Ausgabe 
3.1.1910 Erstes Blatt
 
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nicht danach trachten, zu zerstören, sondern das Recht der Nation zu verteidigen.

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Ofenpest, 31. Dez. Der Finanz Minister bat mit Rücksicht auf das Fehlen eines verfassungsmäßigen Staats- hauShaltungsgesetzeS angeordnet, daß die direkten Steuern nicht ein getrieben und im Falle der Nichtbezahlung dieser Steuern für die Dauer deS Exlex-ZustandeS Verzugszinsen nicht angerechnet werden sollen. Hingegen werden die notwendigsten Ausgaben, Beanitengehältcr und Zinsen der Staatsschulden weiterhin geleistet werden. Die Suspendierung der Zahlungspflicht direkter Steuern schließt die freiwillige Zahlung nicht aus. Wie das Ungarische Telegraphen- Korrespondenz-Bureau dazu bemerkt, bilden die direkten Steuern einen verhältnismäßig geringen Teil der Staatseinnahmen.

Der Regierungswechsel in der Türkei.

Konstantinopel, 1. Januar. Von Hakkl Bey ist gestern ein Telegramm eingetroffen, in dem er sich grund­sätzlich mit der Antwort der jungtürkischen Partei auf die von ihm gestellten Bedingungen einverstanden erklärt und seine Abreise von Rom auf den 4. Januar ankündigt.

Wie verlautet, hat Hakki Bey auch eine allgemeine Amnestie für die kriegsgerichtlich Verurteilten angeregt, eine Maßnahme, die die Rückkehr der ^Würdenträger des alten Regimes ermöglichen könnte. Nach authentischen Informationen gewährt ihm die jungtürkische Partei volle Auktionsfreiheit.

WieJeni Gezetta" meldet, iit Hilmi Pascha zum türkischen Botschafter in Paris ausersehen.

Berlin, 31. Dezbr. Wie ein Korrespondenz-Bureau mitteilt, ist die Meldung von der Ermordung des früheren Malis des Jemen falsch. Hassa Tahsin bcinifiioniectc wegen Krankheit; er besindet sich auf der Reise.

Lrankreich und Montenegro.

Antivari, 2. Jan. Nach der Ankunft der franzö­sischen Schiffsdivision sandte Fürst Nikolaus «an den Präsidenten Fallier es ein Telegramm, in dem er seiner Freude Ausdruck gab über das Erscheinen der französischen Schisse in den montenegrinischen Gewässern, das den Montenegrinern Gelegenheit gebe, ihre aufrichtige Freundschaft zu be­kunden, die ioIIc Slatven mit der großen, edlen französischen Nation verbinde. __ .

Bei dem im Palais zu Topolitze zu Ehren des französischen Geschwaders gegebenen Galadiner brachte Fürst Nikolaus einen Trinkspruch aus, worin er sagte, angesichts der spon­tanen Kundgebung der Sympathie und Freundschaft Frankreichs empfinde er ein tiefes Gefühl, in dem «sich Liebe, Bewunderung und Dankbarkeit mische. Nichts habe seine Zuneigung zu Frankreich erschüttern können, das seine geistige Nährmutter gewesen sei. Admiral Pivet erwiderte, er sei glücklich, die ersten Schiffe in die montenegrinischen Gewässer geführt zu haben. Er sei überzeugt, daß die Schiffs anderer Nationen folgen würden, um Montenegro zu beweisen, rote hoch sie den Charakter und die Tapferkeit der Montenegriner, sowie die _ politische Bedeutung und Persönlichkeit des Fürsten Nikolaus schätzten.

Heer und Flotte.

Berlin, 1. Ian. Dem General der Infanterie v. Bülow, fnnrmflnbiereitber General des dritten Armeekorps, wurde der Schwarze Adlerorden verliehen.

Deutsches Ucicb.

Der Kaiser nahm am 31. Dez. nachmittags im Neuen Palais den Vortrag des Reichskanzlers ent­gegen.

