Ausgabe 
6.7.1910 Erstes Blatt
 
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Vorerst wird die französische Regierung wohl von offenen ^Tariferhöhungen gegen Deutschland Abstand nehmen. Dagegen kisk nickt ausgeschlossen, daß die französische Zollvcrnmltung dem ^Beispiel der schweizerischen und anderer Zollverwaltungen folgt mnd den Weg der versteckten Einfuhrersckmwrungcn, der Zoll- AchM.ncn, betritt. Der neue Zolltarif bietet ihr hundertfache Gelegenheit dazu. Die Zollschilancn sind ja ein modernes Mittel, feint heimlick)en Zollkrieg zu führen, und man kann damit dem gvirtschaftlichen Gegner unter Umständen viel größeren Schaden zufiigen, als durch offenen Zollkrieg. ttild neuerdings mehren sich aintcr den deutschen Exporteuren die Klagen über schikanöse Zvll- chehandlung in Frankreich. Es wird Sache unserer Regierung Mctu, hier ein wachsames Auge zu haben und alle derartigen Zoll- mesckrwerden genau auf ihren Tatbestand zu prüfen, um gegebenen- kfalls weitere Maßnahm eit treffen zu können. Die Zollschikanen machen stch in neuester Zeit so unangcnqfmt fühlbar, daß bei lkünftigen Handelsverträgen Vereinbarungen zmn Zwecke ihrer zEinschränkung getroffen werden sollten.

Aus Hesse».

, Die TtrgeHovduung zur 65. Sitzung ber Zweiten Kammer am Donnerstag, 14. Juli, lautet: Zur vorläuftgen Beratung tut Plenum in Gemäßheit des Artikels 33 und 35 Iber Geschäftsordnung: Antrag des Mgeordneten Köhler, jhte Sicherstellung und den Ausbau der Hessischen Wett er dr enststelle am landwirtschaftlichen /JnstitutderLandesuniver^itätzuGießenbe- ftresfend. Vorstellung des Hessischen Landes-Lehrer- ivereins, Aufhebung des Artikels 50 des Volks- Schulgesetzes betreffend. Vorstellung des Verbands der hessischen staatlichen llnterbeamten, .Gewährung einer Teuerungszulage betreffend. Wahl eines Mitgliedes für den Vierten Ausschuß an Stelle des aus­geschiedenen Abgeordneten Dr. Frenap. Wahl eines Mit­gliedes für den Fünften Ausschuß (Verwaltungsgesetze) an .Stelle des ausgeschiedenen ^Abgeordneteit^Dr. Frenay. !Ersatzwahl eines Abgeordneten für dte Stadt Mainz. lOceuwahl eines .Abgeordneten im 9. Wahlbezirk der Pro- chinz Rheinhessen (^fteder-OlmOber-Ingelheim). Re­gierungsvorlage, die Wahlkreis-Einteilung Detr. Regierungsvorlage, Summarische lieb erficht der Einnah­men und Ausgaben der Großherzoglichen Landeskreditkasse in der Finanzpcriode 1904 betreffend. Regiertengsvor- lage, Sununarische Uebersicht der Einnahmen und Aus­gaben der Großherzvglichen Lurtdeskreditkasse in der Finanz- cheriode 1905 he treffend. Vorstellungen von Beainten und fLehrer, Gehaltsaufbesserungen bezw. Teu­erungszulagen! usw. betreffend. Vorstellung des Äußgendarnicn i. P. Höhn zu Gießen, Gewährung mner Dien stbcschädigungs zutage betreffend. (Als Antrag vom Abg. Leun überreicht.) Regierungsvorlage, Hie Llbanderung des F ü r s o r g e k a s s e g e s e tz e s betr. ^Regierungsvorlage, den Gesetzentwurf, die Herslellung einer -Nebenbahn von Kreuznach (Landesgrenzc) nach Sprendlingen St Johann betreffend. Vor­stellungen des Oberbahnassistenten Ferkinghoff zu Darm­stadt, die Pensionsverhältnisse der vormaligen Ludwigs- bahubeamten betreffend.

