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8.3.1910 Erstes Blatt
 
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Dienstag 8. März 1910

Erstes Blatt

Nr. 56

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Straße entschieden werden müsse.

Und daraus machen die einen

die Vorgänge und ihr Charakter-.

die anderen bi.

einen Triumph über die gefoppte Polizei

Ertrag tin>

160. Jahrgang

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Seelen in ihrer Brust. In der Main Stabt selbst blasen seine Redakteure kräftig im Chore der S-rasenumzügler inil. der be-- lannte Berliner Mitarbeiter dagegen läßt in einem ruhigen Artikels in dem sehr nüchtern die lächcrlicken lieber treibunden über die Ber­liner Vorkommnisse beleuchtet werden, durchblicken, daß die Polizei in guter Haltung" ihre Pflicht getan habe. Während das denro- kvatische Blatt an der Spitze wiederholt dasHeerlager" der geso'.pten Polizei verhöhnte und den Ausgang der Sache wacker äls eine Hauptblamage der Polizei hinstellte, erhebt der Berliner Mitarbeiter ganz gemächlich seine Einwendungen:

Tas waren, kurz, leidenschaftslos rntb 1 ,ie S. ndenz skizziert.

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Unsere nächsten hanSekpolitischen Ausgaben.

)-( Berlin, 7. März.

Tas Jahr 1910 Hal mit einer Tätigkeit aur handels­politischem Gebiet begonnen, die an die Zeiten des Ab- jch.'usses von Handelsverträgen mit den sogenannten Ver- ^gsstaatcn erinnert. Mit der Regelung unserer handels- i.otilischen Begehungen zu Portugal, den Vereinigten Staa­ten von Amerika, Bolivien und Kanada sind jedoch unsere Aufgaben auf diesem Gebiete, auch für die allernächste Zeit, noch nicht erfüllt. In einer Reihe von Staaten ist man an die Revision der Zolltarife herangclreten, leider, aber be- gr ei flick erweise, iin Sinne einer Erhöhung der Zölle. Ties n'f zunächst in pirantreim der Fall gewesen, ivo man Ver- s'ärtutlgen des -Schutzes des inländischen Marktes mit einer deutlichen Spitze gegenüber der deutschen Einfuhr vorge­nommen hat. Frankreich ist autonom in der Festsetzung ,ciner Zölle und kann von keiner Macht der Welt daran gehindert werden, die ihm als zweckmäßig erscheinenden Zollerhöhungen in jeder beliebigen Höhe vorzunchmen. Immerhin wird auch Frankreich, wenn es seine Aussuhr- intcressenten nicht jetzt und namentlich später schwer schä­digen will, auf die Wünsche der mit ihm in Handelsbeziehun­gen stehenden Staaten Rücksicht nehmen müssen. Wie ver­saute!, har der französische Senat durch solche Erwägungen geleitet, bereits Abschwächungen der übertrieben hohen Zoll­sätze des neuen Tariscntwurfs vorgcnommen. ~

-Irene Zolltarife haben ferner Schweden und Spanien geschaffen. Unser Handelsvertrag mit Schweden sollte mit Ende d. I. ablaufssn, ist aber, da die Vorbereitungen für den Abschluß neuer Handelsverträge in Schweden nicht in genügender Weise vorgeschritten sind, bis zum 1. Dezember 1911 verlängert worden. Seiner Erneuerung werden nicht i'nbcträchtliche Schwierigkeiten entgegcnstchcn, da Schweden an oer Ausfuhr zahlreicher Waren lebhaft interessiert ist, die anch in Deutschland entweder als Rohstoffe vorkommen oder in industrieller Tätigkeit hergestellt werden, hierhin 0chören namentlich die Erzeugnisse der Steinbearbeuungs- und Pavier-Judustrie sowie verschiedene landwtrtschaZliche Rehvrodukte. Als Hindernis für den Abschluß eines neuen deutsch schwedischen Handelsvertrages wird ferner noch das ungemein gesteigerte Selbstgefühl der Schweden, dre ihrer Industrie unbegrenzte Entwicklungsmöglichkeiten voraus- mqen, eine Rolle spielen.

