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30.12.1909 Erstes Blatt
 
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Donnerstag 30. Dezember 1909

Erstes Blatt

159. Jahrgang

btnguneen «u genmfroi. bagegai für bar aUemrgen Xtentoott | Ilin<ni8gtg<mgen, um die Borgrjchichtc der ^tigen »^kr- von Waren auf dem (ströme iie derart fetonfe&en, datz den I stamme und rhre heutige Kultur und .Sprache zu studu.rcm

Nr. 306

Ter Siebener Bnjetget erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich Lietzener eamiiiendlätter, iroennal roöcbentl.Krtisi blattfüröen Kreis (Biegen (Dienskag und Freitag)-, jweimal monail. Land, wirtschaftliche Settsragen Ferniprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger (Lieben.

ihre heutige Kultur und spräche zu studieren. Zur Erfüllung dieser Aufgabe kam Tr. Lehmann auch nach Nicaragua, tvo er Gelegenheit erhielt, dem 5taat5obcrbnnpt näherzutreten. Land und Leute wußte Dr. Lehmann einem Mitarbeiter desB. L.-A." in interessanter Werse zu

andern, den Peisisä^n Golf befahrenden Linien in Betracht Tommi neben der runifchen, von Odessa auSlaufenden Dampfer- gcirflfdroft dot allem die Hambura-Amerikalinie, das mejo- votamische Geschäft geradezu zur Unmöglichkeit gemacht nmrbc. Die Beherrschung des mesopotamischen Marktes bedeutet auch eine Vorhand an europäischen ©anbei in Persien, soweit er die große, einer weiteren Entwicklung noch fähigen Einsuhritraße von Südwesten benutzt. Es, geht aus diesen Darlegungen zur Genüge hervor, daß eine jede, andere Schiffahrtsrechle aus schließende Konzession in Händen einer Gefellsdiaft, wie sie die Lynchkompagnie barftefit, ben freien Wettbewerb rm hohen Grade behindern würbe imb den Einfluß der übrigen Nationen im mesopotamischen Wirtschaftsleben in einer Weise beschränken würde, die dem Prinzip der offenen Tür widerspräche.

politische Tagesschau.

Der ZukuoflSweg der Nalioualliberale«.

In der .Köln. Ztg.^ spricht sich ein nationalliberaler Parlamentarier über die Lage der nationalliberalen Parte, ausführlich auS, und wir geben da? Wichtigste auS dem Artikel wieder, weil er die allgemeine Stimmung in bet Partei zu treffen scheint:

Beide, die Nationalliberalen wie die Konservativen haben mit ihrem ausgesprochenen Sinne für Staatsnotwendigkeilen nicht selten Gelegenheit und Grund gefunden, in gern einsamer Arbeit dem Batorlanbe zu dienen, lieber die gemeinsame Stiäligung m nationalen Fragen der Wehrkraft hinaus einte beide der gemein­same Kampf gegen die Sozialdemokratie. Und wenn heute die konservative Führung im Kampfe gegen das Zentrum versagt hat, dann ist doch die Tatsache unbestreitbar, baß auch biete gemeinsame Abwehrstellung dem Zentrum gegenüber den Anscl>auungen ber Konservativen Partei in ihren Wählermassen gletäiermaden ent­spricht, wie denen ber Nationalliberalen. Gerade diese m früheren Zeitläuften so oft in Erscheinung getretene und nicht zum Sdjaben des Landes betätigte Uebereinftimmung ober zum mindesten das einstige Zusammenwirken dieser beiden großen Parteien lägt uns die durch Schuld bet konservativen Parteiführung herbeigefuhrle Entfrembung, ja man kann sagen, diese heutige Kampfesstellung, für die eine Aenderung kaum zu erhoffen ist, irn Interesse einer segensreichen nationalen Art eil so bedauerlich erscheinen. Wenn dieses Bedauern, das sich so vielen und nicht ben schleclftesten Patrioten jetzt in so mancher Stunde auf die Lippen gedrängt hat, argwöhnisch oder übelgesinnte Politiker zu dem Vorwurf einer neuen Rechtsschwenkung des Nationalliberalismus veranlagt, so beruht dies denn doch auf einer völligen Verkennung national* liberaler Wünsdx und Anschauungen. Die Partei denkt nicht daran, aus Sehnsucht nach früherer Freundschaft sich einer Partei wieder in die Arme zu werfen, deren Führung, wie em unbe­fangener Blick in die politische Gegenwart dartut, den ganzen Jammer der Zustände verschuldet hat, die wir nid ihren heutigen und künftigen unheilvollen politischen Folgen so lebhaft beklagen. Aber zweierlei zu tun hat heute ein besonnener Politiker allen Anlaß. Einmal nicht zuzulasien, daß die Kritik gegen bie auch von uns verurteilte Finanzreform zu einer t e u e r h e tz e a u s- arte. Wir beklagen nicht die durch bie Finanzreform geschaffene Gesamtbelastung als solche, wir verurteilen nur bie AusgeNaltung dieser Reform und darüber hinaus ihre unglücklichen politiichcn Folgen. Zum andern erlernten wir an, daß über ben jetzigen Partei hader hinweg aus der Nation selbst heraus eine Wieder­geburt einer Parteikonstellation kommen mutz, die es ermöglich, unsere großen kulturellen Güter gegen Zentrum und Sozialdemokratie zu verteidigen. Den Weg hierfür zu finden, müssen wir der Einsicht ber Dählermassen und einer .klugen Führung von Staatsmännern überlasten, die über dem jetzigen politischen Wirrwarr den Blick für die Staatsnotwendigkeiten ber Zukunft sich bewahren mögen.

Immer wieder wird auf eine maßvolle Reform des preußischen Wahlrechts hingewiesen, und die Konservativen sollten in der Tat in ihrem eigenen und im Interesse der Gesamtlage in dieser Frage sich etwas entgegenkommend zeigen. Der erwähnte Artikel ber .Köln. Ztg.« klingt in folgenden Schluß aus:

Tie beoorfiebenbe Reform des preußischen Wahlrechts wird die naiionalliberale Partei rote andere Parteien vor die Aufgabe stellen, für diese Sicherung und Festigung des Staatsgestiges roeib herzig und ohne PaneiegoiSntuS einzutrelen, in dem Bewiibiiein. daß daS rechtzeitige Erkennen von Staalsnotroendiqkeiten allein den roeitichanenden Politiker und StaalSinann ansmawt. Es wird oon dein gleich starken Sinn anderer Parteien für solche eiaats- noiroenbigfeüen und die durch ste bedingte gründliche Reformierung unieiefl preußischen Wahlrechts und von einer klugen Führung der Liaaisgeichä'te adhängen, ob sich au6 der heutigen Troltlo'igkeii und Honiiuiigsloügkeit unserer politischen Zuslänbe ein Weg zu einer lichtern Zukunft findet, ober ob roir zu politischen Kämpfen und Erschütterungen ber Fundamente unseres staatlichen Daseins kommen müssen, deren Ende und Ausgang abzusehen jenseit jeher heutigen Berechnung liegen muß.

Dieftreufötg.", das Hauptorgan der tfonjertxatt&en, hat übrigens zu der veröffentlichten Wahlstatistik folgende Bemerkungen gemacht:

