Erstes Blatt
160. Jahrgang
Mittwoch 6. Juli 1910
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Französische Empfindlichkeit.
£e auf Champagner unfr
wird. Die Erhöhung der deutschen , Spirituosen um je 50 M!k. für 100 Kg. bilden nur eine ,seW schwache Erwiderung auf die französischen Tarifmaßnahmen, die hauptsächlich gegen Deutschland gerichtet waren. Zn bebauent ilt nur, daß die deutsche Regierung den wahren Zweck ihrer jüngsten, Zollerhöhungen nicht offen zugibt, sondern sich hinter dem Einwand versteckt, die Erhöhung solle lediglich fiskalischen Zwecken; dienen. Der Zollaufschlag ist in Wirklichkeit viel zu geringfügig, um dem Reich eine erhebliche Mehreinnahme zu liefern. Es besteht auch gar kein Grund, den eigentlichen Charakter dieses Zollaufschlages den Franzosen gegenüber zu verschleiern. Im Gegenteil, Pflicht unserer Regierung ist cs, ihnen zu zeigen,' daß sich reichlich Gelegenheit bietet, Schädigungen, welche sch unserem Handel zufügen, durch entsprechende Gegenmaßregeln zu erwidern Unser Import aus Frankreich hat einen Wert von rund einer halben Milliarde Mark jährlich, und ein sehr großer Teil dieses Imports besteht aus Luxusartikeln, auf die wir recht gut verzichten können. Mit den Zollerhöhungcn auf Champagner, Kognak und Likör sind erst ganz wenige von diesen Lurusartikelw getroffen; wir können daher, wenn uns Anlaß dazu gegeben wird, mit den Erhöhungen fortfahren und weitere Artikel treffen.
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Nr. 155
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Anzeiger Gtetzcu.
Kriegsbereitschaft, und ihre Kriege sind • daher kostspielig und von langer Dauer. Aber die Kriege der Zukunft können nicht lange bauern, wenn sie auch kostspielig sein mögen. Demokratische Völker können nicht länger ihre Präpara- tionen vernachlässiaen, indem sie sich au, ihre Widerstandskraft verlassen, welche die anderer, weniger freier Jnstitu- rionen vielleicht übertreffen mag.
Warum sollte die britische Regierung nicht eine Armee unterhalten, die in einem Proportionellen Verhältnis zu der deutschen steht. Weil sie es nicht will. Der Wohlstand der Nation ist viel größer, und viele Engländer in hervorragender Stellung befürworten allgemeine Wehrpflicht, aber kein Ausländer glaubt, daß es je dazu kommen wird.
Es bleibt nun die Flotte. Jnselvölker haben den Vorzug, unter dem Schutze chrer Flotten ihre eigenen Wege zu gehen, falls diese numerisch und strategisch stark genug ist. Aber ein in dieser Weise von der Natur begünstigter Staat befindet sich militärisch in derselben Lage, wie ein anderer, der Söldnerscharen anwirbt. Der einzige — ich, gebe zu, große — Unterschied ist, daß die Matrosen Lands-' leute sind, aber die Tatsache bleibt bestehen, daß die große Mehrzahl der Bevölkerung eine gewisse Anzahl dafür bezahlt, um für sie zu kämpfen. Das wenigste, was die große Menge dafür tun kann, ist, freigebig uno zur rechten Zeit bie nötigen Mittel zu bewilligen.
Alle, demokratischen Nationen sind zu verschiedenen Seiten mit verschiedenen Ausgaben konfrontiert worden, aber leine war so schwierig wie die, welche jetzt der britischen Nation vorliegt. Das Territorium des jetzigen britischen Reichs rührt her aus nichtdemokralischen Zeiten, und die Welt wartet ab zu sehen, ob der Erbe sein Erbteil wird haltest können. An günstigen Zeichen fehlt es nicht; ,eins der günstigsten ist die Entscheidung der australischen Regierung, ihre Flotte im Kriegsfälle der britischen Admiralität zur Verfügung zu stellen. Das ist gesunde Demokratie. Aber die Arbeiterpartei in Großbritannien hat diesem Entschlüsse nicht die genügende Beachtung geschenkt; im Gegenteil, sie scheint die Notwendigkeit für das Vorhandensein einer starren Flotte selbst in europäischen Gewässern zu unterschätzen. Die Sicherheit des britischen Reichs verlangt in erster Linie die Sicherheit des Grundsteins, der britischen Inseln, in zweiter Linie die der Kolonien. Tas erfordert eine starke Besetzung der Verbindungen zwischen dem Mutterlande und den Besitzungen.
