hierzu liegt, tote schon in erster Lesung, eine großeReche von Anträgen vor. Eine vom G r a r en We ft ar P l!wns.) beantragte Staffel, die wir nach dem Beschluss erster Lesung mit 10 vom .Hundert bei einer Wertsteigerung .von ruckst mehr als 30 vom Hundert des Erwerbspreiscs begrünen und m 20 (Stuten auf 30 vom Hundert bei, einer Wertftkugerung öon über 400 bom Hundert des Erwerbspreises steigen, aber innerhalb drein ^tuim bic kleinen und mittleren Gewinne scharfer heranziehen soll,
Stimmengleichheit ab gelehnt. Es verbleibt Lzüglich der Grundftaffel (bei LO jähriger Besitzdauer) bei dem Reslblusie erster Lesung. Danach betragt die Steuer.
IO vom Hundert bei einer Wertsteigerung, von nicht mehr als 10 v H. des Erwerbspreises und steigt.bei je weiteren angefangenen 20 v. H. des Erwerbsprerf^ um fe 1 v. H., so daß die Steaer ->8 v H beträgt bei einer Wertsteigerung von mehr als 360 I S> bis cinschlichlich 370 v. (ie behägt bann weiter 99 v D bei einer Wertstelgerung von mehr als 370 bis einschließlich 4§) v D-, und 30 v. &.A wenn die Wertsteigerung mehr als 400 Wefter ^würden, zum Teil in Abäiiderung der Beschlüsse zweiter Lesung, die folgenden .Absätze in nachstehender Fällung beschlchsen ermäßigt sich für jedes vollendete Jahr der
Besitzdauer bis zum dreißigsten Jahre um| 1 vom Hundert seines Betrages. 1
Dem Erwerbs preis werden für jedes Jahr der Besitzzeit hmzu- gerechnet^E £unj)ert Erwerbspreises zuzüglich der in § 10, Ziffern 4 und 5 genannten Aufwendungen (Aufwendungen für Bauten, Umbauten, Verbesserung und bergt), soweit diese Summe den Betrag von 100 Mark für den Ar nicht übersteigt, bei unbebauten Grundstücken' 2 vom Huiidert, bei bebauten 1 ppm Hundert von dem Mehrbetrag. , ' „ , . . , ,
Die Hinzurechnung erfolgt für fedes volle Kalenderjayr nach Schluß des Jahres, in dem der Besitz erworben wurde oder die Aufwendung gemacht, bei Bauten und Umbauten die behördliche Gebrauchsabnahme, oder wo eine solche nicht (besteht, die gebrauchsfertige Herstellung erfolgt ist. . _oo Q.
Beruht der Erwerb des Eigentums oder .emes Recksts (§§ 1, 3) auf einem steuerfreien Rechtsvorgaiige, so ist die .Besitzzeit des Rechtsvorgängers dem Veräußerer anzurechnen.
Steuerbeträge, die im ganzen unter 1 Mark bleiben, werden nickst erhoben." _ . ’ ... n... .
Nachträglich wurde dann auf Antrag Cunio.rn 8 4 dste Ziffer 4 geändert und erhält jetzt folgende Fassung: Dem Erwerbspreis sind hinzuzurechnen: 4. „die Aufwendungen für Bauten, Um^ bauten mrd für sonstige dauernde besondere Verbesserungen, auch solche land- oder sorstwissenschastlicher Art, die innerhalb des für bie Steuerberechnung maßgebenden Zeitraumes gemacht find und nicht der lausenden Unterhaltung von Grundstücken dienen, soweit die Bauten und Verbesserungen itod) vorhanden lind, z u- züglich 5 Prozent." Der sünfprozentige Zuschlag nmrde letzt durch den Antrag Cuno eingefügt und aus dem Beschluß erster Lesung der Satz: „für die eigene vom Veräußerer bet der Verbesserung geleistete Tätigkeit wird eine angemessene -Vergütung hinzugerechnet" gestrichen.
