Ausgabe 
5.7.1910 Erstes Blatt
 
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zeles die Verantwortung auf sick» nehmen und den Schutzmäcbtcm ntifteilen, daß die kretische Regierung die Forderung auf Zu­lassung der Muselmanen ohne Treueid annehme. Der letzige regierende Ausschutz wurde dann aus seinem Posten bleiben, das bisherige Budget verringert und die Kammer erst dann cinberufen werden, wenn die Gemüter sich beruhigt hätten, wobei, die Ab­schaffung der Eidesleistung auch für die Christen in Aussicht ge­nommen sei. Die Radikalen versichern, der Plan Vcnizeles sei undurchführbar, da eine Anzahl Freunde von Benizelcs zur Oppo- >ition übergegangen sind. Die Opposition werde den Rücktritt der ^Regierung erzwingen und den Schutzmächten mitteilen, daß die Forderung der Zulassung der Muselmanen ohne Treueid un­erfüllbar sei. Der Ausgang der jetzigen Lftrsis ist kaum vor Ende dieser Woche zu erwarten.

Aus C a n e a wird demMatin" gemeldet: Die Eröffnung der Nationalversammlung sei auf Mittwoch oder Donnerstag ver­schoben worden, weil die Opposition, trotz der Bemühung des Regierung, darauf verharrt, daß die muselmanischen Delegierten nicht zugelassen werden dürfen.

Der türkische Bovkott gegen griechische Ein - g ä^n g e verschärft sich. Seine Leiter behaupten, die türkische Regierung sei nicht befugt, gegen den Volkswillen aufzutretrn. Sie drohen das Ministerium wegzujagen, wenn es kein Verständnis für den Volkswillen habe.

Frankreich und das russisch japanische Abkommen.

Paris, 4. Juli. DerTemps" meldet, daß das russisch-japanische Abkommen den Kabinetten von London und Paris übermittelt worden sei und schreibt da­zu: Frankreich und England können sich nur über die wach­sende Intimität zwischen ihren Bundesgenossen Rußland und Japan freuen. Die Rückwirkung, welche die asiatischen Konflikte zu gewissen Zeiten auf dre europäische Politik ausüben werde, wäre für Frankreich immer unangenehm, bisweilen sogar unheilvoll. Deshalb muß alles, was derartigen Zwistigkeiten durch eine Politik des Gleichgewichts und des Status quo vorbeugt, von Frank­reich willkommen geheißen werden und das ist in ganz hervorragender Weise bei diesem russisch-japanischen ,Ab- lommen der Fall. Das Journal des Debats" schreibt: Durch das russisch-japanische Abkommen, welches bereits unterzeichnet ist, wird die vollständigste Solidari­tät zwischen den russischen und japanischen Interessen in der Mandschurei anerkannt. Die beiden Mächte verbürgen sich die Stellung, welche sie in der Mandschurei einnehmen und verpflichtet, falls dieser Status quo bedroht würde, sich betreffs der zum Schutze dieses erforderlichen Maß­nahmen zu verständigen. Dieses Abkommen schafft eine wahre .Allianz zur Verteidigung und Entwickelung des Status quo der Mandschurei zum Vorteile Rußlands und Japans und bildet eine endgültige Antwort auf den Ver­such Chinas, die Oberhand in der Mandschurei zurück­zugewinnen sowie auf den Vorschlag des amerikanischen Staatssekretärs Knox betreffend Internationalifferung der mandschurischen Bahnen. Rußland kann nunmehr unbehin­dert seine Interessen in der Mongolei schützen und Japan hat freie Hand bei der geplanten Annexion Koreas.

Deutsches Reich.

