politische gagcsfcba«,
Äranfenfaffeu und Aerzte in der Aeichsversicherungßordnung.
Der Reichstagsausschuß für die Reichsversicherungsordnung ist bekanntlich zu der Ansicht gekommen, daß die in denl Entwurf vorgeschlagene Regelung des Verhältnisses zwischen Krankenkassen und Aerzten nicht besonders befriedigend sei. Landgerichtsrat Kulemann, Bremen, eine Autorität auf dem Gebiete der Berufsorganisationen und des Sozialrechts, also eine der berufeirdsten Persönlichkeiten, unterbreitet den gesetzgebender! Aktoren im Zentralblatt der Reichsversicherung .Vorschläge, die einnral der öffentlich-rechtlichen Stellung der Kranlenkassen und dann der Machtstellung der Aerztekoalition Rechnung tragen. Diese Vorschläge scheinen einen geeigneten Weg zu zeigen und verdienen daher die Beachtung weitester Kreise: Mit Staunen lese man die Beschlüsse des Aerztcverbandes, die ohne Umschweif den staatlichen Anordnungen, falls sie den erhobenen Forderungen nicht entsprechen, den Gehorsam aufkündigen. Das revolutionäre Vorgehen der Aerzte fetze diejc moralisch ins Unrecht und müsse dahin führen, daß sich die Sympathien für sie in den unbeteiligten Kreisen vermindern.
Arbeitseinstellungen berührten in erster Linie das persönliche Interesse der zunächst davon Betroffenen, aber doch auch stets das Interesse der gesamten Volkswirtschaft. Die Rückwirkung auf die Volkswirtschaft könne nun einen Grad erreichen, bei dem es nicht mehr angängig ist, die Austragung des Kampfes den Beteiligten zu überlassen, sondern ein staatliches Eingreifen notwendig wird. Tiefes Eingreifen sei unbedingt geboten, wenn es sich um Betriebe handelt, die, wie Eisenbahnen, Post, Telegraph, Gas-, Was- ser- und Elektrizitätswerke, nicht still stehen können, ohne tiefgreifende Schädigungen der Gesamtheit herbeizuführen. Dies müsse auch für die Aerzte gelten; auch die ärztliche Hilfe fei mindestens dann, wenn es sich um Massen handelt, eine Angelegenheit, an der die Gesamtheit in demselben Maße interessiert ist, wie au den Leistungen der bezeichneten öffentlichen Betriebe. Den Behandlungszwang habe man 1869 aufgehoben. Soweit die Privatpraxis in Betracht kommt, sei ein Bedürfnis für feilte Wiedereinführung nicht IjecDorqetreteit. Aber ganz anders stehe es mit den Kassen Tiefe sind vom Gesetz gezwungen, ihren Mitgliedern ärztliche Hilfe zu gewähren, find aber, um diese Verpflichtung zu erfüllen, auf die Mitwirkung der Aerzte angewiesen, denen es freisteht, ob sie diese gewähren wollen. Das sei ein Widersinn, denn das Gesetz lege den Kassen eine Leistung auf, die vielfach unmöglich werden kann und ohne Zweifel die Kassen den Aerzten auf Gnade oder Ungnade ausliefert, sobald diese geschlossen vorgehen. Für Streitfälle müsse eine neutrale Instanz geschaffen werden, die berufen ist, Entscheidungen zu treffen. Es müßte dann dafür gesorgt werden, daß diese Entscheidungen durchgeführt werden. Leider Jci bei den Anhängern des Aerzteverbandes die Voraussetzung nicht gesichert, daß sie anerkennen, was man von jedem Staatsbürger fordern darf, nämlich, daß er sich dem bestehenden Gesetz fügt und insbesondere die im geordneten Rechtsverfahren ergangenen Entscheidungen än- erkennt und befolgt. Tas Mittel, das der Staat ui der ^egel anwendet, um die Befolgung der Gesetze zu erzwingen, ist die Androhung und nötigenfalls Vollziehung von Geld- und Frerhettsstrafen. Bei den Aerzten spreche manches dagegen, zu solchen Maßregeln 'zu greifen. Eine erzwungene ärztliche Leistung würde niemals denselben Wert haben, wie eine freiwillige. Ein Weg, der unmittelbaren Zwang ver- meidet, ist die Anstellung von öffentlichen Aerzten.'