Eine Berliner Zeitung hatte mitgeteilt, der deutsche Staatssekretär, Freiherr v. Schoen, habe Besuchskarten mit der AufschriftBaron de Schoen" im Gebrauch. Gegenüber der Anzweifelung dieser Nachricht durch die Deustche Tageszeitung" kann dieTägl. Rundsch." bestäti- gen, daß ihr selbst eine solche Karte mit der AufschriftBaron de Schoen", welche der Staatssekretär einem Abgeord­neten des deutschen Reichstages übersandt hatte, schon vor Wochen vorgelegen hat.

Auf Grund des zwischen der bayerischen Staats- regierung und dem fürstlichen Hause Thurn und Taxis abgeschlossenen V er t r äg e s verzichte das fürst­liche Haus ab 1. Januar 1910 auf alle Portofreiheiten, die den Mitgliedern, den fürstlichen Beamten und den Dienst­stellen auf den bayerischen Posten vertragsmäßig einge­räumt waren.

Die Demokratische Vereinigung der Herren v. Gerlach und Dr. Breitscheid ist in voller Auflösung be­griffen. Nach einem Bericht derVoss. Ztg." kam es in einer Versammlung, die die abgesplitterten Milglieder derDemo­kratischen Vereinigung" gegen den Hauptverein und seine Leiter veranstaltet hatten, zu höchst unerquicklichen Szenen. Viel hätte nicht gefehlt, so wäre man zu Tätlichkeiten geschritten. Von der einen Seite wurde immer der anderen Seite diewahre Demokratie" abgesprochen. Der Zwist war entstanden aus rein persönlichen Differenzen, wobei Neid, Mißgunst, Großmcmnssircht eine durchaus überwie­gende Rolle gespielt zu haben scheinen. Die Vorwürfe stei­gerten sich zu ehrenrührigen Beschuldigungen schlimmster Art. Man hatte den Eindruck, daß die neue Bewegung die Bahn vollständiger Selbstzerfleischung beschritten hat. Die Voss. Ztg." bemerkt dazu: Diese Vorgänge sind sehr lehr­reich für diejenigen Kreise, die Neigung verspüren, auch die Herren v. Gerlach und Breitscheid sämt ihrem Anhang der neuen Deutschen Freisinnigen Boltspartei zuzuführen.

Der geistliche Redakteur des Antizentrumsb a tesDer Lothringer", Abbe Lück, läßt es an zielbewußter Energie im Kampfe gegen das Zentrum nicht fehlen. Er hat den katholischen Hilfspfarrer Ncysius von Fleisheim ver- ftagt,. weil dieser von der Kanzel herab u. a. erklärt hat, ec sei durch Bischof Benzler ermächtigt, diejenigen zu ex­kommunizieren, die denLothringer" lesen. Die Verhand­lung sollte am 22. Dezember im Amtsgericht zu Finstingen vor sich gehen, wurde aber auf den 19. Januar 1910 ver­tagt, weil der als Zeuge geladene Beschof Benzlep nicht erschienen war. Der Kläger erklärte, daß er auf eine kom- inissarische Vernehmung des Beschoss nicht eingehen könne. Bischof Benzler wird also persönlich unter Eid auszusagen haben, ob er jene Anweisung, das Antizentrumsblatt auf die angeführte Art zu boykottieren, -wirklich gegeben hat. Dem Beklagten schien übrigens ein Vergleich erwünscht zu sein, aber Abbe Lück erklärte:Ich bin einmal in Akülhausen einen Vergleich eingegangen. Dieser Vergleich ist von der Ientrumspresse derart illoyal ausgeschlachtet worden, daß ich mich mit diesen politischen Gegnern zu einem Vergleich nicht mehr hergeben mag." Man darf recht gespannt auf öte Verhandlung am 19. Januar sein, zu der B-schor Benzler nunmehr amtlich als Zeuge geladen werden wird.

