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1.2.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Matt

L 39. Jahrgang

Eeneral-ÄslzelgLr für Overheffen

Nr. 26

Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, ander Sonntags. - Beilagen: viernral inöchenttid) SsrhenerFamilirnblätler; zweimal roöcbenH.Krei$= baltfürbtn Kreis (Sieben (Treiistag undFrciiaa); grpcinml nionotl. Land­wirtschaftliche Zeitfragen iterulpred) Anschlüsse: für die IHebahton 112, Verlag u. Expedition 51 Ad,esse tüt Depeschen:

Anzeiger Gießen.

diePost Mk. 2.viertel- jährl. ausschl. Bestcllg. Zettenprcis: lokal 15Ps^ auswärts 20 Pfennig.

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für den politischen Teil, tüi .Feuilleloit^ und »VerniischleZE: Ernst Anderson, fürStadt

Annahme van Anzeigen W 1 * 1 u.Vanb" unbr®evicbt>

biß DonmüagFiö'uS RotattonrdruS und Verlag -er Vrühl'schen Univ.-Vuch- UN- Stein-ruckerei R. Lange. Redattion, Expedition UN- Druckerei: Schulstratze 7. A^zeigenteü b H.^BeL

Montag 1. Februar 1909

Bezugspreis: monatlich 75 Pf., viertel-

Die heutige Nummer umfafot 12 Seiten.

ungemeiner Vergarbeiter-Uorlgreh.

über Nrsaäre und Wirkungen der Massen kRaslro pH rn im Bergbau wie: Karolinen glück, Borussia, Reeden, Radood usw. Die Kata- stwphen haben ohne weiteres die Notwendigkeit einer Arbeiter- ßoittvofle im Bergbau zutage treten lassen. Der Kongreß stellt

nu:6 unter Strafe gespellt tverden, wie auch ausgesprochen werden must, daß den Arbeitern volle und wirkliche Freizügigkeit und Ausübung ihrer gesetzlichen Rechte und Pflichten zu gen>ähren ist. lieber die Verhandlungen des Kongresses werden nnr berichten.

In Berlin ist gestern der Allgemeine Deutsche Bergarbeiter- Kongreß zusammengctrcten. Bekanntlich ljat der preußische Han- delsminister unmittelbar nach dem schrecklichen Grubenunglück auf der Zeche Radbod eine Abänderung des Berggesetzes dahingehend angekündigt, daß den Arbeiterausschüssen das Recht erteilt werden soll, einmal im Aionat durch ein Ausschußmitglied in Begleitung eines Grubcnbeamten die betreffende Grubenabteilung zu revi­dieren, während die Bergarbeiter selbst viel weitcrgehende Forde­rungen erheben. Der Referent zu der Frage der Einführung von Grubenkontvolleuren, die von den Bergarbeitern aus ihrer Mitte gewählt und vom Staate bezahlt werden sollen, ist Franz Pokorny- Bochum. Er unterbreitet dem Kongretz, hierzu folgende Reso­lution:Die preußiscki-deutsche Berggesetzgebung hat bisher einen Gang genommen, der nicht dazu führen. konnte, die Zustände im Bergbau zu bessern, vornehmlich war auch die mangelhafte Bergaussicht mit Schuld daran, daß die Zustände im Bergbau sich immer trostloser gestaltet haben. Wer die U-ufallzahlen im Berg­bau naher betrachtet, kommt zum Ergebnis, daß eine Ein­richtung in sozialwirtschaftlickier und sozialpolitischer Hinsicht so mangellmii ist, wie das bisherige Bergauffichlssystem in Preußen- Deutschland. Den Hauptgrund dafür sehen die Bergarbeiter darin, daß sie als die Mitbeteiligten im Bergbau von der Mitbestimmung über die Werks- und Arbeiterverhältnisse sozusagen ausgeschlossen sind, daß den Bergarbeitern kein Recht eingeräumi ist, ihr Leben und ihre Gesundheit so zu wahren, wie man es verlangen kann und must. Ter Bergbau in Deutschland hat die größten Unfall­ziffern von allen Gewerbegruppen auszuweisen. Bon den im Jahre 1907 zur Meldung getagten! 662 901 Unfällen in der deutschen Industrie entfallen aus den deutsck)en Bergbau allein 92 455 Unfälle, gleich 14 Prozrutt der gesamten Unfälle. Während die in den Knappschastsberussgenossenschaiten versicherten Personen, also die Bergleute, nur rund V37 der in den gesamten Berufs- genossenschaften versicherten Personen ausmachen, er,tsacken auf sie aber rund l/i der gesamten gemeldeten Unfälle in den BerufS- genvsjensä-asten. Die Zahl der Unfälle, für die im Jahre 1907 zum erstenmale Entschädigung gezahck wurde, belief sich in den deutschen Berufsgenofsenschasten auf 144 703, darunter 9815 m.t tödlichem Ausgang und 1356 Unfälle, die mut,näßlich bauentbe und völlige Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatten, innerhalb der KnQvPschastsbernfsgenossenfchLst verunglückten irntschidigungspslich- tig im Jahre 1907 allein 11360 Personen, darunter tödlich 1743. Nahezu der sechste Teil aller Getöteten entfällt aus den Bergbau allein. Nach den vvrläusigen Feststellungen der Knappschasts- berufsgeiwssenschaften für das Jahr 1908 sind in dem deutschen Bergbau für dieses Jahr insgesamt 103 582 Unfälle, darunter 1869 Tote. Diese Ziffern sind erschreckend. Seit vielen Jahren fordern die deutschen Bergarbeiter Zuziehung von Arbeitern zur Kontrolle der Gruben. Die heutige Bergaufsicht ist nicht nur Unzulänglich, sondern sie wird, wie an Hunderten von Beispielen nachgewiesen werden kann, von den Grubenbesitzern bezw. ihren Verwaltungen auch noch hintergangen. Andererseits wieder ist genügend Mißtrauen entstanden durch die vst osfeukundige Partei­nahme mancher Aufsichtsbeamteit sür die Bergwerksoesitzer. Be­stärkt sind die Arbeiter in ihrem Verlangen, Arbeiter zur Mll- kontrolle der Gruben heranzuziehen, weiter durch die Feststellungen