Kein vernünftiger Mensch wird das geltende preußische Wahl­recht für eine Art von Ideal halten. Es leidet zweifellos an einer Reihe von fogenanntenSchönheitsfehlern". Es ermöglicht zahl* reiche sogenannteWahlkuriosa", von denen bie Agitation bisher rtahezu ausschließlich gelebt hat, obgleich sie für den,Ge,amt- charakter des preußischen Wahlrechts ebenso unerheblich lind,, wie das gelegentliche Vorkommen von Untraut in einem Weizenselbe. Stellte sich wirklich heraus, daß das nunmehr in seinen Grund­zügen seit 60 Jahren geltende Wahlrecht mit Rücklicht auf das seitdem geschichtlich Geworbene einer Fortentwicklung bedarf, so würde gerade eine solcheFortentwicklung" im eminenten Smne konservativ sein. Wir werden abwarten müfien, was bie Regierung demnächst etwa Vorschlägen wirb. Nur eines steht schon jetzt vollkommen fest: günstiger als bei den Wahlen des Fabres 1908 hat sich das vielangefeuidete preußftche Wahlrecht gerade vom demokmtuchen Standpunkt aus schon seit vielen Jahren nicht mehr präsentiert. *

Kulturbilder ao3 Nicaragua.

Mit dem zurückgetretenen und nach Mexiko geflüch­teten Präsidenten Zelaya hat ein Berliner, Dr. Walter Lehmann, ber soeben aus Zentralamerika heimgekehrt ist, mannigfache Begegnungen gehabt. Der junge Gelehrte war als wi.senschaftlicher vilfsarbciter des Berliner Mu­seums für Völkerkunde im Jahre 1907 nach jenen Gebieten

Der Rücktritt öes Grohwesirs hilmi.

Die Jungtürken hatten bekanntlich in der Kammer die Erteilung der Konzessionen für die Jlußschiffayrt auf dem Euphrat und Tigris au die englische Lynch-Äcsellfchaft scharf mißbilligt und den Großwesir aufgesordert, zurückzutreten. Hilmi kam dieser Aufforderung alsbald nach, und der Sultan l)at laut nachstehender Meldung sein Entlassungsgesuch an­genommen:

Konstantinopel, 29. Dez. Der Sultan nahm die Demission des Graßwesirs an. Die Ernennung des Bot- sck-asters in Rom, Hakki Bei, zu seinem Nachfolger steht bevor.

Man sieht, wie stramm die Jungtürken, trotz der konsti­tutionellen Verfassung, die Zügel der Regierung in den Händen haben. Sie hatten am 5. Mai dieses Jahres nach der Niederwerfung der bekannten Auflehnung gegen das jungtürkisckfe Regiment Hilmi als ihren Mann an die Stelle Tewsik-Pasckjas gesetzt. Jetzt wird der Großwesir als Sün­denbock in die Wüste geschickt. Denn die jungtürkische Partei kann nicht immer unbeirrt die von ihr eingeschlagencu Wege weitergehen und muß Volksstimmungen Rechnung tragen. Prof. Schiemann hat erst gestern in derKreuz- ztg." dargeleat, was für Wolken sich zusammengezoacn haben:Im südlichen Arabien hat sich allmählich aus der englischen Station in Aden ein umfangreiches englisches Schutzgebiet entwickelt; der persische Golf, seine arab.-- schen Küsten, das Schat el Acab und, seit der Konzession Lynch, auch der Lauf des Euphrat und Tigris stehen unter englischem Einfluß, der Aubem von Aegypten aus an der Westkütite Arabiens und ihren heiligen S ätten immer fühl­barer und durch die Einwirkung Englands auf die Stämme Jnnerarabicns immer lästiger wird. Im Hinblick auf den Protest, der in Bagdad laut geworden uft, ist es nicht unwahrscheinlich, daß diese Fragen im kommenden .Jahre von Bedeutung für das innere Leben der Türkei werden."

Die Jungtürken scheinen ihren Kurs danach einrichten zu wollen. Es war auch behauptet worden, daß das Ver­halten des Finanzministers Dschawid-Pascha bei der Er­teilung der Ä'on^eifion nicht ganz einwandfrei gewesen sei und bedenklich an die Sitten des alten Regimes erinnert habe. AuS dieser Stimmung heraus entstand eine große Erregung, besonders in Mesopotamien, dessen Abgeordnete aus Ihrer Meinung auch kein Hehl machten.

