Ausgabe 
12.1.1910 Erstes Blatt
 
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Zahlungen über die zu erwartenden (Srttagniffe aus der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft (die ffcf) nach den jüngsten Nachrichten günstiger stellen, als int Voranschlag vorgesehen) beigebracht: haben wird. Die sich über den Betrag von 650 000 Mk. ergebenden Mehrer­träge sollen nicht zur Schuldenlilgung, sondern zu staat­lichen Zwecken verwendet werden. Ohne Aussprachen wird darauf Kap. 11, Lotterie, Einnahme 806 000 Mk., genehmigt: Kap. 12, direkte Steuern usw. naturgemäß bis zum Schluß der Beratung zurückgestellt. Bei Kap. 13, Landstände, Aus­gabe 140 458 Mk., beabsichtigt der Ausschuß, einer An­regung, des Präsidenten zu folgen und zu beschließen, daß zukünftig von der Drucklegung^der Vorstellungen usw. Ab­stand genommen werden kann. (Hier sollte vor allem einmal gründlich an den langweiligen, kostspieligen und vielfach zwecklosen Kammer-Erörterungen und Diäten gründ­lich gespart werden. D. Ref.) lieber Kap. 14 bis 22 (Staatsministerium) hat Abg. Reinhart das Referat. FürAuswärtige und Bundesverhältnisse" werden 38 000 Mark verlangt, 2000 Mk. für Kosten des Gesandten in Berlin wehr, als im Vorjahre. Der Ausschuß entschied sich für Streichung dieser Mehrforderung. Eine längere Aus­sprache entspann sich über Position Ober-Rechnungs- kammer, 283302 Mk. Der Ausschuß ist der Meinung, daß der hier aufgewandte Apparat von 75 Beam­ten zu groß sei und durch Verminderung der Zahl und Vereinfachung der Revisionen Er­sparnisse erzielt werden könnten. Die Beschluß­fassung wurde bis nach Anhörung der Regierung ausgesetzt, welche an der morgigen Beratung teilnehmen wird.

Der Seleidigungsprozeh Proseffor Ruhland gegen Professor Biermer.

4 Berlin, 11. Jan.

Iw weiteren Verlaus der Verhandlungen des Beleidigungs- poozesses, den Professor Ruhland gegen Professor Biermer (Gießen) enge-ftoengt hat, erklärte Geheinrcrat von Schmoll er als Sachverständiger, daß der starke Wechsel in den Anschauungen des Professors Ruhland ihn frappiert habe. Tic Berufung Ruhlands an eine deutsche Universität wurde er als ein Unglück für die deutsche Wissenschaft an­sehen. Ruhland sei anr Platze in einer Wirtscha strichen Jnteressen- vertvetung, aber nicht auf dein Katheder. Professor Tr. v. Sa- vigny äußert sich dann über die Zustände an der Freiburger Dominikaner Universität. Die Lehrfreiheit sei durch den Orden stark beeinträchtigt worden. Auch nationale Gegensätze seien zum Vorscheine gekommen, so daß 8 deutsche Pn>ftssoren die Universität verließen. Tie Aussagen einiger Freiburger Professoren, die zur Verlesung Mangen, stehen auf dem entgeg enge letzten Standpunkte. Es sei fälsch, Freiburg als eine Stätte antideutscher Verhetzung hinzustelleu.