Die wachsende Stärke bet deutschen Flotte hat die Konzentrierung von mehr als vier Fünfteln der britischen Flotte in den Heimatsgewässern notwendig gemacht. Dadurch wird DLutschland als der Gegner bezeichnet.. Ich behaupte nicht, daß Deutschland einen Angriff beabsichtigt; ich stelle nur miliiärische und internationale Tatsachen ohne irgendwelche Unterlegung von Motiven auf. Tie geographische Lage her beiden Länder ist dieselbe, wie die Englands und Hollands zur Zeit Cromwells. Erst nachdem die Holländer weniger in offener Schlacht als durch Vernichtung ihres Handels besiegt waren, konnten die Engländer an Aktion im Auslande denken. Ein befriedigenderes Resultat wurde erreicht, als sich die beiden Länder 40 Jahre später zur Abwendung einer gemeinsamen Gefahr verbanden, ob aber diese Allianz möglich gewesen wäre, ohne daß die beiden Nationen vorher ihre Kräfte gegenseitig erprobt hatten, müssen wir dahingestellt sein lassen. Im Beginne des früheren Krieges verließen die Engländer das Mittelländische Meer, um ihre Flotte in beit heimatlichen Gewässern zu versammeln, und diese Konzentration zusammen mit der beherrschenden Lage der britischen Inseln in Bezug auf die holländischen Hanoelswege, gab den Ausschlag.
Heute hat der größte Teil der britischen Flotte das Mittelländische Meer aus demselben Grunde verlassen. Mehr als vier Fünftel der Schlachtflotte gehören zur Heimats- und zur atlantischen Flotte. Im Jahre 1899 befanden sich 11 Schlachtschiffe im Mittelmeere, jetzt sind dort nur sechs, und diese nur zweiten Ranges. Für mehr als zwei Jahrhunderte ist die englische Oberherrschaft int Mittelländischen Meere ein internationaler Faktor gewesen. Für den Äugens blick konstituiert die Konzentration der Flotte, vereinigt mit den Vorteilen der britischen Handelswege, ein großes Maß von Sicherheit. Die Gefahr liegt darin, daß die englischQii Wähler nicht genügend Geld bewilligen wollen, um mit den deutschen Rüstungen gleichen Schritt zu halten.
Ein Deutscher, der ein Freund des Kaisers sein soll, sagte kürzlich in einem amerikanischen Journal: „Der Schwache kann seinem Richter nicht trauen, und der Traum des Friedensapostels ist eben nur ein Traum." Die Konzentrierung der Schlachtflotte in den heimatlichen Gewässern ist korrekt, ebenso bie zeitweilige Aufgab'e bes Mittelländischen Meeres, besonders da bie atlantische Flotte gewissermaßen ein Mittelglied bildet; aber bie Zögerung, die nötigen Mittel für bie Flotte zu bewilligen, wird zur Folge haben, daß England bie Vorherrschaft im Mittelmeere' dauernd aufgeben muß. Dies mag beit Untergang bes britischen Reiches zur Folge haben; benit eine feindliche Flotte im Mittelmeere würde gegen den "Atlantischen Ozean sowohl wie gegen den Osten operieren können.
Die Bedeutung des Mittelmeeres für das Reich ist kaum zu überschätzen. Schwächt England feine Macht im Mittelmeer, so tarin es weder als Hauptmacht, noch als Verbündeter bie Stellung einnehmen, die ihm gebührt.
England und die deutsche ziotte.
Unter dieser Ueberschrist veröffentlicht der amerikr- nische Admiral A. T. Mahan einen längeren Artikel in der „Daily Mail". „Die großartige EntwiÄung der deutschen Flotte," so sagt er, ,,unb die Versicherung, daß die jährliche Ausgabe von 400 000 000 Mk. noch auf mehrere Jahre hinaus aufrecht erhalten werden wird, bildet eine Frage von internationaler Bedeutung. Wie ich bereits in der amerikanischen Presse nachgewiesen, steht die deutsche Flotte jetzt nur noch der englischen nach; sie ist ein internationaler Faktor geworden.