Die Kretafrage.
Tie Botschafter der K r e t a s ch u tz m ä ch t e teilten am Montag nachmittag dem türkischen Minister des Aenßern mündlich die Antwort ihrer Mächte betreffend die Frage der Wahl von Kretern in die griechische Nationalversamm-' lung mit. In der Antwort erklären nach Informationen aus Kreisen der Pforte die Schutzmächte, der Fall dreier Delegierter, die unzweifelhaft Kreter seien, sei. durch deren Rücktritt endgültig erledigt. Bezüglich Venizelos und Polo- georgis, die Hellenen seien, sei Griechenland nichts Vorzug werfen; nur werde Venizelos von seiner Stellung als Chef der Kretaregierung zurücktreten müssen und sich nicht mehr in die kretischen Angelegenheiten einmischen dürfen. In Pfortekreisen wird erklärt, die Pforte werde die Staatsangehörigkeit, Venizelos und Polo- g e o r g i s untersuchen und nach deren Ergebnis ihre Haltung einrichten. Bei der Mitteilung der Antwort hatten die Botschafter lange Besprechungen mit dem Minister des Aeußern. Wie verlautet, erneuerten sie ihre früheren F r i e d e n s r a t s ch l ä g e. Die Kretaschutzmächte wiesen die Pforte darauf hin, daß bisher alles mögliche zur Wahrung der Rechte der Türkei geschehen sei. Die Mächte ver-, sprachen dies auch für die Zukunft und drückten die Hoffnung ans, daß die Türkei die Aktion der Mächte nicht erschweren werde. Diese Erklärung wurde im Ministerrate beraten. Gs verlautet, sie sei nicht ganz für befriedigend befunden worden. Die Pforte wird weitere Schritte unternehmen, um eine genauer gefaßte Antwort der Schutzmächte ru erlangen.
Wie in Pfortekreisen verlautet, wird die Pforte in der griechischen Nationalversammlung die Gelegenheit ergreifen, eine endgiltige Lösung der Kretafrage Ku verlangen. — Ter griechische Gesandte über-, reichte der Pforte eine Note, in der die Forderung betreffend zwanzig Millionen Francs Schadenersatz für den Boykott griechischer Waren er* neuert wird.
Deutsches Hetcb.
Der Kaiser traf Montag nacht nach IU/2 Uhr auf der Haltestelle Proekelwitz ein. Er wurde vom Fürsten zu Dohna-^Schlobitten empfangen. Heute ftüh fuhr der Kaiser in die Proekelwitzer Heide zur Jagd.
Gegen den Redakteur des „Wahren Jakob", Landtags- abgeordneten Hey mann, schwebt laut Beschluß des Stuttgarter Landgerichtes vom 3. September ein Verfahren wegen Vergehens gegen die §§ 166 und 184 Absatz 1 des Strafgesetzbuches, begangen in den Nummern 624 und 628 des „Wahren Jakob", deren Beschlagnahme verfügt wurde; sie erfolgte in den Räumen des Verlages und der Redaktion, wobei von der Nummer 624 noch hundert Exemplare gesunden wurden, während die „Katholikentag- Nummer" vollständig vergriffen ist.
Der Verein deutscher Eisenbahnverwaltungen trat in Budapest zu seiner Jahresver-^ s a m m lu n g zusammen. Nach Eröffnung durch den Präsidenten der Eisenbahndirektionen Berlin Behrendt begrüßte in Vertretung der Regierung Honvedminister Hazai die Versammlung Na^ch weiteren Begrüßungsansprachen wurde in die Beratungen eingetreten.