Zum erstenmal war Hilmi Großwesir geworden am 14. Februar d. I., als Nachfolger Kiamil-Paschas, unter dem er das Ministerium des Innern geleitet halte. H lmi- Pascha ist 1856 auf Mytilene geboren und wurde der brciien Oessentlichkeit zueifft durch seine Resormarbeit als General- gouverneur in Mazedonien bekannt. '

Ucber die Ernennung des neuen Großwesirs, eine förm­liche Wahl durch das iungtürkische Komitee, gehen derF. Z " aus Konstantinopel folgende Meldungen zu: .

In einer geheimen Sitzung des Komitees für Einhert und Fortschritt, die über die Nachfolge auf dem Groß- wesirposten abstimmte, erhielt der Botschafter Hakki 40, der Senatspräsident Said 37 und der Botschafter tn Lon­don, Tewfik, 12 Stimmen. Die Chancen Saids sind trofc- bem minimale. Seine Ernennung würde die besten Ele­mente des Komitees vor den Kops stoßen.

Botsck)aster Hakki Bey hat vorläufig auf dre Auf­forderung, daS neue Kabinett zu bilden, noch nicht geant­wortet Vor der Anfrage bei Hakti Bel) trug das Komitee dem Generalissimus Mahmud Chefket das Groß- wesirat an, der tote früher entschieden ablehnte unter der Begründung, daß seine militärische Autorität unter dem Vorwurf, er hätte die Macht erstrebt, leiden würde.

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Ueber das Schiffahrtsprivileg auf demEuph- tat und Tigris, das die Krisis hauptsächlich veranlaßt hat, entnehmen wir den Darlegungen Dr. Hugo Grothes, der durch seine große Forschungsrefte mit Mesopotamien durchaus vertraut ist, nach derKöln. Ztg. folgende in­

teressante Stellen: . , . , .

Eines vor allem ist bisher viel bu wenig betont worden, nämlich daß die das alleinige Schiffahrtsrecht auf dem Eufrat !^d Tigr§ ergebende Kompagnie keine reine K^ftalistengruppe dar stellt, die wie eine Enenbahn- oder <5^1 f m b rt gef c II idxu t lediglich die Einrichtung und den 9Lu§bau eines DerkehrSdienstes betreiben wird, bei deren Gestaltung sie, da sie 'elbstnE Handel treibt also keine eigentlichen Interessen,verfolgt. £ ti n m ^..Eo., bie nn Augenblick den britischen Bestrebungen im Zerftschen Golf so ert)cHi(f>: imb unschätzbare Dort Pannbien,te leftten

haben unb mit brei Dampfern -u je 250 Tonmn /mit Beiboot ie 350 Tonnen) ben Tigris befahren, ftnd bie g r o b tc 3 Lnrf- nVh Grßortfirma Mesopotamiens unb bes

. k> ch e n P ersiens. Seit 1888 lauten ihre Dampfer SS

3ahre Ioju erruni i Teheran über Kum und -sultanu-

MbÄ^ft^iK^ö »t kba nb el snUberlaff ung

'XÄ * b-.-uch.-n --N- 3iCil^n?KTmhrb5flSC'tor^eÄrb d-r Ott-m-nisch-n G-s-N. aebühren öerhinberte, twte Belieben unter Berück-

W., ben Tarif all«,

ftckftigung ihrer ® eimWaren, bie England Sie könnte also die Emftchr. ^mmter -^xren, nicht auf .den .Ddarkt zu bruigen vnm 9^*^ burrfl w Nationen, tn dieser ober jener tfonn.o für birete

Fr-ch-satz- erschwer«. Be-

Konnossemente von engluchen Hafen nach Aasuao u

AetzenerAMgerW

_ M < Polin,chen Teil: August

@cncral=3njciger für Sb-rh-ff-n MW

HS oom^uage's'uh Hotationsörtid und Verlag 6er Ärühlichen Unlv.Guch- und Steletiruderet B. fangt. Reöattion, Lxpedttlan und Druderet: rqufftratze Anzetgenteil: H. Beck

schildern:

,Lch persönlich", so sagte Dr. Lehmann,habe mit dem Prä,i- benten nur die besten Erfahrungen gemacht, unb ich beroabre ihm eine dankbare Erinnerung. Denn ohne seine Unterstützung unb fein Verständnis für meine Aufgabe, wäre es mir kaum gelungen, in die Urwälder Nicaraguas einzubringen unb zu ben noch völlig rm Urzustände lebenden Jnbianerstämmen zu gelangen. Zelava gab mir einen Bries an ben Gouverneur bes an bie Ucroalbbejirre grenzenben Territoriums mit, unb wies biesen an, mir tnw mililäritd)e Bebeckung zu stellen, was benn auch geschah. Als ich ben Prösibenten in ber Haupt stabt zum ersten Male bt luchte, rourbe ich zunächst in einen Empfangssaal geleitet, ber mit Leinen, brr verschiedensten Art besetzt roar. Zwischen kaum bekleidet« Indianern unb Mischlingen saßen Herren in full brefj, in Lad- lriefeln unb mit Chapeau claque in ber Hanb. Wie verschieben aber auch bas Aussehen her Leute war, bie Lanbesuntugcnd beherrschte sic alle: Das Ausspeien. In Zelaya lernte ich einen Monn von burd>au5 guten Manieren kennen, ber das Franzosisd-e wie seine spanische Muttersprache beherrscht. Er ist ein etnxis wohlbeleibter t)crr, ber in seinem Straßenanzar« einen gar nicht üblen Einbruck machte. Auch seine Frau, Donna Bianca, ist eine ganz scharmante Dame. Ich habe ben Präsi­denten dann später mehrfach noch besucht unb einmal sogar auf seinem Sommersitz. Zelaya hat sich zwölf Jahre aus bem Präsl- dentenstuhl gehalten, unb diese Tatsache allein schon bcioeiiL daß er ein Mann von Energie unb Tatkraft ist. Schon als ich bas Laub betrat, sagte man mir, baß mit feiner Herrschaft halb zu Enbe fein werbe. Er hat sich aber bann noch zwei Jay re behauptet. Die Mißstimmung gegen ihn war besonders dadurch gesteigert, daß er em Alkohol- und ein Tabakmonopol einaes.ibrt hatte, deren Erträgnisse in die eigene Tasche unb bie seiner 'Jin- bänger flössen. Es ist ja überhaupt die Finanzwirtid^ft fait aller dieser Republiken die Ursache der fast nie enterbenden Un­ruhen, ba immer eine Partei an bie Staatsbcippe will, non ber bie anbete sich natürlich nicht so leichten Kaufs vetbränge« lassen will!

Von allen fünf Republiken Zentralamerikas erfdnen mir Nicaragua am rüdftänbigften, obwohl es unter biefem Präfibenke» immerhin etwas vorwärtskam. Die Hauptftabt Managua macht ben Einbruck eines Dorfes. Von einigen besseren Häusern ab­gesehen, enthält bie Stabt nur elenbe Hütten. Die traben sinh ungepflastert, bie Einrichtung in ben Hütten unglaublich Vrimiti». Vielen Aufwand treiben bie F r a u en. Biß zum Nschmittag sind sie unsichtbar und faulenzen in fast patadiesischem Koftüm t« ihren Wohnungen. Dann aber wird große Toilette gemacht, erst für die Ptsvienade und dann für das Theater, das übrigen^ nur als Nendezvousplatz betrachtet wird, um zu sehen unb gesehen zu werben.