GLeszensV SLa^LLheoter.

Die versunkene Glocke.

Märchendrama von Gerhart Hauptmann.

Die gestrige Vorstellung Lot in mehr als einer Hinsicht recht viel interessantes und fesselndes. Man war nugierig wie sich Anni Röber,die ausgezeichnete Bildnerin jugendlicher Frauen- gestaltcn mit der schwierigenRolle desRcuttendeleins absinden würde, und man war auch neugierig dcu zur Wahl stehenden Nachfolger- Erich Weingartners kennen zu lernen. Der Eindruck, den beide hinterließen, war ziemlich ungleichwertig. Anni Röber erfreute durch ihr tiefinnerliches Spiel und den geistvollen Vortrag, und gelangte durch die glückliche Bereinigung beider zu einer schön ausgearbeiteten mti> in jeder Beziehung wohlgelungenen Wieder­gabe der annmtigen Dlädchengestalt. Anders Jerry Dauba! als Meister Heinrich. Der aus (Engagement spielende Gast hat zweifel­los viele Vorzüge, eine gute Gestalt, überlegtes und sicheres Spiel, Swrnehme Darstelllmgsart. Tie stimmliche Beanlagung aber fck-eint nicht sonderlich gilt zu sein und namentlich im Assekt kamen nicht eben selten unschöne, harte Töne heraus^ die aber möglicherweise durch ungenügende Bekanntschaft mit der Schallwirlüug in unserem Theater verursacht worden fink Es märe deshalb vielleicht rätlich, den Gast in einer modernen Rolle au streben zu lassen, ehe man jein ensick-eideudes Urteil über ihn fällt.