Der Abschluß eines Handelsvertrages mit Japan wird sich wohl weniger schwierig gestalten, da bis jetzt wenigstens die Befürchtungen wegen des Erstarkens der Wettbewerbs- fähigleit der japanischen Industrie sich noch nickt verwirk­licht haben. Auf diesem E.miete ist die gelbe Gefahr zweifel­los überschätzt worden.

Mit dem 28. Februar '..911 gehl auch der mit Bulgarien abgeschlossene Handelsvertrag zu Ende. Wie verlautet, wer­den die Berhanolnngen über die Erneuerung dieses Vertrags demnächst beginnen. Soviel betannt ist, sind Bulgarien gegenüber erhebliche dwuisje nicht zu überwinden.

*" ' Der Wunsch nach Abschluß eines Handelsvertrages mit esaiücn beherrscht schon lange die am Handel mit die>em

Gietzener Voirzertverein.

1 rL c i t : i . u. 1 v; i»i u | i l a i) e n D.

Horch, horch, die Lerch' im Actherbkau!" draußen läßt der Frühlingfein blaues Band wieder flattern durch die "ültc", die Sonne lackt vom wolkenlosen Himmel und ich mit schmeichelnder, wundervoll wohliger Warme, und überall quillts und sprießls; wer mag da am Hellen Sonntag- mittaq im Konzerrsaal sich in >Lpiet und Lied singen und sagen lassen, was er draußen so viel herrlicher noch leben lanu! und wenn selbst ein Schubert lockt. <50 fehlten auch von den Getreuen der KammcrmusiNonzerte viele, und manch leere Reihe verriet den Wunsch, der hier in Worten ausgesprochen sei. wenn im Früh fahr schon Karn rncrmuf 1.1- lonzerte überhaupl noch veranstaltet werden, tollten |te abends stattfinden. Vielleicht findet er für das letzte Konzert am 8. Mai Berücksichtigung.

E- mar schade um die gute Kunst und das schöne, das das Konzert bot. Schuberts Es-dur-Trio eröffnete es, wie seine kürzlich gespielte C-dur-Symphonie auf jenem Ge- bietc, so von seinen Trios das reifste, gleichfalls Nicht lange vor seinem Tode culjtanöcn,das Meistertrio seiner Zeit undSchuberts Eigentümlichstes" nach Schumanns begeuter- ten Worten, bem es seinerzeit, als es zuni erstenntal geipult wurde,wie eine zürnende Himmelserscheinung über bas damalige Musiktreiben Hinwegzugehen" schien. Em köstlich seist es Wert, duftig, zierlich und dahingehaucht wie ertfer Blutenstaub im Jruhlingswind, dann wieder faflfchwellend und voll treibender M'ratt: int Andante erfüllt von tiefer schmerzlicher Klage; voller Melodie, wie sie ja feinem so reich und ungesucht aus dem Innern quoll, wie Schubert. Eit. Beispiel grade dafür, für diese Eigenart Lchuberticher Kunst, bietet ja sozusageii augenfällig, wenn die Erzählung nach berichtet, das zweite der an das Trio sich anreihenden Lieder:Horch, horch . . befjen entzückende, von tfW tingslusk durchtränkte LRelodic Schubert auf einem -2pazier- nanq in Gesellschaft von Freunden bei der Rast im ländlichen Wirtshausgarten, als sein Blick zufällig beim Durchblättern eines Buches auf das Gedicht siel, sofort beim Lesenciu- fiel", so daß er sie auf der Rückseite einer S>peisetarte, die ,um Notenpapier umgewandelt wnrde, festhielt. Ein ganz andersartiger, aber gleich köstlicher Schubert ift das er|te Lied des Programms;Sei mir gegrüßt!", dessen süße immer uäiderholte Refrainmelodie unnachahmlich das sehnsüchtig Schwärmerische des Textes wiedergibt. Zwei Lieder von Schumann, darunter der bekannteHidalgo" mit seinem wNichen Wechselspiel in Gesangstimme und Begleitung, Ichlossen den ersten Teil des Programms ab, den ersten

ihrer bekannten und uns so licogemorsencn vornehmen Art, ausgeglichen, subtil, technisch eintoatü)frei gespielt. Strengste Gewisienhaftigreit mag vielleicht bedauern, das; eine kleine vorübergehende llniiimmigteit in der Tempoaufsassung zwischen Geige und Cello einen flüchtigen Schatten auf derv Anfang des Andante im Schicker tschen Trio warf. -m.