Unglaublich geht es in ben Ministerien zu. Alle Rang- untersdftebe scheinen verwischt, alles rennt unb läuft burcheinander, schwatzt unb raucht, unb wenn nicht bas Geklapper einiger Schreib­maschinen die lärmende Unterhaltung durchdränge, würde mait von Arbeit überhaupt nichts merken. Das Militär macht, wenigstens in der Hauptstadt, einen strammen Einbruck. Ei» früherer preußischer Hauptmann ist als Instrukteur tätig, ber wirklich etwas von dem preußischen Drill dieser Misdjrasse bet» gebracht hat. Wie überall in ber Welt, sinb auch in Nicaragua Deutsche zu finben. Nur sinb leiber auch Elemente barunter, die unserm Vaterlanbe nicht zur Ehre gereichen. Da sie nicht arbeiten unb doch sehr gut leben, so stehen sie in bem Verdacht, ©ölblüige ber Regierung zu sein unb ihr Spionenbienste zu leisten.

Nockj immer ist für Zentralamerika Paris bie große Sonne, um bie sich bie Welt breht, unb in Paris längere Zeit einmal zu leben ober von bort Einrichtung unb Kleibung zu beziehen, ist ber sehnlichste Wunsch bet oberen Schichten. Jetzt aber beginnt man auch deutsche Kultur zu schätzen, und ich bin mehrfach in Mittelamerika Männern begegnet, die aus deutschen Unroeriitatert studierten. Vor allem ist es für die Aetzte eine große Empfehlung, sich an unseren Universitäten ihr Wissen erworben zu hoben.

Was endlich ZeloyaS Zukunft betrifft, so mag er wohl hoffen, aus feinem Exil m Mexiko noch einmal zur Macht zurück- zukehren, doch ist es fraglich, ob es ihm gelingen wird. In gewissem Sinne hat sein Sturz etwas Tragildjeß, denn sein Gegner E st r a b a war ihm aus bem Gebiet bet Moskitoküste erftanben, demselben Territorium, das et aus den Händen ber Engländer feinem Lande zurückgewonnen hatte."

Die Beratung über öen französischen Zolltarif.

Paris, 29. Dez. Die Kammer nahm heute nach­mittag in der fortgesetzten Beratung der Vorlage betreffend die Reform des Zolltarifs einen Zusatzantrag an, wonach jeder Industrielle oder Lxmdelstreibende, der mehr als fünf Arbeiter beschäftigt, die ihren Wohnsitz nicht in Frankreich haben, einer besonderen Steuer unterworfen ift; deren Betrag durch das Finanzgesetz festMsetzen ist. Schließ­lich wurde der letzte Artikel der Vorlage angenommen, nach welchem das Gesetz lam 31. März 1910 in Kraft, treten soll.

Im weiteren Verlaufe der Beratung sprach der Handels- Minister Über daS Gesetz betreffend die Revrsion des Zoll­tarifs als Ganzes und führte aus, die Kammer habe ein weises und maßvolles Werk geschaffen. Der Präsident der Zollkommission, Abg. Klotz, sprach in demselben Sinne und ersuchte die Regierung, in allen Handelsverträgen die Besttmmung einzufugen, daß Streitigkeiten auf schieds­gerichtlichem Wege auszutragen sind und auf der nächste:! Haager Konferenz vorzuschlaoen, daß ein obligatorisches Sck/iedsgericht für Zollsireitigftiten g.schaf en toer.e Darauf wurde die Vorlage im ganzen mit 365 gegen 142 Stimmen ang enommen.

Deutscbe» llctcb.

Wie dieKoblenzer Zeitung meldet, hat das 2lus- toartige Amt an die HMtoelskammer zu Koblenz folgendes Telegramm gerichtet: Nach Mitteilung des kaiserlichen Bot­schafters in Washington ist die Bestimmung Über die Be- zettelungspslicht für Weine bei der Einfuhr nach den Bereinigten Staaten bis aus weiteres außer Anwendung gesetzt.

Der Elsaß-Lothringische Lehrer-Berbandi hat jid) in seiner Vertreler-Veriammütttg am Mituoochf