Aus Stadt und Laird.
Gießen, 8. Juli 1910.
** Ordens an Gelegenheiten. Der Könia von .Preußen hat dem Oberstabsarzt a. D. Dr. Paul Radünz Gießen, bisherigem Regimentsarzt des 7. Lothr. J-nf.- Äiegts. Nr. 158, den Roten Adlerorden 4. Klasse verliehen.
Der König von Preußen hat den nachbenannten Personen die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen verliehenen nichtpreußischen Orden erteilt, und.;rvcrr: des Reußischen Ehren- kreu-es 2. Klasse: dem Gräflich Aserrbur gisch en Kammerdirektor Heuser in Meerholz, des silbernen Kreuzes des Lippischen Leopoltwrdens: dem Landgräflich hessischen K anzleisekretär Staab in Herleshausen.
** Lehrerpersonalien. lieb ertragen wurde dem Lehrer Herm. Donderhcid zu Eckcrrtshausen eine Lehrerstelle an der Schule zu Gustavsbnrg (Gemeinde Ginsheim), dem Schulamtsaspiranten Aug. Merz aus Lang-Göns eine Lehrerstclle an der Gemeindeschule zu Fränkisch-Crmnbach, denr Schulamtsaspiranten Gg. Sch am p aus Nieder-Saul-- 1 heim eine Lehrerstclle an der Gemeindeschule zu Bischofsheim, denr Schulamtsafpiranten Hch. Simon aus Tarm- stadt eine Lehrerstelle an der evang. Schule zu Dieburg, dem Schulamttzaspiranten H-ch. Stix aus Bischofsheim eine Lehrerstetle an der Gemeindeschule zu Kelsterbach. Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Jsenburg-Birstein auf die 3. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Münster (.'kreis Dieburg) präsentierte Schulamtsaspirant Friedr. Kü l lisch aus Dieburg, der von dem Grafen zu Erbach- Erbach auf die 3. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reichelsheim i. O. präsentierte Schulanrtsaspirant Otto, Schwanrb aus Undenheim.
** Stadttheater. Für das Operettengastspiel am kommenden Dienstag gibt sich lebhafteres Interesse kund. Johann Strauß' „Wiener Blut" gilt mit Recht als eine der melodiösesten und liebenswürdigsten Operetten und dürfte um so mehr Anziehung ausüben, als das Werk für Gießen so gut wie Novität ist. Die Aufführung ist die siebente im Operetten-Abonnement. Bei dieser Gelegenheit wird gebeten, Vorbestellungen nur an die Kasse des Stadttheaters und nicht an die Direktion zu richten, da die letzteren von der Post nach Enis geleitet werden.
** Der neue Sp o rtp l a tz des „Gießener Fußballklubs von 19 0 0" geht seiner Vollendung entgegen und wird iin Laufe nächster Woche fertiggeftellt sein. Von einer vollständigen hohen Umzäunung des Platzes, wie sie ursprünglich vorgesehen war, ist mit Rücksicht auf die Landschaft, die hierdurch verunstaltet worden wäre, abgesehen worden. Jedoch sind Vorrichtungen angebracht, die das vollständige Abfchließen des Platzes bei sportlichen Veranstaltungen möglich machen. Auch die innere Einrichtung des Platzes ist beendet. Die größte Fläche beansprucht der Fußballplatz, der eine Länge von 100 Meter und eine Breite von 70 Meter einnimmt. Ferner ist eine 130 Meter lange und 20 Meter breite Fläche für kurze Laufstrecken vorgesehen, sowie eine zirka 400 Meter lange Bahn zum Laufen über lange Strecken. Auch Anlagen zwecks Ausübung aller Spring- und Wurfarten sind vorhanden. Durch Anlage dieses neuen Sportplatzes ist es dem Klub nunmehr möglich, den gesamten Rasensport eingehender zu betreiben, als seither. Die Leichtathletik, die in ganz Deutschland in so hoher Blüte steht, hat der Klub bereits in diesem Jahre ausgenommen und es zu guten Erfolgen gebracht. Im kommenden Jahre beabsichtigt der Klub außerdem noch den Hockey-Sport hier einzuführen. Die Eröffnung des Platzes wird am 23. und 24. Juli 1910 anläßlich des 10jährigen Bestehens des Klubs stattfinden.