Dar Kaiser trat am Montag nachmittag die Nord- landrcise an, an der teilnehrnen der Generaladjutant General der Kavallerie v. Scholl, der Chef des General- ltabes General der Jnfanrerie v. Moltke, der Chef des Militärkabinetts und der Chef des Marinetäbinetts, die ()lügeladjutanten Oberst v. Chelius, Fregattenkapitän von Bülow, Hausmarschall Freiherr v. Lyncker, Generalarzt Dr. Jlberg, Prinz Albert zu Schleswig-Holstein, Prinz Otto von Sayn-Wittgenftein, Graf zu Schlitz, genannt'.Görtz, Ge- neraladjutant v. Hülsen-Häseler, Gesandter v. Treutler, Oberst Dickhuth, Geh. Regierungsrat Professor Dr. Güß- seldt und Marinemaler Professor Stower.

Die Ernennung des Frecherrn v. Rheinbaben zum Oberpräsidcnten der Rhernprovtnz wird nunmehr amtlich bekanntgegeben, ferner die des Unterstaarssekretärs im Staatsministerium Dr. v. Günther zum Oberpräsidenten von Schlesien.

Der frühere Präsident der ersten sächsischen Stände- kammer, Graf v. K o c n n e r i tz, ist in Wurzen gestorben

In einer in Chemnitz abgehaltenen Vertrauens­mann e r - V e r s a m m l u n g der naiionalliberalen Partei und der Fortschrittlichen Vollspartei wurde beschlossen, für drc am 24. August stattfindendc Ersatzwahl in Zschopau- Mar i c n b c r g (20. sächs. Wahlkreis) den Landtagsabgeord- neterr Roch-Annaberg (Fortschr. Vpt.) und für die nächste Hauptwahl im Jahre 1911 oder 1912 im Wahlkreise An na- b crg-Erb en stock (21. sächs. Wahlkreis) den bisherigen Vertreter dieses Wahlkreises, den Reichstagsabgeordneten Dr. Stresemann (Natt.) aufzustellen. Beide Parteien haben sich verpflichtet, sich gegenseitig bei den Wahlen zu unterstützen.

Ausland.

Der Internationale Ei s e n b a h n lo n g r e ß in Bern wurde gestern nachmittag durch den Bundesrat und den Vorstcher der schweizerischen Eisenbahndepartements Dr. Forrer eröffnet. Dr. Forrer hieß die Vertreter der ausländischen Regierungen und Bahngesellschaften willkom­men und drückte der internationalen Eisenbahnvereiniguna seine Glückwünsche zum 25jährigen Bestehen aus. Namens des Kongresses antwortete Dubois-Brüssel, der Präsident der ständigen Kommission der internationalen Vereinigung und entwickelte das Arbeitsprogramm des gegenwärtigen Kongresses. Der Präsident der Generatdirettion der.Schwei­zer Bundesbahnen, Weißenbach, wurde zum Präsidenten der Vorsteher der Eisenbahndepartements, Forrer, zum Ehrenpräsidenten des Kongresses ernannt.

Aus Madrid, 4. Juli, lvird gemeldet: Nach Auf­lösung einer klerikalen Versammlung zog eine Gruppe von Demonstranten an dem konservativen Klub vorüber und stieß, vor ihm angelangt, Rufe gegen Maura aus. Es kam zu einem Zusammenstoß zwischen den Konservativen und den Klerikalen, der die Polizei veranlaßte, einzuschreiten und mehrere Verhaftungen vorzunehmen.

Der König Dänemarks genehmigte die von Claus Berntsen vorgelegte frc inisterli st e : Foltetingsabgeord- uerer Berntsen Ministerpräsident, Verteidigungsminister unb interimistischer Kultusminister,- Graf Ahlefeld-Laurvig Mi- Landwirrschaftsminister; Folketingsabgeordneter Thomas Torsen Minister der öffentlichen Arbeiten- Direktor der .Hypothekenbank des Königreichs Dänemark Jrsen Soenderup Minister des Innern; Advokat des höchsten Gerichts Buelow IustjAninister; Großtanfmann Mus Minister für Handel und Schiffahrt. Das Kultusministerium wird in den nächsten Tagen endgültig besetzt.

