Ausgabe 
12.1.1910 Erstes Blatt
 
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Nr.S Erstes Blatt 160. Jahrgang Mittwoch IS. Januar 1S1O

Der Giehener Lnzetyer MDMüIM MU ^Mk monatlich 75Vi.,vieriel-

erschein! täglich, anher jfiaSiyti®' vr AjF MD jährlich Atk. 2.20; durch

Sonntags. - Beilagen: £ y(T? Bfe, jÄk Zk A AA M» W J6kj^ A J®k Abhole- u. Zweigstellen

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General-Anzeiger für Oberhesfen WW ?7^'T°7°snu'm« sotationstnid und Verlag der »rühl'lchen Untv.-Vuch- und Steisöruderet B. Sange. Reöaftion. «jpeöition und Vrudere«: 5chnlftratze Anzeigenteil: $>. Beck, bis vormittags 9 llhr.

Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.

politische Lagesschau.

Rot und Schwarz.

Im Rerchstagswrrhlkreis Mülheim-Wipperfürth-Gum- mersbach scheinen die Wogen der Agitation für die Reichs- taasnachlvahl hoch zn gehen. DerVorwärts" stimmt über das Verhalten seiner klerikalen Feinde das folgende be­merkenswerte Klagelied an:

Bor kurzem kennzeichneten wir bereits die Art, tote die klerikale Wipperfürther Zeitung" die Bevölkerung gegen die sozialdemo­kratischen Flugblattverteiler aufhetzt. Tie von dem Blatte yebrachtc Antwort auf seinRätsel": Was tut man mit den wSialdemo- kratischen Flugschriften, durch die Eure Angehörigeri vergiftet werden^ lautete: Man verbrennt sic! In einer anderen Nummer drohte das Blatt denVolksbcg'.ückern" undsauberen Velden , sie könnten sich leicht bei ihrer Wiederkehreine Tracht Prügel H^Ti'ese Belehrungen sind von der fanatisierten zentrums­gläubigen Bevölkerung des Kreises Wipperfürth prompt befolgt worden. Als unsere Genossen aus dem benachbarten Streue Solingen nach Erscheinen des Hetzartikels ein Wahlflugblatt ver­teilten, wurden sie in der unflätigsten Weise beschimpft, bedroht und zum Teil mißhandelt.

In der Gegend von Neschen wurden zu verschiedenen Malen Lunde auf die Flugblatwerteiler gehetzt; zumal taten sich die Frauen im Beschimpfen unserer Leute hervor. <n Grotz- Gcimberg wurden unsere Genossen von den Bauern verfolgt und bedroht. IN Bechen entgingen die Flugblattverteiler nur Mit Mühe den Mißhaiidlungen. In den meisten Fallen wurden die Flugblätter sofort zerrissen oder verbrannt. Wiederholt wurde den Genossen in dem Gebiete von Dürschcid-Kürten «schlage an- geboten. In der Gegend von Olpe und Delling wurden wieder­holt Hunde auf die Verbreiter gehetzt. In der Gegend von Lindlar hatte man die Häuser verschlossen oder die Flugblatt­verbreiter wurden hinausgeworfen mrd man versuchte, ihnen die Flugblätter zu entreißen. In Linde verbrannte man die in einer Wirtschaft ausgelegten Flugblätter, rlnderthalb Stunden lang wurden unsere Genossen von Bauern ver­so l g t Hätten unsere Leute nur ein Wort aus die Beschimpfungen erwiderr, so wären sie sicher halbtot geschlagen worden. Auf dem Wege nach Mittel-Breitenbach wurde einem Flutzblattverteilet mitgeteilt, der Pfarrer habe morgens gesagt, die Sozialdemokraten kamen; niemand dürfe auf die Straße gehen, all. Türen müßten geschlossen gehalten werden Auf der Strecke Dohrgaul-Frielingsdorf waren denn auch vielfach die Türen ver­schlossen und zugleich hatte man die Hunde los gelassen. Aus aer eigentlichen Wipperfürther Gegend wird ebenfalls das Zerreißen und Verbremien der Flugblätter, das Nachhetzen von Hunden und bergt, gemeldet. .

Wir können uns in diesen Kampf natürlich nicht em- mischen, schon darum nicht, weil das StzmmungsLild des Vorwärts" hier nicht nachgeprüft werden kann. Sicher ist nur, daß eshoch her" geht.

Giehener Stadttheater.

Romeo und Julia.

Bon Shakespeare.