•• Die vom Radklub „Teutonia" in Wismar am 12. Juni und in Alsfeld am 3. Juli errungenen Preise sind im Schaufenster des Herrn Bramm, Marktplatz, ausgestellt.
** Von: Männer-Turnverein Gießen wird uns geschrieben: Bei dem am letzten Somrtag in Grünberg veranstalteten Gauturnfest hatte unser Verein ganz außerordentliche Erfolge aufzuweifen, indem er beim Einzelturnen am Morgen vier Preise in der Oberstufe und 11 in der Unterstufe, sonne drei Preise beim Einzelfechten errang. Die Vereinsriege der Aktiven am Reck kam wiederum wie voriges Jahr an erste Stelle und die Zöglingsmusterriege am Pferd erhielt den neunten Platz unter allen oder den ersten unter den Zöglingsriegen; auch die Fechterriege, die wenig Gelegenheit zum Neben hatte, errang einen) Preis. Es sind diese so günstigen Ergebnisse, ebenso wie die 18 Siege, die der Verein auf der Gauturnfahrt in Münzenber'g errang, ein Beweis, daß int Männer-Turnverein fleißig und wacker geturnt wird. Den Turnern ist der Erfolg in Grünberg um so höher anzurechnen, weil sie durch die kurz vorher abgehaltene Jubelfeier sehr in Anspruch genommen waren. Zu Ehren der Sieger findet am Samstag ein Festkommers statt (vergl. Inserat).
** Bo n den Wundernden. In der Herberge zur Heimat kehrten im Juni 1094 Gäshe (gegen 1244 im gleichen Monat des Vorjahrs) ein. Davon erhielten Herberge gegen Arbeitsleistung 533 (687). Die Zahl der Herbergsgäste im 2. Quartal betrug 3885 (3885). Im Arbeitsnachweis waren 113 offene Stellen angemeldct und zwar 63 für Handwerker und 50 für Arbeiter. Untergebracht wurden 37 Handwerker und 37 Arbeiter, so daß im ganzen 74 Stellen besetzt wurden. Die nicht besetzten 49 Stellen erledigten sich: durch Fristablauf 27, durch anderweite Besetzung 11, so daß 11 Stellen für Juli offen blieben.
** Vom Heumachen. Nach 15 Tagen Regenwetter hatten unsere Landwirte gestern endlich einen regenlosen, sonnigen Tag. Man konnte auf den Wiesen des Wieseck- und Lahntales ganze Scharen fleißiger Mäher und Heumacherinnen ehen. Am Nachmittag sah man zahlreiche Heuwagen das Futter nach Hause bringen. Leider hat es so gelitten, daß es sehr minderwertig ist.
4 Lich, 7, Juli. Heute abend brachten die Stadt und amtliche Vereine Pfarrer Frey tag, der hier schon mehrere Jahre als Pfarrassistent tätig ist und dem kürzlich die zweite hiesige Pfarrstelle endgültig übertragen wurde, ein Ständchen in Form eines Fackelzugs, ein Beweis für die reichen Sympathien, die sich Herr Freytag in der gesamten Bevölkerung erworben hat. Die Gesangvereine „Cäcilia" und „Männerquartett" trugen einige Chöre vor. Herr Heinrich Schmidt hielt eine kurze Ansprache, für die Pfarrer Freytag mit warmen Worten dankte.