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bewilligt worden. Ter von den deutschen und tschechischen ärzt­lichen Standesorganisationen über die Klinik verhängte Boykott ist hierauf aufgehoben worden.

Ter englische Schatzmeister Lloyd George verspottete in einer Rede, die er am Samstag in Reading hielt, die Furcht vor den Deutschen und sagte, (SngLanb solle Deutschland lieber nachahmen in seiner Sorge für den Schutz der Arbeitergegen Krankheit und Invalidität. Tas Budget ermögliche solchen schütz.

Tas russische Kais er Pa ar ist am 31. Dez., nachdem das Geschwader mit der Leiche des Großfürsten Michael Nikolcye- witsch in Sebastopol eingetroffen war, mit seinen Kindern nach Zarskoje Sselo abgereist, nro es nachmittags eintraf.

Tie russische Reichsduma wurde aus Anlaß des Weih­nachtsfestes durch einen Erlaß des Kaisers bis zum 2. Februar 1910 vertagt.

Ter König der Bulgaren hütet infolge einer starken Erkältung, die er sich bei der Besichtigung der schwimmenden Aus­stellung in Burgas zugezogen hat, das Bett. Die Absicht, zu der Beisetzungsfeier des Großfürsten Michael von Rußland nach Petersburg zu reisen, ist daher aufgegeben worden.

Aus Athen w:rd gemeldet: Tie durch die Demission des Ministers des Innern Triantaphillikes am Samstag eingetretene Krisis ist, wie hier versichert wird, bei- gelugi Ter König bewog den Ministerpräsidenten Mavromichalis, dec ursprünglich die Demission nicht annehmen wollte, dazu, die Einwilligung zu geben, da der Rücktritt des gesamten Kabinetts ernste Schwierigkeiten nach sich gezogen hätte. Tie Unterredung des Königs mit dem Ministerpräsidenten dauerte drei Stunden. Tie Kammer wird am Montag die Arbeiten sortsetzen und bis Ende des Jahres alten Stiles tagen.

Ein spanischer Ministerrat beschäftigte sich mit der finan­ziellen Lage des Landes. Es wurde festgestellt, daß der Staats­schatz nach Abzug aller Ausgaben einschtießlich der für Melilla, am 31. Dezember einen Ueberschuß von 77 Millionen aufweist.

Aus Lissabon meldet man: Tie Cortes wurde vom König feierlich eröffnet. Die Thronrede hebt die guten Be­ziehungen zu allen Machten hervor und bespricht die Unterhand­lungen betreffend die Abgrenzung im Gebiete von Macao, sowie die Absclüießung neuer Handelsverträge.

Chile hat mit Beginn des Jahres 1910 eine Normal­zeit eingeführt, die der Zeit in Greenwich genau uint 5 Stunden nachgeht.

Aus Washington wird gemeldet: Im Hinblick auf die zunehmende Bedeutung der amerikanischen In­te ressen im fernen Osten, sowie aus technischen Gründen beschloß das MarinedepartemeM, die jetzige Pacificflotte in eine Asiatische und Pacific-Flotte zu teilen.

Wie Reuter iaus Peking erfährt, hat die chinesische Regierung bcm portugiesischen Gesandten eine Note überreicht, in der in oller Form abgelehnt wird, die Frage der Abgrenzung Macaos einem Schiedsgericht zu unter­breiten. Diese Frage fömte nur von China uitb Portugal ent­schieden werden.

Aus Staöt itnö Land.

Gießen, 3. Januar 1910. Bauernregeln im Januar.

Die Bedeutung des Monats Januar fürden 2 an b mann Der erste Monat des Jahres, Januar, deutsch Jänner, Hartung oder Eismonat genannt, hat vor allem bei Unseren Landleuten eine große Bedeutung. Der Januar muß Schnee und Kälte bringen, wenn er dem Landmann gefallen soll, wie mancherlei Bauernregeln besagen. So heißt es:

Reichlich Schnee im Januar machet Dung fürs ganze Jahr! oder:

Januar muß vor Kälte En cf en, wenn die Ernte soll gut sacken.

