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02/05/1910 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfatzl 12 Seiten.

politische Tagesschau.

Uebereilte Eesetzmacherei.

Nachdem wir schon am Samstag darauf hingewresen haben, daß im Reichstage die wichtigsten gegenwärtigen Vorlagen nicht im Handumdrehen erledigt werden dürsten, wird heute auch denMitteilungen vom Hansabund"von industrieller Seite" in ähnlichem Sinne geschrieben. In dieser Zuschrift werden bereits lebhafte Klagen erhoben:

Tie Art. wie wichtige, die allgemeinen Interessen von Ge­werbe, Handel und Industrie berührende Gesetzentwürie von unseren gesetzgebenden Körperjchailen behandelt werden, löst besonders in »ndullrieUen Kreiien tiele Verdrossenheit aus. Ter Antrag Erzberger und die Anträge m der Kali-Kommission zeigen, daß Stimmungen bestehen, welche man als produktivnsieinbliche bezeichnen dari, ohne daß von feilen der Regierungsstellen immer in genügend

Der Keifers Reise.

Metz, 30. April. Der Kaiser traf nach Besichtigung der Westfront gegen 12 Uhr in Metz ein und besuchte das Gewcrbehaus, sowie dre elsaß-lothringische Kunstausstellung.

Schloß Urvil le, 30. April. Der Kaiser kehrte heute nachmittag von Metz hierher im Automobil zurück. Die Kaiserin und die Prinzessin unternahmen vormittags eine Ausfahrt. Nachmittags spendete die Kaiserin den Schul­kindern von Kürzel Kaffee und Kuchen und wohnte mit der Prinzesstn dem Kaffeetrinken bei.

Heue Beschlüsse in zriedberg-VLdingan.

Tic Lage im Wahlkreis Friedberg-Büdingen ist seit den letzten Beschlüssen der dortigen Abteilung des Bundxs der Landwirte etrvas besser und erfreulicher geworden. Der Bund der Landwirte selbst scheint erkannt zu haben, daß er mit »einen Forderungen an eine Kandidatur Dr. Becker zu weit gegangen war, und der Friedberger Wahlkreisvorstand des Bundes hat das getan, was wir als im Interesse einer Verständigung liegend schon am 25. April angeraten hatten: er hat beschlossen,einer Vertrauensmännerversammlung vorzuschlagen, die in der am Sonntag im Hinblick auf die in Aussicht genommene Kandidatur Dr. Becker gestellte Forderung, daß Herr Dr. Becker sich verpflichten müsse, dem Bunde der Landwirte beizutreten, zurückzuziehen, um der nationalliberalen Partei die Zustimmung zu dieser Kandi­datur zu ermöglichen." Dem Vorstand der nationalliberalen 'Partei wurde von dieser Entschließung Kenntnis gegeben.

Damit haben ersreulicher Weise die Bündler den Willen bekundet, die parteipolitische Lage in Hessen nicht unnütz zu veHchärsen, denn cs war klar, daß die Entscheidung in Friedberg für die Frontstellung der Parteien in unserer engeren Heimat von ziemlich schwerwiegenden Folgen be­gleitet sein werde. Herr Dr. Becker-Sprendlingen scheint «ich dessen bewußt gewesen zu sein, daß auch sehr viel von seiner eigenen Entscheidung abhänge, und er hat den Par­teien kurzerhand dadurch reinen Tisch gemacht, daß er er­klärte, nicht kandidieren zu wollen. Aus seiner Ent­schließung, die nicht im vollen Wortlaut mitgeteilt worden ist, darf man wohl entnehmen, daß er die Bedingung stellte, alle bürgerlichen Parteien müßten sich auf seine Kandidatur geeinigt haben. Da aber die Fortschrittliche Volkspartei jur ihn sich keinenfalls würde entschieden haben, wollte er vielleicht schon deshalb das Feld sreimache^ für einen anderen Kandidaten.