r. Gründer g, 7. Juli. Der Schmuck, den die Stadt und die Häuser über das Turnfest trugen, ist entfernt, die @tabt trägt das gewohnte Aussehen zur Schau. Alt und ehrwürdig liegt der Marktplatz da, ein paar Häuser sind zu dem Fest neu herausgeputzt worden, natürlich glatt vn Heller Farbe. Was darunter steckt, ist alles glatt verputzt; ein trauriges Bild für ein so schönes altes Städtchen, das eine Vergangeuheic hat. Nur einem Haus, das altersschwach und schief steht, hat man sein schönes Hotzwerk
frei gelassen. Das Rathaus in seiner unbestimmbaren Fowbenmirkung, mit seinen schämen Bildwerken, wird doch wohl hoffentlich bei seiner demnächstigen Aufarbeitung sein natürliches Holizsachwerkkleid erhalten und dann werden Wohl auch die llntliegec ihre schönen Häuser in eben solch schöner Weise wieder zeigen. Damit wird unser altes Städtchen eine neue Anziehungskraft erhalten.
Bad-Rauhe im, 7. Juli. Wie die „Oberhessischen Volksblätter" melden, soll der hessische Staat mit einer Berliner Gesellschaft einen Vertrag abgeschlossen haben. Danach fauft die Gesellschaft Gelände am Ernst-Lu dwig- Ring zwischen Post und Usa zum Preise von 102 Mk. für den Quadratmeter und errichtet darauf ein Hotel mit 300 Betten. Der Staat leitet seine Quellen in dieses Hotel und verkauft ihm den Kubikmeter Quell - maffer für 12 Mark. Bedingung bleibt dabei, daß bit Bäder im Hotel so viel kosten sollen, wie in den staatlichen Badehäusern. Der Staat verpflichtet sich aber iveiterhin, dem neuen Hotel diese Vergünstigung 30 Jahre zu gewähren und in den ersten 15 Jahren ai niemand anders Badewasser abzugeben. Nach Ablauf von 15 Jahren soll dagegen ein weiteres Hotel mit Staatsquellen- zuleitnng auf dem siskalischen Gelände in der Nähe des Konitzkystiftes erbaut werden. (Wir geben diese Nachricht nur unter Vorbehalt wieder, da wir nicht annehmen können, daß der Staat selbst seinen mit großem Aufwand erbaute- Badehäusern eine private Konkurrenz schafft. Red.)
-^Bad-Nauheim, 7. Juli. Der frühere Ministerpräsident und jetzige Kultusminister Exz. Dr. Rovakovic von Serbien und der frühere Kriegsminister Exz. Georgern ltzsch von Serbien sind im Sprudelhotel zur Kür abgestiegen.
A Nidda, 7. Juli. Ihre diamantene Hochzeit konnten heute August Carl I. und seine Ehefrau Karoline, geb. Volz in Bellmuth feiern. Beide sind trotz ihrer mehr als 80 Jahre noch recht rüstig.
d. Mainz, 7. Juli. Das neue Justrzgebäude wurde heute nachmittag vom Mittelrheinischen Architekten- und Jngenieuren- verband und den Vertretern der Presse besichtigt. Die Fassade und den Grundriß hatte Prof. Bonartz-Stuttgart entworfen. Bauinspektor Beck weilte ein Jahr in Stuttgart und arbeitete er in Gemeinschaft mit Prof. Bonartz die Außenarchitektur und den Grundriß durch. Der anfänglich eingezeichnete Turm fiel in den neuen Plänen hinweg, wodurch 60 000 Mk. erspart wurden. Das Justizgebäude mit dem anschließenden Provinzialarresthausgebäude nebst der inneren Einrichtung erforderten einen Kostenaufwand von 3 300 000 Mk., der Platz ist dabei nicht mitgerechnet. Die Bauzeit betrug Pier Jahre. Das Justtzgebäude entspricht 27 fünfstöckigen und das Provinzialarresthaus 16 fünfstöckigen Wohnhäusern! Unter der Führung des Bauinspektor Beck wurde die Besichtigung der beiden Gebäude vorgenommen. Die Fassade des Justizgebäudes nach der Ernst-Ludwigsttaße zu schmücken die Initialen des Großherzogs, es reihen sich rechts und links das hessische Wappen