Ter Vorsitzende des Bundes der Landwirte, Tr. R ö s i ck e , bekundet als Zeuge, daß in dem Anstelttmgspertrage des Professors Ruhland nicht davon die Rede geivesen sei, daß dieser seine wissen- schaftliche Ueberzeugung zu gunften der Jnteressenwolitik des Bundes hätte aufgeben sollen. In Verschiedenen Fragen habe Professor Ruhland eine vom Bunde der Landwirte abweichende Anschauung vertreten. Geheimer Oberregienmgsrat Tr. Elster macht Mit­teilungen über die von dem Freiherrn von Wangenheim aus- gegaitgeneit Versuche, Professor Ruhland eine reichsdeutsahe Pro­fessur zu verschaffen. Unrichtig sei es, daß er Professor Rußland dahingehende bestimrnte Versprechmrgen gemacht habe. Der erste Vorsitzende des Bundes der Larrdwirte, Freiherr von Wangen- Heim, bestätigt dem Privatkläger ebenfalls, daß es ihm im Bunde freigestandeir hätte, seine abweichenden Anschauungen bei- Fubehalten. Ter Bund lyrfe lediglich das Interesse gehabt, daß auch die wirtschaftlichen Anschauungen des Privatklägers von einem Lehrstuhl aus der deutschen Jugend vorgetvagen würden.

In seinem Gutachten schickte, wie wir derFrkf. Ztg," weiter entnehmen, Prof. Tr. Wagner voraus, daß er das Vorgehen des Prof. Tr. Biermer als psychologisch gerechtfertigt halte, denn es sei eine Lebensfrage der deutschen Universitäten, daß nicht spezielle Interessengruppen auf den Kathederrr vertreten werden. Namentlich gilt dies auch für volkswirtschaftliche Fragen. In­sofern ist das Vorgehen des Prof. Tr. Biernrer also durchaus be- rechttgt und verständlich, aber er ist in der Form zu wett gegangen und war auch in der Sache nicht auf dem richtigen Wege. Seine (des Sachoerständigen) Bekanntschaft mit Pros. Ruhland sei im wesentlichen eine flüchtige geblieben. Wenn sich bei Prof. Ruhland nun in seiner Entwicklung Aenderungen seiner volks­wirtschaftlichen Anschauungen zeigen, io sei die Frage, ob diese derart sind, daß sie ganz unvereinbar sind mit seiner wissenschaft­lichen Auffassung unb zurückzuftihren sind auf äußere 'Momente. Tie Grundanschauungen Ruhlands sind derartige, daß Fragen wie Schutzzoll oder Freihandel, Gold- oder Doppelwährung usw. für ihn unvermeidlich sekundär sind. Soweit er wirklich verschiedene Urteile gefällt habe über den Getreidezoll, dessen Höhe, Wirkung, Zweck und Nutzen. oder über die Währungspolitik, so fällt dies in dem ganzen Streit nicht so stark ins Gewicht. Wenn man ihm zum Vorwurf mache, daß er bald für Schutzzoll und bald für Frei­handel eingetreten sei, so kann er daraus Hinweisen, daß man entern Arzt keinen Vorwurf daraus machen kann, wenn er je nach den

BrOut seines Freundes, worin diese der Ankunft des Bräutigams harrt. Die Brant ringt mit dem Rasenden und stürzt ihn in den Hof hinab, wo er zerschmettert seinen Geist aufgibt. Bei der Toten­feier sinkt die Brant mit einem Schrei entfeett über die Leiche hin." Tie Partitur des Fragments schenkte Wagner bald nachher dem Musikverein in Würzburg, wo er eine Anstellung als Ehor- bireftor gefunden hatte. Nach der Auslösung des Vereins gelangte das Manuskript in die Hände eines Musikalienhändlers, von dem es Wagner später vergeblich reklamierte: von da kam es in den Besitz einer englische,! Wagnerenthusiastin, aus deren Familie es dann wieder nach Teutschlaird zarückgelangte. Heber die Musik hat sich der bekannte Musikschriststeller Tr. Richard Batka vor einigen Jähren dahin geäußert:Sie bewegt sich fest in den Bahnen der auf Webers und Marschners Spuren wandelnden beutfdjcn Kapellmeistermusik der Dreißig erfahre, verrät aber doch, wenn auch in schwachen, unscheinbaren Ansätzen, schon gewisse auf­fallende Merkmale der Technik des spateren Meisters. Ein düsteres Erinnerungsmotiv geht wie eine Ahnung des drohenden Verhäng­nisses und wie ein Tristan-Vorklang mehrmals durch die Musik."