Abg. Leun hat folgenden Antrag zur Allgemeinen fiZ au-Ordnung gestellt: Die Kammer wolle beschließen, Die Regierung zu ersuchen, einen Artikel 64 a, lautend :Die ^Genehmigung der Ortspolizeibehörde ist zu erwirken, bevor pnit der .Ausführung begonnen werden darf, wenn Hof­store und Einfriedigungen au Straßen neu er­richtet oder vorhandene ergänzt werden sollen", einzu- jchalten.

R.-B. Darmstadt, 6. Juli. Der Sonderausschuß /für die Verwaltungsgesetz-Revision wird am Donners­tag, 7. Juli, noch einmal zusammentreten, um über eine An­zahl bisher noch unerledigt gebliebener Streitpunkte der 'Landgemeindeordnung Beschluß zu fassen.

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Vom "2£bg. Bin de Wald erhalten wir folgende Zu­schrift:

, In der Dienstagnummer vom 21. Juni des Gießener An­zeigers befindet sich unterr. .Schotten. 20. Juni" ein Bericht alber eine von mir abgehaltene Versammlung, der mehrfach Un- ftichtigteiten enthält:

1. Der Korrespondent legt mir z. B. den Satz in den ^Jtnnb: L,fönte Zurücksetzung der 3üben in der militärischen sKarriere sei nicht der Fall, das Verhältnis werde prozentual durchgeführt." Ich habe in Erwiderung auf {bie Beschwerde der Freisinnigen über Zurücksetzung der Juden im «Heere auf ötc prozentual geringere Beteiligung der Juden im .'Heerwesen hingewiesen und verlangt, daß auf keinen Fall über dieses Verhältnis hütaus Vorgesetztenstellen mit Angehörigen dieses Volkes besetzt würden. Die Führung üt der Armee müsse in -deutschen .'bänden blenden.

2. Ich habe nicht gesagt:Es hieße den gesunden Fort­schritt besteuern, wenn die Oicfor in Partei der Besteuerung der Glühkörper zugestimmt patte, dagegen sei eine Be­isteuerung der Triebkraft angebracht," sondern: es «hieße den gesunden Fortschritt besteuern, wenn man einer Be­steuerung der Triebkraft zustimmen würde, für die Steuer auf die Glühkörper ließen sich allenfalls noch Gründe anführen.

3. Der r.-Korrcfpondent schreibt:Die Ausführungen des <9tebnere über die Erbschaftssteuer sollten den anwesenden ^Bauern klarlegen, daß bei einer Besteuerung des Besitzes von SO 000 Mk. an die meisten Landwirte unter diese Steuer gefallen wären. Ebensowenig sei die Erban fall steuer für ihn an- nahnrbar gewesen, dagegen halte er für gerecht eine Tabak st euer, den Umsatzstempel und die Wehr­ssteuer." Ich habe aUSgeftihrt, daß seit 1906 eine Erbschafts­steuer bestehe, die für Geschwister 410 Prozent, für ent­ferntere Verwandte und Fremde bis zu 25 Proz. betrage, was Wielen noch unbekannt wäre. Die Nachlaß st en er sei keine Allgemeine Besitzsteuer gewesen (ebensowenig wie die spätere Erb- anfallstener), da das mobile Kapital sich ihr leicht entzogen haben würde. Die Nachlaß steuer würde unter 100 Bauern sicher i99 betroffen haben, die Erhebungskosten (24i/a Mülwnen- halten tobenbrein in keinem Verhältnis zu dem überschätzten ^Er­trag gestanden. Auch die spätere Erbanfallsteuer sei aus diesem letzteren Grunde unrationell gewesen. Die von der Reichstags- Mehrheit dafür durchgesetzten Ersatzsteuern seien auf jeden Fall gerechter, da sie den Kapitalbesitz und den mühelosen Gewinn träfen.