Wie uns die Kunst befreit! Auf Veranlai'liUK, der hiesigen Freideukecvereiniguug 'brach Tr. Brun0 Wille, gestern abend vor einer starken Versammlung im oberen Saale des^ Hotels Einhorn über das Thema: Wie uns die Kunst befreit$1 Tr Brune Wille, beiden neuestes Werk Tic Abend bürg', zu' den eriolgreichften Büchern unserer Zeit gehört, betrachtet die Kunst als die bedeutsamste Erzieherin bei Menschheit aur bent Weg zu einem reinen, schönen Menschentum. Um aber von ber Kunst erlöst zu werben, bebars es einer rückhaltlosen .Hingabe an das Werk, ob es nun bic Natur mit ihren tansenbfälttgenj Wundern ist ober irgcnb ein Zweig bei Kunst. Wem nicht ein von Rauhreir überzogener Grashalni eine Lsfenbarnng ist, bem ist bas Erschauern vor ber Kunst versagt, beim nur ber, bent die reine Empftinglichkeit bes Kinbes geblieben ist, bem alle Schönheit stets etwas neues ist, bem sie neue Einbrücke gibt, ber ist zu einer Er­lösung burch die Kunst fähig. So ist auch jebes künstlerüche Werk eine Erlösung, benu ber Künstler, der sich dies kindlich reine: Gemüt bewahrt, wirb das, was in ihm ringt, nicht nur zu seiner eigenen Erlösung gestalten, wndern auch ur Mietung; derer, die im Genuß seines Werkes sich clbft Der?.' -nkon'ten. Tenn bas Berges'en ber eigenen, iclbstfüchttger Peripfflt:i,Ij#" erst ber eigentliche Genuß ber Kunst und somck<7uch eine Be­freiung burch bie Kunst. Es mürbe hier zu weit führen, auf die klaren, tiefschürfenben Gebanken bes Voitragenben näher nn= mgehen, der seiner hiesigen Gemeinde einen genußreichen, an--, regenden Abend geschenkt, der wohl vielen eine Erlösung bedeutete. Starker Beifall dankte dem Dichter, desfen cble Vortragskunst be­kannt genug ist, um hier noch besonders erwähnt zu werben.

DK. Tas große R a l i 0 n a l v e n k m a l für die Königin Victoria, das auf besonderen Wunsch König Editards vor dem Buckingham Palast errichtet wird, schreilel nur sehr langsam vor­wärts, worüber schon verschiedentlich bittere Klage geführt worden ist. Es scheint ober, daß daran nicht uicf zu ändern ist, da die Ausinhrunq des Denkmals dem Bildhauer Tlwmas Brock ganz tret überlassen worden ist und man feinen weiteren Einfluß nur ihn ausüben kann. Es heißt, daß der Ban miiideslens noch zwei Jahre in Anspruch nehmen wird.

Aus Washington wird uns nnterm 7. März gemelbd:. Pearl) lehnte es im Unterausschuß ber Marinekommiftiou ab, seine Beweise für bic Erreichung des Rorbbols zu unterbreiten; inbem er auf einen Vertrag httiwies, den er mit einer VerlagS- anstalt abgeschlossen habe. Der Um raus schuß hatte die Beweise tn Verbindung mit ber vorn Kongreg beabsichtigten Auszeick^tung Peaiys erbeten.