Dagegen:

Im Januar viel Regen und Schnee

Tut Saaten, Wiesen und Bäumen weh! und:

Januar warm, daß Gott erbarm!

Klarer Frost und Schnee im Januar soll einen schönen Sommer im Gefolge haben:

Ist der Januar hell und weiß, Wird der Sommer sicher heiß.

Auch besondere Werktage hat der Januar in alten Bauernregeln. Gleich das Wetter des ersten Tages soll bedeutungsvoll sein. Denn:

Morgenrot am ersten Tag

Unwetter bringt uns große Plag.

Ferner:

Zu St. Pauli (10. Januar) Sonnenschein

Bringet ein viel Korn und Wein, und:

Wie das Wetter an Marcellus (16. Januar) war,'

So wird's im September, ob trüb oder klar.

Mit der Zunahme des Sonnenlichtes beginnt mm auch langsam wieder die Entwickelung in der Natur, und vom Fabian- und Sebastianstage, dem 20. Januar, heißt es in einer alten Bauernregel:

An Fabian und Sebastian

Soll der Saft in die Bäume gähn.

Wollen wir hoffen, baß bas angebrochene Jahr 1910 dem Landmann, Weinbauer und Obstzüchter ein Segens­jahr werben möge.

** Ordensangelegenheit. Der Großherzog hat dem Hausverwalter und Bademeister Kissel in Bad Nau­heim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom Fürsten von Montenegro verliehenen Ritterkreuzes des Tschernagorischen Unabhängigkeitsorbens (früher Kreuz Da­nilo I.) erteilt.

** Lehrerpersonalien. Uebertragen würbe bcm Schulamtsaspiranten Val. Deckert aus Bensheim bie Lehrerstelle an ber Gemeinbeschule zu Rembrücken, bcm Schulamtsaspiranten Gg. Friedrich aus Linbenfels bie zweite Lehrerstelle an ber Gemeinbeschule zu Gammelsbach.

* * Oberrechnungsiammer - Personalien. Der Großherzoa hat ben Oberrechnungsrevisor bei ber I. Jn- sti.ilatur-Ableilung ber Oberrechnungs.ammer Hch. Erb auf jetn Nachsuchen aus bem Staatsdienste entlassen.

* * Neue Kommerzienräte. Der Großherzog hat bem Bankbirektor Adolf Hügel zu Darmstabt unb bem Teilhaber ber Firma Martin Mayer in Mainz, Fabrikanten Sacky Richart ben Charakter als Kommerzienrat verliehen.

* * Studentische Unterrichtskurse. Der Kurs in einfacher Buchführung beginnt schon Montag, 3. Januar, roieber; bie übrigen Kurse, soweit nicht anbers verabrebet, erst in ber folgenben Woche.

Neuer Hofmetzgcr. Dem Herrn Adolf Möhl, Fabrik feiner Wurst- und Fleischwaren, ist ber Titel eines Großherzoglichen HofmetzgecS" verliehen worden.

** Aus der Freiherrlich von Weyherischen Eleonoren- Stiftung ist eine Pension neu zu ver­geben. Es werden daher alle die, die auf Grund der Ver­ordnung vom 19. Januar 1848 um eine solche Pension nachsuchen wollen und nicht bereits früher um eine solche eingekommen sind, aufgefordert, spätestens bis zum 29. Jan.

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** Der Charakter als Overausjeyer würbe bem mit ber Versetzung der Geschäfte bes Verwalters tun Provinzialarresthaus in Gießen betrauten Ge fangen cmf jeher an ber Zellenskrafanstalt Butzbach Karl Mölcher erteilt.

* Stadttheater. Da Herr 9lorben sich vorüber­gehend Schonung auferlegen muß, so ist für die morgige Di°n§tagS-Abonnements--Vorstellung statt des angetunbigten LustspielsDer Weg zur Hölle" ber SchwankDer selige Toupinel" angesetzt worben. Der lustige Schwank hat bei seiner Aufführung am Cyloesterabcnb einen lebhaften Heiter­keitserfolg davongetragen.