Shakespeares erschütternde Verherrlichung der jungen, unendlichen Liebe, die vor keinem Opfer zurückschauert, und auch im Tod das Leben noch verklärt, erzielte bei der gestrigen Aufführung von Romeo und Julia den starken Erfolg, den klassische Werke bei den hiesigen Theaterbesuchern fast immer finden. Für die erkrankte hiesige Darstellerin der Julia war Maja Reubke vom Schauspielhaus in Frankfurt a. M. eingetreteii. Sie half damit unserer Bühne nicht nur aus einer Verlegenheit, sondern, gab uns auch Gelegenheit, eine amwttende und befähigte .Künstlerin kennen zu lernen, der alle Mittel der Schauspielkunst in reichem Maße zur Verfügung stehen. Die Darstellung der glutenwarmen Liebe Julias gelang ihr sehr gut, wenn sie auch mehr ein Weib in seiner vollen Reife, denn ein junges, unter dem Kuß der ersten Leidenschaft erblühendes Mädchen wiedergab. In ihrer Auffassung aber offenbarte sie nicht nur tiefe Empfindung, sondern auch Kraft und stürmische Beredsamkeit. Allerdings waren ihre Worte nicht immer ganz verständlich und ein kluges Maßhalten in der Verwendung ihrer gewiß nicht geringen Fähigkeiten wird der Künstlerin nur von Vorteil sein. Recht wacker hielt sich Karl Marx als Romeo und es gelang ihm auch gut, die unbändige männliche Kraft zum Ausdruck zu bringen, aber die zarten Uebergänge der himmelhoch jauchzenden, in die zu Tode betrübte Liebe vermißte ich häufig, llnd auch ihm möchte ich etwas mehr Beschränkung empfehlen. Romeos Schmerz wird viel innerlicher und tiefer wirken, wenn er weniger laut, verhaltener wird, wie Kainz ihn spielt. Unter diesem stimmlichen Ueberaufwand litt auch Ferry Taub als Thbalt, litt das Zwiegespräch von Capulets Dienern zu Anfang des Stückes. Auf dem Marktplatz unter­hält man sich, doch nicht, daß es die ganze Stadt hören kann. Hermann Bakpf schien mir als Eapulet zu be­haglich-bürgerlich, zu jovial, 3iolf Gunolt als Fürst zu

einer Teuerungszulage bitten, ohne indessen ^on früheren Vorschlägen zur Besoldungsrevision abzusehen. Weiter ist ein Antrag Best eingebracht worden, alle Beamtenwellen nur auf den Inhaber zu bewilligen, und ein Antrag Ul­rich, die vom Ausschuß borgeschlagenen Teuerungszulaaen für Beamte auch den Lehrern und den Arbeitern tn den Staatsbetrieben zu gewähren.

Ueber Kap. 1, Reste aus früheren Jahren, Einnahme 307 853 Ml., Ausgabe 507 782 Mk., referierte Abg. Dr. Weber, welcher hervorhob, daß man dahin streben))c, in diesem Jahre nur eine geringe Steuererhöhung vorzu­nehmen: zu diesem Behufe sollten alle vakanten oder von der Regierung neu geforderten Beamtenstellen gestrichen werden. Der Ausschuß war mit diesem Vorschlag einver­standen. Abg. Dr. Gutfleisch betonte die Notwenchg- leit, die dringendsten Forderungen zu bewilligen; das jetzt vorhandene Defizit dürfe keinesfaNs durch Anleihen gedeckt werden. Abg. Molt Han führte aus, der Ausschuß sei sich darüber einig, daß nicht das Prinzip durchbrochen werden dürfe, etwaige Fehlbeträge nicht aus Anleihemitteln zu decken. Man solle an vorläufigen Vorschlägen des Aus­schusses zur finanziellen Regelung im allgemeinen festhalten Abg. Ulrich befürwortet seinen vorerwähnten Antrag und meinte, daß man durch ein Festhalten an der vorgeschla- qenen Erhöhung der Vermögenssteuer (von 0.75 Mk. auf 1.10 Mk. für je 1000 Mk. Kapital), sowie d^rrch Erhöhung der Progression der Einkommensteuer und durch weitere Ersparnisse im Haushalt sehr wohl einen Teil des Defizits beseitigen könne. Es wurde beschlossen, über den Antrag Best erst am Schluß der Beratung abzustimmen.

