Wenn eS nun auch ein unerträglicher Gedanke sein mag, daß der europäische Friede wegen Serbien gefährdet werden soll, so ist doch lein Grund vorhanden, an Oesterreich-Ungarn oder die Türkei die Zumutung zu stellen, unberechtigten serbischen Aspirationen nachzugeben «Sehr richtig!) AuS diesen Aspirationen kann kein Krieg, geschweige denn ein Weltbrand werden. (Sehr rickitig!) Ich habe aber di« feste Zuversicht, daß das FriedenSbcdurfnis in Europa stark genug sein wird, um einen solchen Wcltbrand zu verhüten. (Beifall.) Die Haltung, welche die russische Politik neuerdings in der AnnerionSfroge eingenommen hot, bestärkt mich in dieser Hoffnung, und für diese Haltung der russischen Politik hat sie und insbesondere Seine Majestät der Kaiser Nikolaus Anspruch auf Aner- kermung und Dankbarkeit aller Friedensfreunde in Europa crwor- ben. Unsere Haltung gegenüber der Konferenzfrage hat sich nicht geändert. Wir haben nach wie vor keine grundsätzlichen Bedenken gegen eine solche Konferenz, vorausgesetzt, daß alle europäischen Mächte an ihr teilnehmen, und daß dar Konferenzprogramm vorher genau liiert und fest umgrenzt wird, denn wir wünschen, daß die Konfcrenzberotungen nicht als AufregungSmittcl, sondern als Beruhigungsmittel wirken. (Sehr richtig!) Nun ist weiter gesagt worden, wir hätten uns bemühen sollen, die bestehenden und nicht ungefährlichen Gegensätze zwischen den europäischen Mächten ou-zugleichen. Eö ist sogar behauptet worden, daß wir in dieser Richtung nicht genug getan hätten. Dabei Übersicht man, daß wir gar keine Veranlassung batten, eine übertrieben geschäftige Tätigkeit zu entwickeln. Sobald eine Grundlage für eine vermittelnde Tätigkeit gegeben war, haben wir auch im auSglcichen- den Sinne gewirkt.
Wir sind in dieser Richtung nicht ohne Erfolg zwischen Wien imd Konstantinopel und zwischen Wien und Sankt Petersburg tätig gewesen. Dabei sind mir un- allerdings stets der Grenzen bewußt geblieben, die wir einerseits unseren eigenen Interessen, andererseits der Loyalität gegen Oesterreich Ungarn bei unserer vermittelnden Tätigkeit zugrunde legen mußten. Ich will diese Grenzen noch einmal definieren. Wir haben keinen Schritt getan irnd werden keinen Schritt tun, der den mindesten Zweifel ließe an unserer Entschlossenheit, kein österreichisch-ungarisches Lebensinteresse preiszugeben. (Beifall.) Und ebensowenig sind wir dafür zu haben, daß an Oesterreich-Ungarn Zumutungen gestellt werden, die unvereinbar wären mit der Würde her habsburgischen Monarchie. (Beifall.)
M. H., unsere eigene Geschichte mahnt uns zur Vorsicht, auch auf dem Gebiete der ehrlichsten Maklertätig- k e i t. Wem schwebte hier nicht alö großartige? Beispiel der Berliner Kongreß vorl Diese weltgeschichtliche Verhandlung wurde geführt durch den größten Staatsmann des vergangenen Jahrhunderts. Sein leitender Gedanke war dabei, daß zwischen den europäischen Mächten ein Krieg auSbrcchen könnte, in den Deutschland hineingczogen werden könnte. So machte der gewaltige Fürst sichere Arbeit, um den Frieden zu erkalten, und er erhielt ihn auch. Aber in gewisser Beziehung trugen wir die Kosten deL Verfahrens. Die Unzufriedenheit der Streitenden richtete sich nach dem Kongreß noch mehr gegen uns alö gegen den bisherigen Gegner. Die Scherben aller enttäuschten Hoffnungen wurden gegen uns geschleudert. Ich habe als junger Mensch an dem Kongreß teil» genommen. Ich stand durch meinen Vater und seine amtlichen und freundschaftlichen Beziehungen zum Fürsten Bismarck den Ereignissen nahe, und so erfuhr ich, daß Deutschland, das den Frieden anderer erhalten hatte, selbst bald nach dem Kongreß in Kriegsgefahr schwebte.