4. Ich habe nicht gesagt, daß ich die Tabaksteuer für gerecht halte, ich habe vielmehr ausgesührt, daß es gelungen, hei, das verderbliche Banderolesyltem stir Zigarren zu Fall zu bringen und die geforderte Summe selbst erheblich, fast um die Hälfte, herabzufetzen, außerdent an Stelle des Gewichtszolles das Wert^ollsystem im Interesse der kleinen Fabrikanten, wie der 'tliaucher einzuführen. Der Wertzoll wirke sozial ge­rechter.

\ 5. Nach dem r.-Korrespondenten soll ich ausgeführt haben:

!U.nannehnrbar sei die Abschaffung der Brannt- wein-lie des gäbe, dagegen gerecht eine Besteue­rung der gewerblichen Brennereien." Ich habe ledigllch gesagt:Es ivar ein Erfolg, das unrationelle Brailnt- weinmonopol und die zu seiner DuÄMHrung benötigte Anleihe won 190 Millionen zu Fall zu bringen, außerdem den verlangten ftLehrcrtrag aus dem Branntwein von 100 auf 80 Millionen rnerabzujeAm. Das neue Gesetz beseitigt die Maisckwcmm- meuer, hält abt'r btc Kontingnttierung imb die Steuerdifferenz pron 20. Mark füt inn - halb j n heraest fite Mvhsl

mengen chg. Liebesgabe aufrecht und di bi herigl '-qiiiiiLi.. ffurg dm londwiuichaillck)^^ gegen bi. gewerbliche^ Brmneraeoi

bleibt Misrecht erhalten. Mes ist tzwar nicht als' gerecht/ sondern als volkswirtschaftlich notivendig anMsehen."

Noch möchte ich bemerken, daß die sachlichen Ausführungen des Lehrers Ulrich aus Micktewäch keine gegnerischen waren, wie eS itad) denr Bericht scheinen könnte, und daß der freimütige Parteisekretär Kuhlmann außer einer Verteidigungsrede für die gar nicht angegriffenen Juden,zur Sache selbst herzlich wenig vor­zubringen wußte, bafür sich aber desto entgehender mit abwesendeit Rednent des DuitdeS der Landwirte beschäftigte, die ihm nicht erwidern fonnten.

Deutsches Reich.

An Stelle des Regierungspräsidenten Freiherrn von Ho ev c l soll der Regierungspräsident tn Aurich, Prinz von Ratibor und Corvey, nach Coblenz versetzt werden und an feine Stelle in Aurich Oberpräsidialrat v. Hagen-Coblenz kommen.

Der Bezirksausschuß von Berlin nahm zu der Frage Stellung, ob die von der Steuerdeputation des Ma­gistrats Berlin bei der diesjährigen Veranlagung erfolgte Besteuerung der den Beamten im Jahre 1909 für das Jahr 1908 nachbezahlten Gehaltsbeträge be­rechtigt sei. Der Bezirksausschuß erkannte durch ein Urteil, daß der Standpunkt der Steuerdeputation berechtigt sei.

Der Groß Herzog von Baden hat dem Staats­sekretär a. D. Deruburg das Großkreuz mit Eichenlaub des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen.

AusLcruo.