In der Gemeinde Celna bei Karlsburg (Siebenbürgen) kam es zu einem blutigen Z u s a m in e n st 0 ß zwischen Gendarmen und rumäniichen Bauern. Die Gendarmen hatten den Austrag, den Bauern die nationalen Abzeichen abzunehmen. In dem dabei entbrannten Kampfe wurden zwei Bauern getötet, zwei andere wurden schwer verletzt, ebenso zwei Gendarmen. In der Nachbargemeinde wurde ein Gendarm von einem Bauern erschlagen.
Von englischer amtlicher Seite wird die Blättermeldung von der Verhaftung eines jüngeren d e u't s ch c n Ossi- ä 1 eres in Portsmouth wegen Spionageverdachtes nunmehr bestätigt. Heber die Einzelheiten wird Stillschweigen beobachtet.
Die Arbeiterorganisationen von Madrid sprachen sich gegen die Proklamierung des Generalstreikes in Madrid aus, da sie sich von einer solchen Kundgebung keilten Erfolg mehr versprechen, nachdem der Streik in Saragossa und Bilbao beendet ist.
Unter der U eher sch r ist „Die Bedürfnisse der Schwarzmeer- Hotte" säsreibt die „Hiossija", der Marineminister sei verpflichtet, dem Ministerrat Vorlagen zu unterbreiten über die Hmbe - jy a f fnung und Neupanzcrung der Linienschiffe des ^chw^arzen Meeres, über den ilmbau der Marineanlagen in Sewastopol und Nikolajew und über die Durchführung ue£ ausgearbeiteten Planes zur Verstärkung der Schwarzmeer- flotte durch eine moderne Panzerbrigade.
Dem „Temps" zufolge will die Regierung von Brasilien vorläufig keine fremdländischen Jnstruktionsoffiziere mehr berufen und eine größere Anzahl eigener Offiziere als bisher zur Ausbildung nach Europa entsenden.
Zur Jahrhundertfeier der Unabhängigkeit der Re- bj1 b Li t Chile treffen zahlreiche ausländisckse Abordnungen in Santiago ein, die von dem Minister des Auswärtigen empfangen werden. Die fremländischen Missionen wohnen zum großen Teil in von vermögenden Privatleuten zur Verfügung gestellten Palästen. Mitten während den Festvorbereitungen ist übrigens der stellvertretende Präsident Fernandez in Albano an einem Herzschlag gestorben.
2?ms Staöt rind LcyrrH.
Gießen, 7. Sept. 1910.
Vom Manöver.
Die Besichtigung der 50. Brigade (117er und 118er) and am Montag in dein bisherigen Uebunasgelände von Homberg und Buchberg, östlich Alsfeld zwischen den Orten Rainrod, Eifa, Hopfgarten und Altenburg statt. Ter Be- sichttgungstag begann Montag früh mit einem Alarm; von 2 bis 3 Uhr sammelten sich die Regimenter zum Ausmarsch. In das Gefecht griff auch die Maschinengewehrabteilung der l18er und ein Teil des bei Maar und Wallenrod liegenden Artilleriercgiments Nr. 61 ein. Das Regiment 117 hat Alsfeld verlassen und ist südöstlich weiter gerückt gegen Lauterbach. Ter Stab liegt in Lauterbach, das Regiment in Maar, Liederbach und Lauterbach Die 118er rücken erst Donnerstag aus ihrem bisherigen Standquartier um Alsfeld-Romrod. Die drei Regimenter der 49. Jnsanteriebrigade (115er, 116er,168er) rückten vorgestern zu einem Nacht-; gefeebt aus. Ihr Uebungsbelände wird nach Tann, Gersfeld, ^ahrbach verlegt. Für die Brigademanöver sind ihr das Dragoner-Regiment Nr. 24, das Artillerie-Regiment Nr. 25 und 25er Pioniere zugeteilt. Am Samstag sammelt sich die ganze Brigade bei Fulda. Die Stadt erhält an 6000 Mann