Es wäre außerordentlich wünschenswert und erfreu- trch, wenn in der Tat alle bürgerlichen Parteien in Friedberg-Büdingen einmütig sich zusammenschließen würden, um die Sozialdemokratie abzuwehren und für Hessen und das Reich zu bekunden, wie schädlich es ist, wenn die staatserhaltenden Gruppen sich immer mehr ent­fremden. Möge man auf allen Seiten die unglückseligen Kämpfe bei der Reichsfinanzreform in der Entscheidung für den Wahlkreis möglichst zurückstellen! Dann wird eine Einigung recht gut möglich sein, und es wird an der natio­nalliberalen Partei liegen, die vermittelnde Rolle zu über­nehmen, auch zum Nutzen der eignen allgemeinen Marsch­richtung, die wiederum auch für das allgemeine politische Leben vom höchsten Interesse ist. Das wird hoffentlich auch der Bund der Landwirre berücksichtigen, daß es jetzt näht darauf ankommt, formale Bedingungen zu erfüllen, sondern darauf, weithin über das Hessenland hinaus eine eindrucks­volle Kundgebung zu erreichen. In diesem Sinne begrüßen wir es, daß der Zankapfel der Kandidatur Becker beseitigt ist, und daß die Nationalliberalen in Friedberg am gestrigen Sonntag kein unbedachtes Schlußwort ausgesprochen haben. Sie haben vielmehr bekundet, weder nach rechts noch nach

Lin Erfolg der türkischen Truppen.

Nach den letzten Meldungen scheinen die türkischen Truppen die Aufsländischen geschlagen und zurückgctriebcn zu haben Viel- leicht versucht man es in Konstantinopel in Oiefem günstigeren Augenblicke mit einer friedlichen Verständigung:

Berlin, 30. April. Bei der hiesigen t u r k i, ch e n Botschaft ist folgeiide Depesche eingetroisen: Konstantmopcl: Scheflct Torgut Pascha ist in Katsch an ik an gelangt unh hat den dortigen Paß befreit; die Aufständischen imd gänzlich zerstreut. . __ 1

Saloniki, 1. Mai. Am Patz von Katschanik herrschtRuhe. Die Truppen des linken Flügels unter Ssman Pascha stteisen oas Gebiet der oberen Marawa av und'b rennen die Häuser der abwesenden Besitzer nieder, über deren Verbleib fein Nachweis vorhanden ist. Blutvergießen wird möglichst vermieden. In Binsa, Bilink und Str aza dauern die Zusammenstöße mit den Rebellen fort.

K o n st a n t i n o p e l, 30. April. Nach einer offiziellen Mel - düng Dcrfudjtcn die Rebellen von Katschanik in der Richtung nach der Marawa zu entfliehen, wurden aber an der Flucht verhindert. Die Albaner bitten Neuerungen nicht einzuführen und einen parlamentarischen Ausschuß nach Albanien zu ent­senden. Die Rebellen errichteten Verschanzungen zwischen Katschanik und Eleschen.

Saloniki, 30. April. In der Stimmung der Bevölkerung in Oberalbanien ist ein plötzlicher Umschlag etnge- treten. Die Arnauten beschlossen, der Regierung keine Schmierig­keiten mehr zu bereiten; sie streben nur Erleichterungenbei gewissen Abgaben an. Die Bevölkerung von Djakowa und Ipek hat den Sultan Mohamed anerkannt und ift bereit, zu­sammen mit seinen Truppen gegen den Rest der Aufständischen zu kämpfen. Somit scheint der Ernst der Lage in Oberalbanien überwunden zu sein.

Konstantinopel, 1. Mai. Die Kammer verhandelte über den Antrag der albanischen 'deputierten betreffend btc Entsendung eines parlamentarischen Untersuchungsaus­schusses nach Albanien. Der Führer der Iungtürken be­antragte Vertagung der Aussprache, bis die Regierung erscheine.

Konstantinopel, 1. Mai. Wegen der von der Kautmer beschlossenen Streichung der Pensionen einiger Schwiegersöhne der kaiserlichen Familie reichte der Finanz Minister seine Verabschiedung ein. Auch der Minister des Innern droht aus dem gleichen Grunde mit seinem Abschied.

links gehen, vielmehr mit den anderen Parteien gemeinsam vorgehen zu wollen. Hinter so gutem Willen und der im all­gemeinen Interesse liegenden Mäßigung sollte der Bund der Landwirte nicht zurückstehen. Es liegt jetzt bei ihm, die Wie­deranknüpfung besserer Beziehungen mit der großen Mittel­partei auch seinerseits in die Wege zu leiten. Die großen müssen über die kleinen Gesichtspunkte siegen! Es würde eine vaterländische Tat sein, wenn der Bund der Land­wirte keinen Anstoß daran nimmt, daß der in Friedberg auf­zustellende Kandidat der nationalliberalen Partei angehöre. Freilich müßte dafür gesorgt werden, daß dieser Kandidat unter allen Umständen die landwirtschaftlichen Interessen versteht und würdigt und auf jegliche Hinneigung nach radikalen Ideen und Zielen deutlich verzichtet.

