Wiesbaden, 1. Mai. Um 5 Uhr 45 Minuten trafen dq5 Kaiserpaar, die Prinzessin Viktoria Luise und das Gefolge im Sonderzug hier ein und begaben sich nach dem königlichen Schloß, wo sic Wohnung nahmen. Die Majestäten und die Prinzcsiin erschienen, so meldet der amtliche Bericht, nach ihrer Ankunft im königlichen Schlöffe auf dem bekannten Eckbalkon nnd wurden von der tausendköpsigen, vor dem Schloß versammelten Menge stürmisch begrüßt.
Die Maifeier der Sozialdemokratie.
Gießen, 2. Mai.
Die Maifeier der hiesigen Sozialdemokraten verlief ohne Zwischenfall. Der Festzng, in dem ciwa 500 Personen gezählt wurden, während btc Parteileitung mit mehr als 1OOO gerechnet hatte, bewegte sich durch die Straßen, deren Benutzung die Poltzer gestattet hatte, also in der Innenstadt lediglich durch solche, die teilte Straßenbahn haben. Auf dem Festplatz, der Winn- schen Licgcnjchaft neben dem Gewerkschajtshause, vergnügten sich die zahlreichen Festbesucher, von denen viele aus den uinliegcndcn Orten stammten, in der herkömmlichen Weise. Die Festrede hielt Stadtv. Zielowski aus Frankfurt.
Die bisher vorliegenden Nachrichten ausdem Reiche lassen daraus schließen, daß der erste Mai in Ruhe und ohne Zwischenfälle verlaufen ist. Dasselbe wird au§ der Schweiz berichtet; nur in .Genf kamen einige Ruhestörungen vor. Sogar in Paris hatte die Polizei nur mit kleinen Zw i schenfällen zu tun.
Aus Hoffen.
Bezüglich der F r e i f a h r t k a r t c n für d i e M i t- g lieber der Zweiten Kammer sind Zweifel entstanden, was unter „S i tz u n g s Periode", für deren Dauer, sowie acht Tage vor und acht Tage nach dieser die aus- gestelltcn Frei, ahr klarten Gültigkeit haben, zu verstehen ist. Wie die Kammerlanzlei den Abgeordneten nun mittcilt, bildet nach einer Auslegung des Großh. StaatsministerinmS die dreijährige Legistvturpcriode (Landtag) eine Session (Sitzungsperiode), insolang'e nicht der Landtag durch landesherrliches'Edilt gemäß Artikel 58 des Gesetzes, die landständige Geschäftsordnung betreffend, vom 17. ^Juni 1874 verkant wird.
Deutsches Aereh.
Der Entwurf betreffend Aenderung des Post- ta x g e s c tz e s ist dem Reichstage zugegangen. Der Entwurf bestimmt, daß eine Gebühr für Posteinliescrungsscheine bei gewöhnlichen Paketen und für Postschließfächer erhoben werden darf. Bisher wurden bei Paketen Einlieferungsscheine erteilt bei Wert- und eingeschriebenen Paketen, der .handel wünscht aber auch für den Verkehr nach überseeischen Ländern, nach denen die Aufgabe eingeschriebener Pakete nicht immer zulässig ist, eine Bescheinigung über eingelieferte Mete. Die Post übernimmt dadurch bei gewöhnlichen Paketen keine Regreßpflicht, doch dienen die Ernlieferungs- Icf)eilte den Versicherungsgesellschaften gegenüber, die die Pakete gegen Verlust versichern, als rechtsgiltiger Beleg. Die Bescheinigung, die eine Mehrarbeit für die Post verursacht, soll mit einer Gebühr von 10 Pfg. belegt werden, bei der Versendung von zwei und drei Paketen mittels einer Paketadresse wird mir die einfache Gebühr erhoben.