Tie Akabernic ber Wissenschaften zu Pari 2 wählte ben Ma­thematiker Tebekinb - Braunschweig zum mirtl. ausw. Mitglied.

nicht nur in zeitlicher Bedeutung. Tenn was dann tarn bis zu Mendelssohn, hätte nach meinem TaiürijaUen ohnc Scha­den ungespielt und ungesungen bleiben dürfen; es hielt wirklich den Vergleich mit dem lachenden Vorfrühling draußen nicht aus.' Wie man nach diesem Schubert ein Ding wie die Sonate von Faure, eine ganz effettooll aber ohne jeden Gehalt geschriebene Arbeit, spielen konnte, ist mir unverständlich; das Andante nach dem Schubertfchen er­innerte mich an die bekannte und dort ja auch verdienstvolle Kunstwartmanier, durch Vorführung von Bcichiel und Gegenbeispiel den Blick des Lesers für Natur und Unnatur zu schärfen. Daß die Sonate von Herrn Redner mit glän­zender Technik gespielt wurde, sei jedoch anerkannt. Auch bie süßlich-sentimentale Hymne aus Sreadella im Trom­peterstil hätte ich gern vermißt, so sehr sie auch die Vorzüge der prächtigen starken Stimme Herrn Kühlborns gezeigt hätte, wenn er nicht unter einer starken Indisposition ge­litten hätte, wegen Deren er zu Beginn des Konzerts um Entschuldigung bat: sie machte sich grade hier, wie auch im Hidalgo" und inHorch, horch . . .", allerdings recht be­merkbar. Einen Vorzug Herrn Kühlborns vor allem aber vermochte doch die Unpäßlichkeit nicht zu beeinträchtigen, feine gradezu vorbildlich vorzügliche Auciprache, die jebes Wort ohne Textblatt verstehen ließ; zu statten kam ihm öaoei auch feine vornehme und gehalteolle Vortragsart, die federn Licde gerecht wurde. Schade nur, daß grabe das, was im Weihnachtsoratorium seinerzeit an Herrn Kühlboru so ganz besonders entzückt harte, das Sieghastc, Helle seiner höchsten Lage, diesmal fast ganz verloren ging. Hoffentlich haben wir im nächsten Winter nochniais Gelegenheit, Herrn Kühi- born in einem Liederabend zu hören, viclleimt mit einem Schubcrtzyflus oder mit Löweschen Balladen. _ Diesmal können wir ihm nur herzlich danken dafür, daß er trotz seiner Erkältung seine Zulage ciiigehaltefl und sein Bestes zu geben versucht hat. Ein Weicher Tank gebührt verrn Professor Trautmann, der, rote ich höre und auch zu de- uierleu glaubte, trotz starker Erkältung sich der Riefenaufgabe unterzog, außer der Mittvirkung in 2 Trios noch sämtliche anderen ^Nummern zu begleiten, und diese Ausgabe glanzend gelöst hast, ohne daß seinem Spiel irgend welche^ Ermattung an^umerteil war. Das Mendecksohnsche C-moll-Sno befchlog das Konzert und brachte es wieder auf eine des Anfangs würdige Höhe; menn es auch in feiner oft auch ein wenig süßlicken Melodik dem Schubert nicht ebenbürtig erscheint, fo hat es doch auch manche fchöne, ja große Stellen, ,0 namentlich in dem prächtigen Schluß,as mit feiner groß­artigen, in Tur hell auätingenben Steig- rung. Bewc -vrios wurden von den Herren Trautmann, Redner und Hegär in

tritt in diesem Sinne einen gesunden Staiibpuuki. T.". bcutjd;: Michel, bei aft so unbesonnen nach ausländiscksm Vknstei ihm ausgetisckste Absuibitöten rußig entgegennimml, beb ar i zuweilen ber Auftüttelung. Selbst bieVoss. Ztg." ist der Ansicht, daß du Waüiieckstsftagc doch n-ohl im Parlament, aber nicht, auf Der

Zurückweisung eines revolutionären Beginnens.

Regierung und Polizei in Beilin sind übrigens iibci- die Bc-^ urteilung der sozialbemokralischen Massenausflüge völlig einig:.