Wir erhalten über den Friedberger Beschluß der Natio­nalliberalen folgende Meldung:

Friedberg, 1. Mai. Die Vertrauensmännerversamm­lung der Nationalliberalen beschloß, einen Kandidaten aufzustellen, der der nationalliberalen Reichstagsfraktion bcizutrctcn hat. Tic Aufstellung des Kandidaten wird einem auä neun Herren bestehenden Ausschuß überlassen. Dieser Ausschuß soll weiter mit den bürgerlichen Par­teien im Wahlkreis und der Wahlkreisorganisation des Bundes der Landwirte in Verbindung treten, um deren Zu­stimmung zu der ausgestellten Kandidatur zu erlangen.

Von anderer Seite erhalten wir noch folgenden er­gänzenden Bericht:

X Friedberg, 2. Mai. Die gestrige Vertrauensmänncr- vcrsammlung der nationalliberalen Partei des Wahlkreises Fried- berg-Büdingcn war von etwa 20 0 Vertrauensmännern besucht. Als Vertreter der Landesorganisation war Landtags­abgeordneter Dr. Osann, als Vertreter der Reichstagsfraktion Abg Fuhrmann erschienen. Den Vorsitz führte Justizrat Windecker aus F-riedbcrg, der über die Beschlüsse des Bundes der Landwirte und üln-r die Kandidatur Bcckcr berichtete. 'Dr. O s a n n teilt mit, daß der geschäftsführende Ausschuß der Landes- partci einmütig das Vorgehen der Wahlkreisleitung gebilligt habe. Es könne nur ein Kandidat in Frage kommen, der der nationalen Parl-ei beitrete. Abg. Fuhrmann wahrt den Standpunkt der Reichstagssraktron, besonders der Kandidatur Becker gegenüber. Nach längerer Äussprack/e wurde einstimmig beschlossen, und zwar durch doppelte Abstimmung, nur einen Kandidaten auf- zustellen, der der nationalliberalen Partei beitrete. Es wurde bann ein Ausschuß gewählt, der mit den in Frage kommenden Persönlichkeiten verhandeln solle, und außerdem beschlossen, Ver­hau d l u n g e n mit ben rechts und links von der natwnalliberalen Partei stehenden anzuknüpfen zur Unterstützung eines der drei in der Versammlung genannten Kandidaten, bte alle auf nationalliberalem Standpunkt stehen und für Beibehaltung der Schutzzölle sind. . _ . .

Außer einem auswärtigen Herren, der aber nicht in Betracht kommt, wurde Pfarrer Vogel aus Reichelsheim i. O. genannt, und Landwirt Schutt von der Garbenheimer Mühle

eindrucksvoller Form au< die Gefahren für das gesamte denlich Wirtschaftsleben hingewiesen wird, welche mit dieser Richtung gegen die vroduktioe Arbeit verknüpft sein müssen. Es ifi aber um jo bedauerlicher, daß auch in unseren amtlichen Kreisen die Bedeutung der produktiven industriellen oder uocr- Ijaupt selbständigen wirtschaftlichen Tätigkeit nicht in dein erforder­lichen Blaße gefördert z>l luerbeu scheint; denn den Ent rouvf des Zuwachssteuergesetzes möchte man geradezu als em Kampfgesetz gegen Unternehmungslust und Tüchtigkeit^ bezeichnen. Solche Gefetzeiilivürfe sollten nicht von den amtlichen Stellen aus­gehen können. Tie Entwürfe dürfen nicht übereilt vorgelegt werden. Es geht nicht an, daß ein Entwurf, rote z. B. das Reich szu wachs st euergesetz, das eine außerordentlich schwierige 'Materie behandelt und 57 Paragraphen enthalt, nun innerhalb 14 Tagen vom Reichstag durchberaten werden soll.