Aus Wiesbaden wird gemeldet: Ter konservative Parteitag der Provinz Hessen-Nassau, der am 1. Mai nachmittags hier unter dem Vorsitz des Oberleutnants a. D. Wilhelmi aus Wiesbaden tagte, nahm folgende Entschließung an:
„Die Provinzialversammlung der konservativen Partei von Hessen-Nassau spricht dem Vorstand der deutsch-konservativen Partei ihr vollstes Vertrauen und ihren Dank für die erfolgreiche Arbeit der letzten Fahre deutsch-konservativen Partei ihr vollstes Vertrauen und ihren Tank für die erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre aus. Sie hofft, daß es gelingen wird, die staatser- haltenden Parteien zu einer fruchtbringenden Tätigkeit für unser Vaterland wieder zu einigen."
Die fortschrittliche V o l k s p a r t e i in Bayern konstituierte sich am Sonntag. Zum Vorsitzenden des Landesausschusses wurde Reichstagsabg. Dr. Müller- Meiningen gewählt.
Der Vorstand des Deutschen Stüdtetages trat am Sanstag unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters Kirschner zur Beratung der Vorlage über die Reichswertzuwachssteuer zusammen. Nach eingehender Beratung wurde beschlossen, schleunigst eine Eingabe an den Reichstag und an den zuständigen Ausschuß zu richten, in welcher der in der Eingabe vom 14. Juni 1909 vertretene Standpunkt, daß die Zuwachssteuer als Reichssteuer zurzeit ungeeignet fei, aufs neue betont wird. Die Beratung ergab allgemeine llebereinstimmung im Vorstände.
hingelegt worden, wo er jetzt, 20000 Jahre später, gefunden wurde.
— E i n jüdisch-christliches P s a l m b u ch aus dem c r st er. Iahrhunder t. Der größte Fund, der seit der EM- dcckung der Apostellehre für die Entstehungsgeschichte des Christentums gemacht worden ist, die jüngst von Rendel Harris in shrischer Uebersetzung entdeckten sog. Oden Salomos, werden demnächst in einer Ausgabe Adolf 5) arnacks in deutscher'Sprache erscheinen, im Zusammenhang der Texte und Untersuchungen zur Geschichte der altchristlichen Literatur. Harnack weist nach, daß die Oden ursprünglich ein jüdisches Liederbuch aus dem letzten Jahrhundert vor der Zerstörung Jerusalems sind, also aus dem Zeitalter Christi, und daß sie sehr bald darauf von christlick)er soanb in Palästina bereichert und vermehrt wurden. Nachdem Haimack den Beweis geliefert hat, daß das von Harris entdeckte Psalmbuch die alten Oden Salomos sind, über ihr Alter, ihre Ursprache und die Einheit der Oden ein vorläufiges Urteil abgegeben und sich über das Verhälwüs des syrischen zum koptischen Texte ausgesprochen hat, gelangt er zu einer Scheidung des Jüdischen und Christlichen in dem Psalmbuch. Er trennt das religiöse Selbstbewusstsein, die Frömmigkeit und Theologie des jüdischen Sängers, dessen Spuren er nachgeht, und das Werk wie den Standpunkt des christlichen Bearbeiters. Die Oden haben deshalb geschichtlich eine hohe Bedeutung als Urkunden für die Entwickelung der besonderen, Frömmigkeit im Judentum und als Urkunden für das älteste Christentum in Palästina, für dessen Entstehung hier manches neue zu lernen ist. Die deutsche lieber- setzung, die Harnacks Erläuterungen zugrunde liegt, ist eine Arbeü von Prof. Dr. Johannes Flemming.
— K u r z e N a ch r i ch t e n aus K u n st u. Wissenschaft. Die belgische Kammer hat das i n t e r n a t i o n a t e A b k o m in e n von Berlin über den Schutz von literarischen und k ü n st- lerischen Werken angenommen. — In Düsseldorf wurde gestern, am 1. Mai, die Ausstellung von S chü l erarbeiten der Kunstgewerbe--Lehranstalten der Rheinprovinz, Westfalen und Hessen-Nassau eröffnet. — Im Berlin wurde am Samstag in den Ausstellungshallen am Lehrter Bahnhof die Große Berliner Kimstausstellung eröffnet.
Ausland.
Die italienische Deputiertenkammer nahm mit 393 Stimmen gegen 17 Stimmen bei drei Stimmenthaltungen die Tagesordnung F-aleoni an, mit der die Regierung ich einverstanden erklärt hatte, und welche besagt, daß die Kammer die Erklärungen der Regierung billigt und zur Tagesordnung übergeht.