Mit dieser Erfahrung vor Augen haben wir uns die Linie für unsere Orientpolitik vorgezeichnet. Wir wahren unsere eigenen Interessen und stehen treu zu Oesterreich-Ungarn. DaS ist, um das auch in diesem Zusammenhänge zu wiederholen, identisch. Indem wir fest zu Oesterreich-Ungarn stehen, sichern wir am besten unsere Jntereffen. Und damit tragen wir auch am meisten bei zur Erhaltung deS Friedens, des europäischen Friedens, dessen Wahrung aufrichtig gewünscht wird von diesem hohen Hause und vom deutschen Volke. (Beifall.)
Abg. Frhr. v. Hcrtling (Zciitr.)r
Auf dem glatten Boden her auswärtigen Politik können wir Abgeordnete ja nur mit allein Vorbehalt sprechen', immerhin ist e8, wenigstens für die ^Mitglieder der Budgetlommiision, leichter geworden, die frühere Klage, daß wir zu wenig Mitteilungen über die auötvärtigen Verhältnisse erhielten, kann jetzt nicht mehr er. hoben werden, nachdem unö in der Enbgctkoininission der Staatssekretär des Auswärtigen, freilich nur vertraulich und daher zu. nächst nur zugänglich für die Mitglieder der Bndgetkommission. viele Mitteilungen gemacht hat. Ich will sie ivcdcr über, noch rnrterschätzen. Aber und) einer Richtung habe ich in der Monmtif. fron scljon mein Einverständnis mit der deutschen Politik aus- sprechen Kimen
Z u n ä ch st ein v a a r Worte über Marokko. Wenn wir früher und darüber unterhalten haben, taten wir es alle mit erneu, gewissen unbehaglichen Gefühl. (Sehr richtig!) Wir tooll. tcn uns unseren Platz jur Betätigung unserer wirtschaftlichen Interessen nicht rauben lassen, aber loir hatten alle das Gefühl, haft wir um Marokko keinen Krieg führen dürfen. (Sehr richtig!) Cb die deutsche MaroNopolitik gcidinwift bat, öl' sie. wie der Reichskanzler in Anspruch nimmt, konsequent gewesen iit, auf diese Frage brauchen »vir, nachdem alles zum guten Ende gelangt ist, nicht mehr zurückj»kommen (Sehr richtig!) Wir haben uns gefreut, aus dem Aktenstück das Wort zu hören, daß die Werte, die ht Frage kämen, doch nicht im Verhältnis ständen zu den unangenehmen Nebenwirkungen auf unfer Verhältnis zu Frankreich.
Vir hoffen, haft das Einverständnis in dieser Frage dazu beitragen wird, unser Erhält ins zu Frankreich überhaupt dauernd .zu bessern und zu kräftigen. <Beifall/» Wenn ettvo? die Freude herüber trüben könnte, so iit es der «Gedanke, daß das, was jetzt erreidit ist, schon vor einigen Jahren hätte erreich! werden können (Lebhafte Zustinmnmg), schon damals, als die französische Po. fitit noch dem Sturze ^elcass« in ruhigere Bahnen einlenkte. Aber darüber brauchen mir beute nicht mehr zu rechten. Wenn in der Marokkofrage von Fehlern der deutschen D' ploma. tie gefprodten wurde, so können wir uns freuen, daß jetzt zwcifel los gefdneftere Hände im Spiele sind. Wir haben in der .Kommission über die Auswahl und Ausbildung des d i p l o. matischen Nachwuchses gesprod'en mid übet die. B c Vorzug u n g des Adels. Tie Vorwürfe waren ivirklich nicht be. redrtigt Vermögen ist für den diplomatischen Dienst doch erforderlich. und die großen Handels und Inbintrievcrmogen sind doch rod) erst jungen Datums. <S?rr von Schoen hat uns ja aber die Namen großer industrieller Familien genannt, bereu Söhne jetzt schon dem diplomatischen Dienst angehören. Die Vorwürfe waren auch bcyball» so stark, weil man zn Vertretern des Adels auch die später nobilitierten wählte. Wer gegen Bevorzugung des sprechen (Sehr richtig? link- und er wurde dann vielleicht zn fei nein Erstaunen dabei die Bmibesgenosicnschaft de- alten histori- sichen Adels finden _ Heiterkeit rechts '