Der russische Kaiser bestätigte das von der Reichs- duma und dem Reichsrat o ngenommene Finnland gesetz.

Blätternicldungen zufolge verhandelt der Türkische A l ) 11 c ii ü c r c in mit der Schichauwerft wegen des

Ankaufs eines fertigen Panzerschiffes von 17 000 T. Die Blätter melden, daß der Sultan dem Gesetz über die strittigen Kirchen in Mazedonien die Sanktion erteilt habe.

37. Eauturnfest des Gaues Hessen.

K Grünberg, 4. Juli.

Die -Lage des Turnfestes sind vorüber. Was die Einrichtung und Leitung des Festes, die turnerischen Arbeiten und Leistungen betrifft, so kann man den Gau und den Turnverein Grünberg nur beglückwünschen. Das leidige Regenwetter hat aber manche Unannnehmlichkeit verursacht. An jedem der drei Festtage regnete es. Der heutige Festtag begann vormittags mit einem Spazier­gang in die neuen Anlagen des Brunnentals um er Leitung des Ehrenvorptzenden vom Turnverein, K. H. Jöckel. Von 111 Uhr war Frühschoppenkonzert auf, dem Festplatz. Um 2VS Uhr wurde Swule ein, Festzug aufgestellt, in dem die Jugend zu ihrem Rechte kam. Weißgekleidete Schulmädchen mit schwarz-rot-goldnen Schärpen gingen ^voraus, es folgten die Knaben der Volks- und Bürgerschule mit Fähnchen, dann ein Jugendtrommlerchor und die Vererne. Auf dem Festplatz gab Rektor Angelberger seiner: tfreube Abdruck, daß das Schulturnen mit dem Turnen der Deutschen Turnerschaft Hand in Hand gehe in ihrem Streben, eine wehrhafte deutsche Jugend zu erziehen Jung und alt stimmte freudig in das Gut Heil auf die deutsche Jugend und darauf in den Gesang vonDeutschland, Deutschland über alles". Lehrer Roth leitete den Aufmarsch und die,schönen Freiübungen der Knaben. Dr. Ehrhardt zeigte ebenso hervorragendes bei den Stabübungen der 80 Schülerinnen, die sich in den schwarz-rot- goldnen Schärpen gar schmuck ausnahmen. Die Uebungen der Knaben und Mädchen hatten eine große Zuschauerschar herbei­gelockt, die ihre Freude an der Turnkunp der Grünberger Jugend lwtten. Da der Boden durch den um 4 Uhr niedergehenden Regen lchlüpfng geworden war, so konnten die vorgesehenen Turnspiele nicht ausgeführt werden. Recht lebhaft ging es bei den Festwirten zu. Die Kapelle des Kaiser Wilhelm-Regiments konzertierte und dazwischen tönte vom Juxplatz herüber die Musik des Karussells und anderer Schaustellungen. Selbst heute waren die Eisenbahnzüge von kommenden und gehenden Festteilnehmern noch stark besetzt, während gestern am Bahnhof und aus den Bahnsteigen ein wahr­haft beängstigendes Gedränge herrschte. Trotz des starken Be­suchs, den das Fest aufzuweisen hatte, sind keine Unfälle bekannt geworden. Um 6 Uhr, abends fand die Preisverteilung für das Vereins-Riegenturnen statt. Folgende Riegen wurden mit Preisen bedacht:

Mu fterriegen Grün berg 1910.