Wir möchten dazu jedoch nochmals betonen, daß wir bad Reichszun-achdsteuergesetz keineswegs, wie es der Bcrsasfti der zitierten Zuschrift anscheinend tut, verwerfen, -rte Grundgedanken des Gesetzes sind durchaus richtig.

deshalb nicht nur wegen des Reugelds, sondern auch auf 10000 Franks Schadenersatz wegen mißbräuchlicher Zurückbehaltung des Manuskripts. Vor der Ziollkammer des Pariser Gerichts machte der Kläger geltend, daß die Beklagte bösen Wülen bekundet 'habe, wogegen diese erfiärte, das sei nicht der Fallh das Stück sei ju Lang, Striche seien notwendig, und der Kläger sei zu.Schadenersatz anzuhalten, well er diese Striche nicht machen wollte und der Bellagten unnötige Ausgaben verursacht habe durch die Ein­studierung eines Stückes, das nicht bühnengerecht sei. Das Gericht nahm an, daß beide Parteien gegen ihre Verpflichtungen gefehlt hätten, md hat die Aushebung des Vertrags ohne Reugeld an- geordnet, während Batallle bis zum Betrage von 10 000 Fr. für die Ausgaben aufkommen sollte, die die Beklagte sich für dis Faustaufführung auferlegt hatte; nach Erstattung dieses Geldes sollte er sein Manuskript zurückerhalten. Batallle legte Be­rufung ein, und der Appellhof hat das Urteil des VorderriMers umgestoßen. Unter Aufhebung des Vertrages zwischen den Par­teien wirb Sarah Bernhardt zur Zahlung des Reugeldes von 20 000 Fr. verurteilt; sie hat, der Köln. Ztg. zufolge, dem Kläger das Manuskript nebst ben Abschriften binnen acht Tagen nach Zustellung des Urteils zurückzugeben, bei Strafe von 50 Fr. für jeden Tag Versäumnis. Der Beklagten wurden die Kosten auferlegt.

Das erste vollständige Gerippe eines steinzeitlichen Menschen aus dem Moustsrien wurde, wie derGlobus" berichtet, im September v. I^ von Peyrony bei Ferrassie in der Dordogne ge­funden. Das Gerippe gehört ohne Zweifel zum Monsterien, da die drei darüb erliegenden Schichten aanz unberührt waren. Tas Skelett, das auf das sorgfältigste geborgen wurde, lag auf dem Rücken, mit dem Oberkörper leicht nach links gewendet. Die Beine waren stark gekrümmt, die Knie nach rechts gedreht. Der linke Arm lag aus- gestreckt am Körper entlang, der rechte Arm war gebogen, so daß die Hand die Nähe der Schulter erreichte. Der Kopf war nach links gewendet, der Mund stand offen. Ringsum, über und unter dem Skelett lagen viele aufgebrochc Knochen sowie Zähne von Bison, Hirsch, Ziege und tier und steinerne Äunsterzeugnisie vom Typus des uihc.i.t MauAÄLL. tote AveM sar der TstL jLrMünZlich dorr

besondere Anziehungskraft durch die Schönhell der Räume mit ihren wundervollen Stuckdecken aus dem 18. Jahrhundert und den prächtigen Deckengemälden. Tas Museum hat die Aufgabe, in llrblldern und Nachbllbungen bie Gesamtentwickelung der beut- schen Kultur bis zur Zell Karls des Großen vor Augen zu führen. Zur Erreichung dieses Zieles bient zunächst eine streng systematische, übersichtliche Aufstellung der Altertümer, verbunben mtt sorg­fältiger, ausführlicher und allgemeinoerstätidltcher Bezettelung, so­dann bie Ausgabe tvisftnschastlicher Verzeichnisse der einzelnen. Abtellungen und volkstümliche Führer durch daS gesamte Museum, ferner Führungen seitens der wissenschaftlichen Beamten, die in erster Linie für Altertumsvereine und Schulen, in Zukunft icboch auch regelmäßig an bestimmten Tagen für weitere Streife beabsichtigt sind.

Die Allgemeine Städtebau-Ausstellung wurde gestern in der Hochschule für bildende Künste zu Berlin eröffnet. In Vertretung des Reichskanzlers war Geheimrat Le­rn a l d erschienen; ebenso waren u. a. das Unterrichtsministerium und das Ministerium für öffewliche Arbeiten vertreten. Geheimer Baurat March sprach namens des Ausstellungs-Ausschusses in seiner Eröffnungsansprache die Hoffnung aus, daß die Ausstellung, die aus dem Wettbewerb für den Bebauungsplan von Groß-Berlrn entstanden fei, dazu beitragen möge, den öffentlichen Willen Tür die gewaltigen Opfer geneigt zu machen, die gebracht werden müßten, um den künftigen Bewohnern der machtvoll angewachsenen Reichshauptstadt ein schönes Menschenbasein zu schaffen. Der Prä­sident der Ausstellung, Oberbürgermeister Kirschner, UNftete ben Mitarbeitern seinen Dank ab und brachte ein Hoch aur ben Kaiser aus. Daran schloß sich ein Rundgang durch die Aus­stellung, an der auch bie Hauptstädte beS Auslandes in erheblichem Maße beteiligt sind.