Nachdem der Staat 'elreiär die feste Zusage gegeben hat, daß der Adel bei der A n iv a h l des d i p l o m a t i • ' di e n N a d» ;• : 1» i kc c s. den soll sonnte man die Diskussion ici-t i.t’ic»XV1' haic ix- . c*iefüM. -an. «addem doch ba< Bürgertum die I >» n asse . vor? n;. d-.e adel feindliche Stimmung clitHU antiquiert geworden ist. (Sehr rich
tig? rechts.) Worauf cs anfontrnr. ist. geeignete Persönlicheiten zu finden, wirklich geschlossene Männer, keine blasierten Salon Helden. (Sehr richtig!) Da- Zweite ist, daß unsere Diplomaten sich frühzeitig davon durchdringen lassen, daß sie beim fremden Staat den eigenen Staat zu vertreten haben und nicht umgekehrt den fremden. Die Hauptsache ist, daß man unser« jungen Diplomaten vor allen Dingen die Kunst de- Ar bei. tenS Ic^rt. (Sehr richtig!) Daran fehlt es hie und da.
Nun zur auswärtigen Politik zurück. Die Annexion von Bosnien und der Herzegowina mar ein Schritt der Selbst- crhaltung, war erforderlich, wenn Oesterreich sich die Früchte jahrzehntelangen Arbeiten-) nicht aus de: Hand reißen und die Bemühungen um die Schaffung abendländischer Kultur in diesen Provinzen nicht in Frage stellen lassen wollte. Jetzt handelte eS sich gewissermaßen nur darum, das Geschehene cinzuregiskricren. Es kam der Zwischenfall mit Serbien, und der Krieg schien un. vermeidlich. Diese Gefahr scheint nun beseitigt zu sein, aber eS sind noch nicht alle Probleme gelöst, die die große orientalische Frage mit sich bringt. Die jungtürkische Resolution wird noch mand-e Konsequenzen haben. Die Haltung der deutschen Politik in der Balkankrise war durchaus kor. r c f L Es war richtig, fest und treu zu Oesterreich als unserem ersten und besten Verbündeten zu stehen. (Beifall.) Es kam nicht darauf an, unseren Vertrag mit Oesterreich juristisch zu interpretieren, unser eigenes politisches Ansehen stand auf bem Spiel. ES galt nicht nur, den Dan! für Algeciras abzustatten, wir nmßten auch unser eigenes vitales Interesse wahren. Tie Stürme gegen Oesterreich zielten vielfach auf der- Deutsche Reich hin, man schlug Oesterreich und meinte Deutschland. (Zustimmung.) Deutschland hat seine Friedens- liebe so oft und so unzweideutig bekundet, daß kein ehrlicher Zweifel daran bestehen kann. (Sehr richtig! im Zentrum.) Dann aber gibt es auch Momente, wo c5 gant angebracht ist, Ernst und Entschlossenheit zu zeigen. (Sehr richtig! im Zentrum.) Ich habe keinen Anlaß, hier der Regierung eine Vertrauens- kundgebung z u bereiten, auf die man auch an maß. gebenden Stellen durchaus keinen Wert legen würde. (Allgemeine Heiterkeit.) Wer ein treues Bnndeövcrhältnis zu Oesterreich hat von jeher den Gesinnungen nnd Empfindungen meiner politischen Freunde entsprochen. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) In der Budgetkommission ist in voriger Woche die Frage erörtert worden, ob vielleicht mit England cmc Verständigung über den Flotten- bau möglich, angebracht und wünschenswert sei. Ich glaube, her Wunsch, mit England auf einem freundschaftlichen und friedlichen Fuße zu stehen, wird in diesem ganzen Hause geteilt. (Lebhafter allseitiger Beifall.) Eine Verständigung zu dem Flottenbmi loätc ein Ziel, aufs innigste zu wünschen. Wir sind die jüngste Groß, macht und wir haben als erste von allen Mächten die großen Aufgaben der Sozialpolitik in die Hand genommen. Diesen schweren Lasten gegenüber steht die große Schwierigkeit, neue finanzielle Quellen zu eröffnen. Wenn cs gelänge, die großen KricgSrüstungen zu vermindern, so würden wir da» alle freudig begrüßen. Die Frage ist nur, wie wir das anfangen sollen. Die Haager Konferenz ist nur dazu gekommen, den Gedanken einer allgemeinen Abrüstung mit einer Resolution sympa, thisch zn begrüßen. Wir müssen nicht nur den Anfang, sondern das Ende einer Verständigung mit England finden. Die Ant. wort der deutschen Regierung, daß wir unsere Flotte nach Maßgabe unserer eigenen Bedürfnisse hauen, war durchaus korrekt. Gerade meine politischen Freunde haben ganz wesentlich zum Erlaß deS Flotlengesetzes seinerzeit mitgetoirft. Die späteren Ab- stimmungen Baben gezeigt, daß wir nach wir vor auf diesem Standpunkt stehen. (Lebhafter Beifall im Zentrum.)
Ich habe c8 auch heute unterlassen, irgend welche Seitenblicko auf unsere inneren Verhältnisse zu werfen ober meine Ausführungen irgenbwic beeinflussen zu lassen durck bie befonberc Parteistellung, b i e meine Freunde in diesem Hause einnehmen. Auch heute wieder habe ich mich lediglich leiten lassen von dem Grundsatz, daß, wenn die internationale Lage, wenn unser Verhältnis zu anderen Mächten zur Erörtcrnng steht, nicht3 anderes, für uns maßgebend ist, als d a s I n t e r e s s e f ü r d i e Wohlfahrt und die Ehre des Vaterlandes. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Ich werbe mich von diesem Grund satz auch nicht abbringen lasser. wenn immer wieder der Vor- iv u r f antinationaler Gcsi n n n n g gegen nnö erhoben werden sollte. (Sehr gut! im Zentrum.) Uns tröstet das stolze Bewußtsein, daß diese nngcrcchlferiigte Beschuldigung vor der Macht der Tatsachen kraftlos zu Boden fallen wird. (Lebhafter Beifall im Zentrum.)
Abg. Graf v. Könitz (Kons.):
Die großen politischen Fragen, die seit Monaten die Qefscnt- lichkcit beschäftigen, sind etwas znrückgctreten im allgemeinen Interesse gegenüber der neuesten Entwicklung der Dinge auf dem Balkan. Wenn sich in den letzten Jahren dort bet Horizont cttva - geklärt hatte, so war es nicht zum wenigsten her entschlossenen Haltung unserer Regierung zu verdanken. Deutschland stand in fester Treue zu Oesterreich-Ungarn. Dadurch ist bie Entzündung der KriegSfackel verhindert worden, und Europa ist vor einem Weltkriege bewahrt worden. (Sehr richtig! rcctstS.) DaS muß in allen Ländern der Welt dankbar anerkannt werden. Nicht nur politische Rücksichten zwingen un5 dazu, treu zu Oesterreich- Ungarn zu halten; eS ist auch eine gerechte Sache, wenn wir Oesterreich Ungarn auf dem Balkan unterstützen. Niemand hat daü Recht, der Österreich-ungarischen Monarchie iljren Besitz auf dem Bal kan streitig zu machen. Ter Redner verweist znm Beweise auf die Verhandlungen deö Berliner Kongresses im Jahre 1878. Dort habe Oesterreich-Ungarn daö Mandat erhalten, für Ruhe in Bosnien imb der Herzegowina zu sorgen. Oesterreich-Ungarn war auch befugt, diese Provinzen dem Kaiserreiche anzüglichem. Niemand hat das Recht, von dem Donau st aatc dafür Kompensationen zu fordern, am wenigsten aber Serbien. (Sehr richtig! rechts.)