Dem § 21 über die Auflassung wird folgender Absatz hinzu- gesügt: „Die Steuerbehörde ist verpflichtet, gegen Erstattung der ihr an Schreibgebühren und Porto entstehenden soften den zur Entrichtung der Steuer verpflichteten Personen Auskunft über die Höhe der Steuer zu geben." _ .
Bei § 22, wonach der Landessurft und die Landes- fürstin ebenso wie das Reich,, die Bundesstaaten und Gemeinden von der Steuerpflicht befreit sind, fragt ein Zentrumsmitglied an, ob diese Befreiung für den Landesfürften und ine Landes- fürftin auch gelte, wenn sie den Grundstückshandel gewerbsmäßig betreiben. Unterstaatssekretär Kühn entgegnet, daß ihm solche Fälle überhaupt nicht bekannt seien. Ter Zentrumsabgeordnete erklärt darauf, daß chm ein solcher Fall bekannt sei.
Ein Antrag, das Reich nnd die Gemeinden steuerpflrchtrg zu machen, wird abgelehnt. 'Dagegen wird beschlossen, daß durch die Landesgesetzgebung zugunsten der Gemeinden (Gemeindeverbande) Ansnahmeii von der Bestimmung über die Steuerfreiheit des Landesfürsten und der Landesfürstin gemacht werden tonnen. Wo solche landesgesetzlichen Bestimmungen bereits bestehen, behalt es dabei sein Bewenden.
§ 23 erhielt folgende Faffung: Gehen dein Eintritt der Steuer- pflickft mehrere aufeincuiderfolgende Rechtsgeschäfte der un § 2 bezeichneten Art voraus, so haften die an einem dieser Rechts- Vorgänge als Veräußerer Beteiligten für die Steuer neben dem Steuerpflichtigen als Gesamtschuldner, Im Verhältnis der Beteiligten zueinander haftet jeder Veräußerer für die steuer nur in der Höhe, in der er haften würde, wenn der Uebcrgang auf Grund des von ihm geschlossenen Veräußerungsgeschästs erfolgt Wat 3fi: die Vornahme des steuerpflichtigen Rechtsvorganges unter Mitwirkung eures Bevollmächtigten oder durch die Tätigkeit ernes Vermittlers mit der Maßgabe erfolgt, daß diesen der einen gewissen Betrag übersteigende Teil des Preifes verbleibt, fo hastet für den auf den Mehrerlös entfallenden Teil der Steuer neben dem Veräußerer als Gesamtschuldner derjenige, dem der Mchr- erlös zukommt. , ,,
Liegt der die Haftung begründeiide Rechtsvorgang innerhalb eines Jahres nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes, so finden die Vorschriften der ersten beiden Absätze ferne Anwendung.
Es wird folgender § 35a eingeschoben: „Gegen den Steuerbescheid sind als Rechtsmittel 1. die Beschwerde, 2. das Verwal- tungsstreitverfahreli, und wenn ein solches nid}t besteht ober wenn c-5 landesrechtlich ausgeschlossen wird, der Rechtsweg zulässig. Ob durch die Erhebung der Beschwerde seftens des Steuerpflichtigen das Verwaltungsstreitverfahren oder der Rechtsweg für ihn ausgeschlossen wird, richtet sich nach den lmidesrechtlichen Vorschriften.
Im übrigen tourbeit die Beschlüsse erster Lesung bis einschließlich 8 48 nicht geändert. Morgen Samstag wird der Ausschuß die zweite Lesung zu Ende führen.
Aus dem österreichischen Abgeordnetenhaus.