1. Preis: T.-V. Butzbach (Gerät: 2 Pferde) 37.12 Punkte, M.-- ^.-V. Gießen (Reck) 37.12; 2. Preis: D.-A. Alsfeld (Stab- 36.62; 3. Preis: D.-A. Schotten (Stab) 35.75; 4. Preis: T.-V. Alsfeld (Reck) 34.87; 5. Preis: Wetzlar «Barren) 34.50; 6 Preis: T.-V. Gießen (Reck) 34.37; 7. Preis: Krofdorf (Barren) 34.25; o. Preis: Domassenheim (Lgstäbe) 33.75; 9. Preis: M -T -V Gießen, Zögl. (Pferd) 33.50; 10. Preis: Großlinden (Pferd) 32.87; 11. Preis: Fechtriege Bad-Nauheim (Säbel) 32.75, T.-V. Fechtnege Gießen (Florett) 32.75; 12. Preis:' Hermanustein (Barren) 32.50; 13. Preis: Wetzlar-Niedergirmes (Reck) 32.25, T-G. Marburg (Rech 32.25; 14. Preis: Treis a. Lda. iBarren) 32 12; 15. Preis: Schlitz, Zögl. (Barren) 32; 16. Preis: Leih­gestern, Zögt. (Pferd) 31.87; 17. Preis: Langgöns, Zögl. (Pferd) 31.75; 18. Preis: Berghausen (Barren, 31.50, Grünberg, Zögl. (3 Barren) 31.50; 19. Pr.: Msseld, Zögl. (Barren) 31.37, Schotten 31.37; 20. Preis: Grüningen (Pferd) 31.12; 21. Preis: T -G Marburg (Barren) 31; 22. Preis: T.-V. Marburg (2 Barren u. .Florett) 30.87; 23. Preis: T.-V. Gießen, Zögl. (2 Barren u Florett) 30.75, Treis a. Lda., Zögl. (Pferd) 30.75, Griedel, Zögl. (Pferd) 30.75; 24. Preis: M.-T.-V. Marburg (Pferd, 30.62, Burgsolms (Barren) 30.62; 25. Preis: Hochelheim (Pferch 30.12; 26. Preis: Ockers hausen (Barren) 30, Cappel (Barren) 30; 27. Preis: Marbach (Barren) 29.87, Obermörlen (Reck! 29.87; 28. Preis: Schlitz (Reck) 29.75, Dutenhofen (Barren» 29.75, Bad-Nauheim (2 Barren u. Pferch 29.75; 29. Preis - Sauf erb ad) (Barren) 29.50; 30. Preis: Aßlar (Pferd) 28 87; 31. Preis: Hörnsheim (Pferch 28.75, Grünberg (Pferd) 28 75, Grümngen, Zögl. (Barren) 28.75; 32. Preis: Niedermörlen (Pferd) 28.50; 33. Preis: Werdorf (Barren' 28.25; 34. Preis: Nieder­weisel (Pferd) 28, Lich, Zögl. Pferd) 28; 35. Preis: Langsdorf (Barren) 27.87; 36. Preis: Lützellinden (Barren) 27.75; 37. Preis: Allendorf a. Lahn (Barren 27.62, Heuchelheim (Barren) 27.62; 38. Preis: Cappel (Reck- 27.50; 39. Preis: Kirchhaim (Barren, 27.37; 40. Preis: Nidda (Reck, 27.25, Wetter «Rech 27.25; 41. Preis: Gut Heil Hermannstein (Barren) 27.12; 42 Preis: Kirchgöns (Barren) 27; 43. Preis: Gut Heil Watzenborn, Zögl. «Barren) 26.75; 44. Preis: MuschenheilN (Pferch 26.62, Stein­furth (Barren- 26.62; 45. Preis: ©ambad) «Barren, 26 37 M.-T.-V. Gießen (Fechtriege- 25.37; 46. Preis: Großenlinden Zogl- (Barren, 25.25; 47. Preis: Hvlzlieim (Barren) 24.75 Punkte.

2Lus Stafct und Land.

Gießen, 5. Juli 1910.

Tageskalender für Dienstag, 5. Juli: Stadt- t h e a t e r:Die lustige Witwe". Anfang 8 Uhr.