Der öfterreichische^Reichsrat hat sich vertagt. Die Vertagung ist wegen der Schwierigkeiten, die sich der Erledigung der Vorlage über die italienische Rechtsfakul­tät infolge der Behinderung der Arbeit des Budgetausschufses entgegenstellen und mit Rücksicht darauf erfolgt, daß gegenwärtig keine Voraussetzungen dafür gegeben sind, diesen Hemmungen der parlamentarischen Tätigkeit wirffam entgegenzutreten. Der Nationalitätenausschuß hielt heute seine erste Sitzung zur Beratung des Antrages über die M r n o r i t a t s s ch u l e n ab. Der Abgeordnete StranSky (parteiloser Tscheche) beantragte Vertagung der Sitzung, da sich die Regierung in einem Zuftairde der Krisis befinde. Für die Vertagung der Sitzung traten die Christlich-sozialen ein, die erklärten, die Komödie nicht milmachen zu wollen, und die Deutschen mit Rücksicht auf die parlamentarische Krisis. Die Polen waren gegen eine Vertagung. Dann sprachen sich die Sozialdemokraten gegen eine Vertagung aus, ferner Jung- tschechen, Südslawen und Ruthenen. Darauf wurde der Aiürag mit 22 gegen 15 Stimmen angenommen.

In der italienischen Deputiertenkammer erklärte bei der Beratung des Budgets der Berichterstatter und der Schatz- minifter, daß das Rechnungsjahr 1909/10 mit einem Heber* schuß von 23 Millionen abgeschlossen habe und daß die Annahme begründet sei, auch das Rechnungsjahr 1910,11 werde mit einem Ueberschuß abschließend

Die chinesische Militärmission unter dem Prinzen Tsai Tao ist in Rom eingetroffcii und offiziell empfangen worden; sie verweilt als Gast des Königs drei Tage in Rom.

Auf Grund des Gutachtens einer vom französischen Minister des Aeußeren eingesetzten Kommission gab. der Kriegs­minister einen Erlaß heraus, wonach numnehr auch die in Frankreich ansässigen Ausländer, mit Ausnahme der diploma­tischen Beamten, und unter Voraussetzung der Gegenseitigkeit auch die Konsulatsbeamten der militär i sch en Reg nisition unterworfen sind.

Im französischen Minifterrate teilte der Minister der Arbeiten und sozialen Fürsorge, Viviani, mit, das .Gesetz über die Arbeiter-Ruhegehälter werde erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres zur Anwendung gelangen können. Der hierfür in das Budget für 1911 noch einzustellende Betrag beläuft sich auf 45 Millionen; die für die Arbeiterpensionen vorgesehene! jährliche Ausgabe wird mit 135 Millionen beziffert. Der Finanz­minister wird den jungst eingebrachten Budgetentwurf dement­sprechend ergänzen.

Nach einer Note des französischen Kriegsmini-> ft er i um <5 werden anläßlich des N a t i o n a l s e ft e s am 14. Juli etwa 38 000 aktive Militärs, die die verschiedenen Expeditionen in Marokko mitgemacht haben, die jüngst gestiftete Denkmünze erhalten. ~

Der Hochschulvorfteher Jakob Appel wurde zum dänischen Kultusminister ernannt.

Zu Ehren Kaiser Wilhelms wurde in A a l e s u n d ein D e n t fte i n eingeweiht, der sieben Meter hoch ist, auf der Vorder­seite das Hohenzollernwappen mit dem Porträtmedaillon des Kaisers in Bronze zeigt und die Inschrift23.. II. 1904" trägt. Die Stadt ist beflaggt.

lieber das Befinden d er Königin von Rumänien meldet die Agenee Roumaine: Die Königin befindet sich bereits in Rekonvaleszenz, die Krankheitserscheinungen sind vollständig geschwunden, Nahrungsaufnahme und Schlaf sind veftiedigend.

Die Agenee Roumaine erklärt, es sei nicht richtig, daß Rumänien von der griechischen Regierung unmfttelbar nach dem Zwischenfall mit demJmperatul Trojan" spontan die angebotene Genugtuung angenommen habe. Die rumänische Re­gierung habe noch keine Antwortnote Griechenlands auf die von ihr gestellten Bedingungen erhalten und sie behalte sich ihre Stellungnahme bis nach dem Eintreffen der Antwortnote vor.

Aus Stadt und Lauö.

Gießen, 5. Juli 1910.

Tiere, die man schonen sollte.

Schonen sollte man, trotz ihrer Häßlichkeit, die Fleder­maus. Alle bei uns heimischen Fledermäuse sind für die Landwirtschaft von großem Nutzen, weil ihre einzige Nahrung m den unseren Anpflanzungen, besonders aber den Obst­anlagen, so verderblichen Nachtinsekten besteht, die umsomehr Schaden anrichten, als sie vom Gärtner und Obstzüchter in vielen Fällen nicht beachtet werden. Unsere Fledermäuse er­gänzen durch das Wegfangen zahlloser Nachtschmetterlinge, wie des Goldafterspinners, der gefährlichen Spanner usw., die Tätigkeit unserer Singvögel. Besonders stellen sie auch der abscheulichen Sippe der Ntaikäfer nach. Unsere heimischen Flattertiere verdienen unseren besonderen Schutz, weil ihre Vermehrungsfähigkeit gering ist; sie fetzen jährlich durchweg nur ein Junges. Auch die Spitzmaus verdient Schonung. Sie wird aus Unwissenheit gar zu häusig mit der schädlichen Haus- oder Feldmaus verwechselt. Und dennoch ist sie kein Nager; sie gehört vielmehr zu unseren nützlichsten kleinen Üiaubtieren. Daher besteht auch ihre Nahrung nicht aus Pflanzenstoffen, sondern lediglich aus tierischen, nämlich Jn- ekten, Würmern, Schnecken u. dgl. Sie hält sich besonders in Scheunen, Ställen und Gärten auf. Ihre Beute sucht sie sich meistens während der Nacht, wobei ihr der ihr eigene vorzügliche Geruchssinn sehr zu statten kommt. Verschiedene Versuche haben ergeben, daß die Spitzmaus in der Gefangenschaft eher zu Grunde geht, als daß sie Pflanzennahrung zu sich nimmt. Man affe das nützliche Tierchen daher wenigstens im Garten ruhig gewähren. Ferner wird die Blindschleiche nur aus Roheit und Unverstand verfolgt. Die Blindschleiche ist nicht imstande, auch nur ein einziges Pflanzenwurzelchen abzu­beißen; sie lebt dagegen gerade so, ime der Maulwurf, von jenen Schädlingen, die in Feld und Garten unsere Kultur-

gcwächse vernichten.' Namentlich die schädlichen Würmer und Raupen und nicht minder die gefährlichen Ackerschnecken bilden die Nahrung der Blindschleiche. Ebenso verdienen unfern Schutz die Eidechsen, die leider auch noch viel zu sehr der Verfolgung ausgesetzt sind. Sie sind nicht allem un* schädlich, sondern wegen ihrer Insektenvertilgung gleichfalls sehr nützlich. Zudem bereiten sie dem sinnigen Naturfreunde durch ihre schönen Farben und ihr munteres, flinkes Wesen nur Freude. Es ließe sich noch eine ganze Reihe kleiner und kleinster Bundesgenoffen aufzählen, welche dem Obst- züchter und Gärtner im Kampfe gegen die Feinde seiner An­pflanzungen wichtige Dienste leisten und ungerecht verfolgt werden.

** Fbrtbilduirgsschulwesen. Mit dem natur- kundlichen Unterricht in ben Fortbildungsschulen befaßte sich dieser Tage eine Konferenz von Lehrern an Fortbildungsschulen unter dem Vorsitz des Provinzial­direktors Dr. Usinger und des Schulrats K'leiuschmidt. Es & wurde besonders hervorgehoben, daß neben dem landwirt­schaftlichen Unterricht die V er fa s s un g s kun d e, Ge­meinde-, Kreis- und Provinzialversassung, zu ihrem vollen ungekürzten Recht kommen müsse.