Wien, 6. Mai.. Im Abgeordnetenhause betonte in der ersten Lesung der Regierungsvorlage betreffend die Reform der Geschäftsordnung der Ministerpräsident, die provisorische Geschäftsordnung habe den Zweck gehabt, die zur Unerträglichkeit gewordenen Uebelstände abzuschaffen. .'Dieses Provisorium werde jedoch von vornherein zeitlich und inhaltlich eng begrenzt werden. Es handle sich nunmehr darum, für die fernere Zukunft den richtigen Weg zu wählen, der den Bedürfnissen des Hauses entspreche. Hierbei solle die Regierungsvorlage eine brauchbare Grundlage bilden. Die Vorschläge der Regierung seien durchaus nicht unabänderlich. Die Anzeichen einer ruhigen Beurteilung der nationalen Angelegenheiten, die in der letzten Zeit sich in erfreulicher Weise vermehrt hätten, gestatteten die Hoffnung, daß auch in der Geschäftsardnungsfrage d.e sachlichen Erwägungen die Oberhand behalten wurden, und daß es gelingen werde, zu einem Kompromiß zu gelangen, das allen schutzwürdigen Interessen die Möglichkeit biete, sich im Rahmen und im Geiste der Geschäftsordnung durch >ie loyale Anwendung der von ihr gebotenen Mittel ^ur ltung zu bringen.
Noch dem Ministerpräsidenten sprach Abgeordneter .-"fiten6 der Sozialdemokraten für eine vernünftige Seltzordnungsresorm, verwahrte sich jedoch gegen jecc ^'^'tigung einer Partei oder Nationalität. Abgeord- $er9£eibc'nl)of er erklärte, die Deutschen feien für ueter iqung der provisorischen Geschäftsordnungsreform bte Biegung der deutschen Verhanolungsspracye im Jn- • unt^ nes Zentralparlaments. Hieraus wurde die Ver- {creU‘-i abgebrochen. Tas Haus beriet bann einige Dring- .Äblnträge betreffend verschiedene Hochschulfragen.
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Deutsches Reich.
Im Reichstage verlautete, daß der Reichstag am Mittwoch, 11. Mai, bis in die zweite Hälfte des Novembers vertagt werden wird.
Aus Nordhausen wird gemeldet: Der Bauarbeiterausstand hat hier zu schweren Ausschreitungen geführt. Eine große Volksmenge sammelte sich vor einem Neubau, auf dem italienische Bauarbeiter beschäftigt waren, an und nahm eine drohende Haltung an. Die Arbeiter mußten unter polizeilicher Bedeckung zurückgeführt werden. Ein Maurerpolier wurde von der Menge umzingelt und schwer mißhandelt, so daß er in das Gebäude der Harzquerbahn flüchtete. Eine mehrhundert- öpfige Menge hielt das Gebäude umlagert und b o m b ar - dierteesmitSteinen. Die Polizei wurde gezwungen, mit blanker Waffe vorzugehen, um den Ein geschlossenen zu befreien.
Die militärischen Luftschiffmanöver bei Metz sollen nach der „Neuen politischen Korrespondenz" am 4. Juli beginnen und ungefähr sechs Wochen dauern.
Graf Zeppelin antwortete auf das Ersuchen des deutschen Volksrates für Böhmen, nicht in P rag zu landen, er werde wahrscheinlich, falls seine Rückkehr über Böhmen erfolge, bei Leitmcritz landen.
Ausland.
Aus Ofen pest meldet man: Ter ungarische Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary wurde in Schönbrunn Dom Kaiser empfangen. Nach der Audienz machte der Minisler- präsident die Milleilung, daß die Wahlen für das Abgeordnetenhaus vom 1. bis 10. Juni stattfinden, der neue Reichstag am 21. Juni Zusammentritt und der Kaiser am 1L Mai in Lfenpesl zu längerem Aufenthalt eintreffen wird.
Ter frühere Präsident Roosevelt und seine Familie sind Freitag abend, vom König bis zum Bahnhofe begleitet, von Kristiania nach Stockholm a b g e r e i st. — Roosevelt ist tm Beisein des Königs von Norwegen und der Mitglieder der Regierung feierlich zum Ehrendoktor der Universität Kristiania ernannt ivorben.
Ans Konstantinopel wird gemeldet: Ter Sultan ist wieder hergestellt und wohnte am Freitag dem Selainlik bei.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 7. Mai 1910.