B. Die 28. allgemeine Pfarrkonferenz der evangelischen Geistlichen der Provinz Oberhessen findet morgen, Mitwoch, 6. Juli, in Steins Garten hier statt. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen bildet ein Vortrag des Pfarrers Freimdlieb-Vilbel über: Evolutions- theorie und Christentum. Auch Nichtgeistliche haben Zutritt.

Erledigt ist eine mit einem kath. Lehrer zu be­setzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Main­flingen.

Der vom RadklubGermania^ in Alsfeld errungene Preis ist im Schaufenster des Herrn Friesleben ausgestellt.

Silberne Hochzeit feiern morgen Wagenmeister Wolf und Frau, Kirchenplatz 21.

= Klein-Linden, 5. Juli. Wie nunmehr beschlossen ist, findet der Gesangs-Wettstreit des Gesangvereins , A r i o n * am 2. Jutt 1911 statt.

Lick), 3._ Juli. Die P v st u n t e vöc a m k e n v e r- ern e von Gie ß en und Bad-Nauheim besucksten heute Kloster Arnsburg und unsere Stadt. ImHolländischen Hof" vereinigten sich beide Vereine zu einend gemütlichen Zusammensein.

4. Juli. Der 30 Jahre alte Dienstlnecht Will). Muller aus Ruppertsburg, zuletzt in Bettenhausen bedienstet, wurde heute durch Waa)tmeister Daum aus Lick) wegen Sittlichkeitsverbrechens verhaftet. Er versuchte eine 66 Zahre alte Witwe in der Gemarkung ^cuichenheim zu vergewaltigen. Es entspann fick) ein Kamps und berde wurden verletzt. Der Täter floh, wurde aber in Brrilar eingeholt, dann weil er leugnete, zurückgebracht, wo er dem Gendarmen ein Geständnis ablegte, von wo aus er in das Haftlolal Lich verbracht lmtrde.

r. Londorf, 4. Juli. Auck) der heutige 2. Fest­tag des Krieg er vor eins war sehr gut besucht und verlief in schönster Weise. Eine kleine Störung vrackite kurz nach 3 Uhr ein heftiger Gewitterregen, aber bald war lMLder alles vollzählig da. Zur Verschönerung des Festes trug heute besonders der Gesangverein Frohsinri bei, der einige herrliche Lieder sang und vielen Beifall fand. Auf die gestern an den Kaiser und an den Großyerzog ge- sandteii .i'uldigungslclcgramme gingen heule folgende Ant­worten ein. Seine Pcajestät der Karser und König laffen

für H»uldigungsgrüße bestens danken. Der gebcime Käbi- nettsrat von Valentins. Seine Konigt. .Hoheit der Groß- Herzog lassen den Teilnehmern an dem dortigen Bezirks- feste und Kriegervcreinsstiftungsfeste für treuen Gruß l^erz- lich danken. Geheimerat Römheld.

w. Bad-Nauheim, 4. Juli. DerGesang­verein Frohsinn"°-Bad-Nanheim gab am Sonntag ein Konzert auf der Kurhausterrasse. Die Aufführung 13 auserwählte Lieder stand in allen Teilen auf künst­lerischer Höhe. Die «Sänger und ihr feinsinniger Dirigent Bechtolsheimer ernteten nach jedem Vortrag den rauschenden Beifall der zahlreichen Terrassenbesucher.

w Bad-Nauheim, 4. Juli. Gestern, starb hier der Generaldirektor der norwegischen Eisenbahnen, Sunde, aus Christiania. Der norwegische Justizminister Mertzberg ist zur Kur hier eingetroffen.