Ein Kinder streik int Theater. Donnerstag nach­mittag hat sich im Kieler Stadttheater bei der Wiederholung des WeihnachtsmärchensAschenbrödel" eine regelrechte Streikszenc abgespielt. Die Kieler R. N. berichten darüber: Die kleinsten iMrtwirkenden, ungefähr 30 Kinder, die seit Anfang Dezember in allen Aufführunaen des Märchens als Statisten und Tänzer beschäftigt sind, haben bisher aus unerllärlicksen Gründen trotz MiederlMer Bitten ihr verdientes Spiet Honorar noch nicht erhalten und weigerten sich plötzlich einmütig, ferner mitzuwirken, wenn nicht vorher die Auszahlung eriolgte. Frei nach berühmtem Muster benutzten die Kinder den für, sie günstigsten Moment zur Erreichung ihrer Forderung, denn sie wußten, daß durch ihre Weigerung die Vorstellung in .Frage gestellt wurde. Der für die Honorarben ittigung zuständige Sladtrat M. Möller wurde sMeunigft anteleplwniert und versprach auch, die Honorare bis Freitag auszuzahlen. Doch dieses Mittel half nicht viel, denn die Kinder erklärten entmutig, derartige Verspreäsungen wären ihnen schon oft gemacht und statt dessen wären sogar immer Ab­züge durch Stad trat Möller erfolgt. Zu Weihnachten hätten sie beftimmt auf ihren sauer erworbenen kleinen Verdienst gerechnet, um dafür aller lxntb Einkäufe machen zu können, und fie wären immer wieder vertröstet worden. Erst als von verschiedenen Seiten durch eindringliches Zureden auf die kleinen gewirkt und ihnen für das Ankleiden zur Vorstellung Sck-okolade versprochen wurde, konnte die Mißstirnntung einstweilen! beseitigt und die Aufführung ermöglicht nxrbat

Verhältnissen einmal ein Schließen der Fenster, ein anderes Mal aber ein Ocsfnen der Fenster anordnet. Der Privatkläger gehe davon aus, daß unsere ganze wirtsch. Entwicklung auf falscher Bahn ich bewege, well falsche Richtprinzipien vorhanden seien. Man müsse auch nicht vergessen, daß in der Nationalökonomie un­endliche Verschiedenheiten sich geltend machen. Er halte Ruhland nicht für einen so untergeordneten wissenschaftlichen Mann, wie es Prof. Tr. Biermer getan und mit ihm die Professoren Brentano, Conrad, v. Schmoller. Für ihn sei der Beweis geliefert, daß Ruh­lands wissenschaftliche Entwickelung eine wenn auch wechselnde Stellungnahme und Beurteilung wirtschaftspolitischer Maßregeln etwas in sich Einheitliches sei, und daß der behauptete Gesinnungs­wechsel auch als Folgerung aus seinen Grundideen genügend er­klärt werden kann, ohne ihn auf äußere egoistische Beweggründe zurückführen zu müssen. Nach seiner Meinung sei Ruhland fähig gewesen, dem Bunde der Landwirte zu dienen, ohne erst einen wissenschaftlichen und agrarischen Gesinnungswechsel zu vollziehen.

Prof. Tr. Biermer: Würde der SaclwerstänDiZe nicht allein aus der Tatsache, daß der Prof. Ruhland bei öd)mii)t> mann eingetreten, auch folgern können, daß er damit etwas jetan, was seinen Grundsätzen, die er bisher vertreten, wider- prach?