Aus B r ii s s e l wird gemeldet : In £ erbäten wurde am Samstag in Anwesenheit des Königs das n c u_e Kolo- nialmuf eum eingew eiht und gleichzei.ig die koloniale Weltausstellung eröffnet. Kolonialminister Rentin würdigte die kolonialpoli.ischen Verdienste des Königs Leopold und führte aus, Belgien sei entschlossen, durch Förderung des Handels methodisch seine Kolonie fort- zuentwickeln. Hierauf ergriff König Albert das Won, indem er seinerseits die Verdienste feierte, die fein Vor gängcr aus dem Thron durch die Schaffung des Kongo- taates sich erworben habe. Er dankte den Missionaren, Offizieren und Beamten für ihre Aufopferung. Die Re- ormen würden fortgesetzt, um. die Entwickelung der Kolonie im Sinne der christlichen Moral zu garantieren. Belgien müsse hinsichtlich der ökonomischen Entwickelung seiner asriianischen Kolonien eine hervorragende Stellung einnehmen; deshalb sei der Ausbau der Ei senkahnen und Verkehrswege notwendig. So müsse eine Verbindung der Hauptstadt der Kolonie nach dem Herzen von Katanga geschaffen werden. Tas sei Ausgabe der belgischen Finanzinstitute.
Aus Amsterdam tvird gemeldet: Roosevelt hat abends mit seiner Familie die Reise nach Kopenhagen an getreten.
Der englische Gesetzentwurf bezüglich des Vetorechts derLordsift veröffentlicht worden. Die Grundlage für ihn bilden die Vetoentschließungen, welche bereits im Unterhause angenommen worden sind. Die Einleitung nimmt Bezug auf die Absicht, an Stelle des jetzigen Oberhauses eine zweite Kammer zu fetzen, welche auf einer volkstümlichen anstatt auf der erblichen Basis zu bilden ist. Da aber eine solche Veränderung nicht sofort durchgeführt werden kann, so sind die bestehenden Rechte der Lords einzuschränken. Der Gesetzentwurf sieht vor, daß die vom Unterhause angenommene Finanzbill, wenn sie nicht spätestens einen Monat nach der Vorlage von den Lords angenommen sein sollte, dem Könige zur Erteilung der Zustimmung überreicht und nach Erteilung der königlichen Zustim- ftimmung Gesetz werden soll.
Vom 1. Mac ab wird in Frankreich die Gewichts- e i wh e i t der Briese des Vereinsvertehrs von Id auf 20 Gramm erhöht.
Die f r a n z ö s i s ch e R e g i e r u n g bereitet einen Gesetzentwurf vor, der eine bessere U eberwach ung und Unterdrückung der Spionage ermöglichen soll.
Dius Marseille wird berichtet: Die Zahl der Strafanzeigen, die von den Kapitänen der Handelsschiffe gegen Matrosen wegen Desertion bisher erstattet worden sind, beläuft sich auf etwa 5 00.
Aus Washington wird gemeldet: Eine Spezialbot- schaft Tafts an den Kongreß befürwortet die Vollendung der Befestigungen am Panama lanal bis zum Eröffnungstermin der Schiffahrt auf dem Kanal am 1. Jan. 1915.
Aus Stafct und Land.
Gießen, 2. Mai 1910.
• * Finanzpersonalien. Der Groß Herzog hat den Steuerkontrolleur Finanzaffeffor Phil. Steinmann zu Michelstadt und den Hauptsteueramtsassistenten Paul Schlamp zu Mainz zu Revisionskontrolleuren bei dem Hauptsteueramt Mainz, den Fmanzaffessor Gg. Serth aus Ilsdorf zum Steuerkontrolleur ernannt, — den Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Mainz, Anton Spilger zu Mainz, in gleicher Diensteigenschaft an das Hauptsteueramt Darmstadt, den Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Gießen, Fnedr. Schlegel zu Gießen, in gleicher Diensteigenschaft an das Hauptsteueramt Mainz versetzt, — die Finanzaspiranten Franz 9teumann und Gg. Dül)all, beide aus Darmstadt, zu Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Mainz, den Finanzaspiranten Ludw. Meyer aus Darmstadt zum Hauptsteueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Bingen, den Finanzaspiranten Hch. Ludwig aus Alsfeld zum Haupt- steueramtsassistenten bei dem Hauptsteueramt Gießen ernannt.
• * Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Am 8. April wurde der Rechtsanwalt Dr. Hch. Fulda zur Rechtsanwaltschaft bei dem Oberlandesgericht zugelassen, nachdem er gleichzeitig die Zulassung bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg aufgegeben hat; am 12. April wurde der Gerichtsaffessor Karl Obe neuer von Kriegsheim zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Pfeddersheim zu- gelasfen.
* * Eine Bürgermeisterbersammlung für den Kreis Gießen fand am Samstag nachmittag unter deut Vorsitz des Provinzialdirektors Dr. ll s i n g e r in Grünberg statt. Wir werden über die interessanten Verhandlungen morgen ausführlich berichten.
* * Lan d e s w ai s c n t a s s e. Die Rechnung der Landeswaisenkasse für das Rechnungsjahr 1908 (Ende März 1908 bis Ende März 1909) wurde soeben veröffentlicht. Die Einnahmen betrugen 303 903,63 Mr, davon 135 830,62 Mk. Zuschüsse aus der Hauptstaarsiasse; die Ausgaben beliefen sich auf 301575,42 Mk., davon wurden 172616,72 Mk. für Die Verpflegung der Waisen, Geschenke au die aus der Anstalt austrelenden Waisen (8917), für ärztliche Behandlung usw. verwandt; 119 917,30 Mk. wurden neu ausgeliehen. Ende März 1909 waren in Verpflegung 1492 Waisen. Während des Rechnungsjahres 1908 wurden ausgenommen aus Starkenburg 138, aus Oberhessen 52 und aus Rheinhessen 119, zusammen 370 Waisen; ausgetreten sind 405 Waisen.
* * Der Aufruf z u Gunsten der Ober-Mock st ä d t e r, der von den Ministern nnd den Mitgliedern der beiden Ständekammern ausgeht, ist nunmehr erschienen.
* • Der Zirkus Schumann, der mit seinen ausgezeichneten und gut eingerichteten Zeltbauten fast den ganzen Oswaldsgarten einnimmt, eröffnete am Samstag abend fein hiesiges Gastspiel mit einer sehr schön ausgewählten und ausgezeichnet durchgeführten Spielfolge. Der alte, gute Ruf, den sich der Zirtus Schumann seit Jahren zu behalten und zu mehren wußte, hatte eine Menge Schaulustiger herbeigezogen, die das große geräumige Zelt fast bis auf den letzten Platz füllten und den gebotenen meist ganz hervorragenden Nummern mit Vergnügen und Interesse folgten. Der Vorstellung der gesamten, zahlreichen Künstlerschaft folgte ein von Ernst und Oskar Schumann famos gerittenes Spanisches Bolero, das sowohl die Reiter als auch die Pferde, die sich in vollem Lauf fast auf der Stelle drehten, in einer gcrabc.ut älänzenden
Leistungsfähigkeit zeigten. Ungemein belustigend irirftc das Auftreten von Clown Nelson und Zwerg-August Sieeardt, der sich sofort die Gunst der Zuschauer erworben hatte und die an den kleinen drolligen Mann und einen Späßen ein riesiges Vergnügen hatten. Als sehr gewandte und Eräftigc Turmer erwiesen sich die Brune t tis auf ihren langen Leitern, indem sie halzbrecherische Kunst- tücke vollführten. Eine allerliebste Nummer war die Frei- heitsdresfur Klein und Groß, die Ernst Schum an n vorführte, wobei namentlich das Ponni, das sich mit dem Zwerg-August herumbalgte, sehr freudigen Beifall fand. Eine prächtige Dressur zeigte auch der Ponnihengst Bubi, der ebenfalls von Ernst Schumann gezeigt wurde und allerliebst war desselben Herrn Vorführung des Miniatur- Jockey-Rennens auf einer Anzahl, niedlicher Ponnis. Viel Beifall fand Frl. Duboy als