Ein Rechtsstreit um Faust. Ter iranzösiAhe Schriftsteller Henry Bataille hatte vor geraumer Zeit eine Be­arbeitung von GoethesFaust" sertiggestellt und ^Lrarah Lernharbt zur Auisührung in ihrem Theater eingereicht. Taraui würbe zwischen den beiden Parteien ein Vertrag abgeichlonen. Der die Bedingungen der Amführung feststellte. Er war darin bestimmt, daß, wenn die Ausführung unterbleiben sollte, Frau Bernhardt em Reugeld zu 20000 Fr. zu zahlen hatte. Schon waren die Zivilen verteilt, die Bühnenausstattung m Arbell und die Proben im Gange, als Frau Bernhardt sich plötzlich eutMoß« V > ^Faust'' nuüt tu gehen, Lätaillg verklagte fte

Björnfons Uedersührung nach Norwegen.

Kopenhagen, 30. April. .Heute vormittag kurz nach UV, Uhr kam Björn sonsLeiche im reich geschmückten Bahn- Hose an, empfangen von den meisten Ministern, den Reichstags­abgeordneten, Vertretern der Schauspieler, Schriftsteller, Journa­listen, des Magistrats, der Universitäten, sowie von anderen hervor­ragenden Persönlichkeiten. Freunde Björnsons, sowie Mitglieder des SchriftsteUervereins trugen den Sarg vom Eiienbahnwageu zu dem sechsspännigen Leichenwagen, der sich sofort in Bewegung ,'etzte. Unmittelbar hinter dem Leichenwagen gingen die beiden Söhne Björnsons, Björn und Erlings sowie andere Ver­wandte, eine ungeheure Menschenmenge schlotz sich an. Tie Witwe Björnsons fuhr auf einem kürzeren Wege nach dem Hasen. Die Hauptsttaßen, durch die sich der Zug bewegte, waren überall reich mit Trauerfahnen geschmückt. Sämtliche Geschäfte waren ge­schlossen. Die Schaufenster zeigten Trauerschmuck. Als der Zug ben Hasen erreicht hatte, wo ein norwegisches Panzerschiff Anker geworfen hatte, würbe ber Sarg auf einen Katafalk aufgcbahrt. Nachbem bie Verwandten Platz genommen hatten, hielt der M i n v st erpräs ident eine Ansprache. Daraus wurde der Sarg an Bord berNorge" gebracht, währenb bie Musik einen Choral spielte. Hier gab ber norwegische Gesanbte dem Dank Tür bie dänische Teilnahme Ausdruck. Nachdem die Musik die norwegische Natio­nalhymne gespielt hatte, setzte sich das Schiss langsam in Be­wegung, ein dänisches Panzcrschifs erwies die Ehrenbezeugungen.

Christiania, 1. Mai. DieNorge" mit Björnsons Leiche an Bord lras heute nachmittag aus Kopenhagen hier ein. .Am Hafen hatte sich der König sowie eine große Volksmenge eingesunden. Der Sarg wurde in feierlichem Zuge nach der Dreifaltigkeitskirche verbracht, wo er bis zur Beerdigung bleiben wird.

V o m Röm.-Germ. Museum in Mainz wird uns geschrieben: Nachdem bie ersten beiben Bauzeiten ber Wieder- herftellung bes Kurfürst!. Schlosses beendigt sind, kann am 3. Mai b. I. bas Röm.-Germ. Zentral-Mujeum von neuem seine Pforten bem Besuche öffnen. In ben drei Jahren, bie seit ber Schließung bes Museums vergangen sind, hat eine völlige N e ua u f st el l u n g stattgefunden. Im Erdgeschoß mit seinen einfachen Räumen und wuchtigen Gewölben inb bie vorgeschichtlichen Altertümer in füns Sälen untergebracht, im 1. Obergeschoß die ber römischen, im i rruchrdmcuüen. Irst- uvLreu Stockwerks haben noch eistz

Nr. 101 Erstes Blatt 160. Jahrgang Montag 2* Mai 1910

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