** Tageskalender. Samstag abend 8'/, Uhr: Vortrag über die Wertzuwachs st euer im Hansbesitzeroerein.
Kolosseum: Täglich Vorstellung.
Kinern atograph: Täglich Vorstellung.
Biograph: Täglich Vorstellung.
Militärkonzert am Sonntag nachmittag 4^ Uhr auf der Liebigshöhe.
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'* Der Kaiser kommt nicht nach Schlitz! Rach einer uns aus Schlitz zugegangenen Drahtnachrichl hat der Kaiser mit Rücksicht auf, den Tod des Königs von England den für morgen vorgesehen gewesenen Besuch des Grüstichen Hauses abgesagt.
"Verwaltungsgerichtshof. Der Grobherzog )at den Oberlandesgerichtsrat bei dem Oberlandesgericht Gg. Diefsenbach für die Dauer des dermalen von ihm be- leideten Amtes zum Mitglied des Verwaltungsgerichtshofs ernannt.
** Aus dem Militär Wochenblatt. Kade, Oberst und Kommandeur des Württ. Train-Bataillons Nr. 13, unter Enthebung von dem Kommando nach Württemberg, zum Direktor der 4. Traindirektiqn ernannt; er trägt in dieser Stellung die Uniform des Hess. Train-Bataillons Nr. 18. Personal-Veränderungen in der hessischen Division infolge Bildung eines Veterinär-Offizier ko rps mit Wirkung vom' 1. April 1910. (Sofern eine Aenderung in der Dienststelle eintritt, ist die neue Dienststelle hinter dem bisherigen Truppenteil angegeben. Die in Klammern stehenden Daten beziehen sich auf die Patente.) Korpsstabsveterinär Reck, Generalkommando 18. Armeekorps (7. April 1899); Oberstabsveterinär mit dem Range der charakteris. Majore: die bisherigen Oberstabsveterinäre: Rein icke, Hess. Feldartillerieregiment Nr. 25; Höhnte, Garde-Dragoner-Regimciit (1. Hess.) Nr. 23; (beide: 1. April 1910). Stabsveterinär mit der Berechtigung, den Titel „Oberstabsveterinär" weiter zu führen: der bisherige Oberftabsveterinär mit dem Patent als Stabsveterinär: Schneider, 2. Hess. Feldartillerie-Regiment Nr. 61 Manen-Regl. Graf Häseler (2. Brandenburgisches) Nr. 11 (1. Oktober 1899). Stabsveterinäre: die bisherigen Stabsveterinäre Dr. Jacob, Leib-Dragoner- Regiment (2. Hess.) Nr. 24 (23. September 1902); Woite, 3. Lothr. Felk^Artillerie-Regiment Nr. 69, Hess. Train-Bat. Nr. 18 (10. April 1909). Die bisherigen Ober veterinäre: Ha- man, 2. Hess. Feldartillerie-Regt. Nr. 61; Ventzki, Hess. Train-Bataillon Nr. 18, 1. Garde-Ulanen-Regiment (beide: 1. April 1910). Oberveterinäre: die bisherigen Oberveterinäre: Dr. S t u r b a n , Leib-Dragoner-Regiment (2. Hess.) Nr. 24 (25. Oktober 1901); Karstedt, Großh. Art.-Korps, 1. Hess. Feldartillerie-Regiment Nr. 25 (1. Februar 1905), .Sieges- mnnd, Garde-Dragoner-Regiment (1. Hess.) Nr. 23 (23. September 1905), Neunter, Feld-Artillerie-Regiment von Pod- bielski (1. Niedcrschlcst) Nr. 5, 2. Hess. Feld-Art.-Ncgt. Nr. 61 (23. Oktober 1906). Veterinäre: die bisherigen Unterveterinäre: Dr. Kranich, Garde-Dragoner-Regiment (1. Hess.) Nr. 23 (1. März 1905), Grünert, Leib-Dragoner-Regiment (2. Hess.) Nr. 24 (1. März 1906); Geibel, Großh. Art.-Korps, 1. Hess. Feldart.-Regiment Nr. 25 (1. Februar 1909); Dr. Erb, 2. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 61 (1. April 1910). — Beamte der Militärverwaltung : T r o st, S o b c l, Ober-Jutend.-Sekretäre von den Jntendalituren der 21. Division bezw. des,18. Armeekorps, gegenseitig versetzt. Versetzt: Haeckel, Jnlend.-Rat von der Intendantur des 18. Armeekorps zu der des 3. Armeekorps; zum 1. Juni: Berendt. Jätend.-Rat und Vorstand der Intendantur der 7. Division zu der Intendantur des 18. Armeekorps; zum 1. Juli: Hartung, Jntend.-Rat von der Intendantur des 16. Armeekorps zu der des 18. Armeekorps; Buße, Intendantur-Rat und Vorstand der Intendantur der Hess. (25.) Division, zu der Intendantur des 4. Armeekorps; Brsdan, Intendantur-Rat von der Intendantur des 18. Armeekorps, als Vorstand zu der Intendantur der Hess. (25.) Division.