und das der Städte Mainz, Worms, Bingen, Alzey, Oppenheim und zwei Sinnbilder für Architektur und Kunst an. Die Eingangshalle im Haupteingcmg des Justtzgebäudes weist herrlick^eu Schmuck an Säulen auf, im unteren Erdgeschoß befindet sich das Amtsgericht, der Schöffengerichtssaal, die Bureaus der Amtsrichter, die Amtsgerichtskanzlei und geräumige Wartezimmer. Geschmackvolle Treppenhäuser mit reich verziertem Geländerschmuck führen in die oberen Geschosse, in denen die Landgerichtssäle, Strafkammersaal, Schwurgerichtssaal, (der letztere ist sttlvoll eingerichtet), die Anwaltszimmer mit Bibliotheksälen, das Zimmer des Landgerichtspräsidenten mit seiner einfachen gediegenen Einrichtung, die des Oberstaatsanwalts und der Staatsanwälte usw. liegen, weisen eine große Flucht von Zimmern. und Sälen auf, so daß 550 Zimmerräume vorhanden sind. — Das Provin- zial arr esthaus zeichnet sich durch große Helligkeit aus. Es sind 188 Zellen für Einzelhaft und 154 für mehrere Gefangene^ davon sind 251 Zellen für männliche und 71 für weibliche Gefangenen vorhanden. Das Justizgebäude und das Provinzialarresthaus sind mit Zentralheizung und elektrischer Lichtanlage eingerichtet. Die Keller unter dem Justizgebäude werden von der Weindomänenverwaltung benützt, mit ihren Kellern unter der Domänenverwaltung können zurzeit 1200 Halbstück gelagert werden.
Oppenheim, 7. Juli. Dieser Tage fand hier in Anwesenheit von etwa 150 Teilnehmern aus allen drei Provinzen der 5. Verbund st ag des Landesverbandes hessischer Fleischbesch auer und Trichinen- s ch-a u e r statt. Auch die Regierung und die Bürgermeisterei waren vertreten. Nach der Erledigung des geschäftlichen Teiles kamen verschiedene Anträge zur Beratung. Daran schloß sich ein Vortrag des Kreisveterinärarztes Dr. Kn e ll- Gießen über „Fleischbeschau und Veterinärpolizei". Als Ort des nächsten Verbandstages wurde Nidda bestimmt. Die Versammlung schloß mit einer Vorführung des Trichinoskops durch Herrn Tamer-Offenbach.
-o. Oppenheim,?. Juli. Die Unte rschlagungen des Notars Hubert beschäftigten nun die erste Gläubigerversammlung. Es waren etwa 80 Geschädigte erschienen, im ganzen sind 111 Personen geschädigt. Die Depotunterschlagungen belaufen sich auf rund 138 000 Mark und die Verwandten werden zur Deckung nichts tun. Wie der Konkursverwalter mitteilte, ist es sicher, daß der hessische Staat die Depot- Geschädigten entschädigen wird, die sonst ruiniert würden. Die Konkurs-Bilanz weist in Aktiva 40 000 Mark auf. Davon sind 24 000 Mark gar nicht bezeichnet, weshalb eine Reihe Rechtsstreite um das Eigentum in Aussicht steht. An persönlichen Schulden Huberts sind 18 3 0 0 0 Mk. festgestellt, es ergibt sich also eine Gefamtpafstvensumme von 3 28 0 0 0 Mk., wovon 75 000 Mk. durch Hypotheken gesichert sind. Die Leute, die Hubert teilweise ihr ganzes Vermögen anvertraut haben, können aus der Masse soviel wie nichts erhalten, denn nach dem jetzigen Stand der Sache wäre mit 5—10 Proz. zu rechnen, davon sind aber noch die Kosten abzuziehen und event. Kosten für Prozesse zu bestreiten, die infolge des allgemeinen Dirrcheinanders in der Hinterlassenschaft des Notars entstehen müssen. Den Leuten wird empfohlen, sich in Gruppen einzuteilen, um so auf billigere Weise durch Prozeß die verworrene Rechtslage klären zu helfen und in den Hauptfällen zu ermitteln, wer eigentlich den Schaden ßu tragen hat, der Schuldner, der Gläubiger oder die betr. Kasse.