d. Main L, 4. Juli. In einem Run d schreiben an die Stadtverordneten weist die Bürgermeisterei auf die Kosten größerer Bauunternehmungen in den nächsten Jahren hin. Der Umbau des Stadttheaters, der nahezu vollendet ist, erfordert 817 300 Mk., die Erweiterung des Rohrnetzes des Gaswerks und Anschaffungen neuer Gas­messer 400000 Mk., die Erweiterung des Kabelnetzes des Elektrizitätswerkes 600 000 Mk., Ausbau des Rohrnetzes der Wasserwerke ufw. 400 000 Mk., Erbauung eines Wasserwerks 2 600 000 Mk., Erweiterung der Straßenbahn 350 000 Mk., Erweiterung des Gaswerks 1100 000 Mk., Erbauuna eines neuen Krankenhauses 450000 Mk., Erbauung eines ^Stadt­hauses 550000 Mk., Errichtung, eines Neubaues für die Sradtkasse 80 000 ML, Erbauung eines Polizeiamtsge- bäudes 210 000 ML, Wiederherftellung des Kurfürstlichen Schlosses 350 000 ML, eine Anzahl neuer Schulhäuser, Lehrerwohnungen 2 230 400 ML, Erbauung von Straßen, Kanälen, Kläranlage für die Kanalabwässer nebst Pump­station, Straßendurchbrüche usw. 3 875 000 Mk. Im ganzen find 16 Millionen erforderlich. Der Betrag solt nicht auf einmal durch eine Anleihe beschafft werden, sondern solb im Laufe der Jahre in Teilbeträgen auf Grund jedes­maliger besonderer Beschlußfassung durch die Stadtverord­neten ausgenommen werden. Der nach dem Vorbild vieler außerhessttchen Städte gemachte Vorschlag, die Kapitalbe- dürsnisse der nächsten Jahre in ein größeres Anlehcn zu­sammenzufassen, will verhüten, daß die Stadt unmittelbar vor der jedesmaligen Regelung eines Anleihebedarfs die Genehmigung des Staatsministeriums zur Ausgabe der Schuldverschreibungen einholen, weil die Einholung der Ge- tiehmigung öfters längere Zeit beansprucht. - Die st ä d t. Spar ka) je hat im abgelausencn Jahre 1909 34 655 Ein­leger, die ein Gesamtguthaben von 40 803 791 ML aus- wiesen. Aus einen Einleger entfielen Ende 1909 durch­schnittlich 1177.43 Ml. gegen 1160.71 Mk. im Vorjahre. Die Einlagen wurden mit 31/2 Proz. verzinst.

z. LannSbach, 4. Juli. Für Sonntag, 24. Juli, ist die Bundes-Turnfahrt des Lahn - D uns berg-- Turnerbundes festgesetzt, zu der der Turnverein eifrig Vorkehrungen trifft. Die Zahl der angemeldeten Turner ist io, groß, daß bei günstiger Witterung ein gut besuchtes Volks­fest zu erwarten steht.

RB. Darmstadt, 4. Juli. Vor dem Kriegsgericht gelangte heute eine Anklage gca/i den and Seligenstadt stammenden Dragoner Wllhelm S-B 01 g t vom Drag.-Rcgt. Nr. 23 liegen Fahne nslucht, Betrugs und D i e b st a h l s zur Verhand­lung. Der Angeklagte wurde im Herbsi 1908 bei dem erwähnten Regiment eingestellt und desertierte bereits anfangs Januar 1909. Bis zum 19. Januar trieb er fid? in Uniform herum und schwindelte sich bei mehreren Bezirkskommandos, wie in Würzburg, Neustadt, Kaiserslautern, Fulda urw^ Leipzig unter der falschen Vorw'ügellnm, er sei nad) Königsberg kommandiert, habe Lie Fahrkarte 11 nb Geld verloren, Geld aus, bis er endlich in Sangers Haufen festgenommen wurde. Nack) seiner Fluck)t verübte er in Schweinfurt, wo er sich als Sohn eines Holzhändlers ausgab, weitere Schwindeteien und wurde Ende Mai dort festgenommen. Nam Verbringung in das hiesige Militärgesängnis entwich er dann anfangs Februar. Hier­bei hatte er sich Verletzungen zugezogen, er wurde aufgegrrffen und in das hiesige Milttürhospital gebracht, aus dem er im August mit großer Kühnheit entkam. Er nährte sich teils durch Arbeu, teils durch Diebstählen, bis er Mitte Dezember in Frankfurt ver­haftet wurde. Der Angeklagte erhielt eine Gefanttstrafe von 3 Jahren Gefängnis, 4 jährigem Ehrverlust und wurde aus dem Heere ausgestoßen.