Rußland hat gewiß ein Interesse am Balkan, und ich sehe nickt ein, warum österreichische unbrussische Interessen in Konflikt geraten müssen. Gortsckakosf hat ja auf dem Berliner Kongresse erklärt. Rußland hat nicht das geringste Interesse an der orientalischen Frage. Die Bedenken gegen eine Konferenz über bie Balkanfragc sind im vollsten Maße berechtigt. Sie würden nidit Klärung, sondern nur Verwirrung schaffen. Dir haben nicht die geringste Veranlassung, in unseren traditionellen freundschaftlichen Beziehungen zu Rußland eine Aenderung cintrcten zu lassen. Im Gegenteil. c5 find wichtige gemeinsame Interessen, die un3 ixrbinben. Diese beruhen nicht allein in unseren monarchischen Institutionen, sonderi» sie umfassen auch das ganze politische t'-ebirt. Auch Rußland hat fick in neuerer Zeit wiederholt in recht schwieriger Lage befunden, und da hat e5 Gelegenheit gehabt, durch unsere FrcunbsdiaftSvroben sich zu überzeugen, daß mir in treuer Freundschaft zu Rußland stehen; und wenn gewisse Quertreibereien und PorteLefircbungen in Rußland c sich angelegen sein lassen, diese unsere FreuiidschaftSbicnjic zu ignorieren, so kann ich c5 nur bedauern.
Die Stetigkeit, bie bie beutsckc Regierung in bec Balkan- frage bewiesen hat, kommt auch auf bem Gebiete bet Flotten. rüjtung in Frage. Wir haben ba mit Vorurteilen nnd Mißverständnissen zu tun. ES ist geradezu unerfinblid), wie man behaupten kann, daß wir unsere Rüstungen gegen eine befreundete Macht richten, von der bet Reichskanzler soeben sagte, das; alle möglichen wirtschaftlichen Interessen nns mit ihr der- vindcn. Ich habe aber ba» Gefühl, daß man mit wiederholten Fricbensversickerungcn au bem Mißtrauen drüben nichts ändere. Sehr richtig!) In her Budaetkom Mission hat Herr von Sdiocn Vie uni allen bekannte Erklärung abgegeben, und c Smürbe nur benEinbruckbie,». Erklärung ab schwächen, wenn wir sie erweitern, wenn
wir noch Zusätze bazu machen lvolltcn. Ick verzichte also herauf,' in bie Friedcnslrompctc zu blasen Ick möchte glauben, baß bic Intelligenz deS englischen Volke» dieser für bas britische National, empfinden eigentlich nickt reckt erbebenden Beängstigung burd>- au? ablehnend gegcnüberstebt Große Staatsmänner haben ja aueb in jüngster Zeit auf das Gebalklose dieser Befürchtungen binaetoiefen. Aber wenn irgend ctmoc- geeignet ist, die Absur» dual dieser Bcfürcktungen m da» richtige Lickt zu stellen, fo mußte cs bie aufrichtige, ^rzliche, ich mochte sagen enthusi- astisckc Aufnahme scin,d,c da-englischeKönigS. vaar bei seinem letzten Bcsnckc hier gefunden bat, nnb ich bin bem Reichskanzler dankbar, daß er am Anfang seiner Rede auf die große politische Bedeutung dicieS Besuchs hingewiesen Hat. Der Empfang, der bem englischen KvnigSpaare Hier zuteil wurde, war der Ausdruck von Sympathie von Volk zu Volk. TaS sollte man auch in England anerkennen. Denen, die demgegenüber bic Augen verschließen, ist nicht zu helfen. (Beifall.)
lieber daS c n g l i s ch - r ii s s i s di c Abkommen über Persien hat im vorigen Jahre Freiherr v. Hcrtling Befurch, tungcn für unseren Handel ausgesprochen, und auch Herr Basser- mann hat sich dem angeschlossen. Herr v Schoen bat aber eine beruhigende Erklärung abgegeben; gewiss« Teile dieses Abkommens seien für Deutschland ganz gleichgültig, die Allein- Herrschaft von England über den Persischen Meerbusen sei keines- Wegs Gegenstand der Abmachung, die Politik der offenen Tur sei vollkommen gewährleistet. Herr v. Schoen teilte mit, bet deutsche Handels-Attache in Konstantinopel fei angewiesen, ein« Studienreise nach Persien zu unternehmen. Ich weiß nicht, ob ich bic Bitte aussprcchen barf, daß uns nunmehr über bas Ergebnis dieser Reise einige Mitteilungen gemacht werden. Unser Handelsverkehr mit Persi n ist zwar noch nicht sehr umfangreich, hat aber in den letzten Jahren ganz er. ftaunlichc Fortschritte gemacht.
Ich bin am Schlüsse Lassen Sic mich unserer Genugtuung Ausdruck geben, daß der Krieg vermieden, viele Tausend Menschenleben verschont, viele Milliarden Polksvcrmögcn vor dec Vernichtung bewahrt worden sind. Wir wissen, daß wir dies« erfreuliche Wendung der Politik in erster Linie dem tatkräftigen Eingreifen deS Reichskanzlers zu verdanken haben. Wenn der Herr Reichskanzler in seiner staatsmännischen Laufbahn weiter nicht vollbracht hot, als dieses FricdenSwerk, io würde er sich da. durch allein ein immerwährendes Verdienst erworben haben «Beifall rechts.) Ter Herr Reichskanzler kann sicher fein, Nit ihm der beste Lohn nicht fehlen wird, der Tank. (Beifall recht» )
Abg. Baffrrmann (Natl.)t
Mit den Richtlinien, die bie Politik de» Reichskanzlers in den auswärtigen Fragen auiweist. und mit feinen heutigen Tarifquoten können wir uns in vollem Umfange einverstanden erklären. Ti' Unterstützung Ce ft erreich -Ungarn ft durch unsere Politik findet unsere Billigung. Man kam, ruhig auSsprechen, daß diese Politik auch in allen Parteien und allen Schichten unsere» Volkes Zustimmung findet. (Sehr richtig!) Ter Erfolg unserer Politik ist auch nicht ausgeblichen. Wir haben im Laufe der letzten Monate gesehen, wie da» zunächst sehr lebhaft einsetzende Verlangen Englands, die ganze Frage b-r Angliederung von Bosnien und der Herzegowina einer Konferenz zu überweisen, nach und nach milder geworden ist. Wirkonntenals Erfolg dieser Politik die Tatsache registrieren, daß die Türkei sich int Wege direkter Vereinbarungen mit Oesterreich-Ungarn auScinnnhmVFfr Wir sahen, daß auch Rußland genötigt nmr, von einer Politik, die in manchen Etabicn eine große Spannung hervorgerusen hatte, zurückzugehen. Für Oesterreich hat unser Verhalten im Laufe bicf«r ganzen Wirren auf dem Balkan großen Wert gehabt. Da» Bündnis mit Tcutschland, bie Haltung Deutschlands in ernster Stunde hat zum letzten Ende ivohl auch den Frieden erhalten. (Sehr wahr!) Die Nützlichkeit unsere» starken Heere» hat sich hier aufs neue erwiesen »'Sehr richtig!), vor allen Dliigen erwiesen angesichts der Politik, bie der russische Minister des Aeußcren Iswolski durch viele Monate hindurch getrieben hat. Cime diese Friedens wehr eines starken deutscken Heere» wäre vielleicht ein Krieg leichter gewagt worden. (Lehr wahr!) Tieses starke Heer und das Ergebnis einer durch 25 Jahre konsequent durchgehaltenen Politik macht unv als Bundesgenossen besonder- wcrtvoh. weil diplomatische Verhandlungen sid> auch auf den nötigen Machtfaktor stützen können. Im Laufe der hcutipen Diskussion ist über die Frage gesprochen worden, ob Oefterr, cinc gerechte Sacke vertreten habe ober nicht Vom menfrtl dxn nnd nationalen Standpunkte aus kann man die Haltung Serd'cni nicht ohne weiteres als unverständlich bezeichnen. Man wird <• verstehen können, daß Serbien einen Weg nach dem Meere (u-tt und sich mit feinem Abfatzc unabhängig machen ivill von Oesterreich. Man wird es ferner begreiflich finden können, daß in dem serbischen Volke der Wunsch vorhanden ist, mit den flamme»- qenoffen von Montenegro zu einer territorialen Verbindung zu kommen, und man wird auch nachernpfinden können, daß in der serbischen Nation der Gedanke eine» Groß-Scrbicns wach ist. Cme solche Bewegung ist angesichts des nationalistischen Zuge» unserer Zeit gewiß ncrftänblidi. Allein auf der anderen Seite muß man anerkennen, daß auch auf dem Balkan die Welt verteilt ist. Das schließt ein Groß-Scrbien au», und es würde nur möglich fein nach schweren Zusammenstößen nnd Katastrophen auf dem Balkan. Wenn man gerecht fein will, muß man andererseits Oesterreich gegenüber anerkennen, daß, wenn man sich auf den österreichischen Standpunkt stellt, e» der letzte Plu^cnblüf toar. in dem ohne große Gefahren Bosnien nnd Herzegowina angeglicMrt werden konnten. Run sind sa die serbischen Aspirationen zweifellos im Laufe der verflossenen erregten Monate wiederholt gesteigert worden, und sie fanden ihre Unterstützung an dem russischen Minister Iswolski, dessen Acußerungen vielleicht doch eine starke persönliche Note in fidi hatten, der Verstimmung über gescheiterte politische Pläne. (Sehr wahr!) Im letzten Ende ist nun Rußland doch genötigt, auf ben Boben ber friedlichen Erledigung zu treten. Eine internationale Konferenz wäre früher eine 'Beruhigung gewesen. Nachdem aber die Türken zu direkter Verständigung mit Oesterreich gekommen sind, nachdem auch eine direkte Verständigung erzielt worden ist noifchen Bulnarien nnd Oesterreich und wir nun am Ende der Österreich.serbischen Wirren sieben, liegt wohl zu einer Konferenz kein Anlaß vor. Ec. besieht '« Gegenteil bie Gefahr, daß auck auf einer Konferenz mit feftem Programm neue Streit »ragen auf tauchen können (Sehr tvahr?) Darüber kann, wenn man bic Streift von Handel und Industrie beobachtet, kein Zweifel sein, daß in aPcn dielen Kreisen der dringende Wunsch vorhanden ist, mit diesem Frühjahr auch an das Enke der Balkanwirren gelangt zu fein. (Sehr richtig! links.) Wir begrüßen e». daß das dankenswerte Eingreifen de» Kronprinzen von Serbien ixn Umschwung vollzogen hat. »Große Heiterkeit.) Es bat nun tvobl btf deutsch österreichische Auffassung gesiegt, und ich hoffe, daß wir l ikd die Nachrickt erhalten, daß der Friede definitiv gesichert ist. Beit'all.) Wir haben au» Anlaß der deutschen Politik auf dem Balkan in manchen Blättern, die nickt deutschfreundlich gesinnt sind, gelesen, daß Tcutsckland bemüht sei. i® Bunde mit Oesterreich cmc deutsche Hegemonie in Europa aufzu- richten. Davon kann gar keine Rede sein; e» ist ba» ein' vollständig falsche Deutung unserer Bunde»lreuc Oesterreich gegenüber. (Sehr wahr! link») Dir erstreben feine Diktatur, ebenso wenig wie wir anbererfeit» gewillt sind, un» an bic Wand drücke« oder ausscheiden zu lassen. (Lebhafter Beifall » Jcki schließe diese BnachUmg mit dem Ausdruck der Freude darüber, daß bic deutsche feit-- nnd entschiedene Politik, bic in ihrem letzten Ziel auf bie Erhaltung d<» Friedens gerichtet nxn. einen so glänzenden Erfolg gebubt bat. mit dein wohl alle Schichten der Bevölkerung zufrieden fein können. (Lebhafter Beifall.)
Ick möchte mid» bann furi zur Marokkofrage wenden, bic seinerzeit so geräuschvoll mit der Reisc Seiner Maielkäi nach Tanger cinsetzte. Ich will ben allen Scherz nicht erneuern, ob