Berlin, 7. März. TicNorddeutsche Allgemeine Zeiwng" schreibt:Tie gestrigc.i Kundgebungea imTiergar.cn haben gezeigt, roa:- die Soziatbemotralic unter einem Wahtrechtsspazicrgang Der-- ffebt. Tie Demonstration hat sich Taft ungestört entwickeln iönnen und bie.et somit ein gan;, unverwlsch es Bcko ber Absichten ihrer Urheber. Da ist benn aufs neue zu beobachten, baß ben sozial-' demokratischen Führern bic Wahlreckst.st'ragc nichts weiter als ein Mittel bebeutet, bie Massen in Bewegung zu halten, ihnen bte Leist'mgsfähigteit ber sozialbemotrclmöen Organisatwncn klar zu machen unb zugleich ben Sinn inr Gesetz unb Srbnung nach Möglichkeit zu untergraben. Das B er e i n s g e s cy^ bas bas Vermmmlungsrecht in liberaler Weife georbnei hat, enthalt über öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel unb Auszüge auf öffentlichen Straßen unb Plätzen eine klare unzweidcutigo' Bestimmung: sie bebüricn ber Genehmigung ber Polizei- behörbc. Daraus ergibt sich, baß die gestrigen, ohne Geiiehimgung: der Polizeibehörde arrangierten Auszüge ungesetzlich jiitb. Ob man diese dlusziige Wahlrechtsspaziergang ober Landpartien, nennen will, ist Döllig gleichgültig, der Name tut mchts znü Sache, ihren wahren Eharakter erhielten sie durchs Vorkomm- nisse, bic sich aus ben. Berichten ersehen lassen. Em ^paze:rgang Don geschlossenen Masseii, wobei Die Arbeitcrmarscillaifc gelungen,, rote Fahnen geschwimg^i, Hochiutfe auf bic Sozialbcmokrativ aufgebracht werben unb sich Rebner ücrnehmen lasten, i,t ohne Ge­nehmigung eine ungesetzliche Kunbgebung. Wenn die gestrigen- Kundgebungen wieder einige Cofer gewidert haben, 10 fällt die Verantwortung dafür aur bie Lecker ber Demonstrationen, bw mit ben Führern ber sozialbemokratischcn Parte, identtsch sind. Daß es sich nicht um lokale Kundgebungen handelt,onDern daß man es mit einer planmäßigen sozialdemokratischen Agitation über bas ganze Reich hin zu tun hat, lehren bie vorliegenden Nachrichten. Wenn wir es aber bei diesen Vorgängen mit einer Auslehnung gegen bas Gesetz zu tun haben, ist eS ganz unb gar unberantlDortlid), wenn Blätter, Die zu ben bürger­lichen Parteien zählen, bic Temcnftrationen als einen Sieg, über bie Polizei Dtr herrlich en. Ter Abg. Konrab Hauß­mann sagte bei bem gestrigen Festmahl ber neuen Fort'chritt- lichen Voltspartei, ber-.-^eiiinn stehe am oem ^.ondonntt, daß, man gesetzliche Zustänbc nur mit gesetzlichen Mitteln erobern könne: höchste Freiheit sei höchste Crbnung, unb höchste urbimng sei höchste Freiheit. Was gestern ge'ckehen ist, war die organi-

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W Tr. fleHt HK. Führungen ige Worte Md offen aggressiven sind, jum msfähigen nicht nur Mitte der M cmntfll : Welt be. hnille wir ich oder in sären oder her Feind- chlig.) Unb sangen unb pflegen.

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1 sie ergibt j sehe nicht nem Lande teil so nahe rcien Sell« : mehr mir- alle darauf sähen eines berzeugimg, jungen, nstig fort« ttuit, dm» L

Dienstag und Freimg): MM KEAl W U M jC >8| H H 9 ELB M . B Zeilenpreis:lokall5Pf.,

oeimal monatl- £anb- Bf M EfiL U M M. ÖL' W W auswärts 20 Psennia.