Es kommt erst in 'zweiter Linie in Betracht, ob Deutschland feindliche Absichten gegen England hat und ob es der Monroe-Doktrine in Zukunft den bisher gezeigten Respekt zu versagen beabsichtigt. Während wir Amerikaner die sieundlichen Gesinnungen Deutschlands mit Beftiedigung anerkennen, dürfen wir uns nicht verhehlen, daß wir es feinem guten Willen anheimstellen müssen, ob es. die Monroe- Doktrine auch fernerhin achten will ober nicht.
England sollte nicht bie beutsche Flottenfrage bazu benutzen, um eigene ausgedehnte Rüstungen zu befürworten. Irgendwelche, auf solche Grundlage basierten Entschlüsse gleichen der durch Trunkenheit verursachten Erregung uno sind, wie diese, nicht von Dauer. Eine feste, 'geschäftsmäßige Haltung und zeitgemäße Vorsicht allein ist von Wert. Mrd diese außer Acht gelassen, so ist eine Panik int Ernstfälle sicher.
Das demokratische England isst gegen das von einer starken Hand regierte Deutschland im Nachteile. Die englische Nation darf nicht vergessen, daß die Bevölkerung Deutschlands nicht nur um ein Viertel größer, sondern auch mehr für die gewaltmäßige Ausiechterhaltung einer nationalen Politik organisiert ist. Die deutsche Regierung ist mehr stabll, da sie nicht so sehr wie die englische vom Kampfe der Parteien beeinflußt wird. England kennt wohl die Notwendigkeit seiner Vorherrschaft zur See, aber es fühlt dieselbe nicht mehr so lebhaft und zögert daher in der Bewilligung der zu ihrer Aufrechterhaltung notwendigen Mittel. Aber im Falle einer 'Niederlage ist das Volk verantwortlich und wird zu leiden haben.
Ter 30 Jahre bauernde Frieden hat den Glauben erweckt, daß ein Krieg unwahrscheinlich, wenn nicht unmöglich «ei. Aber wer den Lauf der Geschichte verfolgt hat, weiß, daß' in drei Fallen die Kriegsgefahr mir mit Mühe abgewendet wurde. Dieser Erfolg wird allgemein der Diplomatie zugefchrieben, während in Wirklichleit die größere oder geringere Kriegsbereitschaft der verschiedenen Nationen den Ausschlag gab.
. solches Mißverständnis entsteht am leichtesten in einem Jnselreiche wie Großbritannien und in einem abgelegenen Staate wie die Bereinigten Staaten von Nordamerika. Die Sicherheit vor feindlichen Angriffen, bie durch bie natürliche Isolierung hervorgerufen wird, begünstigt bie freie innere Entwicklung. Ader dies Sicherheitsgefühl erzeugt eine optimistische Ansicht mit Bezug auf Gefahren von außen und begünstigt die Unfertigkeit im Kriegsfälle, während sie gleichzeitig die Abhängigkeit von einer verantwortlichen Regierung schwächt. Gleichheit der anderen nationalen Eigenschaften vorausgesetzt, fördern die kontinentalen Grenzen bie Konstituierung einer für auswärtige Aktion geeigneten Regierung. Aus diesem Grunde ernannte Rom Diktatoren in Fällen der Gefahr.
Aus diesem selben Grunde ist die demokratische Bevölkerung eines Jnselreiches nachlässig und untüchtig in
Die Franzosen scheinen von den deutschen Zollerhoh- nn gen auf Champagner, Kognak und Likör recht unangenehm berührt worden zu sein. Das war vorauszusehen, denn der Geldbeutel ist bei unseren rvestlichen Nachbarn eine der empfindlichsten Stellen. Der Minister des Auswärtigen Pichon hat durch den französischen Botschafter in Berlin Klage bet der deutschen Regierung über „die unerwartete und plötzliche Erhöhung des deutschen Tarifs" auf wesentliche Produkte des französischen Handels führen und dabei durchblicken lassen, daß jid) Frankreich in die Zwangsmaßregeln versetzt sehen könnte, ent- sprechende Gegenmaßregeln zu treffen. Nun hatte aber Deutsch- land bei dem Inkrafttreten des neuen französischen Zolltarif viel mehr Ursache, sich über plötzliche Zollerhöhungen zu bellagen. Außerdem hat der deutsche Handel unter den Erhöhungen d-es französischen Tarifs in viel höherem' Matze z»t lewen, als der französische Export durch die deutschen Zollerhöhungen getrosten
Eichener Anzeiger Oneral-Aüzeiger für Sderheffen
bi -ormlVsuA Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Umv.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei; Schulftrche 7. WÄ«
• * 1 ’ u -unzelgenten: H. Beck.
Gse^ensr StadtLheater.
Die luftige Witwe.
Bon B. Leon und L. Stein. Musik von Franz Lehar.
Seit ihrem ersten Erscheinen in der luftigen Welt der Operetten hat die lustige Witwe von Lehar fast überall außerordentliche Triumphe gefeiert, und wenn sie auch inzwischen etwas aller geworden ist und etwas weniger an- siehend und auch gefeiert so hat sie doch nichts von ihrem eigenartigen, prickelnden Reiz eingebüßt. Das bewies auch Vie gestrige Aufführung, die wiederum eine sehr freudige Aufnahme fand und bie nicht eben allzugroße Zuhör er sch ar zu lebhaftestem Beifall begeisterte. Llnb biefer Beifall war wohlverdient. Mit Takt und 'klugem Bedacht hatte Hermann Nor den das Werk eingerichtet, und ein paar starke Striche, bie man bei der diesmaligen Aufführung gemacht hat, waren dem Gesamteindruck nur von Vorteil. Einige kleine Unebenheiten und Unsicherheiten, die zweifellos durch die plötzlich notwendig gewordene Einstellung in den Spielplan hervorgerufen wurden, verschwanden in der Frische und dem Schwung der Auffiihruug, au der sich alle Kräfte mit bestem Erfolge beteiligten. Die Musik zeigte sich unter Alfons Mourots wackerer und hingehender Leitung von ihrer vorteilhaftesten Selle und brachte die sprudelnde Fülle der flüssig-anmutig en Melodien zu trefflicher Geltung. Auch die einzelnen Darsteller sind durchgängig zu rühmen; wenn auch bie Leistungen untereinander nicht gleichwertig sind, so war doch ein erfreuliches Streben nach U ebereinstimmun g nicht zu verkennen. Eise. Rosarita fpielte die lustige Witwe mit edler Lebendigkeit und gab mit ihrer gesanglichen Darbietung eine neue, beachtenswerte Leistung ihres tüchtigen Könnens. Haus Weruerts gelassene Darstellung«- ort fand in dem schwermütig-kecken Danilo einen verwandten Geist und stattete bie sympathische Gestalt beS flotten Lebemannes mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln recht angenehm aus. Gesälllg und geschmeidig war Grete Brill als liebe» bühne Vakeneienne, wenn ich auch ihrem Lieb von ber anständigen Frau etwas mehr herausfordernde
Eitelkeit und wehrende Verlegenheit gewünfcht hätte. Jü dem Auftritt vor dem Pavillon gelang ihr eine tiefbeseelte, überzeugende Darstellung. Sehr gefällig war Fritz Sey- bold als Rosillon, der sich in seiner unglücklichen Rolle recht glücklich zu behaupten wußte. Als Baron Mirko Zeta zeigte sich §>ermann Norden, in prächtiger Maske, von seiner humorvollsten Seite und — ohne besondere lieber» treibung schuf er das vornehme Urbild eines gemütlichen Trottels. Mit gutem Geschmack spielte Otto Conradi den kalauernden Gesanbtschaststänzlisten Njegus, dem er ein eigenes, ansprechendes Gepräge gab, das von der sonst üblichen Art sehr vorteilhaft abstach. * Auch die übrigen Mitwirkenden bemühten sich nicht vergebens um ihre Aufgabe, und daß die „Schlager" z. T. wiederholl werden mußten, versteht sich wohl von selbst. Besonders zu erwähnen sind noch die von Lina O ldini Geleiteten Tänze und dann die prächtige, jsllmmungsvolle Ausstattung mit ihrer bunten Lichterfülle und ihren gut abgestimmten Fackbenreizen.