Leipzig 4. Juli. In dem Disziplinarprozes; gegen den Ober- postassqtenlenZ 0 11 i t f d) erkannte der Tisziplinarhof auf Verwerfung jowohl der Berufung der Staatsanwattschaft als auch des Be­schuldigten.

Zur Zahrt des LuftschiffesDeutschland" gibt die Wetterdienststelle in Aachen folgende amtliche Erklärung über die Wettervorhersage: Weder am Montag nachmittag noch Dienstag früh vor Antritt der- Fahrt find Er­kundigungen seitens der Deutschen Luftfchissahrt-Gescllschaft zu Düsseldorf eingezogen worden. Eine offizielle Beteiligung der Aachener Dienststelle fand nicht statt, jedoch sollten über die Er­richtung eines aerologisd)-meteoro1ogischen Dienstes Dienstag Ver­handlungen gepflogen werden, wozu der Direktor des Observa-, toriurns sich Dienstag früh nach Düsseldorf begeben hatte. Dennoch wurde Montag vormittag ein Telegramm gegen 9 Uhr mit den Windmefsungen, gegen 11 Uhr ein Telegramm über die Wetter­lage gesandt. In dem letzteren wurde ausdrücklich der veränder­liche Witterungscharakter bei lebhaften bis böigen Würden betont, die später an Stärke Nachlassen würden; letzteres bezog sich natürlich im wesentlichen auf die kommende Nacht, was auch eintraf. Auch ist es unzutrcfsend zu behaupten, daß diese Nach­richten zu spät ankommen würden. Der Wetterdienst ist stnallich geregelt, und es kommen bekanntlich die Wettertelegramme in der Zeit von 9V3 bis 10 Uhr an, so daß die Wetterlage des gleichen Tages erst um 10 Uhr übersehen werden kann. Für diesen Zweck besteht ein internationales Netz meteorologischer Stationen, die ihre! Berichte um 8 Uhr den einzelnen Zentralstellen mitteilen, von wo die weitere Bearbeitung erst erfolgen muß. Daher können erst nach 10 Uhr die Vorhersagen ausgestellt werden. Die Wind­messungen werden in der Zeit von 89 Uhr angeftellt. Vor Antritt der Fahrt am Dienstag hätte man sich, da die Nachrichten von Montag nunmehr veraltet waren, in Aachen bei der Wetter­dienststelle erkundigen und die Fahrt wenigstens bis zum Ein­treffen der Windmeffungeil (gegen 9P 4 Uhr) verschieben können, um so mehr, als die Wetterlage als ungünstig von vornherein bezeichnet war. Die Windmessmrgen ergaben in einer Höhe von 500 bis 1000 Meter eine Geschwindigkeit von 1618 Sekunden­meter, womit von selbst Fahrten von Motorluftsd)iffe'n mrmög- lick) waren. Diese Wiirdgeschwindigkeit mußte, da das Schiff zeitlich und örtlich dem Tiefdruckgebiet näher kam, bei Tage zunehmen, was aus der Wetterkarte am Dienstag auch ohne weiteres zu erkennen war. Im übrigen sei noch bemertt, daß nad) Vorlage der Wetterkarten und der aerologisd-en Messulrgen gegen 10V2 Uhr die Gesahr, worin sich das Luftschiff befand, vollends erkannt wurde.

Schwerer Lisenbahnunfall in Amerika.

Heber einen schweren Eiseilbahnmrfall, dessen Opfer bisher, noch mcht genau zu -ermitteln waren, erhalten wir lrachstehenpe Drahtnachrichten: