genehm «Z hervor ziih eben. Len akl«!n Zank aber toiebet aufzurM- ren, hrüzbe für den ruhigen Gang unserer Politik nicht förderlich sein. (Sehr richtig!) Wenn wir die guten Be- Ziehungen zu Frankreich pflegen wollen — und baB wollen wir ja doch auf oCten Seiten diese- Hauses '(Sehr richtig!) — dann müsse» wir vor allen Lingen die Rücksicht gelten lallen, die beide Regierungen, beide Völker nach einer schwierigen diplomatischen Auseinandersetzung aufeinander nehmen. Ich will deshalb nicht auf die einzelnen Punlte eingehen, die einer Kritik unterworfen taorbcn find. Nur das eine will ich sagen: Es ist der Besuch Seiner Majestät des Kaisers in Tanger erwähnt worden. TaS war ein wohlerwogener Schritt in dem Rahmen unserer damaligen politischen Aktion. Ich habe nichts von dem zurückzunehmen, wa- ich darüber, wenn ich nicht irre, im November oder Dezember 1005 vor diesem höhen Hause gesagt habe, nämlich, daß ich diesen Besuch an em pfählen habe, und daß ich diesen Besuch mit meiner vollen politi- schen Verantwortlichkeit decke. Nun ist hier mich von einer In. konsequenz unserer Marokkopolitik gesprochen worden. In der Politik ist nicht- von ewiger Dauer. DaS Ziel: die Wohlfahrt, di« Größe, die Macht des Vaterlandes — das bleibt dasselbe. Taö muß mit starrer Konsequenz im Auge behalten werden. Aber di« Mittel und Wege wechseln, je nach der Cvporlunität, jeder Politiker muß dem Rechnung tragen, sonst ist er eben kein Politiker. '(Eine einzelne Stimm« rechts: Sehr wahr! — Große Heiterkeit.) Das kommt im Sinne nach ungefähr auf dasselbe Linaus, Wader Urhckcr dieses Zwischenrufes, den wir soeben gehört haben, wahrscheinlich andeuten wollte. Ein verewigtes, sehr geisWolleL Mitglied dieses hohen Hauses, der Abg. Ludwig Bamberger, der mir sehr wohlwollend gesinnt war (Heiterkeit), sagte mit einmal auf einem Spaziergange, den wir zusammen im Tiergarten machten: Ich glaube — sagt« er —, daS Geheimnis der auswärtigen Politik beruht eigentlich in einer gewissen kühne» Inkonsequenz. Die auswärtige Politik kann eben nicht nach einem von vornherein in allen einzelnen Punkten fcstgelegten Programme geführt werden, son. der» fie ist die.Kunst, mit den gegebenen Faktoren zu rechnen, und vor allem muß sie sich halten innerhalb des ordo rcrum agibilium, da» schon von dem heiligen Thomas von Aquino gesagt worden ist. '(Wroße Heiterkeit.) ES ist dann daS Telegramm erwähnt worden, daS Seine Majestät der Kaiser — eS war Wohl im Januar 1896 — an den Präs identen Krüger gerichtet hat.
ES ist gefragt worden, ob dieses Telegramm ein Akt persönlicher Initiative oder ein Staatsakt gewesen sei. In dieser Beziehung kann ich Sic auf Ihre eigenen Verhandlungen verweisen. Sie loerden sich erinnern, daß die Verantwortung für diese» Telegramm von dem damaligen Leiter unserer politischen Geschäfte niemals abgclehnt worden ist. DaS Telegramm war ern Staatsakt, hervorgegangen au- amtlichen Beratungen. Es war in keiner Weise ein Akt persönlicher Initiative Seiner Majestät dc- Kaisers. Wer das behauptet, der kennt die Vorgänge nicht und tut Seiner Majestät dem Kaiser vollkommen unrecht.