* Fahrplanänderung. Nach einer Bekanntmachung der Eisenbahndirektion Frankfurt werden vom 1. Juli ab die Züge 8 28 FriedbergHanau (Friedberg ab 5.41 V.) und 4410 Sto ckh eimHeld endergen Windecken Vilbel Nord (Stockheim ab 5.17 23.), letzterer ab HeldenbergenWindecken, aus Betriebsrucksichten je 6 Minuten früher gefahren.

** Sonderfahrten nach Paris und London, mit' Einschluß von Brüssel und der Weltausstellung, veranstaltet in diesem Monat das Reisebureau L. Lyssenhop & föo., Mainz. (S. Inserat.)

** Ludwig- und Alicestiftung. Die so segens­reich für die Hinterbliebenen hessischer Lehrer sor­gendeLudwig- und Alieeftiftung" hat ihren 46. Jahres­bericht veröffentlicht. Die Stiftung gliedert sich m drei Kassen, in eine Sterbekasse, eine Unterstützungslasse und eine Militär-Darlehenskasse. Die Sterbekasse zahlte zu Be­ginn dieses Jahres 2671 Mitglieder, bereif Hinterbliebene beim 'Tode eines Mitgliedes zurzeit eine Sterberente von 215 bis 1075 Mk., je nach ihren Beiträgen, erhalten. An Beiträgen empfangt die Kasse eben jahrtich tut 40000 M. Ihr gesamtes Vermögen beziffert sich auf 404435 Mk. Die Unter st ützuugskasse gab im veraanaenen Jahre 4600 Mark an besonders bedürftige Angehörige aus und hat zurzeit ein Vermögen von 60 900 Mk, das sich alljährlich durch freiwillige Beiträge, Stiftungen, Vermächtnisse, Ver­träge erhöht. Die Militär-Darlehenskasse gab 5000 Mk. an Darlehen aus und verblieh ihr ein Rest von 110 Mark.

** Die Lage der Eisenbahn arbeite r. Man schreibt unS: Der in Nr. 152 desGießener Anzeigers" vom 2. d. M. erschienene Bericht über die Versammlung des Eisen- bahn-Arbeiter-Verbandes im Lenz'jchen Felsenkellcr enthält mancherlei Ausführungen, die zu einer Aufklärung Anlaß geben. Daß die in dem Artikel enthaltenen Klagen in der Ver­sammlung wirklich vorgebracht worden sind, ist ebenso hinreichend bekannt, als die vorgebrachten Klagen unberechtigt waren. Zunächst klagen die Arbeiter ständig darüber, daß sie im Lohne hinter den Arbeitern der Privatindustrie zurückstanden. Dies ist aber nicht der Fall. Schon seit Jahren ist cs bei der Staatseisenbahn­verwaltung Gebrauch, von Zeit zu Zeit zwecks Prüfung der Lohn­verhältnisse ihrer Arbeiter Anfrage bei der Privatindustrie über die Höhe der Arbeiterlöhne zu stellen. Das Ergebnis der Anfrage ist stets, daß die Löhne bei der Eisenbahn zum Teil höher, min^ bestens jedoch denen der Privatindustrie gleich sind. Rechnet man hierzu noch die für strebsame Arbeiter in Frage kommenden Stellenzulagen, die Löhnung für Sonntagsablöfungen, die in un­verschuldeter Notlage von der Eisenbahndicektion gern und reichlich gewährten Unterstützungen, die ständige Arbeitsgelegenheit im Sommer und Winter und bei jeder Witterung, so ist die Stellung eines Eiseiibahnarbeiters in pekuniärer Hinsicht zweifellos min-, bestens ebenso günstig als die eines Arbeiters der Privatindustrie. In gleicher Weise, wie die Klagen über den Lohn, sind auch die Klagen über Stiftungen der staatlichen Betriebskranke n- kässe, die Pensionskasse u. dgl. unberechtigt. Während der Saie. gerade diese staatliche Einrichtung als mustergültig ansieht, glaubt mancher Eisenüahnarbeiter, dem sie gilt, sich zum Kritisieren dar­über berufen. Da die Satzungen dieser Kasse unter Hinzuziehung von Vertretern der Arbeiterschaft festgestellt werden, ist es zweck­mäßig, wenn bei dieser Gelegenheit etwaige Wünsche geltend gemacht werden. Daß der etaot zu der Penswnskasse 1/2 der Bei­träge, entgegen 1/8 bei der Privatindustrie, zahlt, ist in der be­treffenden .Versammlung nicht erwähnt worden. Da die Beschäf­tigung bei der Eisendahiwerwaltung für ben Handarbeiter gleich­sam eine Lebensstellung bedeutet, weil viele.Arbeiter später in das Beamtenverhältnis übernommen werden, so ist der Andrang über­aus groß, und eine große Anzahl von Bewerbern muß abgewiesen bezw. voriwtiert werden. Die Vorteile, die eine Beschäftigung bei der Eisenbahnverwallung bieten, werden also von der über­wiegenden Mehrzahl vor dem.Eintritt erkannt und. geA würdigt.

** Abonnements - Konzert der Regiments- tapeile in Steins Garten. Morgen findet baS letzte Konzert in diesem Sommer-Abonnement statt. Um den Ab­schluß besonders genußreich zu gestalten, hat Herr Ober­musikmeister Löber den m allen Kreisen wohlbekannten Kammermusiker L. Kümmel aus Darmstadt verpflichtet, der stets ein gern gesehener und gehörter Gast ist, zähll er doch zu den besten Eornet ä Pistonbläsern. Die weiteren Nummern des reichhaltigen Programms sind ebenfalls sorgfälligst ge­wählt, so daß ein genußreicher Abend bevorsteht.

* Die Zöglingsmusterriege deS Turnvereins Gießen beim Gauturnfest in Grunberg turnte am Barren (nicht Barren und Florett, wie es infolge eines Druckfehlers heißt), ebenso die Riege des Tv. Marburg.

** Gin Wo hlsahr tstel l»er. Die hessische Groß­herzogin hat für baS Patronat der Zentrale für Ätistter- und Säuglingssürsorge in Hessen bei der Königl. Porzellan-Mami- faktur in Kopenhagen, die sich dazu erboten hat, einen Wohl-* sahrtsteller in Auftrag gegeben. Der Teller ist von dem be^ rannten Künstler Christian Thomsen entworfen, dessen Ruf eine künstlerische Ausführung gewährltistet. Er ftellt auf blauem Grund eine Mutter mit ihrem Kinde dar. Eine weiße Bank begrenzt in gefälliger Linie den unteren Teil des Bildes und zwischen bat überhängenden Zweigen des schirmenden Obstbaumes, in berat Schatten die Gestalt ruht, ahnt ber Beschauer eilte weite sonnigck Landschaft. Die mütterliche Liebe der Frau aus dem Bolkej kamt kaum einen innigeren und einfacheren Ausdruck findens wie in diesem feinsinnigen Produkt der vollkommenen Porzellan^ teck;nik. Die Idee des Wohlfahrtstellers ist MiS Nonvegen w'd Sck)weben übernommen, wo sie sich vollständig tingcleht hat. föxs ist zu wünschen, daß <uul> hier dieser Gedanke freundlich auf*, genommen wird. Der Ertrag deS Verkaufs fließt dem PatroncUl der Zentrale für Mutter- und säuglingssürsorge in Hessat zu, die ibn zum Besten bedürftiger Müttek imb ihrer Kinder ver­wenden wird. Was bei dieser .Einrichtung am meisten tu die Augen fällt, ist die Verbindung eines nwhltätigen Zweckes mit bei" Lieferung eines dutck>aus künstlerifck)en: Gegenstandes, der lvphl geeignet erscheint, ruft feaju beizrllrages- ÖW vielen