Der gebildetste und aufgeklärteste, und wenn sich ür 'die türkische Regierung,die Notwendigkeit ergab, sich bei nternationalen Kongressen durch einenEuropäer" ver­treten zu lassen, so fiel die Wahl immer auf Haiti. In Konstantinopel war Hakki neben Turchan Pascha, der jetzt eine Laufbahn als Vertreter des Sultans an der Newa ^schließt, der einzige türkische Staatsmann, der selbst unter )em mißtrauischen Regime Abdul Hamids ganz ä la sranca zu leben wagte, der in den Theatern erschien bei den eichtfertigsten französischen Stücken, europäische Välle nie­mals versäumte und fast nur in europäischen Häuserü ver­kehrte. Schließlich war er der einzige hohe Beamte der Pforte, der damals, als noch manche der heutigen Säulen der Konstitution sich von den Erträgnissen derDfchurnali", der Geheimberichte an die Hafieh, die Spionage-Abteiluna des Yildis, ganz gut zu ernähren verstanden, frank und frei seine liberalen Anschauungen vertrat. Das wurde ihm auch nach dem Siege der Freiheit über die Tyrannei an ge­rechnet. Er erhielt in dem ersten Kabinett die Stelle des Unterrichtsministers, und schon damals wollte man ihn zum Großwesir machen. Aber er erschien vor allen Dingen zu jung für dieses ehrwürdige Amt, das fast so alt iift rote das osmanische Sultanat.

Wenn sich jedoch in der Türkei noch nichts anderes ge­ändert haben sollte das eine ist nicht mehr, was es ernst war, der Großwesir von heute ist nicht mehr der Groß­wesir von gestern. Einst war der Sadrafam wie der Schatten desSchatten Gottes", war er durch zehn Vor­rechte über die anderen Wesire zehnfach gestellt, hatte er einen Hofstaat fast wie der Sultan, besaß er seine Leib­garde aus tausenden Soldaten, seine Ställe mit hunderten Rossen. Er war allmächtig, solange er das Siegel in Händen hatte, und brauchte nur vor dem Sultan zu zittern, der Den Mächtigen aus einem Halbgott wieder zu einem Sklaven machen tonnte. Wurden doch im Reiche Osmans, von Urchan bis Abdul Hamid, nur-drei Großwesire in Gnaden entlassen

Ueber Kap. 2, Kameral- und Forstdomänen, Gesamt­einnahme §069 734 Mk., Ausgabe 5069 667 Mk., mithin Ueberschuß rund 1 Million Mark, referierte ebenfalls Mg. Dr Weber. Der Ausschuß erklärte sich mit dem Vorschlag einverstanden, an den verlangten Külturtosten in Höhe von ca. 400 000 Mt. den Betrag von 50000 Mk. zu ft r et - dien ; ferner sollen von der PositionVogelschutz und Be- kämpfnug von Forstschädlingen 26 500 Mk." 10 000 Mk. ab­gesetzt werden. Ueber Kap. 3, Weinbaudomänen, referierte Mg.' Molthan. Die Einnahmen sind auj 171 739 Mck, die Ausgaben auf 161352 Mk. berechnet. Der Ausfchuß stimmet dem Vorschlag zu, den neu angeforderten dritten Wingertwart und die Anstellung des als Gehilfe verwendeten Finanzaspiranten nicht zu genehmigen.

Ueber die Kapitel Brauurohlenbergwert Ludwtgsyofs- nung, Einnahme 235 456 Mk., Ausgabe 218 318 Mt., und Saline, Badeanstalt und Tiefbauamt Bad Nauheim und Badeanstalt Bad Salzhausen, Einnahmen 1 429 440 Mk., Aus­gaben 1329 440 Mk., erstattete Abg. Ulrich den Bericht. Der Reinertrag von 100 000 Mk. ist nur rech­nerisch, da der Bestimmung gemäß nur dieser Betrag aus den Ueberschüssen von Bad Nauheim an die Staatskasse abgefühn wird und der Rest dem Erneue- rungsfonds des Bades zufließt. In Wirtlichkeit ist die Gesamtausgabe nur auf 1 285620 Mk. berechnet. Der Aus­schuß ist deshalb mit einem Antrag des Abg. Molthan einverstanden, die an den Staat abzuführende Summe von 100 000 Mk. auf 150000 Mk. zu erhöhen. Sehr ungünstig stellt sich dagegen der Haushalt für Bad Salzhaus en, dessen Ausgabe mit 45 820 Mk. angesetzt ist, während sich die zu erwartende Einnahme nur auf 19 440 Mk. berechnet. Für Bad Nauheim war im Haushalt auch eine neue Stelle für einen Obergärtner angefordert worden, die der Aus­schuß analog seines angebeuteten Grundsatzes, keine neuen Stellen zu bewilligen, wieder In Wegfall bringen wird. Kap. 9, Samenklenganstalt, Einnahme 32151 ML., Aus­gabe 30 656 Mk., fand keine Einwendung, bei Kap. 10, Staatseisenbahnen, wurde auf Antrag des Abg. Molthan die Beschlußfaisung ausgesetzt, bis die Regierung genauere