Wirkt. Geh. Rat Wagner: Ich kann nicht leugnen, datz mir immerhin die Tätigkeit des Herrn Schmidtmann etwas eigen­tümlich erscheint. Ich halte es nicht für ein Glück, wenn ein großkapitalistisches System zu Bauernauskäufen führt, es sind Dort doch eine große Reihe von Bauern, die allerdings stark verschuldet waren, bei Sette geschoben narben. Ich würde es be> remdlich gehalten haben, daß ein Mann wie Ruhland sich mit derFrankfurter Zeitung" einlassen konnte. Er mußte sich.doch sagen, daß dieFrantsurter Zeitung" ihm in seinen eigentlichen Grundanschauungen über eine Umänderung der ganzen Rechts­ordnung keinen Succurs bieten werde. Was seine Beziehungen zurMünchener Post" betrifft, so handelt es sieh doch wohl nur um Zusallsgespoäche über das moderne wirtschaftliche System und Da kann man sich wohl denken, daß aus hingenwrfenen Bemerkungen des Pvof. Ruhland die Herren die Auffassung bekommen haben können, daß er ihnen nicht so ferne stehe.

Prof. Tr. Biermer: Welchen Eindruck hat auf den Sach verständigen meine Broschüre gemacht, wenn er bedenkt, daß ich die Broschüre alsStreitschrift" bezeichnet habe, und daß der Privatkläger übet das Vorgehen des Abg. Köhler-Langsdors in der hessischen Kammer selbst einen Artikel gegen mich ver­öffentlicht hat.

Geh. Rat Wagner: Taß Prof. Ruhkand sich in den Streit gemengt hat, ist falsch gewesen. Sie hatten, wie ich schon gesagt habe, gewiß das Recht und die Pflicht, als Universitätslehrer zu sagen: Sv dürfen Professuren nicht besetzt werden, aber in der Fvrm find Sie zu weit gegangen.

Ptvf. Tr. Biermer: In seiner freihänMrischcn Periode hat der Privatkläger auch für dieNation" geschrieben, das ausgesprochene Organ derjenigen Männer, die von einer solchen Rechtsordnung, wie sie Ruhland ansttebt. Nichts wissen wollen.

Geh. Rat Pwf. Wagner: Wenn ich gewußt hätte, daß er für dieNation" schrieb, würde ich dies ebenso merkwürdig inden, als wenn er für dieFrankfurter Zeitung" schrieb. Aber er hat diese Organe woU nur benutzt, um seine Gedanken auch in jenen Kreiftn zur Geltung zu bringen. Auffällig ist die Mannigfaltigkeit der Presse, die er benutzte.

Prof. Tr. Biermer: Wie urteilen Sie nach Ihrem patriotischen Empfinden darüber, daß ein Reichsdeutscher nach dem Exodus der Freiburger Professoren und noch dazu ein Pro­testant doch nach Freiburg geht? Deutet dies nicht darauf hin, daß es bent Privatkläger nur darauf ankam, den Pwfessvrentitel zu erhalten?

Geh. Rat Pwf. Wagner: Der Schritt ist allerdings be- rimckstich; ich stehe aber in Bezug auf die mitspielendcn katholischen Rtomente nicht auf dem Standpunkte des Prof. Tr. Biermer. In der Sozialpolitik haben wir doch mit den Katholiken und dem Zentrum viele Berührungspunkte.

R.-A. Go 11 s ch al k: Hält es der Sachverständige vom wissen­schaftlichen Standpuntte aus für zulässig, in wirtschaftlichen Fragen den Papst als höchste Instanz anzusprechen?

Geh. Rat Wagner: Vom wissenschaftlichen Standpunkte ist dies unbedingt abzulehnen, aber tont katholischen Standpunkte aus ist dies denkbar.