** Kinder-Konzert. Gestern nachmittag war Steins Saalbau bis auf den letzten Platz gefüllt, inan war gekommen, um zu hören, was die dem Musiklehrer Kruse anvertraute Jugend gelernt hat. Es ist sehr schwer, zu sagen, was bewunderungswürdiger ist; bie Gebulb unb das Geschick bes Lehrers, 30 Kirabe n. unb Mädchen im Alter von 8 bis 15 Jahren zu so trefflichem Zusammenspiel zu bringen, vder die Leistung der Kinder. Der von den Hörern gezollte Beifall war wohl verdient. In ber Pause und am Schluß des Programms erfreute Kammermusiker Willy Kruse von der Oper in Kassel bie Hörer durch Schumannsche und Chopinsche Konzertstücke sowie durch zwei Sonaten von Bach, die er mit feiner Technik vortrug. Herr Kruse feit, beabsichtigt, einer Einladung nach Lauterbach Folge zu geben und dort mit seiner Kinder-Musik ein Konzert zu veranstalten.

* DaS Mu seum des Oberhessischen GeschichtSvereinS im alten Schloß ist für Besucher vom 15. Januar bis 15. Marz geschlossen.

* Besitzwechsel. Bauunternehmer F. Christ ophersen verkaufte an ben Rentier Georg Schwaab von Ober-Mock- itabt sein Anwesen Wilhelmstraße 53 für 38 000 Mk. und nahm dagegen in Tausch bas Schwaab'sche Haus in Ober» Mockstadt mit 20000 Mk. an.

**DerVorstandderGießenerBcstattungS-- g eno ss enschaf t teilt uns mit, daß die Genossenschaft, um das allerdings für niemand angenehme Ankäufen eines Sarges, sowie die Besorgung sämtlicher Bcstatluugs-Ange-- legenheiten zu erleichtern, ihre Verkaufsstelle in ben Laden deS Schreinermeisters Fritz Rosenbaum, £ötoem,ajc 20, ver­legt hat. Herr Rosenbaum übernimmt die Funktion bes Magazin-VerWalters. (Näheres Inseratenteil.)

* * Die Hauptversammlung ber hessischen Landwirtschaftskammer findet am 17. Januar statt.

** Die Neujahrsnacht ist diesmal int allgemeinen ruhiger verlaufen als im Vorjahr. Bloß um die eigentliche Jahreswende wurde es etwas lebhafter, namentlich in der inneren Stadt. Erfreulicherweise blieb der Ausdruck der Neujahrsfreubigkeit immer in ben Schranken, so baß bie Polizei recht wenig zu tun fanb.

** Auf bie Glaubrecht-Ged ächt» iss eie r, bie von ber hessischen Vereinigung für Volkskunde unb dem Ge­schichtsverein morgen abend veranstaltet wird, seien alle Freunde des bekannten oberhessischen Volksschrift'iellccs wch- lnaks hingewiesen. Im Mittelpunkt ber Feier steht ein Vortrag von Professor Dr. Noeschen.