für die Oefsentlichkeit erschienen und zinar weil ihr, wie Gödeke, der bekannte Gvethe-Forsck^er, meint, das Imprimatur nicht er­teilt wurde. Auch Friedrich Meyer führt in seinem rund 12 000 Nummern umfassenden Riesenverzeichnis einer Goethe-Bibliothek die Schrift nicht an. Auf dem jetzt aufgefundenen Eremplar steht (wie genaue Vergleiche mit Briefen und Akten von Müllers Hmid ergeben) von Adam Müller selbst geschrieben:Niemals er­schienen : ein zweites Exemplar ist nur in den Händen des Fürsten Metternich vorhanden." Die Schrift scheint demnach von Müller selbst vernichtet worden zu sein; daszweite Exemplar" ist bei der Auktion der Metternichichen Bibliothek nicht zum Vvrsck>cin gekommen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es längst der Vm- nichtung anheimgestillen, und das eben aufgefuitbene Exemplar ist tatsächlich das einzige erhaltene. Der Wiener Verlag Carl Kvnegen, der jetzt einen Neudruck dieses einen Exemplars vor­bereitet und im Laufe des Mcvnats erfdjeinen läßt, teilt über den Inhalt mit, es handle sich um eine vvn einer Aeußerung Oloethes ausgehenden gegen die 300 jährige Refvrmationsfeier unb das Luthertum gerichtete Schrift. Demgemäß hat also Müller, der er traute Metternichs, der Freund Heinrich von Kleists, Friedrich Gentzens und der publizistische Fillwer der antiliberalen Bestrebungen, die nach Napoleons Sturz sich regten, eine münd­liche Aeußerung Goethes zu den Zwecken der erstarkenden Reaktion ausgenützt. Auf das Nähere darf man gespannt fern.

Ein Opernfragment R ichard Wagners. Das bekannte Antiguariat vvn Ludwig Rosenthal in München bietet in seinem neuesten Kataloge das Partitur-Manuskrivt von Rrchard Wagners FugendwerkTie Hvck>zcft" um den Preis von 20 000 Mark zum Kauf aus. Tas Titelblatt der Handschrift zeigt tob genden Wortlaut:Fragment einer unvollendeten Oper: Die Hochzeit von Richard Wagner, leur Würzburger Musikverein zum Andenken verehrt. (Jiittoduftion: Chor unb Septett.t" Am Schlüsse des 36 Seiten umsassenden Ntenuskripts steht der Der- merk:Würzburg, den 1. Mär; 1833. Richard Wagner." ~er Entwurf des OperntexteSDie Hochzeit" war wahrend eines Autent - Halles des (noch nicht zwanzigjährigen) WaMers in Prag cni standen, die Komposition der ersten Nummer Chot und Septett führte er noch in Leipzig aus, roii er eben seine e>tubienjbei dem Thomaskanwr Weinlig abgeschlossen hatte.Nieiner ^chrvclter gefiel das Buch nicht,berichtet Wagner felbft.ich. vernichtete es spurlos." Ten Inhalt der Hatidlung skizziert er wie folgt:Em wohnsrnnig Liebender ersteigt das Fenller zum LaLafgemach der

düster und schwerblütta. Eine hübsche einheitliche Figur schuf Rudolf tzZoll als lebensfroher, rauflustiger Mer- cutio. Paul Urban war zu sehr im Fahrwasser des neuzeitlichen Lustspiels. Kurt Gühnes Darstellung des Franziskaners litt bedenklich unter der textlichen Unsicher­heit. Ada Pauly spielte die Amme mit kräftigem Humor, Karl Volck den Grafen Paris schlicht und würdig. Von den übrigen Darstellern wären noch Elly Gühne als Gräfin Eapulet, Edgar Pauly als Peter und Franz Wie­derhold als Montague zu erwähnen. Die einzelnen Bühnenbilder waren unter Kurt Gühnes Leitung recht hübsch zusammengestellt, namentlich die Straße von Verona, wo allerdings ein kleines Erdbeben zu sein schien, die Straße von Mantua, die Einsiedelei und die Gruft. Zu reich ge­schmückt für den engen Raum war der Garten; die beiden Riesenbüsche wären gut zu missen gewesen. Wünschenswert wäre es auch gewesen, wenn man erfahren hätte, warum Lorenzos Bote den Romeo verfehlte. K. N.

Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes Darmstadt 1910. Im alten Palais sand gestern abend die erste Sitzung der Geschäftsleitung statt, zu der auch der Sekretär des Künstlerbundes, B r o d e r s e n aus Weimar, erschienen war. Aus dem Ausstellungsprogramm, das u. a. zur Besprechung kam, sei mitgeteilt, daß auch solck)e Künstler, die dem Künstlerbund nicht angehören, aber ihm beizutreten wünschen, Werke zur Aus­stellung einschicken können. Sie erhalten auf ihren an die Geschäfts leitung zu rickstenden Antrag die nötigen Papiere. Die Einluserung der Werte soll zwischen dem 1. und 10. April staMinden Vom 11.20. April findet dann die Auswahl statt, die ausschlietzlich durch Mitglieder des Künstler-Bundes erfolgt.

Ein Goethe-Fund. In den Ketterräumen der Wieiwr Hosbuchhaudlung Leo u. Eie. wurde kürzlich durch einen Zutall em Fund gemacht, der eine per größten Seltenheiten trenn nicht die größte der Goethe-Literatur wieder aus Licht brachte. Es hmidelt sich um eine Schrift des hervorragenden politpchm gtemanrikers Adam Adüller, von der man bisher fein einziges Eremplar tc.nnte. Tie Schrift führt den Titel: Etwas, das Goethe gesagt hat. Beleuchtet von Adam Muller, und wurde am 31. 'Oktober 1817 in Leipzig gedruckt. Sie ist aber niemals

nur drei von dreihundert!

Heute fährt der Großwesir nicht mehr in der goldenen Kütsche, nicht mehr wird sein Kaik von acht Ruderern über den Bosporus geführt, aber sein Leben und seine Macht sind auch nicht mehr der Sulbanslaune preisgegeben, er muß nicht mehr fürchten, daß das Volk, das sich heute ehr­fürchtig vor ihm neigt, morgen unehrerbietig seinen Bart zerzausen wird, wenn des Sultans Willkür ihn von der Lab i ali, der Hohen Pforte, geradewegs aufS Schafott ichleppen heißt. Heute regiert er mit des Sultans Ferman, aber nicht von des Sultans, sonden des Parlaments Gna­den. Auch da 'kann das Ende sein, wie es bei der Schilde­rung vieler Großwesire heißt:ein Sturz von des Daches joljem Bug" aber der Gestürzte fliegt nicht direkt in die Arme des Henkers.

Einst wurde der Großwesir in erster Reihe nach dem Alter gewählt, und der älteste galt als der beste. Jetzt nimmt man den Tüchtigsten und sieht nicht aus sein Alter and nicht auf seinen Rang. Und so wird der noch junge Ibrahim Hakki, mit Uebersprinaen des Wesirranges, aus einem simplen Dey der hoheitsbetitelte Großwesir.

Aus dem zinanzaurschutz der Zweiten Hess. Kammer.

R. B. Darmstadt, 11. Jan.

Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer ist heute vormittag unter Vorsitz des Abg. Reinhart in die eigentliche 'Haushaltsberatung eingetreten. Es wurde zunächst mitgeteilt, daß seitens des Hessischen Landeslehrer­vereins an die Zweite Kammer und seitens des Katholischen Lehrervereins an den Finanzausschuß neue Eingaben ge­richtet worden sind, in denen sie im Hinblick auf die Erklä­rung der Regierung, daß eine Erhöhung der Lehrergehälter für das neue Jahr nicht angängig sei, um die Gewährung

Der neue Großwesir.

Ueber Hakki Bey bringt dasHamb. Fremdenblatt" eine Schilderung, der wir folgendes entnehmen:

Wie der große Ali Pascha und der kleine L>aid Pafcha war auch Hakki einst sultanischer P al asts e kr e t är. Ge­bildeter aber als die beiden anderen, blieb er nicht bloßer Kiatib (Schreiber), sondern wurde,Schöpfer und Leiter des Uebersetzungsbureaus im 'Aildiskjolk, das nicht nur politische und diplomatische Dokumente, sondern auch die^interessan- testen Werke der fremden Literaturen für den -Sultan und seinen Harem ins Türkische zu übersetzen hatte. Die Be­schäftigung mit diesen fremden Literaturen blieb aus Hattts Anschauung nicht ohne Einfluß. Seine ganze Lebenswege löste sich von der türkischen Orthodoxie los, und er wurde der Europäer unter den Beamten des Serail. Aber auch aus der hohen Pforte, wo er im Ministeriuin des Aeußeren die Stellung eines juristischen Beirats bekleidete, war er

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