Blitzreiteriu und Frl. de Persky als ausgezeichnete Schulreiterin im Herrensattel, wobei ein ungewöhnliches Zusammenstimmen von Tier und Reiter zu beachten war. Eine vorzügliche Darbietung war das Auftreten der Miranos, zweier als Matrosen gekleideter Herren, die an einer balancierten zwölf Meter hohen Stange ganz hervorragendes leisteten. Prächtig und reizend war das von 9 Paaren getanzte span. Ballett. Nach einem sehr schon gerittenen Doppel-Jokeyaustritt, der zum Teil auf nur einem Pferd erfolgte, ritt Mr. Florio sein afrikamsches Dromedar mit hervorragendem Geschick in der hohen Schule vor. Es folgten die 7 Eugens, hervorragende Akrobaten, und dann die Dressuren Direktor Schumanns, die ungemein fesselten. Zuerst wurden zwei Araberpferde vorgeführt, die eine vorzügliche Schulung erwiesen und ebenso wie die anderen Pferde aus den leisesten Wink gehorchten. Dann kamen 6 braune Wallache nnd 2 Steiger, die die ganze Manege auf den Hinterbeinen durchquerten und außerordentlichen Beifall sanden. Zwölf numerierte Trakehner Rapphengste, die in ihrer Gesamtheit und teilweise auch einzeln vorgeführt wurden, leisteten geradezu erstaunliches und wußten auch ganz genau ihre 9hmuner, so daß sie nach dem tollsten Durcheinander sofort an ihre Plätze sprangen. Zum Schluß stiegen alle auf die Hinterbeine und standen eine ganze Weile. Drei tüchtig« Akrobaten stellten dann Marmorgriippen, worauf Ernst Schumann seine englische Vollblutstute Adrea vorführte und für seine meisterhafte Reitkunst stürmisch beklatscht wurde. Ec ritt dann noch Dacapo Leo, den Walzerkönig, ein Pferd, das über außerordentlich starke Sprunggelenke verfügen muß, denn es tanzt mit seinem Reiter auf dem Rücken einen regelrechten Walzer. Den Schluß bildete Frl. Genie als Voltigeuse, die auf ungesatteltem Pferde ihre Kunststücke aus- führte. — Alles in allem ein hervorragendes Programm, daß den alten Ruf des Zirkus Schumann aufs. neue begründet und mehrt.
** Der Hassia-Bezirkstag des Bezirks Gießen fand im Lenz'scheu Felseuleller statt. Vertreten waren sämtliche B.'- zirksvereine mit Ausnahme des Mariuevereins Gießen. Der Be- zirksvorsitzende, Lehrer Daab - Lollar, gedachte zuerst der Anwesenheit des Kaisers in Gießen nm 18. April nnd bat bei späterem Hierherkommen des Kaisers um allgemeine Beteiligung der Kriegervereine. Hierauf erstattete er Bericht über das Go schästsjahr 1909. Der Vorsitzende besuckste die Bezirksvereinc Bersrod, Allertshausen, Hausen, Klein-Linden und Daubringen. Die Statistik des Bezirks zeigt 38 Vereine mit 2657 Mitglieder, mehr gegen 1908 einen Verein (Allertshausen) und 56 Mitglieder, ba„u kommen noch 178 passive Mitglieder. Das Varvermögeu der Vereine ist 21224 Mark. Die Vereine erhielten seit Gründune der Hassia an Unterstützungen 56 276 Mk., davon 1909 1479 Mk. Der „Hessische Kamerad" wurde in 458 und der Hmsia-Kalnwer in 2104 Stücken gelesen gegen 1825 in 1908. Der Bezirk zahlte an den Verband 513,40 Marl und erhielt an Bonifikationen zurück 68«,77 Mark, erkrankte Kameraden erhielten 330 Marl, Waisen 110 Mari, also leistete der Verband an Vereine, Kameraden und Waisen 1127,77 Mark. Das Sammelweseu hat in mancheii Vereinen gute Anfänge gemacht, es gingen an Sammelgelder 