** Studentisch e Unterrichtskurse für Arbeiter und Unterbeamte. Zu dem Konzert am Dienstag find Eintrittskarten zum ermäßigten Preise von 50 Psg. Montag abend 8i/2—10 Uhr in einem der Montagslurse erhältlich, ebenso Dienstag vormittag 10 bis 12 Uhr in der Wohnung des Leiters Dr. H. Knoellinger, Stephanstraße 45.
" Erholungsurlaub für Angestellte. Arn 1. Juli tritt in O e st e r r e i ch das neue Handluugsgehilfengesetz in Kraft, das euren gefetzt ich en Anspruch auf Urlaub einführt. In Deutschland fehlt es noch an einer folchen Gesetzesvorschrist, aber die Sitte, dem Angestellten einen Erholungsurlaub zu gewähren, verbreitet sich immer mehr und mehr, und das mit Recht, denn dieser Erholungsurlaub entspricht einem dringenden Bedürfnis. Tie einsichtigen und um die Erhaltung der Leistungsfähigkeit ihres Personals besorgten Geschäftsinhaber ergreifen gern die Gelegenheit, den Angestellten eine Erholungspause während der stilleren Geschäftszeit zu gewähren, weil dadurch erfahrungsgemäß der Geschäftsbetrieb einen außerordentlichen Vorteil hat und geschäftliche Bedenken einer solchen Ruhezeit nicht entgegensteheii, da Vertretungen zu dem gedachten Zivecke von den Angestellten gern übernommen werden. Unter solchen Umständen ist es anzuerkennen,
daß die kaufmännischen Gehilfenvereinigungen wiederum an bie Prinzipale die Bitte richten, auch in diesem Jahre den Angestellten im Handel und Gewerbe einen Erholungsurlaub zu gewähren.
** Eine Hessische Vereinigung für Krüppel - für sorge soll ins Leben gerufen werden. Die Tagesordnung der Gründungsversammlung, die Mittwoch, 25. Mai, in Darmstadt stattfindet, lautet: Begrüßungsansprache des Vor- itzenden der Landesversicherungsanstalt, Geh. Negierungsrat Dr. Dietz; Vortrag des Beigeordneten Müller über Krüppelnot, und Krüppelfürsorge; Gründung der Vereinigung und Beschlußfassung über die Satzungen; Wahl des Vorstandes. Die Vereinigung will ihr Interesse namentlich jugendlichen Krüppeln zuwenden, deren es in Hessen 1436 gibt. Nach ärztlichem Urteil steht fest, daß 93 Prozent aller jugendlichen .Krüppel durch geeignete Behandlung ganz oder terlweise erwerbsfähig gemacht und 70 Prozent vollkonrmen geheilt werden können. Hinter den Nachbarländern, die bereits bedeutende Slnstalten für Krüppelfürsorge eingerichtet haben, darf auch Hessen nicht zurückbleiben.