s. Bieber bei Rodheim, 7. Juli. Die Buderusschen Eisenwerke lassen jetzt eine Drahtseil-Bahn vom „Roten-Strauch" nach Bahnhof Wetzlar anlegen. Durch den neuen Förderschacht (150 Meter Tiefe) auf der Höhe unweit Rodheim kommt „Grube Morgenstern" wieder in flotten Betrieb. Der Transport der Erze geschah früher mit der Achse über Waldgirmes, Nauheim, Niedergirmes nach Station Wetzlar, war aber seit Jahren eingestellt.
][ Mürb ur g, 7.Juli. In einer säst mir von Studenten besuchten Versammlnng der alädem. Ortsgruppe Marburg des evangelischen Bundes sprach der nationalliberale Landtagsabgeordnete Amtsrichster Dr. Lohmann-Weilburg über die Frage: „Was lehrt uns der Streit um die Bor o - m ä u s - E n z y k l i k a?" Der Redner fordert schließlich zaim Eintritt in den evangelischen Bnnd auf.
Gerichtssaall.
Leipzig, 7. Juli. Vor dem vereinigten 2. ünd 3. Strafsenat des Reichsgerichts fand heute der Prozeß gegen die Kaufleute Albert Alfons und Karl Luck, die Kommissionärin Anna Maria Theresia Zarlenga, geb. Rübreckst, den Ge- schäftsagenten Al. W e i ß k o p f und die Malerin Josesine M auch wegerr Verrats miLitärischex MehaiU^isse statt. Nach
der Verlesung des Erösfnungsbeschlusses stellte der Reichsanwatt den Anttag, die Oeffentlichkeit dis zur Urteilsverkündiguug aus- zuschließen. Es kämen Sachen zur Sprache, deren Geheimhattung unbedingt im Interesse der Sicherheit des Deutschen Reiches notwendig sei. Ter Gerichtshof beschloß dem Anträge gemäß. Der Eröffnungsbeschluß legt den Angeklagten Albert Alfons und Karl Luck, Zarlenga und Weißkopf zur Last, daß sie in der Zeit von 1907 bis 1909 und zwar besonders in Sttaßbnrg, Kiel, dtancy und Paris sich dadurch des Verrats militärischer Geheimnisse im 3hmc der Paragraphen 1 und 3 des Gesetzes vom 3. Juli 1893 schuldig gemacht haben, daß sie sich Abschriften von Zeichnungen und Signalbüchern der deutschen Marine verschafst und diese an das französische Nachrichtenbnreau in Nancy gelangen ließen. Die Angeklagte Mauch wird der Beihilfe dazu beschuldigt. Zarlenga wird noch beschutdigt, den Versuch gemacht zu haben, sich Pläne und Uebersichtstärten von der Westgrenzc sowie von Geschoßteilen zu verschaffen.
Dortmund, 7. Juli. Tas Schwurgericht verurteilte heute abend nach zweitätiger Verhandlung den Hauptmann a. D. Gutsbesitzer Möllenhoff ans Wenies bei Hamm wegen Körperverletzung mit Todeserfolg und versuchten Totschlags unter Zubilligung mildernder Umstände zu 3l/2 Jahren Gefängnis. Der Verurteilte erschoß am 3. Juni den Gutspächter Jürging, und versuchte dessen Bruder zu erschießen.
Orleans, 7. Juli. Das Appellgericht verurteilte bnt Staatsanwalt Dur and des Gerichtshofes von Moutargis wegen eines an dem Landwirte Boivin verübten Gelderpres.-- sungsversuchs zu 6 Monaten Gefängnis.
Barcelona, 7. Juli. Der Gerichtshof verurteilte einen gewissen Villanueva als Hauptanstifter der Feuersbrunst, durch die während der vorjährigen Unruhen das Kloster de los Escolopios eingeäschert wurde, zu 14 Jahren Gefängnis und 1 700 000 Pesetas Schadenersatz.