Ich komme nun zu den Ausführungen des Abg. Ledebour. (Heiterkeit.) Ich bin dem Abg. Lcdebour sehr dankbar dafür, daß er es so schmerzlich empfindet, daß ich nicht an allen Beratungen dieses Hohen Hause- teilnehmen kann und daß er sehr froh ist, wenn er mich hier wiedcrsieht. (Große Heiterkeit.) Im übrigen empfand ich während seiner Ausführungen vor allem ein Gefühl, nämlich das Gefühl der Sehnsucht nach dem Abg. Bebel. (Sehr gut!) Eine tiefe Kluft trennt die Weltanschauung de- Herrn Abg. Bebel von meiner Weltanschauung. ES besteht zwischen dem Abg. Bebel und mir auf allen Gebieten der denkbar schärfste Gegensatz. Aber daS «uh ich doch sagen: der Abg. Bebel machte die Sache wirklich besser. (Allgemeine Zustimmung.) Auf die weitschweifigen Dar- legungen deS Abg. Lcdebour über die Flottenvorlagc werde ich nicht näher eingchcn. (Hört, hört! bei den Soz.) Ich habe soeben
gesagt, wie dankbar ich bie Zustimmung fe Vertreter aller bürgerlichen Parteien anerkenne; ich glaube aber, daß ich den Wert dieser Zustimmung nicht steigern würde, wen» ich mich mit dem Abg. Lcdebour auf eine große Streiterei einließe. (Seb- hafte Zustimmung.) Ich habe im allgemeinen nicht den Hang, unhöflich zu fein; aber bie Höflichkeit muß an fhören, wo c 8 auf klare- feste» Handeln ankommt. (Sehr wahr!) Der Abg. Ledebour hat grade in seinen Ausführungen über die Flottenfrogc so viel Leichtgläubigkeit an den Tag gelegt gegenüber ausländischen Behauptungen, wie fie vor allem in der deutschfeindlichen Preße hervorgetreten find, er hat s o wenig Verständnis für vaterländische Gesichtspunkte gezeigt (Sehr wahr!), daß von ihm ein ruhige» und klares Urteil über diese ernste und groß« Frage nicht zu erwarten ist. (Sehr wabrl) Mit Phantasien, mit Idiosynkrasien ohne jede» historische Verständnis (Sehr wahr!), mit dem revolutionären Drang eine» AllcrweltverbessererS läßt sich keine praktische und nationale auswärtige Politik treiben. Und da nur eine solche für mich in Frage kommen kann, lehne ich eS ab, über Fragen der Flottenverständigung etwas andere» zu sagen, als Wa-S ich soeben gesagt habe. Ich will nur «inS hinzu- fügen, der Abg. Ledebour behauptet, daß nickt die Monarchen und nickt die Minister, sondern die Sozialdemokraten und speziell die russischen und serbischen Revolutionäre den Krieg verhindert halten. (Heiterkeit.) Tie Angriffe, die er bei anderer Gelegenheit gegen die russische Regierung, gegen die amtliche russische Politik und gegen Seine Majestät den Kaiser Nikolaus gerichtet hat, weise ich zurück. Ich will aber noch ein» sagen: die Auffassung, als ob der Friede gefährdet werde durch die Souve- räne ober durch di» Minister, durch den Ehrgeiz der Monarchen oder durch Ränke der Minister und Regierungen, entspricht nicht nur nickt der wirklichen Sachlage, sondern steht im vollen Gegensatz zu dentatsäcklicken Verhältnissen. (Sehr richtig!) Die meisten Konflikte, die die Welt im Laufe der letzten Jahrzehnte gesehen hat, sind nicht hervorgerufen worden durch fürstliche Ambitionen oder durch ministerielle Umtriebe, sondern durch leidenschaftliche Erregung der öffentlichen Meinung, die durch Presse und Parlament die Exekutive mit sich fortrissen. (Lebhafte Zustimmung.) Wenn eö wieder, wa» Gütt verhüten möge, zum Kriege kommen soll, dann wird er bervorgernsen durch j e n e a ch e- ron tischen Gewalten, die sich beute leichter entzünden, al» früher. DieMonarchensindallefried fertig, die Regierungen sind c 8 auch, da» sage ick für alle. Was die Diplomaten betrifft, so erblicken sie ihre Aufgabe mehr und mehr darin, mit Löscheimern herbeizueilen, wo irgendwo aus der Erde Feuerflammen auftauchen.
Im übrigen verstehe ich nicht die Abneigung de» Herrn Ledebour gegen die Diplomaten. Er gebraucht da» Wort .Diplomaten^ fast immer nur in sarkastischem Sinne, sozusagen mit Gänsefüßchen. (Heiterkeit.) Nun, eS bat dock auck recht tüchtige Diplomaten gegeben, und ick kenne sogar in der sozialdemokratischen Partei manchen Herrn, der nickt ohne diplomatische Begabung ist. (Große Heiterkeit.) Von dem Abg. Ledebour kann ich da» freilich nicht behaupten. (Heitere Zustimmung der bürgerlicken Parteien.)
AuS dem, was ich soeben gesagt habe, ersehen Sie, daß d i e ZeitderKabinettSkriegevor über ist, und das ist em Glück. Sie entnehmen aber daraus aittb die Ueberzeugung, wie sehr jetzt alle diejenigen, die in irgend einem Grade Einfluß haben auf die öffentliche Meinung, und vor allem die Parlamente und ihre Mitglieder, wie sehr sie dazu beitragen sollen, die auf den Frieden gerichteten Bestrebungen der Regierungen vertrauensvoll zu unterstützen. Daß da» von feiten der Vertreter aller bürger- licken Parteien hier geschehen ist, dafür spreche ich meinen Dank au». (Lebh. Beifall.)