Claire Albrecht als Magda verstand e5 sehr glücklich, den tragischen Kern ihrer Rolle zu einer guten Entwickelung zu bringen und auch Ada Pauly fand sich sehr gut mir ihrer Rolle und der schlesischen Mundart ab. Eine hervorragende Leistung bot Karl V 0 lck, dem glückliches Theaterblut in den Adern zu rollen fdjeint, in seiner Rolle als Pfarrer. Der junge Künstler hielt sich ersreulicherweife fern von jeder Übertreibung mit) stattete die Gestalt mit der herzlichen Innerlichkeit eines crsahrenen, gütigen ManneS au§, der nur aus Unkenntnis der vielverschlungenen Psade eines Menschenschicksales den Weg zu dem abtrünnigen DLcistcr nicht finden kann. Als Nickelnrann war W'.llibald V 0 l ck e r wie stets voll und ganz an seinem Platze und gab der äußerlich so abschreckenden Gestalt einen erhabenen Zug von lveisichauender Güte und mitleidigem Verstehen. Edgar Pauly als Waldschratt hatte sich vorzüglich in den Geist de§ seltsamen Zwitterwesens eingelebt, doch l-ätte er ctroaS lveniger sarkastisch ititb etwas mehr humoristisch sein dürfen. Die ^rnze Gestalt scheint mir mehr mutwilliger Kobold als bösartiger Faun zu sein, wofür eine Anzahl allerdings ziemlich verlorener Stellen zu sprechen.scheint. Im Afsctt dürste Edgar Pauly etwas verhattener, weniger hastig fein.

Die Ausstattung dcs Märchens war sehr gut ausgewählt und ohne Ueberscywenglichttit durchgeführt, auch von übertrieoenen Lichteffettcn war erfreulicherweise Abstand genommen worden. Mir dem Schluß des Stuckes aber Uns ich miuji nicht befreunden, pv-

sich auf den Standpunkt, daß diese Kontrolle aber auch nur dann eine wirksame sein kann, wenn sie eine einheitliche reichsgesetzlick-e Siegelung ersährt, worin die volle Unabhängigkeit und Selbständig­keit der Arbeiterkontrolleure gesickiert ift Um die UnabhnngigtLit, die Selbständigkeit und die ständige Aussicht zu ermöglichen, ist es nötig, daß die Arbetterkontrolleure nicht im Arbei.soerhcktnis zu den Zechen stehen und daß sie von der Arbeitern in direkter und geheimer Wahl mögsichst Kuvertwahl gewählt werden, ferner, daß sie allein und jederzeit eure Befahrung der Grube vor­nehmen können. Der Kongreß ist darum der Meinung, Vorschläge, wie sie z. B. der preußische Bergwerksminisber anläßlich der Nadbod- debatten im preußischen Landtag gemacht hat, abzulehnen."

Zur Einsührung eines Reichs-Berggesetzes^un­ter besonderer Beachtung a) des Bergarbeiterschutzcs und der Rege­lung des StvastvesenL, b) der.Einführung ber achtstündigen Schicht­zeit und o ber einheitlichen Reform des Krrappfchasiswesens refe­rierte F. SckMidt vom Hirfch-Dunkerschen Gewerkverein der Berg­arbeiter unter Vorlegung nachstehender Resolutionen:Die Un- fallhäufigkcit im deutschen Vergrau, die hohen Krankenzifferck, Die allzufrühe Invalidität der Bergarbeiter, ihre vielfach noch schlimme Behandlung durch die Grrchenbesitzor, wie die noch äußerst mrnrgelhasten Knappjckwstseinrichlungen für die allzufrüh aujgc* brauchten Arbeiter und deren Familien zeigen uns, daß in der Bergwerks-, wie Bergarbeiterschutzgesetzgebung noch manches zu tun ist, ehe wir zu gesunben Berhalttrissen im deulschen Bergbau kommen. Der Kongreß ist der Meinung, daß eine reichägesetzlichc Siegelung, besonders der Regelung der Arbeits- und Arbeitcrschntz- Verhältnisse im Bergbau keine großen Sck>wierigkeiten im Wcgc stehen und darum erlebt er von neuem die Forderung einer schleu­nigen rew'Bgesetzsicl-en Reform der Berggcsetzgcbung. Dar Kongreß verlangt vor allen Dingen eine reichsgesetzliche Reform in der Richtung des Bergarbeiterschutzes, der Regelung des Strafwesens, der Verkürzung der Arbeitszeit und der einheitlichen Resvrm dcs Knappschastswefens.