Sport.
D. Mainz, 7. Juli. Auf der Sonntag, 10. Juli, nachmittags 3 Uhr, in Mainz stattsindenden 14. Regatta des Süddeutschen Ruderverbandes, an der sich die „H a s s i a"-Gießen mit ihren in Offenbach am 12. Juni siegreich gewesenen, jetzt noch bedeutend verbesserten Mannschaften, sowie ihrem aussichtsreichen Skuller L. Schmalz in drei Rennen beteiligt, werden folgende 9 Rennen mit beigefügter Besetzung ausgefahren: Begrüßungsvierer (Mainzer Bürgerpreis): Offenbacher „Germania", Frankfurter „Amicitia", Mainzer „Fortuna". Junior-Einer: Flörsheimer R.-Kl., Offenbacher „Germania", Mainzer „Fortuna", Gießener „Haffia", Mainzer R.-Kl. 1903. 2. Senior-Vierer (Preis des Mainzer R.- V.): Offenbacher „Germania", Frankfurter „Amicitia", Mainzer „Fortuna". Anfänger-Vierer: Mainzer Kl. 1903, Flörsheim, Mainzer „Fortuna", Limburger R.-Kl. 1907. Junior- Vierer: Limburg, Mainzer R.-Kl. 1903, Mainzer „Fortuna" „Haffia", Frankfurter „Borussia", Offenbacher „Gernrania". Großherzogs-Achter: Frankfurter „Amicitia", Niaiuzer „Fortuna", Franks. „Borussia", Offenb. „Germania". Ermunterungsvierer: Mainz. „Fortuna", Flörsheim, Mainz. Kl. 1903, Limburg. 1. Senior-Vierer (Verbandspreis): Frankfurter „Alemannia", Offenbacher „Germania", „Haffia", Mainzer „Fortuna", Frankfurter „Borussia". Tro st vierer: Meldungen 1 Stunde vor dem Rennen. Nicht zustande kamen der 3. Vierer, Senior-Einer und 2. Achter. Flörsheim fährt als Gast mit.
London, 7. Juli. In den Entscheldlmgskämpien der großen englischen Rilderregatta zu Henley sind sowohl der Vierer des M a i n j e r Ruderklubs als auch Lukas ihren Gegnern unterlegen.
wandern und Reisen, Bäder und Zommersrischen.
— Bad-Nauheim, 7. Juli. Der 4. Juli als Tag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung gilt in allen internationalen Bädern als Gesellschaftstag erster Ordnung. Ein ganz besonders festliches Gepräge zeigte Bad-Nauheim an diesem Tage. Am Nachmittage fand im neuen Konzerthause ein sehr stark besuchtes „mecting" statt, zu dem ein amerikanisches Lokalkomitee eingeladen hatte. Der amerikanische Generalkonsul Günther, seither in Frankfurt a. M., sowie der Redakteur des American Agriculturist New Bork Mr. H. Myrick hielten längere Ansprachen. Zugegen waren auch Bürgermeister Dr. Kayser und der Kurdirektor Freiherr v. 'Starck. Letzterer begrüßte die Versammlung namens der Verwaltung. Am Abend fanb in denselben Räumen ein Ball statt, sowie vor der Terrasse ein sehr beifällig aufgenommenes Feuerwerk, dessen Glanzpunkt ein im Brillantfeuer erstrahlendes Sternenbanner bildete. Das „Boston-Quartett" fang als Einlagen im Konzert der Kurkapelle vornehmlich englische Lieder. Zu gleicher Zeit hatte in den oberen Räunten des Kurhauses der Kurdirektor eine zahlreiche Gesellschaft zum Tee versammelt. — Wenngleich zurzeit durch die Ungunst des Wetters jedermann mehr denn je unter dem Regenschirm zu leben gezwungen ist, so empfindet man in Nauheim doch weniger alZ an anderen Plätzen die ungemütliche Situation. Dazu besitzt das Bad zu viel Schutzeinrichtungen und gedeckte Hallen im Freien, die Spiel- und Lesesäle, die Terrasse mit der großen Glashalle, das Tenniscafs mit seinen behaglichen Räumen, so daß man auch bei schlechtem Wetter nicht auf das Hotelzimmer angewiesen ist. Um einen Ersatz für die Unterhaltung im Freien zu bieten, findet am nächsten Donnerstag, 14. Juli, im Konzerthaufe ein großes Ballfest mit karnevalistischem Charakter — Cotillon. und Blumentouren — statt, an den es der Phantasie jedes Teilnehmers überlassen bleibt, sich mit karnevalistischen Attributen zu schmücken. — Ein treuer Kurgast, Herzog Paul von Mecklenburg, wird in den nächsten Tagen wieder zur Kur hier eintreffen.