Hierauf gibt Geh. Rat Professor Tr. L e x i s - Göttingen sein Gutachten ab. Er sucht an der Hand der von dem Privat­kläger herausgegebenen Schriften und verschiedenen Aeußerungen desselben auf Kongressen nachzuweisen, daß sich in seinen An- schauungen Wandlungen vollzogen haben, die vielleicht mit seinen Grundanschauungen in Einklang zu bringen seien, die aber den Angeklagten berechtigten/ solche Wandlungen als auffällig zu erklären. Professor Tr. Biermer hatte einen ihm sehr gefähr­lichen Angriff abzuwehren, und ein sehr wichtiges Jntereffe, nämlich das der Jnteressenlosigkeit des akademischen Lehrstuhls zu verteidigen. Alles in .allem habe Professor Dr. Biermer seine Angriffe in Setätiguncr seines berechtigten Interesses ge­richtet, aber in der Form set er doch über die Grenzen hinaus­gegangen und aus dem Verhalten Ruhlands über dessen 'Motive Schlüffe «gezogen, die nicht gerechtfertigt seien.

Als letzter Sachverständiger wird Professor Werner Som­bart vernommen. Ruhland fei .augenblicklich der energischste Vertreter der sogenannten ethilchen Nationalökonomie und mit dieser Auffassung stehe er nicht hn Gegensatz zu der herrschenden Nationalökonomie. Von der ersten Zeile, die er geschrieben, führe fern Weg in den Bund der Landwirte hinein. Betrachte man äußerlich die Emanationen des Privatklägers, so könne man auf scheinbare Widersprüche kommen, betrachte inan sie aber als Aeußerungen einer ganz- bestimmten ökonomischen Grund- auffassung, so schwinden diese Widersprüche.

An dieses Gutachten knüpft sich eine sehr lange Zwiesprache zwischen dem Angeklagten und dem Sachverständigen über die verschiedensten nationalökonomischen Fragen und über die richtige Untersuchungsmethode in solchen Streitfällen.

Nachdem die Beweisaufnahme beendet worden, macht der Vorsitzende den Vorschlag, die mm schon so alte Streitsache nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme durch einen

Vergleich

zu beenden. Nach längerem hin und her über die Form dieses Vergleiches kommt dieser wie folgt zustande:

1. Professor Dr. Biermer erklärt: Ich habe mich im Gang der zweitägigen Hauptverhandlung davon überzeugt, daß der Hauptvorwurf, den ich Professor (Dr. Ruhland gemacht habe, nämlich, daß er persönlich, wissenschaftlich und politisch charatter- und gesinnungslos gehandelt habe, von mir nicht aufrecht er­halten werden kann, insbesondere nicht nach der Richtung, daß er um persönlicher Vorteile Willen seine Ueberzeugung verkauft habe. Auch nehme ich meine Behauptung, daß Herr Professor Dr. Ruhland an der Einreichung des Antrages Köhler direkt oder indirekt beteiligt gewesen sei, als unzutreffend zurück. Für ebenso« unzutreffend erkläre ich meine in der Broschüre aufgestellte Be­hauptung, daß der Privatkläger an den Schmidtmannschen Unter­nehmungen in Pinzgau nach der Richtung des Bauerlegens aktiv beteiligt gewesen unb aus seiner dortigen Stellung knall unb fall entlassen sei. Auch nehme ich die Behauptung, baß Professor Dr. Ruhland niemals wissenschaftlich ernst zu nehmen sei, nach Anhörung eines so hervorragenben unb von mir hochgesckjätzten Fachmannes, wie- der Wirkl. Geh. Rat Professor Dr. Abolf Wagner es ist, zurück. Endlich nehme ich die in meiner Broschüre vielfach enthaltenen Beleidigungen des Privatklägers auch mit dem Ausbruck des Bedauerns zurück.

2. Der Privatkläger erklärt: Ich erlläre hiermit, daß es mir fern gelegen hat, durch den Aufsatz vom 4. Februar 1903 bie persönliche ober wissenschaftliche Qualität des Herrn Professor Dr. Biermer in Ziveisel ziehen zu wollen. Soweit dies aus bem Inhalt bes Artikel? gefolgert werben kann, bebauere ich es.

3. Die Kosten des Verfahrens übernimmt Professor Dr. Biermer.

Die Verhandlung ist hiermit beendet; das Verfahren wird eingestellt .