An dritter Stelle spricht So sinSN) vom Polnischen Ver­band über Verbot und Bestrafmtg der Schwarzen Listen- systeme und der dauernden Sperren. Seine Forderungen sind in nachstehender Resolution zusammLNgefaßt: Die Vorgänge in den letzten Jahren haben gezeigt, daß bic Bergwerksbescher fast in allen deutschen BergwerkSrevieren Orguuisasionm gebittet haben, mit dem ausgesprochenen Zweck, ihnen mißliebige Arbeiter auf kurze oder längere Zeit von der Arbeit auf den Gruben auZzu- sperren bezw. brotlos zu macl-err. Diese Organisationen der Werks- pesitzer Üben ihre Tätigkeit nicht öffentlich, sondern unter größter Geheimhaltting ihrer Pläire und Handlungen. Der Ingreß pro­testiert gegen ein solches Vorgehen der Grubenbesitzer, und ba die StaatsalUvälte bisher aus grimb der heutigen Gesetze es nicht für nötig hielten, gegen dir gesetzwidrigen L-aMnugeu der Gruben­besitzer einzuschreiten, so ersucht der Kongreß die Reichsregierung, umsomehr den bestehenden Gesetzen Achtung zu verschaffen. Bor allen Dingen aber soll die Reichsregierung daran gehen, die be­stellenden in Frage kommenden Gesetze so auszubauen, daß der Ausfperrungstaktck der Grubenbesitzer, wie sie sogar in wirtscl)ast- lichen Friedenszeiten beliebt wird, ein Ende bereitet wird. Wer Arbeiter in solcher Weise amyperrt, wie es bisher geschehen ist,

wohl er allerdings entgegen der Aoficht des Dichters fast auf sämtlichen Bühnen genau so dargesteltt wird. Nach der Tick)- tung sinkt SLautendelein nach den letzten Worten des sterbenden Glockengießers an der Seite des Geliebten zur Erde und der Vorhang sällt, beim eS ist vollkommen gleichgültig, ob Rauten­delein wieder in den Brunnen fteigt oder nicht und das stumme Spiel, das die Elbe aussühtt, wemr sie sich erhebt und in den Brunnen steigt, lenkt nur von dem Wesentlichen ab und leitet zu beut Unwesentlichen über. Dr. iE. Kilian, der Dramaturg dcs Münchener Hoftheaters, hat in teinen im Jahre 1905 erschienenen Dramaturgischen Blattern sehr fein eine Menge solcher Regieverftbße angesührt, die nicht nur für den Fachmann, sondern auch für den Laien sehr interessant sind. Im übrigen uxir die Aufführung sehr ansprechend und geschickt durckigebildet.

. Karl Neurath.

Indem Wettbewerbs urcin25-Psennigstück, den der Reick)sjchatzfekretär Sydow ausgeschrieben hat, sind über 500 Entwürfe eingeliefert wordcn. Diese außerordentlich starke Beteiligung eittspricht nach einer Kundgebung desMnsllerver- bandes deutscher Bildhauer" in der neuesten NummerWerkstatt Der Kunst" nicht der Kleinheit der künstlerischen Aufgabe, worauf übrigens (Lier erwähnte Künstler verband schon früher warnend hingewieseu hat. Der künstlerischen Betätigung war nur ein sehr geringer Spielraum gelassen worden, da die Anbringung des Adlers ii-lw. bis ins Detail genau vorgeschrieben wurde. Ins­besondere war es aber eine Bedingung, die oeit Wettbewerb nicht sür eine allgemeine Ausschreibung geeignet ersckjcinen ließ. Es wurde nämlich verlangt, die Entwürfe gleich in der Münzgröße oon 23 Millimetern Durchmesser einzniiefern. Die Befähigung, in so kleinen Dimensionen zu modellieren, besitzen nur ganz wenig dcutsci-e Künstter, und nur diese hätte man zu einem engeren Wettbewerb einiaden dürfen. Me übrigen Bewerber waren ge­nötigt, ihre Entwürfe in größeren Dimensionen anzufertigen und dann erst auf mechanisckiem Wege in die Münzgröße verkleinern zu lassen. Die Verkleinerung tollet für jede Münzseite 100 Mark, so daß der weitaus größte Teil der Beloerber für jeden Entwurf 200 Mark bare Selbstkosten hat. Neci-net man die Auftvcndung an Arbeitskraft unb Zeit überhaupt nicht, sondern nur diese 200 Mark bare Auslogeu, so kommt man schon zu dem Resultat, daß die deutsche Mnstlerschast für diesen Wettbewerb 500 mal 200 Mart, asio 100 000 Mark verauslagen mußte, damit drei Bewerber insgesamt 4000 Mack gewönnen! Bei einem so un­geheuren AiißverhältniS von Preisen und Bewerbungskosten sollte eS sich besonders eine Reichsbehörde dremvtt uverlegen, bevor sie einen allgemeinen Wcttoewerb ausschreiot. Daß das preisgekrönte 25-Psen,i^gMck jchbu sei, wird uorigens auch wohl niemand be- haupcen iwliefl, nx.ua N picht ju.tztttig dM Preisrichterkreis angehört,