— Allgäu, Vorarlberg und Westtirol nebst den angrenzenden. Gebieten der S ch weiz. Mit besonderer Berück- sichtigung des Bodenseegebietes, Bregenzerwaldes nub der Arlbergbahn. Von A. Waltenberger. Zwölite, bis auf die allerjüngste Zeit ergänzte Auflage, bearbeitet voir Eugen Waltenberger. Mit einer Uebersichtskarle und 17 Spezialkarten. Wien, A. Edlinger's Verlag. Tie Vorzüge dieses Spezialführers find in den Kreisen der illlpensrennde und Bergsteiger so allgemein anerkannt, daß es keiner Lobpreislmg mehr bedarf. Walteilberger schildert alles, was den Alpenfreund interessiert und was an seinem Auge vorüberzieht. Tie neue Auflage ist in allen ihren Teilen aufs gründlichste durchgesehen unb ergänzt, alle in den letzten Jahren neu geschaffenen Verkehrslinien, Hütten- und Wegbauten und alle wichtigeren Verpflegstätten sind darin aufgenommen. Ein besonderes Augenmerk wurde wie bisher auf eine möglichst etn- gehende und dabei prägnante Beschreibung der beliebtesten Stand- guartiere und Sommerfrischen in den behandelten Gebieten gelegt. Aber nicht nur der Sommerlrischier, Talwanderer und Berg^ bummler wird alle geivünschte Auskunft finden, sondern auch der Hochtourist, denn auch alle Hochtouren sind, von ganz aufeer- gewöhulichen Anstiegen abgesehen, ausführlicher wie m allen anderen Reiseführern behandelt. Allch alle wichtigeren Gelegenheiten zur Allsubung des Wintersports finb in der neuen Auflage erwähnt. Eme Vermehrung unb Verbesserung hat auch das Kartenmatenal erfahren durch die neuen, der österreichischen Generalkarte (1:20u 000) entnommenen Ausschnitte, die im militär- geographischen Jnstitilt in Wien hergestellt wurden.
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Dermijd)tc5,
* Eine vergessene Fruch t. Zu den großen Seltenheiten auf unseren Obstmärkten gehört heute die früher viel- verbreitete Mispel, die Frucht des Mispelstrauches (Mespilus germanica), der zu derselben Familie gehört wie der Weißdorn. Seine kleinen, gelbbraunen Früchte — man unterscheidet lang- gestielte Birnmispeln unb kiirzgestielte Apfelmispeln — sinb allerdings, ähnlich der Schlehe und Quitte, im gewöhnlichen Reife- znstand wegen ihrer Herbheit nicht genießbar, gewinnen aber einen angenehmen säuerlichen Geschmack, tvenn sie durch längeres Liegen auf Stroh oder durch den Frost teigig getvorden sind. ‘ Außerdem aber sind sie zctin Eimttachen sowohl wie zn>n Einkochen als Mus uub Gelee sehr geeignet, und werden darum von bei: Hausfrauen, die damit Bescheid wissen, geschätzt. Das zähe Holz des Aiispel-