= Lich, 2. Jan. Im Zeichen ber Weihnachtstagc stand noch die Lgeitrige Abcndunterhaltung, die ber Gesang Der einCacilia" seinen Mitgliedern und Freunden im Hei- landschenSaale bot, der bis ans den letzten Platz gefüllt mor. Ein Theaterstück, Christbaum, Wcihnachtslicder und Wcibnachls- glocken bildeten den Mittelpunkt dcc Feier, um den sich dic übrigen Veranstaltungen zu einem in jeder Beziehung gelungenen Ganzen gruppierten. Das Hauptinteresse nahmen natürlich wieder die von der Sängcrschar unter Leitung von Lehrer Wilhelm Zimmer vorgetrogenen Darbietungen in Anspruch. Neben Be­kanntem befand sich manches Neue unter den Gesängen. Auch die von dec Kapelle Hisgcn gespielten Konzertstücke fanbeit leb­haften Beifall. Mit der Abendunterhaltung war eine Ju­biläumsfeier des 1841 gegründeten Vereins verbunden, dec ihn den Wirren des Jahres 1848 allerdings auf längere Zeit einschlieft und erst 1859 wieder neu belebt wurde. Am 22. Nov. 1909 hätte die 50. Wiederkehr des Tages, der für die weitere Entwicklung derCacilia" den Grund legte, festlich begangen werden müssen, verschiedene Umstände ermöglichten es aber damals', nicht. Deshalb wies der Vorsitzende Hch. Schmidt gestern abend in einer Ansprache, in der er der zum Teil noch lebenden Mitbegründer gedachte, auf den Gründungstag hin. Zugleiä) brachte er ein vom Ortseinnehmcr Phil. Zimmer, dem damaligen Dirigenten des jungen Vereins, jetzt einer der ältesten Bürgey unserer Stadt, verfaßtes Gedicht zur Verlesung, das des fünfzig­jährigen Bestehens und einer frohen Zukunft derCäcflia" gedenkt.

/\ 9)1 ü n ft c r bei Lich, 2. Jan. Die Wetterauer Kalk- und Steinindustrie will den sehr ergiebigen Basaltbruch' an b^r Steinesmühle von der Gemeinde pachten unb dort, ein Basaltwerk mit Klopfmaschinen einrichten. Die An­gelegenheit wurde am Donnerstag im Gemeinderat geregelt. Auf dem Gebiete des früheren Braunkohlenberg­

werkes Hesfenbrücker Hammer wird nach Kohlen ge­bohrt. Man ist auf gewaltige Basaltlager gestoßen, unter denen man die Kohlen vermutet. Unsere Gemeinde wird m diesem Jahre an ba§ staatliche Wasserwerk Lautci

angeschlossen.

4 Muschenheim, 2. Jan. Einer der ältesten Ein- wotzner unseres Ortes, der 75jährige Landwirt Gilbert Koch, bei dem die Gemeiudeochsen untergebracht sind, wurde schwer v e r l e tz t im Stalle aufgefunben. Er war beim Füttern von einem ber Tiere so unglücklich angepackt worben, baß nach schweren Verletzungen bes Kopfes unb ber inneren Or­gane sofort ber Tod cintrat. Heute würbe der Verstorbene, ber sich hier großer Beliebtheit erfreute, unter großer Be­teiligung cms dem Dorfe und aus der Umgebung beerdigt.

- r. Stockheim, 2. Jan. Es soll in aller Kürze hier eine größere Versammlung stattfinden, in der Beschlüsse über Eyendahm'ragen, besonders Wünsche zwecks Herbeifüh­rung eines besseren Anschlusses auf der Stecke Vilbel HeldenberqenStockheimLauterbach bereiten werden sollen.

n. Babenhausen b. Mücke, 31. Dez. Am 1. Januar wird ein SDerr Klaußen, der seither auf der Molkerei in Weickartshain beschäftigt war, hier eine Milchentrah- 111 u n g 5 ft a t i o n errichten. Klaußen will zunächst int Erd-, geschoß der Wirtschaft von Bär arbeiten, um bann später einc^i größere Molkerei unterhalb bes Dorfes $u errichten. Heute würben bie hierzu nötigen Geräte von der Station Mücke 1 hierhergcdracht.

? Villingen, 2. Jan. Mit Wirkung vom 1. Januar ist der seit etwa 6 Jahren hier tätige Lehrer Thöt nach Nieder-Namstadt versetzt worden. Nur ungern sieht man den beliebten Lehrer von hier scheiden.

jl Schlitz, 31. Dez. Am Donnerstag vormittag hat^ sich ber ledige Taglöhner Friedrich H i ck m a n n von hier