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Albertine von Grün, eine Liebesgeschichte aus der Genieperiode von Alfried Bock. Verlag von Otto Kindt, Gießen. In der höchst anmutigen Novelle wird das Gießen des achtzehnten Jahrhunderts vor uns lebendig. Professoren und Studcntentum treten mit plastischer Deutlichkeit hervor. In wechselvollen Szenen spürt man den Pulsschlag einer rohen und doch so empfindsamen Zeit. Die Novelle handelt von der schönen Westerwald er in Albertine von Grün, ihren Beziehungen zum Gvethe-Hoepsner-KreiS, ihrer Liebe zum Dichter Maximilian Klinger. Ein feiner Zug des Dichters ist es, daß er Goethe nicht poesielos in die Handlung einbezieht, daß der Genius wie von fern Menschen und Dinge bestrahlt. Bis an das tragische Ende der Novelle folgt man dem Dichter mit Teilnahme und Ergriffenheit. Und diese seine unleugbare Gabe, eine vergangene Zeit so wirklichkeitstreu zu schildern, zeigt uns fein Talent von einer ganz neuen Seite.
— P r o f e f f o r E h r l i ch ü b e r s e i n „P r ä p a r a t 6 0 6". Geh. Obermedizinalrat Prof. Ehrlich in Frankfurt a. M. äußerte sich zu. einem Vertreter der „Frankfurter Zeitung" über sein Syphilis-Heilmittel, das er in Gemeinsck)ast mit feinen Mitarbeitern, insbesondere Dr. B e r t h e i m und Dr. H a t a ent
deckt und hergestellt hat, und das unter dem Namen „Präparat 6 0 6" schon in hundert Kliniken angewandt wird. An der Ber-i vollkommnung des Mittels wird noch unausgesetzt Gearbeitet. Es läßt sich aber heute schon sagen, daß nach den bisherigen Erjoch^ rungen, die vier bis fünf Monate zurückliegen, so viele erstaune liche Besserungen syphilitischer Fälle feftgestelll werden konnten, daß man die größten Erwartungen auf die Heilkraft des Präparates setzen darf. Die Wirkung tritt schneller ein als bei der bisherigen Behandlungsweise. Die Spirochäten verschwmden bei Tier- wie bei Menfchen-Syphilis in ungemein vielen Fällen schon nach 24 bis 48 Stunden bei PrimLr^ Affellen. Gute Wirkungen sind auch bei veralteten Fälleir erziell worden. Die Stärke der Dosierung muß freilich noch ausprobiert werden, da selbstverständlich verschiebengeartete KonstitutiouLn in verfchrebener Weise auf bas Präparat reagieren. Die größten Schwierigkeiten bieten para-syphilitische Erscheinungen. Die hereditäre Lues ist schon leichter zu bekämpfen. Auch waren bie Erfolge bei sekundärer und tertiärer Syphllis befriedrgeiid. Schädliche Nebenwirkungen auf andere Organe sind bisher nicht beobachtet worden, doch stellte sich bei einigen Personen starkes Herzklopfen ern. Es steht aber noch nicht fest, ob dieses Herzklopfeir auf eine Einwirkung des Präparates zurückzuführen ist. DickWassermannfche Blutreaktion, die einen wichtigen Gradmesser für die Wirksamkeit des Präparates 606 darstellt, lieferte im allgemeinen gute, also negative Ergebnisse. Professor Ehrlich gibt der chemischen Behandlung der Syphilis gegenüber der Seruni-Behand-- lung den Vorzug, da bei der Sernm-Behandlung keine völlchä Abtötung der Krankheftserreger erfolgt, sondern sich neue, serum- feste Stämme bilden, die wieder eines neuen Serums bedürfen. Eine außerllinische Behandlung kommt einstweilen nicht in Frage Es müssen erst Erfahrungen iau» vielen tauseiid Fällen abgewartet werden, bevor das Präparat in den allgemeinen Arzneisckiatz ein- gefügt werden kann.
— Kurze Nachrichten ans Kunst u. Wissenschaf t Auf der Darmstädter Kunstausstellung des Deut^ schenKünstlerbundcs auf der Künstlerkolonie bildet Fran; von Stucks „Salome" eins der hervorragendsten und viel bewunderten Melsterwerke. Wie verlautet, hat ein Dannstädter Kunü> freund das Gemölde zum Preise von 12 000 Mark erworben imb Gemäldeaalerie des hessischen L a ndes m u scu ms als Geschenk überwiesen.