72 Mark ein, darunter von Lollar 21,20 Mark, Londorf 10,20 Marl und Klein-Linden 10,06 iVLarf. Au der Sammlung für Ober-Mockstadt beteiligten sw) 25 Bereute mit 214,90 Mark, Lollar gab allein' 51 Mark. — Inzwischen traf vom Prästdiur.t der Hassia aus lDarmstadt Hauptmauit Waldecker ein. Daun begann die Beratung der Anträge zu dem Verbandstag in Offenbach am 5. Juni. Zu Delegierten wurden gewählt: Bettrksvorsteher Daab-Lollar und als Stellvertreter Landtagsabgeordneter Leun- Großeu-Liudeu. Kamerad Dickors erjudne, daß die Haftpflicht- augelegenheit bei Scheibenschießen bald vom Verband erledigt werden möge. Dann wurden Diplome für 25 jährige ehrenamt liche Tätigkeit im Vorstand ausgegeben an Ludwig Launsprach- Reiskirchen und Karl Kliugelhöser ui Mainzlar. Der Vorsitzende empfiehlt den Besuch des diejährigeti Bezirkssestes in Loudon Das Dezirksfest 1911 wird dem Verein Großen-Lmden übertragen. Ter Bezirksvorsteher wird beauftragt, auf dem Hassiatag 1911 Gießen als Ort der Hauptversammlung vorzuschlageu. Haupt- mamt Waldecker spricht über den Veterauenappell, der am 14. und 15. August in Darmstadt stattsindet. Aicher den Veteranen am Darmstadt und Mainz haben sich bercit-3 5000 Veteranen zu dein Wiedersehen gemeldet. Um 5 Uhr wurde der Bezirkstag mit einem Hoch auf den .Großherzog geschlossen.
•* Roheit. An einem Ladenumbau am Kirchenplatz wurde in der Nacht zum Sonntag ein neue eingesetzte Erkerscheibe im Werte von 350 Mk. von einem unbekannten Tcitei mittelst Diamant völlig zerschnitten und unbrauchbar gemacht. Anscheinend liegt ein Racheakt vor, der aber nicht den trifft, den der rohe Täter treffen wollte, denn die Scheibe ist versichert gewesen.
** Hoffnungsvolle Inge n d. Gestern gegen V212 Uhr vormittags konnte man 3 Kinder im Alter von 8—12 Jahren im total betrunkenem Zustande in den Anlagen an der Licher Straße wahrnehmen. Man tonnte schon von weitem Schnapsgeruch an ihnen feststellen. Als die Leute auf sie aufmerksam wurden, ergriffen sie die Flucht, einer über den anderen taumelnd.
x Lauterbach, 1. Mai. Die Erschließung des östlichen Vogelsberges soll durch eine neue Vogel sbergbahn von. Fulda aus erfolgen, die auch zahlreiche volkreiche Orte hes südlichen Kreises Lauterbach dein Verkehr angliedert. Dieser 4.agc wurde die Strecke vorn Präsidenten der Eiseubahndirektion Frankfurt Reuleaux und Baurat Rugeuberg im Kraftwagen betalt Die Herren hielten die Bahn für bauwürdig, da die stark bevölkerten Orte des preußisck^en und hessischen Gebietes eine Rentabilität versprechen. Die Linie soll von Fulda über Kleinlüder, Blankenau, Hohenfeld, Hauswurz, Reichlos, Gunzenau, Metzlos bis Freiensteinau führen.
xBad Nauheim, 1.Mai. Gestern vormittag wurde durch den Ortsgewerbevercin die Ge s e l l e n pr üfu n g in der Stadtschule vorgenommen, nachdem die Gesellet'^ stücke in den letzten Wochen angefertigt tvorden sind. Die Verteilung der (^ef eilen b riefe erfolgt an einem der nächsten Sonntage durch eine größere Feierlichkeit. - - Gestern nachmittag stattete Finanzntinister Braun unserem Bade einen Besuch ab, er besichtigte die neuen Badehäuser, die Sprudel und die neuen Kolonnaden. — Die r u f f i s tfyc, Gemeinde feierte heute in ihrem Gotteshausc, der