pclUif^e Lag2S?chau.

Feuerbestattung eines Priuzru.

Bei der Feuerbestattung des kürzlich verstorbenen Prinzen Ernst von Lachseu'Wennar haben bte Herzöge von Württemberg, darunter der Ttzroniolger, der Herzog Albrecht, den Traucrzug verlassen, als er sich von der Kavelle zum Krematorium bewegte, offenbar um auf diese Weise gegen die Feuerbeslatlung zu benton- fnicren. Dagegen betiaieu der Stönig von Würltcinberg und der Großherzog von Sachsen - Weimar als erste regierende Fürsten - das Krematorium. In einer Korrespondenz derFranki. Ztg." aus Slullgarl wird darauf bmgciviekn, datz das Verhalten der Herzöge md)t uitcnuartot gekommen sei. Im Jahre 1902 hätten sie miigehol'eii, die Weizsäckersche Schulnvvelle in der Ersten Kammer zu Fall zu bringen. Ferner bauen dieselben Herzoge un­längst in der Ersten Kammer bei Beratung des Ziebkindergeietzes -uv den Antrag des Zentrums gestimmt, bei Unterbringung von Koslkrndern and) die Kon'ession der Pflegeelterir zu berücksichtigen. Aimisler v. Plscheck halle ausdrücklich vor solcher Ueberipanmmg ans fonteifioncllen Prulzipien geionvnt. Ter Antrag ift dann auch abgelehnt worden.

Ein modernes Ketzergericht.

Gegen den liberalen P arrer Traub von der RelnoldttGemeiude in Dortmund ist nach outet Meldung aus Dortmund vom Konst- storium in Miinster un Auirragü des Evangelischen ObcrkirchenratS in Berlin ein Untersuchnngsoeriahren eingelcitct worden. Den Anlaß hierzu gab eine Anzeige, worin dem Pfarrer Traub der Voriviirl gemacht ivwd, er habe ungläubige Anschauungen hin­sichtlich der Heilung durch Wunder und des göttlichen Ursvrnilgs Eyrifti uerlrcten. Weiterhin soll Pfarrer Traub, bet bekanntlich bei seiner Anstellung genau so wie sein Kollege Cesar um seine Bestaiigung durch das Konsistorium zu tampfen halle, durch Reise- üovträge äußerhalb Dortmunds Gesimlungsgenossen füt den Un­glauben sammeln. Tie Anzeige gegen den Pfarrer Traich ist von einem Herrn Nickel ausgegangen. Dieser Herr berichtet bariibet in der Zoltschriit2lltes Evangelium" wie folgt:Ich habe be­züglich der Osterpredigt, ico Herr Traub bic persönliche Aus- erstehung Jesu als nicht erfolgt hinslellie, Einspruch bei der zri- ftebenben Beborde erhobeii. Da Herr Pfarrer Traub seine Tat- legunfl damit begründete, Wunder gebe es nicht, so könne die Annahme der Jünger, fie Hünen Jes um aiderflanben gesehen, nur auf Blsioneii beruhen. Für il).r (Psarrer Traub) lönne auch ein Notar den Auferslehimgsakt nolatiefi nufgenonunen haben, so glaube er es doch nicht. Außerdem habe er die Behörde auf TraubS BuchTie Wunder im Neuen Testament" bingemicfeir, wo er die Jünger Jein, besonders Johanuev, als Märchcndichtet hinstellt; auch daran', daß Herr Traub Christus nur als Mensch, nicht als ronlnhaitigcn Gott, mit dem Vater eins predigt." Als das Königliche Konsistorium bet Provinz Westsalen hierauf mit- teilte, daß das Erforderliche veranlaßt lei, und daß man hoffe, Vorkommnisse der bcflagten Art würden nicht mehr eintreten, tragt dasAlte Evangelium" entrüstet:Ist da-S alles'? Mit solch dürftiger, die eigeulliche Entscheidung ganz im unklaren lassenden Antwort sollen bie befemuniSttßuen Streife von Dortmund sich be­ruhigen ? Man hofft oben, daß Vorkommmsse der beklagten Att nicht roieberfebren werben, wo man es verhindern könnte?! Wir hoffen von unseren kirchlichen Behörden nun nichts mehr."