Staatssekretär v. Tirpitz:
Die rm englischen Parlament ausgesprochene .nsickt, daß der Bau unserer Schiffe gegen früher beschleunigt ist, ist nicht zutreffend. Wir bauen nach wie vor all« Schiffe in citoa
M Monaten, aus den Kaiserlichen Werften in etwa 40 TL-rater. Dazu treten mxh Probefahrten von mehreren Monaten. Ebenso meng trifft d e Behauptung zu, daß di« neueren Sänfte zweck- schnellere: Fertigstellung früher vergeben worden sind, ali ei etatmäßig zulässig ist. Richtig ist nur folgende»: Zwei Schice vom Etat 1900 find im vorigen Herbst vorbehaltlich bc: Genehmi- gung durch den Reichstag jtori Prrvatwerftcn zu Verhältnis, mäßig billigen Preisen zugesichert worden, und zwar au; frtjn Grunde, weil bei der Vergebung von v er Schiffen auf einmal im Anfang 1909 d e Gefahr bestand, daß eine echeblicke Preis, ftriflcrung durch Trustbildung ein treten könnte. Wenn zwe; Schiffe schon vergeben waren, so befand sich da» Rc.ckSmarineamt bei Vergrbung der beiden anderen in einer v el günstigeren Sage. Dir können dann also die Saiserlicken Werften al» Konki.rreyz gegen die Privatwerften auSspielcn. Mehr als zwei Schiff« können näntlid) die Kaiserlichen Werften auf einmal n.ckt ci> nehmen. Die Privatfirmen werden dadurch also gezwungen, niedrigere Preise zu fordern. Denn da« hier geheim gehalten morden ist, so hat da» lediglich darin feinen Grund, daß die f,c- sckäftlichen Verhandlungen bc» Amte» von den Firmen riebt übersehen werden sollten. Im übrigen find bi: Schiffe nicht kontraktlich vergeben, sonder» nur zugesicher: worden. Der Abschluß flndet erst nach Bewilligung de» Etats st a t t. Die LieferungSftist beträgt vom 1. April 1909 ab dann noch 36 Monate. Kein Pfennig Geld ist für die zugesickerten Schifte verfügbar vor dem 1. April. Da» muß jeder rinsehen. der die parla. mentaristben Verhältnisse und die unsere» Rechnungshöfe» kennt. Auch indirekt ist den Werften kein Geld von Banken in irgend einer Weise durck Vermittlung deS L'arineamtS verschafft worden. Tas erste der beiden vergebenen Schiffe ist besonder- deshalb vergeben worden, weil dieselbe Art von Schiften auf der betreffenden Werst hauptsächlich im Bau ist. Eine schnellere Fertigstellung dieser beiden Sckisfe ist weder gefordert, noch beabsichtigt. Die Firmen bekommen da» Geld auch nur in vier Jahresraten. Di« beide» anderen Schifte de- Etat» sollen überhaupt erst im Spätsommer diese- Jahre- ausgeschrieben und einige Monate später vergeben werden. Da die Privatfirmen ebenso wenig tote die kaiserlichen Werften wissen, ob sie diese Schisse erhalten, fann mich eine besondere Bereitstellung von Material unmöglich stattfindeu. Berat eine solche Vergrößerung erfolgt ist. fo ist da- vermutlich au» geschäftlichen Gründen geschehen, keinesfalls aber auf unsere Veranlassung.
Zum Schluß wiederhole ick noch einmal ganz ausdrücklich, tote der Reichskanzler bereit» erwähnt hat, daß toit 1912 10 Dread. noughts und 3 Invieible », zusammen 18 große moderne Schiffe und nickt 17 zur Verwendung bereit haben werden, und zwar frühesten- im Herbst und nickt im Frühjahr. Inwieweit es übrigens richtig ist, Vergleiche von Flottenstärke» lediglich auf die Zahl der Dreadnoughts zu begründen, Im"e ich hier uncrörtcrt (Beifall. Der Reichskanzler verläßt den Saal.)
Abg. SkarcchnSK (Pole)':
Die akte traditionelle Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland kann heute nickt mehr aufrecht erhalten werben Auch Fürst Bismarck würde fick zu einer solckcn Rolle nicht mehr hergeben, der sich ja in der Politik den Verhältnissen immer ai> zupassen wußte. Der Gegensatz zwischen f 'cnuar.enlunt und Slawentum, der hier mehrfach betont wurde, ist durch den HakatiS. mus und di« gewaltsmne Unterdrückung des PolentumS bedeutet d verschärft worden. Der Redner behandelt diesen Gesichtspunkt in längeren Ausführungen vor fast völlig leerem Haus«.
Ein BertagungSantrag wird angenommen. , Abg. L'ebcbonr (Soz.) (persönlich)
In der Abneigung gegen meine Person befindet fick he: Reickskanzler in bei Gesellschaft von Liebermann h. Sonmn erg, Arendt und anderen Leuten seines Schlages. (Unruhe rechts > Wenn der Reichskanzler bann einen anderen Parteigenossen nut gegenüber in hellstem Lichte erstrahlen ließ, so erklär« ich «hm, weder sein Lob noch fein Tadel für einen Sozialdemokraten von irgend welcher Bedeutung ist. (Sehr gut! bei Pen Soz.)
Nächst« Sitzung Dienstag 11 Uhr: Fortsetzung .(innere Politik und weitere Etats zweiter Lesung).
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