Einquartierung. Die Aufklärungsübungen der Kavallerie-Regimenter sind beendet. Die 23er Dragoner sind heute zur 50. Brigade gestoßen. Ter Stab der preußischen Kavallerie-Brigade befindet sich in Schotten. Tie 6er Dragoner liegen in Rainrod, Ulfa, Kölzenhain. Das Train-; bataillon Nr. 18 ist angefommen und liegt in Eichelsdorf und Ulfa. Die 41. Infanterie-Brigade verläßt ihre drei- wöchiaen Standquartiere, die 87er kommen nach Steinbach, Albach, Garbenteich, Hausen, Annerod, Leihgesterii. Gießen erhält zwei Kompagnien Unteroffizierschüler aus Biebrich und zwei Kompagnien Pioniere Nr. 21. Tie 27er Artillerie kommt nach Watzenborn, Burkhardsfelden, Oppenrod. Tie 88er kommen in die nördliche Wetterau. Im höchsten Vogelsberg treffen die Regimenter der 42. Brigade (80er und 81er; ein, nud zwar um Schotten, Ulrichstein, Ulfa, Engelrod Stumpertenrod, Helpershain. Damit ist dann das ganze 18. Armeekorps im Manövergelände angekommen.
** Ordensverleihung. Dem praktischen Arzte Dr. Fritz Berni u s in Mainz wurde die russische Note Krenz- medaille verliehen. Dr. B. war während des russisch-japanischen Krieges Arzt auf einem Schiffe des Norddeutschen Lloyd und hatte sich damals um die Pflege verwundeter Krieger verdient gemacht. — Der König von Preußen hat die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen verliehenen nicht- preußischen Orden erteilt: der Hessischen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft dem Geh. Jntendanzrat Barnay in Hannover; des Ritterkreuzes 1. Klasse des Hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Oberstabsveterinär Schneider im Ulanen-Negiment Gras Haeseler (2. Brandenburgischen) Nr. 11.
" Forstverein für das Groß herz ogtu m Hessen. Die diesjährige Versammlung des Forstvereins für das Groß- Herzogtum Hessen findet vom 15. bis 17. dss. Mts. in Jugenheim a. d. B. statt. Der Waldausflug führt in die Oberförstereien Jugenheim und Eberstadt und endet auf Burg Frankenstein. Das Hauptthema der Verhandlungen wird die forstliche Bewirtschaftung deS Flugsandgebietes in den besuchten Obersörstereien bilden. Die anmutige Lage des Versammlungsortes, die Schönheiten des zu berührenden Waldgebietes und die interessanten Verhandlungsgegenstände werden sicherlich nicht verfehlen, eine große Anziehung auf die Vertreter der grünen Farbe und die Freunde des Forstwesens auszuüben.
** Die hessischen Schulen bleiben am 17. Sept. — dem Geburtstag der Großherzogin — geschlossen.
*' Ein Getreidemarkt in Gießen. In hiesigen Interessentenkreisen sind Bestrebungen im Gange, hier einen größeren Getceidemarkt zu errichten. Die Vorarbeiten sind bereits so weit gediehen, daß wahrscheinlich schon in der nächsten Woche die endgültige Beschlußsassimg erfolgen kann. Die in Frage kommenden Behörden, besonders die Handelskammer, haben möglichste Förderung des Unternehmens zugesagt. Bei der Ausdehnung des hiesigen Getreidehandels und der günstigen Lage Gießens ist ohne weiteres anzunehmen, daß die Gießener Getreidemärkte auf ihrem Gebiete bald dieselbe Bedeutung gewinnen werden, wie sie die Gießener Viehmärkte schon längst besitzen.
"*Das Gießener Stadttheater beginnt (eineSpielzeit am Dienstag, 4. Oktober.