Die Bildung -es ungarischen Kabinetts.

Osenpest, 11. Jan. Das Ungarische Korrespondenz-Bureau meldet aus Wien: Graf Khuen-Hedervary erschien am Dienstag um 11 Uhr beim Kaiser in Audienz, die eine Stunde dauerte. Hierauf begab er sich in die Kabinetts ranz lei, wo er längere Zeit verweilte; nach 1 Uhr kehrte er in sein Absteige­quartier zurück, wo er den versammelten Pressevertretern mit- teilte, daß der Kaiser ihn mit der Kabinettsbildung be­traut habe; über das Arbeitsprogramm könne er keine Mitteilung machen, bevor er nicht mit seinen politischen Mitarbeitern Rück­sprache genommen habe. Graf Khuen-Hedervary begibt sich am Nachmittag nach seiner Besitzung Hedervary, von wo er nach Ofen­pest zurückkehrt. Geheimrat Tr .v. L u k a c s wurde um 3 Uhr nachmittags vom Kaiser in Audienz empfangen, die ungefähr eine Viertelstunde dauerte. Tr. Lukacs legte den Auftrag zur Kabinettsbildung in die Hände des Kaisers zurück; der Kaiser dankte ihm für die Mühe und entliefe ihn hierauf in huldvollster Weise.

Ofen pest, 11. Jan. Dr. v. Lukacs wird als Finanz­minister in das Kabinett eintreten. Graf Khuen-Hedervary erklärte, die W a h l r e f o r m auf breitester GcuntKage durchführen zu wollen.

Aus Hessen.

** Die von der Kündigung der hessischen Regierung betroffenen Bauaspiranten haben für den kommen­den Sonntag eine Pcotestversammlung in Mainz geplant, auf der über weitere Schritte und über eine eventuelle Resolution beraten werben soll. Man erwartet das Er­scheinen einiger Landtagsabgeorbneten.

Der jn Bad Nauheim jahrelang bestehende Wahlverein der bürgerlichen Parteien", der die Interessen einer bürgerlichen Mittelstandspolitik ver­trat, hat in letzter Zeit seinen Namen geändert. Er nennt silch jetztNationalliberaler Verein" und hat sich damit infolge der vor einigen Jahren erfolgten Gründung des Freisinnigen Vereins das Gepräge eines ausgesprochen politischen Vereins gegeben. Besonders will der neue Verein neben öffentlichen größeren Versammlungen Zusammen­künfte in Form von Diskusjionsabenden mit gegenseitiger fördernder Aussprache pflegen. Am Montag abend wurde die erste derartige Veranstaltung unter dem Vorsitz von Sanitätsrat Dr. Baur abgehalten. Tie Erörterung schloß sich au einen Vortrag von Tr. Graf über die Entwicklung der nationalliberalen Partei an.

Deutsches Ueich.

Der deutsche Kronprinz und die Kronprin­zessin haben Dienstag nachmittag, einer Einladung des Fürsten v. Pleß folgend, sich nach Fürstenstein in Schlesien begeben. Abends erfolgt die Weiterreise nach Qels. Die Rückkehr nach Berlin findet Samstag den 15. Januar, abends statt.

Der Präsident des Reichstages, Graf KU Stolberg- Wernigerode, ist leicht erkältet und muß einige Doge das Bett hüten.

Am nächsten Sonntng beabsichtigt die Sozialdemo­kratie in ganz Preußen Wa hl r e ch ts v e r s a m m- lungen zu veranstalten; für Groß-Berlin sind 70 Ver­sammlungen in Aussicht genommen. Nach Anweisung der Parteileitung soll von jeder Straßenkundgebung Abstand genommen werden. _______________________

Deutsche Kolonien.