" Männer-Turnverein. Trotz der ungünstigen Witterung fanden sich zu dem T u r n g a n g am H i m m e l f a h r ts - tage 17 Turnerinnen und 27 Turner am Bahnhof ein. Der Turngang selbst war fast ausnahmslos vom Wetter begünstigt und führte von Gr.-Buseck aus durch das Buseckertal über Beuern- Allertshausen nach Londorf, wo die erste Rast gehalten und eine Anzahl Nachzügler ausgenommen wurde. Schon auf der Höhe von Allertshausen kant die Sonne zum bollen Durchbruch und gewährte einen großartigen Ausblick in das Lumdatal. Um 9 Uhr ging der Marsch nach Holzhausen, die Höhen hinauf an den Steinbrüchen vorbei, vor denen zwei Führer aus Roßberg bie Schar erwarteten. Nur wegen der vielen „Mädchen" trauten sie sich erst nicht herbei, sie hielten die Ausflügler für eine Tanzschule! Durch herrliche Wälder ging es etwa zwei Stunden lang an Roßberg, den Forsthäusern und der Röderburg vorbei, von der nur noch zwei Ringwälle Zeugnis von vergangener Größe ablegen. In Holzhausen wurde nach einer kurzen Rast das Schloß und der herrliche Park des Freiherrn von Stumm be- ichtigt und die halbe Stunde, die der inzwischen eingetretene Regen als unfreitoiHigen Aufenthalt verlangte, durch ein Tänzchen verkürzt. Bald war dann Roßdarf erreicht, gerade in dem Augenblick, als eine feierliche Prozession mit fliegenden Fahnen und Bannern den Kreuzweg entlang kam. Für manchen Teilnehmer ein interessanter, weil ungewohnter Aichlick. Im Hintergrund der mächtige, plötzlich aus der Ebene aufstrebende Basaltkegel, gekrönt von Dorf und Burg Amöneburg, im Tal in langer Reihe voran die Männer, dahinter die Frauen, alle in Andacht und gemessenem Schritt der Monstranz folgend, die Priester im vollen Ornat voran. Der Berg wurde im Sturm von ber Seite genommen, an der er am unzugänglichsten schien. Der Rmrdblick von der Höhe aus war prächtig. Ganz in der Ferne unser Dünsberg und Gleiberg, näher Spiegelslust und Frauenberg. Waren schon sieben weitere Nachzügler vom Ebsdorser Grünt kommend, in Holzhausen dazu gestoßen, so erwarteten drei Rad- ahrer und 14 Turner, die die Nacht hiirdurch von Gießen über Marburg nach der Amöneburg marschiert waren, die Turnfahrer. So wuchs die Schar auf 68. Nachdem man in Amöneburg noch kurz vor dem Abmarsch die eben von Marburg kommende Turngemeinde begrüßt hatte, ging es im Eilmarsch nach Kirchhain, wobei ein kräftiger Regen- chauer, die Schritte beschleunigte. Trotz alledem marschierte man mit Sang und Kkfang in guter Ordnung dort ein, um sich im Turnsaal des Turnvereins niederzulassen. Bald kam auch die Marburger Turngemeinde, auf deren Einladung hin ein großer Teil der Gießener mit nach Marburg fuhr, um dort noch zwei Stunden zu tanzen.
