev durch Lichtbilder illustrier^

..................... I................. ..............I.....HIHI Bl I III iE Größere Geichüsts-Anzeigen für die SamStagSauSgabe beliebe man schon am Freitag - vormittag zu bestellen. Nur bann ist eS möglich, der Satz, ausstattung der Anzeigen diejenige Sorgfalt angedeihen zq lassen, die zu einer guten Wirkung erforderlich ift ' T

Kreis Alsfeld.

X Alsfeld, 30. 9!ov. Bei der am Dienstag vor­genommenen Erganzungswahl eines KreistagSmitgliedeS wurde im 1. Wahlbezirk Bürgermeister Dr. Vülsing ein* . stimmig auf die Dauer von 6 Jahren gewählt.

§ Aus dem Kreise Alsfeld, 30. Nov. Unter beit Neubauten in den Ortschaften ragen die neuen Schul­häuser besonders hervor. Ihr äußerer Aufbau, ihre . innere Ausführung stempeln sie Mustergebäuden. Alles Prunkhafte ist bei ihnen vermieoen worden, da für ihren Baumeister, den Bauinspektor Fischer, die Sparsamkett int Interesse der Gemeinden als erster Punkt in Betracht ge­zogen wurde. Unter den neuen Schulgebäuden nimmt das zu S10 r n d 0 r f die erste Stelle ein. Hierbei mußte die Hauptfront der Beleuchtung der Schulsäle wegen, dem Dorfe abgekehrt und die Rücksette ihm zugewandt werden. Die Anlegung dieser Rückseite auf einer Anyöhe in Rondell­form ist geradezu ein Meisterstück moderner Baukunst. Aber auch die Schuthäuser zu Elpenrod, Hainbach und Ilsdorf sind nicht weniger Wahrzeichen ihrer Gemein- benf Die innere Einrichtung dieser Gebäude steht bei aller Einfachheit in Sttt und Zweckmäßigkett im Einklang der Zettforderung. Auch der Umbau alter Schulwohnhäuser wie der zu Ermenrod verdient das gleiche Lob. Es ift nur zu wünschen, daß nunmehr die Gemeinden, in denen noch gesetzwidrige Schulhäuser übel Zeugnis reden, zum Heil chrer Schuljugend Nachfolgen.

X Ermenrod, 30. Nov. Die Kreis-Wander- Hau s h a 1 tu n g s s ch u 1 e beschließt am Donnerstag der nächsten Woche ihren hiesigen Kursus. Von hier aus kommt sie aber nicht in den Schwa Im gründ, da es dort zurzett an einem geeigneten Lokal mangelt, sondern nach Rupper­tenrod. Dort haben sich 22 Teilnehmerinnen und drei von Wettsaajen gemeldet. Von Ruppertenrod aus geht die Haushaltungsschule nach Nieder-Gemünden, Kestrich, Groß-Felda u. a. Orten, deren Reihen­folge noch nicht fejtsteht. In vielen Gemeinden stand man anfangs der tzaushattungsschule skeptisch gegenüber, jetzt aber lernt man ihre soziale Bedeutung schätzen.,

Kreis Friedberg.

-m. Friedberg, 30. 9tov. Zu dem neu zu erbauen­den Bahnhof sind sämtliche Arbeiten so weil vergeben, und vorausfichttich wird der Neubau anfang Januar in Angriff genommen. Der neue Bahnhof kommt eiroa 600 m nach Süden zu liegen. Die Auffüllung erfordert etwa eine Million Kubiuneter Erde. Die Bauleitung hat zn diesem Zweck einige erhöht liegende Aecker angetaust, um sie gleich zu legen und das hcerdurch gewonnene Erdretch zum Bahnbau zu verwenden. Der Preis beträgt 90 Pfg- für den Quadratmeter und nach, erfolgtem Abbau erhalten