Berlin, 11. Jan. In einer dem Reichstage zugegangenen Denkschrift betreffend die V e r b ä l t n i f s c in bem deut sch-sübwe st afrikanischen Dia mantengc.biete heißt es u. a.: Diamanten finben ffch in der Dünenformatiou ber 'Je am ob in bisher iwchl picht bekannter Ausdehnung von ber Gegend Oranje bis in föic Nähe bes Kuisib. Tie Diamanten lagen nur stellenweise unb jjind von guter, regelmäßiger Bc- sckwffenheii. Anfangs zeigten sie weist nur geringes Gewicht, boch haben sich in der Folgezeit die Funbc von schwereren Steinen gemehrt. Eine größere Anzahl von Steinen bis zu 10 Karat, auch solche von 17 Karat sind gefunden worben. _ Das ganze Funbgebiet ist eine Vegetation- unb wasserlose Wüste, häufigen Sanbverwehungen ausgesetzt und ohne Verkehrswege. Tic ratio­nelle Förberung muß den größten Schwierigkeiten begegnen, soweit sich nicht die Felder in Bahnnähe befinden. Es steht heute bereits fest, daß bie Diamantförberung in rationeller Weise nur int Großbetrieb erfolgen kann. Gegenwärtig beträgt bie Monats- förberung etwa 70 000 Karat mit einem Gesamtwerte von etwa 2 Millionen Mark, welche ber Diamantmarkt bisher zu belie­big enben Preisen hat aufnehmen können.

Aus Stafct und Land.

Gießen, 12. Januar 1910.

'' Tageskalender für Mittwoch, 12. Jan. Stabt« Heater:Der selige Toupinett. Anfang 7 Uhr.

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Ordensangelegenheit. Der Großherzog hat bem Direktor im Statistischen Amt, Geheimen NegierungSrat Fuhry in Berlin, die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem König von Preußen verliehenen KronenorbenS 3. Klaffe und beS ihm von bem Kaiser von Oesterreich verliehenen Offizierkreuzes des Franz-Josef-Ordens erteilt.

Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Val. Herbert aus Klein-Hausen, eine Lehrerstelle an der Gcmeindeschule zu Hainstadt (Kc. Offenbach).

Ergebnisse der pharmazeutischen Vor­prüfung in Hessen. In den 6 Jahren 1904 bis 1909 unterzogen sich n. d. .Darmst. Ztg." 69 Apothekerlehrlinge ber Vorprüfung, also durchschnittlich 11 bis 12. Nur 2 be­standen bie Prüfung nicht. Von den 67 Bestandenen er­hielten 2 die Notesehr gut", 49 die Notegut" und 16 bie Notegenügend". Was die Prüfungstermine anlangt, so wurden im Märztermin 29, im Juni 11, im September 22 und im Dezember 7 geprüft. Ihre Ausbildung genossen 31 Lehrlinge in Starkenburg, 26 m Oberhessen und 12 in Rheinhessen, und zwar in folgenden Orten: Darmstadt 12, Gießen 8, Mainz 4, Biblis, Bingen, Butzbach, Großcn-Buseck und Grünberg je 3, neun Orte je 2 und zwölf Orte je 1. Das Lebensalter der 10 im Jahre 1909 Geprüften schwankte zwischen 20 und 23 Jahren. Nur 1 Kandidat hatte ein Lebensalter von über 25 Jahren.

Der Zusammenschluß der Hebammen in Kreis-Vereinen ist nun fast im ganzen Lande vollzogen, nachdem in der großen Mehrzahl der Kreise die Kosten, die den Hebammen durch diese Sitzungen entstehest, von den Kreisen oder den Gemeinden übernommen worden sind. Auch ist die Bildung eines Hebammen-VereinS in Gießen von den hiesigen maßgebenden Stellen in Aussicht genommen. Man hofft, daß es bald zu einem vollzähligen Zusammen­schluß aller Hebammen des Kreises kommt, damit Gießen nicht allein zurücksteht. Es ist dies umsomehr zu wünschen, als die Zuwendungen der Großh. Zentralstelle für Säuglings-