.virlschastlicheSeitfragen U MS < "w W v kL. Sy O v W i5hefredakteur:A.Goetz,

irafpred) - stbnschlüffe; R W W M Verantwortlich für ben

. bic Redaktion 112, _ - * * /*. < < ** volitischen Teil: August

jUM General-Anzetger für Gberhefsen WM o,e Lagesnmnmer HotationsörMd und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei: Lchulstratze 7. Vueiaentcii: 0. Beck, nie vormittags 9 Lior.8 H~

Wirtschaftsgebiet beteii'jten Kreise Tie Handelsbeziehun- gen zwischen dem Teutscyen Reich und Spanien beruhen auf dem durch Notemvechsel getroffenen Abkommen Dom 12. ^c- bruar 1899, worin Spanien für seine Einfuhr nach Deutsch land die Rechte der meistbegünstigten Ration eingeräumt worden sind. Spanien hat sich dagegen verpflichtet, auf die aus Deutsch land cingeführten Waren seinen Konventional­tarif anzinoenden. Dieses Abkommen ist deutscherseits ge­kündigt und dann wiederholt und zwar zuletzt durch Noten­wechsel vom Juni 1907 bis auf weiteres verlängert worden. Spanien Hai am 1. Juni 1906 einen noch jetzt in Geltung befindlichen neuen Zolllarif, der einen Nlaxunal- und Mini­maltarif enthält, eingefühct. Für die deutschen Herlünfte lommen bic Zollsätze des Minimaltarifs zur Anivendung. Nachdem Spanien sich wohl hauptsächlich mit Rücksicht aus das Erstarken seiner in Katalonien angesessenen Industrie dem Abschluß eines Handelsvertrages mit Deutschland gegenüber sehr lange Zeit ablehnend verhalten hat, scheint es nunmehr infolge des Zustandekommens des deutsch-portu­giesischen Handelsvertrages anderer Meinung geworden zu fein. Aus Besorgnis vor dem portugiesischen Wettbewerb ist man anscheinend jetzt für eine haudelspolitif.ste Annäherung an Deutschland günstiger gestimmt. Hoffentlich gelingt es den deutschen Unterhändlern, für den Fall, daß sich diese Annahme bestätigen sollte, günstigere Abmachungen zu treffen, als es in den bisherigen Hanoelsverträgen der Fall gewesen ist.

Daß auch der Abschluß von Handelsverträgen die deutsche Ausftihr nicht vor Benachteiligungen schützt, be­weist das Vorgehen der Schweiz, die infolge des Mehlzoll- konfliktes die deutschen Herlünfte zu fchiicui'.eren sucht. Sie hofft uns durch Mittel mürbe zu machen, die eines amerika­nischen Raubstaates, nicht aber eines kultivierten Gemein- wejens im Herzen Europas würdig sind. Ter Reichsregie­rung erwäcksst aus diesem Vorgehen eine Aufgabe, die nur mit äußerster Vorsicht und Besonnenheit im Sinne des Schutzes berechtigter deutscher Interessen zu lösen ist. Daß die Schweiz auf Die fern Wege u)t Ziel nicht erreichen wird und darf, bedarf wohl kaum besonderer Hervorhebung.

Sonach haben unsere handelspolitischen Arbeiten ihren Abschluß noch lange nicht erreicht. Ein Ende ist deshalb überhaupt nicht abzusehen, weil n>ir in nicht mehr allzu ferner Zeit fchon wieder an die Erneuerung unserer Ab­machungen mit den sogenannten Bertragsskaaten denken müssen. ___

Vier!anSpär!ie"Httiiner SozialSemoiraten.

Wenn man bie aus hetzenden unb übectrcbenben Berichte einiger bürgerlich-demDkratischer Blätter über bie Berliner Masseimuf- zügc lieft, muß matt bas feste Zugreisen Ker Polizei billigen. Man könnte allenfalls ber Ansicht sein, baß. man .solche Landpartien, wie bie nach dem Treptower Park geplanten, sich selbst hatte über­lassen können, aber gerade das widerwärtige Bild, das einige bürgerliche Blatter, allen voran dasBerliner Tagebl.", boten, erforderte es, daß diesen Treibereien bie entschiedenste und kräf­tigste Abwehr entgegengoscht wurde. Schon der gute Geschmack des deutschen Voltes muß solche laä)erliche unb aushetzeubc Mache ohne Federlefeit von sich abschütteln. Tw Berliner Polizei Der-