" Das M ü n ch ' sch e Solo-Quartett a u s W e tz l a r gibt am 15. ds. Mts. im großen Saale von Steins föarten ein Konzert. Tie vortrefflichen Leistungen deS QuarteltS sind vom Januar d. Js. noch bekannt, so daß ein genußreicher Abend voraus
gesagt werden kann, zumal der Leiter des Quartetts, Herr seit längerer Zeit auf dem Raff'schen Konservatorium in Frankfurt ist, wo er seinen schonen Tenor erheblich vervollkommnet hat. Nach dein Programm, welches uns vorliegt, iverden in reicher Ab- ; wechslnng heitere und erliste Männerchöre 511m Vortrag gebracht;
'erner Tenor- und Banton-Solis und ein Duett für Tenor und | Bariton, sowie ein Quartett („Ein Sonntag auf der Alm") mit Klavierbegleitung.
** Die Sawinlun g für die hilfsbedürftigen Mitglieder des ehemaligen V 0 r s ch u ß - u n d Kredit- ver ei ns Ober-Mockstadt ist geschlossen worden. Die j Sammelstellen werden gebeten, die eingegangenen Geldspenden, soweit dies noch nicht geschehen ist, tunlichst bis zum 15. Sept, an die Hauptsammelstelle, die Kreiskasse des Kreises Büdingen, abznführen. Uebcr den Eingang und die Anlegnng der Gelder wird demnächst ein Ausweis veröffentlicht werden.
Die Maul- und Klauenseuche i ft au§- gebrochen in Friedeberg, Regierungsbezirk Frankfurt ! a. d. Oder, bei Händlervieh am 3. September.
= Sßiefecf, 6. Sept. Die 40jährige Gedächtnisfeier der Schlacht bei Sedan im Kriegerverein nahm einen recht schönen Verlauf. Der Präsident Vogel brachte ein Hurra auf Kaiser und Großherzog aus. Hierauf hielt Lehrer B rau n ew el l einen Vortrag über den Gang und Verlaiis der Schlacht bei Sedan, der mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland schloß.
— Lollar, 6. Sept. Die Generaldirektion bei Buderus' schen Eisenwerke in Wetzlar überwies anläßlich der 40jährigen Wiederkehr des Krieges 1870/71 ihren j sämtlichen Angestellten und Arbeitern, die die Feldzüge ' von 1864, 66, sowie 70/71 mitmachten, je einen Geldbetrag von Mk. 50.—. Gewiß für sämtliche Beteiligte eine recht schöne unverhoffte Freilde.
— Saasen, 6. Sept. Das im vorigen Herbste an- gefangene zweite Schul haus ist soweit fertiggeslellt, daß am Sonntag, 18. d. M., die Einweihung stattfilidet. An demselben Tage wird die am alten Schulhans zu Veitsberg i angebrachte Gedenktafel zur Erinnerung an den alten ft'a lenzer mann Justus enthüllt und feierlich geweiht. Bei gutem Wetter wird dies für Saasen ein schöner Festtag , werden. Die Feier beginnt um 1 Uhr mittags.
= Weickartshain, 5. Sept. Tas Sedans fest , wurde vom Kriegerverein unter Mitwirkung der Schuljugend in schönster Weise gefeiert. Wegen der ungünstigen Witterung mußte die Feier im Saale des Gastwirts Hock abgehalten werden. Sie wurde eröffnet durch eine An- • spräche des Präsidenten Schmidt, der dabei seine persönlichen Erlebnisse in der Schlacht bei Sedan schilderte. Vorträge und Gesang wurden von den Schulkändern geboten, wofür Lehrer Velte besonderer Tank gebührt. Am Wend gab es einen Fackelzug unter Begleitung einer Musikkapelle. Feuerwerk und Tanz bildeten den Schluß der Veranstaltung.
L. Bad-Nauheim, 6. Sept. Der Bau des Emp- fangsgebäudeS unseres Bahnhofes schreitet rüstig voran. In ihm wird auch eine Nebenstelle des Postamtes eingerichtet. Von dieser neuen Filiale werden dann die Häuser vom Bahnhofe bis zur Ufa ihre Postsachen erhalten.