C.K. Eine neue Verbesserung der drahtlosen Telegraphie. Marooni ist zur Zeit damit beschäftigt, die Stationen der Marcoui-Gesellschast mit sehr wesentlichen Eystein-, Verbesserungen zu versehen: llinftighiu wird cs utöglich sein, auf ein und derselben Station zur gleichen Zeit Nachrichten zu empfangen und abzusenden. Die Verbcsscrungeu sollen bereits! bis März beendet sein und bann wird die Leistungsfähigkeit der Mareonistatw'.r mit einem Schlage mehr als verdoppelt. Der Direktor der sNarconi^esellfchast Braösicld hat sich über die im vergangenen Berriebsjal-r gewonnenen praktisckien Erfahnmgeu sehr günstig geäußert.Tie Praxis har uns die Möglichkeiten der Verbesserung mancher Teile der Hilfsapparate erkennen ge­lehrt und alle Vorarbeiten für die Veräuöerungen in der Anlage sind bereits abgeschlossen!. Macconi hat Patente für seine neue Ersindung ausgenommen, und mit ihr wird die Leistungsfähigkeit der Stationen nrehr als verdoppelt. Zugleich haben uns fort­gesetzte Beobachtungen belehrt, welche Stwmlängcn sich für die llebermittehing von dkachrichten am Tage und in der Nacht eignen, so daß die anfangs häusig austretend-n Undeutlichkeiten und kleinen Störungen von der Tagesordnung verschwunden sind." Tie Mar- eoni-Gesellschast beabsichtigt jetzt die baldige Errichtung eines direkten Verkehrs zwischen Clisben auf Irland und London und auch zwischen der Glace-Bay und Montreal wird ein regelmäßiger drahtloser Telegraphenoerkehr eingerichtet, der wahrscheinlich bald bis nach Newl-ork ausgedehnt werden wird.

Die deutsche Sprache in England. DenBer­liner Akademischen Nachrichten^ entnehmen wir: Die Moderir Laugnage Association in London hat in Verbindung mit dem Londoner Zweigverein des Allgemeinen deutschen Sprack)vereins im vorigen Jahre eine Prüfung in der deutschen Sprache unb Literatur abgehallen und beschlossen, solche Prüfungen alljährlich zu wiederholen, um das Interesse sür deutsche Sprack-e und Literatur in dcu englischen Schulen zu stärken. Ms Preis erhalten bic Schüler und Schülerinnen der ersten Silane Stipendien, um ihnen einen längeren Ausenthalt in Deutschland zu ermöglichen, die­jenigen der zweiten Klasse erhalten Bücher von deutschen Schrift­stellern nach eigener Wahl. Bei der am 27. März v. I. abgc* ipltenen ersten Prüfung wurden die Schüler eingcteill in solche, die seit ihrem 12. Lebensjahre weniger als zwei volle Jahre in Dentfchlaird zugebracht haben, und deren Eltern nicht Deutsche roarcii, und in solche, bic seit ihrem 12. Lebensjahre zivci volle Jahre in Deutschland zugebracht haben, und deren Eltern (Vattr oder Mutter) Deutsche waren. Die Prüfungskommission hofft, in diesem Jahre die Geldmittel verfügbar zu Haban, um einci größere Anzahl)üier nnb Schülerinnen nach Deutschland ent- fcnücn zu Linnen. Bei der vorjährigen Prüfung wurde eiftag Schüler ein Stipendchm für diesen Zlpeck bcwittigt.