** Silberne Hochzeit feiern morgen Schmied Ludwig Schneider und Ehefrau, Löwcngasse 22.
** Gießener Polizeihunde. In der bergan- gen en Woche wurden einem hiesigen in der Krofdorfer Straße wohnenden Schwimmlehrer 10 wertvolle Stallhasen ab- gewürgt. Aus die bei der Polizei erstattete Anzeige be- aaben sich die Schutzleute Fenz und K'lös mit ihren Polizeihunden an den Tatort. Die Hunde nahmen sofort die Spur auf und verfolgten sie bis zu einer ungefähr 1500 Meter vom Tatort entfernt liegenden §ofreite, bereu Eigentümer im Besitze eines Bernhardiner Hundes ist. Eine sofort an dem 5)unde vorgenommene Untersuchung ergab die Richtigkeit der von den'Polizeihunden aufgenom - menen Spur. Der später ebenfalls auf die E>pur gehetzte Polizeihund des Schutzmanns -Seitz verfolgte sie wie die beiden anderen Hunde,'so daß es also 1 einem Zweifel mehr unterliegen tonnte, daß der Bernhardiner Hund die Hasen in der Nacht abgewürgt hatte. Wie wir vernehmen, hat sich der Besitzer des Hundes auf Grund dieses Ergebnisses bereite mit dem Eigentümer der Hasen geeinigt.
** Mit dem Schutz der Singvögel beschäftigt sich eine in der heutigen Nummer enthaltene Bekanntmachung bei Großh. PolizeiamtZ, worauf besonders hingcwiesen sei.
" Der Kreis-Ziegenzuchtverein hält am Mow tag nachmittag 3 Uhr feine Hauptversammlung im Cafe Ebel ab.
** Auch ein E n t s chul d ig ung s gr un d. Ein Schüler, der dieser Tage 15 Minuten Au spar in die Sck)ulc tarn, entschuldigte fein Ausbleiben damit, daß er für feiner Vater habe Frist holen müssen. Frist, fragte der Leprer erstaunt, wo hast du denn die hergeholt ? — „Dom Rechts^ anwalt, Herr Lehrer", war die Antwort.
** I n Amerika verstorbene Hessen. Julius Levy. 65 Jahre alt, wurde in Newhork auf der Straße durch einer Herzschlag vom Tode überrascht. Wilh. Schirmer, 86 Jahre alt, in Brooklyn, Hch. Heinz, 52 Jahre alt; aus Oberhesseii. in Brooklyn, und Professor Joh. Friedrich Nolting, 51 Jahre alt, in Clinton, ein beliebter Prediger am Wartburg-College.
(-)Großen-Linden,6. Mai. Der Bau eines neuen Aus slugsortes, der auf einem 2600 Quadratmeter großen Gelände auf der Südseite des Wäloes an der Staatsstraße zwischen Klein-Linden und Großen-Linden nack) Plänen der Architekten Fifck)er & Zipp-Gießen errichtet wer den soll, ist jetzt nach etwa 11/2 Jahren genehmigt worden und wurde in Angriff genommen. Das Gebäude wird im unteren Stock 2 Wirtschastsraume erhalten und soll schon im kommenden Herbst seiner Bestimmung als Wald' schenke übergeben werden.
4 Li ch, 6. Mai. Zu einer eindrucksvollen Feier ge- stattete sich gestern der Himmelfahrtgottesdions: in der „MarIbach". Aus der weiten Umgebung waren Scharen von Menschen herbeigeeilt, die der Ansprache,am dächtig lauschten, die ein Judeninissionar aus Frankfur: a. M. unter freiem Himmel hielt. Gemeinsame Gesänge, deren stimmungsvolle Wirkung durch die Horn begleitung des Pfarrer Freytag noch erhöht wurde, schallten weit durch den erhabenen Walddom.
)( Hungen, 6. Mai. Auf dem „Rod" sind in letzter Zeit wieder neue Anpflanzungen von Fichten un) anderen Ziersträuchern gemacht worden, die zum Schutze unserer sehr verminderten Singvögel und als Brutstätten für sie dienen sollen, zugleich aber auch eine schöne Anlage bilden. Dieser Platz, mit feinen schönen Spazierwegen un) Sitzbänken, für dessen Bepflanzung und Herrichtung denl hiesigen Gemeinnützigen Verein und einem edlen Spender besonderer Dank gezollt werden muß, bildet den fchonsteA Erholungspunkt in nächster Nähe der Stadt und ivird zr einem wahren Singvogethain werden. Von dem^Pavillon aus genießt man eine herrliche Aussicht auf die .Stadt uniJ Umgebung.