X. Altenstadt, 7.s Septbr. (Privattelegramm.) Ein Personenzug der Strecke Stockheim—Vilbel fuhr bei Eichen in eine Schafherde, wobei 50 Schafe getötet wurden.
= Offenbach, 6. Sept. Der frühere Verleger der Offenbacher Zeitung, Sigismund D 0 h a n y , ist heute vormittag in Dresden gestorben. — Hier starb der Werk- ! führer Joh. Jak. Wenzel, der bei der Eingemeindung Bürgels in Offenbach 1907 zum Stadtverordneten gewählt wurde.
! Ma i n z-M 0 m b a ch, 6. Sept. Eine hier von ihrem Manne getrennt lebende Frau, die seit längerer Zeit mit ! einem Arbeiter zusammenlebt und böse von sich reden macht, drohte in einer Wirtschaft einem hiesigen Geschäftsmanne mit einer Anzeige wegen Vergewaltigung, wenn er ihr nicht eine bestimmte Summe bezahle. Der Mann verstand die Sache falsch, oder vielmehr recht, und zeigte die Frau, die von dem Arbeiter angestiftet war, wegen Erpressung an. — In Mainz-Gustavs bürg überfielen einige Mainzer „Herren" mit „Damen* den Polizisten Krug und mißhandelten ihn, da er ihre Personalien feststellen wollte. Die saubere Gesellschaft hatte nämlich „Aeppel gestrenzt" und einem Bäcker ein Brot gestohlen, wobei Krug sie erwischte. Nachdem sie ihn mißhandelt hatten, gingen sie flüchtig, wurden jedoch von der Ginsheimer Polizei gestellt.
R.-B. Lampertheim, 6. Sept. Auf dem hiesigen Friedhöfe, der während der letzten Jahre schon wiederholt durch solche Roheiten heimgesucht worden ist, wurden heute abermals niedere Grabkreuze nm gerissen und beschädigt. Bis jetzt fehlt jede Spur von dem Täter, wie auch bei dem letzten derartigen Fall vor etwa einem halben Jahre der Täter nicht ermittelt werden konnte.
— Oberursel, 6. Sept. (Privattelegramm). Heute . früh 7 Uhr begann hier die Tierschau der Ausstelliing. Für das beste selbstgezüchtete Fohlen erhielt den ersten Preis des Ministeriums für Landwirtschaft Amtsrat Güngerich, Domäne Mechtilshausen bei Kastel, den ersten Staatspreis des Minifteriums für Landwirtschaft Jakob Will). Heckel mann aus Nauheim bei Limburg. Um 12 Uhr trafen Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und die Kronprinzessin von Griechenland zur Besichtigung der Ausstellung hier ein.
W Frankfurt ia. >M., 6. Sept. Infolge des un* gleichen Wachstums her einzelnen Stadtteile hat der Magistrat eine neue Abgrenzung der Wahlbezirke für dieStadtverordneten wählen vorgenommen. Die neue Einteilung wurde in der heutigen Stadtverord-» netenfitzuna von dem Stadtverordneten Zielowski (Soz.) j lebhaft bekämpft, 'weil sie nach seiner Ansicht nur dazu dienen solle, ein ferneres Anwachsen der Sozialdemokratie in der städtischen Vertretung zu verhindern. Dieser Auf-, sassung wurde vom Magistrat und von den bürgerlichen Parteien nachdrücklich widersprochen. Die Vorlage selbst ging an den Organisationsausschuß.
3ur Bekämpfung des vorgunwesens.
Die Hess. Handwerkskammer zu D a r m st a d t hat an die gewerblichen Korporationen ihres Kammerbezirks ein sehr zeitgemäßes Rundschreiben betr. Bekämpfung des Borgumvesens gerichtet. Aus dem Inhalt des Schreibens heben wir folgende wesentlichen Punkte hervor.
Das in Teutschland übliche ungebührlich lange Kreditfordern und Kreditgeben wird in den Kreisen der Gewerbetreibenidon und Handwerker bereits seit längerer Zeit als ein drückender


